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Erzgräber, Eisenerzgräber

Beruf im Bergbau. Personen, die nach (Eisen-) Erzen schürften.


Ein Bericht über Erzgräber im Hunsrücker Raum

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Erzgräber bei der Arbeit

(Wobei diese Schilderung wohl auf jedes Bergbaugebiet übertragen werden kann)

Zu unterscheiden waren zunächst Erzgräber, die sich nebenberuflich ein Zubrot verdienten, meist Bauern oder Tagelöhner aus der näheren Umgebung. Andererseits die Erzgräber, die beruflich und nicht sesshaft als Bergleute von Grubenfeld zu Grubenfeld zogen. Zudem waren auch Kinder und Frauen beschäftigt.

Die Anzahl der Erzgräber richtete sich allgemein nach der Größe des Grubenbetriebes und der Jahreszeit. Gegraben wurde vornehmlich in den Sommermonaten Juni, Juli und August. In den Wintermonaten wurde nur gelegentlich gearbeitet. Ein Arbeitstag bestand meist aus 14 Arbeitsstunden. Der Gräber arbeitete meist im Gedinge, d.h. man bezahlte einen Akkordlohn. Fand man viel, konnte gut verdient werden, suchte man vergebens, ging man auch mal leer aus.

Um die Wintermonate bei den fest angestellten Schürfern zu überstehen, wurde ein Drittel des Lohnes in jedem Jahr vorgeschossen. Im Gegenzug mussten sich die Arbeiter im Sommer mit niedrigeren Löhnen zufrieden geben. Saisonarbeiter dagegen verdienter entsprechend mehr. Die Arbeitsgeräte des Erzgräbers, die er sich meist selbst zu besorgen hatte, bestanden aus einer Keilhaue, einer Schaufel und einem Schubkarren; Arbeitskleidung bestand aus einem einfachen Kittel mit Leinenhandschuhen.

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Karte von 1823; Erzfelder bei Lebach/ Rümmelbach

Geschürft wurde im Tagebau (ab 1850 auch im Untertagebau), also unregelmäßigen Pingenbau, was kein spezielles Berufswissen erforderte. Wo gegraben wurde war genau festgelegt. Die zuständigen Verwaltungen legten spezielle Distrikte im Gelände fest. Eine Einwilligung des Grundstückseigentümers musste nicht vorliegen. Gegraben werden durfte nur in diesem Distrikt, bis das Vorkommen erschöpft war. Dies war nötig, um bergbaubedingten Schäden vorzubeugen. Es wurde auch ganzen Gemeinden eine Wiedergutmachungssumme gezahlt.

Die ortsansässigen Bauern verdienten meist doppelt an den Erzgruben. Einerseits wurden sie für das umgewühlte Ackerland entschädigt (jährlich etwa 3 Pfennig pro Hektar) und andrerseits verdienten sie sich als Fuhrleute für das Eisenerz bis zur Hütte ein entsprechendes Entgelt. Es war zudem nicht verboten den Arbeitern Wein, Bier oder Branntwein auszuschenken. In hütteneigenen Läden konnten preiswert Lebensmittel eingekauft werden, was sich wiederum die Bauern ebenfalls, soweit sie als Fuhrleute unter Vertag standen, zunutze machten.

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Erzsucher; nach Agricola

Die Erzgräber hatten dafür zu sorgen, dass die entstandenen Löcher wieder mit eigens zur Seite gelegtem Schutt und Erde verfüllt wurden, sodass keine Gefahr für Mensch und Tier entstand. Bei Nichtbeachtung wurde das Vergehen gerichtlich geahndet. Waren mehrere Hüttenbetriebe an einem Erzfeld beteiligt, so musste ein Mindestabstand zwischen den einzelnen Gruben von 20 Ruten (96 Meter) eingehalten werden. Eine besondere Person, der Faktor, achtete ständig darauf, dass alle Erzlöcher wieder eingeebnet wurden und dass nur brauchbares Erz geliefert wurde.

Zur Sicherheit wurde ein Teil des Lohnes zurückbehalten. Der Lohn selbst wurde im Beisein eines Aufsehers festgelegt. Begutachtet wurde der entsprechende Haufen des Erzgräbers. Danach bekamen die Fuhrleute einen entsprechenden Zettel mit der Haufennummer und den Namen des Hüttenwerkes, das sie zu beliefern hatten.

Wenn es sich um größere Erzgruben handelte, kam es auch zu regelrechten Erzgräbersiedlungen am Rande der Erzfelder. Man stand jedoch diesen Siedlungen eher ablehnend gegenüber. Es bestand die zwiespältige Meinung gegenüber Bergleuten, die zwar finanzielle Einnahmen in die Gemeinde brachte, was ja durchaus als positiv gewertet wurde, gleichzeitig lehnte man sie ab, nicht nur der Bergschäden wegen, sondern auch der vielfältigen Nutzungs- und Sonderrechte wegen, die die Bergleute in Anspruch nahmen. Sie hatten z.B. Wasser- und Weideberechtigungen und Sonderrechte bei der Beschaffung von Gartenland oder der Versorgung mit Brennholz.

Im 19. Jahrhundert verbesserte sich auch die soziale Lage der Erzgräber. Spezielle Gewerkschaften kümmerten sich um die Belange. Es wurde ein kleiner Teil des Lohnes zurückbehalten und floss in eine Hilfskasse. Eine Auszahlung erfolgte bei Krankheit, oder je nach Verletzungsgrad unterschiedlich.


Quellenangabe


Einordnung