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Die Alpen

Bergsturz
Bergsturz

Bergsturz bei Randa, Mattertal, unterhalb des Weisshorn, Wallis, Schweiz 1991

Wandervogel


Anhaltende Hebung und Ausformung




Hebung

Hebung bzw. die entsprechende Senkung bedeutet in den Geowissenschaften eine Vertikalbewegung im Zusammenhang mit endogenen Kräften des Erdkörpers – etwa bei der Gebirgsbildung – und geht auf unterirdische Bewegungen (Mantelkonvektion, Vulkanismus) oder auf Keil-Wirkungen zurück, sowie auf Isostasie, den Kräfteausgleich der Landmassen über dem flüssigen Erdmantel.

Ursachen der Hebung

Die Geodynamik kennt verschiedene Ursachen für Hebung bzw entsprechende Senkungen:

  • im Rahmen der Plattentektonik, durch Überschiebung oder Unterschiebung (Subduktion)
  • durch Querkräfte in Zusammenhang mit Faltung während der Entstehung von Faltengebirgen
  • Postglaziale Landhebung als Spätfolge der Vergletscherung des Holozän

Hebung
Hebung

Eperrimont am Fuße Masivs von Vercors, Le Gua, Isère, Frankreich

JF Jagodzinski



Gebirgsbildungsphasen und tektonische Prozesse

Auf Hans STILLE (1944) geht die Unterteilung des geologischen Werdegangs von Europa in vier wesentliche Gebirgsbildungsphasen zurück: die fennosarmatische, kaledonische, variskische und alpidische Phase. Fast alle jungen Faltengebirge der Erde sind in den letzten 20 bis 40 Millionen Jahren in der alpinen Gebirgsbildung, der letzten dieser Phasen, entstanden. In dieser Phase entstanden unter anderem der Hohe Atlas, die Pyrenäen, die Alpen und die Karpaten, die Dinariden, die Gebirgszüge der Türkei, das Zagros-Gebirge in Persien, der Himalaya und die westlichen Gebirge von Burma, Thailand und Indonesien. In der heutigen Alpenregion wurden die Ausgangsgesteine in mehreren Meeresräumen abgelagert; die damals gebildeten Meeressedimente waren bis zu einigen Kilometern dick und wurden in einem komplizierten Prozess, dessen Hauptphase vor etwa 70 Millionen Jahren begann, zu einem Gebirge aufgefaltet. Nach der stärksten Hebungsphase (vor etwa 25 Millionen Jahren) furchte die Erosion das weiträumig gehobene Gebiet an tektonischen Schwächezonen durch lange und kürzere Täler ein. Die Hebung der Alpen hält bis heute an (mit 1–3 mm pro Jahr), sie wird durch etwa gleich starke Erosion wettgemacht.



Ursachen des Alpenwachstums

Das Wachstum der Alpen, wie auch anderer junger Faltengebirge der alpidischen Bildungsphase etwa setzt sich aus Effekten der Postglazialhebung, der ihr zugrundeliegenden Faltung und der entgegenwirkenden Erosion zusammen. Insgesamt ergibt sich eine durchschnittliche Hebung von einem bis zwei Zentimetern je Jahrhundert mit lokalen Schwankungen. (In den aktivsten Phasen der Gebirgsbildung liegen die Hebungen vermutlich im Bereich etlicher mm/Jahr.)

Die Hänge der Alpen sind dadurch permanent an der Grenze zu einer instabilen Steilheit. In Zusammenhang mit dem Aufsteigen der Permafrostgrenze ist dieser Effekt für Bergsturz in den Alpen verantwortlich und für die Auszeichnung von Gefahrenzonen in der Gefahrenkartierung für Siedlungsbereiche von Bedeutung.

Zum Hochgebirge wurden die Alpen durch Hebung des gefalteten Gebirgskörpers, die bis in die Gegenwart anhält. Durch den isostatischen Ausgleich in der Kruste hob sich das Gebirge, dessen Erosion ab dem Unter-Oligozän das nördlich gelegene Molassebecken füllte. Der gebirgsbildende Druck dauert bis heute an, der Wuchs in die Höhe beträgt jedoch nur etwa 1 mm pro Jahr. Horizontale Erdkrustenbewegungen können jedoch regional etwas größer sein, etwa in Bebengebieten.



