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Die Alpen

Kitzbüheler Alpen
Kitzbüheler Alpen

Kitzbüheler Horn vom Hochgrubachkar (NW) aus gesehen, dahinter das Wiesbachhorn (Glocknergruppe)

Thomas Laiminger


Grauwackenzone




Grauwacke-Definition

Grauwacken sind graue bis grüngraue Sandsteine mit einem hohen Anteil an Feldspat und Matrix. Der Begriff wird meist nur für Gesteine verwendet, die dem Paläozoikum entstammen oder noch älter sind. Sie sind reich an Gesteinsbruchstücken bei wechselndem Feldspatgehalt. Je nach Anteil an Feldspat, Gesteinsfragmenten oder Quarz unterscheidet man feldspatführende und lithische Grauwacken sowie Quarzwacken.

In Deutschland ist Grauwacke ein veralteter stratigraphischer Name für Gesteine des Unterkarbons der Kulmfazies. Grauwacken finden sich in Mitteleuropa zum Beispiel in den alten Rumpfgebirgen wie Harz, Rheinisches und Thüringisches Schiefergebirge. Etwa gleich alte Grauwacken treten in den Alpen als schmaler Streifen nördlich der Zentralalpen zu Tage, wobei diese sogenannte Grauwackenzone überwiegend Sandsteine aufweist, die nicht als Grauwacken im eigentlichen Sinne anzusprechen sind.

Geologisch hat sich die Grauwackenzone bei der Auffaltung der Alpen aus dem Meeresboden des Ur-Mittelmeeres Tethys gebildet, während die darauf abgelagerten Kalke die Stöcke, Karstplateaus oder Wände der Kalkalpen bilden. Die Grauwackenzone gehört zur ostalpinen Decke.

Grauwacken sind marine, klastische Sedimente, welche durch Suspensionsströmew entstanden sind, bevorzugt in Sedimentbecken abgelagert werden, welche einem in Entstehung begriffenen Faltengebirge vorgelagert sind. Das Ausgangsmaterial entstammt einem relativ kleinen aber geologisch sehr abwechslungsreichen Liefergebiet. Es wird von Flüssen ins Meer transportiert und zunächst auf dem Kontinentalschelf abgelagert. Durch Überschreiten des stabilen Hangwinkels oder durch Erdbeben können die noch nicht verfestigten Ablagerungen instabil werden und in einem Trübestrom den Schelfhang hinab rutschen, wobei das abgerutschte Material mehr als 100 km zurücklegen kann.

Grauwacke
Grauwacke

Mächtige Grauwackenbänke einer proximalen Flyschserie des Unterkarbons. Deutlich zu erkennen ist, dass die Ablagerungen nachträglich gefaltet wurden.

Gretarsson

Gebirgsgruppen

Die Grauwackenzone liegt zwischen den Zentralalpen und den Nördlichen Kalkalpen. Die meist dunklen Gesteine wurden bereits einmal bei der variszischen Gebirgsbildung gefaltet und dann ein zweites Mal bei der Alpenentstehung.

Die Grauwackenzone zieht sich als schmaler Streifen paläozoischer Gesteine vom Arlberg durch das Oberinntal, verbreitert sich dann im Bereich der Tuxer, Kitzbüheler Alpen und Salzburger Schieferalpen (der südliche Teil der Salzburger Schieferalpen, mit Hochgründeck, Rossbrand und Ramsauleiten, gehört zur Grauwackenzone und wurde im Paläozoikum gebildet) – bis an den Dachsteinstock, um im Ennstal wieder auf eine sehr geringe Breite zusammenzulaufen. In den Eisenerzer Alpen erreicht sie nochmals eine größere Breite, um dann durch das Mürztal und den Semmering ins Wiener Becken (Ternitz) auszulaufen.


Gesteine und Erzlagerstätten

Als gebirgsbildendes Material der Grauwackenzone sind Phyllite, Schiefer, metamorphe Vulkanite, ferner schwach metamorphe Kalksteine (Marmore), Quarzite und die namensgebende – aber im engeren Sinne nur untergeordnet vorkommende – Grauwacke vorherrschend. Die Grauwackenzone ist reich an Bodenschätzen (Eisen, Kupfer, Magnesit, Graphit usw.). Geologisch hat sich die Grauwackenzone bei der Auffaltung der Alpen aus dem Meeresboden des Ur-Mittelmeeres Tethys gebildet, während die darauf abgelagerten Kalke die Stöcke, Karstplateaus oder Wände der Kalkalpen bilden. Die Grauwackenzone gehört zur ostalpinen Decke.

Der Gesteinsbestand stellt sich stratigraphisch vereinfacht wie folgt dar (zwischen Arlberg und Semmering gibt es freilich vielfach Unterschiede):

  • Ordovizium: Schiefer, Phyllite, Meta-Konglomerate und metamorphe Vulkanite – insbesondere das weit verbreitete Blasseneck-Porphyroid. Bedeutende Berggipfel von West nach Ost z. B. Gampenkogel und Steinbergkogel (beide Kitzbüheler Alpen), Blaseneck (Blasseneck) und Leobner (beide Eisenerzer Alpen)
  • Silur: Schiefer, Phyllite, Grünschiefer (metamorphe Vulkanite), Grauwacken und schwach metamorphe Kalksteine. Bedeutende Berggipfel z. B. Geißstein, Hundstein
  • Devon: v. a. metamorphe Kalksteine, oft erzführend wie z. B. am Erzberg, am Mitterberg bei Mühlbach am Hochkönig und in Schwaz. Bedeutende Berggipfel von West nach Ost: z. B. Gratlspitze, Großer Rettenstein, Kitzbüheler Horn, Wildseeloder, Spielberghorn, Zeiritzkampel, Wildfeld, Eisenerzer Reichenstein, Polster, Gößeck (Reiting), Turntaler Kogel
  • Karbon: Schiefer, Phyllite und schwach metamorphe Kalksteine, zum Teil magnesitführend wie in Sunk bei Trieben und in Veitsch

Stellenweise tritt auch im Süden der Zentralalpen eine südliche Grauwackenzone in Erscheinung, z. B. in den Karnischen Alpen.

Ebenfalls zur Grauwackenzone gehören die Eisenerzer Alpen, der Südteil der Ennser Alpen, die wiederum, als Gesamtgruppe gesehen, zu den Nördlichen Kalkalpen in den Ostalpen gehören. Die Gebirgsgruppe liegt großteils im österreichischen Bundesland Steiermark, nur ein kleiner Teil im Nordwesten befindet sich in Oberösterreich.



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