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Oberfränkisches Revier


Geschichtlicher Überblick




Vorspann

Wann der Bergbau im Frankenwald begonnen hat ist nicht eindeutig überliefert, die Ursprünge gehen sicherlich bis in die Bronzezeit 2.200 - 800 v. Chr. zurück, die von der Eisenzeit oder auch Hallstattzeit genannt 800 - 450 v. Chr. abgelöst wird und in Verbindung mit den Kelten und Germanen zu sehen ist. Am Kordigast z. B., in der Fränkischen Alb, bei Altenkunstadt, im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels wurde der Berg im 4. und 5. Jahrhundert v. Chr. durch Kelten besiedelt. C-14-Analysen, die anhand von Holzkohlenfunden, zusammen mit Scherben und zerbrochenen Webgewichten, bei Pfreimd in Untersteinbach, gefunden wurden, weisen ein Alter von 2900 bis 3000 Jahre auf und bezeugen auch hier eine frühe Besiedlung der Gegend. In der historischen Literatur, so weit vorhanden, gehen erste Hinweise auf das 5. Jahrhundert nach Chr. zurück. Belegt ist der Bergbau durch Hunnen, Sorben (Wenden), Slawen und böhmische Siedler die bereits 850 n. Chr. im Frankenwald nach Bodenschätzen geschürft haben. Forschungen auf diesem Gebiet werden in Zukunft durch C-14-Analysen Klarheit bringen können.

Der Bergbau im Bayreuthischen verdankt seinen Ursprung dem an Erzen reichen Fichtelgebirge, und ist, da man nicht ohne Grund behauptet, dass schon die Sorben, später die Franken in diesen Gegenden nach Metallen gesucht haben und nach der großen Pest im Jahre 1005, die Harzischen Bergwerke im Jahre 1016 von Fränkischen Bergleuten auf das neue betrieben worden sind, sehr alt.

In der alten Literatur ist dazu wie folgt zu lesen: "… Ja, wenn die mündlichen Ueberlieferungen zu trauen sein dürfte, so hätten die wandernden Fichtelberger Bergleute in dem Erzgebirge die ersten Schürfe geschlagen; und Albinus sagt, "daß aus dieser Gegend, zur Zeit, ehe als die meißnischen Silberbergwerke angegangen, die Bergleute bis in die meißnischen und böhmischen Sudöden und Gebirge auf Bereisung häufig gefahren." Diese Behauptung gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn, wie versichert wird, es Bergleute aus Franken waren, welche die Bergwerke am Harz anlegten, oder wenigstens 1016 wieder erhoben und Schürfe schlugen, von denen noch heutigen Tages die Clausthaler Hütte den Namen Frankenscharrn (Frankenscherven, Frankenschürfe) führt. Zudem ist in den ältesten Harzer Berggesetzen viel Aehnlichkeit mit den ältesten fränkischen Berggesetzen und selbst die Sprache mehrerer oberharzischer Bergstädte hat mehr mit der von Franken, als der von Niedersachsen gemein."

Hinweis zu Sudöden: 1580 hat Petrus Albinus die Beschreibung für Sudöden von Johannes Mathesius übernommen, der 1578 Sudöden wie folgt erklärt: "das ist die Wildnuß öde oder wüsteney gegen Sud oder Mittemtag genennet wie die alten Teutschen vil reich Land und gebirge nach den vier hauptwinden und orten der Welt ihre namen gegeben haben. Daher Ptolomeus der alte Landbeschreiber diese gebirge Sudetes montes genennet hat."

Zuerst suchte und fand man indessen im Sande der Quellen und Flüsse, und eröffnete dann, so weit man mit den gemeinsten Instrumenten beikommen konnte, die Erde des nächsten Ufers und Berges, wo man Erze vermuthete. Lange arbeiteten mittelst dieser sogenannten Wasch- und Seifenwerke die Seifner und Erzwäscher an den Bergen der fichtelgebirgischen Gegenden, bis sie mit mer Mühe, Kosten und Gefahr in den Schoß der Berge dringen lernten, bei Weißenstadt und Kirchenlamitz, zwischen Schwarzenbach an der Saale und Fattigau, von Moschendorf an der Saale längst der Untreu und Silberbach hinauf bis Ahornberg, bei Steben und Geroldsgrün am Gevattersbach, an der Regnitz bei und über Regnitzlosa, auch am weissen Mayn, wo von Berneck gegen die Goldmühle herauf im eilften Jarhunderte und wol noch früher vile Goldseifen waren, von denen man im Jahre 1600 noch die Teuthalden sah, die jezt, weil gute Hauswirthe ihre Wisen nach und nach davon gesäubert haben, nicht mer zu bemerken sind.

Ungefähr in der Mitte des 14ten Jahrhunderts kam man, da die alten Wasch- und Seifenwerke zunächst an den Bergen sich immer mer abschnitten oder gar verloren, den Gebirgen näher, in denen man nothwendig eben das Erz, welches durch die Gewässer bisher abgerissen wurde, suchte und fand.

Fürstentum Bayreuth
Fürstentum Bayreuth

Fürstentum Bayreuth im Jahre 1791. Karte entnommen aus: http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCrstentum_Bayreuth - Zugriff am 09.08.2014 um 2:20 Uhr.

Wikipedia User: Mikmaq

Sichere historische Nachrichten von dem regelmäßigen Bergbau in unserm Gebirge haben wir erst vom Anfang des 14ten Jahrhunderts. Ludwig der Baier verlieh nämlich im Jahr 1323 dem Burggrafen Friedrich IV. alles Erz, so in seinen Landen gefunden wurde, und machte im Lehenbrief die Bergwerke zwischen Plaßenburg, Münchberg und Schorgast namhaft. Das nämliche that Kaiser Karl IV. im Jahre 1355. Die Burggrafen unterstützten nun den Bergbau mit größtem Eifer, und unter Friedrich V. wurden um das Jahr 1365 das Goldbergwerk zu Goldkronach, die Zinnwerke zu Weißenstadt und Wunsiedel, und der Bergbau auf Eisen bey letzterer Stadt, erhoben und dadurch die ganze umliegende Gegend in einen blühenden Zustand versetzt.

