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Karte der Dolomiten - 1822
Karte der Dolomiten - 1822

Leopold von Buch´s Karte "Esquisse d´une carte geologique de la parte meridionale du Trentino" (1822) zeigt die Verteilung von Karbonatgesteinen in Tirol - hellblau Kalkgestein, dunkelblau Dolomitg...

Leopold von Buch

Die Alpen


Die Entdeckung der Dolomiten


Diedonnè-Silvain-Guy-Tancrede de Gvalet de Dolomieu wurde am 23. Juni 1750 im französischen Dorf Dolomieu geboren. Aus einer noblen, wenn auch verarmten Familie, widmete er standesgemäß der Diplomatie und der Naturerforschung. Mit 26 Jahren bereiste er halb Europa (anscheinend nicht ganz freiwillig, da er nach einem Duell mit tödlichem Ausgang aus Frankreich flüchten musste) und zeigte großes Interesse an den Bergwerken in der Bretagne, den Basalten in Portugal und der Erdbebenaktivität und den Vulkanismus in Süditalien. 1789 durchquerte er die Alpen mit seinem Schüler Kerl Fleuriau de Bellevue. In Tirol, zwischen den Städten von Bozen und Trient, bemerkte er ein weißes Karbonatgestein, das jedoch im Gegensatz zu klassischem Kalkstein, mit Säure nicht reagierte. Er veröffentlichte diese Beobachtung zwei Jahre später im "Journal of Physique".

Nicolas de Saussure, der Sohn des großen Alpinisten und Naturforschers Horace Bénédict de Saussure, forderte daraufhin von Dolomieu einige Proben, um diese chemisch zu analysieren. De Saussure stellte fest, dass das Gestein aus einer Verbindung von Calcium, Kohlensäure und reichlich Magnesium bestand und es sich um ein neues, unbekanntes Mineral handeln musste. 1792 publizierte er seine Analysen in einem Artikel mit dem Titel "Analyse de la Dolomie". Das neue Mineral wurde daraufhin rasch als Dolomit bekannt, und der Name des Minerals wurde alsbald auf die weißen Gipfel der Dolomiten übertragen (übrigens der einzige Fall in dem das Mineral einer Gegend den Namen gab, und nicht umgekehrt). Die Genese der Dolomiten war eines der großen geologischen Rätsel des 19 Jahrhunderts. Fossilien ließen vermuten, dass die Gesteine, welche die Dolomiten bilden, im Meer abgelagert wurden. Allerdings war unklar, warum einzelne schroffe Gipfel und Klippen so prominent aus einer ansonsten recht anmutigen Landschaft mit ihren grünen Almen herausstachen.


Triassische Korallen
Triassische Korallen

Margarosmilia (Koralle)

David Bressan

Am Ende des 18. und beginnenden 19 Jhdts. umsegelten die ersten wissenschaftlichen Expeditionen die Erde und erforschten die tropischen Meere und die Lebensformen, die sich dort tummeln sowie die seltsamen geologischen Erscheinungen, die dort angetroffen werden können - wie Vulkaninseln, tropische Riffe, Atolle und die seltsamen Blumentiere. Blumentiere oder Korallen waren schon länger bekannt - kurioserweise aus den kalten Gewässern des Nordatlantiks. In 1768 erbaten sich Fischer vom norwegischen Bischof von Trondheim, Johan Ernst Gunnerus (1718-1773), göttliche Hilfe gegen die Korallen, da diese immerzu die Fangnetze aufschlitzten. Leider half der bischöfliche Segen wenig, aber als die beschädigten Netze an Bord der Schiffe zurückgeholt wurden, kamen dabei einige Bruchstücke der Korallen zutage. Der an Naturkunde interessierte Gunnerus beschrieb die Entdeckung der Kaltwasserriffe und sandte auch einige Zeichnungen der Blumentiere an den Naturkundler Carl von Linné, der sie als Korallenart Lophelia pertusa identifizierte. Der junge Naturforscher Georg Forster (1729-1798) erkundete den Pazifik zusammen mit seinem Vater im Zuge einer Erkundungsmission von James Cook. Er schlug vor, dass die Korallenriffe durch die Aktivität der Korallen vom Grund des Meeres bis zur Oberfläche wuchsen, oder - den engen Zusammenhang von Vulkanen und Atollen bemerkend - von vulkanischen Kräften in die Höhe gedrückt worden waren (Vulkane waren in jener Zeit zu praktisch allem fähig).


