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Die Pützlöcher bei Butzweiler

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Rheinland-Pfalz / Trier / Butzweiler / Pützlöcher

Verkürzte Mineralienatlas URL:

https://www.mineralienatlas.de/?l=8032
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Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Ausführliche Beschreibung

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Rund 1700 Meter nördlich der Kirche von Butzweiler am Hang des Butzerbachtales beobachtet man im Bereich der "Pützlöcher" umfangreiche Spuren einer von der Antike bis in die Neuzeit reichenden Erz- und Steingewinnung. Nach derzeitigen Erkenntnissen zählen die Pützlöcher, auch "Pützhecke" oder "Pützley" (Pütz beddeutet Wasserloch) genannt, zu einem der ältesten bekannten römischen Bergbaue in Deutschland. Er galt der Gewinnung von Azurit, der als mineralisches Blaupigment Verwendung fand.

Erstmals wurden Sie um 1850 von Pfarrer Ph. Schmitt beschrieben. Eine erste Vermessung der Gruben und Steinrüche erfolgte durch das Rheinische Landesmuseum in Trier 1928. 1967 und 1990/91 wurden neben den 3 bereits bekannten Schächten 6 weitere Schachte durch umfangreiche Freilegungsarbeiten entdeckt. Eine 5x4 m große Weitung findet sich 8 Meter vom Eingang entfernt. Von dieser gehen ein ca. 45 m langer Hauptstoß mit mehreren Abzweigen sowie 3 Nebenstrecken ab. Die längste Nebenstrecke misst ca. 15 m.

Zum Aufspüren der Erzadern wurden gewissenhaft erstellte, kreisrunde ovale Schächte senkrecht abgeteuft. Der Durchmesser liegt im Schnitt bei 1,15 bis 1,25m. Wurde der Abbau des Azurithorizontes als lohnend angesehen, wurden von der Schachtsohle aus Stollen horizontal vorgetrieben. Die 7 Schächte mit einer Tiefe zwischen 7 und 14 m dienten zudem der Bewetterung und Abtransport des Erzes. Bisher konnte einer der Sieben Schächte nicht vollständig ausgeräumt werden so dass unbekannt bleibt ob er aufgegeben wurde oder in einer tieferen Sohle endet.

An der Mündung des Schachtes Nr. 6 wurden Keramikscherben aus dem 2.Jahrhundert gefunden, die als Anhaltspunkt für die Befahrung heran gezogen werden.

Panoramablick über die Steinbruchsohle des römischen Steinbruches Putzlöcher mit fünf sichtbaren Schächten. Man beachte den geringen Abstand der Schächte zueinander, der in der Regel nur 3 - 4 m beträgt (vgl. auch Detailplan) Ein solch engständiges Abteufen aufwendiger Explorationsschächte erscheint aus heutiger Sicht kaum sinnvoll, zumal in den Schächten und dem modernen Stollensystem kaum Kupfererzspuren angetroffen wurden. Der wahre Sinn der rönischen Schächte, die eine Tiefe von bis zu 14 m erreichen (vgl.Profil) verbleibt somit weiterhin umstritten. Kultische Handlungen...?



Die Ausbeute scheint, nach den wenigen Vererzungen die heute noch erkennbar sind, relativ gering gewesen zu sein. Das Erz (Azurit u. wenig Malachit) lag in schmalen Gängen im Sandstein. Vermutlich wurde das Bergwerk zu Gunsten eines Steinbruchs nach wenigen Jahren aufgegeben. Zahlreiche Schrotgräben, Keil und Hebelöcher zum Abspalten von Gesteinsquadern lassen einen regen Berieb im Steinbruch erkennen. Auf Quadern verschiedener Fertigungsstadien wurden römische Zahlen gefunden.