Aus obigen Daten ist zu entnehmen, "daß der Bergbau in den burggräflichen Landen damahls nicht erst eröffnet wurde, sondern bereits längst geblühet habe.“

1467 kam der Bergbau nach dem Hussitenkrieg (1419-1434 bzw. 1439) und andere Kriegsunruhen, wie den Bayerischen Krieg (Großer Krieg 1420-1422), Erster Markgrafenkrieg (1449-1450) und Bayerischer Krieg (Fürstenkrieg 1459-1463) erst wieder zu neuem Leben und Betrieb.


Beginn der 2. Periode

Unter Markgraf Johann wurde 1440 bey Weidenberg, im Warmensteinachthale, (Oberfranken, Landkreis Bayreuth) ein Silberbergwerk mit vielem Vortheile gebauet, und unter dem Churfürsten Albrecht nahmen der Bergbau 1467 (fraglich) zu Naila, 1477 das Silberbergwerk in der Dürrenweide und im gleichen Zeitraum eine "Bleyertzgrube zu Lichtenberg" ihren Betrieb auf.

Hinweis: Bereits zu dieser Zeit wird wie folgt berichtet: "Vorüber war des Bergmanns goldene Zeit", und diese Zeit nach den Kriegen wird als 2. Periode im Bergbau des Frankenwaldes angesehen.

In den verschiedenen erlassenen Bergordnungen zwischen 1506 und 1619 setzte die Regierung die Verhältnisse zwischen den "Grundeigenthümern und den Baulustigen", so wie auch die herrschaftlichen Abgaben fest, und "ertheilte den Gewerken und Bergleuten viele Freyheiten und Privilegien".

Bergordnung 1506: "Es wurde Donnerstags nach Lichtmeß 1506. eine eigene Bergordnung, die älteste, die wir haben, entworfen. Uebrigens scheint es, daß man sich nach dem Iglauer Bergrecht gerichtet, so wie man sich in Münzsachen auf den Gebrauch in der Kremnitzer Münze bezog."

Hinweis: 1248 wird im Iglauer Bergrecht von Böhmen und Mähren erstmalig schriftlich bergbauliche Gewohnheitsrechte festgehalten.

Bergbefreyung und Berg-Ordnung 1539: "Man verkündete Mitwochs nach Johannis 1539. eine Bergbefreyung, die alle Bergleute von Zoll und Geleit, Steuern, Zinsen, Umgeld und Abzugsgeldern lossprach, und derselben eifrigsten Zuversicht einer izt vorhandenen glüklichen Periode gab man auch eine neue Berg-Ordnung heraus. Schon im Jahr 1528. hatte man sich nach den Gewohnheiten in Joachimsthal erkundigt. Jezt schrieb man auch an den Kurfürsten und die Herzöge von Sachsen, nach Ungarn, nach Schlesien um Bergordnungen. Der Kurfürst sendete seinen Amtmann zu Annaberg, Heinrich von Gersdorf persönlich heraus, von Anton Fugger erhielt man das Schemnitzer Bergrecht und Bergordnungen von Reichenstein in Schlesien. Inzwischen blieb die neue Bergordnung von 1539. fast gänzlich wieder die ältere von 1520. die ihrer Seits fast wieder ein wörtlicher Abdruck der Freyberger war. Sie wurde, 200. Exemplare stark in Zwickau unter Aufsicht des Stadtschreiber Rott gedruckt."

Durch die Verheerungen des dreißigjährigen Krieges (1618-1648) gingen die meisten Werke dann allerdings zu Bruch und konnten sich in den nachfolgenden besseren Zeiten zur früheren Blühte nicht mehr Erheben, nur einzelne Werke gaben auch damals noch sehr ansehnliche Ausbeute, wie die Kupfergruben bei Naila.


Beginn der 3. Periode

Christian Ernst (27.07.1644 – 10. 05.1712), Markgraf des fränkischen Fürstentums Bayreuth (1655 – 1712), dehnte 1659 und 1662 das Recht zum Schürfen auf alle Erze und Mineralien aus, "Bergfreierklärung", und 1661 lud der Markgraf in einem offenen Brief In- und Ausländer ein, am Fichtelgebirgischen Bergbau Anteil zu nehmen und die verfallenen Gruben wieder zu eröffnen. Viele Bergwerke wurden in dieser 3. Periode hierauf wieder in Gang gebracht und "selbst die Markgräfin Sophia Luisa, ließ mehrere kostbare Baue veranstalten". Ende des 17. Jahrhunderts waren die Lagerstätten dann aber weitestgehend schon erschöpft.

Hinweis dazu: Die 2. Ehefrau von Christian Ernst wird laut "Stamm-Tafel derer Marggrafen zu Brandenburg-Culmbach" Sophia Louise genannt und geschrieben und in der Literatur findet sich auch die Schreibweise Sophie Louise.

Unter Georg Wilhelm (16.11.1678 – 18.12.1726), Markgraf (1712 – 1726) des fränkischen Fürstentums Bayreuth, wurde 1716 eine Bergdeputation zu Bayreuth angeordnet, das Land 1717 in 3 Bergreviere, von denen das eine sich zu Goldcronach, das andere zu Wunsiedel und das dritte zu Naila befanden neu eingeheilt, die "Bergfreyheiten erneuert und vermehret" und ließ 1728 die Bayreuther Bergordnung aus dem Jahre 1619 durch den Druck bekannt machen und publizieren. Das Gesetzeswerk blieb bis 1869 gültig und diente als Vorbild für Bergordnungen in Sachsen, Böhmen, Harz und dem Erzgebirge. Markgraf Georg Wilhelm ließ durch seinen Bergkammerrat und späteren Bergdirektor Georg Gottfried Rücker viele Gruben ausbauen, aber zahlreiche Gruben blieben unrentabel. Trotz der vergleichsweise geringen Vorkommen von Kupfer, Zinn und Eisenerz im Frankenwald und im Fichtelgebirge zählten die Vorkommen, neben der Oberpfalz und Schweden, zu den wichtigsten Lagerstätten in Europa.

1730 bis 1735 erwirtschafteten die landesherrlich geführten Gruben 3.200 Gulden.

1736 gab es im Bergamtsrevier Naila 83 Gruben von denen 37 in Betrieb waren.

