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Die Alpen

Aletschgletscher
Aletschgletscher

Der Grosse Aletschgletscher ist der flächenmässig größte und längste Gletscher der Alpen. Er befindet sich auf der Südabdachung der Berner Alpen im Kanton Wallis, Schweiz. Die Länge des Gletschers ...

Jo Simon


Gletscher



Etymologie

Das Wort Gletscher wurde zunächst von den Alemannen aus dem Westalpen-romanischen Ausdruck glatscharju „Gletscher, (eigentlich "Eisbehälter") entlehnt. Dies wiederum ist eine Ableitung zum Grundwort glatsch (aus lat. glacies „Eis“).

In den Ostalpen ist vom Oberinntal bis zum Zillertal (Zamser Grund) die Bezeichnung Ferner (vgl. Firn) üblich; damit wurde also zunächst der Schnee von fern, d. h. aus dem letzten Jahr bezeichnet. Östlich des Zillertals (Venedigergruppe, Hohe Tauern) verwendet man die Bezeichnung Kees, die wahrscheinlich aus einer vorindogermanischen Sprache stammt.


Was sind Gletscher ?

Mitterkarferner
Mitterkarferner

Mitterkarferner mit Wildspitze;
Ötztal in Nordtirol, Österreich

A. Linzner

Gletscher bestehen grundsätzlich aus einem Nährgebiet (= Akkumulationsgebiet) und einem Zehrgebiet (= Ablationsgebiet), wobei Ersteres in Höhenlagen liegt, in denen mehr Schnee fällt als abtaut bzw. sublimiert. Der Gletscher geht unterhalb der Schnee- oder Firnlinie in das Zehrgebiet über, wo mehr Eis schmilzt als entsteht (= Ablation).

Gletscheroberflächen sind meist durch zahlreiche Spalten zerrissen, die durch die Bewegung des Gletschers entstehen, die wiederum durch die Regelation ermöglicht wird. Querspalten finden sich dort, wo der Gletscher über Hindernisse wie beispielsweise Felsblöcke, die unter dem Eis begraben sind, fließt oder wenn der Untergrund steiler wird, das Gletschereis fließt dann an der Oberfläche schneller und reißt auf. Randspalten finden sich dort, wo der Gletscher im Zentrum schneller fließt als am Rand und so das Eis dort aufreißt, ähnlich der Wasserverwirbelungen, die bei Flüssen am Rand auftreten. Randklüfte hingegen entstehen, wenn das Gletschereis bedingt durch die Aufheizung des umliegenden Gesteins am Rande des Gletschers verstärkt abschmilzt. Längsspalten befinden sich meist an der Stirnseite des Gletschers, im Bereich der Gletscherzunge, wo er breiter wird und das Eis mehr Platz hat sich nach links und rechts auszubreiten und sich somit auffächert.


Glaziale Erosion

Glaziale Erosion
Glaziale Erosion

Glaziale Erosion am Gletscher Pré de Bard, gesehen vom Rifugio Elena, Val Ferret, Comune di Courmayeur, Valle d'Aosta, Italien.

Patafisik

Als glaziale Erosion (Gletschererosion) bezeichnet man den Abrieb von Gesteinsoberflächen unter sich bewegender Gletscher, welcher zu großen Schuttmengen in Form von Moränen führen. Gletscherschliff oder Detersion bezeichnet die abschleifende Tätigkeit eines Gletschers, der sich über einen Gesteinskörper hinweg bewegt. Durch das Gleiten des sich bewegenden Eises wird der Untergrund erodiert, obwohl das Eis viel weicher als das Gestein ist. Die schleifende bzw. glättende Wirkung entfaltet sich im Anstehenden durch das mitgeführte, bzw. vom Gletscher transportierten Materials (Moränen), im speziellen die Schuttablagerungen, die von Gletschern bei ihrer Bewegung mitbewegt oder aufgehäuft werden. Exaration ist ein Prozess der Glazialerosion, wobei nichtglazigene Lockergesteine und anstehende Festgesteine im Bereich der Gletscherstirn aufgeschürft und aufgefaltet werden. Freiliegende Gletscherschliffe sind in jung vergletscherten Räumen weltweit sehr häufig zu finden.


Gletscherschliff

Gletscherschliff
Gletscherschliff

Gletscherschliff auf Grundgestein an den Flanken des Gletschers Gorner bei Zermatt, Schweiz.

Michael C. Rygel

Im Gletschereis mitgeführtes Gesteinsmaterial verschiedenster Korngrößen – von feinem Ton bis zu mehrere Meter messenden Findlingen – kann im Gesteinsuntergrund deutliche Spuren hinterlassen. Feinkörniges Material bewirkt dabei in der Regel einen Schliff vergleichbar mit der Wirkung von Schleifpapier, während größere Partikel deutliche Kratzspuren und Rillen im Fels hinterlassen können, unterstützt durch den starken Druck und die Bewegungsgewalt des Gletschers. Diese Rillen werden Gletscherschrammen genannt.

