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Das Eisenhammerwerk "Höllhammer" zu Heimbuchenthal

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Rekonstruktionszeichnung der ehemaligen Großschmiede
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Heimbuchenthal

Die Geschichte des Höllhammers zu Heimbuchenthal ist besonders interessant, da sich hier ein Aspekt der eisenverarbeitenden Industrie im Spessart widerspiegelt. Aufgrund der sehr ertragsarmen Landwirtschaft waren Eisenhämmer, neben Köhlerei und Glashütten, eine wichtige Ressource für die oft arme Bevölkerung.

Um die Entstehungsgeschichte des alten Hammergutes "Höllhammer" bei Heimbuchenthal ranken sich viele Sagen und Legenden. Das alte Gut befindet sich direkt an der Landesstraße St2308 zwischen Heimbuchenthal und Dammbach bzw. Hobbach hinter einer Mauer und wird nach außen von vielen Bäumen abgeschirmt.


Die Geschichte des Höllhammers

Entwicklung vom Hofgut zum Eisenhammer

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Blick auf das ehemalige Hammergut
Gut erkennbar ist das Gesindehaus, das Knechtehaus mit Uhrenturm und versteckt das Herrenhaus sowie einige Scheunen
Foto: Hg

Im Tal entlang der Elsava befand sich, lange vor der Entstehung des Hammergutes, das "Schloss zur Mole". Sehr lange wurde dieses Schloss für eine Legende gehalten. Im Jahr 2004 jedoch konnten durch Messungen oberhalb des Sees des alten Hammergutes die rund 10 x 10 Meter umfassenden Grundmauern eines Turmes festgestellt werden. Im Frühjahr 2008 begannen schließlich die Ausgrabungen des alten Wehrturmes unter der Leitung des Archäologischen Spessartprojekts.

Das Schloss zur Mole (oder auch Mule) wechselte im Laufe seiner Geschichte häufig den Besitzer, bis es schließlich Mitte des 15. Jhd. in den Besitz der Familie Echter zu Mespelbrunn gelangte. Doch auch der neue Besitzer hatte wohl wenig Gefallen an dem Schloss und lies es verfallen. Zumal das Geschlecht der Echter in Mespelbrunn bereits seit Jahren ein ansehnliches Wasserschloss besaß.

Im Jahr 1665 starb das Geschlecht der Echter von Mespelbrunn aus und somit fielen sämtliche Besitzungen in die Linie der Familie Ingelheim. Diese ließ nun bei dem verfallenen Schloss zu Mole ein Hofgut errichten, das nahe einem vom westlichen Hellen- oder auch Höllenberg befindlichen Tal lag. Dieses wurde im Volksmund die "Hölle" genannt, woraus sich der Name Gutsname "Höllengut" ableitet. Von diesem Gut ist geschichtlich relativ wenig bekannt. Es bestand vermutlich bis 1830 und eine weitere Bewirtschaftung war nicht lohnenswert. Die Grafen von Ingelheim ließen das Gut dem Boden gleich machen und die ehemals durch Rodungen entstandenen Äcker wieder aufforsten, was mehr Ertrag versprach.

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Ruine der Großschmiede
Eine der beiden Essen. Der Schlussstein ist auf das Jahr 1702 datiert
Foto: Hg

Lange vor der Aufgabe des Hofgutes wurde seitens der Ingelheims daran gedacht, wie die gräflichen Waldungen besser genutzt werden könnten. Im Jahr 1700 wurde beschlossen in der Nähe des Hofgutes einen Eisenhammer zu errichten. Die durch das Tal fließende Elsava war stark genug Mühlen anzutreiben und der eigene Wald lieferte genug Holzkohle zum Schmelzen und Bearbeiten des Alteisens.

Wer den Eisenhammer errichtet hat ist heute nicht mehr feststellbar. Eine Version besagt, dass ein Graf Ingelheim um 1700 den Eisenhammer erbauen und dann verpachten lies. Fest steht, dass der Eisenhammer in Jahr 1702 fertig gewesen sein muss. Dies belegt ein Schlussstein eines Gewölbes. Ob der Hammer zu dieser Zeit bereits in Betrieb war, lässt sich heute nicht mehr feststellen.

