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Grube Buhlenkamp

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Rheinland-Pfalz / Altenkirchen (Westerwald), Kreis / Brachbach / Grube Buhlenkamp

An­fahrts­be­sch­rei­bung

Der Stollen ist an einem Waldweg gelegen. Der Schacht liegt mitten im Wohngebiet auf privatem Grund und Boden.

Auf­schluss­be­sch­rei­bung

Anlage von Schurfen im Zuge der Mutung. Später erfolgte Abbau im Tiefbau. Schlechte Fundmöglichkeiten.

Fund­s­tel­len­typ

Bergwerk (aufgelassen/alt)

Zu­gangs­be­schrän­kun­gen

Der Stollen ist massiv verschlossen, der Schacht verfüllt.

Letz­ter Be­such

wöchentlich

GPS-Ko­or­di­na­ten

Grube Buhlenkamp



Grube Buhlenkamp

WGS 84: 
Lat.: 50,8202902° N, 
Long: 7,9413599° E
WGS 84: 
Lat.: 50° 49' 13,045" N,
   Long: 7° 56' 28,896" E
Gauß-Krüger: 
R: 3425474,
 H: 5632187
Regionale Wetter Information, Macrostrat geologische Karten

Verkürzte Mineralienatlas URL

https://www.mineralienatlas.de/?l=50037
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Verkürzte Pfadangabe

⚒ Buhlenkamp, Brachbach, Altenkirchen, Rheinland-Pfalz, DE
Nützlich für Bildbeschreibungen und Sammlungsbeschriftungen

Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Weitere Funktionen

Bilder von Fundstellen (5 Bilder gesamt)

Stollen Buhlenkamp
Aufrufe (Bild: 1571654096): 70
Stollen Buhlenkamp

Ablagerungen in einer Abbaustrecke

Sammlung: Niklas Irlich
Copyright: Niklas Irlich
Beitrag: NickLich 2019-10-21
Stollen Buhlenkamp
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Stollen Buhlenkamp

Flügelort in Streichrichtung des Ganges

Sammlung: Niklas Irlich
Copyright: Niklas Irlich
Beitrag: NickLich 2019-10-21
Stollen Buhlenkamp
Aufrufe (Bild: 1571653912): 70
Stollen Buhlenkamp

Flügelort in Streichrichtung des Ganges. Schutzraum im 2. Weltkrieg.

Sammlung: Niklas Irlich
Copyright: Niklas Irlich
Beitrag: NickLich 2019-10-21

Ausführliche Beschreibung

Die Geschichte der Grube Buhlenkamp

Text: Niklas Irlich

Im äußersten Norden der Gemarkung – auf dem sogenannten Gebirge Kamp - wurde am 13. April 1830 durch den von Weitz'schen Schichtmeister Peter Weller aus Neunkirchen beim Oberbergamt in Bonn ein Kobaltvorkommen gemutet. Dabei soll es sich nach vorliegenden Aufzeichnungen allerdings nicht um den ersten Genehmigungsantrag gehandelt haben. So gibt ein, durch den königlichen Berggeschworenen Dormann niedergeschriebenes „Actum auf der Kobaltzeche Bulenkamp“ vom 08. Mai 1830 zu verstehen, dass das Vorkommen schon einige Jahre zuvor in Schurfen und durch einen Schacht aufgesucht und „neuerdings gemutet, indem die ältere Mutung aus Versehen nicht wieder verlängert worden, auch nunmehr der Belehnung angestanden hat“. Wann und in welchem Umfang hier erstmals bergbauliche Tätigkeiten stattfanden, wird verschwiegen. Bekannt ist allerdings, dass es bis zu diesem Zeitpunkt nie zu einer Eigentumsverleihung kam und bei der Mutung blieb. Der Grund dafür lag in der ungewissen Beschaffenheit des Ganges, die den Eigentümer an einem längerfristigen Betrieb hatte zweifeln lassen. Auch verzögerte eine mangelhafte Frischwetterzufuhr die Ausrichtungsarbeiten von Seiten des Schachtes sehr zum finanziellen Nachteil für die Gewerkschaft.