Verwitterung und Erosion

Die heutige Gebirgsform erhielten die Alpen durch Verwitterung und Erosion, vor allem durch die abtragende Tätigkeit der Gletscher während der Eiszeiten.

Das erdgeschichtlich jugendliche Alter der Alpen wird sichtbar an den schroffen Felswänden, den scharfen Graten und an den tiefen und steilen Tälern mit unausgeglichenem Gefälle. Das Wechselspiel von Hebung und Abtragung (durch Gletscher, Flüsse, Frost, Sonne) mit der Lagerung und Widerstandsfähigkeit der Schichten formt bis heute die Alpen. Durch die Modellierung (modellierende Überformung) in der Eiszeit prägten die Gletscher das Bild und schufen neue Oberflächenstrukturen, wie Grate und Kare durch periglaziale Verwitterungen und Glazialerosion; nach Zurückweichen des Eises bildeten sich Seen und Endmoränen.



Abgrenzung der Begriffe Verwitterung und Erosion



Verwitterung

Unter Verwitterung versteht man exogene geodynamische Prozesse an der nahen Erdoberfläche, die zum Zerfall und zur Zersetzung von Mineralien und Gesteinen führen, wobei unter allmählichem Verlust von Bestandteilen die Konsistenz und Form des Minerals oder Gesteins zerstört wird. Die Gesteinszerstörung ist Folge physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse, welche sowohl räumlich als auch zeitlich eng miteinander verknüpft sind. Der eigentliche Gesteinszerfall ist ein Produkt unterschiedlicher physikalischer Prozesse, wobei Wasser, Wind und Temperatur die wichtigsten Verwitterungsverursacher sind. Chemische Prozesse führen zu Um- und Neubildung von Gesteinen, wobei die Mineralien in gelöste Stoffe überführt werden. Die wichtigsten Einflussfaktoren der Verwitterungsintensität sind das Angebot der Kräfte durch das Klima, die Verwitterungsarten, der Mineralbestand der Gesteine und der Zeitpunkt der Heraushebung der Gesteine an die Oberfläche. Ein besonderes Merkmal ist, dass Verwitterungsprozesse nur bei Gesteinen in situ stattfinden, wobei kein Transport stattfindet. Auf die Verwitterung folgt die flächenhaft wirkende Abtragung (Denudation).



Erosion

Erosion ist die Abtragung, der Transport und die Verlagerung von Gesteinen durch Fließgewässer, durch Niederschläge und durch Gletscher.

Die wichtigsten Erosionsprozesse sind die Abtragung durch fließendes Wasser (welches Einschnitte, die Vertiefung und die Verbreiterung von Flussbetten bewirkt), durch fluviatilen Transport (Verlagerung von Material), durch abfließendes Regenwasser oder auch durch Sickerwasser. Durch Wind (aeolischer Transport), Deflation (Ausblasung verwitterten Materials in ariden gebieten), Abtragung durch Meeresbrandungen (marine Erosion oder Abrasion), durch starke Niederschläge (Abspülung) und durch Gletscher, welche die Oberfläche durch ihr großes Gewicht und das mitgeführte Gesteinsmaterial zerstören. Bei der Erosion findet im Gegensatz zur Verwitterung ein Transport statt.

Während Erosion eine linienhafte Abtragung ist, bezeichnet Denudation (von lateinisch denudare = entblößen) im Gegensatz dazu die flächenhaft wirkende Abtragung der Festlandsoberfläche. Die Denudationsprozesse tragen den Regolith bis zur Entblößung des darunter liegenden Gesteins ab, sofern sie nicht kompensiert werden. Vielfach werden Erosion und Denudation im Begriff Erosion zusammengefasst.



