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Teufelskanzel

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Saarland / St. Wendel, Landkreis / Oberthal / Leistberg / Teufelskanzel

Auf­schluss­be­sch­rei­bung

Schürfgräben und Löcher. Fundmöglichkeiten durch Grabungen

Geo­lo­gie

Lithophysen im sauren Vulkanit des Nohfelder Rhyolith-Massives. Permokarbon der Saar-Nahe-Senke.

Zu­gangs­be­schrän­kun­gen

absolutes Sammelverbot. (s.u.)

GPS-Ko­or­di­na­ten

Teufelskanzel



Teufelskanzel

WGS 84: 
Lat.: 49,52859369° N, 
Long: 7,08401113° E
WGS 84: 
Lat.: 49° 31' 42,937" N,
   Long: 7° 5' 2,44" E
Gauß-Krüger: 
R: 2578519,
 H: 5488541
Regionale Wetter Information, Macrostrat geologische Karten

Verkürzte Mineralienatlas URL:

https://www.mineralienatlas.de/?l=6034
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Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Weitere Funktionen

Bilder von Fundstellen (7 Bilder gesamt)

Teufelskanzel bei Oberthal
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Teufelskanzel bei Oberthal

Teufelskanzel von unten während einer Rodungsphase um 2012. Der Hauptfundbereich liegt hier rechts von der Kanzel. Aus dieser Zeit wurden keinerlei Funde publik, trotz des enormen aufgeschlossenen ...

Copyright: Klaus Schäfer
Beitrag: Klaus Schäfer 2016-09-02
Teufelskanzel bei Oberthal
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Teufelskanzel bei Oberthal

Alte Fotografie aus dem Archiv des Steinbruchbetriebers Bier in Oberthal, aufgenommen anläßlich eines offiziellen Ausbeutetages an der Teufelskanzel.

Copyright: Archiv Bier
Beitrag: Klaus Schäfer 2016-09-02
Teufelskanzel bei Oberthal
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Teufelskanzel bei Oberthal

Alte Fotografie aus dem Archiv des Steinbruchbetriebers Bier in Oberthal, aufgenommen anläßlich eines offiziellen Ausbeutetages an der Teufelskanzel.

Copyright: Archiv Bier
Beitrag: Klaus Schäfer 2016-09-02

Ausführliche Beschreibung

Eigentlich ist dies ein malerischer Platz in einem gepflegten Wald. Dennoch soll hier früher das Böse selbst von einem großen, einzeln stehenden, hoch emporragenden Felssporn zu den Verdammten gepredigt haben. Heute inspiriert der Begriff Teufelskanzel zum Spiel mit Assoziationen ebenso wie die Zeichnungen hier gefundener Achate. Deren fantastischen Umrisse, gepaart mit der ungewöhnlichen Form des Nebengesteines, rufen Bilder im Betrachter wach, die er nicht in einem Stein vermutet hätte. Und auf der Teufelskanzel wartet auf den Achatsammler nicht mehr ein böser Dämon, sondern andere exekutive Gewalten, die mit dem Fegefeuer drohen.

Geologie und Bildung der Lithophysen

Einen wichtigen geologischen Bestandteil des Saar-Nahe-Beckens stellt der Vulkanitkörper des Nohfelder-Rhyolith-Massives dar, das sich im frühen Perm, vor etwa 280 Millionen Jahren bildete. Rhyolithe sind saure vulkanische Gesteine mit einem hohen Kieselsäureanteil. Im Vergleich zu den basischen und intermediären Vulkaniten ist ihr Auftreten im Saar-Nahe-Becken räumlich und zeitlich stärker begrenzt. G. Müller teilt dieses großräumige Vorkommen in mehrere Massive ein, wobei er den Leistberg bei Oberthal als von den anderen deutlich zu unterscheidendes Massiv hervorhebt. Eines der Unterscheidungsmerkmale liegt im Bereich der Einschluss-Komponenten im Rhyolith, wobei neben Feldspat und Biotit immer auch Quarz vorkommt. Der Quarz bildet im Rhyolith des Leistberges euhedral ausgebildete hexagonale Dipyramiden bis zu einer Größe von 3 mm. <# id=1472828647,r,w250 #><# id=1472828600,l,w250 #>Eine weitere Besonderheit ist die Ausbildung von Lithophysen (griech. „Steinblase“). Ein ähnlicher Begriff wäre „Porphyrkugel“, aber auch die im englischen Sprachraum geläufige Bezeichnung „Thunderegg“ (Donnerei) läßt sich hier verwenden. Im regionalen Bereich nennt man diese Gebilde Rhyolith-Achate. Lithophysen sind mehr oder weniger kugelförmige Gebilde, die sich vom Nebengestein strukturell abgrenzen und einen Hohlraum besitzen. Diese Hohlräume sind wesentlich für die später darin stattfindende Achatbildung.

