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Der Coelestin-Tagebau "Am Soldatenbusch" bei Gembeck

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Hessen / Kassel, Bezirk / Waldeck-Frankenberg, Landkreis / Twistetal / Gembeck / Am Soldatenbusch

GPS-Ko­or­di­na­ten

Coelestin-Tagebau Am Soldatenbusch



Coelestin-Tagebau Am Soldatenbusch

WGS 84: 
Lat.: 51,351892° N, 
Long: 8,878856° E
WGS 84: 
Lat.: 51° 21' 6,811" N,
   Long: 8° 52' 43,882" E
Gauß-Krüger: 
R: 3491633,
 H: 5690801
Regionale Wetter Information, Macrostrat geologische Karten

Verkürzte Mineralienatlas URL:

https://www.mineralienatlas.de/?l=358
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Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Weitere Funktionen

Ausführliche Beschreibung

Obergembeck liegt in Hessen und gehört seit der kommunalen Neugliederung zu Diemelstadt. Das Coelestin-Lager ist eingebettet in die Zechsteinformation zwischen dem Diemel- und Ittertal.

Anfang der 1970er Jahre zeigte sich der Tagebau noch in einem kaum veränderten Zustand. Lediglich im vordersten Bereich war etwas Bauschutt und Abraum abgekippt und von Gras überwachsen. Die abgehenden, offenen, Stollen waren frei und aufrecht begehbar. Coelestin fand sich in allen Bereichen. Selten in Sammlungs-würdiger Qualität. Die geborgenen Stücke zeigten i. d. R. ein blasses blau. Erst als hartnäckige Sammler vom ersten Stollen aus einen Querschlag mit schwerem Gerät aufwältigten und dabei große Drusen in allerbester Qualität bergen konnten, kam es zu einem "Run" auf die Fundstelle. Wenige Jahre später bot sich ein Bild des Jammers. Die Stollen waren nur noch kriechend befahrbar und das durch Sammler geschaffene Haufwerk war von Müll verschmutzt.

In einem zu einem späteren Zeitpunkt geöffneten Stollen konnte durch die Erstbefahrer unverritzter Abbau vorgefunden werden. Die Drusen im Allgemeinen walnussgroß. Selten bis 10 cm. Wenig Strontianit. Der Zugang wurde wieder sorgfältig verschlossen.


Literaturauszug

In der Zeitschift "Glückauf" - Berg und Hüttenmännische Zeitschrift wird Obergembeck ausführlich beschrieben. Dort ist in Nr. 32, 8. August 1908, 44. Jahrgang, zu lesen:

Die Zechsteinformation zwischen dem Diemel- und Itter-Tale am Ostrande des rheinisch-westfälischen Schiefergebirges unter besonderer Berücksichtigung der Kupfer-, Gips-, Eisen-, Mangan-, Zink-, Blei-, Coelestin-, und Schwerspat-Vorkommen.

Zuerst wird über die Entstehung des Coelestin-Lagers philosophiert. Mehrere aus der Vergangenheit vorliegende Vermutungen werden verworfen. Letztendlich kommt der Verfasser zu dem Schluss, dass die Hohlräume und Spalten des Zechsteins von einer schwefelsauren Strontium-Lösung durchtränkt wurden. Dabei bildete sich das Coelestin-Lager mit einer Mächtigkeit von 1,5 - 2,5 Metern. Nach Beendigung der Kristallisationsphase wurde das Lager durch kalkige, kohlensäurereiche Wässer durchsickert, wodurch sich in den Coelestin-Drusen eine Umhüllung mit kohlensaurem Strontium bildete.

Im nächsten Kapitel wird, leider nur kurz, über die Abbaumethoden geschrieben. Der Tagebau hatte eine Überdeckung von 0,5 - 6 Metern. Hier wurde der Coelestin losgehackt und über eine Feldbahn zur Aufbereitung transportiert. Im Lager selber betrieb man Pfeilerbau, wobei durch die unsichere Überdeckung große Pfeiler stehen blieben. Im Lager zeigte sich der Coelestin stark blau.

