Mineralienatlas - Fossilienatlas
Vermischtes / Miscellaneous / Varios => Dies und Das / this and that => Thema gestartet von: rudi_strolz am 05 Aug 06, 20:20
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Hallo zusammen,
es gibt ja diesen ach so wahren Spruch: "Vor dem letzten Schlag soll man aufhören." Und da geteiltes Leid ja bekanntlicherweise halbes Leid ist (noch so ein Spruch), fände ich es großartig, wenn die/der ein oder andere an dieser Stelle mal sein schlimmstes Erlebnis zu diesem Thema zum Besten geben würde. Ich fange mal an:
Es begab sich aber an einem perfekten Sammeltag im Steinbruch Becke-Oese. Ich war ganz alleine dort, kurz zuvor war gesprengt worden und plötzlich erspähte ich einen ca. 50 qcm großen Brocken, der an einer Seite eine verschmutzte Calcitfläche aufwies. Aus Erfahrung wusste ich, dass auf diesen Flächen dann und wann großartige Barytkristalle vorkamen, weshalb ich näher hinschaute. Und tatsächlich - bei dem Anblick blieb mir fast das Herz stehen - zwischen den Calciten lugte ein etwa 5 cm großer, perfekt ausgebildeter, cognacfarbener Baryt hervor. Völlig unbeschädigt und von sensationellem Glanz (nachdem ich ihn etwas abgewischt hatte). Der Kristall lag zudem, wie sonst eher üblich, nicht flach auf, sondern stand schräg gen Himmel. Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, begann ich den Brocken zu bearbeiten. Stück für Stück, Ecke für Ecke wurde abgeschlagen, bis ich ihn eigentlich hätte relativ bequem nach Hause transportieren können. Allerdings bin ich manchmal etwas zu bequem und der Weg aus dem Steinbruch in Becke-Oese war ja auch ziemlich steil, weshalb ich mir dachte: "Noch einen Schlag, dann ist er perfekt." Und genau dieser Schlag war das Ende meines TOP-Baryts. Der entschloss sich nämlich plötzlich, in vielen kleinen Stücken das Weite zu suchen. Er sprang also quasi einfach von der Stufe ab (die Calcite verharrten dagegen, wo sie waren) und das nicht als kompletter Kristall, so dass man ihn zumindest noch hätte einzeln aufstellen können, sondern in möglichst zahlreichen Einzelteilen. In diesem Moment ist mir das Herz in die Hose gerutscht und mein Wut-/Verzweiflungs-/Enttäuschungs-/Frustschrei war wahrscheinlich bis nach Hemer zu hören. :'(
Mir ist danach (natürlich) nie mehr ein derart toller Baryt untergekommen und die Chance dazu ist inzwischen ja auch gänzlich vertan (Becke-Oese ist halt zu). Mir bleibt also noch nicht einmal mehr die Hoffnung, diesen letzten, blöden Schlag wieder rückgängig machen zu können. Und, das ist leider kein Quatsch, manchmal träume ich noch davon.
Wahrscheinlich hat fast jede/r von euch sowas schon mal erlebt und vielleicht lässt uns die/der ein oder andere ja auch an seinem Leid teilhaben. Ich bin gespannt.
Viele Grüße, Carsten
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Oh, da habe ich auch was.
Vor langer Zeit fuhr Michael nach Ochtrup, um die Halden der stillgelegten Ziegelei Borges zu besuchen. Und dort fand er, in einer riesigen Konkretion, einen ebenso riesigen Ammoniten. Ein Parahoplites von 50cm! Also, Knolle bearbeitet, bis er von oben und unten fast frei war. Und jetzt??? Das Gewicht lag bei verbliebenen 80kg, wie sollte er den Brocken ins Auto bekommen? Keine Chance, der Vorschlaghammer war die einzige Lösung. Mit Wucht drauf, dabei laut geflucht, und drei tragbare Brocken mit nach Hause genommen.
Ist zwar irgendwie eine andere Version Deines Erlebnisses, aber der letzte Schlag tat nicht weniger weh :'(.
Viele Grüße
Michael
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Na, sowas ist natürlich traurig! :'(
Gruß
Brian
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Hallo!
