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Das Kaolinwerk Caminau

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Sachsen / Bautzen, Landkreis / Königswartha / Caminau

GPS-Ko­or­di­na­ten

Kaolintagebau Caminau (N 51° 19' 38" E 14° 21' 19")



Kaolintagebau Caminau

WGS 84: 
Lat.: 51,32722222° N, 
Long: 14,35527778° E
WGS 84: 
Lat.: 51° 19' 38" N,
   Long: 14° 21' 19" E
Gauß-Krüger: 
R: 5455196,
 H: 5688241
Regionale Wetter Information, Macrostrat geologische Karten

Auf­schluss­be­sch­rei­bung

aktiver Tagebau

Geo­lo­gie

Kaolin entstand durch Verwitterungsvorgänge aus dem anstehenden Lausitzer Granodiorit

Zu­gangs­be­schrän­kun­gen

Es werden keine Genehmigungen erteilt!

Verkürzte Mineralienatlas URL:

https://www.mineralienatlas.de/?l=584
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Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Weitere Funktionen

Bilder von Fundstellen (7 Bilder gesamt)

Kaolinwerk Caminau
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Kaolinwerk Caminau

Kaolinwerk Caminau GmbH, Firmenschild

Copyright: hoe
Beitrag: hoe 2007-05-22
Kaolinwerk Caminau
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Kaolinwerk Caminau

Kaolinwerk Caminau GmbH, Abbausohlen im Tagebau Ostfeld

Copyright: hoe
Beitrag: hoe 2007-05-22
Kaolinwerk Caminau
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Kaolinwerk Caminau

Kaolinwerk Caminau GmbH, Tagebau Ostfeld

Copyright: hoe
Beitrag: hoe 2007-05-22

Ausführliche Beschreibung

Geologie

Bei Caminau ist ein Teil der die Oberlausitz bestimmenden Granodiorite durch Verwitterung der Feldspat- und Glimmeranteile in eine Kaolinlagerstätte umgewandelt worden. Der Verwitterungsprozeß des Muttergesteins begann unter semiariden bis ariden Klimabedingungen schon sehr frühzeitig. Die Kaolinisierung aber erfolgte erst bei zunehmend humiden, besonders tropisch bis subtropisch, warmfeuchten Klima (Siallitische Verwitterung) im Keuper und dauerte im Jura, in der Kreide und im Tärtiär an, so daß heute im allgemeinen von einer jungmesozoisch-tärtiäten Verwitterungskruste gesprochen wird. Nachträglich veredelnd auf die Qualität der Kaoline, besonders ihres technisch wichtigen Weißgrades, sollen nach BUCHWALD die Huminsäuren der Braunkohlenmoore des Tertiärs und eine junge Bruchtektonik gewirkt haben.

Das ursprüngliche Korngefüge hat sich dabei erhalten, so das jetzt ein weißer, teilweise durch Eisenoxide auch bräunlich verfärbter Kaolin vorgefunden wird, in den gleichmäßig verteilt die unverwitterten Quarzkörner eingebettet sind. Das Kaolinlager hat eine Mächtigkeit von ca. 20-50 m und ist überlagert von einer 7 m mächtigen Deckschicht aus pleistozänen Lockergesteinen (Kies und Sand). Die Differenz der Mächtigkeit ist im wesentlichen auf tiefgründige pleistozäne Erosion zurückzuführen, aber auch durch unterschiedliche Kaolinisierungstiefen erklärbar. Das Liegende der Lagerstätte wird durch Festgestein, den Granodiorit, gebildet. Der Granodiorit des Ausgangsgesteins ist Teil der xenolithreichen Rand- bzw. Dachfazies des Westlausitzer Granodiorits. Er besitzt durchschnittlich 21% Quarz, 15% Alkalifeldspat, 40% Plagioklas und 24% Biotit und enthält eine Vielzahl von Xenolithen aller Größenordnungen und in allen Stadien der Auflösung.

Im aufgeschlossenen Kaolintagebau werden Gänge und Gangzonen (Lamprophyr-, Aplit-, Quarzgänge) in unterschiedlicher Häufigkeit und wechselnden Mächtigkeiten angeroffen. Das verdeutlicht, das sich die Lagerstätte in einem tektonisch instabilen Gebiet nahe der Innerlausitzer Hauptverwerfung befindet.