Vermutlich dürfte die Inschrift MARCI, die rechts oberhalb des Stolleingangs zu sehen ist den Namen des Steinbruchbesitzers preisgeben. Der Steinbruchbetrieb war vermutlich noch im 3. Jahrhundert im Betrieb. Ein unterhalb der Pützlöcher gefundener Sesterz von Kaiser Maximus Thrax (235-238) lässt darauf schließen. Nach einer Zeit ohne nachweislichen Bergbaubetrieb wurde, wie die über dem Stolleneingang eingehauene Jahreszahl 1781 vermuten lässt, der Bergbaubetrieb nochmals aufgenommen, brachte jedoch auch diesmal kaum Erfolg. Eine letzte Verleihung des Grubenfeldes ist aus dem 19. Jahrhundert bekannt.


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Foto: giantcrystal



Vor dem Stolleneingang
Eingangsbereich des Stollensystems Putzlöcher. Über dem modernen Stollen findet sich eine undeutliche Tafel mit der Jahreszahl 1781 als Beginn der modernen Schürftätigkeit. Weiter rechts, hier nicht mehr im Bild, erscheint die römische Inschrift "Marci", die auf den Steinbruchbesitzer und wahrscheinlichen Betreiber der Untersuchungsschächte hinweist.

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Foto: giantcrystal



Blick in eine größere Weitung in der Nähe des Eingangs, von der verschiedene Strecken und mehrere Schächte abzweigen (vgl. Plan). Rechts hinter der Absperrung Schacht 2. Auch hier sind fast keine Erzspuren im Buntsandstein zu sehen. Die sichtbare grünliche Verfärbung am linken Stoss und am Pfeiler im Vordergrund sind Grünalgen und Moose. Nur ganz vereinzelt lassen sich minimale Inkohlungen im Sandstein nachweisen, in deren randlichen Partien vereinzelt Malachitspuren auftreten. Als Geologe fragt man sich daher unwillkürlich, nach was hier eigentlich mit soviel Aufwand gesucht wurde...

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Foto: giantcrystal



Blick durch den Schacht 2 nach unten Der Durchmesser des sauber kreisrund geschlägelten Schachtes beträgt etwa 1,20 m. Der Schacht wurde in einer Tiefe von ca. 14 m aufgegeben, ohne wesentliche Vererzungen anzutreffen. Heute befindet sich in seinem tiefsten Teil Wasser.

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Foto: giantcrystal



Blick durch den Schacht 2 nach oben. Der Durchmesser des sauber kreisrund geschlägelten Schachtes beträgt etwa 1,20 m, die Tiefe etwa 5 m bis zur Weitung, die anschließend um weitere 8 m unterteuft wurde. Erzspuren sind nirgendwo zu beobachten



Schautafel

Die Erklärungen auf der Tafel finden sich Sinngemäß im Beschreibungstext der Pützlöcher.

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Die Schautafeln mit erklärendem Text und Grubenriss
Foto: giantcrystal

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Grubenriss im Querschnitt
Foto: giantcrystal

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Grubenansicht im Draufblick
Foto: giantcrystal


Der Stollen

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Moderner Untersuchungsstollen im Bereich Putzlöcher um 1780 (oder später) mit schönen Schlegelspuren und Lampennische an rechter Wange. Im Hintergrund erkennt man die gestufte Ortsbrust des 120 m langen Hauptstollens
Foto: giantcrystal

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Der Autor Dr. Thomas Krassmann bei der Arbeit in der Strecke. Gleichzeitig handelt es sich um einen willkommenen Größenvergleich
Foto: giantcrystal

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Ortsbrust eines kurzen Untersuchungsquerschlages nahe der Weitung mit schöner Schräm / Schlegelarbeit (wohl modern, um 1780) und montanarchäologischer Vermessungsmarke
Foto: giantcrystal


Quellangaben

Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Rosenberger, W. et al. (1979). Beschreibung rheinland-pfälzischer Bergamtsbezirke. Bd.4, Bergamtsbezirk Koblenz. S. 168f.

Einordnung