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Autor Thema: Frage zu Oxiden und Salzen  (Gelesen 4482 mal)

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Offline lutz

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Frage zu Oxiden und Salzen
« am: 25 Jun 09, 10:59 »
hallo,

bin gerade dabei ein Übersichtsposter über die Mineralsystematik zu erstellen (nach Strunz).
Die organischen Minerale einmal ausgeklammert, gibt es bekanntlich 9 Mineralklassen.
Davon kann man 7 Klassen (2,3;5-9)  zu "Salzen" zusammenfassen.
Die Elementminerale (1) sind keine Salze. Meine Frage: wie steht es mit den Oxiden (4)?
Die sind doch prinzipiell auch keine Salze, oder ?
Aber dennoch, wurde ich belehrt, gibt es einige Ausnahmen, z.B. die Sulfite. Gibt es noch mehr Ausnahmen?
Welche? Und warum werden überhaupt einige Salze zu den Oxiden gezählt?

vg
lutz

Offline cmd.powell

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Re: Frage zu Oxiden und Salzen
« Antwort #1 am: 26 Jun 09, 02:42 »
Hallo lutz

Rein chemisch gesehen sind "Salze" Verbindungen mit überwiegend ionischer Bindung, was bedeutet, das (hervorgerufen durch großen Unterschied in den Elektronennegativitäten der beteiligten Elemente) die Bindungen zwischen den einzelnen Atomen stark polarisiert sind. Das führt zu entsprechend geladenen Ionen (Kationen sind positiv, Anionen negativ geladen), die sich gegenseitig anziehen und somit "binden". Diese Einteilung gilt allgemein auch für die mineralogische Systematik, wobei hier oft eine Trennung nicht ganz so einfach ist. Bei den Silikaten sind oft Ionen- und Atombindungen gleichermaßen beteiligt - das Silikatgerüst ist durch Atombindungen und die "Fremdatome" durch Ionenbindung zusammengesetzt. Auch bei den Oxiden kann es, wenn entsprechende Unterschiede in den Elektronennegativitäten vorliegen, zu salzartigem Charakter kommen, ich meine jedoch, das diese Oxide oft oder immer ein kleines Problem mit Wasser haben, sprich, sie reagieren mit diesem zu irgendwas weiter.
Das einige "Salze" zu den Oxiden gezählt werden liegt meines Wissens daran, das sie in keine der Anderen Gruppen so recht reinpassen. Die Gruppen sind ja streng an einen bestimmten Chemismus und eine bestimmte Struktur gebunden. Weißt eine Verbindung eine andere Chemie und/oder Struktur auf, so passt sie nicht mehr in die vermutete Gruppe und wird zu den Oxiden gezählt - sofern es sich um eine Verbindung mit Sauerstoff handelt, was aber meistens der Fall ist. Ein Beispiel ist der Wolframit, der zwar als ein Wolframat geschrieben werden (Fe,Mn)[WO4] und somit zu den Sulfaten gezählt werden könnte, allerdings ist das WO4 "Tetraeder" stark deformiert ist somit kein Tetraeder mehr, also auch ist Wolframit auch kein Sulfat. Bleibt nur noch Oxid als Möglichkeit.

Ich hoffe ich konnte Dir damit ein wenig helfen und hab nicht zuviel dummes Zeug gelabert... Das Thema ist übrigens ziemlich Umfangreich und ich kann Dir nur weiterführende Literatur wärmstens empfehlen (Klockmann, Rössler, Kleber etc.).

Offline lutz

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Re: Frage zu Oxiden und Salzen
« Antwort #2 am: 26 Jun 09, 09:49 »
hallo cmd.powell,

vielen dank für deine antwort.
was würdest du (oder auch die anderen) sagen:
ist es für ein allgemeines lehrplakat im sinne einer übersicht nicht totz der ausnahmen sinnvoll, zwischen elementmineralen, oxiden und salzen zu unterscheiden und die bezeichneten 7 klassen unter "salze" zusammenzufassen?