1755 wird die Suche nach Gängen wie folgt beschrieben: "Auf einigen Zechen ist von dem belobten Ruthen-Gänger etwas eingetroffen, auf einigen aber nicht. Die Ruthengänger wissen zwar das Streichen und Fallen der Gänge gemeiniglich anzugeben, aber sie wissen nicht genau, welcher Gang oder Flöz edel."

1757, am 3. August, übernahm Christian Friedrich Karl Alexander (24. Februar 1736, Ansbach - 5. Januar 1806, Speen/England) von seinem Vater Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (12. Mai 1712, Ansbach - 3. August 1757, Gunzenhausen), der von 1729 bis zu seinem Tode Markgraf des Fürstentums Ansbach war, das Fürstentum Ansbach und

1769, am 20. Januar, auch das Fürstentum Bayreuth von dem Markgrafen Friedrich Christian von Brandenburg-Bayreuth (17. Juli 1708, Weferlingen - 20. Januar 1769, Bayreuth) und war somit jetzt Markgraf von Brandenburg zu Ansbach-Bayreuth.

1769 begnadigte Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander die Gewerken, Kraft eines Patentes, mit großen Vorrechten und errichtete ein Ober- Bergdepartement, welches wie folgt besetzt war
  • Hoch-Fürstl. Ober-Berg-Departement.

    • Direktor.

      • Seine Excellenz, Herr Friederich Carl Freyherr von Seckendorf.
    • Deputati.

      • Herr Carl Freyherr von Bothmar, würklicher Cammerherr und Berg-Hauptmann.
      • Herr Regierungs-Rath, Carl Maximilian Wilhelm Petermann.
      • Herr Geheimer-Cammer-Rath, Michael Gottlieb Zehelein.
      • Herr Hof-Cammer- und Landschafts-Rath, Johann Christoph Hirsch, zu Anspach.
      • Herr Hof- und Ober- Berg- Departements-Rath, D. Paul Christian Ludwig Wagner.
    • Secretariat.

      • Ober-Berg-Secretarius, Hr. Johann Heinrich Reuß.
    • Canzlift.

      • Hr. Cammer-Canzlift, Wilhelm Christian Sartorius.
      • Canzleydiener, Johann Conrad Reichel.
    • Berg-Hauptmann.

      • Herr Carl Freyherr von Bothmar, würckl. Cammerherr.
    • Berg-Amt Goldcronach.

      • Bergmeister, Hr. Ober-Berg-Secretarius, Johann Friederich Ulmann.
      • Bergamts-Gegenschreiber, Hr. Justiz-Secretarius und Stadt-Vogt, Johann Friederich Ellrod.
      • Knappschafftschreiber, Hr. Johann Christoph Dorn.
    • Berg-Amt Wonsiedel.

      • Bergmeister und Zehender, Hr. Ober-Berg-Secretarius und Bergmeister, Johann Friederich Ulmann.
      • Vice-Bergmeister und Ober-Einfahrer, Hr. Carl Popp, Berg-Commissarius.
      • Bergamts- u. Gegenschreiber, Hr. Joachim Fried. Baumann.
      • Berg-Geschworner, Hr. Andreas Schöpf, zugleich Knappschaftsschreiber.
    • Berg-Amt Nayla.

      • Bergmeister und Zehender, Hr. Berg-Rath, Christian Ernst Tromler.
      • Hr. Berg-Commissarius und Hamerwercks-Inspektor, auch Receß-Schreiber, Johann Christoph Löwel.
      • Bergamts-Commissarius, Hr. Ernst Abraham Löwel.
      • Bergamts- und Gegenschreiber, Hr. Landschaffts-Commissarius und Amts-Vogt zu Neyla, Christoph Wilhelm Kayser und Hr. Georg Friederich Regelein, zugleich Amts-Verwalter zu Schwarzenbach am Wald.
      • Berg-Geschworner, Hr. Christoph Schmidt, zugleich Berg- und Hütten-Verwalter, auch Knappschafftsschreiber.
      • Ober-Einfahrer, Probirer und Marckscheider, Hr. Georg Christoph Knieling.
    • Salz-Deputation.

      • Herr Cammer-Rath, Heinrich Arnold Lange.
      • Herr Hof-Cammer-Rath, Johann Adam Wilhelm Freudel.
      • Salz-Cassier, Hr. Renthey-Secretarius, Johann Michael Bayer.

Die oberfränkischen Bergreviere boten zu diesem Zeitpunkt ein trauriges Bild, der Bergbau war so tief gesunken, dass man nur wenige Eisenerze noch förderte. Zahlen bei einzelnen Gruben aus dem Jahre 1782 verdeutlichen die desolate Situation, wo diese im Neilaer Revier als "abgestürzt" erwähnt werden. Darüber hinaus arbeiteten im Nailaer Revier zu dieser Zeit lediglich nur noch 200 Bergleute. Der Verfall des hiesigen Bergbaues rührt keinesweges daher, als wenn die Werke zu Grunde gebauet wären, sondern aus Mangel an Unterstützung hat man viele Gruben verlassen.

Indessen war die Zeit, in welcher die Bergwerke an Gold und Silber reiche Ausbeute gegeben hatte, längst vorüber. Die Gänge waren abgebaut, und "bey einem verringerten Ausbringen und mindern relativen Werth der edlen Metalle, und dagegen erhöhetem Arbeitslohn", konnten die meisten Gruben nicht mehr erhalten werden. Der Bau auf Zinn, Kupfer und Blei nahm allmählich ab, und da man nicht mehr wie sonst "jede gelbe Erde für Gold ansah, und Zinn, Kupfer und Blei wohlfeiler von anderen Gegenden bezogen, als aus armen Erzen geschmolzen wurden, so blieben am Ende nur die Eisenbergwerke übrig", aber auch diese Gruben waren von über Tage herein bereits abgebaut und mussten wegen des eindringenden Wassers in der Tiefe verlassen werden.

