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Die Alpen

Granodiorit-Gebirge Sciora
Granodiorit-Gebirge Sciora

Die Granodiorit-Gebirgsgruppe Sciora, von links nach rechts: Sciora Dafora, Punta Pioda, Ago di Sciora (die Nadel), Sciora Dadent im Bergell, Graubünden, Schweiz

Samedan

Gesteine der Alpen




Gesteinskomplexe, welche am Bau der Alpen beteiligt sind

Die Gesteinskomplexe, die am Bau der Alpen beteiligt sind, können bezüglich ihres Alters und ihrer Entstehung in sechs Gruppen eingeteilt werden:

  • 1. Ehemaliges variszisches Grundgebirge: bei der variszischen Orogenese im Karbon verformte und/oder metamorph überprägte Gesteine. Der variszische Metamorphosegrad geht von unmetamorph bis eklogit- und granulitfaziell.
  • 2. Ehemalige Bedeckung des variszischen Grundgebirges (Perm-Mesozoikum-Tertiär): vorwiegend Sedimentgesteine, untergeordnet Vulkanite.
  • 3. Mesozoische Ophiolithe, also ehemalige Ozeanböden (v.a. Serpentinit, Gabbro, Basalt).
  • 4. Ehemalige Sedimentbedeckung der mesozoischen Ozeanböden.
  • 5. Tertiäre Intrusiva, meist Tonalit und Granodiorit.
  • 6. Posttektonische Sedimentbedeckung mit untergeordneten Vulkaniten (meist Tertiär).

Die ersten vier können alpin metamorph oder unmetamorph vorliegen („alpin“ bedeutet, dass die Metamorphose während der alpinen Orogenese stattfand, also seit dem späten Jura). Ehemaliges variszisches Grundgebirge kann also polymetamorph sein, d.h., mehrere Zyklen von Metamorphose mitgemacht haben. (Quelle: Vorlesungsskript Dr. N. Froitzheim; Geologie der Alpen - Teil 1; Universität Bonn; Steinman Institut)



Petrologie der Ostalpen

Nach Kriterien der Petrologie teilen sich die Ostalpen in sieben Gesteinszonen. Im Gegensatz zu den Westalpen schließen die Ostalpen keine parautochthonen Massen ein; sie sind ein Decken- und Faltengebirge, in dem westalpine Decken nur randlich und in geologischen Fenstern hervortreten.

  • Sandsteinzone (Flyschzone) mit Molassezone – schmal im mittleren Bereich, sich gegen Westen und Osten verbreiternd
  • Nördliche Kalkzone (Nördliche Kalkalpen) – Hauptmasse der Nordalpen
  • Nördliche Schiefer–Grauwackenzone – Grundgebirge des Kalks, gebirgsbildend im Tirolisch-Salzburgischen und Steirisch-Niederösterreichischen
  • Kristalline Zone – entspricht etwa dem Alpenhauptkamm bzw. den Zentralalpen
  • Südliche Schiefer–Grauwackenzone – an der Südgrenze Österreichs
  • Südliche Kalkzone (Südliche Kalkalpen) – großteils in Slowenien und Italien
  • Südliche Sandsteinzone – kaum ausgebildet; in Italien

In Osttirol und Kärnten stimmen Deckengliederung und Gesteinszonen nicht überein. Die Gailtaler Alpen liegen nördlich der alpin-dinarischen Narbe, bestehen aber aus Kalkstein und werden daher meist zur südlichen Kalkzone (und damit zu den Südalpen) gerechnet. Die Südliche Schieferzone wird in den Karnischen Alpen im Norden und Süden von Zügen der südlichen Kalkzone eingefasst. Der hauptsächliche Gesteinsbestand in den alpinen Hoch- und Mittelgebirgsregionen sind einförmige Paragneise, d.h. metamorphisierte tonige und sandige Sedimente, Grauwacken und Tuffe. Darin finden sich häufig Amphibolite, die aus Basalten entstanden sind. In diesen Gesteinsgesellschaften sind auch magmatische Orthogneise sehr häufig. In der Silvretta und den Ötztaler Alpen belegt eine ältere Orthogneisgeneration ein altpaläozoisches Intrusionsereignis. Andere, jüngere magmatische Gneise sind hingegen im Gefolge der variszischen Gebirgsbildung im Karbon eingedrungen. Gleich alte Granitgneise kommen u. a. in den Kristallinmassen der Schladminger Tauern und Seckauer Tauern und in den Mürztaler Alpen vor und sind ein Hinweis auf eine erstmalige Orogenese in früher variszischer Zeit (um 420 mya).



