https://www.lithomania.dehttps://www.mineralbox.bizhttps://www.geolitho.eu/finanziell-unterstuetzen/

Autor Thema: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug  (Gelesen 3599 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline bur

  • *
  • Beiträge: 24
Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« am: 17 May 15, 17:49 »
Ich habe vor einigen Monaten eine Torbernit-Stufe aus Shinkolobwe erworben. Diese zeigt auf einer Seite einen glasartigen Überzug, erst dachte ich an eine Lackierung, aber dafür ist die Schicht zu dick und unregelmäßig. Die Torbernitekristalle selber sind ohne die glasige Schicht, gehen an einer Stelle allerdings in diese über.

Die Schicht ist hart, mit einem Nagel und einer Schraube läßt sich sich nicht ritzen. Fühlt sich an als kratzt man über Glas. Keine Fluoreszenz.

Naja, ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

https://plus.google.com/photos/108292574812523401946/albums/6149168152210033569?banner=pwa&authkey=CPiYzZCs9JuungE

Man kann in die Bilder reinzoomen: Anklicken, dann Mausrad scrollen oder oben rechts auf das Lupensymbol klicken.

Kann irgendwer was dazu sagen? Um was könnte es sich handeln, wie ist es entstanden?
« Letzte Änderung: 17 May 15, 18:01 von oliverOliver »

Offline Alcest

  • ******
  • Beiträge: 1.408
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #1 am: 17 May 15, 18:39 »
Hallo,

zunächst würde ich bei der Lokalität nicht von Shinkolobwe sondern eher von Musonoi ausgehen. Diese grün-blauen Geschichten (Malachit, Pseudomalachit und v.A. Cuprosklodowskit) sind eher untypisch für Shinkolobwe. Wenn dann noch graue Sulfide dabei sind (wird in Musonoi üblicherweise mit Digenit bezeichnet) wäre Shinkolobwe für mich ausgeschieden. Darum soll es hier aber wohl nicht gehen.

Derart glasige Überzüge kenne ich von beiden Lokalitäten nicht. Weder auf meinen eigenen Stufen noch auf Bildern habe ich so etwas zuvor gesehen. Der Überzug scheint sich in seiner Unregelmäßigkeit auch auf frischeren Bruchstellen zu befinden, sodass ich davon ausgehe, dass hier nachgeholfen wurde.
Diese feinkörnigen gelben Uranminerale neigen sehr gerne zu Absonderungen (einmal in die Hand genommen - Finger gelb). Ich kenne mich mit Lacken etc. und deren Härten nicht aus, an sowas würde ich hier aber eher denken an als natürliches Material.

Gruß,
Jan

Offline Collector

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.586
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #2 am: 17 May 15, 18:49 »
Hallo

bekanntlich entwässern Autunit und Torbernit gerne und schnell zu Meta-Autunit und Metatorbernit.  Aus den ursprünglich aus dem Berg geborgenen nicht selten hochglänzenden Kristallen werden in kurzer Zeit matte Kristalle mit stumpfen Oberflächen.
In der "Hochblüte" (1960er bis 1980er Jahre) von Shinkolobwe gab es Torbernit in abertausenden von prächtigen Stufen.  Aber schon damals wusste man um den raschen Wasserverlust der Kristalle und nicht wenige der auf dem Markt befindlichen Stufen wurden vorbeugend lackiert, nicht selten in dicken Schichten, um ganz sicher zu gehen.

Bevor Du weiter rätselst, gib doch mal einige Tropfen Nagellackentferner (Azeton) auf eine weniger sichtbare Stelle Deiner Stufe und prüfe, ob sich die eventuell eine Schicht auflöst.  (kann  einige Stunden bis Tage dauern).
Das erscheint mir im Augenblick die plausibelste Erklärung. Sollte kein Lack die Ursache der Glanzschicht sein, da auf bloßen Augenschein kaum eine Erklärung stichhaltig ist, dann wirds schwierig, da die allermeisten Torbernite aus Shinkolobwe halt mattgrüne Meta-Torbernite sind.

