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Bräunsdorf

Steckbrief

Land

Deutschland

Re­gi­on

Sachsen / Mittelsachsen, Landkreis / Freiberg, Revier / Oberschöna / Bräunsdorf

Auf­schluss­be­sch­rei­bung

1673 – 1862 Silberbergbau. Einstellung des Bergbaus wegen sinkender Silbergehalte unterhalb 250 m Tiefe.

Geo­lo­gie

Arsen- und Silbererz-Ganglagerstätte. Eine große Anzahl polymetallischer Sulfiderzgänge durchsetzt vor allem in NO-SW-Richtung die dort anstehenden Metamorphite. Als besonders günstig für die Mächtigkeitsentwicklung der Erzgänge hat sich der 40 m bis 120 m mächtige, pyritführende Schwarzschieferhorizont erwiesen.

Nebengestein: Glimmerschiefer, Schwarzschiefer, Muskowitgneis, Zweiglimmerparagneis, Metakarbonatgesteine.

Verkürzte Mineralienatlas URL

https://www.mineralienatlas.de/?l=540
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Verkürzte Pfadangabe

Bräunsdorf, Oberschöna, Freiberg, Mittelsachsen, Sachsen, DE
Nützlich für Bildbeschreibungen und Sammlungsbeschriftungen

Wichtig: Vor dem Betreten dieser wie auch anderer Fundstellen sollte eine Genehmigung des Betreibers bzw. Besitzers eingeholt werden. Ebenso ist darauf zu achten, dass während des Besuches der Fundstelle die erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eingehalten werden.

Weitere Funktionen

Bilder von Fundstellen (2 Bilder gesamt)

Armenhaus Baujahr um 1700
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Armenhaus Baujahr um 1700

Bauweise der damaligen Bergbauzeit. Bräunsdorf, Freiberger Revier, Landkreis Mittelsachsen, Bez. Chemnitz, Sachsen. 5.2016.

Copyright: Doc Diether
Beitrag: Doc Diether 2016-06-01
Pseudofossil
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Pseudofossil

kein Zapfen, sondern eine mineralische Bildung. FO: Bräunsdorf, Mittelsachsen

Sammlung: Storm
Copyright: Storm
Beitrag: oliverOliver 2014-12-10

Ausführliche Beschreibung

Am westlichen Talhang der Striegis lag zwischen Bräunsdorf und Riechberg die erstmals 1715 verliehene Grube "Siegfried", von der das Huthaus und Reste ihrer beiden Schachthalden noch vorhanden sind. Sie besaß eine eigene Wasserversorgung, bestehend aus fünf teils noch erhaltenen Teichen, einem Kunstgraben und einer zum Kunst- und Treibeschacht führenden Rösche. Bergbaugeschichtlich bekannt geworden ist die Grube vor allem durch die 1768 bis 1769 für sie von Kunstmeister "Johann Friedrich Mende" erbaute Wassersäulenmaschine.

Als erste im sächsischen Bergbau kündigte sie den Beginn einer neuen Epoche des Maschinenwesens an. Die Wassersäulenmaschine hatte zwei Zylinder, als innere Steuerung eine waagerecht liegende Kolbensteuerung und als äußere Steuerung einen Fallblock. Allerdings funktionierte sie nicht den Erwartungen gemäß und wurde schon 1772 wieder durch ein Wasserrad ersetzt. Erst mit der etwa 50 Jahre später von "Brendel" in der Grube "Reicher Bergsegen" bei Brand-Erbisdorf eingebauten Wassersäulenmaschine begann der erfolgreiche Einsatz dieses Maschinentyps im Freiberger Revier.

Noch 1814 wurde die 1km entfernte Grube Siegfried bei Riechberg mit der Neuen Hoffnung Gottes in Zechendorf vereinigt, so daß diese im 19. Jahrhundert ein Bergbaubetrieb beachtlicher Größe war und Erze bis in 290m Tiefe abbaute. Das gesamte Ausbringen des Bräunsdorfer Bergbaus betrug 1673 bis 1862 112t Silber, das mit 5.119.000 Thalern vergütet wurde. Diese Erzförderung ermöglichte periodisch die Auszahlung von Ausbeute, vor allem im Zeitraum von 1764 bis 1815.

In der sonstigen Zeit deckten die Einnahmen nur oder nicht einmal die Unkosten, und gerade von der "Neuen Hoffnung Gottes" ist bekannt, daß die Grube öfters »Lohn einborgen« musste, d. h. die Bergleute arbeiten ließ, den Lohn dafür aber für die Zeit nach neuen Erzanbrüchen in Aussicht stellte. In dem abgelegenen Dorf hatten die an die Häuslerstellen gebundenen Bergleute in der Regel keine andere Wahl, als trotz ihrer Armut darauf einzugehen. In einem Gesuch Bräunsdorfer Einwohner auf Erlaß der Kriegssteuer 1814 heißt es: ...Es ist unsere alte, aber leider wohlgegründete Klage, daß wir meistens Bergleute sind, nur halbes Lohn seit langer Zeit haben und eine außerordentliche Menge Kinder zählen, die wir meistens halbnackend gehen lassen müssen. Viele von uns haben sich seit einem Jahre nicht satt gegessen im trockenen Brot. Wir müssen uns und unsern Kindern die Bissen vorzählen und halbhungernd täglich zu Bette gehen. Unsere Häuser tragen kaum die Abgaben und Baukosten, an Nebenverdienst fehlt es ganz, der Scheffel Korn gilt über 6 Thaler. Unsere sogenannten Großgärtner haben ihre Lieferungen schon borgen müssen, haben meistens schon ihren Samen verbacken, und unsre Erdäpfel sind verzehrt. Sonntagskleider haben schon viele nicht mehr. Der Bergmann muß mit 12 Groschen Wochenlohn Abgaben geben und oft 3, 4 auch 6 Kinder ernähren. In den allermeisten Häusern ist kein Groschen, geschweige ein Thaler. Zu verkaufen haben die meisten nichts mehr. In vielen Häusern ist kein Brot, kein Holz, kein Bett...

