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Odenwald

Geographische Übersicht

Der nördliche und westliche Teil des Odenwalds liegt in Hessen, der Süden in Baden-Württemberg, ein kleiner Bereich entlang des Mains im Osten befindet sich noch in Bayern.

Der Odenwald wird im Westen vom Oberrheingraben begrenzt, das Maintal bildet im Osten die Grenze zum Spessart, im Süden schließen sich der Kraichgau und im Südosten das Bauland an. Im Norden grenzt der Odenwald an den Sprendlinger Horst und die Rhein-Main-Ebene. Die höchste Erhebung des Mittelgebirges ist mit 626 m der Katzenbuckel im Neckar-Odenwald-Kreis.

Geologie

Der Odenwald gehört zu den Varisciden – ein Gebirge welches bei der Kollision der Paläo-Kontinente Gondwana und Euramerika im mittleren Karbon, vor etwa 360-290 Mio. Jahren entstand. Im Zuge der variszischen Orogenese bildeten sich neben dem Odenwald unter anderem das Rheinische Schiefergebirge, Harz, Schwarzwald, Erzgebirge und der Spessart. Diese Aufbrüche des Grundgebirges sind Teil der sogenannten Mitteldeutschen Kristallinschwelle – eine Reihe von mehr oder weniger isolierten Kristallingebieten - die von der Haardt im Pfälzerwald über den kristallinen Odenwald und Spessart, das Ruhlaer Kristallin und Kyffhäuser bis nach Osteuropa verlaufen.

Geologische Karte
Geologische Karte

Vereinfachte Geologische Karte des kristallinen Odenwalds (inkl. Sprendlinger Horst)

Erik

Der westliche und nördliche Teil des Odenwalds wird aus kristallinen Gesteinen aufgebaut, im Osten werden diese von Buntsandstein überlagert. Der kristalline Odenwald wird durch eine etw N-S streichenden Störungszone – der Otzberg-Zone – in zwei lithologisch unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Der Bereich westlich der durch tektonische Brekzien gekennzeichneten Scherzone wird als Bergsträsser Odenwald bezeichnet, der wesentlich kleinere Bereich im Osten heißt Böllsteiner Odenwald. Die Otzberg-Zone wurde sehr wahrscheinlich frühvariszisch angelegt, während der variszischen Orogenese fand an ihr eine sinistrale Seitenverschiebung statt. Im Tertiär wurde die Störung beim Einbruch des Oberrheingrabens reaktiviert, was an verschiedenen Stellen zum Aufstieg von basaltischen Schmelzen führte.

Der Bergsträsser Odenwald setzt sich grob aus drei, voneinander durch Scherzonen getrennte Schollen (Frankenstein-Komplex, Flasergranitoid-Zone und südlicher Bergsträsser Odenwald) mit unterschiedlichen Metamorphosealtern zusammen, welche während der variszischen Orogenese zusammengeschoben wurden. Generell wechseln sich im Bergsträsser Odenwald variszisch streichende Schieferzüge aus metamorphen Gesteinen Plutoniten ab.

Die Metamorphite des Bergsträsser Odenwalds gingen aus altpaläozoischen bis proterozoischen Sedimenten, vulkanischen Gesteinen und Granitoiden hervor und liegen heute als Glimmerschiefer, Para- und Orthogneise, Amphibolithe, Kalksilikatfelsen und Marmore vor.

Die in die metamorphen Gesteine eingedrungenen Plutonite besitzen ebenfalls ein variszisches Alter, intrudierten allerdings in zwei Etappen. Vor etwa 360 Ma stiegen die Gabbros des Frankenstein-Massivs empor, etwa 30 Ma später folgten die Diorite und Granite im Süden.

