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Autor Thema: Kann ich Geologie studieren?  (Gelesen 37173 mal)

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Offline spotts

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #15 am: 06 Jan 09, 09:05 »
Hallo Schneebrot,

wie bereits an anderer Stelle erwähnt:

ohne die Bereitschaft viel "nebenbei" zu Lernen oder sich möglichst oft im Gelände aufzuhalten wird aus dem Studium nur ein schöner Zeitvertreib.
Leider werden meiner Meinung nach viel zu viele Nebenfächer durchgezogen (bis zu 70%), meist bleibt dabei die Geländearbeit auf der Strecke.
Aus meiner Erfahrung sind mathematische Kenntnisse wichtig, dann sind, zumindest war das in Bonn so, die anderen Nebenfächer (Mathe, Physik, Chemie) immer zu schaffen. Alles andere mehr oder weniger Sinnvolle kann man sich anlernen.
Das wichtigste bei deiner Studienwahl und besonders in der Geologie überhaupt ist, dass du mit viel Herz und Interesse dabei bist.
Solange du dich noch fragst ob du vieleicht Geologie studieren möchtest, würde ich mich nach etwas anderem umsehen.
Ob du viel unterwegs bist hängt natürlich von deinem Job ab. Ob du in zehnJahren (wie lange möchtest du studieren?) einen Job findest ist eh nicht zu sagen. Mit der Familienplanung ist das auch vom Job abhängig.
Mein Vorschlag: wenn du wirklich viel unterwegs sein kannst und es dir Spass macht - verzichte auf die Familienplanung. Es gibt fast immer Ärger.

Zitat Triassammler:
Bei der Wahl des Arbeitgebers (die für Dich ja noch in weiter Ferne liegt!) solltest Du also zuerst mal schauen, ob die Unternehmensstruktur Deine persönlichen Wünsche von der Gestaltung der Arbeit überhaupt unterstützen kann. Ein Vorteil ist, wenn Du ein "guter" Geologe bist, also die entsprechenden Leistungen aus dem Studium nachweisen kannst. Dann stehen Dir viele Türen offen.
Zitat Ende

Wer kann sich anhand der Unternehmensstruktur als Anfänger mit persönlichen Wünschen einen Job "aussuchen"? Und dass  gute Leistungen die Türen öffnen - solch einen grenzenlosen Optimismus hatte ich auch mal...

Dennoch: ich habe das Studium nie bereut.

Gruss
Spotts
(Geologe)

Offline triassammler

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #16 am: 06 Jan 09, 11:16 »
Hallo spotts!

Zitat
Wer kann sich anhand der Unternehmensstruktur als Anfänger mit persönlichen Wünschen einen Job "aussuchen"? Und dass  gute Leistungen die Türen öffnen - solch einen grenzenlosen Optimismus hatte ich auch mal...
Ich bin immer noch Optimist. Und das hat mich bisher ganz gut durchs Leben gebracht  ;D
Scheint leider so ein verbreiteter Fatalismus zu sein, dass man glaubt, egal wie man sich anstrengt, man bekomme doch nicht, was einem zustehe. Für meinen derzeitigen Job besitze ich keinerlei Hochschulqualifikation (im Gegensatz zu fast allen meinen Kollegen), vom Arbeitgeber wird das persönliche Engagement aber honoriert (nicht nur materiell) - es wird in der Tat auf die echten Leistungen, nicht auf irgendwelche Hochschultitel geschaut! Also, ganz so düster ist es dann auch nicht...

Ich weiss nicht, ob ich richtig verstanden wurde: Ich wollte damit sagen, dass man sich vor einer Bewerbung grundsätzlich Gedanken machen sollte, ob das Unternehmen bzw. der Arbeitsplatz überhaupt was für einen ist. Persönlich würde ich lieber ein halbes Jahr Bewerbungen schreiben und mich so lange anderweitig durchschlagen, als das Nächstbeste zu nehmen, was gerade greifbar ist, mich aber in keiner Weise befriedigt...

Beim Rest stimme ich Dir aber zu!