Den Namen "Höllhammer" erhielt der Eisenhammer nach dem in der Nähe liegenden Höllenhof-Gut.


Die ersten Besitzer des Eisenhammers

Die frühe Geschichte des Höllhammers ist durch seine vielen Besitzer geprägt. Der erste Besitzer, Johannes Trieb, hatte noch andere Betriebe zu leiten, setzte einen Verwalter ein und ließ ausschließlich Stabeisen produzieren. Im Jahr 1768 übergab Trieb den Höllhammer an seinen Schwiegersohn, der das Werk aber auch nicht persöhnlich leiten konnte und einen Dritten mit der Produktion beauftragte.

Offensichtlich ging das aber nicht gut, denn nur sechs Jahre später ging der Eisenhammer an den Besitzer eines nahegelegenen Hammerwerkes über. Dieser war jedoch mit der Leitung zweier Hammerwerke überfordert und verkaufte den Höllhammer an seinen Schwiegersohn. Da ihm als Landwirt die fachlichen Kenntnisse und die nötige Zeit fehlte, beauftragte er andere mit der Führung, die allerdings auch nicht besonders viel vom Handwerk verstanden. Die erzeugten Fabrikate erzielten nur mit Mühe geringe Preise. Dazu kam, dass man die Werksanlagen verkommen ließ und nichts zur Erhaltung getan wurde. Steigende Preise für Holzkohle erschwerten die Situation und das Holz in der Umgebung des Höllhammers war in den fast 90 Jahren seit Bestehen des Hammers nahezu aufgebraucht. Es stand um den Eisenhammer so schlecht, dass er nicht mehr gehalten werden konnte und im Jahr 1794 versteigert wurde.

Die Ära Rexroth

Die Wurzeln der Rexroth-Dynastie liegt im Odenwald. Noch heute existiert die Firma unter dem Namen Rexroth-Bosch. Darüber, wie der spätere Besitzer Johann Ludwig Rexroth an das Hammerwerk gekommen ist, exisieren unterschiedliche Versionen.

Die erste besagt, dass das Hammerwerk versteigert wurde, wobei den Zuschlag auf das höchste Gebot allerdings erhielt nicht der spätere Besitzer Johann Ludwig Rexroth bekam, sondern ein gewisser Wilhelm Röth. Dieser konnte jedoch nie das heruntergekommene Hammerwerk übernehmen, da er auf einer Reise nach Frankfurt, wo er Rohstoffe kaufen wollte, erkrankte und starb. Seine Witwe verfügte nicht über die erforderlichen Mittel, die notwendigen Reparaturen auf dem Eisenhammer durchzuführen und überließ somit das Werk "in allen Belangnissen" Johann Ludwig Rexroth.

Die zweite Version basiert auf einer anfangs der 80er Jahre auf dem Höllenhammer aufgetauchten Urkunde mit Siegel, datiert auf den 6. Dezember 1794, in der die Versteigerung mit keinem Wort erwähnt wird. Die Urkunde besagt, dass Rexroth das Hammergut für 4000 Gulden vom vorhergehenden Besitzer abkaufte. Die von Graf Ingelheim ausgestellte Urkunde hält fest, dass Rexroth erst mit gräflicher Genehmigung das Werk kaufen durfte. Weiter musste Rexroth jährlich 45 Gulden Pacht an den Grafen bezahlen und weitere Auflagen erfüllen. Dazu gehörte, dass Rexroth sich verpflichtete, das gesamte Hammergut in gutem Zustand zu halten hatte und keinerlei Gebäudeteile einzeln zu verkaufen. Der sich in der Nähe befindliche See musste wieder "in einen brauchbaren Zustand versetzt" und erhalten werden. Das Fischen und Jagen wurde Rexroth strengstens untersagt.