Achatführende Lithophysen sind am Leistberg nicht zufällig verteilt im Vulkanit zu finden. Sie kommen in eingrenzbaren Bereichen vor. Im amerikanischen Sprachraum nutzt man dafür den Begriff „Thunderegg-bed“. Diese Vorkommen finden sich in der Regel in den Randbereichen eines Vulkanites. Am Leistberg selbst gibt es wohl mehrere kleine Vorkommen von Lithophysen, wobei aber nur die Teufelskanzel aufgrund der in ihnen enthaltenen Achate Berühmtheit erlangt hat. Dieses Vorkommen liegt angrenzend an den Felsporn in südlicher Richtung und umfaßt einen kleinen Bereich von nur etwa 600 m². Im Felsen der Teufelskanzel selbst finden sich keine Lithophysen. Müller führte 1976 mit Hilfe der Gemeinde Oberthal eine Grabung an der Achatlagerstätte der Teufelskanzel durch, um ihre geologische Struktur zu klären. Diese erwies, dass: ..es sich vermutlich um Auswurfsmassen eines nahen Schlotes handelt, die sowohl als flüssiges Material (Fladen), wie fest (Block), neben Feinkorn angeliefert wurden. Es liegt kein Lavastrom vor (keine geregelten Fließstrukturen …).

Thunderegg-Formen an der Teufelskanzel
Thunderegg-Formen an der Teufelskanzel

Die unterschiedlichen, an der Teufelskanzel vorkommenden, Thundereggformen (Lithophysen).

Klaus Schäfer

Die Lithophysen der Teufelskanzel haben Größen von etwa 2 cm bis zu einem halben Meter, wobei eine Größe von 6 bis 8 cm als Durchschnitt anzusehen ist. Ihre Form ist nur in Ausnahmen kugelig, meist ähneln sie Brotlaiben oder Fladen. Sie besitzen oft im Inneren einen Hohlraum, der von wenigen Volumenprozent hin bis zu 90% Prozent ausmachen kann. Dieser Hohlraum ist nur bei den kleineren Exemplaren sternförmig (eine typische Form für Thundereggs), bei größeren Hohlräumen ist er unregelmäßig und oft mit Bruchstücken durchsetzt. Teilweise befindet sich im Inneren eine Art Brekkzie aus Matrix und Achat. Selten nur bilden sich parallel angeordnete schalige Strukturen, wie sie für Lithophysen im engeren Sinn typisch sind. Der Hohlraum und die ihn umgebenden Strukturen bilden sich nicht, wie volkstümlich verstanden, durch Austrocknungsprozesse eines schlammigen Mediums. Vielmehr entstehen sie durch Kristallisationsprozesse und sich abscheidenden Wasserdampf in einem bereits verfestigten, aber noch sehr heißen Vulkanit. In diesen Hohlräumen bilden sich dann Achate durch sedimentäre Prozesse bei gemäßigter Temperatur und geringem Druck aus gelartiger Kieselsäure, die als Verwitterungsprodukt der im Rhyolith enthaltenen Feldspäte entsteht.