Gruß,
Triassammler

Offline michael berghäuser

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #17 am: 06 Jan 09, 12:10 »
Hallo Leute,  ;D

ich wußte gar nicht, daß Geologen wieder (schon wieder) so gefragt sind.  :D

Hab 1996 in Mainz mein Diplom gemacht und vor/während des Studiums haben wir auch solche Aussagen zu hören bekommen.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, daß es sehr schwierig ist, einen dauerhaften, gut bezahlten Job egal wo zu bekommen. Zu meiner Zeit saßen Geologen mit mehr Erfahrung drauf, und heute dürfte es nicht viel anders sein.

Wollte auch Praktika im Gold oder Erdöl machen, aber für Lau, das war mir nicht ausreichend.

Glückauf

vom Geologen Michael, nun im IT-Sektor tätig

Offline caliastos

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #18 am: 06 Jan 09, 12:46 »
na praktika lässt man einen ja fast nur noch für lau machen, egal welche fachrichtung, selbst wenn es bei staat ist. bezahlung bei praktika (die während des studiums auch gefordert sind) sind meist glück. gute bezahlung erst recht. schon mal die fernsehberichte über die praktikantenausbeute gesehen? passt wie faust auf auge. praktikanten machen inzwischen meist vollwertige jobs, allerdings haben die nicht die nötige erfahrung. schert auch keinen, weil billig. merkt man auch als kunde oft genug. von denen die praktika machen mussten und von denen ich es weis hatten 10% gut bezahlte. bei 30% gab es dann zwischen 100-400€ im monat, von denen locker 50% für fahrtkosten weggingen. der rest hat unbezahlte gemacht. und dabei hat die mehrheit 2 verschiedene praktika gemacht. späterstens wenn du die geleisteten praktika vorweisen musst ist dir die bezahlung egal.

dass szu viel nebenfächer reingejubelt werden stimmt vollkommen. da beklagen sich sogar dozenten, dass die leute zu wenig ins gelände kommen und von nebenfächern mehr ahnung als von dem stein vor deren füßen. was ich kenne ist ein grundstudium aus 90% nebenfach, also über 4 semester. bio (1sem), physik (2 sem), chemie (3sem) und mathe (2sem) incl. zugehörige laborpraktika in ch und ph. daneben nur randlich geo-fächer. daneben sowas wie technische meachnik und andere bauingenierufächer. +/- kommst du auf 25-40% geologie im ganzen studium. und das auch noch gerne breit gefächert.

geographie interessiert an sich nur randlich. da interessiert keinen wo welcher ort liegt, sondern vielmehr die geograpische postion eines gebirge, das von land x nach y reicht und z.b. die klimatischen folge. einwohnerzahl von tralala, wenn interessiert's, sind eh nicht lang genug da und erst seit wenigen augenblicken der erdgeschichte.

wichtig ist gesteine, ihre eigenheiten, entstehung und vorkommen zu kennen. in die liga gold, öl, diamant und vergleichbar zu kommen ist schwer. zum einen heißt es gut sein, dann sind beziehungen nicht verkehrt, vorkenntnisse im spezielles sektor und das glück, das die leute brauchen. weil: viele dieser firmen bilden ihr personal selber aus und fort und halten daten akribisch unter verschluß.


vor paar jahren war geologie noch zulassungsfrei für jedermann. inzwischen sind vermehrt vorgespräche und zulassungsbeschränkungen aktiv. eienrseits scheint es populärer zu werden, andererseits aber sind viele dabei, die schnell wieder aufgeben oder nur eine parkposition einnehmen und hoffen evtl. nachher einen schein anrechnen lassen zu können.
schönes beispiel: 150 angemeldete erstsemester. davon erscheinen schon mal nur 100 bis 110 überhaupt zu dene ersten vorlesung. den rest sieht man nicht einmal. davon hauen dann 30-40 weil es ihnen zu schwer wird oder sie keine lust mehr haben. 10 bis 20 packens es nicht. da dies aber resourcen bindet kommen zunehmend auswahlverfahren rein. zudem reicht auch der restbetrag oft aus um die personalgrenzen zu sprengen. der einst enge kreis wird annonymer. kenne kaum studienfächer wo dozenten jeden ihrer studenten in allen semestern namentlich kennen und darüber hinaus. in den höheren semestern fällt die formelle anrede meist noch weg.


an sich machbar. die frage ist: will man und hält man durch? du hast da auch schön viele übungen, die dir die wochenenden und abende gewaltig füllen. arbeiten nebenher ist schon eng. die meisten die rausfallen mussten nebenher noch arbeiten.