Welche Darstellung letztlich die Richtige ist, oder ob beide in irgendeiner Weise zutreffen, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden.

Fest steht, dass im Jahr 1795 das im Odenwald beheimatete Rexroth-Geschlecht, das sich dort als Waffen- und Hammerschmiede einen Namen gemacht hatte, den Schritt in den Spessart vollführte und hier förmlich eine Hammerdynastie begründete. Als "Krupp des Spessarts" dominierte es fast ein Jahrhundert lang mit zuweilen sieben Hammerwerken die Eisenindustrie.

Der Aufstieg des Höllhammers unter Georg Ludwig Rexroth

Vom 70jährigen Johann Ludwig Rexroth wird angenommen, dass er den Eisenhammer für seinen unternehmungslustigen Sohn Georg Ludwig Rexroth gekauft hat.

Ihm wurde die Aufgabe zugeteilt, die verkommenen Werksanlagen zu erneuern, zu erweitern und Ordnung zu schaffen. Diese Aufgaben erfüllte er mit Fleiß und reichlichen Fachkenntnissen so gut, dass sehr bald besseres Eisen erzeugt wurde und die Geschäfte gut anliefen. Neben dem Ausbau des Betriebes war sein oberstes Ziel tüchtige Hammerschmiede anzustellen. Den ersten Hammerschmiedemeister holte er aus dem heimatlichen Odenwald. Weitere Fachkräfte wurden aus Lothringen und sogar aus Tirol und der Steiermark angeworben. Sie wurden sesshaft gemacht und weitere Arbeitskräfte geschult und ausgebildet. Den fremden Arbeitern wurden vom Werk Wohnungen im eigenen Arbeiterhaus zugewiesen und sie bekamen dazu noch ein wenig Feld, damit sie eine kleine Landwirtschaft betreiben konnten. Außerdem bekam jeder noch einen Ziegenstall und durch einen Anteil an der Scheune konnten Schweine oder Hühner gehalten werden. Mit der Zeit entstand so ein soziales Gemeinwesen. Neben dem Betriebsgebäude und dem Herrenhaus gab es ein Arbeiter- und Knechtehaus, sowie eine eigene Schule und ein eigener Friedhof.

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Aufnahme des Höllhammergutes während der Betriebszeit
Aufnahme vor 1891

Dem Höllhammer ging es, begünstigt durch die Zeitverhältnisse, sehr gut. Die Auswirkungen der Französischen Revolution und die nachfolgenden Kriege unter Napoleon sorgten für einen riesigen Waffen- und Eisenbedarf der Armeen. Die ausgezeichneten Produkte des Höllhammers fanden so großen Absatz, dass der Eisenhammer bald als "erstes und leistungsfähigstes Hammerwerk" im Fürstentum Aschaffenburg galt.

Der schnelle Aufschwung des Höllhammers wurde wesentlich durch den Ausbau der Transportwege für die Beschaffung der Rohstoffe und Holzkohle, sowie der Auslieferung der Erzeugnisse begünstigt. Die Wege waren anfangs in einem so schlechten Zustand, dass sie nahezu nicht mehr befahrbar waren und erneuert werden mussten. Rexroth zahlte den Straßenbau aus eigener Tasche. Somit sicherte er einen zügigen Transport der erzeugten Eisenwaren nach Würzburg, wo die Hauptabnehmer seiner Erzeugnisse saßen.

Rexroth errichtete bei seinen Verbesserungen der Straßenverhältnisse rund ein halbes Dutzend Brücken, was auch den Bewohnern des Dorfes Heimbuchenthal von Nutzen war. Die Brücken mussten im Gegensatz zu den Viehwagen nun schwere Lasten der Eisentransporte überstehen. Seine Tätigkeit zog sich über Jahrzehnte hin und er bekam besonders gutes Baumaterial, als er 1851 das Gemäuer des alten zerfallenen Schlosses zur Mole abreißen und die Ruine völlig verschwinden ließ.