Na da fällt mir nen Fund in Bundenbach / Hunsrück ein: Vor einigen Jahren konnte ich dort auf den Halden des ehem. Schieferbergbaues einen großen Quarzbrocken finden , auf der sich eine etwa Doppel-Handflächengroße Druse befand , die mit lauter gelblichen tafeligen Calciten xx bis 1 cm und als Krönung noch einige klare Bergkristalle bis 5 cm besetzt war. Das Ding war mir da auch zu schwer um es zum Auto zu schleppen und so hab ich versucht am hintersten Ende des Stückes was abzuschlagen und dabei riß das verdammte Teil komplett durch und die Druse war mehr oder weniger im Eimer , wenigstens die paar losen Quarze xx konnte ich noch mitnehmen...
Gruß
TK
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Ha, da hatt' ich auch mal so was......
Aus eine Kluft im Habachtal hatte ich ein grosser Brocken mit nach Hause genommen, eigentlich ein grosser Klumpen Chlorit...aber es steckte einige Quarz Spitzen drinne.
Nach das abwaschen des Chloritsandes kamen bis zu 14 cm lange von Chlorit einschlusse grun gefarbte Quarz Kristalle heraus, alles zusammen "geklebt"" von schmutzig braunen Siderit.
Da dachte ich mir den Siderit mit HCl weg zu bekommen, das wurde eine Superstufe werden!
Die Kristalle waren perfekt, nur einige kleine, winzige rissen waren in die Quarze.......
Nach lange in die Saure kam der ultime Moment, jetzt wurde ich meine superstufe in die hand halten......ich holte sie 'raus und das Stuck zerbrach gleich in dutzende stucke, nicht nur lose Kristallen blieben ubrig sondern auch die Kristalle zerbrachen spontan......, anscheinend waren die feinste rissen ganz durch und durche, sodas auch die kristalle vom Siderit in form gehalten waren, nicht nur die einzelne Kristallen zusammen geklebt......
Hier ist was ubrig blieb.....
Grusse
Harjo
p.s. oder damals in Wellin, als ich ein Stuck gefunden habe mit drei grosse perfekte gelbe Fluoriten, das Stuck war eigentlich schon klein genug zum transportieren aber ich wollte es doch nog zu das perfekte stufenformat formatien mit einen letzten gezielten schlag (ganz vorsichtig...), das wurde schon gehen denn ich hatte schon eine halbe stunde auf den brocken mit alle kraft gehauen......aber beim letzten diesmal ganz vorsichtigen schlag flogen drei wunderschone gelbe fluoriten in viele scherben durch die luft......
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Hallo,
Oder letztens:
In Holzen einen schönen Baryt-Schmetterling gefunden. Zwei fast gleiche Kristalle bildeten die Flügel, ein dritter, länglicher den Körper. Kurz in HCl wegen des Dolomits und ich hatte drei Kristalle... HEUL!
MfG
Frank
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Mehr! Mehr! Mehr!
Mitleiden ist so klasse ;)
Carsten
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Hallo,
es kann aber auch anders ausgehen: Beim zurechtformatieren eines MMs von Wittichen brach das Stückchen mitten durch die Fläche, die ich gerade noch abtrennen wollte - zutage kam ein kleiner Hohlraum mit herrlichen Erithryn-XX, dazu Lavendulan und noch etwas Zeunerit. Eine wunderbare Farbmischung! Foto folgt (wenn ichs endlich gelernt hab).
Gruß Kilo
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Ich hatte für mein Zeugniss ein Goudeyit als MM bekommen. Vor lauter Freude hatte ich vergessen das ich Aufpassen musst weil er so
fein war und zack! Zerbröselt wie ein trockener Semmel....
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Eins fällt mir noch ein:
Vor vielen Jahren war ich mit meinem Vater unterwegs zur Halde der Grube Camilla bei Hungenroth. Auf dem Weg sahen wir plötzlich im Wald einen großen Quarzbrocken aus dem Waldboden lugen. Nach näherer Betrachtung zeigten sich hier und da Spalten mit hübschen Bergkristallen. Flink den Vorschlaghammer aus dem Kofferraum geholt und das Teil zerlegt. Plötzlich öffnete sich eine Druse mit glasklaren Kristallen bis ca. 3 cm Größe. Der beste stand senkrecht und war modellhaft ausgebildet. Nun hat Quarz ja die durchaus unangenehme Eigenschaft, dass der spaltet wo er will. Wir versuchten dennoch unser Glück und - unfassbar - genau die begehrte Stufe brach aus dem Brocken heraus und fiel mit der Vorderseite nach unten ins Gras. Perfekt abgelöst, flach und unbeschädigt. So dachte ich zumindest. Nach dem Umdrehen stellte sich nämlich heraus, dass besagter Kristall abgebrochen war und unter der Stufe lag. Fast meinte ich, von irgendwoher höhnisches Lachen zu hören :'(
Daheim konnte ich die Stufe zwar wieder reparieren, so dass man den Makel überhaupt nicht sieht, und sie fand trotzdem ihren Weg in eine meiner Vitrinen, aber sie ist halt nicht perfekt. Blöder Quarz, blöder.