Nördliche Schiefer–Grauwacken-Zone

Die Schiefer–Grauwackenzone ist ein schmaler Streifen paläozoischer Schiefer, Sandsteine und Kalke. Im Westen zeigen die Schieferalpen almen- und quellenreiche Rücken und Schneiden, darüber stellenweise Grate und Spitzen in härteren Schiefern und Kalken: Kitzbüheler Alpen (Tiroler-) und Salzburger Schieferalpen. In der Grauwackenzone, etwa den Eisenerzer Alpen dominieren dagegen landschaftlich Kalkklötze. Die Schieferzone enthält Lager von Eisen- und Kupfererz, Magnesit, Graphit und Talk. Die Schieferalpen liegen großteils im Westen nördlich, im Osten (nach dem Dachsteinmassiv, wo sie nahezu unterbrochen ist) südlich der Längstalflucht, und werden daher dort meist zu den Zentralalpen gerechnet.



Kristalline Zone

Der hauptsächliche Gesteinsbestand in den alpinen Hoch- und Mittelgebirgsregionen sind einförmige Para-Gneise, das sind metamorphisierte tonige und sandige Sedimente, Grauwacken und Tuffe. Darin finden sich häufig Amphibolite, die aus Basalten entstanden sind. In diesen Gesteinsgesellschaften sind auch magmatische Orthogneise sehr häufig. In der Silvretta und den Ötztaler Alpen belegt eine ältere Orthogneisgeneration ein altpaläozoisches Intrusionsereignis. Andere, jüngere magmatische Gneise sind hingegen im Gefolge der variszischen Gebirgsbildung im Karbon eingedrungen. Gleich alte Granitgneise kommen u. a. in den Kristallinmassen der Schladminger Tauern und Seckauer Tauern und in den Mürztaler Alpen vor und sind ein Hinweis auf eine erstmalige Orogenese in früher variszischer Zeit (um 420 mya, s. o.).



Die Flyschzone

Die Gesteine der Flyschzone sind ganz überwiegend in tiefem Meer unterhalb der Calcit- und Aragonit-Kompensationstiefe (3000–5000 m) abgelagerte Turbiditsequenzen von Sandsteinen, Siltsteinen, Mergeln und Tonsteinen, teilweise kalkhaltig und manchmal kieselig, die an ihrer Basis auch Gerölllagen enthalten können. Nur im unteren Teil der Schichtfolge sind mit den Turbiditen eingeschwemmte Fossilien häufiger zu finden.

Geologisch hat sich der rhenodanubische Flysch bei der Auffaltung der Alpen aus den Ablagerungen in der Nordhälfte des penninischen Bereichs des südlich von Europa liegenden Ur-Mittelmeeres, der Tethys, gebildet. Sie steht sowohl zeitlich wie auch in der geographischen Abfolge der Deckensysteme zwischen dem vom ursprünglichen europäischen Kontinentschelf stammenden helvetischen Decken (Helvetikum) und den nördlichen Kalkalpen, die vom Nordrand der zu Afrika gehörenden Adriatischen Platte stammen. Im Alpenraum werden die Gesteine der Flyschzone mit den anderen Flyschgesteinen des Penninikums wie den Bündnerschiefern in Verbindung gebracht, die ebenfalls als Flyschgesteine im penninischen Ozean entstanden sind.



Petrologie der Westalpen

Im Westen befindet sich eine auffällige S-förmige Krümmung der Gesteinszonen. Die kristalline Zone streicht in der Silvretta von Süden heran und biegt dort gegen Osten. Das Kalkgebirge des Rätikons liegt südlich der großen Längstalflucht. Das Etschtal südlich von Bozen ist dem Gesteinsstreichen nach ein Längstal. Die Kalkzone bildet im Bereich Gardasee einen charakteristischen Sporn, der sich Dutzende Kilometer südlich der sonstigen Südgrenze befindet. Besonders hervorzuheben sind die mächtigen Tithonkalke und die Urgon-Fazies der unteren Kreide, wobei Letztere vorzugsweise von Rudisten aufgebaut wird und ein wichtiger Gipfelbildner in den subalpinen Ketten (Vercours, Chartreuse) ist.