Diese Formen bezeugen eine Bewegung des Gletschereises über den Untergrund und sind daher ein Beweis dafür, dass der einstige Gletscher sich hier durch basales Fließen bewegen konnte und nicht am Untergrund festgefroren war.

Gletscher können ihren Untergrund stark formen. Ragt aus dem felsigen Untergrund ein Hindernis im Pfad eines Gletschers, so entsteht eine charakteristische Form. An der Seite des Felsens, die der Fließrichtung des Eises zugewandt ist (Luv), erhöht sich der Druck im Eis, wodurch hier leichter ein Schmelzwasserfilm entstehen kann, auf welchem der Gletscher gleitend über den Felsen fließen kann. Das vom Gletscher mitgeführte Material führt dabei zu einer Erosion des Felsens. Die Luv-Seite erhält so eine stromlinienartige Form ähnlich wie bei einer Sanddüne. Dieser Prozess wird Detersion genannt. Auf der abgewandten Seite (Lee) ist der Druck wiederum deutlich geringer, wodurch sich hier kein Schmelzwasserfilm bilden kann. Stattdessen friert das Eis am Felsen fest und bei der Weiterbewegung des Gletschers wird das Eis mitgeführt und dabei Teile aus dem Felsen herausgebrochen. Aus der Detersion an der Luv- und der Detraktion an der Lee-Seite entsteht ein so genannter Rundhöcker. Solche können heute als Hinterlassenschaften der pleistozänen Vereisung in den Alpen gefunden werden.


Trogtäler

Ein Trogtal oder U-Tal ist eine große Talform stark reliefierter, durch Gletscher überformter Gebirge. Sie ist gekennzeichnet durch ein im unteren Bereich typisches U-förmiges Querprofil. Der U-förmig profilierte Talbereich eines Trogtals wurde durch vorglaziales Material in den Urtälern von den Gletschern ausgeschürft und mitgeführt. Dadurch wurden frühere Schichten fluvialer Sedimente durch glazialen Geschiebemergel ersetzt. Deutlich sichtbar ist oft an den Talhängen die Schliffgrenze, welche markiert, bis zu welcher Mächtigkeit einst ein Gletscher das Tal ausgefüllt hatte.

Je nach Entfernung zum Gebirgskamm geschah dies im bisherigen Verlauf des gegenwärtigen Eiszeitalters mehr oder weniger oft. In Hochgebirgen wie den Alpen ist dieser Talbereich mit seinen teils extrem steilen Hängen und breitem Talboden eingesenkt in ein zumeist deutlich weniger steiles Tal mit V-förmigem Querschnitt.

Trogtal - Val de Zinal
Trogtal - Val de Zinal

das Val de Zinal genannte obere Val d'Anniviers in den Walliser Alpen

Günter Seggebäing
Chrakteristisches Trogtal
Chrakteristisches Trogtal

Pitztal gesehen vom Mittagskogel;
Der Mittagskogel, slowenisch Kepa (kärntner-slowenisch Jepa), ist mit einer Höhe von 2145 m einer der höchsten Berge der westlichen Karawanken. Doronenko

Doronenko

Beispiele von Trogtälern in den Alpen:

  • Lauterbrunnental im Berner Oberland, Schweiz
  • Oberes Ennstal zwischen Radstadt und Admont, Stmk., Österreich
  • Oberes Murtal zwischen Sankt Michael im Lungau und Bruck an der Mur (Stmk., Österreich)
  • Haupttäler des Glarnerlandes (Kanton Glarus, Schweiz)
  • Königssee-Tal (Bayern)
  • Val Müstair als Beispiel für ein von Sackungs- und Schuttmassen nahezu verschüttetes Trogtal (Graubünden, Schsweiz)

Moränen

Die Gesamtheit des von einem Gletscher transportierten Materials nennt man Moräne. Als fester Körper können Gletscher alle Korngrößen, vom Ton über Sand bis hin zu großen Blöcken (Findlinge) transportieren. Weiterhin kann Gletschereis sehr viel Material aufnehmen, so dass die Transportleistung ebenfalls sehr groß ist. Im Unterschied zu den Ablagerungen des Wassers sind die Gesteinsmaterialien in Moränen unsortiert und meist ungeschichtet.

Moräne
Moräne

Moräne im Oberen Engadin, gesehen von Fuorcla Surlej

Audriusa
Endmoräne
Endmoräne

Endmoräne des Gletschers von Arsine, Parc national des Écrins, Französische Alpen

Rémih

Der Begriff Moräne wird heute in verschiedenen Zusammenhängen verwendet.