Carsten
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Hallo,
auch ein Schlag zu viel: Vor 'ner Stunde beim Einschlagen des letzten Nagels der Rahmenbefestigung der Vitrine im Treppenhaus (man kommt so gerade auf Zehenspitzen von der letzten Treppenstufe obe in die linke Ecke) hätte ich wohl auch auf den letzten Schlag verzichten sollen :(
Da Blöde ist, dass ist schon die zweite Scheibe :( :( innerhalb der letzten zwei Wochen. Die erste ist beim Anpassen der Rahmenleisten komplett von oben gekommen. Gut dass es Verbundglas war.
Schniff!!! (Aber die bleibt jetzt drin und es kommt 'ein schönes Fundstück davor) 8)
Schönen Gruß
Norbert
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Hi,
so wie Kilo kann auch ich ein Beispiel nennen, dass der "Schlag zu viel" auch Positives bringen kann: Ich hab mal an einer großen Stufe Prehnit mit Calcit von Hartenrod so lange herumgebastelt, bis sie schließlich in zahlreiche Teile zersprungen ist. Aber am Ende war dann Freude statt Ärger - eines der entstandenen Teile war eine knapp 10 cm große hübsche Stufe mit zwei schönen gelben Calciten, eingerahmt von Prehnit und auf jeden Fall schöner als der große Brocken am Anfang... 8)
Gruß
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Hallo Leute,
auch so kann der letzte Schlag aussehen ;)
Hat sich doch glatt der Hammer verabschiedet >:(
Tja, wer billig kauft - kauft teuer!!
Sch.... Baumarktware
Gruß
Michael
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Hallo,
das fällt unter die Abteilung "Glück gehabt"!
Diese Splitter verursachen heftigste Schäden und können ein guter Test für Schutzbrillen sein. Gerade bei Quarzen oder Feuerstein sind die - und die Steinsplitter- ekelhaft.
Ich hatte einen Meissel aus der Spitze eines abgebrochenen Bohrhammermeissels geschliffen. Grosser Mist! Die Splitter flogen nur so und die Spitze brach auch bald...
Dann schon lieber einen Bart, der am Ende des Tages abgeschliffen wird!
MfG
Frank
(der vielleicht deshalb Respekt hat, weil der Vater durch einen Hammersplitter ein Auge verloren hat)
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Hi Frank,
Es gab auch vor vielen Jahren einen Strahler der mit seinem Sohn unterwegs war im Untersulzbachtal.
Er wollte mit Spaltkeilen ein grosser Amphibolitbrocken spalten.
Auf einmal zersplitterte eine der Keile und der Sohn sa wie ein Splitter gerade das Herz seines Fater getroffen hatte, da kam alle hilfe zu spat, der Vater war auf einem schlag tot.
Ubrigens ist der Sohn jetzt ein bekannter Strahler.
Gruss
Harjo
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Traurige Geschichten! Hier ist gutes Werkzeug nötig, aber auch Umsicht und (teilweise) zurückstecken. Auf einer Exkursion ist mir ein Hammersplitter eines Estwing (!) am Ohr vorbei geflogen, den mein Prof auf einen Granit geschlagen hatte. Manche Gesteine sind halt mit normalem Werkzeug nicht zu bearbeiten, beim Feuerstein sträuben sich mit alle Nackenhaare, wenn ich an ein Aufklopfen denke. Und wenn zwischen den Unterkreidekonkretionen mal schmutzverschmierte Findlinge liegen, fliegt einem der Vorschlaghammer bei unvorsichtigem Herangehen ganz gut um die Ohren :o.
