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Autor Thema: Geigerzähler von Bleifolie befreien?  (Gelesen 13950 mal)

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Offline fragender

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Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« am: 11 Aug 10, 21:58 »
Guten Tag,
das ist mein erster Beitrag in diesem Forum und ich hoffe ich bin hier richtig und möchte mich schonmal für Euer Interesse und auch für Eure evtl. Hilfe danken. :)
Ich habe folgende Frage;
Mein kürzlich erworbender Dosimeter von Voltcraft (Osteuropa Produktion) dient bis Dato nur der Messung von Gamma-Strahlen. Jedoch las ich kürzlich in einem Blog, dass man, durch Entfehrnung der Bleifolie vom Geiger-Müller-Zählrohr, auch Beta-Strahlung mit messen könne. Stimmt dies? Leidet dadurch die Genauigkeit oder Funktion des Dosimeters? Wird die Zählung hierdurch verfälscht?
Und ist ein Schlitz im Gehäuse, wie im Blog beschrieben, wirklich eine gute Idee? ??? ??? ???

Der Blog, samt dem Dosimeter:
http://www.chetan.homepage.t-online.de/sonstig/gamma07.htm

Danke schonmal für Eure Antworten..
« Letzte Änderung: 11 Aug 10, 22:38 von fragender »

Offline Embarak

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #1 am: 11 Aug 10, 23:48 »
Hallo,
Zunächst herzlich willkommen in diesem Forum !!

Das gerät misst nicht Gammastrahlung,sondern die Aequivalenzdosisleistung,somit auch Beta.
http://www.yggdrasil-forum.at/wiki/index.php/Dosimeter
Siehe auch Aequivalenzdosis und Ionisierende Strahlung.

Dem zitierten Autor begegne ich mich Skepsis.Auf seiner Seite 2 fand ich dieses:
"...Als Beta- Prüfstrahler eignen sich die meisten Keramik Kacheln deshalb sehr gut. Vermutlich werden in verschiedenen Baumaterialien aus Kostengründen gern radioaktiver Müll beigemischt..." Kein weiterer Kommentar. ;)

Viel Knatterei am Gerät ist für manch einen spektakulär, sagt aber erstmal garnichts über Strahlungsart und -Energie aus.
In welchem Abstand wird was gemessen?
Willst Du die Strahlungsbelastung in Deinem Bad messen,wie der Autor oder natürliche Hintergrundstrahlung im Freien oder gar
Uran-haltige Mineralien?
Die Zahlenwerte dieser kleinen Geräte sind mit einem Fehler von 30% übrigens bestenfalls als Hinweis zu werten.
Ich kontrolliere meine U-mins mit russischen Dosimetern "BELLA" und "ANRI" in jeweils 1 cm Abstand,aber auf die abgelesenen
µSv/h gebe ich nicht viel....
Bin gespannt auf andere Kommentare.Umgang mit Strahlungsmessung ist ein beliebtes Thema ... ;D
Gruß
Norbert

Offline fragender

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #2 am: 12 Aug 10, 01:14 »
Danke für die schnelle Antwort  :D
Also ich hab mir den Dosimeter als günstigen Geigerzähler angeschaft, um zum einen meine Sammlung zu überprüfen und zum anderen weil die Laufzeiten bestimmter Einrichtungen, wie die Verfallsdaten von Gammelfleisch immer weiter verlängert werden. ;)

Ich sammle seit Jahren kleine Steinchen und Mineralien aus Flüssen und dem Umfeld meiner Wanderungen. Vor kurzem stieß ich auf einen Artikel (leider weiß ich nicht mehr wo) in dem von Strahlung, durch solche Sammlerstücke, die Rede war. Ich brauche also keine genauen Messwerte sondern ehr "Hinweiße" auf normale oder erhöhte Strahlung.

Reicht hierfür der Dosimter denn aus? Denn der, den Du verlinkt hast, ist das "bessere" Modell (http://www.hupra.com/HS_036_info_de.htm) ich besitze jedoch den Grif-1 (http://www.hupra.com/Grif_1_info_de.htm). Das bessere Modell wird ja direkt mit der Beta-Messung beworben, meins hingegen "nur" mit Gamma- und Röntgen-Mess-Fähigkeit.

Ich habe nicht wirklich vor meine Keramik auf Atommüllrückstände zu untersuchen ;D wüsste aber gern ob eine Beta-Sensibilisierung sinnvoll oder schädlich für das Gerät wäre.

Danke nochmal für die schnelle und auch schon hilfreiche Antwort :)
« Letzte Änderung: 12 Aug 10, 01:21 von fragender »

Offline berthold

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #3 am: 12 Aug 10, 08:38 »
Hallo,

willkommen in diesem Forum.

Zitat
Reicht hierfür der Dosimter denn aus?