Offline giantcrystal

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #19 am: 06 Jan 09, 12:52 »
Noch einmal ein Statement von mir :

Auch wenn es sich etwas platt anhört, aber ich glaube, man sollte sein Studium - egal ob Geologie, Biologie, Römische Archäologie oder Angewandte Sinologie - lieben !

Tut man dies, ist man eigentlich automatisch auch gut in seinem Fach, auch wenn zweifellos die eine oder andere Klippe während des Studiums zu umschiffen bleibt (in meinem Fall in Göttingen war das beispielsweise das Physikpraktikum..uff!)

Ist man gut...und wichtiger noch : ist man sich dessen bewusst, das man besser ist als manch anderer ---> Ausstrahlung von Selbstbewußtsein kombiniert mit Fachwissen --> so stellt es auch kein großes Problem dar, eine befriedigende Stellung in der Geologie zu finden.

Studiert man dagegen Geologie oder Biologie etc etc, nur weil einem nichts besseres einfällt oder weil der NC nicht gepasst hat und macht man dann auch nur seiner Pflichtscheine und Geländeübungen, so sollte man sich beizeiten nach etwas anderem umsehen. Ein paar Semester Geologie reichen dann sicherlich und sind auch keineswegs von Nachteil, ist doch Geologie so ziemlich das einzige "universal - naturwissenschaftliche Studium" und auch das einzige "vierdimensionale" Studium im weiten Lehrangebot !

Nein, ich erkläre jetzt nicht, wieso das Geologiestudium vierdimensional, da könnt ihr gerne mal raten  ;D

Glück Auf

Thomas

P.S. . Zum Thema aktuelles Stellenangebot. Tatsächlich gibt es derzeit / bis jüngst einen erheblichen Bedarf für Lagerstättengeologen sowohl im Steine - Erden Sektor als auch im Metall / Kohlenwasserstoffbereich...sowohl in Deutschland als auch in klassischen Bergbauländern wie Kanada und Australien. Es steht aber zu befürchten, das dieser Bedarf gerade wegen der Wirtschaftskrise kurzfristig drastisch zurückgeht....wie es dann in fünf oder zehn Jahren aussieht, weiss eh kein Mensch, auch kein Professor

Offline giantcrystal

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #20 am: 06 Jan 09, 13:02 »
Und noch ein Wort zum Thema Praktikum

Man sollte sehr früh damit anfangen und möglichst bezahlte Praktika machen. Das geht durchaus, wie man an folgender  Zusammenstellung meiner damaligen Praktika sehen kann

Studium in Göttingen 1981 - 1987 (Diplom Geologie / Paläontologie)

Praktikum (1 Monat) Sommer 1982 / 2. Semester : Goldexploration am Hohen Goldberg, Rauris mit St, Joe (Alternativ wäre es UT Braunkohlengrube Stolzenbach gewesen)
Praktikum (2 Monate) Winter 1982 - Sommer 1983 (so nebenbei mit etwa 4 - 8 Wochenstunden) : Mineralienhandel in Göttingen
Praktikum (1 Monat) Sommer 1984 : Dokumentation Abteufung Schächte Gorleben im Gefrierverfahren bei der DBE
Praktikum (1 Monat) Sommer 1986 : Auswertung Explorationsprogramm Zinnpegmatite Uis Tin Mine / Namibia (anschließend noch 1,5 Monate geologische Exkursionen in Namibia mit zahlreichen Bergwerksbefahrungen)

Natürlich war es nicht ganz einfach, immer bezahlte Praktika zu finden, aber auch das gehört dazu, um ein erfolgreicher Geologe zu werden. Schließlich will man später mal seine Brötchen verdienen

