Hallo Mascha,
Vielleicht warst Du ja auf den diesjährigen Mineralientagen - dort gab es eine Sonderschau "Sammler schreiben Geschichte" oder so ähnlich.... Das war ganz im Sinne dieses Themas - Was bewahren? Warum bewahren? Warum sammeln?
Die Frage "Was passiert mit meiner Sammlung, wenn ich mich nicht mehr kann oder ich gestorben bin?" ist relevant. Mir sind mehrere Fälle bekannt, in denen die Erben die Sammlung auf den Müll gekippt hattn. Für manche der Leute waren die Stücke schlicht Staubfänger (Du hast selbst anderswo solch eine Beobachtung beschrieben) oder sie hatten nicht die Möglichkeit, sich darum zu kümmern, oder sie hatten keinen "Nachbarn" (auch da kenne ich jemanden) der sich zwischenzeitlich der 20+ Kisten radioaktiven Materials annehmen wollte - weil das Haus nach dem Tod des Sammlers kurzfristig geräumt werden musste. .Oder auch der Fall einer Witwe eines tschechischen Sammlers (und Museumsdirektors), die die private Sammlung ihres Mannes nicht vollständig verwerten konnte (die Dame war ja selbst schon alt und wohl kaum noch mobil) - Teile der Sammlung landeten schließlich auf der Halde der Grube Eva (Jachymov). Oder ein bekannter traditionsreicher Mineralienhändler aus München, der seine Arbeit beenden wollte, der mir im Gespräch dann erzählte, dass zum Glück ja die Ladenimmobilie in Familienbesitz sei, weil ansonsten er keine Ahnung hätte was er mit der Ware anfangen solle. Da war durchaus auch von Bauschutt die Rede...
Da ist aber auch der ältere Herr (Fotos seiner Sammlung sind hier im Atlas), der wegen seiner stets kleiner werdenden Mobilität in ein betreutes Wohnen umziehen musste und sich fragte wohin mit der Sammlung. Oder jener Sammler aus dem Harz, der schlichtweg sein Augenlicht langsam verlor - und damit die Freude an seinen Micromounts. Oder jener Freund, dessen Frau viel Pflege braucht und er nun nicht mehr die Zeit findet, sich um seine Sammlung zu kümmern: eine Sammlung, die niemand anschaut, die niemand pflegt (abstaubt, Bestimmungsfehler korrigiert, dokumentiert...) - ist das noch eine Sammlung oder nur noch eine Anhäufung von Steinen? Für den Freund war die Antwort klar.
Die Fälle dokumentieren nur einen kleinen Teil dessen, was uns bei unserer Arbeit im Lithothekverein begegnet. Der Verein - die Lithothek - wurde genau deswegen gegründet. Es gibt viele Sammler und Sammlerinnen, die den Wunsch haben, den Verbleib ihrer Sammlung selbst zu klären, solange sie noch können. Ziel des Vereins ist, dort eine Heimat anzubieten. Der Verein nimmt zumindest in Teilen solche Sammlungen auf und fügt sie in eine gemeinsame Sammlung ein - die bearbeitet und dokumentiert wird (Beispiele finden sich hier im Atlas zu Hauf) und deren Verbleib zumindest insofern einigermaßen gesichert ist, als dass es einen Vertrag mit der bayerischen Staatssammlung gibt. Damit überlebt zumindest in Teilen und zumindest im Esprit die Sammlung, Damit wird auch Erinnerung geschaffen.
Aber unser Weg ist nur eine Möglichkeit. Eine andere habe ich kürzlich kennengelernt. Ein Sammler hat eine große Lehrsammlung aufgebaut, die er auch mit weiteren Lehr und Informationsangeboten verknüpft hat. Er sucht nun aktiv eine Nachfolgerin/einen Nachfolger, der diese Aktivität fortführen möchte. Weiteren Möglichkeit begegnet man auch noch - ebay, Müllkippe, Halde in der Natur, Spenden an Museen ... manche klingen gut, manche eher nicht. Ich mag nicht werten.
Schließlich - und das war bei all den Kontakten, die ich dazu bislang hatte, der Fall - ging es den Menschen mit ihrer Sammelleidenschaft nicht um Geld. Der Wert der Sammlung lag stets im Ideellen. Auch wenn sie tatsächlich viel investiert hatten, Zeit und Geld.
Glück Auf!
Martin