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Wäschertskaulen

Steckbrief

Fund­s­tel­lenpfad

Deutschland / Rheinland-Pfalz / Birkenfeld, Landkreis / Idar-Oberstein / Idar / Wäschertskaulen

An­fahrts­be­sch­rei­bung

0,5 - 1 km O Tiefenstein. 1,5 km Idar.

Auf­schluss­be­sch­rei­bung

Steinige Äcker: Lesesteine.

Zu­gangs­be­schrän­kun­gen

Man sollte während der Vegetationsperiode hier nicht suchen, sondern vor der Aussaat und nach der Ernte.

GPS-Ko­or­di­na­ten

Wäschertskaulen



Wäschertskaulen

WGS 84: 
Lat.: 49,73634761° N, 
Long: 7,29644382° E
WGS 84: 
Lat.: 49° 44' 10,851" N,
   Long: 7° 17' 47,198" E
Gauß-Krüger: 
R: 2593499,
 H: 5511890
Regionale Wetter Information, Macrostrat geologische Karten

To­po­gra­phi­sche Kar­te

TK6209

Verkürzte Mineralienatlas URL

https://www.mineralienatlas.de/?l=44080
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Verkürzte Pfadangabe

Wäschertskaulen, Idar, Idar-Oberstein, Birkenfeld, Rheinland-Pfalz, DE
Nützlich für Bildbeschreibungen und Sammlungsbeschriftungen

Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Weitere Funktionen

Ausführliche Beschreibung

Auf der heutigen Hochfläche von Haag und Wäschertskaulen sind die Fundmöglichkeiten durch Neubauten und durch Grünflächennutzung stark eingeschränkt. In früheren Jahren war diese Heide von Äckern durchzogen und es wurde jeder kleine Flecken zur Landwirtschaft genutzt. Achate und Jaspisse konnten allenthalben aufgelesen werden. Aus dieser Zeit stammen die beiden hier gezeigten Achatmandeln.

Ein weiteres interessantes, nicht einheimisches Fundstück wird hier im Folgenden beschrieben:

Achat-Artefakt mit Spuren altertümlicher Bearbeitung von Wäschertskaulen

Unter Umständen kann es sein, dass sich in achatführenden Zonen, die eifrig besammelt werden, sich auch Achate nicht lokaler Provenienz finden. Der Grund hierfür liegt darin, daß die frühen Edelsteinschleifer in der Regel auch Nebenerwerbsbauern waren, die, um die Existenz ihrer Familie sichern zu können, Ackerfrüchte anbauten. Für einen produktiven Acker ist eine gute Düngung unerläßlich. Diese Düngung geschah damals hauptsächlich durch das Beifahren von Mist aus dem eigenen Misthaufen. Auf diesem Misthaufen landeten aber neben dem Dung der Tiere auch Küchenabfällen und allenthalben der Abfall der eigenen kleinen Schleiferei: zu kleine oder zu schlechte Rohsteine, zerbrochene Teile von Werkstücken – unter anderem auch das kleine, hier besprochene Artefakt, das auf einem Acker in der Nähe von Vollmersbach gefunden wurde.

Achat
Achat

Dieser (brasilianische) Achat von Wäschertskaulen hat eine Größe von etwa 4,5 cm.

Klaus Schäfer

Es stellt sich als etwa 40mm großer Achatsplitter dar, der auf zwei Seiten mechanisch abgeflacht wurde. Durch das Stück verlaufen parallele weiße undurchsichtige Bänder, die von transluzenten Partien umgeben sind. Auch den abgeflachten Seiten finden sich parallele Kratzspuren, die von der Bearbeitung herrühren. Allerdings befinden sie sich nur im transluzenten Bereich, nicht in den Bändern. Aussehen und Beschaffenheit deuten bei diesem Stein auf das Ursprungsland Brasilien. Diese Kratzspuren sind Zeugen der Bearbeitung des Steines. Für Bearbeitungsspuren einer schleifenden Tätigkeit sind sie enorm tief. An ihren Rändern sind die Kratzer ausgebrochen, zerplatzt und viele Fragmente des Steines wurden an den Kanten der Kratzer abgesprengt. Es sind Spuren einer enorm abrasiven Tätigkeit, bei der es mehr auf Schnelligkeit denn auf Genauigkeit ankam.

In den parallelen weißen Bändern im rechten Bereich fand ein Zerplatzen der Oberfläche des Steines in der Nähe des Kratzers nicht statt, da diese Bänder einen anderen, viel dichteren Aufbau haben. Man spricht hier auch von einer sogenannten „harten Lage“, die im Gegensatz zum Rest des Steines zudem auch nicht einfärbbar ist.