Einerseits bezeichnet man so das Material, welches ein aktiver Gletscher gerade transportiert. Je nach der Lage im oder am Gletscher unterscheidet man dabei Ober-, Innen-, Seiten-, Mittel-, Unter-, oder Stirnmoränen. Dieses Material ist noch in Bewegung. Während bei Talgletschern und verwandten Gletschertypen alle Moränenarten auftreten können, haben die dem Eisschild verwandten Gletscher für gewöhnlich nur Untermoränen. Die anderen Moränenarten entstehen meist durch Steinschlag von überragenden Talflanken. Das Material bleibt dann auf dem Gletscher liegen oder kann auch durch das Fließen des Eises in den Gletscher eingearbeitet werden. Andererseits werden auch vom Gletscher abgelagerte, und sich damit nicht mehr bewegende Sedimente und Formen als Moräne bezeichnet. Kann man noch erkennen, wo sie im Vergleich zum Gletscher transportiert wurden, benutzt man für Talgletscher die gleichen Begriffe wie für die aktiven Moränen. Die Begriffe Grundmoräne und Endmoräne werden heute meist nur noch auf die entsprechenden Formen angewandt. Das Sediment der Grundmoräne hingegen wird als Geschiebemergel oder Till bezeichnet.

Moränenarten

Seitenmoränen begleiten schon im oberen Teil eines Trogtales den Gletscher. Er lagert das auf ihn niederstürzende Gestein seitlich ab und schiebt es talwärts. Dabei ordnet sich der Schutt zu Wellen an, die das strömende Eis flankieren. Beim Zusammenfluss von Gletscherzungen (Konfluenz) werden die am inneren Rand liegenden Seitenmoränen zur Mittelmoräne vereinigt. Sie trennt die aus den verschiedenen Ursprungsgebieten stammenden Eisströme voneinander und bleibt als Schuttwall im Gletscher erhalten. Während sich bei einem Fluss die einmündenden Wasser sehr schnell vermischen, fließt das Gletschereis bei den sogenannten zusammengesetzten Gletschern nebeneinander her.

Die Endmoräne (= Stirnmoräne) ist ein Schuttwall am Ende des Gletschers, halbkreisförmig die Gletscherzunge umgebend. Voraussetzung für die Bildung einer solchen Moräne ist jedoch, dass der Gletscher über längere Zeit am gleichen Platz hält, dass er stationär ist. Stößt der Gletscher immer wieder vor, wird die Endmoräne gestaucht und zusammengeschoben (Stauchmoräne). Der dem Gletscher zugekehrte Hang ist hier steiler als die Außenseite des Moränenwalls.

Schmilzt ein Gletscher ab, können mehrere Moränenwälle entstehen, wenn längere Haltephasen eingeschaltet sind. Endmoränen wirken wie Staudämme (sie sind oft bis zu 200 m hoch), viele Seen des Alpenvorlandes und der Alpen sind zusammen mit der ausschürfenden Kraft der Gletscher entstanden, weil sich die Becken mit Wasser gefüllt haben.

Die Untermoräne (Grundmoräne) findet man an der Unterseite eines Gletscherstroms, wo besonders viel Gesteinsmaterial transportiert wird. Der Schutt stammt von der Oberfläche des Gletschers, wo er durch allmähliches Hinuntersinken den Grund des Eisstromes erreicht oder direkt von dem Material, das der Gletscher aus dem Untergrund herausschrammt. Die Gesteinsstücke der Grundmoräne sind intensiver kantengerundet als die aus anderen Moränen, auch ist der Anteil an feinen Körnergrößen höher, jedoch finden sich auch große Felsbrocken (Findlinge).


Erratische Blöcke (Findlinge)

Erratische Blöcke (Erratiker) oder auch Findlinge genannt, sind meist einzeln liegende sehr große Felsbrocken, welche durch Gletscher während der Eiszeiten in ihre heutige Lage durch Erosion transportiert und abgelegt wurden.

Auch heutige Gletscher transportieren solche Findlinge und lassen sie, wenn sie sich zurückziehen, zurück. Die Grenze zwischen Findlingen und den kleineren Geschieben zieht man bei einem Volumen von einem Kubikmeter. Findlinge sind weltweit ein typisches geologisches und geomorphologisches Erkennungsmerkmal für Landschaften, die von Gletschern geformt worden sind bzw. werden. In Europa sind dies insbesondere die Skandinavische Halbinsel (einschließlich nördliches Mittel- und Westeuropa) und das Vereisungsgebiet rund um die Alpen.