Die anzureffenden Lamprophyrgänge bestehen aus vollständig kaolinisierten basischen Gesteinen mit einer Mächtigkeit bis 3 m. Diese basischen Gesteinsgänge stellen dabei keine Differentationsbildungen im Ganggefolge des Granodiorits dar, sondern stehen im Zusammenhang mit der Hauptphase des Diabasvulkanismus während der Geosynklinalentwicklung. Für die Lamprophyrgänge wurde ein Alter von ca. 400 Mio. Jahren bestimmt. Sie bestehen im wesentlichen aus Kaolinit.

Als Aplitgänge werden grobkornarme, bindige Kaoline mit wechselnden Anteilen an fein- bis mittelgrobem Quarz angetroffen, die nahezu den Weißgrad des umgebenden Granodiorits aufweisen. Sie sind meist 0,1 bis 0,5 m mächtig.

In unterschiedlicher Häufigkeit werden dm bis >m mächtige Quarzgänge angetroffen, welche paläozoisches bis mesozoisches Alter aufweisen. Diese Quarzgänge sind durch mehrfache tektonische Überprägungen meist kleinstückig zerfallen oder gar grießig-grußig. Ein geologische Profil durch die Lagerstätte ist im Vorlesungsmaterial der TU Dresden enthalten (siehe Weblink).


Bergbau

Der Bergbau in Caminau geht zurück bis in das Jahr 1904, als kurz nach der Entdeckung des Vorkommens durch einen Bauern beim Graben eines Brunnens die ersten Gruben angelegt wurden. Das Kaolin wird im Tagebau gewonnen und heute im wesentlichen für die Papierherstellung verwendet. Nach Abtrag des Deckgebirges durch als Subunternehmer beschäftigte Erdbauunternehmen, wird das Kaolin auf zwei Sohlen mit Schaufelradbaggern abgebaut und per Bandanlage in die naßmechanische Aufbereitung gebracht. Das derzeit betriebene östliche Abbaufeld wurde im Jahre 2000 aufgeschlossen und hat derzeit eine Fläche von ca. 40 ha. Mit einer Belegschaft von lediglich 5 Gerätefahrern wird nur in der Frühschicht mit einer Tagesleistung von 2500 Tonnen Rohkaolin abgebaut. Die Vorräte der Lagerstätte reichen noch für weitere 25 Jahre Förderung. Insgesamt hat das Kaolinwerk Caminau 125 Beschäftigte. Die Caminauer Kaolinwerk GmbH gehört zum Unternehmen Amberger Kaolinwerke Eduard Kick GmbH & Co. KG (AKW-Gruppe), dieses wiederum ist ein Tochterunternehmen der Quarzwerke GmbH Frechen.


Aufbereitung

Das Rohkaolin gelangt über die Bandanlage in die Schlämmerei, wo es aufgeschlämmt und in einem ersten Arbeitsgang der Quarzanteil in der Sandfraktion separiert wird. Der Quarzsand wird auf dem Werksgelände zum Entwässern zwischengelagert und anschließend zur Wiederverfüllung genutzt. Das aufgeschlämmte Kaolin wird in einem zweiten Arbeitsgang in Zyklonklassierern vom Quarzanteil in der Schlufffraktion getrennt. Der Schluff wird über Rohrleitungen in einen Spülteich verpumpt, der später rekultiviert wird. Das jetzt reine Kaolin wird über Filter entwässert und anschließend getrocknet. Die Auslieferung an den Kunden erfolgt wahlweise als lose oder gesackte Ware in Form von Mahlkaolin oder Granulat, bei Bedarf auch erneut aufgeschlämmt als Flüssigkaolin.Die Bedeutung der reinen, aufbereiteten und geschlämmten Kaoline liegt in ihrer fast ausschließlichen Verwendung als Füllstoff- und Streichkaolin in der Papierindustrie. Es werden Kaoline mit einem Weißgrad bis 83 gefördert.


