'._('einklappen').'
 

Neuenbürg

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Baden-Württemberg / Karlsruhe, Bezirk / Enzkreis / Neuenbürg

An­fahrts­be­sch­rei­bung

a) Waldrennach: S Neuenbürg. 10-12 km SW Pforzheim.

b) Frischglückgrube: im Hummelrain (Gang 13). 1 km W Waldrennach. Besucherbergwerk.

Auf­schluss­be­sch­rei­bung

Halden, Pingen und Stollen

Geo­lo­gie

Baryt-Gänge mit Brauneisenerzen im Buntsandstein.

Zu­gangs­be­schrän­kun­gen

Im Bereich des Schaubergwerks stehen an einigen Stellen Verbotstafeln, ansonsten frei zugänglich

Letz­ter Be­such

09.2007

To­po­gra­phi­sche Kar­te

TK7117.

Verkürzte Mineralienatlas URL:

https://www.mineralienatlas.de/?l=216
Bitte fühlen Sie sich frei auf diese Seite zu verlinken.

Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Weitere Funktionen

Ausführliche Beschreibung

Neuenbürg liegt ca. 6 km S Pforzheim an einer Enzschleife.

Der vererzte Bereich erstreckt sich von Pforzheim im N über Tiefenbronn im E, Enzklösterle im S und Neuenbürg im W. Ein Teil des Gebietes war in historischer Zeit badisch (Pforzheim und Würm), der überwiegende Teil gehörte zu Württemberg (Neuenbürg). Hier sollen beide Teile wegen der ähnlichen Mineralisation zusammen beschrieben werden.

Im Bereich Neuenbürg stehen Schichten des mesozoischen Deckgebirges, hier Buntsandstein an.

Die ältesten Gesteine im Nordschwarzwald sind die aus Bohrungen und den weiter südwestlich bei Eyach und Wildbad bekannten Granite und Gneise der Zentralschwarzwälder Gneismasse. Sie bilden das variszische Grundgebirge und haben ein Alter von rund 325 Mio. Jahren. Selbst die untersten Sohlen der Grube Käfersteige reichten nicht in das Grundgebirge hinein.

Über dem Grundgebirge folgt das Rotliegende (Perm). Dieses besteht aus Abtragungsschutt des variszischen Grundgebirges und ist ebenfalls im hier behandelten Gebiet nur durch Bohrungen nachgewiesen.

Aufgeschlossen sind im Gebiet Neuenbürg-Pforzheim Schichten des mittleren und oberen Buntsandsteins. Im Allgemeinen bildet das Röt (Tone des oberen Buntsandsteins) die oberste Schicht, nur im Süden gibt es einige Bereiche, in denen Muschelkalk reliktisch als Inseln den Buntsandstein überlagert. Im übrigen Gebiet ist er bei der Landhebung im Tertiär abgetragen worden.

Im Tertiär erfolgte eine starke Dehnungstektonik infolge der alpidischen Orogenese, wobei der Schwarzwald und damit auch das Gebiet südlich Pforzheim gehoben wurde. Schließlich kam es zum Abbau der Spannungen durch den Einbruch des Rheingrabens und der Ausbildung von zahlreichen Störungen im Bereich des Schwarzwaldes. Zunehmende Erosion führte zur Erosion von Muschelkalk und Röt. Die härteren Grobsandsteine des Buntsandsteins waren verwitterungsresistenter und bildeten Verebnungsflächen. Die Flüsse (Enz, Würm, Nagold) und Bäche sind als steile, enge Täler in die Hochflächen eingeschnitten.

Entlang von Störungen und Klüften kam es im gesamten Bereich Pforzheim-Würm-Enzklösterle-Neuenbürg im Tertiär zur Bildung von hydrothermalen Gängen. Insgesamt sind ca. 50 Gänge bekannt. Diese lassen sich in zwei Gangformationen untergliedern:

  • Schwerspat-Brauneisen-Eisenspat-Gänge (Neuenbürg und Würm): Baryt, Goethit, Lepidokrokit und Mn-Oxide, reliktisch Pseudomorphosen von Goethit nach Siderit. Häufig Brekzien- und Kodarkenbildung. Z.B. Frischglück-Grube in Neuenbürg-Waldrennach (Schaubergwerk).
  • Flußspat-Quarz-Gänge (v.a. Würm): Fluorit-Baryt-Quarz als Gangarten, Chalkopyrit, Emplektit als Erze. Bekanntestes Beispiel: Grube Käfersteige.

Der Gang der Grube Käfersteige wird im Weiteren getrennt beschrieben, alle weiteren Ausführungen hier beziehen sich auf die Eisenerzgänge um Neuenbürg.

Die NW-SE streichenden und saiger (senkrecht) stehenden Gänge erreichen 0-4 m Mächtigkeit. Harnischflächen (Rutschstreifen)sind in vielen Gängen verbreitet und Ausdruck der starken Tektonik während der Gangbildung, in anderen Gängen erfolgte Brekzienbildung. Dabei schwimmen Bruchstücke von mit Eisenerzen umkrustetem Buntsandstein im Baryt. Solche Erze werden als Kodarkenerze bezeichnet. In anderen Gangteilen ist der Baryt fest mit dem Nebengestein verwachsen.

Es tritt ein starker Wechsel in der Mineralisation nach der Teufe (sekundärer Teufenunterschied) auf.