Zur erneuten Mutung vom 13. April 1830 befand sich ein vom Ufer der Sieg angesetzter Stollen im Vortrieb und war mit dem Schacht durchschlägig. In Folge dessen konnte nun mit dem Aufschließen des Ganges, dessen Streichrichtung sich durch einen Anbruch während des Stollenvortriebs offenbarte, begonnen werden. Im Zuge der Vorrichtung enthüllte sich der Gang von West nach Ost streichend mit einem durchschnittlichen Einfallen von 58 bis 65° nach Südosten und einer Mächtigkeit von bis zu 6 m und zeigte sich damit als hinreichend bauwürdig. Daher wurde am 23. Juni 1830 durch das Oberbergamt Bonn das Bergwerkseigentum „Bulenkamp“ in Form eines Längenfeldes, gebildet aus einer Fundgrube, einer nördlichen und einer südlichen Maß, verliehen. Es lässt sich nur erahnen, warum der Betrieb in kürzester Zeit – nämlich nach nur wenigen Monaten - ein jähes Ende nahm. Vermutlich waren es, wie zu dieser Zeit nur allzu oft finanzielle Schwierigkeiten des Eigentümers, die einen weiteren Aufschluss nicht realisierbar machten. Der Grubenbetrieb fiel in Folge dessen ins Bergfreie.

Fünf Jahre später entdeckte der aus Hagen stammende Johannes Raupe gewinnbringendes Potential in der Grube und meldete sie am 31. September 1835 zur Mutung an, ließ diese jedoch aus unbekannten Gründen verfallen, sodass es am 23. Mai 1836 zu einem erneuten Antrag durch ihn kam. Der bei rund 80 m südlich des Stollenmundlochs aufgeschlossene Gang setzte im Grauwackenschiefer auf und bestand in der Hauptsache aus Quarz mit darin enthaltenen Einsprengungen aus recht seltenem Skutterudit sowie derbem Pyrit bzw. Chalkopyrit und wurde im Streichen zu beiden Stößen des Stollens hin auf einer Länge von 28 m erfolgreich unterfahren. Im Hangenden des Ganges wurde Brauneisenstein angetroffen. Am 28. Juli 1836 wurde das Bergwerkseigentum an Raupe verliehen und hatte bis zum Jahre 1860 Bestand. Durch Beschluss des Bergamtes Siegen wurde die Verleihung aufgrund eines nicht gezahlten Rezessgelds für das Jahr 1859 am 27. März 1860 widerrufen. Der Bulenkamp fiel erneut in die Bergfreiheit.

Der Hüttenschulze der Alten Brachbacher Blashütte, Johann Peter Euteneuer, erkannte postwendend einen Vorteil für sich in der Grube, denn war wie geschildert ein Aufschluss des Ganges bereits erfolgt und für die Förderung relevante Grubenbaue schon aufgefahren. Mit einer neuen Mutung des Grubenfeldes, jetzt neben dem begehrten Skutterudit auch auf Limonit, Pyrit und Chalkopyrit ausgedehnt, hatte er die Möglichkeit, einen eigentlich vollwertigen Grubenbetrieb zu übernehmen. Am 04. April 1860 meldete er den Bulenkamp zur erneuten Mutung an und legte dieser einen Antrag auf Erweiterung der Abbauerlaubnis und unverzüglicher Verleihung des Bergwerkseigentums bei.

Im Zuge der bergamtlichen Feldbesichtigung ließ Euteneuer durch den Berggeschworenen Noeggerath auf Grundlage der kurfürstlichen Bergordnung aus dem Jahre 1589 ein neues Längenfeld aus einer Fundgrube und zwei Maßen nach dem Gangstreichen abstecken. Das benachbarte Längenfeld der Grube Kaiserreich kreuzte die Fundgrube Bulenkamp, wodurch Euteneuer einen geringen Förderausfall hinzunehmen hatte. Am 28. Mai 1861 wurde das Bergwerkseigentum zur „Gewinnung aller darin vorkommenden Kobalt, Kupfer, Eisenerze und Schwefelkies“ verliehen. Nach dem Erlass des „Allgemeinen Berggesetzes für die Preußischen Staaten“ zum 24. Juni 1865 stellte Johann Peter Euteneuer am 31. März 1866 beim königlichen Oberbergamt in Bonn den Antrag auf Umwandlung seines Längenfeldes Bulenkamp in ein Geviertfeld. Vermutlich häuften sich nach Verabschiedung der neuen Gesetze im heimischen Bergbau Anträge dieser Art auf den Schreibtischen der Bergbehörde und so zog sich die Bearbeitung des Umwandlungsantrages für Bulenkamp über zwei Jahre hinweg. Am 15. August 1868 bestätigte das Oberbergamt schließlich die Umwandlung in das Geviertfeld Bulenkamp. Wohl um das Jahr 1875 soll der Betrieb sein endgültiges Ende gefunden haben. Zahlen zur Belegschaft und zur Förderleistung haben sich über die Stilllegung hinaus nicht erhalten können.