1783 waren folgende "Hammerwerker" im Bergamtsrevier Naila in Betrieb

1.) Der Dorschenhammer, oder das obere Schauensteiner Hammerwerk, ein oberschlächtiges Werk, an der Selbitz, ohnweit Schauenstein, bestehet in einem Staabfeuer, worzu das Roheisen von dem Hohenofen zu Thiemitz kommt, an dem der Besitzer den halben Antheil hat, und gehört Herrn Adam Johann Dittmar, einem fleisigen Hüttenmann, gegen dem die Hüttenarbeit nie undankbar war.

2.) Kleinschmidhammer oder untere Schauensteiner Hammer, an der Selbitz, ist ein Staabfeuer, welches das Roheisen von obern Klingensporner Werk erhält und Herrn Johann Heinrich Dittmar gehört.

3.) Oberklingsporner Staabhammer samt Hochofen an der Selbitz, gehöret Herrn Cyriacus Nicolaus Dittmar, und nurgedachtem Johann Heinrich Dittmar; hier gieng den 16. Aug. 1783 der Hochofen die 9te Woche über das Jahr, und wurden bey 83 Gichten 113 Ctr. a 140 Pf. abgewogen.

4.) Unterklingsporner Hammerwerk an der Selbitz, bestehet in einem Staabfeuer, nebst den sehr gut angelegten Wohn und Wirthschaftsgebäuden des Besitzers.

5.) Marxgrüner Hoherofen an der Selbitz nebst einem Zaynhammer.

6.) Dürrenweyder Stabhammer und

7.) Thierbacher Hammer.

Diese 4 Hammerwerker gehören dem Herrn Commerzienrath Ernst Abraham Löwel zu Klingensporn, einem wohlhabenden und thätigen Hammerherrn, der zugleich als Menschenfreund, in der ganzen Gegend bekannt ist, dessen Vorfahren aus Sachsen abstammen, und bey Eisenwerkern groses Vermögen erworben haben.

8.) Kleinschmider Hammerwerk, besteht in einem Staabfeuer, oberhalb der Hölle, zu welchem der Hoheofen in der Thiemitz gehöret, dessen Besitzer ist Herr Heinrich Christian Löwel.

9.) Blechschmiden Hammerwerk, unter Lichtenberg, ist ein Staabfeuer und Hoherofen und gehöret Herrn Philip Christoph Lindnern.

10.) Obergeroldsgrüner Hammerwerk, so Herrn Johann Georg Kayßern gehört und

11.) Untergeroldsgrüner Hammerwerk, so Herrn Georg Wilhelm Kayßern gehört, welche beyde Staabhämmer einen kleinen 2drittels Hohenofen haben.

1791, am 16. Januar, verkaufte Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander in einem Geheimvertrag seine beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth an das Königreich Preußen und zog mit seiner zweiten Ehefrau Elizabeth Craven nach England um dort seinen Lebensabend zu verbringen, wo er am 5. Januar 1806 als letzter Markgraf von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth verstarb. Im gleichen Jahr wird berichtet, dass es im Bergamtsrevier Naila noch 31 Gruben gegeben hat, davon aber nur noch 18 belegt waren.


Beginn der 4. Periode

1792, im Januar, wurde erst der völlig überraschten Bevölkerung in Franken die preußische Besitzergreifung der Fürstentümer Ansbach und Bayreuth bekannt gemacht.

Im gleichen Jahr, zwischen dem 12. Juli und 5. August, unternahm der berühmte Alexander von Humboldt (14.09.1769 - 06.05.1859) im Auftrag seines Chefs, Freiherr Friedrich Anton von Heinitz (14.05.1725 - 15.05.1802 - preußischer Minister für Bergbau und Hüttenwesen), eine geologische Befahrungsreise durch die beiden Fürstentümer Ansbach und Bayreuth, um sich ein Bild zu verschaffen, bei der er umsichtig die Vorkommen und Leistungen der einzelnen Fördergebiete erfasste und aufgrund geologischer Beobachtungen weitere Vorkommen ausmachen konnte. Alexander von Humboldt versuchte vor allem den alten Kupferbergbau wieder zu beleben und zu seinen Werken zählte die Anlage des Friedrich Wilhelm Stollens, durch welchen alle Erzgänge jenes gangreichen Bezirks bei Lichtenberg, in der Tiefe, aufgeschlossen werden sollten.

Alexander von Humboldt
Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldt im Jahre 1795. Foto im Archiv woelsendorfer

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Obgleich dieser Zweig des Nationalreichthums seinen vorigen Glanz fast gänzlich verloren hatte, so schenkte ihm die Preußische Regierung bey der Uebernahme des Landes, dennoch ihre Aufmerksamkeit, weil sie wohl einfach, daß derselbe noch immer eine wichtige Nahrungsquelle des Landes sey. Deshalb wurde das Bergdepartement neu organisiert, die Bergämter mit jungen, thätigen Männern besetzt. Aufgrund von Vorschlägen durch den Naturforscher v. Humboldt wurden von der Regierung mehrere kostbare Baue für das allgemeine Beste unternommen, und der rege Eifer der Beamten trug dazu bey, daß der Bergbau in neuen Schwung kam.

Im August 1796 wurde für die bessere Bergwerksadministration, das wunsiedler und goldcronacher Bergamt vereinigt und das Nailaer unter der Benennung Bergamt Lichtenberg und Lauenstein, nach Untersteben verlegt, nur mit der, durch die im Jahre 1803 erfolgte Abtretung des ganzen lauensteiner Amtsbezirkes an die Crone Baiern mit Ausschluß des Ortes Kaulsdorf, damals nöthig gewordenen Abänderung des Namens Lichtenberg – Kaulsdorf.

In dem nicht minder alten Revier des Bergamtes Lichtenberg – Kaulsdorf, welches sich in 2 Haupttheile Lichtenberg und Kaulsdorf, jenes aber wieder in 6 kleinere Bergreviere (Lichtenberger Bergrevier, Geroldsgrüner Bergrevier, Bergrevier Berg, Bergrevier Steben, Bergrevier Schwarzenbach an der Saale, Weitesgrüner Bergrevier) theilt, waren im Jahre 1804/05 in alle 28 gangbare, nemlich 5 herrschaftliche und 23 gewerkschaftliche Gruben, welche mit 196 Mann belegt waren, ein Betriebs-Kapital von 21,708 Gulden 11 Kreuzer erforderten, und einen Produktenwerth vomn 25,396 Gulden 56 Kreuzer förderten, wovon für 11,080 Gulden ins Ausland abgesetzt wurde. Die Ausbeute belief sich indessen nicht höher als auf 10,665 Gulden und die Zubuße auf 7,155 Gulden, die Abgaben an die Bergamtskassen aber auf 1,794 Gulden 4 Kreuzer.