Die wichtigsten kristallinen Gesteine der Alpen



Gneis

Gneise entstehen durch Metamorphose, also unter relativ hohen Temperatur-Druck-Bedingungen; dabei wird das Ausgangsmaterial von vielen Gesteinsschichten überlagert. An der Oberfläche kommt Gneis folglich nur dann vor, wenn entweder das überliegende Material erodiert ist oder ehemals tiefliegende Schichten durch Tektonik an die Oberfläche gehoben wurden. Gneise sind weltweit verbreitet und treten auch in den Kristallinzonen jüngerer Faltengebirge auf, z. B. im Alpenhauptkamm der Zentralalpen auf.

Gneis vom Lohninger Bruch
Gneis vom Lohninger Bruch

Rauris, Salzburger Land, Österreich. 9/2007

Doc Diether

Gneis
Gneis

Gneis im Gotthardmassiv, Tauern, Österreich

Paebi



Glimmerschiefer

Glimmerschiefer ist ein Sammelbegriff für geschieferte Metamorphite. Vom Gneis unterscheiden sie sich durch das Zurücktreten von Feldspat und das häufige Auftreten bestimmter, bezeichnender Minerale. Ausgangsgestein sind vor allem tonreiche Gesteine, also Tonsteine oder tonige Sandsteine.

Glimmerschiefer sind mittel- bis grobkörnige Gesteine mit meist gut sichtbarem metamorphem, parallel ausgerichtetem Gefüge (metamorphe Paralleltextur). Der Anteil an Schichtsilikaten (vor allem Muskovit und Biotit, untergeordnet auch Paragonit) liegt über 50 %, der Feldspatanteil unter 20 %. An weiteren Gemengteile können neben Quarz unter anderem Granat, Staurolith, Turmalin und Disthen vorkommen. Die Mineralkörner sind zumeist mit bloßem Auge oder zumindest mit der Lupe erkennbar, sie können in manchen Fällen mehrere Zentimeter lang werden (Fruchtschiefer, Knotenschiefer). Die Farbe der Glimmerschiefer ist hell- bis dunkelgrau, durch Verwitterung können sie jedoch auch bräunlich oder rötlich erscheinen. Die Dichte liegt zwischen 2,60 und 3,05 g/cm³.

Je nach Auftreten der weiteren Gemengeteile werden die Arten von Glimmerschiefer unterschieden, so etwa Quarz-Glimmerschiefer, Granat-Glimmerschiefer, Staurolith-Glimmerschiefer und andere. Von Phylliten unterscheiden sich Glimmerschiefer durch die Größe der Minerale, die im Falle des Phyllits nur unter dem Mikroskop erkennbar sind. Glimmerschiefer sind weltweit dort verbreitet, wo die Druck- und Temperaturbedingungen für ihre Bildung ausreichen. Aus diesem Grund findet man sie häufig im Bereich der Kratone oder den Innenzonen von Gebirgen. In den Alpen ist Glimmerschiefer ein häufiges Gestein, so etwa in den Österreichischen Zentralalpen oder im Wallis

