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Iserlohn

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Nordrhein-Westfalen / Arnsberg, Bezirk / Märkischer Kreis / Iserlohn

Geo­lo­gie

Devonischer Kalk und Schiefer.

Verkürzte Mineralienatlas URL:

https://www.mineralienatlas.de/?l=457
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Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

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Bilder von Fundstellen (1 Bilder gesamt)

Frosch
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Frosch

Der hier gezeigte Frosch ist ein westfälischer. Diese Bauart wurde in großer Stückzahl von der Fa. Seippel in Bochum gefertigt. Auch "Seippel-Männchen" genannt. Benannt nach einem kleinen Männchen,...

Copyright: der Sauerländer
Beitrag: der Sauerländer 2006-03-26

Ausführliche Beschreibung

Lage

Iserlohn liegt am südlichen Rande des Sauerlandes und wird als die "Waldstadt" bezeichnet. Das Sauerland gehört zu den Mittelgebirgen und entstand bei der letzten tektonischen Bewegung, variskische oder variszische Faltung genannt. Diese Faltung zieht sich von der Bretagne bis zur Tschechei.


Geschichte und Bergbau

Sehr früh wurden im genannten Gebiet Erze abgebaut: Blei, Kupfer und Eisen. Galmei wurde erst spät als Erzmittel erkannt. Der Reichtum und die Größe von Iserlohn, bis zum vorletzten Jahrhundert größer als Dortmund, gründete auf den Galmeivorkommen. Die Lager waren bis zu 40 (!) Meter mächtig. Schon sehr früh erkannten die "Alten", dass am Übergang vom Massenkalk zu den Lenneschiefern Erz angereichert war.

Die Gewinnung geschah sowohl übertage als auch untertage. Für die gesamte Grafschaft Mark erließ der Herzog von Jülich 1542 eine Bergordnung. Offizielle Mutscheine sind auf das Jahr 1577 datiert.

Bereits im 17. Jahrhundert untersagte die Regierung weiteren Abbau in der Grube "Tiefbau von Hövel" wegen Bodensenkungen. Als dann auch noch neue Pumpen eingebaut wurden, die über 70.000 Kubikfuß Wasser pro Tag hoben, sanken ganze Straßenzüge und die katholische Pfarrkirche. In dieser Zeit entstand das Gedicht:

Das Eigentum in Iserlohn
hat nicht viel zu bedeuten.
Denn baust Du dir ein eigen Haus,
Bergbau jagt dich doch hinaus.

1872 mussten im Bereich des Bergbaus dann die Häuser und die Kirche abgerissen werden. Die Zeitung vermeldete ganze Heerscharen von Fremden, die sich dieses Desaster anschauen wollten. Selbst in englischen und amerikanischen Zeitungen wurde berichtet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Gruben konsolidiert durch die Iserlohner Messinggewerkschaft. Diese ging später über in den "Märkisch-Westphälischen Bergwerks-Verein".

Abgebaut wurde in der Zeit auf Grube "Stahlschmiede", "Tiefbau von Hövel", "Kluft I und II" und "Krug zu Nidda". Ferner gehörten zum MWBV die Gruben im Amt Hemer. Hier ist besonders der Tagebau "Rosenbusch" zu nennen, der zeitweise 60 % des Galmeis lieferte. Ferner die Schächte I, II in Westig sowie die Schächte I, II und III in Deilinghofen. Die Aufbereitung der Erze geschah in der Zinkhütte Genna in Letmathe.

1896 wurde die Förderung auf "Krug zu Nidda" eingestellt. Am 1. Januar 1900 endete mit der Stilllegung der Grube "Tiefbau von Hövel" der Bergbau in Iserlohn. Vorher war noch versucht worden, die Gruben untertage zu verbinden und eine Gleislinie zum schnelleren Transport der Erze zur Hütte zu erhalten.

Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts erzielten die Gruben die höchste Ausbringung mit über 20.000 Tonnen Zinkerze pro Jahr.