  • Die Gruben selbst, deren Resultate hier angegeben sind, und die vorzüglich guten weißen, braunen, rothen und gelben Eisenstein mit Glaskopf, Thalerden usw., dann Vitriol- und Schwefelkiese, Alaunschiefer, etwas Kupfererz und Bergglanz liefern, jedoch wegen der schweren Ableitung des Wassers mit Ausschluß weniger kaum Mitteltiefe haben, sind folgende ... (hinter dem Grubennamen, unter den jeweiligen Ortsnamen, ist für diese genannten Gruben ein "X" zu finden).
Übersicht Bergwerke im Jahre 1804
Übersicht Bergwerke im Jahre 1804

Bergwerke im Jahre 1804 die in einer Übersicht für die preußische Regierung erstellt worden ist. Zur besseren Betrachtung bitte auf Originalgröße klicken.

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Hinweis zur Bergwerksübersicht: Die Gesamtübersicht aller Gruben und Betriebe die für die preußische Regierung erstellt worden ist umfasst mehrere Doppelseiten, wobei ich die Doppelseiten mittels eines PC-Programms zusammengefügt habe um ein einheitliches Bild zu erreichen. Anschließend habe ich aus diesen Doppelseiten die Gruben aus dem von mir betrachteten Gebiet, mit einigen Ausnahmen, aus diesen Seiten raus kopiert, dann wieder zusammengefügt und entsprechend für diese Internetpräzens aufbereitet. Die entsprechenden Daten und Fakten aus dieser Übersicht wurden dann unter den Gruben, bei den einzelnen Orten, hinzugefügt.


1806, am 16. Juli, wurden aus ehemals 16 Länder der Rheinbund gegründet, welcher sich zur militärischen Unterstützung Frankreichs verpflichtete und den Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich zur Folge hatte, wozu noch Preußen und Österreich gehörte. Am 26. August wurde Napoleon von Preußen aufgefordert seine Truppen hinter den Rhein zurückzuziehen. Napoleon betrachtete diesen Umstand als Kriegserklärung. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt konnte die Armee Preußens, die ein geheimes Bündnis mit Rußland abgeschlossen hatte, am 14. Oktober 1806 geschlagen werden und in der Entscheidungsschlacht am 14. Juni 1807, bei Friedland, konnten dann die Reste der preußische Armee und das russische Herr entscheidend geschlagen werden. Am 07. Juli und 09. Juli 1807 wurde der Frieden zu Tilsit zwischen Frankreich, Preußen und Rußland geschlossen. Die Kriegswirren dauerten im Laufe der Jahre noch an und fanden in der Schlacht zu Waterloo, am 18. Juni 1815, ein endgültiges Ende.

1812/13 hatte das Stebener Bergamt 22 Gruben in Betrieb, nämlich 4 in der Berger Revier, 2 in der Lichtenberger, 5 in der Stebener, 4 in der Geroldsgrüner, 5 in der Nailaer und 2 in der Höfer, und lieferte 15,861 Seidlein Braun- und Spateisenstein.

Durch Alexander von Humboldt blühte der Bergbau, unter Preußen, nach 1792 noch mal kurzzeitig auf, wurde durch den Krieg Napoleons aber behindert. Die preußische Provinz Bayreuth, mit den Besitztümern Ansbach und Bayreuth, war nach dem Ausbruche des preußisch-französischen Krieges von den Franzosen am 07. September 1806 in Besitz genommen worden und war von jetzt an unter französische Herrschaft. Am 28. Februar 1810 übergibt Napoleon das ehemalige Fürstentum Brandenburg-Bayreuth an Max I Josef von Bayern. Das neue Königreich ergriff nach erfolgter feierlicher Übergabe zu Bayreuth am 30. Juni 1810 förmlich davon Besitz. Aber nicht nur der Krieg machte es schwierig den Bergbau am Leben und in Gang zu halten, sondern der erhoffte (Kupfer)Erzadel in den Gruben blieb ebenfalls aus und trotz aller Vorsorge und Beihilfen durch die Krone Bayerns konnten nur wenige Gruben dauernd in Betrieb gehalten werden, andere fristeten mühsam ihren Fortbestand, denn nur einzelne Gruben konnten noch eine Ausbeute erzielen. Dadurch kamen immer mehr Grubenbesitzer (Kuxbesitzer) in Geldnot wie nachfolgend 1838 zu lesen ist.

1817 ist der Zustand in den Revieren des Bergamtes Steben wie folgt zu lesen: Meistens wird auf ziemlich mächtigen Gängen gebaut, der Bergbau ist viel regelmäßiger vorgerichtet als im Wunsiedler Bergamt, weil er weniger in den Händen der Eigenlöhner liegt. Die Schächte haben ihr gehöriges Verhältniß der Länge und Breite, sind mit Bolzenschrot verzimmert und Zieh- und Fahrschacht gehörig abgesondert.

  • Die Gruben sind durch obere und tiefe Stollen gelöst und bereits ein Haupt–Revier Stollen bey Lichtenberg zu treiben angefangen. Schon in alten Zeiten waren Kunstgezeuge auf verschiedenen Gruben vorgerichtet, und jetzt ist auf dem Friedrich-Wilhelm-Stollen eine Wettersaugmaschine und eine Hundeförderung und auf dem Kemlas ein Kunstgezeuge im Gange. Man gewinnet durch Schießen und Schlägel- und Eisenarbeit, treibt meistens Oerterbau, und nimmt die Erzmittel durch Gesenke und Uebersichhauen heraus.

    Hinweis dazu: Erklärung Bolzenschrot: Muß ein Schacht ganz ausgezimmert werden, so geschiehet dieses mit Bolzenschrot oder mit ganzem Schrot. Bei Bolzenschrot werden nur in gewissen Entfernungen untereinander Geviere gelegt, welche alsdann durch senkrechte Bolzen, welche in den Ecken des Schachtes stehen, unterstützt und miteinander verbunden werden.