Der Böllsteiner Odenwald östlich der Otzbergzone besteht aus rheinisch streichenden, zum Teil wesentlich älteren Metamorphiten. Der Kern wird aus Orthogneisen gebildet, welche aus frühdevonischen Granodioriten und Graniten hervorgegangen sind. Die Orthogneise werden von einer Hülle aus einer Serie von altpaläozoischen Sedimenten und Vulkaniten, welche heute als Paragneise und Amphibolithe vorliegen, umgeben. Das Metamorphosealter der Gesteine des Böllsteiner Odenwalds liegt bei etwa 370 Ma.

Im Perm wird das Gebirge unter semiariden Bedingungen eingeebnet, das Schuttmaterial lagert sich als Arkose in Becken ab und es kommt es zu einem starken Vulkanismus: Sowohl im Süden, um Schriesheim, als auch im Norden bei Groß-Umstadt ergießen sich zT. ignimbritische Rhyolithe, im Norden und im Sprendlinger Horst steigen in den Rotliegenden-Becken Melaphyre auf. Das von Norden her transgredierende Zechsteinmeer hinterläßt nur wenig mächtige Dolomite, zT mit Eisen-Mangan-Erz-Anreicherungen, und Tonsteine.

Die überlagernden, etwa 400m mächtigen Schichten des Buntsandsteins wurden wiederum unter wüstenhaften Bedingungen und durch große Flußsysteme im Kontinentalbereich abgelagert, kürzere marine Ingressionen dürften dennoch eine Rolle gespielt haben.

Muschelkalk ist nur im östlichen Odenwald in Einbruchsgräben des Buntsandsteins und im angrenzenden Kraichgau erhalten geblieben. Dennoch muss der Muschelkalk im gesamten Odenwald abgelagert worden sein, da im Schlot des Katzenbuckels hineingestürzte Sedimente des Doggers (Mittlerer Jura) auftreten.

Im Tertiär kommt es zum Einbruch des Oberrheingrabens, damit im Zusammenhang steht der basaltische Vulkanismus an Störungszonen, desgleichen entstanden hier wohl aus aszendenten bariumführenden hydrothermalen Lösungen die, den Odenwald durchziehenden, teilweise erzführenden und verkieselten Schwerspatlagerstätten.


Bilder

Rhyolith
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Rhyolith

Rotliegendes. Odenwald, Hessen.

Sammlung: Hessenpark
Copyright: Doc Diether
Beitrag: Doc Diether 2012-11-30
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Unterer Buntsandstein
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Unterer Buntsandstein

Odenwald, Hessen.

Sammlung: Hessenpark
Copyright: Doc Diether
Beitrag: Doc Diether 2012-11-30
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Quellangaben


Literatur:

  • G.C. Amstutz, S. Meisl und E. Nickel (1975). Mineralien und Gesteine im Odenwald. Aufschluss, Sonderh. Nr.27, 344 S.
  • Fettel, M. (1975). Bergbaugeschichte des Odenwaldes. Aufschluss, Sonderb, 27, S.267-80.
  • Schnellbächer, K. (1980). Mineraliensammeln im Odenwald. Lapis, Jg.5, Nr.7, S.47-48.
  • NICKEL, E. und FETTEL, M. (1985): Sammlung Geol. Führer, Bd. 65: Odenwald, Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg; Gebr. Bornträger, Berlin-Stuttgart.
  • Prinz-Grimm, Peter und Grimm, Ingeborg (2002): Slg. geol. Führer, Bd.93: Wetterau und Mainebene; Gebr. Bornträger, Berlin-Stuttgart.
  • Henningsen, Dierk, Katzung, Gerhard (2006): Einführung in die Geologie Deutschlands, 7. Aufl. (Springer).
  • Schröder, H.-P. (2010). Odenwälder Sammlerlegenden. Lapis, Jg.35, H.11, S.37-40.
  • T. M. Will, B. Schulz, E. Schmädicke: The timing of metamorphism in the Odenwald–Spessart basement, Mid-German Crystalline Zone. International Journal of Earth Sciences Vol. 106, Issue 5 (2017) S. 1631–1649.
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Odenwald
  • http://www.geo-naturpark.net/daten/geologie/geologie-geopark.php?navid=5

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