Das soziale Engagement der Rexroth’s auf dem Höllhammer

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Höllhammer Schule
Das ehemalige Schulgebäude in dem bis zu 30 Kinder unterrichtet wurden
Foto: Hg

Georg Ludwig Rexroth war seiner Zeit weit voraus. Er bemühte sich nicht nur um den Ausbau und die Steigerung der Produktion des Höllhammers, sondern sorgte auch für die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse seiner Untergebenen. Diese Einstellung hebt ihn deutlich von den anderen Hammerherren der damaligen Zeit ab. Er kümmerte sich sogar um die geistige Betreuung der Kinder seiner Arbeiter. Für sie ließ er auf dem Hammergut eigens eine Schule erbauen. Um 1820 wurde der stattliche Bau erstellt und im Jahre 1830 besuchten zwischen 24 und 30 Kinder die Schule.

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Der Friedhof
Zahlreiche eiserne Kreuze erinnern an die Verstorbenen der Familie Rexroth
Foto: Hg

Auf einer gerodeten Höhe an einem Waldrand wurde ein eigener Friedhof geschaffen, auf dem die Hammerherren und ihre Angehörigen begraben wurden. Eine Zeit lang wurden sogar Arbeiter des Höllhammers dort beerdigt, von denen allerdings keine Grabmale mehr existieren. Der Friedhof entstand vermutlich in der Zeit zwischen 1830 – 1840, da zu dieser Zeit auf dem Höllhammer eine sehr rege Bautätigkeit bestand. Die erste Beisetzung fand im Jahr 1841 statt, als ein Enkel von Georg Ludwig Rexroth im Alter von vier Jahren starb.

Der Friedhof wurde von 22, in gleichen Abständen gepflanzten Eichen eingefasst. Noch heute hinterlässt der Friedhof mit einem schönen, reich verzierten Grabmahl des ersten Hammer-Besitzers Georg Ludwig Rexroth aus Schmiedeeiesen einen nachhaltigen Eindruck. Ihm folgten im Laufe der Jahre weitere 22 Angehörige der Familien Rexroth.

Nachdem der Eisenhammer in ein Hofgut umgewandelt wurde und in den Besitz des Freiherrn Reitzenstein überging, wurde der Friedhof von dieser Familie ebenfalls genutzt.


Der Arbeitsablauf

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Der Stauweiher
Er diente zur Regulierung der Wasserzufuhr
Foto: Hg

Die Arbeitsbedingungen auf dem Höllhammer schildert der Sanitätsrat Dr. Richard Wehsarg sehr bildhaft:

An der Stelle, an der die Elsava das größte Gefälle hatte, lag der Schmelz- und Hammerbetrieb. In der Runde lagen große Hallen, um die benötigte Holzkohle trocken zu lagern. Daneben befanden sich weitere Hallen, die das benötigte Alteisen sowie die aus ihm gefertigten Produkte aufnahmen. Neben dem Herrenhaus lagen die kleinen Arbeiterhäuser, sowie Ställe und Wirtschaftsgebäude. Etwas abseits gelegen war die Scheune, die das Futter für die Ziegen, Schweine und Hühner der Hammerschmied-Familien enthielt.

Zur gleichmäßigen Wasserzufuhr diente ein Stauweiher, der je nach Bedarf in Anspruch genommen wurde. Besonders bei einem trockenen Sommer war das der Fall. Die ortsansässigen Bauern hatten das Recht, zur Bewässerung ihrer Felder, Wasser der Elsava auf ihre Felder zu leiten. Auch in diesem Fall sorgte der Stauweiher für eine konstante Wasserzufuhr des Eisenhammers. Bei Tauwetter oder starkem Regenfall sorgte ein Überlaufbett für die Wasserregulierung.

Wurde das Wehr geöffnet, gelangte das Wasser in einen hölzernen Wasserkasten, in dessen Boden Schutzklappen eingelassen waren, die durch Hebelarme geöffnet werden konnten. Diese befanden sich genau über den darunter angebrachten Wasserrädern. Mit den Wasserrädern setzte sich der damit verbundene Wellenbaum in Gang und den Hammer in Bewegung. Das ablaufende Wasser wurde durch einen gut ausgemauerten Stollen abgeleitet.