1822, am 07. November, wurde die bestehende Einteilung der Bergreviere aufgehoben.

1838, am 03. Mai, werden die zur Konkursmasse des Hammerwerksbesitzers Christian Löwel zu Klingensporn gehörigen Besitzungen dem öffentlichen Verkaufe ausgesetzt und folgender Bietungstermin festgesetzt: Donnerstag der 3. Mai, Vormittags 10 Uhr, am Gerichtssitze, die Besitzungen an den Bergwerksantheilen von:

  • Grube Gabe Gottes,
  • am friedlichen Vertrage,
  • Hoff auf Gottessegen.
1839 werden unter der "General-Bergwerks- und Salinen- Administration Baiern" folgende Bergreviere genannt
I. Bergrevier Amberg; II. Bergen; III. Bodenwöhr; IV. Bodenmais; V. Fichtelberg; VI. Kahl; VII. Kaiserslautern; VIII. Kissingen; IX. Königshütte; X. München; XI. Sonthofen; XII. Stadtsteinach; XIII. Steben, besetzt mit Bergmeister Hr. Ludwig Karl Reuter und XIV. Bergrevier Wundsiedel.

Beginn der 5. Periode

Übersicht der Bergwerke
Übersicht der Bergwerke

Übersicht der Bergwerke im bayerischen Staat, Bergrevier Steben, Bergamt Steben, 1848/49 bis 1866. Zur besseren Betrachtung bitte auf Originalgröße klicken.

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Der Beginn der 5. Bergbauphase ist schwierig festzulegen, da hierzu entsprechende genaue Daten und Fakten fehlen, zumal fast alle Literaturquellen nach dem Verkauf der landesherrlichen Gruben im Jahre 1857 und nach scheitern der dadurch neu gegründeten Gewerkschaft im Jahre 1858/59 die Phase des Bergbaus im Frankenwald abschließend beschreiben. Ich nenne diese 5. Phase, die Rauschphase, weil vermutlich alle Hoffnung auf den Neubau eines Hochofens in Hof gelegen hatten und jeder, ich betone jeder der dem Bergbau nahe stand, auf jedes Loch was noch Eisenerz hergab neue Mutungen eingelegt hat und in vielen Fällen auch vorab schon mal auf Halde Eisenerz abgebaut wurde, denn aus 9 Gruben im Stebener Revier, im Jahre 1848/49, wurden im Jahre 1855/56 85 Gruben, davon wurden 28 Gruben vorgehalten und 14 erbrachten noch keine Förderung. Dieser "Hyp" betraf aber nicht nur das Stebener Revier, auch im Revier Stadtsteinach und Wunsiedel begann der gleiche Rausch und man sollte sich mittlerweile tatsächlich die Frage stellen, welche psychische Komponente die Menschen bewogen hat sich so zu verhalten, da in der alten Literatur hier und da ebenfalls ansatzweise über die Psyche der Menschen berichtet wird. Selbst als fest stand, dass der Hochofen nicht in Betrieb gehen wird hatten viele Bergbautreibende noch die Hoffnung, dass der Ofen sie zu reichen Leuten machen wird, da selbst im Jahre 1866 von 94 Gruben im Stebener und im ehemaligen Stadtsteinacher Revier 87 Gruben immer noch in Fristen gehalten wurden. Nachdem der Rausch der Hoffnung verflogen war reduzierte sich die Zahl wieder nur auf einige wenige Gruben, stieg im Jahre 1864 noch mal auf 14 Gruben an und pendelte sich dann bei 5 bis 7 Gruben ein. Was aus den Unmengen an gefördertem Erz geschehen ist, dazu schweigt die Literatur, erst nach dem I. Weltkrieg findet sich ein kurzer Hinweis der da lautet: "Die großen Erzhalden sind erst während des Krieges nutzbar gemacht worden."

1848/49 förderten 5 gewerkschaftliche Eisensteingruben 2086 Seidel Eisenstein und die 4 landesherrlichen Eisensteingruben förderten 1840 Seidel Eisenstein und 226 Zentner Kupfererze, welche an die umliegenden kleinen Hammerwerke verkauft wurden.

1852/53 beschränkte sich der gewerkschaftliche Bergbau auf den Betrieb einiger unbedeutender Eisensteingruben und blieb deshalb zurück, weil Gelegenheit zum Absatz des Eisensteines fehlte.

Hinweis dazu: In der alten Literatur sind nicht nur Textpassagen zu finden das die Gruben untertägig mit dem Wasser zu "kämpfen" hatten, ein Problem welches die Bergbautreibenden noch lösen konnten, die Teufe brachte dann in den meisten Fällen das Aus vieler Gruben, da die Wasserhaltung und die Förderung dadurch einfach zu kostspielig wurde, viel wichtiger finde ich aber, dass in der Literatur immer wieder von einem Mangel eines beständigen, ausgiebigen Absatz, namentlich der Eisenerze an in- und ausländische Hütten die Rede ist, da viele Hütten außer Betrieb sind, weil sie die Konkurrenz nicht auszuhalten im Stande sind. Hinzu kommen die ständig steigenden Holzpreise und die Höhe der Arbeitslöhne.

1853 ist im Sitzungsbericht der bayerischen Kammer zu lesen, dass die Kleinbetriebe vor "nun 60 Jahre ebenso zu kränkeln anfingen wie die im Harze, in Thüringen, im Erzgebirge und der Oberpfalz".

1854/55 wurde das Bergrevier Stadtsteinach mit dem Bergrevier Steben vereinigt.

1857/58 kam die Ausbeute an Kupfererzen fast völlig zum erliegen und erbrachte lediglich 10 Zentner minderwertigen Kupfererzes.