Viele Grüße
Michael
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Hallo Michael
Wo Du gerade von Feuerstein redest. Ich war vor Jahren mal in Les Dalles sur Mer in Frankreich. Der komplette Strand besteht dort aus Flintgeröll z.T. noch sehr groß, da das Material direkt aus den Kreidefelsen der Küste stammt. Da hatten einige Spezies aus England direkt am Strand mit dem Aufklopfen der großen Brocken begonnen - In der Badesaison >:(. Flint-Splitter stehen ja Glasscherben in nix nach - sind nur schlechter zu sehen. Nachdem sich zwei Leute die Füße aufgeschnitten hatten, wurde der Strand von den Rettungsschwimmern für einen Tag geschlossen und (soweit möglich) abgesucht.
Man sollte in der Tat nicht überall auf allem rumhämmern ;).
Gruß
Steffen
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Hallo,
Noch gefährlicher als Flintsteine, mit dem Hammer zu zerlegen (braucht man mir als Schleswig-Holstein-erfahrener Sammler mit zig Stunden Geschiebeerfahrung nicht zu sagen, habe eine 1 cm lange Narbe am Finger von einem Flintstein, der beim Zerschlagen splitterte) ist die Touristenmethode: Den Flintstein einfach auf den nächsten Findling schmeißen. Dabei entstehen sehr feine Abschläge, die wie Rasiermesser aussehen und in alle Richtungen fliegen. Dann lieber der Hammer. Wenn ich Leute (meine Halbschwester z.B.) dabei habe, sage ich denen grundsätzlich, dass sie einige Meter zurückbleiben sollen und nicht genau vor dem Flint stehen dürfen. Man weiss halt nie, wohin die Splitter fliegen.
Einmal letztes Jahr habe ich ne Fluoritdruse an der Clara gefunden, da waren xx bis 4 cm drin. Da ich keinen Vorschlaghammer zur Hand hatte, hat ein anderer Sammler den Brocken für mich geknackt. Beim letzten Schlag spaltete der größte x leider durch. Die Stufe trägt aber noch drei Würfel bis 2,5 cm und einige Baryt-xx.
Glück Auf!
Smoeller
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Das mit dem Flint gehört dann wohl eher in die Kategorie: vor dem ersten Schlag sollte man aufhören ;).
Für Höhlenmenschen sicher wichtig, die konnten das mit der Bearbeitung aber besser und hatten auch für die "Rasierklinge" mehr Verwendung ;D.
Noch ein Gegenbeispiel, wo der letzte Schlag wichtig war: wie oft hatte man das schon, dass man sich nach einem langen Tag sagte: jetzt noch 10 Schläge! Dabei kam einst in Rothenberge unmittelbar vor dem Dunkelwerden noch einer meiner schönsten Ammoniten von dort heraus. Geht doch!
Viele Grüße
Michael
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Hallo!
Hier gibt es auch ein ähnliches Vorkommen wie das mit den Feuersteinen. 5 Minuten von mir zu Hause wurde vor etwa 30 Jahren Jaspis für die Schmucksteingewinnung abgebaut. Auf den Halden ist heute noch sehr viel Jaspis zu finden , wobei für die Sammler eher die kleinen Quarzdrusen mit den darin gut ausgebildeten Mikros von Goethit xx und Hämatit xx am interessantesten sind. Jedenfalls das Zeuchs is genau so gefährlich wie Feuerstein...
Mehr zur Fundstelle: http://www.tkmin.de/Fundstellen/Saar/Jaspis.htm (http://www.tkmin.de/Fundstellen/Saar/Jaspis.htm)
Gruß
TK
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;D Tach Zusammen,
ich sammele schon seit gut 30 Jahren und habe in der Zeit ne Menge "letzte Schläge" verteilt. An die meisten erinnere ich mich nicht mehr und sehe das auch heute nicht mehr als so tragisch an. Die Maleure hatten mehr eine erzieherische Wirkung und haben meine Fähigkeiten im Formatieren von Stufen fast bis zur Perfektion verfeinert (strunz!)..
Ich bin kein Freund von Kreissägen und Polierscheiben. Meine Stufen müssen unbedingt gehämmert sein, weil sie nur so "wie frisch vom Berch" aussehen.
Ich erinnere mich daher nur an zwei, ziemlich peinvollen "letzten Schlägen". Der eine liegt schon eine zeitlang zurück und passierte bei meinem ersten Besuch im "Juchem" bei Niederwörresbach. Der andere Vorfall ereignete sich Anfang dieses Jahres im Steinbruch "Trittenheim" an der Mosel.