Die Wasserhaltung auf den Iserlohner Gruben geschah mit "Cornwaller Wasserhaltungsmaschinen", und im Schacht Westig mittels zweier Dampf-Lokomobile.

Im Schacht Westig schloss man 1869 bis 1897 mächtige Galmei-Lager in 45 m Teufe auf. Doch wegen der ungenügenden Wasserhaltung musste auch hier der Betrieb eingestellt werden. Die höchste Teufe erreichte "Tiefbau von Hövel" mit 205 Meter. Die 8. Tiefbausohle wurde in 182 Metern Tiefe angesetzt. "Krug zu Nidda" kam auf 136 Meter, wobei das Erz in diesen Teufen nicht mehr als Galmei, sondern als Zinkblende vorlag. Konnte man die großen Galmeilager noch leicht mit der Erzkratze hereingewinnen, so musste die Zinkblende losgesprengt werden.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts fördert die Stadt Iserlohn ca. 3,5 Millionen m³ Trinkwasser/Jahr aus den Gruben.

Neben den bekannten Zink-Gruben wurde in Iserlohn auch auf Eisen, Blei und Kupfer gebaut.

  • auf Eisen bauten die Grubenfelder: ADDA, AGNES, ANGELA, BERTHA 2, BERTHA et OTTILIUS, CARLS HÜTTE, FRANZISKA, FRANZ LUY, FRIEDRICH, GRAFSCHAFT OSTEN I und II, HERMANN, HERMANN DIEDRICH, HONSELMANN, LEOTINE, MORITZ-CASIMIR 2, NEUGLÜCK, SCHELCK I und II
  • auf Eisen und Mangan baute man in VICTORIA I und II
  • auf Kupfer und Blei baute man in ERZGEBIRGE II, auf Kupfer in JOHANNA und FRANZ
  • auf Zink und Blei am KUPFERBERG und auf GALLMEY
  • auf Schwefelkies in HERMANN und DOROTHEA

Im Rahmen der Autarkiebestrebungen des III. Reiches wurde die Grube "Erzgebirge II" wieder aufgewältigt. Sechs Stollen wurden auf das Bleilager vorgetrieben. Aber bereits 1940 stellte man wegen Erfolglosigkeit die Arbeiten wieder ein.

Hier, am Bräker Kopf, haben sich neben dem Adlerstollen die einzigen sichtbaren Spuren des Iserlohner Bergbaues erhalten. Der Adlerstollen ist auch heute noch begehbar bis zu einem Verbruch im Bereich des Bahnhofs am Übergang zum Abbau "Altegrube".

Die Messingindustrie in und um Iserlohn beruht auf dem Jahrhunderte währenden Bergbau auf Zinkerze und des daraus erstellten Werkstoffes Messing. Waren es früher Gürtelschnallen, Lampen, Sporen, Tabakdosen u.a., so fertigt die heimische Industrie heute vielfältige Dinge des alltäglichen Lebens: Messinghalbzeuge, Dekorationsartikel und Sanitärarmaturen. So betreibt z.B. die Sanitärarmaturenfirma GROHE in Hemer die größte Messinggießerei Europas. Leider ist die Erinnerung an den Bergbau in der Bevölkerung kaum noch präsent. Nur einige Straßennamen und Flurbezeichnungen erinnern noch an den Bergbau.

Ausführlich berichtet Herr Rolf Klostermann über den Bergbau in dem Buch "Der Bergbau in Iserlohn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts".


Mineralien

Die in der Liste aufgeführten Mineralien konnten, was die Sekundärmineralien angeht, auf der Zinkaschenhalde in Genna gefunden werden. Diese Halde wurde in den 90er Jahren abgedeckt und renaturiert. Weiterhin sind Mineralien aus der unmittelbaren Umgebung von Iserlohn aufgeführt. So die Mineralien des Kupferberges bei Letmathe.