Glimmerschiefer
Glimmerschiefer

Glimmerschiefer mit Granatkristallen;
Ötztal, Ostalpen, Österreich

High Contrast



Phyllit

Phyllit ist ein feinkristalliner, dünnschiefriger, meist blättriger Metapelit mit einem Serizit-Anteil von mehr als 50 %, der neben Glimmer auch Quarz, Feldspat, Chlorite, Augit, Turmaline und Eisenoxide als Mineralphasen enthalten kann. Als niedriggradig metamorphes Gestein der Grünschiefer-Fazies ist Phyllit durch Regionalmetamorphose aus Tonschiefer hervorgegangen. Gegenüber dem Tonschiefer, der nicht oder nur sehr geringfügig metamorph überprägt ist und daher noch zu den Sedimentiten zählt, zeichnet sich Phyllit durch die Abwesenheit von ursprünglichen (primären) Tonmineralen aus. Der Serizit-(Muskovit)-Anteil erzeugt auf den Schieferflächen einen seidenartigen Glanz. Die Farbe reicht von Dunkelgrau bis Grauschwarz, auch Grünlichgrau und Violettgrau kommen vor. Im Rahmen der Regionalmetamorphose wandelt sich Phyllit bei höheren Drücken und Temperaturen (im Druck-Temperatur-Feld der Amphibolit-Fazies) in Glimmerschiefer um, wenn sich die gesteinsbildenden Minerale des Phyllits durch Kristallwachstum soweit vergrößern, dass sie mit der Lupe oder mit bloßem Auge erkennbar sind.

Phyllit
Phyllit

Krummeltal, Rauris, Hohe Tauern, Salzburger Land, Österreich

Mineralroli



Grünschiefer

Grünschiefer ist ein oft grünlich gefärbtes Gestein, das eine Metamorphose bei relativ niedrigen Temperaturen und niedrigen bis mittleren Drücken erlitten hat. Grünschiefer sind typische regionalmetamorphe Gesteine, die vor allem aus basischen magmatischen Ausgangsmaterialien entstehen. Der Name geht auf das meist deutliche schiefrige Gefüge der Gesteine zurück und die oft vorhandene, typische grünlich Färbung. Wichtige mitteleuropäische Vorkommen sind die Ophiolithzonen Zermatt-Saas Fee und im Aostatal. Die grünliche Farbe wird vor allem durch Epidot, Aktinolith (ein Amphibol) und Minerale der Chloritgruppe hervorgerufen, die aber nicht immer vorherrschend sind, so dass nicht jeder Grünschiefer auch wirklich deutlich grünlich gefärbt ist. Grünschiefer sind die kennzeichnenden Gesteine der so genannten Grünschiefer-Fazies.

Grünschiefer
Grünschiefer

Typischer Grünschiefer

James St John

Sphen-xx auf Chloritschiefermatrix
Sphen-xx auf Chloritschiefermatrix

Fundort: Diepalgraben, Zederhaus, Lungau, Salzburg; Sphen-xx bis etwa 13mm

Dieter Dobnik (ddobnik)



Prasinit

Prasinit ist ein feinkörniges Gestein der Grünschieferfazies, das durch die Umwandlung von mafischen Gesteinen (Basalten) bei mittleren Drücken und Temperaturen entsteht. Der Name Prasinit ist äquivalent zur Bezeichnung Grünschiefer und häufig in der älteren Literatur des deutschen Sprachraums anzutreffen. Prasinit hat ein eher gebändertes, kaum geschiefertes Aussehen. Kennzeichnende Hauptgemengteile sind Epidot, Aktinolith, Chlorit und Albit; dazu kommt als weiterer Hauptgemengteil einerseits Chlorit (Chloritprasinite), anderseits mitunter Hornblende (Hornblendeprasinite). Prasinit hat ein mehr oder weniger giftgrünes bis gelblichdunkelgrünes, plattiges Aussehen. Bekannte europäische Vorkommen sind Zillertal (Österreich), Tessin, Wallis (Schweiz) und in Oberitalien. Der Naturwerkstein aus dem Walliser Vorkommen (Val d’Hérens) wurde unter dem Handelsnamen Vert d'Evolène bekannt. Der Großglockner besteht aus magmatischem Gestein und Sedimenten, die unter dem hohen Druck der Tiefe zu den heutigen besonders harten kristallinen Schiefern umgewandelt wurden.

Prasinit
Prasinit

Prasinit von der Tomüldecke, Lepontinische Alpen, Schweiz

Brodi69

Prasinit
Prasinit

Verfaltete Prasinite der oberen Schieferhülle. Aufgeschlossen an der Felbertauernstraße, Hohe Tauern, Österreich

Lukas S.