Die Amethystgeode
Nun zuerst die Geschichte um die Amethystgeode. Diese saß als strausseneigrosses Objekt im Basalt, weiss ummantelt und harrte auf ihre Befreiung. Ich hatte schon einiges an Material weggehämmert und das Wasser des Fleisses rann in Strömen an meinem Alabasterleib hinunter. Meissel und Fäustel glühten ob der vielen Schläge an diesem zähen, harten Material.
Endlich...die Zunge hing schon seitlich aus dem Mund...Die Augen quollen hervor ...da fiel mir die Geode in die Hände.
Sollte ich die sofort mal aufkloppen ??? Im selben Moment erschien eine kleine weisse geflügelte Gestalt mit gefalteten Händen neben meinem linken Ohr und flüsterte mir zu: "Lass et! Lass et sein, Charly!" Kaum hatte die kleine weisse Gestalt mir diesen Tip erteilt .... -PUFF- erschien eine kleine rote geflügete Gestalt mit einem kleinen Dreizack neben meinem rechten Ohr und schrie: "Wat soll et, Charly, klopp sie auf, dann weisse auch, ob die ganze Aabeit sich übahaupt gelohnt hat!"
Ich hörte auf die kleine rote geflügelte Gestalt mit dem kleinen Dreizack. Nahm Meissel und Fäustel und hörte, als der Hammer hinuntersauste noch die kleine weisse geflügelte Gestalt schreien: "NEEEEEIIIIIINNNNNN!" - Da war es aber schon zu spät....
-PLOPPDICH- Die Geode zersprang in 3 Teile und ein ca. 2,5 cm grosser gelber Calzit bröselte mir aus dem Inneren entgegen.
Der Juchem hat von Zeit zu Zeit ein schönes Echo. So auch die umliegenden Berge ... Ob mein Schrei zwischenzeitlich verhallt ist?
Gehhülsen Ade
Zum Zweiten war ich Anfang des Jahres scharf auf ein paar Bergkristalle. Wir hatten ein schönes Wochenende mit TKMineral, Steinesteff, Nölli, Volker und anderen aus dem Forum in Fischbach und dem Juchem verbracht. Am Sonntag morgen setzte man zur Heimfahrt an. Ich hatte schon die Enthaftungserklärung für Oberwiddersheim in der Hand, überlegte es mir aber kurz anders und ich fuhr mit meinem Weibchen zum Abbau "Neumagen II" bei Trittenheim.
Dort angekommen parkte ich meinen Passat am Eingang. Unten im Bruch war ein See und hinter dem See, quasi auf der anderen Seite, lagen Quarzbrocken, in welchen die Bergkristalle zu stecken pflegten. Man hat ja Gummistiefel dabei und man konnte auch am Seerand vorbei balancieren. Der Seerand und der Seegrund wiesen eine schlammige Konsistenz auf. Auch war dieser Schlamm sehr zäh und ich vermeidete so gut es ging den Kontakt damit. Das Zeug war zudem rot und klebrig wie Fliesenkleber.
Aber dennoch war schnell ein Plätzchen gefunden und vom Geröll befreit. Das lustige Getrüffel konnte beginnen. Das Frauchen las derweil Ihren "Irrlicht"-Roman im Auto und ich fand auch schon eine Stufe mit einem 10 cm großen wasserklaren Bergkristall. Nur das taube unansehnliche Zeug, das muss noch abgekloppt werden.
Anstelle jedoch den Kristall festzuhalten, hielt ich die andere Seite fest und der Fäustel sauste auf die von mir anviesierte Stelle. Mit einem hellen "KLINNNNG!" verabschiedete sich die Bergkristallbehaftete Seite und landete ca. 1,5 m vom Seerand weg im Klebeschlamm.
"Toll!" - dachte ich "Hasse nochmal Glück gehabt!, Die Stufe dürfte unbeschädigt geblieben sein. Gehste ma´ hin und holst Dir das Teil wieder. Mit Wasser kriegste das schon wieder sauber.."
Ich Riesenhirnhornochse setzte meinen ersten Tritt an den Schlammrand und sackte ersteinmal bis zum Knöchel ein. Mit meinem zweiten Schritt versank mein linker Stiefel bis zum Schaft .. und wollte nicht mehr heraus kommen. Ich rüttelte und schüttelte mein Bein, aber nix tat sich. Mit einem "SCHLUUURRRFFF!" zog ich meinen Fuss samt Socken aus dem Stiefel, welcher sofort in sich zusammen sackte und sich im Schlamm auf Nimmerwiedersehen verabschiedete.