Skizze 2
Skizze 2

Risse durch Trockenschliff abhängig von der Struktur des Steines

Klaus Schäfer

Erzeugt wurden diese Spuren durch ein relativ trockenes (ja staubtrockenes) Abbrennen des Achates an einem Sandsteinrad. Achat und Sandsteinrad haben die gleiche Härte (beide bestehen aus Quarz). Die Mineralogie lehrt uns, dass Materialien gleicher Härte sich nur mit großem Kraftaufwand ritzen oder abschleifen können. Daher ist ein Schleifen von Achat am Sandsteinrad immer ein Abbbrennen. Läuft dieses unter kontrollierten Bedingungen ab, mit ausreichender Kühlung und maßvollem Druck, erzielt der Schleifer damit eine solch feine Oberfläche, dass er die Werkstücke direkt anschließend polieren kann. Neben Kühlung und Andruck ist hierfür die Oberfläche des Sandsteinrades maßgeblich, das selbst auch abgerichtet und eingearbeitet sein muss, damit die Körner seiner Oberfläche keine allzu scharfen Kanten besitzen. Scharfe Kanten der Schleifkörner waren bei der Bearbeitung des Artefaktes aber gerade erwünscht. Sandsteinräder werden im Steinbruch gebrochen, von einem Steinmetz grob in Form gehauen, auf die Welle gezogen und befestigt und dann mittels eines langen Eisenrohres in eine unwuchtfreie und glatte Form abgedreht (ähnlich wie beim Drechseln von Holz mittels eines Beitels). Durch die Reibung des Sandsteines am Eisenrohr entsteht große Reibungshitze, die den Verbund der Sandsteinkörner löst, sowie deren Inneres zerreißt. Nur so ist es möglich, dass ein eigentlich weicheres Material (Eisen) ein bedeutend härteres (Quarz) formen kann. Die frisch abgedrehten Räder sind enorm „scharf“ (abrasiv). Diese Schärfe kann man erhalten, indem man die zu schleifenden Werkstücke ebenfalls (annähernd) trocken am Sandstein formt. Die enorme Staubentwicklung ist ein Nachteil, der in den frühen Jahren der Edelstein-Industrie zu chronischen Erkrankungen der Schleifer führte.

Doch wozu war es notwendig, eine solche „Schärfe“ des Rades zu besitzen, den Stein - auch auf Kosten der Gesundheit - schnell abschleifen zu können ? Um es auf den Punkt zu bringen: es fehlte die heutige präzise Technik des Schneidens der Rohsteine. Die Rohsteine wurden Zerschlagen oder durch Reißen geteilt.

Skizze 1
Skizze 1

Das Reissen einer großen Achatmandel

Klaus Schäfer

Dem Reißen ging meist das umständliche Anfertigen eines Schnittes mittels primitiver handgeführter Metallsägen, deren Schneidwirkung durch das Einstreuen von Sand oder Korundpulver in den Schnitt erzeugt wurde, voraus. In den Schnitt wurde dann ein Keil eingeführt und mittels Schlägen auf den Keil wurde der Rohstein zerteilt*. Die durch Zerschlagen oder Reißen erzeugten Werkstücke wurden dann am Sandstein grob in ihre Form gedrückt. So war das Anfertigen einer Platte (wie sie zum Beispiel für die Herstellung von Dosen unerlässlich war ) anders als heute, wo es nicht mehr als zweier paralleler Schnitte mit einer Diamantsäge bedarf, eine mit großem Arbeitsaufwand verbundene Herausforderung.

  • Diese Technik des Reißens wird auch heute noch angewandt, um Zeit beim Zerteilen großer Achatmandeln zu sparen. Heutzutage wird der Anschnitt allerdings mit moderner Technik angebracht.

Mineralien (Anzahl: 8)

Mineralbilder (11 Bilder gesamt)

Jaspis
Aufrufe (Bild: 1294238402): 2339
Jaspis

Rheinland-Pfalz / Hunsrück / Idar-Oberstein /Wäschertskaulen. L:15cm.

Sammlung: Doc Diether
Copyright: Doc Diether
Beitrag: Doc Diether 2011-01-05
Mehr   MF 
Jaspis mit Achatstrukturen
Aufrufe (Bild: 1294238244): 2051
Jaspis mit Achatstrukturen

Rheinland-Pfalz / Hunsrück /Idar-Oberstein /Wäschertskaulen. L:14cm.

Sammlung: Doc Diether
Copyright: Doc Diether
Beitrag: Doc Diether 2011-01-05
Mehr   MF 
Jaspis
Aufrufe (Bild: 1320683785): 1530
Jaspis

Größe: 12 x 7 x 4 cm; Fundort: Wäschertskaulen, Tiefenstein, Idar-Oberstein, Hunsrück, Rheinland-Pfalz, Deutschland; Eigenfund 1968

Copyright: highgrader
Beitrag: highgrader 2011-11-07
Mehr   MF 

Fossilien (Anzahl: 1)

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Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Leyser, R. (1956). Mineralfundstellen im oberen Nahe-Gebiet. Aufschluss, Sonderb.3, S.35-39.
  • Schmeltzer, H. (1977). 'Katzeldonien und gut Rötelstein': Eine Auswahl wichtiger Fundstellen aus der Pfalz. Lapis, Jg.2, Nr.6, S.6-10.
  • Weiss, S. (1990). Mineralfundstellen Atlas, Deutschland West. Weise Verlag, München, S.118.
  • Schäfer, K. (2006). Schatzjagd im Hinterhof: Achat-Neufunde auf Wäschertskaulen, Idar-Oberstein. Lapis, Jg.31, Nr.4, S.26-30.