Die letzte Möglichkeit, aus den alten Gruben noch Mineralien zu gewinnen, war ca. 1994. Zu der Zeit modernisierten die Stadtwerke Iserlohn den Schacht Westig zur Wassergewinnung. Die Grube wurde gesümpft, sämtliche Relikte des Bergbaus wurden ausgebaut und in die alten Abbaue wurde ca 150 m³ Beton verpresst. Leider gelangten nur wenige Stücke in Sammlungen. Dabei handelt es sich um Galenit, Hemimorphit und Galmei. Die Stufen sind durch das Wasser unansehnlich korrodiert.

Galmei kann im Raum Iserlohn bei Ausschachtungsarbeiten immer noch gefunden werden, wird aber i. d. R. übersehen.

Ein bekannter Sammler der Mineralien Iserlohns und der Umgebung war BRAKENSIEK. Er veröffentlichte mehrere Schriften, darunter "Ein Streifzug durch die Welt heimatlicher Mineralien"


Fossilien

Iserlohn und die angrenzenden Orte sind auch als gute Fundorte für Fossilien bekannt. Der wohl bekannteste Sammler war Dr. TORLEY. Er veröffentlichte mehrere Bücher. Darunter "Die Fauna des Schleddenhofes bei Iserlohn" (1908) sowie 1934 "Die Brachiopoden des Massenkalkes der Oberen Givet-Stufe von Bilveringsen bei Iserlohn". TORLEY berichtet, es sei nahezu unmöglich, den Fossilreichtum dieser Gegend auch nur annähernd darzustellen.

Ein weiterer bekannter Kenner der Fossilien Iserlohns war Dr. DENCKMANN

Mineralien (Anzahl: 150)

Mineralbilder (12 Bilder gesamt)

Galmei-Zapfen (Stalaktit)
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Galmei-Zapfen (Stalaktit)  D

sehr altes Stück einer seltenen Form des Zinkerzes Galmei; Fundort: Iserlohn, Sauerland, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Copyright: der Sauerländer
Beitrag: der Sauerländer 2006-03-26
Mehr   MF 
Hydrozinkit auf Galmei
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Hydrozinkit auf Galmei

Fundort: Iserlohn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland; Bildbreite ca. 4 mm

Copyright: der Sauerländer
Beitrag: der Sauerländer 2006-01-29
Mehr   MF 
Hemimorphit
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Hemimorphit

Fundort: Iserlohn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland; altes Stück aus dem ehemaligen Bergbau

Copyright: der Sauerländer
Beitrag: der Sauerländer 2006-03-26
Mehr   MF 

Gesteine (Anzahl: 13)

Gesteinsbilder (1 Bilder gesamt)

Grauwacke mit Quarz
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Grauwacke mit Quarz

Fundort: Iserlohn, Sauerland, Deutschland; Stufengröße: 80 x 45 mm

Copyright: Klinoklas
Beitrag: Klinoklas 2007-03-19
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Fossilien (Anzahl: 17)

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Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Göke,G. (1962). Die Fluoreszenz von Calcit-Neubildungen im Massenkalk. Aufschluss, Jg.13, Nr.5, S.124.
  • Schäfer,G. & Pfefferkorn,H. (1964). Schwarze Quarze aus dem Massenkalk von Iserlohn. Aufschluss, Jg.15, Nr.9, S.242-43.
  • Schaeffer,R. (1975). Zinkerzlagerstätten im Massenkalk von Iserlohn/ Sauerland. Aufschluss, Jg.26, Nr.3, S.114-18.
  • Emonts-Pohl,A. & Kjäer,H. (1975). Eine Fundstelle von Stringecephalus burtini bei Iserlohn. Aufschluss, Jg.26, Nr.3, S.119-21.
  • Wrede,V. (1977). Einige Aufschlüsse im Devon von Letmathe im Sauerland. Aufschluss, Jg.28, Nr.4, S.151-55.
  • Seyb,W. & Tisch,W. (1990). Zehn interessante Fundstellen im Sauerland. Min.-Welt, Jg.1, Nr.1, S.44-45.
  • Rolf Klostermann (1996): Der Bergbau in Iserlohn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
  • Doc Diether

Quellenangabe/Text


Einordnung