So stand ich eine Weile wie ein Flamingo im Schlamm.Als ein ziemlich fetter Flamingo zwar, aber immerhin...
ich stand also nun so da, kam weder vor noch zurück und mir blieb nur eine Möglichkeit, wenden und zusehen, wie man aus dem Schlamassel raus kommt. Es kam natürlich so, wie es kommen musste. Auch mein zweiter Stiefel verabschiedete sich auf gleiche Weise und mein Socken vom andern Fuss wurde ebenfalls vom roten Sediment fossilisiert.
Ich schaffte es so aus diesem Treibsand raus zu kommen, stand aber jetzt quasi barfüssig in einem Meer aus Quarzsplittern, welche sich meinen Gehorganen wie Skalpelle entgegen reckten.
Mein Frauchen hörte "WDR 4" ... und somit mein flehendes Rufen überhaupt nicht. Ich wedelte mit allem was ich hatte.........(Nee-DAMIT natürlich nich´!") und endlich sah sie auf und rief herüber, was nu´ los wäre. Ich rief ihr zu: "Schatzi!, bring mir ma´ en paar Schuhe!". Da sie aber selber nur Ihre "guten Schuhe" anhatte und "Schuhe" für Frauen heiliger sind als kirchliche Reliquien , kam sie nur bis zum äussersten, gegenüber liegenden, Seerand. Zu mir waren es von dort ca. 10 Meter. Sie hielt meine Schlappen hoch und rief herüber: "Hier......Fang!!"
Was soll ich sagen ... meine Frau war garnicht gut im Schlappenweitwurf und so landeten sie ca. 1 m vor mir im Schlamm und verabschiedeten sich mit einem leisen Gurgeln auf Nimmerwiedersehn.
Wie gesagt, blieb mir dann nur noch das Scherbenlaufen. Soll ja eine geistig reinigende Wirkung haben, sagte ich mir...die Hindus laufen schliesslich regelmäßig über glühende Kohlen, Nägeln oder Glasscherben...
Schlussendlich konnte ich von Glück sagen, das ich immer einen Verbandskasten und genügend Pflaster im Auto habe. Die Splitter operierte mir mein Hausarzt am Montag morgen aus den Füssen...
So war es und so bleibt es, unvergessen auf alle Zeiten
PS.: Ich nenne meine Frau immer noch "Schatzi" .. aber nur, weil ich mich nicht entscheiden kann, ob ich Sie "Schaf" oder "Ziege" nennen soll ;-))
Trüff, trüff
Charly
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hahaha Charly
hervorragend geschrieben!
der letzte Erlebnis ist aber echt sch****
nunja.. sowas passiert einem wohl nur ein Mal im Leben ;)
damit ich auch was zufüge an dieses Topic: habe mal erlebt das ein Freund eine Schlagader-Blutung am Arm bekommen hat durch rumfliegende Quarz-Splitter. War schon Riesenpech aber bestätigt noch mal daß Quartz sehr gefährlich sein kann.
Grüße Robin
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Hi Charly!
Bittere Storys , besonders die letzte...also wenn ich da mal Stiefel und Schlappen find , weiß ich ja wem sie gehören ;D...
Gruß
TK
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Hm... hätte die Geschichte mit der Amethytgeode nicht schon letzte Woche drin stehen können?
Ich [entfernt] wäre vorsichtiger gewesen. :P
War am Samstag zum ersten Mal in meinem Leben im Juchem.
Ich bin gerade 20 Minuten am Klopfen als ich mit meinem Fäustel zum Lockern auf eine Stelle schlage...
es kommen sofort blaue Kristalle herausgerieselt. Wenige cm unter der Oberfäche saß eine Geode, die ich leider von oben zerdeppert hatte. In der Folge kam auch noch ein gelber Calcit hinterhergerieselt. :'(
DIe halbe geode konnte ich noch retten...trotzdem Sch.. im Trompenrohr.
Norbert (reif für den Psychiater)
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Hallo zusammen!
Bei meiner Geschichte handelt es sich nicht um einen letzten Schlag, vielmehr ist es der "Tropfen" der das Fass überlaufen lässt. Ich war in der Lausitz unterwegs und hab auf einer Halde (Nickelbergbau) einige verwitterte Brocken mitgenommen. Nix besonderes, etwas Derberz. Ein Brocken ist irgendwie in einen Blumentopf geraten und hat gelegtentlich ein bisschen Wasser abbekommen. Eines Tages staunte ich nicht schlecht, als sich herrliche Sekundärausblühungen gebildet hatten. Sehr seltene noch dazu: Nickel- bzw. Ferrohexhydrit! Die musst du stabilisieren, dachte ich... Super Idee, ich nehm also einen Sprüher und verteile einen Nebel aus feinem Tiefgrund. Der hat schon gereicht und ich hab zusehen können, wie die Minerale dahinflossen. Schöner Mist...