Edelsteinkundliche Hinweise auf die ersten Abbauversuche an der Teufelskanzel

In längst vergangenen Zeiten wurden von den Edelsteinschleifereien im Raum Idar-Oberstein neben lokalen Achat-Vorkommen, auch immer wieder Vorkommen, die etwas weiter entfernt waren, genutzt. Im heutigen Stadtbann von Idar-Oberstein liegen zum Beispiel die Vorkommen des Steinkaulenberges (erwähnt und beschrieben von C.A. Collini 1744 - heute als Besucherbergwerk ausgebaut), die des Haag (mit Pingen oberhalb des ehemaligen Steinbruches Setz) und den Jaspisfundstellen auf Wäschertskaulen. Weiter als einen Tagesmarsch entfernt liegen Fundstellen, die schon von Färber 1776 wegen ihrer Qualität gelobt wurden: Utzenbach, Mambächel, Grünbach, Rohneberg (heute liegen diese Fundstellen auf dem nicht mehr zugänglichen Gebiet des Truppenübungsplatzes), Berschweiler, Eckersweiler und Pfeffelbach. Ähnlich entfernt sind die Vorkommen des Weiselberges in Oberkirchen (Eine Achatgräberrechnung von 1454 aus dem Umfeld des Achatabbaues am Weiselberg wird von J.J. Leysser als ältester Nachweis für edelsteinverarbeitendes Gewerbe im Raum Idar-Oberstein gewertet). Der Leistberg (auch Leissberg, Leischberg) bei Oberthal liegt geographisch am äußersten Rand der Bestrebungen, Achate nach Idar-Oberstein zu überführen. Schriftliche Nachweise über einen Abbau am Leistberg vor dem Jahr 1882 liegen nicht vor. Der Arbeit des Historikers und Sammlers gemmologisch und kunsthistorisch interessanter Objekte Peter Huber aus Wiener Neustadt ist die Entdeckung mehrerer Schmucksteindosen aus eindeutig dem Leistberg zu zuordnenden Achaten zu verdanken. Die Dosen sind aus einem Material mit typischer Achatausbildung und charakteristischer Matrix gefertigt. Die älteste noch erhaltene Dose datiert er um das Jahr 1800.

Erste schriftlich verbürgte Abbauversuche an der Teufelskanzel

Die frühesten schriftlich verbürgten Abbauaktivitäten gehen von einem Oberthaler Forstmeister Gemmel aus. Er entdeckt den merkantilen Nutzen der Achatvorkommen und stellt daher den Antrag auf die Erteilung einer Konzession „... zum Graben und Schürfen der am Leistbergerhang vorkommenden Achate, Jaspisse und Holzsteine“ an die Gemeinde Oberthal. Nachdem dann die Regierung in Trier dem Gemeinderatsbeschluß zugestimmt hatte, zahlte Forstmeister Gemmel erstmals am 1. April 1882 eine jährliche Taxe von 20 Mark. Diese Taxe wurde auch nicht geändert, nachdem ein Interessent aus Bliesen (einer direkt benachbarten Gemeinde) den Preis des Forstmeisters überbieten und pro Zentner gefundener Steine eine Mark bezahlen wollte. Im gleichen Beschluss ist noch erwähnt, dass die Gemeinde selbst den Abbau zu übernehmen gedenkt, falls die Achatsuche sich bewährt. Dies scheint nicht der Fall gewesen zu sein, da Forstmeister Gemmel auf seinen ausgegrabenen Steinen sitzen blieb. In Idar-Oberstein hatte sich die Produktion der Achatschleifereien durch den Import großer Mengen an brasilianischen Achaten, die sich sehr gut färben ließen, von individuell gezeichneten Achaten hin zu industriellen Standards, die eine höchstmögliche Konformität der Produkte vorsieht, verschoben. Die von Gemmel bereits gegrabenen Steine blieben lange Zeit unbeachtet in einem Zwischendepot, direkt am Weg zurück von der Fundstelle nach Oberthal, liegen.

