Mineralienatlas - Fossilienatlas
Fossilien / Fossils / Fósiles => Sonstige Fossil-Themen / Other fossil themes => Geologisch-paläontologische Themen (Stratigrafie, Formationen, Sedimentation..) => Thema gestartet von: flor am 15 Feb 06, 21:05
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Hallo!
Wurden bei der Einteilung der Zeitlater/Stufen/Serien in Stratigrafischen Tabellen wichtige Geschehnisse der Evolution berücksichtigt
oder sind die Tabellen willkürlich einfach so eingeteilt worden? ???
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Hallo,
vollkommen willkürlich wurde das sicher nicht gemacht.
Die Abgrenzungen zwischen den Erdzeitaltern richten sich weitestgehend nach dem Fossilgehalt. Wenn dieser stark wechselt, Arten aussterben und neue typische Arten hinzukommen, dann kann das die Grenze zwischen zwei Erdzeitaltern bilden.
Die Gliederung der einzelnen Zonen und Subzonen richtet sich im Jurazeitalter z.B. nach dem Auftreten unterschiedlicher Ammonitengattungen, die jeweils eine Zeit von einigen Millionen Jahren abdecken.
Es werden aber unterschiedlichste Fossilien als Leitfossilien zur Schichtdifferenzierung herangezogen, das müssen nicht immer Ammoniten sein.
Wichtig für die Tauglichkeit als Leitfossil ist eine weltweite Verbreitung, sowie ein Auftreten in einem möglichst "geringen" Zeitraum von wenigen Millionen Jahren.
Ich hoffe, dass das was ich hier schreibe etwa in die Richtung dessen geht, was Du wissen willst. ;)
Gruß
Sönke
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Hallo flor,
es ist so, wie Soenke es sagt. Eine stratigraphische Grenze, die sehr bekannt ist, ist die Kreide/Paleogen (früher Kreide/Tertiär) Grenze. Zu dieser Zeit starben unter anderem die Dinosaurier und die Ammoniten aus und es lässt sich weltweit die Iridiumschicht eines Meteoriteneinschlages nachweisen. Die Grenzen dienen ja dazu, sich orientieren zu können, deshalb wurden sie auch nach und nach angepasst, wenn neue Erkenntnisse hinzu kamen. An der Perm/Trias Grenze starbn etwa 3/4 aller bekannten Arten aus (natürlich nur insoweit beurteilbar, wie man Fossilien gefunden hat), das war auch ein "gutes" Ereignis für eine Abgrenzung.
Viele Grüße
Michael
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Hallo flor, hallo zusammen,
auch auf den zu erwartenden Vorwurf hin wieder alles komplzierter zu machen als es ist: so einfach ist die Sache nicht zu beantworten.
Auf deine Frage: Wurden bei der Einteilung der Zeitlater/Stufen/Serien in Stratigrafischen Tabellen wichtige Geschehnisse der Evolution berücksichtigt oder sind die Tabellen willkürlich einfach so eingeteilt worden?
würde ich antworten: wichtige Geschehnisse der Evolution wurden nicht berücksichtigt und es war mehr oder weniger willkürlich. Wenn man die Zeit betrachtet, in der die ersten Tabellen entstanden. Serien entstanden aus prinzipiellen Überlegungen und Stufen tragen meistens Ortsbezeichnungen oder Namen von Volksstämmen im Innersten. Man hat an einem Ort halt Versteinerungen (Barton,Priabona, Rupel, Dan) gefunden und nach dem Ort dann die Stufe bezeichnet. Dass die alten Autoren sich da was evolutionäres dabei gedacht haben wage ich zu bezweifeln. Ich spreche noch von der Vergangenheit.
