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Autor Thema: Wachstumsphänomene an Kristallen  (Gelesen 32428 mal)

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Offline Josef 84,55

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #30 am: 26 Sep 12, 14:15 »
Hallo,

danke Norbert für den Link zu dem AM-Artikel. Schön das dort solche Artikel dort frei zugänglich sind und man nicht 25€ für einmal anschauen zahlt.

@Berthold, Du hast recht, das vergleichen von den Gitterkonstanten ist noch nicht sehr aussagekräftig aber schon ein guter Anhaltspunkt. Die makroskopische Orientierung der Kristalle zueinander habe ich im Bildtext der Zeichnung hinterlegt, diese ist aber noch nicht richtig. Die Flächen die parallel sind habe ich erkannt, die Vektoren weichen von den Angaben im  AM-Artikel ab ([0 -32]  parallel [0 -23] Topas). Ich werde heute Abend versuchen das zu zeichnen.
Natürlich müssen die Gitterplätze der entsprechenden Ionen miteinander verglichen werden, was im AM-Artikel auch gemacht wurde. Eine errechnete Abweichung von 3,3% ist eine sehr gute Passung.

Die möglichen großen Abweichungen lassen sich dadurch erklären, das die stabilen Keime bei der heterogenen Keimbildung sehr klein sein können und sie dadurch noch flexibler sind als das komplette Kristallgitter.

Grüße Josef

Offline Josef 84,55

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #31 am: 27 Sep 12, 12:40 »
Hallo,

bei genauerer Betrachtung sieht man, dass die Bixbyite im Uhrzeigersinn und Gegenuhrzeigersinn verkippt sind. Es lassen sich die meisten Kristalle der Im AM-Artikel beschriebenen Epitaxie zuordnen. Auf der rechten Seite sind einige nicht orientiert und links von der Mitte hat sich ein Kristall nicht entscheiden können  ;).

USA/Utah/Juab County/Thomas Range
Wachstumsphänomene an Kristallen

Wachstumsphänomene an Kristallen

Wachstumsphänomene an Kristallen


Grüße Josef

Offline Hg

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #32 am: 27 Sep 12, 12:43 »
Zitat
Auf der rechten Seite sind einige nicht orientiert und links von der Mitte hat sich ein Kristall nicht entscheiden können  ;).

rechts- und linksdrehende Bixbyite  ;D.....ganz was Neues.

Offline smoeller

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #33 am: 30 Sep 12, 13:25 »
Hallo,

Hier mal wieder eine interessante Epitaxie: Zeunerit auf Arsenuranospathit von Menzenschwand im Schwarzwald. Die Zeunerite sitzen um 45° gedreht auf dem Arsenuranospathit.

Bildbreite ca. 3 mm

Glück Auf!
Smoeller

Offline Josef 84,55

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #34 am: 21 Oct 12, 12:17 »
Hallo,

eine weiteres Wachtumsphänomen: gedrehter Millerit:

Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Arnsberg, Bezirk/Unna, Kreis/Bergkamen/Zeche Monopol Schacht Grimberg 3 und 4
Wachstumsphänomene an Kristallen
Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Arnsberg, Bezirk/Unna, Kreis/Bergkamen/Zeche Monopol Schacht Grimberg 3 und 4
Wachstumsphänomene an Kristallen
Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Arnsberg, Bezirk/Unna, Kreis/Bergkamen/Zeche Monopol Schacht Grimberg 3 und 4
Wachstumsphänomene an Kristallen


Die Kristalle sind nicht mechanisch gedreht. Eine Erklärung anhand von Strukturfehlern dürfte sehr komplex sein.

http://www.minsocam.org/msa/collectors_corner/arc/millerite1.htm

Weitere viel bessere Fotos:
Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Arnsberg, Bezirk/Hagen/Steinbruch Donnerkuhle
Wachstumsphänomene an Kristallen
Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Arnsberg, Bezirk/Hagen/Steinbruch Donnerkuhle
Wachstumsphänomene an Kristallen
Deutschland/Nordrhein-Westfalen/Arnsberg, Bezirk/Hagen/Steinbruch Donnerkuhle
Wachstumsphänomene an Kristallen
USA/Kentucky/Lincoln County/Halls Gap/US 27 Roadcut
Wachstumsphänomene an Kristallen


In dem ausgezeichneten Buch WERNER LIEBER, Kristalle - Schönheit durch Fehler, ist noch ein tordierter Antimonit abgebildet.

Grüße Josef
« Letzte Änderung: 21 Oct 12, 13:29 von Josef 84,55 »

Offline Josef 84,55

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #35 am: 21 Oct 12, 13:28 »
Hallo Sebastian,

interessante Epitaxie, Zeunerit auf Arsenuranospathit. Am besten passen die Kristallgitter bei gleicher (tetragonaler) Aufstellung zusammen. Könnte es sein, dass sie eine unterschiedliche Tracht haben? Der eine durch die Bipyramide 1.Stellung und der andere durch die Bipyramide 2. Stellung begrenzt wird?
Im STRUNZ/NICKEL 2001 steht bei Arsenuranospathit noch wahrscheinlich  (Pseudo-) tetragonal.