Frostverwitterung



Frost- und Tauzyklen im Hochgebirge

Die Verwitterung durch Volumenvergrößerung des Wassers (ca. 9%) und der Bildung hoher Drücke (bis 220 MPa) beim Gefrieren wird als Frostverwitterung bezeichnet. Dieser Prozess findet statt, wenn im Winter Wasser in Gesteinsrisse eindringt, zu Eis gefriert (Spaltenfrost), wobei sich die Spalten ausdehnen, nach dem Schmelzen des Eises noch mehr Wasser in die nunmehr vergrößerten Spalten gelangt und durch dieses wiederholte Auftauen und Gefrieren letztendlich das Gestein zerspringt. Dieser Prozess wird auch als Frostsprengung bezeichnet. Ein häufiger Wechsel von Gefrieren und Wiederauftauen (Frost-Tauzyklen) des Substrats des Gestein und des Bodens sind entscheidend für die Intensität frostbedingter Verwitterung und frostbedingten Gesteinszerfalls. Starke Abkühlung des Gesteins in strahlungsreichen Frostnächten bei gleichzeitiger hoher Einstrahlung und Erwärmung am Tage bilden ideale Voraussetzungen zur Bildung von Frostschutt. Auch unter Schnee kann es durch wechselndes Gefrieren und Auftauen des Untergrundes zu Frostverwitterung kommen, ein Prozess, der als Nivation bezeichnet wird.

Felssturz in situ
Felssturz in situ

Felssturz durch Frost verursacht; Ostseite des Eigers auf den unteren Grindelwaldgletscher; Bern, Schweizer Alpen.

Public Domain

Durch Frost-Tau-Zyklen geformte Torri die Vaiolet
Durch Frost-Tau-Zyklen geformte Torri die Vaiolet

Vaiolet-Türme, Torri die Vaiolet, Trentino, Italien; Vincenzo Gianferrari Pini; Genehmigung Creative Commons 2.5 Italien

Vincenzo Gianferrari Pini

Frostsprengung im anstehenden Gestein und Eisbildung im gelockerten Substrat stellen einen der wichtigsten physikalischen Verwitterungsprozesse dar. Durch Frostsprengung wird Schutt aller Größenordnung aber auch Feinmaterial bis zur Schlufffraktion in großen Mengen erzeugt. Physikalische Verwitterung und Gesteinsaufbereitung sind typisch für die nivale und die periglaziäre Höhenstufe der Gebirge.

Unter dem Frost-Tau-Zyklus (auch Frostwechelszyklus) versteht man Schwankungen der Lufttemperatur durch den Nullpunkt. Gefrorenes Wasser, d.h. Eis, hat ein 9 - 10 % größeres Volumen als Wasser in flüssigem Zustand. Deshalb kann Wasser, wenn es in Bruchstellen oder Spalten einsickert, sogar härteste Gesteine innerhalb der Zyklen von Frost und Tau brechen. Gesteine, die auf diese Art gesprengt oder zerkleinert wurden, zeigen klare und gerade Brüche. Diese Art der physikalischen Gesteinsverwitterung ist in Gebirgsregionen üblich, in welcher die Temperatur regelmäßig um den Nullpunkt schwankt. Beginnt im Winter der Boden sowohl von der Oberfläche als auch vom Permafrostspiegel aus zu gefrieren, so kommt es durch das vergrößerte Volumen zu Spannungen. Sedimente und Gesteine werden in alle Richtungen durcheinander geschoben, um den Druck auszugleichen.

Der Rückzug hoch gelegener Permafrostböden und die vermehrten Frost-Tau-Zyklen lösen Gestein und Schutt, sodass sich Steinschläge und Murengänge häufen und intensiver ausfallen können. Das Auftauen von Permafrostböden sowie das Schmelzen von Gletschern in Hochgebirgsregionen sind eine der Hauptursachen für Berg- bzw. Felsstürze, wobei die Stabilität des Gesteins am schwächsten ist, wenn die Temperatur ganz knapp unter Null Grad liegt. Im Inneren ist das Gestein noch gefroren, an der Oberfläche jedoch ist das Eis, das den Permafrostboden normalerweise versiegelt, schon getaut. Wasser dringt in Spalten ein, kann nicht entweichen und baut Druck auf. Die Felswand verliert ihre Stabilität und bricht ab.