Das Paradies und die Vertreibung aus demselben

Anfang der 1970iger Jahre wurden einige Artikel geologischer und mineralogischer Natur veröffentlicht, die zu einer – nennen wir es mal – latenten Neugierde der Achatsammler an dieser Fundstelle führten. Die Steine am Wegesrand nahm man mit, und erst als diese verschwunden waren, wurde die etwa 100m unterhalb des Weges gelegene Fundstelle gesucht und wiederentdeckt. Nun wurde es allerdings ernst, was den Abbauwillen der ansässigen Achatsammler betraf. Zudem verirrten sich noch ein paar Steinesucher aus den Niederlanden an die Fundstelle, die die Nachricht guter Funde weiter trugen. Zusammenarbeit im relativ kleinen, wirklich guten Fundbereich kam nicht in Frage. Man buddelte sich ein möglichst tiefes Loch im weichen, verwitterten Rhyolith, kontrollierte die festen Brocken, sortierte das taube Material aus, und erreichte mit etwas Glück eine Zone, die Lithophysen in größerer Anzahl führte. Dabei bemerkten Sammler, dass dieser Fundhorizont leicht „verschoben“ war: zusammenpassende Bruchstücke von Lithophysen lagen deutlich voneinander entfernt. Allerdings war die Verschiebung nicht so wesentlich, dass sie die Theorie so mancher Sammler hätte stützen können, dass die Fundstelle schon im Mittelalter von Tholeyer Benediktinermönchen zur Gewinnung glitzernder Kristalle bearbeitet worden sei. Die Verschiebung innerhalb der Fundstelle lässt sich mit normalen geologischen Prozessen, wie dem sanften Nachrutschen oberflächennaher Strukturen bei rückschreitender Erosion, deutlich glaubwürdiger erklären.

Mit Nachdenken hielt man sich in der Hochphase der Ausbeutung der Fundstelle sowieso nicht auf. Rudi Dröschel, ein Achatsammler aus Idar-Oberstein, formulierte dies so: „ Klaus, stell dir vor - an der Teufelskanzel hat es Brei geregnet und ich hatte einen Löffel dabei!“ Nachdem die Löcher dicht an dicht, sowie gefährlich tief gebuddelt waren, wichen einige Sammler in vermeintlich einfacher zu bearbeitendes Terrain aus, in dem sie Bäume untergruben und somit eine endgültig nicht mehr haltbare Situation schufen. Die geschwächten Bäume stürzten um und schufen zusammen mit dem durchlöcherten Gelände einen chaotischen und gefährlichen Zustand. Zusätzlich führte Verknappung der Ressourcen dazu, dass Übereifrige ein etwas eigenwilliges Claimrecht einführen wollten, das erst zu verbalen, dann zu körperlichen und schlussendlich juristischen Auseinandersetzungen führte.