Die in Größe und Gewicht unterschiedlichen beiden Hämmer wurden von zwei Wasserrädern angetrieben. Das dritte Wasserrad betrieb ein Gebläse. Dieses bestand aus drei luftdicht verschlossenen, viereckigen Kästen, in denen sich mit Lederdichtungen versehenen hölzerne Kolben sich abwechselnd hoben und senkten. Über Klappventile wurde durch eine Rohrleitung Luft in die Glut gepresst und die Temperatur der Glut gesteigert.

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Anordnung der Wasserräder und Hämmer
Rekonstruktionszeichnung der ehemaligen Großschmiede
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Gemeinde Heimbuchenthal

An der Kleinschmiede befand sich ein viertes Wasserrad, das einen Schleifstein antrieb.

In der Großschmiede brannten zwei Feuer, deren Schmelzöfen aus einer Esse und viereckigen, massiven Sandsteintürmen bestanden. War ein Schmelzofen entleert und ausgeblasen, wurde der zweite angezündet.

Die Schmelzöfen wurde mit Alteisen befüllt, der aus dem Raum von Rhein bis Nürnberg geliefert wurde. Die Schmiedemeister mussten Kupfer-, Messing- und Zinnteile aussortieren. Anschließend wurden 80 Pfund des Alteisens und 60 Pfund Gusseisen mit reichlich Holzkohle in den Ofen gebracht und angezündet.

Gegen Ende des Hammerbetriebes stellten Wagenräder und verbrauchte Schienen der Eisenbahn bereits einen großen Anteil des Alteisens dar. Da dieses Material für die Esse zu groß war, musste es erst zerkleinert werden. Mittels einer besonderen Konstruktion konnte das Eisen zerkleinert und dem Schmelzofen zugeführt werden.

Nachdem dieser angezündet war, wurde das Gebläse eingestellt und die Glut so lange gesteigert, bis das Eisen zu einem Klumpen zusammengeschmolzen war. Zwei kräftige Männer erfassten diesen Block mit besonderen Zangen und zogen ihn mit einem drehbaren Kran zum Amboss. Dort wurde der Block mit kräftigen Hammerschlägen auf Stahlschneiden, von festen Holzgriffen gehalten, in mehrere Teile aufgeteilt. Diese wurden zurück in den Ofen gebracht und zur Weißglut gebracht. Beim zweiten Hämmern wurde das Eisen von Asche und Kohle gereinigt. Dieser Vorgang wurde mehrfach wiederholt. Mit Hilfe eines Schwanzhammers wurden die Eisenstücke in die gewünschte Form gebracht. Auf diese Weise entstanden Reif-, Hand- und Hufeisen, Pflugscharen, Eggenzinken, Wagenachsen und Hemmschuhe. Die Eisenstücke wurden an Schlosser und Schmiede weitergegeben oder verfrachtet. Die auf diese Art produzierten Stücke wiesen zum Teil eine beträchtlich Länge auf oder waren auf den Millimeter genau hergerichtet.

Die Hammerhalle, auf schweren Fundamentquadern ruhend, hatte feste Seitenwände und war aus stärkstem Eichenholz erbaut. Die doppelflügelige Tür stand die meiste Zeit offen. Trotzdem war es am Amboss und der Esse sehr heiß. Die Arbeiter trugen bis zu den Füßen reichende Hemden aus groben Leinen. An den Füßen trugen sie dicke, mit Lederkappen bedeckte Holzsohlen.


Die Bedeutung des Eisenhammers für den Ort Heimbuchenthal

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Die 1831 erbaute Wilhelmsscheune diente als Kohlenscheune für den Höllhammer, sowie als Hufschmiede und Pferdestall
Foto: Hg

Der Eisenhammer war für das nahegelegene Dorf von sehr großer Bedeutung. Neben der Arbeit auf dem Hammergut gab es auch noch genügend Arbeit, die außerhalb erledigt wurde. Handwerkliche Arbeiten, wie zum Beispiel Korbflechter, Rechen- und Gabelmacher, Huf- und Nagelschmiede. Für die benötigte Holzkohle wurden Holzfäller und Köhler benötigt.