Seine Höhe ist hauptsächlich auf die Verwitterungsbeständigkeit des grünlich gefärbten Gesteins Prasinit zurückzuführen, das, eingebettet in Chloritschiefer, den Gipfel aufbaut. Bei diesem Prasinit handelt es sich um Basalte, die als ehemalige Ozeanböden des Penninischen Ozeans später metamorph überprägt worden sind. Neben Prasinit sind auch Serpentinite, Breccien, Quarzite und Phyllite am Aufbau der Großglockner-Basis beteilig

Prasinite kommen auch in der Ophiolithzone metabasischer Plutonite und Vulkanite im Gebiet von Zermatt - Saas Fee in der Schweiz vor (z.Bsp. der Epidot-Hornblende-Prasinit vom Egginerjoch; auch Tomüldecke in den Lepontinischen Alpen).



Rodingit

Rodingit ist ein helles, massiges, häufig feinkörniges metamorphes Gestein (Metamorphit), das reich an Granat (Grossular) und Klinopyroxen (Diopsid) ist. Epidot, Vesuvian, Prehnit und Tremolit/Aktinolith sind weitere typische Mineralphasen. Rodingite treten als (tektonische) Einschlüsse, Gänge oder Adern in Serpentiniten oder am Kontakt mit deren Nebengesteinen auf. Die Mächtigkeiten betragen meist nur wenige Zentimeter bis Dezimeter. Rodingite bilden sich u.a. aus basischen Ganggesteinen durch metasomatische Reaktionen bei Prozessen der Serpentinisierung in der ozeanisches Kruste. (GeoDZ)

Rodingit
Rodingit

Fundort: Ostmoräne, Feegletscher, Zermatt-Saas Fee, Rhonetal, Wallis, Schweiz

Dominik Schläfli

Rodingit
Rodingit

Größe: 85x70x47 mm; Fundort: Bellecombe, Chatillon, Provinz Aosta, Region Aostatal, Italien

slugslayer



Granit

Granite treten in den Alpen relativ selten auf. Bekannt sind u.a. das Bergell in Graubünden (Granodiorit, Novate Granit), das Adamello Massiv (Granitoidische Gesteine), den Biella Pluton (Monzogranit und Granit), der Brixner Pluton (Granit), der Rensen Pluton (Granit Gneiss), die Karawanken Pluton (Biotit Granit) und das Mont Blanc Massiv (Granit). Die Adamello-Ostflanke verdankt ihre Existenz einer plutonischen Intrusion der Tertiärzeit, besteht also aus Granit und Quarzdiorit, der hier Adamellogranit oder Tonalit genannt wird. Dabei handelt es sich um die größte, geologisch junge Intrusion granitischer Gesteine der Alpen. Das Bergellmassiv in Graubünden besteht hauptsächlich aus einem granodioritischen Kern umgeben von Tonalit. Eine kleine granitische Intrusion liegt westlich von dem Hauptkomplex und wird als Novate Granit bezeichnet.

Der Biella Pluton liegt im Piemonte und besteht aus Monzosyenit am Rand, welcher in Syenite, Monzogranit und Granit im Kern übergeht. Das Massiv ist überwiegend aus variszischem kristallinem Grundgebirge aufgebaut und umfasst zu einem geringen Teil auch dessen mesozoische Deckschichten. Im Gebiet der Mont Blanc-Gruppe wurden in der Endphase der variszischen Gebirgsbildung im späten Karbon kristalline Gesteine herausgehoben und bis ins folgende Perm hinein erodiert. Auf diesem kristallinen Sockel, der ab der Wende vom Perm zur Trias absank und das Grundgebirge des sogenannten helvetischen Schelfs am Südrand „Ur-Europas“ bildete, lagerten sich im Verlauf des Mesozoikums und noch während des frühen Paläogens verschiedene Sedimente ab. Im Oligozän erfasste die Alpenbildung auch die heutige Mont-Blanc-Region, wobei nicht nur die Sedimentschichten, sondern auch der variszische Sockel, bestehend aus Granit und Gneisen, in die Faltungsprozesse einbezogen wurden. Das variszische Kristallin baut heute den überwiegenden Teil des Mont-Blanc-Massivs einschließlich des Mont Blanc, auf, während die jüngeren Sedimentgesteine an dessen Rändern zutage treten. Da die Kristallingesteine sehr erosionsresistent sind, bilden sie die Hochlagen des Mont-Blanc-Massivs. Das hierbei am häufigsten auftretende Gestein ist Biotitgranit. An der Nordwestflanke des Massivs sind auch Orthogneise, Glimmerschiefer, Amphibolite und Marmore zu finden. Der Piz Badile ist ein markanter Berg in den Bergeller Alpen im Süden des Kantons Graubünden. Er ist der dominierende Gipfel der stark zerklüfteten Bondascagruppe. Der Berg besteht, wie die gesamten Bergeller Alpen, aus dem sogenannten Bergeller Granit, einem Granit mit auffällig grossen Kalifeldspatkristallen (petrographisch korrekt ist der Bergeller Granit ein Granodiorit). Flüssiges Magma drang im Tertiär, vor etwa 30 Millionen Jahren in rund 20 km Tiefe in die Penninischen Decken ein. Durch Hebungsvorgänge entlang der Insubrischen Linie, einer tertiären Bruchzone in den südlichen Alpen, gelangte der Bergeller Granit rasch an die Oberfläche.