In Folge dessen regte der damalige Beauftragte für Naturschutz, Dr. Wörner auf einer Sitzung des Gemeinderates eine Regulierung der Zustände, sowie den Aufbau einer öffentlichen Sammlung von Achaten der Teufelskanzel an. Die Gemeinde stimmte seinen Plänen zu und beschloss, ohne weitere Ankündigung die Fundstelle quasi „ im Handstreich und über Nacht“ zu sanieren. Allerdings wollte die Gemeinde aber auch selbst Nutznießer der Fundstelle werden und ließ deshalb zuerst einmal großzügig weitere Bäume fällen, grub dann große Teile der Fundstelle mit dem Bagger ab und verbrachte mehrere Unimog-Ladungen an einen sicheren Ort. Die Kosten der Sanierung überließ man einem der örtlichen Steinbruchbesitzer. Dessen Entgelt sollte der Ertrag eines einzigen mechanisch unterstützten Abbautages sein. Unglücklicherweise konnte der mineralogisch versierte Steinbruchbetreiber am vereinbarten Tag aufgrund geschäftlicher Verbindlichkeiten selbst nicht anwesend sein und schulte daher eine kleine Einsatzgruppe aus drei engagierten Rentnern und einem Baggerfahrer für die Aufgabe. Die Truppe konzentrierte sich allerdings alleine auf die ihnen geläufigen Begriffe wie „viel“, „groß“ und „Stein“ und vernachlässigten dafür die Hinweise „Zeichnung“, Struktur“ und „Form“. So blieben dem Steinbruchbetreiber als Lohn seiner Mühen – die Fundstelle wurde ja auch wirklich fantastisch planiert und verdichtet – viele große Steine. Die geheime Räumungsaktion blieb allerdings nicht geheim, da die Grabungen der Sammler trotz mittlerweile schwindender Achat-Mengen kontinuierlich waren. Daher gruben an diesen „Aktionstagen“ eine Vielzahl einheimischer und internationaler Sammler mit. Diese wollten allerdings ihr Engagement nicht nach der erfolgten Sanierung abschließen, sondern gestalteten die Fundstelle zusehends weiter um. Um diesem Treiben endgültig Einhalt zu gebieten, wurde ein generelles Sammelverbot für den Bereich der Teufelskanzel ausgesprochen. Dieses Verbot wurde anfänglich mit Polizeigewalt umgesetzt und peinlich überwacht. Das Sammelverbot gilt auch heute noch, beschränkt sich allerdings auf Kontrollen durch Forstangestellte und ein hübsches, häufig ausgetauschtes Verbotsschild. Der Ausbeuteanteil der Gemeinde, der die Grundlage einer noch zu schaffenden öffentlichen Sammlung werden sollte, wurde, nachdem sich überraschend herausgestellt hatte, dass das Aufarbeiten von etwa drei Kubikmetern Rhyolithachaten a) finanzielle Mittel erfordert und b) einer die Arbeit machen muss, im Rathauskeller eingelagert.

Alle an der Teufelskanzel, Oberthal, Saarland möglichen Achatspezifikationen in einem Stein
Alle an der Teufelskanzel, Oberthal, Saarland möglichen Achatspezifikationen in einem Stein

Allgemeiner Achat-Typ für die Teufelskanzel mit häufigen und selteneren Features.

Klaus Schäfer

Strukturen der Achate

Die Achatstrukturen der Teufelskanzel sind ausgesprochen vielfältig. Als frühe Bildung findet sich meist ein wolkenartig ausgebildeter Chalcedon, der im Anschliff brokat-ähnlich gemustert ist. Helle und dunkle Bereiche wechseln sich ab. Oft ist in diesen komplexen Aggregaten auch makrokristalliner Quarz in Wechsellagerung mit Chalcedon beteiligt. Nur selten sind diese Bildungen an der Teufelskanzel rötlich gefärbt, meist sind sie braun oder grau und weiß. Darauf folgt eine klare, umlaufende Chalcedonschicht von einem halben bis zu zwei Millimeter Breite. Sie stellt laut Landmesser eine früh gebildete Membran dar, die Prozesse im Inneren des Hohlraumes nach außen hin abschottet. Diese Membran ist sphärolithisch aufgebaut und zeigt keine Bänderung. Auf diese Schicht folgt in der Regel die Ausbildung der klassischen wandumlaufenden Achatbänderung. Diese wird umgangsprachlich und bildhaft als „Festungsachat“ bezeichnet. Wissenschaftlich und nachvollziehbar (aufgrund während des Wachstums wirkender Kräfte) bezeichnet man diese Form des Achates als adhäsionsgebändert. Die Breite der optisch wahrnehmbaren Achatbänder ist sehr unterschiedlich. Oftmals findet man in einem Stück Bereiche schwach kontrastierender, als weich zu bezeichnende Bänderung im äußeren Teil, während in der Mitte sich ein Zentrum stark kontrastierender, feinlinierter Bänderung ausgebildet hat. Ist in diesen Arealen eine Komponente der alternierenden Bänderung transparent, kann sich sogar ein schöner Schatteneffekt bilden. Selten finden sich Achate mit Anteilen der planparallelen Bänderung. Altertümlich und verwirrend als „Uruguay-Achat“ bezeichnet, setzt sich mittlerweile die konsequente wissenschaftliche Bezeichnung des „gravitational gebänderten Achates“ durch. Ist die wesentlich wirkende Kraft während der Achatbildung die Gravitation, sind Quarzpartikel und Chalcedon-Sphärolithe nicht mehr adhäsiv an der Wandung des Hohlraumes fixiert, sondern sammeln sich am tiefst gelegenen Punkt des Hohlraumes. Dort bildet sich dann Lage auf Lage, die im Anschliff sichtbar werden. Oftmals wird der gravitational gebänderte Achat in den Lithophysen der Teufelskanzel übersehen, da er farblich nur wenig mit dem wandumlaufend gebänderten Achat kontrastiert. Zudem muß der Schnitt durch die Lithophyse in günstiger Weise verlaufen, um den gravitational gebänderten Achat überhaupt zu treffen.

