Hallo Lois, Hi alle Zusammen,
es ist immer wieder interessant zu beobachten, daß wenn eine Diskussion mal anfängt an die Substanz zu gehen, Einer daher kommt und mit dem Totschlagargument "Neid" versucht die Diskussion abzuwürgen. Das lass ich nicht gelten, denn weder in meinem noch in dem Posting von Collector spielte Neid eine tragende Rolle.
Ganz im Gegenteil sogar, denn wenn viele Sammler eine Fundstelle besammeln, ergibt sich eine größere Chance Material auszutauschen, welches man selber nicht gefunden hat. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer begraben.
Bei den Ereignissen, die dazu geführt haben, daß viele Sammler recht zurückhaltend mit der Weitergabe von Informationen sind, hat aber genau dieser Austausch, nicht stattgefunden. Poste ich hier eine fündige Stelle, besteht zu 99% die Warscheinlichkeit, daß ich von dem was gefunden wurde nie mehr etwas sehe, im günstigsten Fall darf ich davon etwas kaufen...10 Jahre später!
Und das ist auch der Untertschied in meiner und Lois Meinung: Ich erzähle gerne und freizügig meine Fundstellen anderen Leuten, aber ausschließlich im pers. vis-a-vis. Dann kann man auf zwei Dinge einwirken: a) man erfährt wenigstens was die anderen gefunden haben und b) man kann demjenigen gehörig auf die Pfoten kloppen, wenn er die Fundstelle ruiniert. Da ist noch keine Sprache von "etwas abhaben wollen" oder so, sondern einfach nur die Gewissheit zu bekommen, daß man die Fundstelle jemand verraten hat, der auch bereit ist etwas zurück zu geben, und sei es nur die Info, was er gefunden hat. Hier im Forum haben ja die wenigsten den Mut wenigstens ihren richtigen Namen anzugeben, geschweige denn Familienname und Wohnort. Diese Anonymität ist für mich ein Grund richtig die Schnautze zu halten. Wer Anonym bleiben will, muss das wohl auch!
Deswegen gebe ich meine Infos im Verein oder bei pers. Kontakten bekannt...oder wenn mir die Leute pers. bekannt sind. Aber ich werde keine Infos in die Welt hinaus plärren, damit Leute, die ich überhaupt nicht kenne und die auch keinerlei Kontakt zu mir oder der Forengemeinde pflegen, schöne Funde machen können. Was bitte bekommt man dafür zurück?
Man muss diese Aussagen allerdings differenzieren,, was mit einer Neiddiskussion schwer klappen könnte. Die Differentation liegt darin, daß bei bereits bekannten allgemein zugänglichen Fundstellen, oder aber Fundstellen die drohen bei einer Baumassnahme zu verschwinden, es durchaus angebracht ist, möglichst viele Sammler zu der Fundstelle zu bewegen, damit gerettet werden kann was möglich ist.
Zwei Beispiele: Wenn ich darüber rede, was gerade wo auf den Hartensteiner Halden gefunden werden kann, ist es nur sinnvoll dies zu tun, denn der nächste Laster roten Drecks kann alles vernichten. Da muss man bergen soviel irgend möglich ist. Nun wohne ich im Ruhrgebiet, und da sind meine Infos darüber recht beschränkt, aber z.B. die Erzgebirgler unter uns, tun das ja auch ausreichend. Anders herum, wenn ich ins Erzgebirge fahren will, frage ich einfach ein paar der Erzgebirgler, und garantiert bekomme ich neben einer Führung auch alle notwendigen Infos.
Wie abstrus das manchmal ist, zeigt die Sammlerhalde Clara: Selbst wenn aussergewöhnliche Funde gemacht werden, wird keinem etwas gesagt, eventuel kann man ja noch mehr finden. Daß die fündigen Partieen eventuell zwei Tage später futsch sind, weil im Brecher gelandet, interessiert keinen, denn im schlimmsten Fall haben die anderen halt Pech gehabt....oder man selber die einzigen Stücke eines guten Fundes. Das ist dämlich, egoistisch und für mich wert richtig Zoff auf der Halde anzufangen. Anders gesagt, wer so tickt, tickt nicht richtig!
Jetzt kann man den Spiess allerdings auch umdrehen und folgende Behauptung aufstellen: Es ist doch egal wer das Material einer Fundstelle birgt, Hauptsache es kommt den Sammlern irgendwie zugute.
Beispiel: Eine kleine Pyromorphit-Halde wird von Leuten abgeerntet. Das wäre soweit noch nicht einmal schlimm, denn irgendwann wäre diese Fundstelle eh verschwunden. Das Problem dabei ist aber, daß all das gefundenen Material nur einem einzigen Zweck dient: HABEN, HABEN, HABEN!
Warum also nicht die überzähligen Sachen für eine kleine Aufwandsentschädigung anbieten, damit Sammler auch etwas von dem Inhalt abbekommen können. Aber nein, lieber werden 70 Kisten im Keller gehortet bis die Müllabfuhr diese entsorgt oder aber die Stücke werden zu Wucherpreisen angeboten, frei nach dem Motte: Die Fundstelle haben wir erloschen!