Im Jahre 1944 wurde der Stollen der Grube Bulenkamp zu Zwecken des Personenschutzes vor alliierten Luftangriffen zum untertägigen Schutzraum umfunktioniert. Insbesondere Familien aus dem Brachbacher Hinterdorf aber auch Familien aus Mudersbach fanden hier Zuflucht, Sicherheit und auch ärztliche Versorgung. So hatte der in Mudersbach seit 1939 praktizierende Hausarzt Dr. Walter Pohl im Stollen eine Notpraxis eingerichtet. Dessen Sohn Dr. Rainer Pohl – Jahrgang 1944 und von 1972 bis 2012 ebenfalls Hausarzt in Mudersbach – wusste im Gespräch mit dem Autoren zu berichten:

„Mein Vater hat in den letzten Tagen des Krieges bei den Bombenangriffen auf unsere Region im Stollen Praxis hauptsächlich für die Brachbacher Bevölkerung abgehalten. Die Brücke über die Sieg war wohl zerstört und es gab nur eine hölzerne Behelfsbrücke, über die mein Vater täglich zur Praxis in Mudersbach und zu den Stahlwerken der Charlottenhütte, wo er als Werksarzt tätig war, fuhr. Vorübergehend war unsere Familie dort untergebracht, gemeinsam mit vielen Brachbacher Familien. Ich soll dort im Kinderbett unter einem umgedrehten Regenschirm gelegen haben. Mein Vater hatte wohl einiges an Instrumentarium in den Stollen verlagert und dort mit weißem Kittel Notsprechstunden abgehalten. Insbesondere wurden Asthmakranke, Schwerverletzte und nicht transportfähige Patienten versorgt.“

In der Nachkriegszeit soll es im Stollen den Versuch gegeben haben, Champignons zu züchten. Die Resultate des Vorhabens jedoch waren mäßig und für einen sinnhaltigen Betrieb nicht ausreichend. Das Stollenmundloch wurde aus Gründen der Gefahrenabwehr schließlich mit einem Eisengitter verschlossen und der alte Tagesschacht durch Verfüllen und Abdecken mit einer Betonplombe verwahrt. Mit den Jahren stürzte Gestein, Erde und Geäst von dem über dem Mundloch befindlichen Steilhang in den Einschnitt und setzte diesen mehr und mehr zu. Das dadurch aufgestaute Gebirgswasser setzte den Stollen bis zu einem Meter hoch unter Wasser. Wahrlich über Jahre hinweg ein äußerst trostloser Anblick.

Im Jahre 2009 wurde die über dem Stollen verlaufende Karl-Dresler-Strasse großzügigen Sanierungsarbeiten unterzogen. In Folge dessen wurde das ursprüngliche Stollenmundloch von Gestein, Erde und Geäst freigelegt und der söhlige Ablauf des Wassers wieder hergestelt. Aus Sicherheitsgründen wurde eine aus Betonfertigteilen errichtete Verlängerung zum Siegufer hin ausgeführt. Was der Gefahrenabwehr für den Straßenverkehr diente, sollte sich für Wanderer auf dem Grubenwanderweg, wie all die Jahre zuvor auch, nicht gerade als Schmuckstück der bedeutenden Bergbauvergangenheit Brachbachs erweisen. Und so erhielt auch dieser Stollen noch im gleichen Jahr durch eine Interessengengemeinschaft unter Anleitung des Maurers Hugo Irlich ein aus Grauwackenschiefer neu errichtetes Stollenmundloch und erinnert so auch in Zukunft an die schwere Bergmannsarbeit in unserer Heimat.

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