Im Jahr 1814 zählte der Ort Heimbuchenthal 444 Einwohner. Bereits 1823 war die Zahl auf 607 angestiegen.

Vergütung der Arbeiter

Wie bereits beschrieben, lag das Wohlergehen der Arbeiter Georg Ludwig Rexroth sehr am Herzen. Dies wurde auch in der Bezahlung deutlich. Bereits im zweiten Jahr der Rexroth-Ära (1796 / 1797) wurde ein geübter Hammerschmied bei zeitweiliger Tag- und Nachtschicht wöchentlich mit 20 bis 25 Gulden entlohnt. Für die damalige Zeit stellte dies einen hohen Lohn dar. Ein Geselle erhielt selbstverständlich weniger, ein Tagelöhner etwa 48 Kreuzer. Einem Zimmermann wurden 40 Kreuzer gezahlt. Zusätzlich standen ihm eine halbe Maß Wein und freie Verköstigung zu.

Ein Holzfäller, der die Bäume für einen Kohlenmeiler schlug und zurichtete, erhielt um 1810 einen Tagelohn von einem Gulden.

Zu dieser Zeit hatte das Geld einen anderen Wert; für 60 Kreuzer erhielt man einen Gulden. Ein Pfund Fleisch kostete etwa 12, ein Pfund Rindfleisch 9 und sechs Pfund Roggenbrot ca. 11 Kreuzer.

Vom Jahr 1815 existieren Zahlen, die zwar für die allgemeine Hammerindustrie im Spessart gelten, aber durchaus einige Rückschlüsse auf die Umsätze des Höllhammers erlauben. Es wurde für 83.000 Gulden Alteisen gekauft und daraus von 178 Eisenarbeitern Waren im Wert von 140.000 Gulden hergestellt. Wie viele Männer auf dem Höllhammer beschäftigt waren, ist leider nicht bekannt. Eine durchschnittliche Belegschaft eines Eisenhammers mit drei Hammerwerken, wie der Höllhammer, ernährte 25 Familien und bot weiteren 15 bis 20 Personen einen reichlichen Verdienst.

Wie aus einer alten Rechnung ersichtlich ist, musste in einem einzigen Jahr Holzkohle im Wert von 70.000 Gulden gekauft werden. Es ist anzunehmen, dass diese Menge für zwei Betriebe von Rexroth verwendet wurden, aber es wird deutlich, welche Mengen an Holzkohle verbraucht wurden. Im Jahr 1796/97 kostete ein Zentner Holkohle etwa einen Gulden.

Um das Jahr 1830, als das Hammerwesen einen immer höheren Aufschwung erlebte, kam auch die Köhlerzeit zu ihrer Blüte. Zeitweise waren bis zu 100 Köhler beschäftigt. Der Holzverbrauch war zu dieser Zeit dementsprechend mit 18.000 Festmetern sehr hoch.

Das Erbe von Georg Ludwig Rexroth

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Das schmiedeeiserne Grabmal des ersten Hammerherren Georg Ludwig Rexroth auf dem Friedhof von Höllhammer
Foto: Hg

Am 8. September 1854 starb Georg Ludwig Rexroth im Alter von 88 Jahren. Er wurde auf dem bereits beschriebenen werkseigenen Friedhof beigesetzt. Zusammen mit seiner Frau Sophie Katharina, die am 29. August 1857 starb, hatte er neun Kinder. Drei seiner Söhne waren ebenfalls im Hammergeschäft tätig. Sein jüngster Sohn Friedrich August Rexroth stand dem Höllhammer vor, der ihm 1851 übergeben wurde.

