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Autor Thema: Vanadiumberyll  (Gelesen 7845 mal)

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Offline Philip Blümner

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Vanadiumberyll
« am: 27 Aug 05, 14:34 »
Hallo!

Ich besitze in der Sammlung einen sogenannten Vanadiumberyll, welcher aus Nigeria kommt/kommen soll.

Aufgrund meiner Technologie "Logisches Denken" kann ich davon ausgehen, dass in diesem Beryll Vanadium enthalten ist  ;)

Nur: unter google findet man
1) nur eine Seite von Vorschlägen
2) nur Esoterik-Heilsteinseiten.
bei mindat ist Fehlanzeige. Das Forum habe ich schon durchsucht, auch ohne Erfolg (siehe dazu hier).

Weiß jemand mehr über dieses Ringsilikat?

Gruß
slugslayer

Offline wolfilain

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Re: Vanadiumberyll
« Antwort #1 am: 27 Aug 05, 15:02 »
Hallo

Chrom und Vanadium sind die farbgebenden Elemente in Smaragd.

Aber eigentlich heist der dann Smaragd und nicht Vanadium Beryll.
Wer weis :P

=) klingt für mich wie ne Verkaufsstrategie.
Einfach einen andren namen suchen und dann is das interesse der leute höher.

grüße
wolfilain

ps.
Und isser grün ?  :)

Offline aca

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Re: Vanadiumberyll
« Antwort #2 am: 27 Aug 05, 15:28 »
Hallo,

Ist er grün?

Zufällig erinnerte ich mich an einen Artikel im "Schweizer Strahler"
in dem der Vanadium-Gehalt (V2O3) von Binntal-Smaragd besprochen wurde.
Hab mal nachgesehen.

Schweizer Strahler, 4/2003
Mumenthaler, Frey - Smaragd aus dem Binntal, S.24-30
Krzemnicki, Bosshart - Der Binntal-Smaragd als Juwel, S. 31-33

Binntal-Smaragd enthällt auch Chrom (Anteile auch angegeben als Cr2O3)
als Chromophor, wie es sich für einen ordentlichen Smaragd gehört, allerdings mehr Vanadium,
Quotient V/Cr bei den
Binntalern etwa 7 (mehr V),
Kolumbianern etwa 0.1 - 10 (mal mehr mal weniger V),
Habachtaler kleiner als 0.2 (mehr Cr),
Ural kleiner als 0,2 (mehr Cr)

Cr und V gehen auf die Aluminium-Gitterplätze.
Beide führen zu sehr ähnlichen Absorbtions-Spektren,
ein "reiner" V-Beryll müsste also grün sein.

Die Autoren zitieren etwas Literatur, damit sie auch einen solchen Beryll als Smaragd
bezeichnen dürfen und nicht nur als "brünen Beryll"
(hier wäre eine Mischung von Fe2+ und Fe3+ farbgebend).

Du hättest also eventuell  einen nigerianischen Smaragd.
In Mindat steht er vielleicht nicht, weil V-Beryll auch Smaragd ist.

Blöderweise habe ich nur diese Binntal-Info.
Den "Nigerianischen Strahler" habe ich aber leider nicht abonniert.

Gruß
Amir

P.S. mal keine Quarze - muss ja nicht immer Kaviar sein  ;)


Offline aca

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Re: Vanadiumberyll
« Antwort #3 am: 27 Aug 05, 15:30 »
"brüner Beryll" soll natürlich "grüner" sein.
wolfilain war aber sowieso schneller ...

Offline Philip Blümner

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Re: Vanadiumberyll
« Antwort #4 am: 27 Aug 05, 19:07 »
Hallo aca, hallo wolfilain!

Danke für eure Antworten.
Der Beryll ist grün. Das Grün erinnert an das von indischem Apophyllit (Poona) und
leicht ins Gelbgrün. Das würde ja sehr für ein Übermaß an V sprechen, da dort auch:
"Die intensiv grüne Farbe -verursacht durch einen Vanadiumgehalt von 1600ppm- ist
charakteristisch".

Ob das jetzt eine V-reiche Smaragd-Varietät ist, keine Ahnung. Das kann dann ein Profi
beantworten (bestätigen). Auf jeden Fall wäre es dann also eine Varietät² des Berylls.

Gruß
slugslayer

Offline McSchuerf

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Re: Vanadiumberyll
« Antwort #5 am: 28 Aug 05, 08:41 »
Hallo .. :)

zunächst einmal Fehlanzeige zu 'Vanadium-Beryll' oder überhaupt zu Vanadium als Fremdbeimengung, egal ob färbend oder nicht, in folgenden Werken:
H.J. Rösler
Klockmann
Hey's Mineralindex
Duda ..
Lapis-Verzeichnis

In der Lapisausgabe vom April 78, S.12, 13 .. sieht das etwas anders aus:
Hierin heißt es unter anderem ..