Gegenwart: da ist es wichtig zu unterscheiden zwischen Lithostatigraphie und Biostratigraphie. Bei der Lithostratigraphie hat die Evolution auch wenig mitzuspielen. Es geht da wie der Name sagt um die Gesteinsausbildung und entsprechend lokal ist die Sache. Hat mit Evolution gar nix zu tun. Irgendein Unterflöz Rudi oder Ewald im Ruhrgebiet wenns die gibt sind rein lithostratigraphische Begriffe, lokal fein und das wars dann auch schon. Biostratigraphie hingegen hat viel mit Evolution zu tun, kam aber erst später ins Spiel. Lokal früher, wie Soenke richtig sagt mit den Ammoniten. Da kannst mit einem Ammoniten eine Zone recht genau relativ datieren und das wurde auch früh so gehandhabt. Nur, Soenke sagt es wieder richtig, diesen einen Ammoniten gibt es am Ort X, am Ort Y nicht. Dagege muß man was tun, dazu aber später. Als willkürliches Beispiel habe ich im Netz die Strat. Tabellen (beide) von Niedersachsen gefunden, da geht das gesagte deutlich hervor glaube ich. Du musst sie nur nebeneinander legen. http://www.nlfb.de/index.htm?/geologie/erdgeschichte/ (http://www.nlfb.de/index.htm?/geologie/erdgeschichte/) und dann ins Tertiär gehen.
Und Soenke hat auch recht, man hat aus diesem Grund andere Organismen gesucht und derzeit werden hauptsächlich kalkiges Nannoplankton, Dinoflagellaten und Foraminiferen für die Biostratigraphie genutzt. Conodonten im Erdaltertum. Die ändern sich alle sehr schnell und entsprechend genauer wird die Gliederung. Siehe auch den Link. Du kannst natürlich auch Landpflanzen nehmen, wird auch gemacht, Erstauftreten von Callipteris conferta z.B. als Permuntergrenze (ich weiß es wird Proteste hageln aber ich glaube du weißt was ich meine). Oder Landsäuger. Oder Seeigel.
Weil es aber den Großteil der Meere, Tiere und Pflanzen nicht weltweit gibt (nicht einmal europaweit) gibt es dann noch Stratigraphische Korrelationstabellen, um die Serien/Stufengliederung überregional vergleichen zu können, speziell je jünger die Zeitalter werden. Pangäa war eine Landmasse, da braucht man wenig zu korrelieren, in der Kreide wirds schon ärger und im Neogen ufert die Sache aus. So viele Meere mit so vielen lokalen Stufenbezeichnunge. Der Österreicher weiß nicht was Vierlandium ist und der Deutsche (ihr hoffentlich schon) was Eggenburgium oder Badenium In Österreich ist. Und damit du das alles auch noch zeitlich genau einordnen kannst ist in so eine Korrelationstabelle meistens eine biostratigraphische integriert.
Was Zuercherella beschreibt ist Eventstratigraphie. Die ist aber nicht Folge der Evolution! Ich glaube der Meteorit war eher ein blöder Zufall. Dass er die Evolution beeinflußt hat, keine Frage, aber mit Strat. Tabellen hat das meines Erachtens wenig zu tun. Die wurden aufgestellt bevor man von diesen Vorgängen wußte und auch nicht geändert als verschiedenes bekannt wurde. Und Stratigraphie als Lehre von den Schichten hat ja primär nichts mit Abgrenzung zu tun, sondern mit Gliederung.
Aber auch die Tabellen sind Evolution: es ändert sich immer wieder was, z.B. war bis in die 60-er des 20.Jh. das Danium Bestandteil der Kreide. Und Lithostratigraphie verschiebt sich immer wieder gegen die Biostratigraphie. Ein wenig meistens nur, aber immerhin. Oder gab es Callipteris conferta schon im Karbon? Du bist ja botanisch angehaucht ;D
So, hoffe nicht gelangweilt zu haben, aber die Sache ist mir wichtig, das Wetter besch...., man kann nicht hinaus und Reaktionen, Proteste, Würdigungen etc. erwünscht.
Vor allem hoffe ich aber, die Frage von flor ein wenig beantwortet zu haben.
LG Johannes
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Vielen Dank für die Antworten!