Insgesamt waren im Bräunsdorfer Bergbau je nach dessen Lage etwa 150 bis 560 Mann beschäftigt, von denen allerdings auch welche aus den Nachbardörfern kamen. An der Zahl der Bergleute ist der Niedergang der Grube im 19. Jahrhunden deutlich erkennbar. Um 1850 führten eine starke Verringerung der Erzanbrüche, ein Schachtbruch, Schäden an den Kunstteichen, eine enorme Verschuldung und die Verweigerung von Zubußzahlungen durch die Gewerken zum Ruin der Grube, die dann 1863 endgültig stillgelegt wurde.

Die Bräunsdorfer Gruben sind bekannt für das Vorkommen von Bournonit, besonders die "Neuen Hoffnung Gottes". Zum Bournonit in Sachsen schrieb August Frenzel 1874 in "Mineralogisches Lexicon für das Königreich Sachsen":
44 Bournonit Jameson.
Schwarzspiessglaserz Werner
Der Bournonit ist in Sachsen verhältnissmässig selten. Von Bräunsdorf und Schönborn hat man kleine aber recht nette dicktafelartige oder säulenförmige und flächenreiche Krystalle und zwar sowohl in einfachen Formen als in Vierlingen (Rädelerz). Zwei Bräunsdorfer Combinationen sind
1) oP P Poс Poo ocP ocPoc ocPcc 2Poo 2 oP Poo ocPoo ocPoo P
2) Makroprismen und 2 Pyramiden
Der Bournonit von Bräunsdorf Neue Hoffnung Gottes Fdgr G 5.83 Br., tritt in Begleitung von Quarz und Kalkspath auf. Auf Churprinz G 5.752 Br., und Beihülfe kommt Bournonit mit Quarz Schwerspath und Tautoklin z Th in Quarz eingeschlossen vor. Auf Erzengel Michael Erbst zu Mohorn in Vierlingen.
Die Varietäten von Churprinz und Beihülfe enthalten nach Plattner 0.12 bis 0.13 pc Silber und das Mineral kann ausserdem mit anderen Bleierzen auf seinen Blei und Kupfergehalt zu Gute gemacht werden. <Quellenangabe: v Weissenbach Jahrbuch für den Berg und Hüttenmeister 1831.241>

Mineralien (Anzahl: 93)

Mineralbilder (12 Bilder gesamt)

Granat
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Granat

aus Glimmerschiefer herausgelöstes Kristallaggregat; Größe: 1 cm; 2001; Bräunsdorf, Freiberger Revier, Landkreis Mittelsachsen, Direktionsbezirk Chemnitz, Sachsen, Deutschland

Copyright: Fritzi
Beitrag: Fritzi 2013-02-13
Mehr   MF 
Chapmanit
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Chapmanit

Bräunsdorf bei Freiberg/Sachsen; historischer Fund; Größe 4 x 2 cm

Sammlung: Haubi
Copyright: Haubi
Beitrag: Haubi 2018-06-10
Mehr   MF 
Kermesit, Quarz
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Kermesit, Quarz

FO.: Bräunsdorf bei Freiberg, Sachsen, Deutschland / Stufengröße: 7 x 4,5 cm

Sammlung: Museum für Naturkunde Gera
Copyright: Hrouda
Beitrag: Hrouda 2008-12-21
Mehr   MF 

Gesteine (Anzahl: 6)

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Referenz- und Quellangaben, Literatur

Literatur:

  • Weissenbach, v. (1831). Jahrbuch für den Berg und Hüttenmeister, S.241.
  • Zepharovich, M.V. Ritter v. (1871). Über Diaphorit und Freieslebenit. Sitzungsber. Math.-Naturw. Akad. Wissensch. Wien, 63, S.130-56.
  • Wagenbreth, O. & Wächtler, E. (Hrsg.) (1986). Der Freiberger Bergbau. Technische Denkmale und Geschichte. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie Leipzig. S.156-60.
  • Dietrich, A. (1994). Bräunsdorf bei Freiberg, Sachsen, Neufunde der klassischen Antimon-Silber-Paragenese. Lapis, Jg.19, Nr.9, S.24.
  • Friemel, J. (1994). Fülöppit, ein weiteres neues Pb-Sb-Sulfid für Bräunsdorf. Lapis, Jg.19, Nr.9, S.26.
  • Dietrich, A. (1994). Bräunsdorf bei Freiberg, Sachsen, Klassische Mineralien aus den alten Silbergruben. Lapis, Jg.19, Nr.9, S.30.
  • Gröbner, J. & Kolitsch, U. (2006). Neufunde aus dem Erzgebirge (II). Min.-Welt, Jg.17, Nr.3, S.22-27.
  • Mathias Burisch, Anthea Hartmann, Wolfgang Bach, Patrick Krolop, Joachim Krause, Jens Gutzmer: Genesis of hydrothermal silver-antimony-sulfide veins of the Bräunsdorf sector as part of the classic Freiberg silver mining district, Germany. Mineralium Deposita Volume 54, Issue 2 (219) S. 263–280.
  • http://www.bergbau.sachsen.de/download/bergbau/Rohstoffkatalog_Spat-Erzvorkommen.pdf

Quellangaben

  • Text entnommen aus "Gellertbote 29.01.2005" Autor: J.Jahner

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