Durchmischungsprozesse, wobei Bodenschichten durch ständigem Wechsel von Auftauen und Frieren verformt werden und charakteristische Oberflächenformen Gestalt annehmen, nennt man Kryoturbation. Als Frosthub oder Frosthebung bezeichnet man die Anhebung des Untergrundes senkrecht zur Erdoberfläche durch Volumenzunahme gefrierenden Wassers.



Permafrost

Permafrostboden – auch Dauerfrostboden – ist ab einer gewissen Tiefe das ganze Jahr hindurch gefroren. Definitionsgemäß ist Permafrostboden „Boden, Sediment oder Gestein, welches in unterschiedlicher Mächtigkeit und Tiefe unter der Erdoberfläche mindestens zwei Jahre ununterbrochen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt aufweist“. (Quelle: Lexikon der Geowissenschaften. 2., 2000, S. 326.) Permafrostböden bilden sich dort, wo die Jahresdurchschnittstemperatur −1 °C und der Jahresniederschlag 1000 mm nicht übersteigt. Somit befinden sich die großen Permafrostareale der Erde in den Polargebieten mit den arktischen und antarktischen Tundren, in großen Teilen der borealen Nadelwaldgebiete, aber auch in sämtlichen Gebieten, die die Voraussetzungen für Permafrost erfüllen, wie etwa Hochgebirge Permafrostareale gibt es auch in Hochgebirgsregionen, wie beispielsweise den Alpen. Sie sind während der letzten Eiszeit (Würm-Kaltzeit) entstanden als der Boden stellenweise bis in mehrere 1000 Meter Tiefe gefror. Neben diesen fossilen Permafrostgebieten in den Alpen findet heute – wenn auch nur in sehr geringem Umfang – auch rezente Permafrostneubildung statt (zum Beispiel durch das Zurückweichen eines isolierend wirkenden Gletschers oder Blockgletschers, wodurch der Boden direkt der Kaltluft ausgesetzt ist und sich Permafrost neu bilden kann, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Permafrostkarte der Alpen
Permafrostkarte der Alpen

Alpine Permafrost Index-Karte (APIM);
Quelle: Univ Zürich - Publicly available

Universität Zürich

Permafrostböden können im Sommer oberflächlich auftauen; der darunter liegende Boden bleibt weiterhin gefroren. Bedingt durch den Auftauboden finden zahlreiche periglaziale Denudationsprozesse statt. (1)

Das Auftauen der Permafrostböden in den Alpen hingegen setzt ganze Berghänge in Bewegung. Am Bliggferner in den Alpen rutschen derzeit etwa vier Millionen Kubikmeter Gestein und Eis in Richtung Tal. Diese Gebirgsmasse wandert täglich 20 Zentimeter, reißt den Gletscher zunehmend auf, und macht ein plötzliches Abrutschen immer wahrscheinlicher. Ein Abrutschen in den Gepatsch-Stausee könnte den See über die Staumauer treten lassen und damit eine Flutwelle ähnlich wie im Fall der Vajont-Staumauer in den italienischen Alpen auslösen. (Quelle: Permafrost – Und dann war der Gipfel weg sueddeutsche.de 27. Dezember 2007 (Kopie auf waltner.co.at)



Blockhalden und Felsenmeere


Blockhalden sind große Ansammlungen von meist granitischen oder quarzitischen Gesteinsblöcken mit Durchmessern über 20 cm. Sind diese Blockhalden großflächig, werden sie als Block- oder Felsenmeere bezeichnet. Sie entstehen vor allem durch Frostsprengung der Gesteinsklüfte.

Blockhalden - Neugersdorfer Hütte
Blockhalden - Neugersdorfer Hütte

Die Neugersdorfer Hütte (ital: Rifugio Vetta d'Italia) – auch Krimmler-Tauern-Hütte – ist eine Schutzhütte im Südtiroler Teil der Zillertaler Alpen, etwa 300 Meter südöstlich des Krimmler Tauern, d...