Im Bild der Achate der Teufelskanzel finden sich sehr selten auch Zonen, in denen komplett kugelige Chalcedon-Sphärolithe (Holosphärolithe) auftreten. Zwischen Zonen wandumlaufend geformter sphärolithischer Bänderung finden sich dann „Bänder“, die aus Holosphärolithen bestehen, die um ein schwebendes Zentrum herum gewachsen sind. Diese Kügelchen sortieren sich auch oft um das Zentrum des Achates, d.h. im äußeren Bereich des holosphärolithischen Bandes befinden sich die größeren Kügelchen, während nach innen diese immer kleiner werden. Die Breite eines solchen holosphärolitischen Bandes variiert und kann im Extremfall den größten Teil des Hohlraumes einnehmen.

Eisenpigmente spielen sowohl bei der Farbgebung eine Rolle, als auch bei der Ausbildung typischer Strukturen. Die Farben der Achate der Teufelskanzel sind sogar hauptsächlich bedingt durch Eisenpigmente. Je nach Mineral (Hämatit, Goethit, Maghemit …), Aggregatform (kugelig, diskusartig, walzenförmig) und insbesondere der Größe der Pigmente bilden sich Farben von Schwarz über grau und braun, zu gelb, orange und rot. Diese reinen und oft leuchtenden Farben verblassen und zeigen sich pastellartig, wenn der Achat durch Verwitterung feinste Risse bekommt. In diesen Bereichen werden die Achate durch die Zunahme reflektierender Grenzflächen an den Rissen trüber und weißer. Die Eisenpigmente können sich auch in intensiv rot gefärbten, opak erscheinenden, massiven Lagen oder Bereichen absetzen. Dies geschieht gerne zum Zentrum der Achatbildung hin. Diese leuchtend rot gezeichneten Steine sind unter Sammlern sehr begehrt.

Generell muss man leider sagen, dass deutlich farbige Steine von der Teufelskanzel eine Seltenheit darstellen. Die Regel stellen farblose, graue, hellbraune und leicht gelbliche Achate dar, die durch gelegentliche schwarze Bänderung akzentuiert werden.

Lumineszenz bei Achaten von der Teufelskanzel

Die Achate der Teufelskanzel sind im Besonderen für ihre starke Lumineszenz unter UV-Licht berühmt. Wenn sie mit langwelligem UV-Licht bestrahlt werden, können sie intensiv grün aufleuchten. Zurück geführt wird die Reaktion der Oberthaler Achate auf (bislang nur vermutete) Gehalte an Uranyl-Ionen. Ein Zusammenhang wird gerne mit der Uranlagerstätte am Bühlskopf bei Ellweiler hergestellt, die ebenfalls im Nohfelder Rhyolith-Massiv liegt und deren Erze, überzogen mit sekundären Uranmineralien, im UV-Licht ebenfalls intensiv leuchten. Zudem ist ein Fund eines gelben Uranglimmers in einer Druse von der Teufelskanzel bekannt, der sich in der Sammlung Karl Theis in Reichweiler befindet.