Ja. Natürliche radioaktive Mineralien sind keine reinen Alpha-, Beta- oder Gammastrahler. Das kommt daher da sie aus einen Isotopengmisch (der natürlichen Zerfallsreihen) bestehen. Die Gammastrahlung tritt praktisch immer mit dem Alpha- und dem Betazerfall begleitend auf, eignet sich also gut dazu Deine Fragestellung zu beantworten, Du brauchst keine Betastrahlung zusätzlich zu messen.

Was die angezeigeten Werte von vielen kleinen Geräten betrifft kann ich Norbert nur zustimmen, das sind Hausnummern - und wer braucht da schon drei Nachkommastellen?

Zitat
wüsste aber gern ob eine Beta-Sensibilisierung sinnvoll oder schädlich für das Gerät wäre.

Für Mineralien: Weder sinnvoll noch schädlich. Du bekommst größere Werte und damit scheinbar höhere Empfindlichkeit aber jede (auch schlechte) Normierung geht verloren.

Gruß
Berthold

Offline doe

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #4 am: 12 Aug 10, 10:59 »
Hi,
Betastrahlenmessung ist für den Hausgebrauch eigenlich unnötig, (nach wenigen cm nicht mehr da),es seid denn es geht um orale Aufnahme einer radioaktiven Substanz.Aber die Belastung von bestrahlten Lebensmittel (Obst,Gammelfleisch) kan man damit nicht nachweisen/erfassen,die strahlen nämlich nach der Nukleardesinfektion nicht mehr.
MfG Günter
 

Offline berthold

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #5 am: 12 Aug 10, 11:37 »
Hallo Günter,

Zitat
(nach wenigen cm nicht mehr da),es seid denn es geht um orale Aufnahme einer radioaktiven Substanz

... da glaube ich verwechselst Du Alpha- und Betastahlung. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Es kommt darauf an, welches Isotop das Beta-Teilchen macht, es hat entsprechend eine unterschiedliche Energie von wenigen keV bis mehrere MeV. Bei um einem MeV kommt das Teilchen in der Luft schon mehrere Meter weit und solche Energien/Reichweiten haben wir (auch) im natürlichen Zerfall.

Richtig, bestrahlte Lebensmittel strahlen nicht. Aber das bedeutet nicht, dass so behandelte Lebensmittel unbedenklich sein müssen - in Deutschland ist die Bestahlung von Lebensmitteln (abgesehen von Gewürzen) jedenfalls nicht zugelassen - das hat aber andere Gründe.

Gruß
Berthold

Offline Embarak

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #6 am: 12 Aug 10, 12:19 »
Hallo,
... es hat entsprechend eine unterschiedliche Energie von wenigen keV bis mehrere MeV. Bei um einem MeV kommt das Teilchen in der Luft schon mehrere Meter weit und solche Energien/Reichweiten haben wir (auch) im natürlichen Zerfall....
Dazu ein Zahlenbeispiel mit Betastrahlern,wie sie als gereinigte Isotope im Laborbereich eingesetzt werden:

               HWZ         Reichweite in H2O/Gewebe           Reichweite in Luft

 32P         14,3 d                       8 mm                                       8 m
 33P         25   d                     0,6 mm                                      60 cm
35S          87,4 d                     0,25 mm                                    25 cm

Gruß
Norbert

Offline berthold

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #7 am: 12 Aug 10, 12:45 »
Hallo,

in der U238-Zerfallsreihe kommt auch Tallium-210 vor, dessen Beta-Strahlung kommt in der Luft ca. 20 Meter weit, selbst im Gewebe noch ca. 3cm. Aluminium mit ca. 1cm Dicke würde zu 100% abschirmen.

Es wäre mal interessant durchzurechnen wie sich die besagte Bleifolie überhaupt auf die Betastrahlung (mit dem Energiespekturm aus den im Gleichgewicht stehenden Nuliden der natürlichen Zerfallsreihen aus U-Th-Mineralien) auswirkt. Es dürfte in der Bleifolie ja nicht unerhebliche harte Bremsstrahlung entstehen...

Gruß
Berthold

Offline fragender

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #8 am: 12 Aug 10, 12:57 »
Wie Gesundheitsbedenklich wäre denn das 8m weit strahlende ³²p ?
Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, das nicht in der Sammlung zu haben. :)
Auch würde ich den Dosimeter ja gerne nutzen, um die allgemeine Strahlung zu Überprüfen.
Wie z.B. aktuell mit den brennenden Wäldern, in verstrahlten Teilen Russlands.
Sicher ist die Gefährdung hier gerring aber beruhigen würde es mich schon.
Was wäre denn hier das gefährliche, Beta- oder Gamma-Strahlung?

Ich habe übrigens jetzt schon einmal meine Sammlung getestet und bis Dato keine erhöte Strahlung feststellen können.
Hierzu habe ich den Dosimeter auf Suche gestellt (dann beginnt der Lautsprecher das Knacken) und meine Sammlung dann mit dem Dosimeter in ca 2-3cm Abstand langsam überflogen. Und zu keinem Zeitpunkt hat das Gerät mehr angeschlagen als bei meiner Vegleichsmessung in der Mitte des Hinterhofes.

