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Dendriten

Begriff für netzförmig verästelte, bäumchenförmige dunkle Mineralabsätze auf Gesteins-, Schicht- und Kluftflächen. Diese werden sehr häufig als fossile Pflanzenreste fehlgedeutet (Pseudofossilien).

Mineralogisch

Dendriten sind Mineralaggregate im eigenen Sinne. Sie bilden sich sowohl aus wässrigen Lösungen sowie in der Dampf-Gasphase, wobei mineralhaltige Lösungen oder Gase durch Kapillarwirkung in Gesteinsspalten eindringen, bzw. sich auf Flächen ablagern. Dendriten entstehen auch durch Ausscheidung im festen Zustand (Beispiel: Langsame Abkühlung geschmolzener Lava), wobei Dendriten einen Interimszustand zwischen Glas (schnelle Abkühlung) und Kristallisation (langsame Abkühlung) darstellen können. Ein weiterer Mechanismus, welcher zum Dendritenwachstum führt, ist Verzwillingung, wobei die Wachstumsgeschwindigkeit an einer Zwillingsebene durch wiederkehrende Flächenkeime in kristallographischer Richtung parallel zur Zwillingsebene stark erhöht wird.

Bekannt sind Dendriten von Gold, Kupfer, Silber, Fe-Hydroxiden, Mn-Oxiden, Fluorit, Pyrit u.a. Mineralien.

Dendriten sind auch sehr bekannt aus dem Solnhofener Plattenkalken, wo sie schöne farnähnliche Ausprägungen annehmen, aber nur Eisen-Mangan Einlagerungen darstellen.

Ergänzung: Fraktales Wachstum und Dendriten

Die Bildung von Dendriten sind ein Beispiel für fraktales Wachstum (Sander 1986, Chopard 1991, García-Ruiz 1994). Um die Grundlagen des Mechanismus anschaulich zu machen, kann man sich Kugeln vorstellen, die sich an einer Oberfläche ablagern (vgl. Experiment "Stahlkügelchen in Öl" in Nordmeier 1995). Die Oberfläche ist beispielsweise geladen und zieht diese Kugeln an, die sich durch die Brownsche Bewegung ungeordnet bewegen. Wenn sich die ersten Kugeln anlagern, entsteht an der "Spitze" ein erhöhtes Feld. Gleichzeitig ist der Raum direkt an der Oberfläche durch die bereits anhaftenden Kugeln beschränkt. Dies führt insgesamt dazu, dass sich weitere Kugel wahrscheinlicher an der Spitze ("Wachstumsfront") anlagern, als direkt an der Oberfläche. Das Wachstum von Ästen läuft nach dem selben Prinzip: Sind die gewachsenen Formen lange genug, sodass zwischen ihnen die Teilcehn Platz zur Bewegung haben ohne gleich an einer Spitze zu enden, können sie sich auch zufällig an der Seite eines "Stammes" anlagern - ein Ast entsteht. Insgesamt ergibt sich ein dendritisches (von griechisch δενδρον déndron „Baum“) Wachstum. Diese einfache Veranschaulichung muss auf die jeweilige Situation übertragen werde, in der z.B. eine Lösung in einem Spalt eingeschlossen ist, und zusätzlich weitere Kräfte wirken (z.B. Kapillarkräfte).

Unter den Stichwörtern "Fraktales Wachstum", " Fraktale Strukturbildung", "Diffusionsbegrenztes Wachstum", "fractal growth", "diffusion limited growth" finden sich viele Informationen im Netz. Ähnliche Formen kann man selbst in ansprechenden, heimischen Experimenten erzeugen, vgl. z.B. Nordmeier 1995 und vorallem Kunz 2001.


Bilder

Oxyde de Manganèse
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Oxyde de Manganèse (SNr: AA.33)

Oxyde de Manganèse Belgien/Lüttich (Liège; Luik), Provinz/Verviers, Bezirk/Bütgenbach/route de Kalterherberg Bildbreite 10 mm

Sammlung: Bruno DARIMONT
Copyright: Bruno DARIMONT
Beitrag: Bruno80090 2021-04-18
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Oxyde de Manganèse
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Oxyde de Manganèse (SNr: AD.59)

Oxyde de Manganèse Belgien/Luxemburg (Luxembourg), Provinz/Bastogne, Bezirk/Vielsalm/Cahai (Cahay) Bildbreite 4 mm

Sammlung: Bruno DARIMONT
Copyright: Bruno DARIMONT
Beitrag: Bruno80090 2021-03-27
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Plattenkalk mit Eisen-Mangan-Dendriten
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Plattenkalk mit Eisen-Mangan-Dendriten

Eisen-Mangan-Dendriten, Solnhofer Plattenkalk, Solnhofen, Mittelfranken; BB ca. 40 mm

Sammlung: Harald Biecker
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Beitrag: Harald Biecker 2021-01-10
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Mangandendriten auf verkieseltem Tuff
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Mangandendriten auf verkieseltem Tuff

(06/2012); Platte im Steinbruch; Hünersedel, Schweighausen, Schuttertal, Ortenaukreis, Freiburg, Baden-Württemberg, DE

Copyright: Systemer
Beitrag: Systemer 2021-01-05
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Mangandendriten auf verkieseltem Tuff
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Mangandendriten auf verkieseltem Tuff

(06/2012); unbehandelte Platte im Steinbruch; Hünersedel, Schweighausen, Schuttertal, Ortenaukreis, Freiburg, Baden-Württemberg, DE

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Beitrag: Systemer 2021-01-05
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Mangandendriten auf Marmor
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Mangandendriten auf Marmor

(05/2017); FO: Stemmas, Thiersheim, Wunsiedel im Fichtelgebirge, Oberfranken, Bayern, DE

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Beitrag: Systemer 2021-01-03
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Smithsonit
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Smithsonit

BB: 18 mm; gelblicher Smithsonit mit metal.schwarzen Dendriten (verm. Hämatit(?)), Tagebau Kalenberg, Mechernich, Eifel

Sammlung: Harald Biecker
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Beitrag: Harald Biecker 2020-12-05
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Chalcedon mit Dendriten
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Chalcedon mit Dendriten

Ausschnitt eines Hohlraumes in einem Flintstrandkiesel, Bildbreite 4 mm

Sammlung: Reinhold
Copyright: Reinhold
Beitrag: Reinhold 2020-09-22
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Djurleit, Kupferglanz
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Djurleit, Kupferglanz (SNr: SyS-Djur-3-1-3)

Dendritische Kupferglanzkristalle (vermutlich Djurleit) in und auf Calcit vom Steinbruch Giro am Mannbühl bei Dannenfels in der Pfalz. Bildhöhe etwa 4,3 mm.

Sammlung: Klaus Schäfer
Copyright: Klaus Schäfer
Beitrag: Klaus Schäfer 2020-09-15
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Literatur:

Links


Quellenangabe


Einordnung