Minerale

Die erwähnten Quarzgänge sind teilweise drusig ausgebildet und enthalten dann u.a. Bergkristalle. Im inzwischen rekultivierten Südostfeld sind insgesamt drei Quarzgänge angetroffen worden, die vor allem in den 90er Jahren schöne Funde erlaubten. Gebunden an diese Quarzgänge ist das Auftreten nachfolgender Mineralisation:

  • Quarz (als Bergkristall und Rauchquarz auch als Phantom und Schwimmer bis 10 cm).
  • Vivianit als Gangfüllung in nur teilweise kaolinisierten Lamprophyren sowie frei kristallisiert auf Klüften der Quarzgänge.
  • Pyrit meist angewitterte Kristalle von hohem Glanz im Gangquarz bis 3mm Größe
  • Desmin frei kristallisiert in Paragenese mit Bergkristall oder als Gangfüllung im Quarz
  • Siderit tritt als Knollen bis dm-Größe eingelagert im Kaolin auf

Das derzeit in Abbau befindliche Ostfeld enthält allerdings keine Quarzgänge mehr. Bedingt durch die nachträglichen, tektonischen Bewegungen wurden fast ausschließlich Einzelkristalle gefunden (nur äußerst selten kleine Stufen), wobei diese in 90% der Fälle noch dazu beschädigt waren. Einige dieser Stücke wurden durch einen tschechischen Edelsteinschleifer zu Schmuckstein verarbeitet (siehe "Minerale der Oberlausitz" S.190). Diese Kollektion und weitere Bergkristallstufen befinden sich heute in der Mineralienaustellung Schätze der Erde des Bergbaumuseums in Knappenrode.

Die Deckgebirgsschichten der Lagerstätte sind zeitlich vorwiegend der Elsterkaltzeit des Quartär zuzuordnen, die von Saale- bis Weichselkaltzeitlichen Bildungen und geringmächtigen holozänen Sedimenten überlagert werden. Diese wiederum sind teilweise Relikte des ehemals Bautzener Elbelaufes, welcher in seinem Flussschotter Minerale der heutigen Böhmischen Mittelgebirge ablagerte. So sind gelegentlich verkieselte Hölzer verschiedener Farben, Bergkristalle, Amethyste, Chalcedon und Jaspis zu finden.

Von Seiten der Werksleitung wurde aus Sicherheitsgründen ein generelles Sammelverbot verhängt. Die Möglichkeit selbst sammeln zu gehen, besteht also nicht mehr. Das gesamte Gelände ist eingezäunt, mit Videoüberwachung versehen und wird von einem Werksschutz bewacht.

Mineralien (Anzahl: 17)

Mineralbilder (34 Bilder gesamt)

Vivianit
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Vivianit

Vivianit in Lamprophyr Kaolingrube Caminau Fund 1986

Sammlung: Sauer
Copyright: dendrocopos
Beitrag: dendrocopos 2008-02-08
Pyrit in Quarz
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Pyrit in Quarz

Kaolingrube Caminau

Sammlung: dendrocopos
Copyright: dendrocopos
Beitrag: dendrocopos 2008-03-18
Vivianit
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Vivianit

Kaolingrube Caminau

Sammlung: dendrocopos
Copyright: dendrocopos
Beitrag: dendrocopos 2008-03-18

Gesteine (Anzahl: 5)

Fossilien (Anzahl: 1)

Fossilbilder (2 Bilder gesamt)

Versteinertes Holz
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Versteinertes Holz

Bautzener Elbelauf aus dem Abraum der Kaolingrube Caminau; Größe: 18x11 cm

Sammlung: dendrocopos
Copyright: dendrocopos
Beitrag: dendrocopos 2008-02-09
Versteinertes Holz
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Versteinertes Holz

Bautzener Elbelauf aus dem Abraum der Kaolingrube Caminau

Sammlung: dendrocopos
Copyright: dendrocopos
Beitrag: dendrocopos 2008-02-08

Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Schellenberg, F. & K. Kleeberg (1997). Kaolinlagerstätten der Lausitz - ihre Entstehung, Nutzung und industrielle Bedeutung. Aufschluss, Jg.48, Nr.5, S.267-79.
  • W. Lange, G. Tischendorf, U. Krause. Minerale der Oberlausitz. Verlag Gunter Oettel Zittau, 2004, 258 S., ISBN 978-3-932693-87-8, 39.

Weblinks

zur Geologie der Lagerstätte mit Querschnitt:

zum Unternehmen:


Quellenangaben

Einordnung