Übrigens gab es bei uns in den 90ern noch die schöne Sitte, zum Vereinstreffen eine oder zwei Kisten eines Fundes mitzubringen, damit die älteren unter uns auch etwas davon abbekommen konnten. Das ist leider eingeschlafen, wohl eher wegen zu weniger gefundener Kisten!
Ich will zum Schluss noch einmal Lois aufgreifen. In seinem Postings schimmerte eine gehörige Portion Verzweifelung und Wut durch. Ich denke seine Wut basiert nicht darauf, daß hier keiner Fundstellen postet, sondern mehr darüber, daß die Sammler immer egoistischer und isolierter werden. Der früher allgemein übliche Kontakt von Sammler zu Sammler, deutschland und europaweit, hat massiv abgenommen (daher meine Äußerung einer Aussterbenden Art). Aber hat er das wirklich?
Ich glaube nicht, denn alle "alten Hasen" hier haben durchblicken lassen, daß ihre Kontakte auch im Ausland liegen. Und das hat nicht nur etwas mit den Fundmöglichkeiten, sondern auch mit der Mentalität der ausländischen Sammler zu tun. Man kann sogar soweit gehen, daß Ausländer geradezu den Kontakt suchen, und zwar nicht wegen der Mineralien alleine, sondern auch um in einem interessanten Gespräch mal den einen oder anderen Wein zu verköstigen oder einfach nur um interessante Leute kennen zu lernen. Dort wird Gemeinsamkeit und Gastfreundschaft noch ein hoher Stellenwert zugeschrieben.
Wieder mal ein Beispiel: Ich war vor Jahren mal an einer Schlackenfundstelle in Frankreich. Wir waren mit franz. Sammlern unterwegs. Jeder buddelte so in seinem Loch als auf einmal Einer eine fundige Schicht fand. Er füllte sich drei Tüten und liess dann den nächsten ins Loch. Der Nächste war ich. Nun die Fundschicht war sehr reich, also begann ich erst einmal eine gehörige Menge Material rauszuschaufeln, damit alle anderen auch sammeln konnten. Nach ca. 1h. sassen alle im Kreis um "mein" Loch und ich musste jedem der reihe nach eine Schüppe voll vor die Füsse schaufeln. Eine Riesengaudi war das. Bis dahin hatte ich noch keinen einzigen Bubbel in meinen Taschen. Als ich Müde wurde, sagte ein Sammler, ich soll mir mal schnell ein paar Tüten voll machen, und dann gräbt er weiter. Ok, gesagt getan, ich hatte meine Tüten voll, als mich ein Franzose aus dem Loch zog und zum Mittagessen zerrte. Jetzt wird gefuttert, sammeln können wir später noch. Das war keine Bitte, sondern ein Befehl. Da war ich natürlich nicht darauf vorbereitet, also bekam ich einen Becher Wein, eine Nuss-Wurst, ein Baguette und wir sassen zwei Stunden umd mampften. Ich war ehrlich gesagt schwer beeindruckt, zumal mir derartiges Verhalten aus D völlig unbekannt war.
Oder in Cornwall: Es hat mehrere Tage gedauert bis ich einen cornischen Sammler dazu überreden konnte, mit mir einmal einen Trip rund um die "famous Mines" zu machen. Aber da kann man gar nichts mehr finden. Es war ihm schlicht kaum zu erklären, daß ich gar nichts finden wollte, sondern einfach mal nur am Ort stehen wollte, wo meine Schätze hergekommen sind. Er lamentierte Tagelang rum, daß er mir nicht wirklich glaube, denn alle die nach Cornwall kommen wollen nur Eines: Mineralien finden. Als ich ihm ausdauernd erklärt hatte daß mir schon klar ist, daß es in Cornwall nur noch bescheidene Fundmöglichkeiten gibt, es mir aber eben um das Erleben der "Mining site" ging, glaubte er mir langsam. Mein Totschlagargument war allerdings der Besitz des Dines, die cornische Bibel! Er sagte mir später: Wer den Dines hat, weis was er macht! Wir verbrachten dann einen Tag mit der Fotografie von Chimneys und dem verputzen von Fish and Chips. So ganz nebenbei fanden wir eine Stelle, wo im Waldboden dutzende Cassiteritstufen einfach so rumlagen....von wegen nichts mehr zu finden.
Beide Beispiele sollen zeigen, daß es nicht schwer ist Kontakte zu knüpfen, wenn Gier und Neid keine Rolle spielen. Spielen diese Eigenschaften allerdings eine Rolle, spüren das die Menschen sehr schnell, und dann heist es wieder: Es ist so schwierig Kontakte zu bekommen....ach wie schade.....
So, zum Schluss noch einmal eine Bitte an Alle: Lasst die Neiddiskussion. Wer noch nie auf die Funde eines Anderen neidisch war ist entweder tot oder kurz davor.-...oder er lügt. Die Frage ist nur, bestimmt Neid mein Handeln?
Glück auf
Ulrich