Glück Auf

Thomas

Offline caliastos

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #21 am: 06 Jan 09, 13:10 »
was mir zu den exkursionen einfällt:

du reist dabei nicht quer durch die welt. vieles ist regional gebunden. warum in die usa und strukturen ansehen, die es hier auch gibt? ist immerhin auch eine zeit und kostenfrage. kleinere exkursionen nutzen oft wochenden und feiertage, größere die semesterferien. gezahlt wird selber. und da kosten die großen exkursionen gewaltig. konnte nicht eine der größeren mitmachen weil ich das nicht hätte bezahlen können. wenn der aushang für die anmeldung einer exkursion kommt, die in 3 monaten stattfindet und die anmeldung bis in 2 wochen gelaufen ist und expliziet dorten steht, das bis monatsende der betrag von 400€ + einzuhalen ist um verbindlich angemeldet zu sein, dann ist es nicht so einfach mal schlappe 400€ aus der tasche zu ziehen und nochmal 300-400€ für die 14 tage zurückzubehalten, da es nur die anzahlung war und man sich unterwegs auch noch selbst zu versorgen hat.
das ist echt ärgerlich wenn du dir selber sowas nicht leisten kannst oder nirgends das geld leihen kannst. die einzige exkursion, die ich mir hätte leisten können weil es geldtechnisch gerade gereicht hätte lag genau innerhalb des zeitraums meiner zwischenprüfungen. klasse, no time. keiner der nicht gerade in einer der wochen prüfung hatte konnte mit. um die tage so zu bekommen sammelst du kleinere exkursionen und hast noch weniger zeit weil du öfters weg bist. also auf sowas einstellen und am besten vorher genug geld haben. 50€ die dir am monatsende nach abzug aller kosten frei verfügbar bleiben reichen nicht für die großen exkursionen.

man bedenke: +/- studiengebühren, semesterbeitrag, evtl. fahrtkosten, evtl. miete, evtl. keine bafögberechtigung, evtl. nicht genug zeit für viel jobben nebenbei (nicht jeder will mitarbeiter, die nur unregelmäßig arbeiten können, weil sie auf exkursion sind oder keine zeit finden), evtl. kein stipendium, kosten für exkursionen


wenn man es sich leisten kann und machen will, warum nicht? aber inzwischen wird das ganze echt zunehemnder luxus und die zahl deren, die wegen des geldes nicht studieren nimmt erheblich zu. schau nur mal in die jahrgänge unter dir. wenn man da diejenigen fragt, die man dort kennt wie viele wegen geld nicht studieren, dann ist die zahl ziemlich gestiegen.


@ giantcrystal

da haste aber viel zeit in den semesterferien gehabt. und ehrlicherweise gesagt: damals war das mit der bezahlung noch ganz was anderes. die fehlende bezahlung hat sich erst gegen 2000 zunehemend etabliert.
« Letzte Änderung: 06 Jan 09, 13:13 von caliastos »

Offline giantcrystal

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #22 am: 06 Jan 09, 13:25 »
 @ Caliastos

naja, mag sein, das sich das Studium heute etwas anders darstellt. Was aber bezahlte Praktika anbelangt, so habe ich erst im September dringend einen Praktikanten für ein bezahltes Praktikum für ein Gold - Projekt in der Oberpfalz gesucht, unter anderem auch in diesem Forum...

Resultat ....??   was mich zum einen sehr erstaunt, zum anderen auch ziemlich enttäuscht hat. Seitdem frage ich mich, ob da im heutigen Studium nicht etwas falsch läuft.

Auch von anderen Seiten sind mir leider schon ähnliche Befürchtungen zugetragen worden