Viel Glück beim Versuch
Gruß
collector

Offline openpit

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 598
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #3 am: 17 May 15, 21:23 »
Hallo,

es sollte zumindest erwähnt werden, dass zur Thematik auch eine Diskussion unter mindat läuft:
http://www.mindat.org/forum.php?read,11,351947,353215#msg-353215

Ich selbst glaube auch an eine Behandlung mit diversen Harzen (?). Der ähnliche Glanz auf den erdigen "Gummiten", den Uraniniten und den Torbernit-Malachitmassen spricht dafür.
Die Fundortangabe ist plausibel. Die u.a. als Argument für Musonoi aufgeführten "Digenite" sind wohl eher Uraninit. Aus der "Thrust 2400" sind große Uraninite überaus selten.

Glück Auf!
Micha

Offline bur

  • *
  • Beiträge: 24
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #4 am: 17 May 15, 21:42 »
Ich habe vergessen die wichtige Info hinzuzufügen  ::) : Waschbenzin und Aceton habe ich beides versucht, nichts passiert. Manche Harze reagieren kaum auf Lösungsmittel, insofern wäre das eine Möglichkeit.

Was mich allerdings an einer als Schutz angebrachten Beschichtung zweifeln lässt, ist dass sie sich vor allem auf einer "nicht-Schauseite" befindet und da auch noch sehr brüchig ist. Die eigentlichen Kristalle sind nicht beschichtet. Auf der Kristallseite ist ein Stück Matrix an dem sich das gut sehen lässt. Teilweise sind auch heile Kristalle an Stellen wo die Schicht weggebrochen ist. Teilweise wirkt es sogar so als würden die Kristalle in die glasige Sschicht übergehen, als wären sie geschmolzen. Das kann aber eigentlich nicht sein, da sich Torbernit als Phosphat und zudem wasserhaltig vorher zersetzen sollte.

Ich habe schon überlegt ob das Ding beim Abbau irgendwas abbekommen hat...?

Zitat
zunächst würde ich bei der Lokalität nicht von Shinkolobwe sondern eher von Musonoi ausgehen.
Das stimmt, habe selber zwei Musonoi-Stufen die entsprechend grünlich sind. Wobei der Gesamteindruck dieser Stufe aber eher Gelb/Orange/Schwarz ist, wie auf einem Photo gut zu sehen. Ein kleiner Teil der Matrix ist ein brüchiges rotes Gestein, ähnliches habe ich bei anderen Shinkolobwe-Stufen schon gesehen. Von der schwarzen Fläche nahm ich an, das wäre Uraninit den es ja in Musonoi nicht gibt. Kann natürlich auch ein Kupfersulfid sein.

Die Stufe kommt von yourmineralcollection/Giuseppe Siccardi (über e-rocks), er hat die Stufe aus dem Nachlass eines verstorbenen Sammlers, der in den 70ern beruflich in Afrika war und dort einige Uranmineralien kaufte. Insofern sollte die Herkunftsbezeichung vertrauenswürdig sein, aber sicher ist natürlich nichts.

Zitat
da die allermeisten Torbernite aus Shinkolobwe halt mattgrüne Meta-Torbernite sind
Mich würde interessieren, weshalb einige der Kristalle transparent bleiben. Es gibt ja gerade aus Musonoi viele schöne Kristalle.


Naja, ich vermute es hilft nur eine Analyse, nirgends wo ich die Fotos gezeigt habe konnte jemand was damit anfangen.

Offline bur

  • *
  • Beiträge: 24
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #5 am: 17 May 15, 21:51 »
es sollte zumindest erwähnt werden, dass zur Thematik auch eine Diskussion unter mindat läuft:
Stimmt, hatte nicht bedacht, dass vermutlich viele beides lesen.

Zitat
Ich selbst glaube auch an eine Behandlung mit diversen Harzen (?). Der ähnliche Glanz auf den erdigen "Gummiten", den Uraniniten und den Torbernit-Malachitmassen spricht dafür.
Aber warum wurde dann bevorzugt eine Seite ohne Kristalle beschichtet, die andere überhaupt nicht und die Kristallseite soweit ich sehen kann nur teilweise und gerade nicht an den Kristallen? Es wirkt als wäre eine Seite in eine Flüssigkeit getaucht worden, dann allerdings auch teilweise wieder weggebrochen worden. Mir ist das recht rätselhaft, am ehesten könnte ich mir noch vorstellen, dass die Stufe aus Versehen damit in Berührung kam.

