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Münchberger Gneismasse

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Bayern / Frankenwald / Münchberger Gneismasse

Verkürzte Mineralienatlas URL:

https://www.mineralienatlas.de/?l=2324
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Geologischer Überblick

geologische Karte
geologische Karte

Vereinfachte geologische Karte der Münchberger Gneismasse

Erik

Die Münchberger Gneismasse ist ein isoliertes Vorkommen von z.T. hochmetamorphen kristallinen Gesteinen inmitten des "Alten Gebirges" Nordostbayerns. Sie liegt mit einer Südwest-Nordost-Ausdehnung von etwa 35km und eine Breite von ca. 15km in einem Synklinorium des Autochthons, der Vogtländisch-Erzgebirgischen Mulde.

Die Münchberger Gneismasse ist auf jeder Seite mit Störungen gegen die umgebenden, mehr oder weniger metamorphen, Paläozoischen Gesteine abgegrenzt. Im Westen bildet die NW-SE streichende Fränkische Linie die Grenze gegen das fränkische Mesozoische Bruchschollenland.

Die Genese der Münchberger Gneismasse wurde lange Zeit kontrovers diskutiert und ist auch heute noch nicht vollständig geklärt. Dabei führte die Beobachtung, daß der Komplex allseitig von zum Zentrum der Gneismasse einfallenden Störungen umgeben ist, zu zwei grundlegenden Theorien. Eine Theorie interpretiert die Münchberger Gneismasse als keilförmige Scholle, welche aus dem kristallinen Basement hervorgepresst wurde, die zweite Theorie als Teil eines Deckenstapels, welcher aus Südosten in seine heutige Lage überschoben wurde.

ramp and flat - Überschiebung
ramp and flat - Überschiebung

Frontale Schleppfalte an einer ramp-and-flat-Überschiebung

Erik

Die heute vorherrschende Meinung geht davon aus, daß es sich bei dem Komplex um den Überrest einer großen Deckenüberschiebung handelt, welche aufgrund der Kollision von Saxothuringia mit Bohemia während der Variscischen Orogenese vor 360-300 Ma aus Moldanubischen Bereichen über das heutige Fichtelgebirge auf das authochthone Paläozoikum überschoben wurde. Der größte Teil des Orogens ist heute bereits abgetragen. Allerdings existieren eine Reihe von Beobachtungen, die sich mit der großräumigen Deckenüberschiebung nicht in Einklang bringen lassen.

Aus dem Aufbau der Großscholle lässt sich auf die Mechanismen der Überschiebungs- und Stapelvorgänge schließen. Sie besteht aus niedrig- bis hochgradig metamorphen Gesteinen, die Intensität der Metamorphose nimmt zum Top der Einheit zu. Dies deutet auf eine mehrphasige ramp-and-flat Überschiebung in Richtung Top NW hin, welche die akretionierten Teile an der Basis der Überschiebung so übereinander gestapelt hat, daß die am weitesten transportierten und am stärksten metamorph beeinflussten Teildecken im obersten Bereich des Deckenstapels zu finden sind.


Der Deckenstapel der Münchberger Gneismasse lässt sich in verschiedene faziell und lithologisch unterschiedliche Teildecken einteilen.

Deckenstapel
Deckenstapel

Schematische Darstellung der versch. Teildecken der Münchberger Gneismasse

Erik
Unterkarbonischer Flysch der Bayerischen Fazies
Unterkarbonischer Flysch der Bayerischen Fazies

Stbr. Heiss, Stadtsteinach, Frankenwald

Erik
Sigmaklasten in den Orthogneisen
Sigmaklasten in den Orthogneisen

der Liegendserie der Münchberger Gneismasse; Schauenstein, Frankenwald

Erik
Eklogit
Eklogit

Anstehender Eklogit; Weißenstein, Stammbach, Frankenwald

Erik

Paläozoikum der Thüringischen Fazies

Sehr schwach metamorphe paläozoische Gesteine des Frankenwaldes und des Saxothuringischen Schelfrandes (Thüringische Fazies) sowie die schwach bis mittel-gradig metamorphen Kristallingesteine des Fichtelgebirges bilden das Autochton. Die Thüringische Fazies besteht im Wesentlichen aus Ordovizischen bis Unterkarbonischen Grauwacken und Tonschiefern, die unter normalen Sedimentationsbedingungen großräumig einheitlich und eintönig ausgebildet sind.

Randschieferserie, Bayerische Fazies

Sehr niedrig-gradig metamorphe Gesteine des Paläozoikums der Bayerischen Fazies und die ausgedünnte kontinentale Kruste des NW Kontinentalhanges des Saxothuringischen Beckens. Die Bayerische Fazies ist durch eine sehr unruhige Sedimentation mit Flyschablagerungen und Konglomeraten gekennzeichnet. Die Gesteine sind - als Gleitbasis des Deckenstapels - stark zerschert, gestört und intensiv verfaltet, auch sind teilweise sehr große tektonische Schürflinge (aus dem Verband gerissene Gesteinskörper) akretiert (vgl. Steinbruch Heiss).

Prasinit-Phyllit-Serie

Die grünschieferfaziellen Decke der Münchberger Gneismasse besteht aus niedrig- bis mittel-gradig metamorphen, meist retrograd überprägten Einheiten, die wahrscheinlich dem nördlichen Saxothuringischen Beckenrand entstammen (Cadomisches Basement). Die Serie setzt sich heute im Wesentlichen aus Wechsellagerungen von Phylliten mit gebänderten Prasiniten und Metadiabasen zusammen.

Randamphibolithzone

Die Randamphibolithzone wird aus Ordovizischen Metasedimenten und Amphiboliten gebildet. Zur Scholle im Liegenden sind die Amphibolite in der Regel feinkörniger ausgebildet, im Hangenden herrschen grobkristalline Gesteine, teils als Epidotamphibolit vor.

Liegendserie

Mittel-gradig metamorphe Präkambrische und/oder Kambrische Orthogneise (vielleicht Cadomisches Basment mit Kambrischen Überlagerungen) die Intrusionen mit Erstarrungsaltern von 500Ma zeigen. Wahrscheinlich dem NW-Rand des Saxothuringischen Beckens zugehörig.

Hangendserie

Eklogitfazielle Einheiten der Liegendserie der Münchberger Gneismasse aus Gesteinen des Kambro-Ordovizischen Ozeanbodens und dessen auflagernden Sedimenten des Saxothuringischen Beckens. Die Serie setzt sich vor allem aus hochdruckmetamorphen Metapeliten (Glimmerschiefer), Eklogiten und Granat-Amphibolithen sowie aus Metasedimenten und Amphiboliten der allochtonen Platte Bohemia, die das Saxothuringische Becken nach SE begrenzte, zusammen. Die Eklogite markieren dabei die 'echte' Plattengrenze in der Überschiebungszone der Münchberger Gneismasse. Die Eklogite der Münchberger Gneismasse bilden das größte Mitteleuropäische Vorkommen.

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Mineralien (Anzahl: 61)

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Referenz- und Quellangaben, Literatur

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Weblinks:


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