Glück Auf

Thomas

Offline triassammler

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #23 am: 06 Jan 09, 13:35 »
Auch wenn sich die Diskussion langsam von Schneebrots Kernfragen wegbewegt (obwohl die Kontroverse ihm vielleicht zeigt, dass es schwer ist, pauschale Aussagen über ein Geologiestudium zu treffen und Erfahrungen sehr subjektiv sein können), bin ich doch überrascht, was für Vorstellungen zum Thema Studium und Beruf anscheinend existieren. Dass das Studium nicht einfach eine verlängerte Schulzeit ist, wo einem alles hinterhergetragen wird, sollte doch klar sein. Da muss schon jeder Student selbst auf die sinnvolle Ausarbeitung eines Studienplans achten, wissen was er will, sich fachlich entsprechend orientieren...
Und was Praktika angeht: Zumindest im Bereich der Geologie ist mir nicht bekannt, dass hier ein oder mehrere Praktika als Prüfungsvoraussetzung erwartet werden. Und wenn: Es gibt Möglichkeiten, zumindest nach den Aushängen in meinem ehemaligen Institut zu urteilen. Vom 4-wöchigen paläontologischen Praktikum als Grabungshelfer (unbezahlt, Unterkunft und Verpflegung frei) bis zur (leidlich bezahlten) Teilzeitstelle in Ingenieursbüros war da alles geboten. Darf ich als Student ernsthaft erwarten, wie ein "Großer" bei meinem Praktikum bezahlt zu werden? Kann ich das nicht auch mal langfristig sehen, das erworbene Wissen als Gewinn und Investition in die berufliche Zukunft, statt zu denken: Für 15 € die Stunde steh ich morgens aber nicht auf.... ?
Der Grund für die durchaus hohe Abbruchquote im Geologiestudium liegt unter anderem darin, dass es von vielen Studenten nicht als "bequem" empfunden wird - eine Exkursion wird durchgeführt, auch wenn es regnet oder friert, das Programm muss ja absolviert werden. Einige kommen mit den körperlichen Anforderungen der Geländearbeit (ganztägige Profilaufnahme in Südspanien bei 40° C ist nicht immer lustig) nicht zurecht. Wieder andere stellen fest, dass es nichts wird mit dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm, und bevorzugen einen Abschluss mit "eleganterem" Nimbus... Meine Feststellung ist, dass die Absolventen, die es durchziehen und schaffen, duchweg begeisterte, engagierte und tüchtige Leute sind.

Wie von giantcrystal bemerkt:
Zitat
Ist man gut...und wichtiger noch : ist man sich dessen bewusst, das man besser ist als manch anderer ---> Ausstrahlung von Selbstbewußtsein kombiniert mit Fachwissen --> so stellt es auch kein großes Problem dar, eine befriedigende Stellung in der Geologie zu finden.
Niemand trägt einem ein Jobangebot hinterher! Man muss sich darüber im Klaren sein, was man will, wer man ist, was man kann, und das muss man aktiv an den Mann/die Frau bringen! Nicht nur in der Geologie muss man sich als Arbeitnehmer richtig verkaufen können. Gesundes (!) Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen ist gefragt! Niemand wird einem einen Job übertragen, wenn man an der eigenen Fähigkeit, ihn zu bewältigen, zweifelt. Das sind die soft skills, die genauso viel zählen wie fachliche Kompetenz.
Speziell Jobs, die Entwicklungs-, also Aufstiegspotenzial, besitzen, verlangen es, dass man in der Lage ist, vor Vorgesetzten, Mitarbeitern, Untergebenen seine Meinung fundiert zu vertreten und Entscheidungen sicher und selbstständig zu treffen.
Darauf bereitet das Studium leider generell nicht oder nur ungenügend vor. Zwar gibt es an den meisten Unis das Angebot von Rhetorikkursen, und in meinem Studium wurde auch das Erarbeiten und öffentliche Vortragen wissenschaftlicher Vorträge in einem gesonderten Seminar geübt, aber den grundlegenden Charakter eines Menschen kann das Studium nicht formen, genauso wenig, wie die Schule den Eltern die grundlegende Erziehung ihres Kindes abnehmen kann.
Meiner Beobachtung nach scheitert die Ergreifung des "Traumjobs" tatsächlich oft genug daran, dass man sich die Herausforderungen nicht zutraut, sich den Stress oder Aufwand nicht machen möchte und dann doch lieber den Weg des geringsten Widerstands geht, der leider oft genug an einem einsamen Schreibtisch endet, wo man dann die Tätigkeit des "einer unter vielen" erledigt.

Und sollte es doch mal mau mit den Berufsaussichten sein: Das Geologiestudium bietet eine so breit gefächerte Ausbildung und Wissensbasis, dass man in vielen Bereichen als Quereinsteiger unterkommen kann!