Robert
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Hach, was ein herrliches Bord. Warum schreibt hier keiner mehr was. Vielleicht bin ich ja der einzige, der von Zeit zu Zeit mal mit dieser Thematik in Berührung kommt. Jedenfalls wird das hier mal wieder aufgenommen. Ich hoffe auf Eure Geschichten. Geteiltes Leid ist doch halbes Leid. Also denn, gehe ich mal mit schlechtem Beispiel voran.
Es war ein schöner Septembertag im Kalkbruch Rüdersdorf bei Berlin. Die Funde waren gut, sowohl was Gips anging, als auch den von hier berühmten Coelestin. Ich hatte bereits das ein oder andere Stück gefunden, als er dann vor mir lag: der Coelestinfund, den man in Rüdersdorf nur alle paar Jahre mal macht. Ein zweifarbig blau/roter Kristall. Unbeschädigt, die Größe war mit zwei Zentimetern auch top und zu allem Überfluss war das Ding auch noch mit glänzenden Pyrit xx überzuckert. Jetzt nur nix falsch machen, dachte ich und begann die Druse in der das Ding freistehend saß, vorsichtigst freizumeißeln. Bei dem Wort "freistehend" werden sich bei den ersten von Euch sicher schon düstere Gedanken kommen. Wie auch immer, erst mal klappte alles ganz gut. Ich hatte die Druse vorsichtig mit Zellstoff ausgepolstert und wunderte mich bereits, weshalb alles so gut funktionierte. Da holte mich ein leises "sipp" in die Realität zurück. Ich pellte den Zellstoff ab und sah mir die Bescherung an: die klare blaue "Kappe" hatte sich sauber von dem roten Kristall abgespalten. Fluchend zerdrosch ich den lumpigen Rest, der wie zum Hohn immer noch fest auf dem harten Kalk saß. Das blaue Endstück hab ich mir aufgehoben: nun mahnt es vor jeder Exkursion zur Vorsicht. Diese Episode ist mir noch in Erinnerung, den Rest hab ich glücklicherweise verdrängt. Dunkel schwirren in meinem Gedächtnis noch zerbröselnde Honigcalcite von Arpke herum. Aber da will ich jetzt gar nicht weiter dran denken...
Glückauf
Andreas
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Wozu ein letzter Schlag? Manchmal reicht schon ein weicher Flachpinsel. Dieser hochinteressante Pyrit vom Stb. Büschhof/ Wirtenbach ist jetzt im Ausguß. Ich hatte den Ehrgeiz für das Forum noch ein besseres Foto zu machen, ohne den ganzen Staub auf den Kristallflächen. Bei einer Aggregatgröße von ca 2mm macht sich so ne Verunreinigung schon deutlich bemerkbar.
also, ab unter den wasserhahn und vorsichtig mit weichem Pinsel und Shampoo diese Stelle nachbehandelt.
Und nu isser weg. So geht´s und alles für´s Forum.
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Hallo thothie
gehört dieser schöne Fleischerhaken zu der abgebildeten stufe mit den Oktaedern oder ist das ne Verunreinigung ?
Das Bild ist doch nicht übel und der Kristall scharf.
Wenn man jetzt noch wüsste wo Wirtenbach ist, wär n Bild im Pyritportrait fast vorprogrammiert.
Danke
collector
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@ collector
hier gibts was dazu:
http://www.mb-minerals.de/deutschland/wirtenbach/wirtenbach1_bilder.html
Gruß
MB
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Hallo Michael
danke !
Jetzt such ich nur noch ne brauchbare Erklärng, warum diese rechtwinkligen Aggregate als Nadelpyrit bezeichnet werden ??.
(Das sind meiner Meinung nach keine einzelnen Kristalle).
Gibts da weitere Infos dazu oder kannst Du mir was näheres dazu sagen ? Ansonsten kann man das Thema ja mal separat ins Forum posten.
Danke und Gruß
collector
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Hallo,
bei wars nicht der letzte Schlag sondern der letzte Schliff.