Granit - Piz Badile
Granit - Piz Badile

Piz Badile im Bergell; Nordkante und NE-WAnd aus Granit

Mg--k-M.Klüber Fotografie
Granitgebirge Sciora
Granitgebirge Sciora

Sciora-Gruppe, von links nach rechts: Sciora Dafora, Punta Pioda, Ago di Sciora (die Nadel), Sciora Dadent, Bergell, Graubünden, Schweiz

Jean-Louis Pitteloud



Alpinotype Ophiolithe

Ophiolithe sind Bestandteile der ozeanischen Lithosphäre (spezifisch der ozeanischen Kruste), deren vor allem basische und ultrabasische Gesteinsserien des Ozeanbodens im Zuge einer Ozean-Kontinent-Kollision auf das Festland geschoben (obduziert) wurden. Der Begriff ophiolithisch wird allerdings auch für Deckenkomplexe verwendet, die keinen direkten Bezug mehr zur ozeanischen Kruste haben, sondern nur typisch für Ozean-Kontinent-Kollisionen sind.

Ophiolithkomplexe sind grundsätzlich allochthon. Ihre Abscherung und der tektonische Transport erfolgen meist an serpentinisierten Zonen des ultrabasischen Komplexes, da das Mineral Serpentin leicht zergleitet. Zu einer vollständigen Ophiolithabfolge gehören (vom Hangenden zum Liegenden):

  • a) Tiefseesedimente, wie z.B. rote Tone, pelagische Kalke oder Radiolarite,
  • b) basische Vulkanite (meist als spilitisierte (Spilitisierung) Pillow-Basalte ausgebildet; im unteren Teil stark von feinkörnigen Gabbro-Gängen durchsetzt),
  • c) basische Intrusivgesteine wie gebänderte oder massige Gabbros und Norite
  • d) ultrabasischer Komplex mit häufig stark tektonisierten Harzburgiten, Duniten und Lherzolithen, oft durchsetzt von basischen Gängen.

Diese ideale Abfolge ist selten so vollständig entwickelt; infolge tektonischer Zerscherung (ophiolithische Mélange) können Teile der Abfolge fehlen. Sie kann auch primär unvollständig sein, so dass Tiefseesedimente stratigraphisch über Serpentinit oder Ophicalcit liegen, wie im Falle tektonischer Denudation des Mantels bei der Entwicklung des Rifts zum Ozean.

Zu den alpinotypen Ophiolithen des Oberen oder Hoch-Penninikum (Piemont, Ligurien) zählen die südpenninischen, die zusammen mit Bündnerschiefern und Radiolariten (ein typisches Tiefseesediment) vorkommen. Bei den Ophiolithen handelt es sich um die nicht der Subduktion zum Opfer gefallenen Reste der Tethys, daher kommt ihnen große Bedeutung als Beweis der Existenz ozeanischen Lithosphärenmaterials zu. Solche größeren Ophiolithmassen bilden in den Alpen auch einige Gipfel, der bekannteste ist der Großglockner in den Hohen Tauern in Österreich. Bekannte Ophiolithkomplexe sind die Ophiolithzone von Zermatt-Saas Fee (Wallis) und das Engadiner Fenster (Silvretta, Graubünden).