1857 sollten auf Befehl der Bergwerksdirektion München, wegen des schlechten Absatzes und der schlechten Betriebsergebnisse, sämtliche noch gangbare landesherrliche Gruben des Bergamtes Steben zum Verkauf angeboten werden, nachdem eine Vergewerkschaftung nicht gelingen wollte. Zu diesen Gruben gehörten die Eisensteingrube:

  • Hilfe Gottes samt Grauen Wolfstollen bei Steben (Zubuße in 1852/53 von 379 Gulden 25 Kreuzer),
  • die Friedensgrube samt Friedrich Wilhelm Stollen bei Lichtenberg (Zubuße in 1852/53 von 1810 Gulden 47 Kreuzer),
  • die Grube Bergmännisch Glückauf bei Steinbach (Ausbeute in 1852/53 von 49 Gulden 35 Kreuzer),
  • die Grube Siebenhitz bei Köditz-Siebenhitz (Zubuße in 1852/53 von 770 Gulden 25 Kreuzer),
  • die Grube Morgenstern bei Köditz-Siebenhitz (wird seit 1852/53 in Fristen gehalten, Kosten für Hilfsarbeiter 1855/56 dadurch 38 Gulden 7 Kreuzer) und
  • die Grube Goldene Sonne bei Köditz-Siebenhitz (Stollenvortrieb in zwei Quartale, Kosten dadurch 302 Gulden 19 Kreuzer),
  • zwei Dachschiefergruben in der Dürrenweide bei Geroldsgrün (Ausbeute in 1852/53 von 197 Gulden 10 Kreuzer) und
  • der Bergbau auf Kobalt und silberhaltige Kupfererze zu Kaulsdorf (Zubuße in 1852/53 von 379 Gulden 25 Kreuzer).
Actie Bergbau-Gewerkschaft Naila, 1858
Actie Bergbau-Gewerkschaft Naila, 1858

Deutschland/Bayern/Oberfranken, Bezirk/Hof, Landkreis/Frankenwald. Die 1. Actie der neuen Bergbau-Gewerkschaft Naila, die durch Initiative von Bergleute und Steiger gegründet wurde um die umliegend...

woelsendorfer

Aufgrund der Verkaufsabsichten durch die Regierung wurde eine neue Gewerkschaft, durch Initiative von Bergleute und Steiger, die noch auf den umliegenden Bergwerken tätig waren, gegründet und durch den Aktienverkauf dieser Gewerkschaft konnte die geforderte Summe von 11.500 Gulden aufgebracht werden. Für die Produktenvorräte musste zusätzlich eine Summe von 2.300 Gulden aufgebracht werden, soweit diese von der neuen Gesellschaft übernommen wurden. Die Gesellschaft übernahm auch die beiden Schiefergruben in der Dürrenweide bei Geroldsgrün für 1.300 Gulden und für die Vorräte waren noch mal 300 Gulden zu zahlen, nachdem Freiherr Berthold von Reitzenstein von seinem ersten Gebot in Höhe von 1.750 Gulden zurückgetreten war. Die Gewerkschaft übernahm die Steiger, Aufseher und Knappen.

1858, am 1. Januar, wurde dieses Ereignis durch 70 Bergleute und ihren Steigern, in ihren Bergmannsuniformen, mit Musik, der Fahnensektion und den Gewerken, im feierlichen Zuge bis zur Nailaer Kirche gedacht, um hier den Segen Gottes für ihr Unternehmen zu erstehen.

In den ersten Monaten ging alles gut, als allerdings der neuerbaute Hochofen in Hof unüberwindbare Schwierigkeiten verursachte, dadurch nicht in Betrieb gehen und England das Roheisen günstiger lieferte als man es in dieser Gegend um Naila erzeugen konnte, musste mit den Schmelzöfen und Eisenhämmern auch die Gewerkschaft ihre Arbeit einstellen.

Zwei Beispiele sollen an dieser Stelle ebenfalls Erwähnung finden, denn zu den Versuchen den Bergbau noch mal zu retten brachte der neuen Gewerkschaft außer Kosten allerdings nur ein ernüchterndes Ergebnis, weil nachdem die Grube Wilder Mann geöffnet wurde, musste man feststellen, dass diese ganz und gar abgebaut war und nachdem man einzelne Schächte von Grube Reicher König Salomo geöffnet hatte, diese bis auf 70 Schuh tief unter Wasser standen.

1861 mussten nach dem bayerischen Gerichtsverfassungsgesetz Rechtspflege und Verwaltung getrennt werden und durch dieses Gesetz entstanden u.a. die Bezirksämter mit dem Bezirksamt Naila - 1862 bis 1939, Bezirksamt Rehau - 1862 bis 1939, Bezirksamt Hof - 1862 bis 1939 und Bezirksamt Teuschnitz - 1862 bis 1879 und 1888 bis 1931, welche zu dem Kreis Oberfranken gehörten.

1865 wird die 5. Periode und von mir genannte Rauschphase wie folgt sehr treffend beschrieben: "Sehen wir ab von dem nur momentanen, keineswegs naturgemäßen Aufflackern der Bergbaulust, welche in den jüngst verflossenen Jahren kein Maaß fand in der Sucht, alte Grubenbaue wieder aufzunehmen und neue zu erheben, so machen wir mit Bedauern die Wahrnehmung, daß in neuerer Zeit die Fortentwicklung des Berg- und Hüttenwesens in den oberfränkischen Distrikten nicht Schritt halten zu können scheint mit dem raschen Gange, den die Industrie unserer Tage eingeschlagen hat. Der Grund dieser keineswegs erfreulichen Erscheinung mag vorzugsweise in der Natur der Verhältnisse gesucht werden." Im gleichen trat in Preußen ein allgemeines Berggesetz in Kraft.

1867, am 01. Januar, bestanden in Baiern sieben Bergreviere.