Offline stollentroll

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Re: Frage zu Oxiden und Salzen
« Antwort #3 am: 26 Jun 09, 10:50 »
Es gibt neben den Sulfiten noch ein paar Salze, die in der Systematik bei den Oxiden stehen: Selenite, Tellurite, Iodate.
Das dürfte historische Gründe haben. Als die Systematik aufgestellt wurde, gab es nur ganz wenige davon und es lohnte nicht, da jeweils eigene Klassen aufzustellen. Warum die Nitrate (von denen es auch nur wenige gibt) als Anhang an den Carbonaten stehen, und die Iodate z.B. nicht, kann ich nicht sagen.
Man belässt es wahrscheinlich dabei so wie es ist, um die Systrematik nicht zu sehr aufzublähen und noch neue Klassen aufzustellen. 

Glück Auf,
Thomas

Offline cmd.powell

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Re: Frage zu Oxiden und Salzen
« Antwort #4 am: 30 Jun 09, 02:49 »
Hi lutz

Nein, die Systematik hat - von den paar Ausnahmen abgesehen - schon ihren Grund. Zudem würde es nicht unbedingt der Übersicht zuträglich sein, die übrigen nicht Element/Oxid-Gruppen zusammen zufassen. Es geht ja nicht darum, in Salze und Nichtsalze zu unterscheiden, sondern nach dem Chemismus bzw. funktioneller Anionencluster, wie eben z.B. Sulfat oder Silikat. Das diese nicht immer ganz Reibungslos funktioniert, liegt in der Natur der Dinge.
Ich kann das jetzt nicht nachprüfen, aber ich meine, es gibt eine frühe Form der "Systematik", wo tatsächlich in Salze und Nichtsalze unterschieden wurde. Vielleicht weiß dazu ja jemand mehr ?

Offline berthold

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Re: Frage zu Oxiden und Salzen
« Antwort #5 am: 30 Jun 09, 12:10 »
Hallo,

Zitat
ist es für ein allgemeines lehrplakat im sinne einer übersicht nicht totz der ausnahmen sinnvoll, zwischen elementmineralen, oxiden und salzen zu unterscheiden und die bezeichneten 7 klassen unter "salze" zusammenzufassen?

würde ich nicht machen. Der Begriff "Salz" ist umganssprachlich mit einigen Vorsellungen verknüpft (z.B. gute Löslichkeit in Wasser) die zu vielen Mineralien (der 7 Klassen) nicht so wirklich passen.

Gruß
Berthold

Offline dorian

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Re: Frage zu Oxiden und Salzen
« Antwort #6 am: 05 Jul 09, 15:32 »
Hallo,
@ cmd.powell
Heißt das, dass oxide einfach nur sehr(!!!) große moleküle sind, da sie ja keine Metalle sind?
ciao,
Dorian

Offline cmd.powell

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Re: Frage zu Oxiden und Salzen
« Antwort #7 am: 07 Jul 09, 03:04 »
Hallo dorian

Oxide sind sicherlich keine sonderlich großen Moleküle. Im Vergleich zu den Silikaten und ganz zuschweige von Organischen Verbindungen (die nicht unbedingt als Kristalle in der Natur vorkommen) sind sie sogar eher als klein anzusehen. Allerdings ist es Möglich, alle Verbindungen, die Sauerstoff enthalten formal als Oxide anzusehen. Das gibt z.B. die "oxidische Schreibweise", welche bei den Geochemikern sehr beliebt ist, wieder. So kann man Olivin (Mg,Fe)[SiO4] auch MgO + FeO + SiO2 oder Scheelit Ca[WO4] auch CaO + WO3 schreiben. Interessant ist hier weiterführend die volumetrische Betrachtung der Oxide: Hier ist es so, das die Sauerstoffatome den größten Teil des Volumens ausmachen und die Kationen (in den Beispielen Mg, Fe, Ca, Si, W) lediglich die Lücken zwischen den Sauerstoffatomen füllen. Sogesehen wären die Oxide schon sehr große "Moleküle", wobei hier der Begriff Molekül nicht ganz passen ist. Ein Molekül umfasst im allgemeinen eine Formeleinheit im chemischen und nicht im volumetrischen Sinn.