In den folgenden Jahren war Friedrich August Rexroth gezwungen im großen Maße Wald in der Gegend um Heimbuchenthal zu kaufen, um den Bedarf an Holzkohle für sein Hammerwerk decken zu können. Bis Ende Juli 1852 wurden 42 Waldstücke gekauft. Das kleinste Grundstück hatte 448 Quadratmeter, das größte 8079 Quadratmeter. Ingesamt erwarb Rexroth eine Fläche von über 20 Hektar.

Begünstigt wurden diese Grundstücksgeschäfte durch die Not in den umliegenden Spessartdörfern. Bedingt durch Ernteausfälle (Kartoffelfäule, Missernte des Getreides, langanhaltende Regenfälle) über mehrere Jahre in Folge waren die Bauern froh, dass so wenigstens ein wenig Geld eingenommen werden konnte.

Im Jahr 1926 wurden die Waldstücke vom Heimbuchenthaler Bürgermeister wieder zurückgekauft.

Das Ende des Höllhammers

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Ruine der Großschmiede
ein Teil der ehemaligen Großschmiede
erkennbar ist noch die auf 1702 datierte Esse im Hintergrund
Foto: Hg

Friedrich August Rexroth wurde von seinem Sohn Wilhelm Ludwig seit 1866 im Betrieb unterstützt. Erst am 3. November 1880 trat Friedrich August, der nach seinem Ausscheiden Eigentümer des Eisenhammers blieb, den Höllhammer an seinen Sohn ab.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Höllhammer bereits schwere Zeiten überstanden und es wurden auch Überlegungen angestellt, das Eisenwerk stillzulegen. Wilhelm Ludwig trat das Hammergut 1882 an seinen Bruder August ab, behielt aber ein Wohnrecht auf Lebenszeit. August Rexroth lebte nicht auf dem Höllhammer, sondern arbeitete als Ingenieurassistent auswärts. Er konnte sich nicht persönlich um den schlecht laufenden Eisenhammer kümmern. Wilhelm Ludwig leitete daher unter seinem Namen die Geschäfte weiter.

Am 8. August 1891 verklang schließlich der letzte Hammerschlag auf dem Höllhammer.

Nicht nur der Höllhammer zu Heimbuchenthal erlitt dieses Schicksal. Durch die Industrialisierung standen völlig neue und bessere Methoden der Eisenbearbeitung zur Verfügung. Die Dampfkraft begann ihren Siegeszug und zwang die wasserbetriebenen Eisenhämmer zum Aussterben.

Für den abgelegenen Höllhammer kam noch ein sehr wichtiger Umstand hinzu. Auf der Eisenbahnstrecke Nürnberg – Frankfurt wurde am 1. Oktober 1854 das letzte Teilstück Würzburg – Aschaffenburg erschlossen und sorgte somit für völlig neue Verkehrsverhältnisse. Die erst 1910 erbaute Elsavabahn auf der Strecke Obernburg – Heimbuchenthal kam für den Höllhammer 20 Jahre zu spät, hätten das Ende aber auch nicht verhindern können.

Der Höllhammer heute

Der Höllhammer wurde nach der Stilllegung des Eisenhammers in ein Hofgut umgewandelt. Bis auf das Hammergebäude sind noch sämtliche Gebäude erhalten und werden zum Teil auch noch bewohnt. Von der ehemaligen Großschmiede ist nur noch eine Ruine mit den beiden Essen erhalten.

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Das ehemalige Gesindehaus
links daneben befindet sich das alte Backhaus
Foto: Hg

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Das ehemalige Knechtehaus mit Uhrenturm
Foto: Hg

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Das Herrenhaus mit einer mächtigen Weide
rechts im Vordergrund befindet sich ein Teil der Ruine der Großschmiede
Foto: Hg


Quellenangabe

  • http://www.historisches-franken.de/
  • "Die Geschichte des Höllhammers"; Dr. Alois Stadtmüller; Heimbuchenthaler Geschichtsbuch 1282 – 1982, Gesamtredaktion: Karlheinz Bachmann; Gestaltung und Druck: Buch- und Offsetdruckerei Herbert Bauer, Goldbach
  • Verfasser: Hg

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