Habe ich das so richtig gemacht oder sollte ich die Stücke lieber einzeln, für einen einmenütigen Testzyklus, neben das Gerät legen?

Und wegen dem U238; stimmt es das Beta-Strahlung wenn sie auf Objekte trifft zum Teil zu Röntgen-Strahlung wird?
Ich hoffe die Frage ist nicht zu laienhaft. Mein letzter Physikunterricht ist mittlerweile mehr als ein halbes Jahrzehnt her. ::)
Und wäre die Strahlung dann theoretisch noch stark genug, um als Röntgenstrahlung registriert zu werden?

Und danke nochmal für die Hilfe, das Forum und Ihr seid echt toll. :)
« Letzte Änderung: 12 Aug 10, 13:04 von fragender »

Offline berthold

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #9 am: 12 Aug 10, 13:55 »
Hallo,

Zitat
Wie Gesundheitsbedenklich wäre denn das 8m weit strahlende ³²p ?

Es kommt nicht nur darauf an was strahlt, sondern auch wieviel strahlt und wie lange Du dich dieser Strahlung aussetzt. Selbst wenn man die Reichweite unberücksichtigt lässt: Die Dosisleistung nimmt mit dem Quadrat der Entfernung von der (punktförmigen) Strahlenquelle ab so dass ich sagen würde: Vergessen!

Zitat
Was wäre denn hier das gefährliche, Beta- oder Gamma-Strahlung?
Beta (aus Cs-137) und ganz besonders gefährlich Alpha - wenn der Strahler aufgenommen wird (also in den Körper kommt).

Bei der Überprüfung der Sammlung hast Du meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Wirkliche Gefahr geht in der Regel nicht von den radioaktiven Mineralien direkt sondern vom Staub (zerfallender Uranglimmer) und vom Radon aus. Bei aktiven Stufen: Die A-Regeln beachten!

Zitat
stimmt es das Beta-Strahlung wenn sie auf Objekte trifft zum Teil zu Röntgen-Strahlung wird?

Betastrahlen sind (Experten mögen mir die Verallgemeinerung verzeihen) Elektornenstrahlen. In Röntgenröhren wird nichts anderes gemacht als dass ein Elektronenstrahl auf ein "Objekt" -die Anode- trifft und dabei die sogenannte charakteristische Röntgenstrahlung, dazu Bremsstrahlung und Lilienfeldstrahlung erzeugt. Die Messverfahren für alle Strahlungsarten sind heute sehr, sehr fein. Messen kann man mit entsprechendem Aufwand praktisch alles bis zu einzelnen Zerfallsereignissen herunter. Nur wird ein Sack Reis, der in China umfällt bei uns kein Erdbeben auslösen...

Gruß
Berthold

Offline fragender

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #10 am: 12 Aug 10, 17:51 »
Also werde ich meinen Grif-1 so lassen, wie er ist, da seine Gamma-Röntgen-Mess-Fähigkeit für meine Zwecke auszureichen scheint. :)
Danke für Eure Hilfe, Ihr habt mir das Basteln erspart ;D

Offline Krizu

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #11 am: 12 Aug 10, 18:34 »
Hallo,

die Frage stelle ich mir auch schon länger.

Was ist günstiger:
10kg Wasser oder Paraffin um einen Beta-Strahler an Stelle von 10kg Blei.
Im Blei wird mit Z hoch 4 viel Strahlung umgesetzt und die Schwächung ist nahezu proportional zur Masse im Strahl, oder?

Zum Beta und Gamma (ich kann es mir nicht merken): Entsteht nicht meistens auch Gamma nach dem Beta-Verfall? Mein Gamma-Praktikum liegt ca 20a zurück.

MfG

Frank

Offline Embarak

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #12 am: 13 Aug 10, 00:08 »
Hallo,
Ist zwar eine Seite der Kraftwerksbetreiber,aber bei Kernfragen.de sind einige Zusammenhänge sehr anschaulich erklärt:
natürliche Zerfallsreihen
und hier und auf den anschließenden Seiten wird mit flash-Animationen Röntgenbremsstrahlung erklärt:
Bestrahlung mit Betateilchen ff.
Interessant dabei: Abschirmung innen Kunststoff,außen Metall ist in Ordnung.
Macht man es umgekehrt,hat man eine Röntgenquelle im Schrank !!

Lohnt sich,dort ein bisserl zu blättern.
Gruß
Norbert

Offline fragender

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Re: Geigerzähler von Bleifolie befreien?
« Antwort #13 am: 13 Aug 10, 12:26 »
Gute Beschreibungen habe ich auch noch auf http://a-z.strahlenschutz.cc/ gefunden.
Und die dort fehlenden Artikel kann man dann ja auf Wikipedia nachschlagen.

 

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