Im Jahre 1842 veröffentlichte Charles Darwin ein Buch über die Korallenriffe des Pazifiks (die er während der Reise auf der "Beagle" besucht hatte), in dem er eine Arbeitshypothese zu ihrer Genese und eine vorläufige Klassifikation vorschlug. Darwin erkannte richtigerweise, das die Korallentiere, die in selbst gebauten Kalkgehäuse leben, auf die obersten Meter des Meeres beschränkt waren (Korallenpolypen leben in Symbiose mit einzelligen, photoautotrophe Algen) - es war daher nicht möglich dass hunderte Meter mächtige Korallenstöcke vom Grund des Meeres hinauf gewachsen waren. Darwin kehrte das Problem um, vulkanische (was sonst?) Bergrücken sanken langsam in die Tiefe, während die Korallen das Absinken durch ihr konstantes Wachstum abglichen. Dabei entstand im Laufe geologischer Zeiträume ein mächtiger Korallenstock, der weit über sein Umgebung hinausragte. Es war dieser Vorschlag Darwins, welcher den österreichischen Geologen Baron Ferdinand F. von Richthofen (1833-1905) auf die Idee brachte, dass in den Dolomiten genau eine solche Landschaft über geologische Zeiträume und Hebungen hinweg erhalten geblieben war. Die Gipfel der Dolomiten waren Kalkgestein, das durch die Aktivität der Korallen gebildet worden war. Zwischen den früheren Atollen lagen große Ozeanbecken, in denen sich Ton, Schlamm und Ascheschichten von sporadischen Vulkanausbrüchen ablagerten. Der Kontakt zwischen dem Riff und den Beckensedimenten bestand aus einer Verzahnung von Riffschutt mit den feinen Beckensedimenten. Richthofen publizierte als erster eine umfassende Monographie über die Geologie der Westlichen Dolomiten. Darin deutete er zum ersten Mal – inspiriert durch die Arbeiten von Charles Darwin über das Wachstum moderner Riffe – die großen Gebirgsstöcke wie den Schlern, Rosengarten, Langkofel oder die Sella als fossile Korallenriffe. Mit der Theorie der Korallenriffe widersprach F.v.Richthofen der Auffassung von Leopold v.Buch, der die Kalk- und Dolomitstöcke als Nebenprodukt des Vulkanismus sah, die später durch endogene Kräfte herausgehoben wurden. Die Deutung der Gebirgsstöcke der Dolomiten als fossile Riffe wurde in der Folge durch zahlreiche Forschungsarbeiten untermauert und ist heute fester Bestandteil geologischer Lehrbücher: (letzter Absatz: KEIM, L., 2008; Geologie im Gebiet Schlern–Seiser Alm: vom Tethysmeer zum Gebirge ; Gredleriana 25, Vol. 8, 25-46)

Das so genannte triassische "Richthofen-Riff" in den Südtiroler Dolomiten zeigt die Schuttzungen von den Abhängen des ehemalige Riffkerns, die mit braunen Sand- und Tonsteinen des ehemaligen Ozeanbecken verzahnen - darunter Zeichnung des Aufschluss von MOJSISOVICS 1879.

Richthofen, und vor allem der Geologe Edmund Mojsisovics von Mojsvar (1833-1905), konnten so auch rätselhafte, riesige Blöcke, die in den Ton- und Sandsteinen der Wengen- und Cassian-Formation gefunden wurden, einleuchtend erklären. Es handelte sich um Blöcke die von den Abhängen des Riffs in die Becken gestürzt waren, und dort einsedimentierten.

Der junge Geologe Edmund Mojsisovics von Mojsvar (1833-1905) entwickelte die Riff-Hypothese weiter, mit detaillierter Betonung der Verhältnisse zwischen den gleichen Fazies (Umweltbedingungen in einem konkreten Ablagerungsraum, die zur Bildung eines speziell aussehenden Gesteinskörpers führen. Vielfach sind solche Gesteinseinheiten gleicher Fazies als lithostratigraphische Einheiten (Formationen, Schichtglieder, etc.) benannt.), welche von der Lagune des Atolls bis zum offenen Meer reichen. Massive, viele tausend Meter mächtige dolomitische Riffe wechselten plötzlich zu ordentlich geschichteten Carbonaten und lagerten sich in einer zentralen flachen Lagune ab. Der ehemalige Hang des Riffs setzte sich aus Riffschutt-Zungen zusammen, eingebettet in Sandsteine, Schiefer und Basalte, welche auf dem Meeresboden abgelagert wurden. Die nebenstehende Zeichnung stellt ein Beispiel solch einer Hangeinbettung (slope bedding) im äußeren Bereich der Carbonatplattformen der Dolomiten dar (nach MOJSISOVICS, 1879.). (Sciliar/Schlern-Plattform).

Settsass - Riff in der Cassian-Formation
Settsass - Riff in der Cassian-Formation

Settsass-Gebirgszug in den südlichen Dolomiten (2571 m); Das so genannte Richthofen-Riff (Trias) zeigt die Schuttzungen von den Abhängen des ehemalige Riffkerns, die mit braunen Sand- und Tonsteine...

David Bressan
Richthofen - Riff in der Cassian-Formation
Richthofen - Riff in der Cassian-Formation

Settsass (2571m) in Südtirol

David Bressan
Wengen-Formation
Wengen-Formation

Massive Kalksteinblöcke, die in den geschichteten Sand- und Tonsteinen der Wengen-Fm. eingebettet sind.

David Bressan
Dolomiten - Rosszähne
Dolomiten - Rosszähne

Rosszähne im Rosengartenmassiv

David Bressan

Derartig starke sedimentäre Fazieswechsel wurden bis dahin für unmöglich gehalten. Die Idee der Rekonstruktion der Dolomiten als alte Atoll-Landschaft erschien so radikal, dass Mojsisovics gezwungen war, einen privaten Herausgeber für sein revolutionäres Werk zu finden (Mojsisovics, 1879; Die Dolomit-Riffe von Südtirol und Venetien: Beiträge zur Bildungsgeschichte der Alpen. Alfred Hölder, Wien)

Bildung von Dolomit aus Riffsteinblöcken
Bildung von Dolomit aus Riffsteinblöcken

Längsschnitt des Schlern-Massivs; (Zeichnung von Moksijovics 1880)

David Bressan

Autor: David Bressan



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