Der Ophiolithkomplex von Zermatt-Saas Fee liegt südlich und östlich von Zermatt und erstreckt sich vom Breithorn bis zum Allalinhorn. Unter der Zone von Zermatt-Saas Fee befindet sich die Monte Rosa-Decke und darüber die Combin-Zone und die Dent Blanche. Die Ophiolithzone von Zermatt-Saas Fee überlagert das Kristallin der Monte Rosa-Decke und wird ihrerseits von höheren tektonischen Einheiten des Penninikums (Obere Zermatter Schuppenzone) tw. überlagert. Die begleitenden Sedimentgesteine gehören der Trias und dem Unteren Jura (Bündnerschiefer) an. Die Magmatite sind wahrscheinlich kretazäisch. Die begleitenden Serpentinite dürften im festen Zustand hochgepresste Mantelschuppen sein.

Die heutige Gestaltung des Ophiolithzuges ist komplett durch die alpine Tektonik geprägt, nur andeutungsweise ist eine ursprüngliche vertikale Gliederung mit Serpentiniten an der Basis, darüber Gabbros und ganz oben Kissenlaven, ableitbar. Der Komplex besteht aus typischen Gesteinen einer ozeanischen Kruste, welche tw. bei der Subduktion der Tethys hochdruckmetamorph (Eklogitfazies, retrograd Blauschiefer- / Grünschieferfazies) umgewandelt wurden.

In der Zone treten große Serpentinitkörper auf, die voneinander meist durch Metasedimente getrennt sind. Die Serpentinite enthalten etwas Forsterit (fast weiß), Diopsid (weiß), Magnetit und Ti-Klinohumid (braun). Der spektakuläre "Allalingabbro" ist ein eklogitfazieller Metagabbro mit großem Plagioklas und Omphazit, plus etwas Mg-Chloritoid. (BUCHER, K., GRAPES, R., 2009). Metagabbro, Metavulkanite und Metasedimente treten nur untergeordnet auf. Neben den zum Teil olivinführenden Antigorit-Serpentiniten sind in der Zone von Zermatt-Saas Fee auch Eklogite und Glaukophanite von Bedeutung. (tw. zitiert: BEARTH, 1967; WIMMENAUER, 1985)

Das Unterengadiner Fenster oder auch Engadiner Fenster ist ein tektonisches Fenster der Alpen im Gebiet des Unterengadin (Graubünden) und der talab anschließenden Landschaft Oberes Gericht (Tirol). Umgeben von ostalpinen Decken treten hier über eine Strecke von rd. 55 km entlang des Inntals penninische Gesteine, welche fast überall sonst in den östlichen Alpen von den tektonischen Decken des Ostalpins überdeckt wird. Im Engadiner Fenster wurde das vom Ostalpin überfahrene und dann bis in das Jungtertiär darunter liegende Penninikum wieder freigelegt. Das Penninikum und seine ozeanische oder kontinentale Basis liegt selbst in mehreren Decken oder Schuppenzonen (auch: tektonometamorphe Zonen) vor. Außer penninischen Baueinheiten sind ostalpine Schuppen direkt unter der Silvretta-Decke exponiert. Von tektonisch höher nach tektonisch tiefer folgen:

  • Subsilvrettide Schürflinge, Flimjoch-Keil
  • Fimberzone (inklusive Arosa-Zone)
  • Tasna-Zone
  • Zone von Rots-Pezid
  • Pfundser Zone

