Mineralienatlas - Fossilienatlas
Mineralien / Minerals / Minerales => Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals => Thema gestartet von: Philip Blümner am 15 Aug 06, 23:55
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Hallo!
Wieso befindet sich Hübnerit MnWO4 in der Gruppe der Oxide (IV D), aber Scheelit CaWO4 in der Gruppe der Sulfate (Wolframate und Molybdate - VI G)?
Ist doch beides Wolframat...oder etwa nicht?
Gruß
slugslayer
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G : Molybdates [MoO4]2- and wolframates [WO4]2
diese zeile heisst ja so wie sie da steht dass Hübnerit und Scheelit Wolframate sind, da beide WO4 enthalten ...
soweit ich weiss gibt's aber sowohl in der Gruppe der Oxide als auch der Sulfate eine Unterteilung die Wolframate beinhaltet oder? ???
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Hat das evtl. was mit dem Metallgehalt zu tun?
Mn, Fe vs. Ca?
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Hallo,
Es ist :
Ca:W:O = 1:1:4.
Mn:W:O =1:1:4 8)
Der Gehalt kann es nicht sein, wer rechnet denn in Massenprozenten?
MfG
Frank
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klassischerweise wird Wolframit als Doppeloxid angesehen, also als MnO x WO3 bzw. FeO x WO3. Tatsächlich sind die "Wolramite" dem Aussehen nach ja auch typische Oxide
Scheelit und andere Wolframate werden dagegen als Salze der Wolframsäure angesehen, die halt als Untersektion der Sulfate eingeordnet ist
Ganz ähnlich ist das übrigens mit dem Chromit = FeCr2O4 = Doppeloxid des Spinelltypus und dem Krokoit PbCrO4, = Salz der Chromsäure.
Warum allerdings die meist sehr bunten Polyvanadate wie Hummerit, Pascoit, Rossit etc. als Oxide angesehen werden und nicht bei den Vanadaten stehen, ist auch mir ein Rätsel...
Glück Auf
Thomas
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Hallo,
@Thomas: Da kann ich nicht ganz folgen. Wie sehen bitte typische Oxide aus?
Mir scheint die Strunz'sche Systematik hier etwas überholt und wohl aus der Tradition heraus begründet. Ich sehe weder paragenetisch, strukturell oder chemisch einen Grund die "Wolframite" nicht den "Wolframaten" zuzuordnen. Ullmann (1983) zufolge ist Wolframit ein Sammelbegriff für eine lückenlose Mischreihe von Fe(II)- und Mn(II)-Wolframaten. In der Dana-Gruppe 48.1 (Anhydrous Molybdates and Tungstates where A XO4) sind sowohl Scheelit, Wolframit, und Hübnerit drinnen.
Gruß
Berthold
ULLMANN (1983) Ullmanns Encyklopädie der technischen Chemie, Band 24; Wolfram, Wolfram-Legierungen und Verbindungen, Verlag Chemie, Weinheim S. 457-488; ISBN: 3-527-20024-X
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Hallo Berthold
wie werden diese Frage hier nicht lösen können und je mehr man sich darin vertieft, desto unlogischer wird es. Wenn Du beispielsweise bei mindat nachschaust, dann wird die Wolframitgruppe als Oxide geführt, Scheelit jedoch als Sulfat. Im angegebenen Heys Index werden beide in eine Gruppe gestellt mit eigener Nummerierung. Allerdings listet Heys auch Wolframit als gültiges Mineral auf, was er aber laut IMA nicht (mehr) ist....!!?? Wie gesagt, logisch ist das alles nicht so besonders...
Für mich erscheint daher die (möglicherweise tatsächlich nur klassische ?) Einteilung in Doppeloxide und Salze der Wolframsäure als einigermaßen plausibel.
Und ein typisches Oxid sieht nunmahl meist rot, braun oder schwarz aus im Gegensatz zu den meist weit farbenfroheren Sulfaten etc. Ok, Ok, auch bei den Oxiden gibt es Ausnahmen...
Glück Auf
Thomas
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Sollte man es dann so sehen, wie es Strunz macht (im Lex)?
Vielen Dank schon mal.
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Hallo,
wie Thomas schreibt (Heys und Strunz): logisch ist das alles nicht so besonders...
Für mich ist in dieser Hinsicht einzig das Dana-System logisch. Es ist die mehr chemische Sichtweise. Der Strunz-Ansatz ist in erster Linie strukturell und dann erst chemisch (und wohl auch traditionell). Man kann des eben von verschiedenen Richtungen sehen...
Gruß
Berthold
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Wolframit (d.h. Ferberit und Hübnerit), enthalten keine Wolframat-Gruppen und sind deshalb keine Wolframate. Die Formel von Scheelit Ca(WO4) zu schreiben ist korrekt, die Formel von Ferberit Fe(WO4) zu schreiben wäre falsch.
Strukturell weist Wolframit Beziehungen zum Brookit und zur Columbit-Gruppe auf.
Wolframit ist die Bezeichnung für die Mischkristallreihe Ferberit - Hübnerit, also auf dem gleichen Level wie z.B. "Olivin". Nach der sogenannten 50%-Regel ist alles mit Mn > Fe Hübnerit und mit Fe > Mn Ferberit (Atom-%).
Glück Auf
der Stollentroll
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Hallo,
Wolframit (d.h. Ferberit und Hübnerit), enthalten keine Wolframat-Gruppen und sind deshalb keine Wolframate.
Das sehe ich anderns. Zitat KING (2005):
Structure of the wolframite series
The structure of all members consists of distorted tetrahedral (WO4) groups and octahedral ((Fe,Mn)O6) groups.
Gruß
Berthold
KING (2005) Geology Today Volume 21 Page 33 - January 2005 doi:10.1111/j.1365-2451.2005.00493.x
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Das sieht in einer Strukturzeichnung aber ganz anders aus, da sind keine Tetraeder zu erkennen, nur Oktaeder .....
z.B. hier:
http://ruby.colorado.edu/~smyth/min/wolframite.html (http://ruby.colorado.edu/~smyth/min/wolframite.html)
Glück Auf
der Stollentroll
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Hallo,
ähh, mit der Zeichnung kann ich nichts anfangen (Perspektive, Beschriftung).
Ich hab mal mit jmol ein Wolframit-Struktur-Bildchen gemacht, siehe unten. W ist blau und O ist rot. Also, ich sehe da schon WO4-Tetraeder - oder ?
Gruß
Berthold
PS: Die Strukturdaten stammen aus der American Mineralogist Strukturdatenbank http://rruff.geo.arizona.edu/AMS/result.php?mineral=Wolframite (http://rruff.geo.arizona.edu/AMS/result.php?mineral=Wolframite)
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Was du siehst, sind nicht Tetraeder, sondern unvollständige leicht verzerrte MO6-Oktaeder. Wenn du ATOMS hast, kannst du den cif einlesen und dir selbst Polyeder zeichnen lassen.
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So ist das halt mit den Klassifizierungen. Aufgrund von verschiedenen Ansaetzen entsteht einiges an Verwirrung. Ein klassisches Beispiel ist der Quarz. Mal ist es ein Oxid und mal ist es ein Silikat.