Hab mir vor garnicht all zu langer Zeit ne schöne Flouritstufe vom Ralf zugelegt.
Die war aber mit einem undurchsichtigen gepansch überzogen.
Dacht ich mir das bekommste hin. Also auf in Baumarkt 800 und 1000 Nassschleifpapier geholt und los geschliffen.
Danach noch Poliert soweit wie möglich und fertig war ich.( Nach zwei Tagen) Das ganze noch mit Haarlack versiegelt.
Ergebnis waren und sind noch Wunderschöne zart grüne Glasklare Flouritwürfel mit fast 5cm Kantenlänge. ;D
Doch jetzt hab ich entdeckt das die Würfel springen. also im inneren bruchstellen bekommen.
Zwei der Würfel sind nicht mehr durchsichtig :( :(
Hab jetzt den Grund rausgefunden. Durch meine Schleiferei hab ich die Oberflächenstruktur zerstört und da die Stufe noch in Fenster und Heizungsnähe steht ist durch die ständigen Temperaturschwankungen sie einer "Arbeit" ausgesetzt. Die hat ihr ganz gut zu gesetzt.
Naja hab sie jetzt weggestellt und hoffe so sie vor weiterem Verfall zu schützen.
Schade um das schöne Stück.
Mfg Frank
P.S.:
( Hab mal den Staub aus meinen Regalen abgesaugt und die großstufen aber drin gelassen. War auch ein Apohyllit dabei(Würfelkristall).
naja hab die halt auch mit abgesaugt. Doch der 800 watt Staubsauger zieht ernorm. Und als ich fertig war war der Würfel weg. :o Hab ich den ganzen Beutel auseinander genommen und den Würfel gesucht. :( nach einigen Zeit und viel gehuste vom vielen Staub auch gefunden und wieder dran geklebt. sieht man jetzt aber wenn die Stufe von unten Beleuchtet wird :(
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Hallo Michael
danke !
Jetzt such ich nur noch ne brauchbare Erklärng, warum diese rechtwinkligen Aggregate als Nadelpyrit bezeichnet werden ??.
(Das sind meiner Meinung nach keine einzelnen Kristalle).
Gibts da weitere Infos dazu oder kannst Du mir was näheres dazu sagen ? Ansonsten kann man das Thema ja mal separat ins Forum posten.
Danke und Gruß
collector
Hallo collector (hast du auch einen Vornamen?),
dieses kuriose Kristallaggregat würde ich nicht unbedingt als Einzelkristall eines Nadelpyrit ansprechen. Allerdings bin ich dafür auch kein Experte. So, wie ich das interpretiere, ist es hier an der Basis eines Kuboktaeders zu einem neuen Kristallwachstum gekommen. Entsprechend den Wachstumsbedingungen kam es erst zu einer oktaedrischen ausbildung, die dann in eine langprismatische übergegangen ist. Bedingt durch diverse Störungen und Wachstumsunterbrechungen hat sich dieser Prozess nach irgendwelchen physikalischen Regeln fortgesetzt, bis schließendlich diese krückstockartige Gebilde entstanden ist.
Es gibt sicher hier im Forum einige Profis, die das bedeutend besser erklären können.
Die Fundstelle ist auch allgemein bekannt. Unter anderem ist sie mit ihrer kompletten Paragenese bei mindat.org u. minmax.net beschrieben , ebenso in einer Lapisausgabe.
Schöne Grüße
Thomas
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und noch ein letzter Schlag:
Tatort Herrmannstein bei Wetzlar vor etlichen Jahren. Emma sitzt auf einem niedrigen Stein und bearbeitet eine Calcitstufe, den Kopf auf die Seite gedreht um dem Hammer nicht in die Quere zu kommen. Dann war es soweit, einen Schlag noch: mit dem Kopf über die Stufe zum genauen Hinsehen und der Hammer kommt hoch :o
Was lernen wir daraus? Es kann kritisch werden, wenn das Hirn 2 Befehle zur gleichen Zeit abarbeitet und der letzte Schlag muß nicht immer eine Stufe treffen, es kann auch mal das Kinn sein :'(
Gruß
Emma ;D
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Aua!
Bei mir wars mal der linke Zeigefinger. In Wilnsdorf.
Der letzte Schlag für lange Zeit...
Jaja, kaum will man sich erfreun,
so kommt gleich was Fatales drein...
(Wilhelm Busch)
Gruß Kilo