R. Enders

Blockhalde am Sonnwendstein
Blockhalde am Sonnwendstein

Große Blockhalde am Südhang des Sonnwendsteins
niederösterreichisch-steirische Kalkalpen(1523m)

Geof



Kohlensäureverwitterung

Kohlensäureverwitterung ist eine Art der chemischen Verwitterung, die bei der Lösung von Karbonatgesteinen (Kalkstein, Marmor und Dolomit) durch Kohlensäure entsteht. Kohlensäure (H2CO3) bildet sich in der Natur u.a. durch Lösung des in der Luft enthaltenen Kohlendioxids (CO2) im Regen- und Bodenwasser (H2O). Kalkstein besteht hauptsächlich aus dem schwer wasserlöslichen Calcit (CaCO3). Kohlensäure löst Calcit und es entsteht Calciumhydrogencarbonat (Ca(HCO3)2), das sich sehr gut im Wasser löst.

  • H2O + CO2 → H2CO3- → HCO3- → 2 (HCO3)2
  • CaCO3 + H+ + HCO3- → Ca2+ + 2 HCO3- → Ca(HCO3)2

Ändern sich die äußeren Einflüsse, erfolgt also eine Temperaturzunahme oder Druckminderung, so zerfällt das Calciumhydrogencarbonat. Auch tief unter der Landoberfläche führt die Kohlensäureverwitterung zur Wegführung von Carbonatgestein und damit zur Bildung von Höhlen und Höhlensystemen im Kalkgestein. In Tropfsteinhöhlen wird unter Abgabe des Kohlendioxids an die Umgebungsluft Calcit ausgefällt, das sich in Form von Tropfsteinen ablagert. Durch die Wirkung von Kohlensäure auf Kalkgesteine entstehen interessante, oft meist kleine Oberflächenformen, typischerweise mit einem komplexen Muster von Vertiefungen, Rillen, Furchen und Spalten überzogen. Durch sie entstehen die bizarren Karrenfelder im Karst in den Kalkalpen. Die Kohlensäureverwitterung ist die Grundlage für die Entstehung von Karst.



Karst

Der Begriff Karst steht für die Gesamtheit der Formen von durchlässigen, wasserlöslichen Gesteinen (z.B. Kalkstein, Gips, Salze), die durch Oberflächen- und Grundwasser ausgelaugt werden. Durch Lösungsvorgänge kommt es zu charakteristischen Karsterscheinungen. An der Oberfläche sind dies z.B. Karren (Schratten), Dolinen, Uvalas, Poljen, Schlotten, Erdorgeln. Zu den unterirdischen Karsterscheinungen gehören oft weit verzweigte Höhlen und die typischen Erscheinungen der Karsthydrographie: unterirdische Flussläufe und Karstseen, Karstquellen, die unter Druck austreten, Ponore (Katavothre) oder Flussschwinden. Entstehung

Die zumeist aus Karbonatgesteinen (zum Teil auch in Sulfat- und Salzgesteinen) aufgebauten Karstgesteine sind vorwiegend durch Lösungs- und Kohlensäureverwitterung sowie Ausfällung von biogenen Kalksteinen und ähnlichen Sedimenten mit hohen Gehalten an Calciumcarbonat (CaCO3) entstanden. Die Gesteine werden durch Kohlensäure gelöst (siehe auch Tropfsteine). Regenwasser mit einem pH-Wert unter 7 gilt als sauer. Dies geschieht durch Aufnahme von Kohlenstoffdioxid CO2. Chemisch ausgedrückt reagiert das CO2 der Luft mit dem Wasser und bildet teilweise Kohlensäure (H2CO3). Die Kohlensäure dissoziiert nun in HCO3- und H+ und ist so in der Lage, den Kalk (CaCO3) zu lösen. Durch in das Gestein eindringendes, kohlensäurehaltiges Wasser entstehen Gänge und Hohlräume, die sich im Laufe von Jahrmillionen zu riesigen Gangsystemen entwickeln können. Oft bilden sich in diesen Hohlräumen durch eintropfendes saures Oberflächenwasser, welches gelösten Kalk enthält, Tropfsteine. Brechen die Hohlräume ein, so können trichterförmige Senken (Doline) entstehen. An der Oberfläche des Gesteins entstehen Auswaschungen, Rinnen und Furchen, die sogenannten Karren.

