Hallo ..

zunächst einmal Fehlanzeige zu 'Vanadium-Beryll' oder überhaupt zu Vanadium als Fremdbeimengung, egal ob färbend oder nicht, in folgenden Werken:
H.J. Rösler
Klockmann
Hey's Mineralindex
Duda ..
Lapis-Verzeichnis
In der Lapisausgabe vom April 78, S.12, 13 .. sieht das etwas anders aus:
Hierin heißt es unter anderem ..
.. der wichtigste und bekannteste grün gefärbte Beryll ist der Smaragd. Wegen seines hohen Wertes als Edelstein sind seine Farbeigentümlichkeiten gut untersucht und weitgehend bekannt. Die Grünfärbung geht zurück auf ein charakteristisches Absorptionsspektrum, welches 2 breite Banden um 430 und 600 nm (Nanometer) sowie 3 scharfe Linien bei 476, 680 und 683 nm aufweist.
Diese Absorptionen zeigen sich bereits im Handspektroskop..der Beryll ist doppelbrechend und optisch einachsig. Die Absorptionen sind für außerordentlichen und ordentlichen Strahl stark unterschiedlich, (Anmerkung: McSchuerf: bekanntestes Bsp. für Doppelbrechung ist ja der Isländische Doppelspat - ein Calcit!)..
so dass ein kräftiger Pleochroismus entsteht (Übersetzung v. McS: Pleochroismus = Mehrfarbigkeit).
Unser Auge, das über keinen Polarisationsapparat verfügt, setzt aus diesen beiden Komponenten die typische Smaragdfarbe zusammen.
Ursache für die Grünfärbung ist der Ersatz von Aluminiumteilchen Al
3+ durch Chromteilchen Cr
3+ in den Sauerstoffoktaedern der Kristallstruktur.
Es besteht ein streng systematischer Zusammenhang zwischen Cr-Gehalt und der Farbtiefe. Die Färbung ist sehr intensiv. Bei 1 cm Schichtdicke wird gerade noch wahrnehmbare Grünfärbung durch einen Cr-Gehalt von nur 6 ppm (parts per million, also 0,0006%) erzeugt. Smaragde von Edelsteinqualität haben meist Chrom-Gehalte von einigen Zehntel bis zu wenigen Prozenten.
Nur diese durch Cr gefärbten Berylle sollte man Smaragde nennen.Diese Feststellung hat einen Grund: Es gibt nämlich Berylle (und diese sind auch im Handel), welche intensiv grün gefärbt sind, deren Chrom-Gehalte jedoch viel zu niedrig sind, um für die Färbung verantwortlich zu sein. Ihr Absorptionsspektrum ist auch deutlich von dem der Cr-Smaragde verschieden ..
Diese Berylle enthalten Vanadium als farbgebendes Element und zwar, wie eine genaue Analyse des Absorptionsspektrums zeigt, V
3+-Ionen in oktaedrischer Konfiguration also anstelle Al
3+-Ionen.
Der Pleochroismus ist von dem der Smaragde verschieden, kann aber nicht mit bloßem Auge wahrgenommen werden. Die spektroskopische Untersuchung ist eigentlich relativ einfach durchführbar, wird aber durch einen unangenehmen Effekt gestört: Da Cr
3+ und V
3+ sehr ähnliche Ionenradien haben, können sie auch gleichzeitig anstelle eines Teils des Al vorhanden sein. V-Spektrum und Cr-Spektrum überlagern dann einander und machen ohne quantitative Messung die Entscheidung 'Smaragd oder nicht?' unmöglich.
Persönliche Anmerkungen:
Ich selbst habe auch keinen 'Vanadium-Beryll' (ich denke, wenn der Begriff bisher nur im Rahmen der Esotherik- oder Heilsteinseiten gefunden wird, dass es dann mit einer genauen spektroskopischen Untersuchung nicht allzuweit her sein kann..

..also nur rein subjektiv anhand einer interessanten Grünfärbung des Berylls, dieser das verkaufsfördernde Etikett 'Vanadium-Beryll' erhalten hat).
Es gibt aber - zumindest im Lapis-Verzeichnis aufgeführt - einen 'vanadiumhaltigen Turmalin' und einen direkten, offensichtlich durch die IMA anerkannten 'Vanadiumturmalin' (IMA-anerkannt, da fett gedruckt). Genauso wie es einen 'Vanadiumdravit' und einen 'Chromdravit' gibt. (letzterer auch in meiner Sammlung zu finden.

Lieben Gruß Peter