Es ist schwierig vorauszusagen, welcher im Tageslicht unspektakulär scheinende Achat im Schwarzlicht seinen Triumph feiert, denn sowohl die farblosen, wie die grauen und auch die gelblichen Achate können starke Reaktionen zeigen. Allerdings bremst ein Gehalt an Eisenpigmenten die Lumineszenz erheblich. Braun getönte Steine zeigen allenfalls eine schwache Reaktion, und die intensiv roten Bereiche eines Achates zeigen keinerlei Lumineszenz. Sehr interessant sind daher Steine, die im Tageslicht farblich ausgebildete Bereiche neben farblosen oder schwach getönten besitzen. Diese können dann auch unter UV-Licht unterschiedliche Absorption und somit unterschiedlich intensiv strahlende Bereiche aufweisen.

Assoziationen – Bilder im Stein

Ästhetik ist ein wesentlicher Punkt, wendet man sich vom wissentschaftlich Korrektem dem emotional Bedeutenden zu. Für den Einen lässt sie sich in Kilogramm und Zentimeter ausdrücken, dem Anderen sind die Farben der Achate der Grund seiner Begierde. Ein weiterer wesentlicher Punkt bei der Beurteilung ist aber immer wieder das Spiel mit den eigenen und ursprünglichen Gedanken, die zu den abenteuerlichsten Assoziationen verleiten. Naturspiele oder Bildsteine überraschen den Betrachter immer wieder aufgrund der unerklärlichen Wiedergabe doch so weltlicher und lebendiger Dinge wie Tieren, Bäumen, ja Sonnenuntergängen in der Zeichnung einfacher Steine. Das mineralische Geplaudere der Lithophyse wird als Sinnbild einer regulativen Kraft, ja göttlichen Wunsches verstanden. So erblicken manche Sammler in den Lithophysen der Teufelskanzel Fische, Wildschweine, Schmetterlinge, springende Rehe und kauernde Bestien.

Im Gestein der Lithophysen finden sich Paramorphosen von Tiefquarz nach gefenstertem Hochquarz. Innerhalb der Lithophysen zeigt sich ab und an Würfelquarz.

Mineralien (Anzahl: 12)

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Achat
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Achat

115 mm große Lithophyse mit einem zweifarbigen Achat von der Teufelskanzel bei Oberthal. Die blauen Bereiche sind eisenärmer als die braunen und fluoreszieren daher stärker im langwelligen UV-Berei...

Sammlung: Klaus Schäfer
Copyright: Klaus Schäfer
Beitrag: Klaus Schäfer 2016-04-06
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Achat
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Achat

68 mm große Lithophyse mit einem Achat von der Teufelskanzel bei Oberthal

Sammlung: Klaus Schäfer
Copyright: Klaus Schäfer
Beitrag: Klaus Schäfer 2016-04-06
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Achat
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Achat

67 mm große Lithophyse mit einem Achat von der Teufelskanzel bei Oberthal

Sammlung: Klaus Schäfer
Copyright: Klaus Schäfer
Beitrag: Klaus Schäfer 2016-04-06
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Achat (Achat-Brekzie)
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Achat (Achat-Brekzie)

Fundort: "Teufelskanzel" Leißberg, Oberthal, St. Wendel., Saarland, Deutschland; Größe: 6,5 x 5,7 cm

Sammlung: Mineralroli
Copyright: Mineralroli
Beitrag: Mineralroli 2011-01-14
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Aktualität: 16. Nov 2019 - 21:39:19

Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Lauenstein, H.-J. (1974). Mineralogischer Streifzug durch Rheinland-Pfalz und das Saargebiet Frühjahr 1974. Aufschluss, Jg.25, Nr.10, S.572-73.
  • Schmeltzer, H. (1977). 'Katzeldonien und gut Rötelstein': Eine Auswahl wichtiger Fundstellen aus der Pfalz. Lapis, Jg.2, Nr.6, S.6-10.
  • Schäfer, K. (2013). Achate von der Teufelskanzel bei Oberthal im Saarland. Lapis, Jg.38, H.5, S.14-21.
  • www.achat-almanach.de

Quellenangaben