Die Ophiolithe der Pfundser Zone umfassen tholeiitische Kissenlaven, Basalte, Basaltgänge, Brekzien von Kissenlaven, Hyaloklastite und vereinzelte Radiolarite. Die Mächtigkeit kann nicht genau angegeben werden, beträgt aber weit mehr als 100 Meter. Aufgrund geochemischer Kriterien werden sie als ozeanische Kruste des Walliser Troges angesehen Die mittelpenninische Tasna-Zone beginnt mit der ophiolithreichen Ramoscher Zone im Südwesten, die nach Nordosten in die Prutzer Zone übergeht. Die Ramoscher Zone führt phyllonitisiertes Altkristallin, das möglicherweise aus Paläozoikum hervorgegangen ist, gefolgt von rudimentärem Permomesozoikum, bestehend aus Ladiser Quarzit (Untere Trias), Dolomitlinsen und Bunten Keuper mit Gips. Sie entstammt wahrscheinlich einem intrapenninischen Schwellenbereich. Die assoziierten Ophiolithmassen mit Magnesitgängen, Nickelerz und Kupferanreicherungen sind jedoch bei einer solchen Interpretation problematisch, es sei denn die Ramoscher Zone stellt den unmittelbaren Übergangsbereich von kontinentaler Fazies (Briançonnais) zur ozeanischen Fazies des Walliser Trogs dar. Die Ophiolithmassen bestehen hauptsächlich aus serpentinitisiertem Peridotit mit assoziierten Ophicalciten und Serpentinitbrekzien. Linsenförmige Metagabbros finden sich im und in der Nähe des Peridotits. Die Ophiolithfolge der Idalp in der Fimber-Zone ist aus Serpentiniten, Gabbros, Diabasen und Basalten des südpenninischen Ozeans aufgebaut.

Serpentinit
Serpentinit

Gefalteter Serpentinit;
Nahe Geierjoch, Tuxer Alpen, Österreich

Hermann Hammer
Pfundser Zone-Allalinhorn
Pfundser Zone-Allalinhorn

Allalinhorn und Rimpfischhorn gesehen vom Gornergrat

Ximonic
Allalin-Smaragdit-Gabbro
Allalin-Smaragdit-Gabbro

Dieser Stein wird auch die Jade der Schweiz genannt. Bei Saas-Grund kann der Stein problemlos im Bach gefunden werden.

trommeln
Fimber-Zone - Fimberpass
Fimber-Zone - Fimberpass

Fimbatal, auch Fimbertal, rätoromanisch Val Fenga, ist ein Tal in den Alpen, das bei Ischgl (Tirol) vom Paznaun abzweigt und vor dem Berg Piz Tasna in Graubünden endet

Whgler
Metagabbro
Metagabbro

Metagabbro mit Glaucophan und Clinopyroxenen, dazu Jadéite und grüne Minerale;
Queyras, französische Hochalpen

Weft



Radiolarit

Radiolarit ist ein mariner Hornstein (Chert), dessen (erkennbare) mikrofossile Komponenten zu einem überwiegenden Teil aus den Kieselskeletten von Radiolarien (einzelligen marinen Mikroorganismen) bestehen. Es handelt sich dabei in der Regel um mesozoische bis känozoische Sedimente. Paläozoische Radiolarite sind meist schwach metamorph überprägt, sie werden daher vom eigentlichen Radiolarit unterschieden und als Lydite bezeichnet. Radiolarite sind Bestandteil von Ophiolit-Sequenzen. Die Farbe von Radiolarit ist sehr variabel, häufig sind rote, graue oder grünliche Farbtöne, die aber bis bräunlich oder beinahe "schwarz" reichen, und auch ins bläuliche spielen können. Radiolarit kann zwar als eigenständiges Gestein betrachtet werden, er wird heute aber im Allgemeinen als eine bestimmte Ausprägung von Hornstein angesehen und diesem (bzw. der „Hornstein-Gruppe“ oder den Sedimenten vom "Hornstein-Typ") untergeordnet (vgl. z.B. Reichel & Lange 2007; Brandl 2010). Wie bei vielen anderen Hornsteinen ist auch hier der Übergang zu Kieselkalk fließend - oft sind an einem Handstück alle Übergänge vom "reinen" Radiolarit über stark kieseligen / schwach kalkhältigen Kieselkalk und stark kalkigen / schwach kieseligen Kieselkalk bis zum Muttergestein Kalk vertreten.

In den Alpen bildeten sich während des Jura (Zeitraum Oberbajoc bis Untertithon) Radiolarite in den Nördlichen Kalkalpen (zusammengefasst als Ruhpoldinger Radiolarit-Gruppe) und im Penninikum Frankreichs und Graubündens

Radiolarit
Radiolarit

Radiolarit aus dem Oberen Jura;
Chenaillet-Montgenèvre Ophiolite Zone; Rocher de la Perdrix, Lago Nero, Chenaillet, Piemontesische Alpen

Weft




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