Grüße Josef

Offline smoeller

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #36 am: 22 Oct 12, 09:29 »
Hallo Josef,

Die Zeunerite haben zwar Bipyramidenflächen als seitliche Begrenzungen, aber die Verwachsungsebene liegt parallel zum Basispinakoid. Es liegen, so gut man das anhand des Beispiels (ohne aufwändige Indizierung der Flächen) erkennen kann, die Basispinakoide von Arsenuranospathit und Zeunerit parallel zueinander und bilden die Verwachsungsebene. Interessant ist dann jedoch, dass die (gehe ich von der im rhombischen Fall üblichen Aufstellung aus) [010]-Richtung des Arsenuranospathits mit der [110]-Richtung (Flächendiagonale) des Zeunerits übereinstimmt.  Die Zeunerite erscheinen ja um 45° gedreht in Bezug auf die b-Achse des Arsenuranospathits.

Glük Auf!
Smoeller

Offline Josef 84,55

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #37 am: 22 Oct 12, 20:59 »
Hallo Smoeller,

von Arsenuranospathit habe ich nur tetragonale Aufstellungen gefunden, obwohl er orthorhombisch aussieht.  Da die die Werte der a-Achsen eine sehr geringe Abweichung haben, Zeunerit 7,18 Angstrom und Arsenuranospathit 7,16 Angstrom, vermute ich, dass sie die gleiche Orientierung haben aber durch andere Flächen begrentzt werden.  Vieleicht kannst Du am Stück die 90° Winkel erkennen und so der tatsächlichen Orientierung näher kommen.

Glück Auf!
Josef


Offline Embarak

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #38 am: 15 Sep 13, 15:45 »
Hallo,

Ich möchte diesen älteren thread wieder aufgreifen, nachdem ich beim Händler wieder mal ein interessantes Stück
in verstaubten Kisten entdeckt habe :
Calcit mit Einschlüssen, laut Angabe Schlema, Erzgebirge, 56 x 50 x 30 mm.

Die Einschlüsse sind höchstwahrscheinlich Markasit, bin aber nicht sicher.
Unschwer zu erkennen, daß es sich hier um eine orientierte Verwachsung, Epitaxie handelt !
Habe zum Fundort und in den Seiten zu Einschlüssen und Epitaxie nichts Vergleichbares entdeckt.

Ich würde das Stück gerne besser verstehen. Wo ist hier das Zusammenspiel der Gitterparameter in der Epitaxieebene ?  ???

Wachstumsphänomene an Kristallen


Wachstumsphänomene an Kristallen


Unten noch 2 Detailaufnahmen zur orientierten Verwachsung .
Die Lexikon-Bilder sind noch nicht zugeordnet, da ich sowohl beim Markasit gerne noch Zustimmung hätte,
als auch noch leichte Zweifel zur FO-Angabe habe. Wegen des Fundorts als letzten Anhang auch noch die Rückseite.
Sind solche Funde aus Schlema bekannt?

Gruß
Norbert

Offline Goldi85

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #39 am: 15 Sep 13, 16:17 »
Hallo Norbert,

Ist das wirklich eine Epitaxie? Ich frage mich, ob der Markasit wirklich in einer Richtung orientiert aufgewachsen ist oder ob er nur bevorzugt auf den Kristallkanten gewachsen ist.

Gruß  Daniel

Offline Embarak

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #40 am: 15 Sep 13, 16:37 »
Hallo Daniel,

Das wäre auch noch 'ne Möglichkeit. Und dann eine neue Lage Calcit oben drüber.
Leider sind die Einschlüsse nicht genau zu erkennen, auch wenn ich das Stück noch so drehe und wende.

Norbert

Offline geomueller

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #41 am: 15 Sep 13, 19:13 »
Hier mal eine Epitaxie die eigentlich recht häufig zu sehen ist.

Deutschland/Thüringen/Greiz, Landkreis/Berga a. d. Weiße Elster/Culmitzsch/Tagebau Culmitzsch (Mücke)
Wachstumsphänomene an Kristallen


Jürgen

Offline berthold

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #42 am: 15 Sep 13, 19:18 »
Hallo,

nicht jede Ausrichtung muss gleich Epitaxie sein. Bei dem Beispiel vom Jürgen glaube ich nicht an Epitaxie, ebenso bei dem gezeigten Calcit.

Gruß
Berthold

Offline Goldi85

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #43 am: 15 Sep 13, 19:27 »
Aber ein schöner Einschluss ist es allemal  :D

Gruß  Daniel

Offline geomueller

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Re: Wachstumsphänomene an Kristallen
« Antwort #44 am: 16 Sep 13, 16:28 »
Hallo berthold und alle,
 was spricht bei dem Baryt-Goethit von Culmitzsch gegen eine Epitaxie. Die Grundvoraussetzung für eine Epitaxie laut Lexikon: "Auf einer bereits vorhandenen Kristallfläche des einen Partners ("Wirt", "Substrat") bilden sich - orientierte - Keime des zweiten Epitaxie-Partners ("Gast"), welche in der Folge zu sichtbaren Kristallen heranwachsen." ist meiner Meinung nach doch gegeben.

Ich lasse mich aber gern belehren, Kristallographie ist nicht so eine Stärke :-[

Jürgen