Gruß,
Triassammler

Offline spotts

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #24 am: 06 Jan 09, 13:50 »
Vieleicht noch einmal zu den Exkursionen:
natürlich kosten die Geld - allerdings kann man nirgends besser etwas über das Gelände lernen als dort. Ob es wirklich die United Steaks sein müssen ist eben die Frage. Selbst bei mir in der Eifel können nahezu sämtliche Geländekurse durchgeführt werden. Kartierungen, Vulkanologie, Paläontologie, Sedimentologie und bei Bedarf noch tiefergehende Betrachtungen. Aber: sobald die Studenten "Eifel-Exkursion" hören ist das Interesse rapide gesunken. Da klingt der Vulkanismus der Auvergne natürlich besser, ist aber auch teurer (dennoch schöne Gegend).
Seit Jahren habe ich immer wieder Studenten in meiner Region, und wenn bei einer Kartierungsübung in der Kalkmuldenzone nur Sandsteine gegen Kalke, vieleicht noch Vulkanite, abgegrenzt werden können, ist das für mich als bekennender Geländegeologe erschreckend. Über die tektonischen Übungen möchte ich schweigen...
Natürlich gibt es auch Ausnahmen - leider viel zu wenig.
Hauptsache die 20 Semesterwochenstunden allgemeine Chemie mit Praktikum und 4 Wochen quantitatives Praktikum werden absolviert, dazu kommen vier Wochen Physikpraktikum, 4 Wochen Biologie Praktikum, sowie je 6 SWS Mathe-, Physik- und Chemievorlesungen.
Wenn die selbe Zeit mal für die praktische Ausbildung eingesetzt würde, sähe das schon anders aus.
Bei den geforderten 45 Exkursionstagen habe ich über 120 absolviert. Geschadet hat es bestimmt nicht.
Meine Empfehlung nicht nur an die Studenten: fahrt möglichst überall und so oft es geht in's Gelände. Am Besten mit jemandem der sich auskennt .

Inzwischen war ein neuer Beitrag eingestellt worden - Nachtrag:
Viele "gute" Fachleute erkennt man daran wie sie über ihre Arbeit oder ihr Hobby reden. Wenn dort das Leuchten in den Augen erscheint ist das gut. Auch die Leidenschaft muss stimmen. Da wurden schon viele Punkte angesprochen. Natürlich ist gerade das Geologie-Studium breit gefächert und schon anspruchsvoll, es ist trotzdem schade nach solch einer Ausbildung in unterbezahlten Jobs (15 €/Std? WO!!) unter zu kommen oder den Job als wiss. Abteilungsleiter nicht zu bekommen weil man sich dort für eine Tanzpädagogin entschieden hat (authentisch).


Gruss
Spotts


« Letzte Änderung: 06 Jan 09, 14:00 von spotts »

Offline triassammler

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #25 am: 06 Jan 09, 17:34 »
@Spotts: Ja, leider steht bei der Exkursionsauswahl oft der Unterhaltungs-/Exotikfaktor vor der Frage: bringt mir das was, interessiert mich das? Wenn sich dann vor Ort Unmut breitmacht, dass 10 Tage Südspanien nicht am Strand, sondern 100 km im Landesinnern in der Steppe absolviert werden, kann ich nur den Kopf schütteln. Wer Geologie wirklich mag, wird seine Freude aus den Eindrücken der Exkursion ziehen, nicht aus abendlichen Strandparties. Und dass es abends auf Exkursionen auch durchaus lustig zugehen kann, soll auch mal gesagt werden.

Eine mehrtägige Eifel-Exkursion habe ich im Studium übrigens auch absolviert und fand sie toll!  :D
Kann Dir nur zustimmen: Auch private Geländeerfahrung zahlt sich aus! War oft mit Kommilitonen unterwegs, und wir haben uns gegenseitig Aufschlüsse gezeigt und erklärt. Und natürlich Fossilien und Mineralien gesammelt. Wenn das Hobby noch mit dabei ist, wird das garantiert nicht zu einer drögen Lehrveranstaltung.

Die praktische Ausbildung fand bei uns übrigens weitgehend in der vorlesungsfreien Zeit/Semesterferien statt. "*stöhn* da habe ich mal 3 Monate Urlaub und muss jetzt wieder 3 Wochen davon für die Uni opfern" - dass das aus Zeitmangel nicht zu schaffen sei, konnte mir da keiner glaubhaft erklären. Aber natürlich gab es die Leute auch, die vor lauter Freizeit keine Zeit hatten.

Also, unterm Strich alles eine Frage der Motivation. Wer nur irgendein Studium, hauptsache mit Abschluss, absolvieren will, sollte sich etwas weniger anspruchsvolles suchen...