In einigen Monaten kann ich hoffentlich ein EDX machen, Kohlenstoff ist dafür zwar nicht prädestiniert, aber ich denke ein organisches Material sollte sich als solches erkennen lassen?


edit: Ich habe mir die Stufe gerade nochmal angeguckt, es sieht tatsächlich so aus als wäre die betreffende Seite in etwas getaucht worden. Das erklärt zwar nicht, wieso gerade diese Seite und wieso an manchen Stellen die Schicht weggebrochen ist, aber das deutet ja schon auf künstliche Herkunft hin. Da man die Stufe auf der Seite gut hinstellen kann, habe ich schon überlegt ob das ein verunglückter Befestigungsversuch war. Die Bruchstellen sind dann vielleicht beim Entfernen entstanden.

Naja, das sind alles Spekulationen, ich hoffe sehr dass die Analyse Aufschluss gibt! :)

edit 2:Jetzt wollte ichs wissen und habe an einer Ecke ein Feuerzeug drangehalten. Selbst nach 20 s passiert nichts. Die Stelle sieht genauso aus wie vorher. Spezielle Kunstharze können zwar recht temperaturbeständig sein, wobei wiki von 300 °C spricht und eine Feuerzeugflamme hat zwischen 800 und 1200 °C. Epoxidharz soll schon mit Heißluftgebläsen weich werden.

Vielleicht wurden damals in Shinkolobwe schon Versuche zur sicheren Endlagerung gemacht und die Stufe stellte ein Testobjekt dar... ;)

edit 3:Und noch ein Zusatz. Auf der Kristallseite gibt es Stellen an denen man die eindeutig unbeschichtete Matrix sieht (bröselig). Allerdings ragt ein kleiner Stein etwas heraus und der zeigt ebenfalls die Beschichtung.  ??? Ich gehe jetzt ins Bett und hoffe dass ich nicht davon träume.
« Letzte Änderung: 17 May 15, 22:37 von bur »

Offline Alcest

  • ******
  • Beiträge: 1.408
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #6 am: 17 May 15, 23:37 »
Zitat
Das stimmt, habe selber zwei Musonoi-Stufen die entsprechend grünlich sind. Wobei der Gesamteindruck dieser Stufe aber eher Gelb/Orange/Schwarz ist, wie auf einem Photo gut zu sehen. Ein kleiner Teil der Matrix ist ein brüchiges rotes Gestein, ähnliches habe ich bei anderen Shinkolobwe-Stufen schon gesehen. Von der schwarzen Fläche nahm ich an, das wäre Uraninit den es ja in Musonoi nicht gibt. Kann natürlich auch ein Kupfersulfid sein.

Auf mindat steht, dass das, was ich für grauen Digenit hielt, schwarz sein soll. Auf dem einen "unbehandelten" Foto sieht das in der Tat nicht mehr nach dem aus, was ich bei den überzogenen Teilen der Stufe meinte zu sehen.

Gerade Torbernit von Musonoi nach Shinkolobwe zu schieben war wohl mal Volkssport, dazu gab es auch schonmal eine Diskussion auf mindat. Musonoistufen wurden auch mal Mashamba West angerechnet. Wer weiß, wie oft Shinkolobwe im Gegenzug als Musonoi vertickert wurde...

Die Matrix mit rötlichen Fragmenten kommt auch häufiger auf Stufen aus den Regionen Kolwezi (Musonoi etc.) und Kamoto vor.

In besagtem Mindatthema ging es auch um die Frage Torbernit/Metatorbernit. Soweit ich mich erinnere war die Kernaussage, dass sowohl Musonoi- als auch Shinkolobwetorbernite nach der Extraktion entwässert sind, die aus Musonoi aber bedeutend stabiler und schöner bleiben, wenngleich auch matte dort nicht selten sind. Es ist dort auch gar nicht so unüblich, dass mattgrüne Kristalle auf einer Stufe direkt neben nahezu bergfrisch wirkenden "smaragdgrünen" Kristallen vorkommen.

Offline Salzhase

  • ***
  • Beiträge: 83
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #7 am: 17 May 15, 23:58 »
Hallo,
Beschichtung mit Wasserglas?

Glück Auf
Salzhase

Offline Emil Box

  • ***
  • Beiträge: 388
Re: Shinkolobwe-Stufe mit glasartigem Überzug
« Antwort #8 am: 18 May 15, 00:13 »
In Minéraux et Fossiles Sonderband 28: Minéraux uranifères S. 145:
Uranopilit kommt als gelbe botroydale Krusten vor in verlassene Werksanlagen in Shinkolobwe.
Glück auf
Milo

 

Mineralienatlas - Fossilienatlas - Info-Center

Neueste Beiträge Neueste Beiträge