Landschaften, die überwiegend von Karbonaten aufgebaut werden, sind als Karstlandschaften ausgebildet. Große Karstlandschaften finden sich diese um das Mittelmeer (Balkan, Spanien, Italien), sowie in Südostasien (Thailand, Burma, Malaysia) und Südchina, den Großen Antillen und im Indoaustralischen Archipel. Karstlandschaften von geringerem Ausmaß finden sich in deutschen Mittelgebirgen (Schwäbische Alb, Fränkische Alb), im Schweizer Jura sowie allgemein in Westeuropas sowie den Nord- wie Südalpen. (s.a. > Kapitel Gesteinsabhängige Oberflächenformen)



Glaziale Erosion

Als Glaziale- oder Gletschererosion bezeichnet man den Abrieb von Gesteinsoberflächen unter sich bewegender Gletscher, welcher zu großen Schuttmengen in Form von Moränen führen.

Gletscherschliff oder Detersion bezeichnet die abschleifende Tätigkeit eines Gletschers, der sich über einen Gesteinskörper hinweg bewegt. Durch das Gleiten des sich bewegenden Eises wird der Untergrund erodiert, obwohl das Eis viel weicher als das Gestein ist. Die schleifende bzw. glättende Wirkung entfaltet sich im Anstehenden durch das mitgeführte, bzw. vom Gletscher transportierten Materials (Moränen), im speziellen die Schuttablagerungen, die von Gletschern bei ihrer Bewegung mitbewegt oder aufgehäuft werden.

Exaration ist ein Prozess der Glazialerosion, wobei nichtglazigene Lockergesteine und anstehende Festgesteine im Bereich der Gletscherstirn aufgeschürft und aufgefaltet werden. Freiliegende Gletscherschliffe sind in jung vergletscherten Räumen weltweit sehr häufig zu finden. Findlinge, auch Erratische Blöcke oder Erratiker genannt, sind meist einzeln liegende sehr große Felsbrocken, welche durch Gletscher während der Eiszeiten in ihre heutige Lage durch Erosion transportiert und abgelegt wurden. (s.a. Kapitel: > Gletscher)



Denudation

Denudation (lateinisch denudare = entblößen) beschreibt den Vorgang des flächenhaft wirkenden Materialabtrags an der Festlandsoberfläche. Nach der Verwitterung der Gesteine unterliegen die entstandenen Verwitterungsprodukte weiteren Prozessen. Durch Denudationsprozesse werden die Verwitterungsprodukte bis zur Entblößung des darunter liegenden Gesteins abgetragen, wobei neben der Art des Verwitterungsproduktes, die Art des Transportmittels und die Größe des Böschungswinkels entscheidend für die raum-zeitliche Ausprägung der Denudation sind. Als Transportmittel können Wasser, Eis und Wind dienen, wobei zu berücksichtigen ist, dass Wasser bereits bei geringsten Hangneigungen, Eis und Wind sogar hangaufwärtsgerichtete Transporte bedingen können. Denudation wird auch als Sammelbegriff für die Gesamtwirkung aller flächenhaften Hangabtragprozesse benutzt, unabhängig von der Art des geomorphologischen Prozesses, der diese Massenbewegung bewirkte Die Prozesse der Denudation werden nach dem Transportmedium unterschieden:

  • Kein Medium (Sturz, Schwerkraftbedingt)
  • Porenwasser, Eis, Schnee (Fluviale Erosion)
  • Unkonzentriertes Wasser (Wegspülen)
  • anderes Gleitmittel (z.B. Ton im Flysch, Salz)
  • Frostwirkung (Periglazial)
  • Lösungswirkung (Karst)
  • Wind (Äolische Erosion)
  • Gletscher (Glaziale Erosion)