Offline caliastos

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #26 am: 06 Jan 09, 19:36 »
nur mal ein prüfungsordnungsauszug des §25 (3) Während des Studiums muß eine geologienahe praktische Tätigkeit von mindestens zwei Monaten außerhalb einer Hochschule bei einem privaten oder öffentlichen Arbeitgeber ausgeübt werden.

nicht bekannt heist nicht es wird nicht verlangt. ist inzwischen an mehreren hochschulen der fall. was bei den praktika an sich auch wichtig ist: wenn unbezahlte und bezhalte praktika auf null oder minus wegen den kosten hinauslaufen, finden sich auch hier weniger leute, weil die hoffnung auf bessere bezahlung besteht. niocht jeder kann und will sich den luxus leisten. für ein unbezahltes praktikum, aber dafür mit folgenden anderen vorteilen hatte ich auch schon mal 300€ ausgegeben. das entspricht dem ganzen betrag, der in einem semester maximal an geld übrig bleibt. d.h. verzicht auf jeglichen luxus und extrawünsche nur um 1 monat praktikum machen zu können. wer macht sowas schon?
da hilft nicht immer das beste praktikum. dein gesuch hatte ich auch da gelesen und der erste gedanke war: mist, schon alle tage fertig und auch kein zeit mehr. ansonsten wäre das interessant gewesen, aber selbst wenn scheitert sowas an der zeit, zumal das soweit ich weis auch in die Vl-zeiten reichte. bei uns hatten die leute meist nur im august und zwischen märz/april mit glück 4 wochen zeit. es heist zwar immer flexibel, aber zeitlich passt es nicht. während der semester ist das auch nicht unbedingt so einfach praktikas einzuschieben.

da läuft also schon irgendwas falsch. wie auch schon im schulwesen sind lehrstoff und inhalt zu aufgebläht und versucht alles zu umfassen, am besten noch speziell. wenn man an schulzeiten zurückdenkt, oder uni, dann kommt es immer öfters vor, das gesagt wird: sry, aber die zeit reiht für 1/3 bis 50% des stoffes nicht mehr. ---> selber nachlernen, aber selbst da hapert es an zeit.
selbst hatte ich in den letzten jahren vielleicht ein freies wochenende alle 2 monate, feiertage waren voller exkursionen und co. semesterferien mit praktika (uni), exkursionen, lernen und praktikum voll. dennoch immer zeitlich eng. da läuft also definitiv was falsch. gesund dürfte das alle mal auch nicht sein.
lustig wird wenn ältere jahrgänge saagen: ist doch ganz chillig oder man von bekannten, die was anderes machen oder andere fächer haben einen fragen ob man was zusammen unternimmt. die schauen einen ziemlich doof an, wenn man sagt: keine zeit, muß was für uni machen. irgendwann fragt auch keiner mehr.

selbst der vorsatz noch andere fächer just for fun und für einen selbst zu belegen ist nicht unbedingt durchsetzbar. da hatte ich immer vorlesung, die meisten sogar mit anwesenheitspflicht. tolle sache. nebenbei belegen geht also auch nicht immer. alles recht schade und ärgerlich. aber deswegen aufhören gab's nicht zur diskussion. frustet aber.

@ spotts

der aussage mit mehr gelände kann man echt zustimmen. die sache behält man 10x besser auch nach jahren im kopf als das eine handstück und der text aus den übungen. das zeug erkennt man dann sogar auf 100m, anderes nicht mal vor der nase.
aber auch gerade die "nervigen" gegenden sind irgendwie lustig, auch wenn die 10 bromberranke innerhalb 10 minuten im gesicht schon tierisch die laune vermiest oder man am abend wie ein gewürzladen nach rosmarin riecht. aber solange sich was finden lässt und nicht nur botanik die tour vermasselt ist das ok.
zu extreme witterungen bei exkursionen bringen aber leider auch wenig. wenn man im november den ganzen tag bei -6° im wind steht geht es irgendwann nicht mehr. da hilft die beste kluft nichts mehr. alles eingefroren und der kopf denkt nur noch kalt. gilt auch für dauerregen. das jeden tag vermindert die aufnahem, mit sicherheit bei jedem.
wer sich davon nicht aufhalten lässt steht auch am folgetag auf der matte, egal wie spät oder hochprozentig der abend war und was der kopf einem klagt. aber selbst da setzt irgendwann der kopf aus und macht feuerabend.