  • In größerer Teufe tritt als primäre Paragenese Quarz-Baryt-Siderit mit untergeordnet Hämatit und spärlich Sulfiden und Fluorit auf. Besonders Siderit und Fluorit nehmen nach oben hin rasch ab.
  • An der Oberfläche kommen Quarz und Baryt als Gangarten vor, Fluorit fehlt weitestgehend. Sulfide sind vollständig zersetzt. Der größte Teil des Siderits wurde durch eindringende Oberflächenwässer zersetzt. Das Eisen wurde dabei vom als Beimengungen enthaltenen Mangan getrennt. In der Übergangszone kam es zur seltenen Bildung von Rhodochrosit, während im Ausgehenden Goethit als Erz überwiegt. Seltener sind Lepidokrokit und Manganoxide.

Mineralien (Anzahl: 22)

Mineralbilder (12 Bilder gesamt)

Goethit
Aufrufe (Bild: 1426346313): 1513, Wertung: 9.14
Goethit

Bergbaurevier Neuenbürg, Waldrennach, Bildbreite 4 mm

Sammlung: Reinhold
Copyright: Reinhold
Beitrag: Reinhold 2015-03-14
Mehr   MF 
Pyrolusit
Aufrufe (Bild: 1429632026): 929
Pyrolusit

auf Baryt, Beutbach, Büchenbronn, Bergbaurevier Neuenbürg, Bildbreite 2 mm

Sammlung: Reinhold
Copyright: Reinhold
Beitrag: Reinhold 2015-04-21
Mehr   MF 
Pyrolustit -xx
Aufrufe (Bild: 1283115936): 1540
Pyrolustit -xx

Fundort: Neuenbürg, Schwarzwald, Deutschland; Bildbreite: 3,5 mm

Sammlung: Florian
Copyright: Florian
Beitrag: Florian 2010-08-29
Mehr   MF 

Gesteine (Anzahl: 4)

Gesteinsbilder (2 Bilder gesamt)

Schlacke, Kelten
Aufrufe (Bild: 1352733508): 6938
Schlacke, Kelten

Bergbaurevier Neuenbürg, Bereich Grösseltal, xx=7cm, keltische Schlacke mit hohem Eisenanteil

Sammlung: Reinhold
Copyright: Reinhold
Beitrag: Reinhold 2012-11-12
Mehr   GLF 
Schlacke
Aufrufe (Bild: 1418754999): 4367
Schlacke

keltisch, Neuenbürg, Nordschwarzwald, Bereich Grösseltal, BB 90 mm

Sammlung: Reinhold
Copyright: Reinhold
Beitrag: Reinhold 2014-12-16
Mehr   GF 

Stratigraphische Einheiten (Anzahl: 1)

Untergeordnete Seiten

Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Bauer, M. (1866). Die Brauneisensteingänge von Neuenbürg. Jh. Ver. vaterl. Naturkde. Württ., 22, S.168-201.
  • Bauer, M. (1878). Über Hydrohaematit von Neuenbürg. Jh. Ver. vaterl. Naturkde. Württ., 34, S. 392-396.
  • Weber W. (1911). Der Eisenerzbergbau bei Neuenbürg im württembergischen Schwarzwalde im 18. und 19. Jhd. Bergwirtsch. Mitt. Beibl. Ztschr. f. prakt. Geol., S. 221-27.
  • Henglein, M. (1924). F. Röhrer, In: Erz- und Mineral-Lagerstätten des Schwarzwaldes. Schweizerbart, Stuttgart. S.121.
  • Metz, R. (1971). IV. Steine und Erden, Kohlen, Mineral- und Erzlagerstätten im Nordschwarzwald / Zur Wirtschaftsgeschichte der Bodenrohstoffe und der Bergbaureviere im Nordschwarzwald. Aufschluss, Sonderb. 20, S.98-226.
  • Metz, R. (1971). Mineralogisch-landeskundliche Wanderungen / V. Exkursion L - Durch das Große Enztal. Aufschluss, Sonderb.20, S.390-407.
  • Gustav Albiez. Eisenerzbergbau - ein wichtiger Wirtschaftszweig des Industriezeitalters. In: Hans Stuckmann, Volker Dennert & Manfred Baldas (1982). Baden-Württemberg als Bergbauland. Länderdienst Verlag. S.32.
  • Joachim, H. (1984). Mineralogische Untersuchung der manganhaltigen Brauneisen-Baryt-Gänge des Neuenbürger Reviers (N Schwarzwald). Diplomarbeit, Univ. Karlsruhe.
  • Joachim, H. und Smykatz-Kloss, W. (1985). Die manganhaltigen Brauneisen-Baryt-Gänge des Neuenbürger Reviers (N Schwarzwald). Chemie der Erde, 44, S. 311-339.
  • Hauck, M. (1987). Zur Geologie der 'Frischglückgrube' bei Neuenbürg im Nordschwarzwald. Aufschluss, Jg.38, Nr.2, S.69-76.
  • Gassmann, G. & Wieland, G. (2008): Heißes Eisen beim kalten Herz - Keltische Eisenproduktion bei Neuenbürg im Nordschwarzwald. Denkmalpflege in Baden-Württemberg 3/2008, 140-43. https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nbdpfbw/article/viewFile/11882/5739
  • Markl, G. (2015). Schwarzwald. Lagerstätten und Mineralien aus 4 Jahrhunderten. Bd.1: Nordschwarzwald und Grube Clara. Ed. Krüger-Stiftung. Bode Verlag, 31020 Salzhemmendorf. ISBN 978-3-942-588-171. 672 S. S.80ff.
  • Verfasser: smoeller

Weblinks

Das Schaubergwerk Frisch-Glück in Neuenbürg-Waldrennach

Seit 1985 lockt als besondere Attraktion des Gebietes das Schaubergwerk Frisch Glück im Neuenbürger Ortsteil Waldrennach. Dort erhält man einen guten Überblick über Bergbau, Geologie und Erzgänge im Revier.

Weitere Informationen, Bilder und Termine unter:
Frischglück-Bergbau


Einordnung