Sturzdenudation und Talus

Sturzdenudation tritt vor allem an steilen Felswänden auf, wobei gelockerte Partikel (Lockersediment aus meist unsortierten, kantigen Bruchstücken hangabwärts stürzen und durch gravitativen Transport Sturz- bzw. Schutthalden oder Schuttkegel erzeugen. Mit der Zeit bildet der Gesteinsschutt einen stetig wachsenden Schuttkörper am Fuß des Hanges oder der Felswand. Eine andere Bezeichnung für diese Schutthalden oder Schuttkegel ist Talus. Ein Schuttkörper, der überwiegend aus Blockschutt besteht, wird als Blockhalde bezeichnet. In engen Tälern und in Karen mischen sich die Schuttfüße der umliegenden Wände. Eine von Schutt überdeckte Quelle am Fuß einer Felswand, deren Wasser erst am Rande des Talus zu Tage tritt, wird als Schuttquelle bezeichnet. Bei Bergstürzen, welche durch Erdbeben, Frostsprengung oder Durchfeuchtung entstehen, kommt es zum Abstürzen kompletter Bergflanken.

Talus am Fuß der Drei Zinnen
Talus am Fuß der Drei Zinnen

Blick auf die Nordseite, Sextener Dolomiten, Italien; Bildung vor 200-220 Mio. Jahren im Trias, Dolomit.

Walter Wegscheider

Schutthalden (Talus)
Schutthalden (Talus)

Schutthalden (Talus) am Kreuzkopf (2287 m);
Allgäuer Alpen, Nördliche Ostalpen

KaukOr



Versatzdenudation

Durch Wasseraufnahme quellfähiger Tonminerale oder Gefrieren von Bodenwasser dehnt sich der Regolith (Saprolith) aus. Bei Wasserabgabe oder Auftauen des Bodenwassers zieht sich das Bodenmaterial wieder zusammen. Durch die wiederholte Hebung und Senkung der Bodenoberfläche werden die Bodenpartikel hangabwärts versetzt (Rutschhang).



Rutschen, Gleiten und Fließen

Der Regolith (Saprolith) bewegt sich, bevorzugt auf wasserundurchlässigen Tonen, als kompakte Einheit auf einer Gleitfläche hangabwärts. Gleitvorgänge auf Steilhängen sind Lawinen, manche Muren und die Entstehung von Plaiken (Abrutschen der Grasnarbe).

Wenn feinerdereiches Material vollständig (und nicht nur oberhalb der Gleitfläche) wassergesättigt ist, kommt es an Hängen zu Fließungen. Bei Muren fließt wassergesättigter Schutt breiartig hangabwärts. Hangabtragprozesse




(1) Zur Überwachung des Permafrosts im gesamten Alpenraum lief im September 2008 ein Projekt unter der Regie des Landesamts für Geologie der Provinz Bozen in Südtirol an. Über ein Monitoring-Netzwerk wird der Permafrost und seine Wirkungen auf Landschaft, Infrastrukturen und Menschen in den Alpen untersucht. Mitbeteiligt an dem 3,3 Millionen-Euro teuren Projekt sind Frankreich, die Schweiz, Deutschland, Österrreich und Slowenien. Das Projekt mit einem Gesamtbudget von 3, 3 Millionen Euro hat die EU-Kommission im Juni genehmigt

Die Bedeutung des abschmelzenden Permafrosts in den alpinen und hochalpinen Gebirgsregionen als Gefahr für die bestehenden Infrastrukturen wie Straßen, Lifte, Seilbahnen und andere touristische Strukturen sowie Schutzhütten und Siedlungen wird immer dann bewusst, wenn diese Strukturen beschädigt werden oder auf Grund von Steinschlag oder Murabgängen nicht zugänglich sind.

Dass die Auswirkungen des abschmelzenden Permafrostes jedoch weit größer sind, als allgemein angenommen, zeigen die Untersuchungen des Projekts „PROALP“ das zur Gänze von der Landesregierung finanziert wurde und dessen Ergebnisse nun als Basis für diese alpenweite Initiative dienen. Aus dieser Studie geht hervor, dass etwa zwölf Prozent der Landesfläche potentielle Permafrostareale sind. (Quelle: Geologischer Landesdienst Autonome Provinz Bozen Südtirol 26.8.2008)




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