man muß halt nur daran denken, das vieles auch in den semesterferien abläuft. und wie triassammler schon sagte, das glaubt einem kaum einer


Offline Geomaxx

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #27 am: 06 Jan 09, 19:59 »
Hi Schneebrot, hi alle,
meine Vorredner, allesamt liebe Geowissenschaftler-Kollegen, haben die Sache mit Studium-Exkursionen-Praktika-Berufseinstieg ja schon in 1A-Qualität in langen postings ausgeführt, drum mein Senf in aller Kürze:
Wenn Dein Herz für die Geologie schlägt und Du Dich mit harter Gelände- und ebenso harter Büroarbeit identifizieren kannst, gerne und gut Englisch sprichst, dann probiers doch einfach mit einem Geowissenschaftlichen Studium. In meinen Augen immer noch das tollste, vielfältigste, abwechlungsreichste, genialste, teuerste, spaßigste, anstrengendste, weitgefächertste Studium, das Du in Deutschland beginnen kannst. Wo Du's dann beendest und wo es Dich dann als Geowissenschaftler hintreibt, das kannste Dir vermutlich jetzt nicht mal in Deinen kühnsten Träumen vorstellen. Also, schreib Dich ein.
Glück Auf!
Ein Herzblut-und Vollblut-Geologe, Studienbeginn 1983, Diplom 1990 und seitdem immer als Geologe berufstätig
GEOMAXX

Schneebrot

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Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #28 am: 07 Jan 09, 21:38 »
Hi Schneebrot, hi alle,
meine Vorredner, allesamt liebe Geowissenschaftler-Kollegen, haben die Sache mit Studium-Exkursionen-Praktika-Berufseinstieg ja schon in 1A-Qualität in langen postings ausgeführt, drum mein Senf in aller Kürze:
Wenn Dein Herz für die Geologie schlägt und Du Dich mit harter Gelände- und ebenso harter Büroarbeit identifizieren kannst, gerne und gut Englisch sprichst, dann probiers doch einfach mit einem Geowissenschaftlichen Studium. In meinen Augen immer noch das tollste, vielfältigste, abwechlungsreichste, genialste, teuerste, spaßigste, anstrengendste, weitgefächertste Studium, das Du in Deutschland beginnen kannst. Wo Du's dann beendest und wo es Dich dann als Geowissenschaftler hintreibt, das kannste Dir vermutlich jetzt nicht mal in Deinen kühnsten Träumen vorstellen. Also, schreib Dich ein.
Glück Auf!
Ein Herzblut-und Vollblut-Geologe, Studienbeginn 1983, Diplom 1990 und seitdem immer als Geologe berufstätig
GEOMAXX
Amen :).

Bis das Studium überhaupt anfängt, werde ich nach dem Abitur noch sehr viel Zeit haben. Diese Zeit würde ich gerne nutzen, um geologische Bücher zu lesen. Durch einige Bücher kenn ich mich schon grob mit einigen Themen aus und schon als Kleinkind hab ich öfters auf Discovery, D-Max und wat et net allet jibt Dokumentationen zum Thema Erde gesehen, aber ich glaube nicht, dass mir das im Studium soooooooooooo viel weiterhilft...

Könnt ihr das ein oder andere Buch zum Thema Geologie empfehlen? Möchte nämlich einen möglichst guten Start im Studium haben und nicht direkt im 1. Semester von Fachbegriffen erschlagen werden :P.

Offline smoeller

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  • Diplom-Mineraloge
Re: Kann ich Geologie studieren?
« Antwort #29 am: 07 Jan 09, 21:54 »
Hallo,

Einstiege sind die Bücher von Press&Siever und Bahlburg&Breitkreuz.

http://www.springer.com/spektrum+akademischer+verlag/geowissenschaften/geologie/book/978-3-8274-1812-8
http://www.amazon.de/Grundlagen-Geologie-Heinrich-Bahlburg/dp/3432297610

Die Links sind nur Beispiele. Google das am Besten mal. Prof. Breitkreuz ist übrigens in Freiberg, kenne ihn persönlich. Das Buch habe ich gelesen, ist für Einsteiger gut geeignet.

ZUr Mineralogie enpfehle ich die 3 Bände von E. Nickel: Grundwissen in Mineralogie, besonders Band 1.

Glück Auf!
Smoeller

 

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