Im Anschluss wird die Aufbereitung beschrieben und es werden technische Zeichnungen sowie Ablaufdiagramme eingefügt. Die Aufbereitung wurde 1897 in Betrieb genommen und bis zur Beendigung der Betriebsperiode nur geringfügig verändert. Die Körnung der Fertigprodukte nach Trocknung in Stoßherden betrug 18-8 mm, 8-5 mm, 5-3 mm, 3-1,5 mm, 5-1,5 mm. In Rundherden wurden die Körnungen 1,5-1 mm und unter 1 mm getrocknet. In 10-stündiger Schicht wurden 30 - 40 to verarbeitet. Nach Wasserentzug betrug die Ausbringung somit 14-19 to Fertigprodukt mit einem Anteil von 91% SrSO4

Ein weiteres sehr interessantestes Kapitel beschreibt die: "Kristallographisch-mineralogische Beschreibung des Obergembecker Coelestinvorkommens"

Der Verfasser muss Mineraloge gewesen sein, denn dieser Abschnitt ist sehr ausführlich und akribisch über viele Seiten geschrieben. Kristallsysteme, Typenbezeichnungen, Winkelmessungen, etc.

1. Kernsatz: Die Kristalle sind meist sehr gut ausgebildet auf Seite 1143:

Die Kristalle in den Hohlräumen und Spalten bzw. Klüften im Nebengestein des Coelestinlagers erreichen durchschnittlich eine Länge von 2 bis 10 mm, eine Dicke von 1 bis 5 mm, sie sind meißt schwach bläulich, weißlich bis farblos. Dagegen erreicht dieser Typus im eigentlichen Lager eine beträchtliche Größe; 40 bis 80 mm lange Kristalle sind darin keine Seltenheit und machen bezüglich ihrer Färbung ihrem Namen alle Ehren

auf Seite 1144 liest man schließlich:

Die Größe der Kristalle des 2. Typus schwankt im Allgemeinen zwischen 5 und 60 mm in der Richtung der b-Achse, 2 und 50 mm in der Richtung der a-Achse sowie 2 und 30 mm in der Richtung der c-Achse.

Der größte mir zu Gesicht gekommene, stark angeätzte und rauhe Kristall dieses Typus, der bei der versuchten Loslösung aus dem Coelestinlager leider in mehrere Stücke zerbrach, war 170 mm lang (b-Achse), 140 mm breit (a-Achse) und 75 mm dick (c-Achse).

Mineralien (Anzahl: 3)

Mineralbilder (11 Bilder gesamt)

Coelestin, Strontianit
Aufrufe (Bild: 1101812878): 898
Coelestin, Strontianit

Coelestin bis 1,5cm mit Strontianit; Stufengröße: 3,8 x 3,5 x 1,8 cm; Fundort: Am Soldatenbusch, Obergembeck, Diemelstadt, Hessen, Deutschland

Copyright: kraukl
Beitrag: Mineralienatlas 2004-11-30
Celestin
Aufrufe (Bild: 1362939205): 895
Celestin

Am Soldatenbusch / Obergembeck / Hessen / Deutschland; Stufe 12,5 x 8 cm.

Sammlung: Leonardus
Copyright: Leonardus
Beitrag: Leonardus 2013-03-10
Cölestin
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Cölestin

Größe: 15 x 12 x 9cm, Kristalle bis max. 36 mmm; Fundort: Am Soldatenbusch/Obergembeck, Diemelstadt, Hessen, Deutschland

Copyright: highgrader
Beitrag: highgrader 2011-02-05

Gesteine (Anzahl: 1)

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Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Glückauf - Berg und Hüttenmännische Zeitschrift, Nr.32, 8.Aug. 1908, 44. Jg.

Quellenangaben

Einordnung