.. der wichtigste und bekannteste grün gefärbte Beryll ist der Smaragd. Wegen seines hohen Wertes als Edelstein sind seine Farbeigentümlichkeiten gut untersucht und weitgehend bekannt. Die Grünfärbung geht zurück auf ein charakteristisches Absorptionsspektrum, welches 2 breite Banden um 430 und 600 nm (Nanometer) sowie 3 scharfe Linien bei 476, 680 und 683 nm aufweist.
Diese Absorptionen zeigen sich bereits im Handspektroskop..der Beryll ist doppelbrechend und optisch einachsig. Die Absorptionen sind für außerordentlichen und ordentlichen Strahl stark unterschiedlich, (Anmerkung: McSchuerf: bekanntestes Bsp. für Doppelbrechung ist ja der Isländische Doppelspat - ein Calcit!)..
so dass ein kräftiger Pleochroismus entsteht (Übersetzung v. McS: Pleochroismus = Mehrfarbigkeit).
Unser Auge, das über keinen Polarisationsapparat verfügt, setzt aus diesen beiden Komponenten die typische Smaragdfarbe zusammen.
Ursache für die Grünfärbung ist der Ersatz von Aluminiumteilchen Al3+ durch Chromteilchen Cr3+ in den Sauerstoffoktaedern der Kristallstruktur.
Es besteht ein streng systematischer Zusammenhang zwischen Cr-Gehalt und der Farbtiefe. Die Färbung ist sehr intensiv. Bei 1 cm Schichtdicke wird gerade noch wahrnehmbare Grünfärbung durch einen Cr-Gehalt von nur 6 ppm (parts per million, also 0,0006%) erzeugt. Smaragde von Edelsteinqualität haben meist Chrom-Gehalte von einigen Zehntel bis zu wenigen Prozenten. Nur diese durch Cr gefärbten Berylle sollte man Smaragde nennen.

Diese Feststellung hat einen Grund: Es gibt nämlich Berylle (und diese sind auch im Handel), welche intensiv grün gefärbt sind, deren Chrom-Gehalte jedoch viel zu niedrig sind, um für die Färbung verantwortlich zu sein. Ihr Absorptionsspektrum ist auch deutlich von dem der Cr-Smaragde verschieden ..
Diese Berylle enthalten Vanadium als farbgebendes Element und zwar, wie eine genaue Analyse des Absorptionsspektrums zeigt, V3+-Ionen in oktaedrischer Konfiguration also anstelle Al3+-Ionen.
Der Pleochroismus ist von dem der Smaragde verschieden, kann aber nicht mit bloßem Auge wahrgenommen werden. Die spektroskopische Untersuchung ist eigentlich relativ einfach durchführbar, wird aber durch einen unangenehmen Effekt gestört: Da Cr3+ und V3+ sehr ähnliche Ionenradien haben, können sie auch gleichzeitig anstelle eines Teils des Al vorhanden sein. V-Spektrum und Cr-Spektrum überlagern dann einander und machen ohne quantitative Messung die Entscheidung 'Smaragd oder nicht?' unmöglich.

Persönliche Anmerkungen:
Ich selbst habe auch keinen 'Vanadium-Beryll' (ich denke, wenn der Begriff bisher nur im Rahmen der Esotherik- oder Heilsteinseiten gefunden wird, dass es dann mit einer genauen spektroskopischen Untersuchung nicht allzuweit her sein kann.. :)..also nur rein subjektiv anhand einer interessanten Grünfärbung des Berylls, dieser das verkaufsfördernde Etikett 'Vanadium-Beryll' erhalten hat).

Es gibt aber - zumindest im Lapis-Verzeichnis aufgeführt - einen 'vanadiumhaltigen Turmalin' und einen direkten, offensichtlich durch die IMA anerkannten 'Vanadiumturmalin' (IMA-anerkannt, da fett gedruckt). Genauso wie es einen 'Vanadiumdravit' und einen 'Chromdravit' gibt. (letzterer auch in meiner Sammlung zu finden. :)

Lieben Gruß Peter

« Letzte Änderung: 28 Aug 05, 08:49 von McSchuerf »

Offline amstallit

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Re: Vanadiumberyll
« Antwort #6 am: 22 Jul 10, 11:26 »
Hallo,
soweit mir bekannt ist, gibt es Berylle mit Vanadiumgehalt. Es handelt sich hierbei um Berylle von der Fundstelle Bauchi/Nigeria. Ob es noch andere Fundstellen gibt, an denen Vanadiumberyll vorhanden ist, weiß ich nicht.
MfG
Martin

Offline Philip Blümner

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Offline stoanklopfer

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Re: Vanadiumberyll
« Antwort #8 am: 23 Jul 10, 08:56 »
Hallo!

Ich erinnere mich an einen Lapis-Artikel von Bernhard Ottens, in dem auch (anhand von Analysen) die "Smaragde" von Malipo, Sichuan, China, auch als V-Berylle erkannt wurden (leider hab ich z.Z. den Artikel nicht zur Hand). Diese sind ebenfalls intensiv grün, ich besitze selbst einige tolle Stücke davon und kann eigentlich nur einen geringen Farbunterschied zu "echten" Smaragden (Russland, Habachtal, Kolumbien...) feststellen. Ich habe auch einige facettierte V-Berylle aus Nigeria, deren Farbe mich aber eher an einen leicht grünstichigen Aquamarin erinnern.

Ich denke auch, ohne Analyse und ohne definiertes Cr/V-Verhältnis ist es schwierig, hier den passenden Begriff zu finden.

Schönen Gruß, z.Z. aus China,
Volkmar
« Letzte Änderung: 24 Jul 10, 02:05 von stoanklopfer »