1867 werden folgende Gruben im Regierungsbezirk Oberfranken, Bergrevier Steben, I Revier-Abteilung Steben, genannt, die gegenwärtig auflässig, in Fristen (Grube die zeitweise außer Betrieb war) gehalten oder auf geringe Erzgewinnung beschränkt sind, weil fast jeder Absatz des Erzes fehlt
a) Kupfer- und Schwefelkiesbergbau
Gottes Gabe bei Kemlas, Bezirksamt Naila. (der Grubenname ist hier falsch, es muss Gabe Gottes bei Kemlas heißen, weiterhin ist die Grube Gabe Gottes 1867 ebenfalls eine Eisensteingrube gewesen, da auf dieser Grube zumindest seit 1848/49 kein Kupfer und Schwefelkies mehr abgebaut worden ist)
b) Eisensteinbergbau
  • 01) Morgenröthe bei Brunn, Bezirksamt Hof.
  • 02) Segen des Herrn bei Leimitz, Bezirksamt Hof.
  • 03) Segen Gottes bei Leimitz, Bezirksamt Hof.
  • 04) Carl Wilhelm bei Leimitz, Bezirksamt Hof.
  • 05) Margaretha bei Leimitz, Bezirksamt Hof.
  • 06) Georg Heinrich bei Leimitz, Bezirksamt Hof.
  • 07) Carlzeche bei Neuhof, Bezirksamt Hof. (wird unter 29) noch mal genannt)
  • 08) Christophszeche bei Neugattendorf, Bezirksamt Hof.
  • 09) Eiserner Johannes bei Oberhartmannsreuth, Bezirksamt Hof.
  • 10) Franzzeche bei Oberhartmannsreuth, Bezirksamt Hof.
  • 11) Friedrichszeche bei Kirchgattendorf, Bezirksamt Hof.
  • 12) Dreieinigkeit bei Trogenau, Bezirksamt Hof.
  • 13) Alte Glückszeche bei Sorg, Bezirksamt Naila.
  • 14) Gottes Gabe bei Wurlitz, Bezirksamt Rehau.
  • 15) Siebenhitz bei Joditz, Bezirksamt Hof.
  • 16) Goldene Sonne bei Joditz, Bezirksamt Hof.
  • 17) Neuer Glockenklang bei Schwarzenbach am Wald, Bezirksamt Naila.
  • 18) Bau auf Gott bei Steinbach, Bezirksamt Teuschnitz.
  • 19) Bergmännisch Glückauf bei Steinbach, Bezirksamt Teuschnitz.
  • 20) Friedensgrube bei Lichtenberg, Bezirksamt Naila.
  • 21) Hilfe Gottes bei Steben, Bezirksamt Naila.
  • 22) Deutscher Kaiser bei Weidesgrün, Bezirksamt Naila.
  • 23) Tiefer Selbitzstollen bei Weidesgrün, Bezirksamt Naila.
  • 24) Gabe Gottes bei Windmühle, Bezirksamt Naila. (die Gabe Gottes liegt bei der Windmühle in Hof, demnach wäre das Bezirksamt Hof zuständig und nicht Naila)
  • 25) Hoff auf Gottes Segen bei Lippertsgrün, Bezirksamt Naila.
  • 26) Pfaffenlohe bei Osseck, Bezirksamt Hof.
  • 27) Heinrichszeche bei Zedtwitz, Bezirksamt Hof.
  • 28) Nikolauszeche bei Unterkotzau, Bezirksamt Hof.
  • 29) Carlszeche bei Bruck, Bezirksamt Hof. (liegt nicht bei Bruck, sondern am Vogelherd bei Neuhof und wird unter 7) schon genannt)
  • 30) Sophienglück bei Weidesgrün, Bezirksamt Naila.
  • 31) Voller Mond bei Weidesgrün, Bezirksamt Naila.
  • 32) Junger Schertlas bei Selbitz, Bezirksamt Naila.

Hinweis zur Grubenauflistung: Einige Gruben habe ich in diesem Fall mal mit Ergänzungen in Klammern versehen, um an dieser Stelle einen Hinweis zu geben, dass selbst in der alten Literatur Autoren nicht immer den Tatsachen entsprechend recherchiert haben. Derartige Fehler wurden von mir bei den einzelnen Orten gleich, so weit bekannt, richtig gestellt und dann nur die Änderung bei den Gruben verarbeitet.

Die noch geförderten Eisenerze werden nur teilweise im Inlande verschmolzen, der größte Teil geht ins Ausland, nach Böhmen, Königin-Marien-Hütte in Cainsdorf bei Zwickau, Hüttensteinacher Hütte und die Stebener Erze werden in der Heinrichshütte in Wurzbach verschmolzen.

1869, am 20. März, wurde ein neues Berggesetz verabschiedet, welches sich im Großen und Ganzen dem Wortlaut des preußischen Berggesetzes von 1865 anschloss und in dessen Folge sich eine veränderte Organisation der Bergbehörden ergeben hat. In diesem Gesetz wurde festgelegt das die Anfertigung der Statistiken jetzt dem königlichen Oberbergamte bzw. den königlichen Bezirksbergämtern übertragen wird. Es gab nur noch drei Bezirksbergämter und ein Oberbergamt. Das von mir betrachtete Gebiet des Frankenwaldes gehört jetzt zu dem Bezirksbergamt Bayreuth mit den Regierungsbezirken Oberpfalz, Ober- Mittel- und Unterfranken. Für das Bezirksbergamt Bayreuth werden 1869 172 gewerkschaftlich und nur noch 2 landesherrlich geführte Eisenerzgruben genannt, weiterhin 5 Bleierzgruben die zum Teil eine Förderung erbracht haben. 2 Silbererzgruben, 1 Kupfererzgrube, 1 Antimonerzgrube und 5 Vitriolgruben wurden in Fristen gehalten.

1869, am 16. Juni, wurde das neue Berggesetz von dem bayerischen König Ludwig II unterschrieben, trat ab dem 01. Juli 1869 in Kraft und regelte für ganz Bayern das Bergrecht einheitlich und ausschließlich. Für Bayreuth bedeutete dies hauptsächlich die Außerkraftsetzung der 1728 neu in Druck gelegten Bergordnung vom 1. Dezember 1619.

Nach diesem Zeitraum werden kaum bis gar keine Gruben mehr einzeln aufgeführt oder namentlich genannt, wobei davon ausgegangen werden kann, dass der Bergbau im Frankenwald, bis auf ganz wenige Ausnahmen zum erliegen gekommen ist.

Was blieb, das Besucherbergwerk Friedrich-Wilhelm-Stollen, der eine Länge von fast 1.000 Meter aufwies und jetzt auf circa 200 Meter befahren werden kann und das einzige Besucherbergwerk im Naturpark Frankenwald ist.

Übersicht Bergbauorte im Frankenwald / Oberfranken
Übersicht Bergbauorte im Frankenwald / Oberfranken

Bergbauorte zu der unten aufgeführten Auflistung im Frankenwald. Zur besseren Betrachtung bitte auf Originalgröße klicken.

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