Erratischer Block
Erratischer Block

Erratischer Block; Blick vom Sulzenauferner zum Wilden Pfaff (3456m) Stubaier Alpen Tirol (Österreich) - Südtirol (Italien).

Hejkal

Entstehung der Erratiker

Ein Gletscher als fester Körper sortiert das Material (Moräne), welches er befördert, nicht. Das gilt für die Aufnahme des Gesteins (durch Abtragung oder Sturz auf den Gletscher), den Transport und die Ablagerung (Sedimentation). Die Abtragung großer Gesteinsbruchstücke geschieht entweder durch die Aufnahme bereits gelockerter Steine, wenn der Gletscher sie überfährt, oder aber durch das Anfrieren und Herausbrechen von Blöcken am Gletschergrund. Letzteres geschieht vor allem an Leehängen von Rundhöckern. Wenn Berge über die Gletschern ragen, wie etwa in den Alpen, kann auch Gestein von oben auf die Gletscher stürzen; derartige Findlinge zeigen im Allgemeinen schärfere, unabgerundetere Bruchkanten. Ablagerungen, die direkt vom Eis abgesetzt werden, sind unsortiert und meist auch ungeschichtet. Im deutschsprachigen Raum hat sich dafür die Bezeichnung Geschiebemergel durchgesetzt. Der Geschiebemergel enthält zwar deutlich mehr Feinmaterial (Ton, Schluff, Sand und Kies), dennoch kommen immer wieder größere und große Steine vor. Bei großen Findlingen handelt es sich im nördlichen Mitteleuropa meist um magmatische Gesteine, wie Granit, oder um metamorphe Gesteine. Sedimentgesteine sind auf Grund ihrer geringeren Widerständigkeit deutlich seltener. Im Alpenbereich finden sich entsprechend dem Gesteinsvorkommen stärker Sedimentgesteine auf Kalkbasis, etwa der Dengelstein, aber auch sehr große granitische Findlinge, wie der > Pierre des Marmettes.

Die größten alpinen Erratiker

  • Der rund 1000 m³ große Pflugstein in Herrliberg, Kanton Zürich
  • Die 1200 m³ messende Grossi Flue in Steinhof, Kanton Solothurn
  • Der 175 m³ Agassiz-Stein (ursprünglich Erratiker) zum Mont Vully im Kanton Freiburg verlagert
  • Der Erdmannlistein zwischen Wohlen und Bremgarten
  • Die beiden Pierre du Niton im Genfer Hafenbecken. Der größere von ihnen ist als Repère Pierre du Niton seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Referenzpunkt der Schweizer Landvermessung.
  • Der ca. 1600 m³ große Pierre des Marmettes bei Monthey, Kanton Wallis
  • Der größte Findling der Schweiz ist der Luegibodenblock bei Habkern, Kanton Bern

Pierre des Marmettes

Der Pierre des Marmettes ist ein 1600 m³ grosser Findling bei Monthey im Schweizer Kanton Wallis. Er wurde von einem Gletscher vom Val Ferret in die Gegend von Monthey transportiert. Der Findling besteht aus Mont-Blanc-Granit. Findlinge dienten bis ins 19. Jahrhundert als Baumaterial (etwa für den Eisenbahn- und Strassenbau). Um den Findling zu schützen, kaufte ihn 1906 die Schweizerische Naturforschende Gesellschaft nach langwierigen Verhandlungen mit dem Besitzer. Aufgrund der Bedrohung des Pierre des Marmettes wurde die Schweizerische Naturschutzkommission (SNK) gegründet.

Der Erratiker diente Johann von Charpentier als Beleg für seine These einer vorangegangenen Eiszeit, bei der dieser und andere Findlinge von Gletschern mitgeschleppt wurden.

Pierre de Mermettes
Pierre de Mermettes

Der Erratiker Pierre des Marmettes bei Monthey im Schweizer Kanton Wallis. 1905

Unbekannter Autor

Gletscherwelt Pelvoux

Les Écrins (auch als Pelvoux bezeichnet) ist eine Gebirgsgruppe im Dauphiné in Frankreich. In den Ecrins befinden sich die höchsten Berge der Dauphiné-Alpen. Die Hauptgipfel der höchsten Massive sind Barre des Écrins (4102 m), Grand Pic de la Meije (3983 m) und l'Ailefroide Occidentale (3954 m). Die Gebirgsgruppe erstreckt sich zwischen Grenoble im Nordwesten, Briançon im Osten und Gap im Süden. Ihre natürlichen Grenzen bilden die Täler der Romanche (l'Oisans), der Guisane (Briançonnais), der Durance und des Drac (Champsaur).

Die Region rund um die Barre des Écrins weist eine bedeutende Vergletscherung auf. Die tief eingeschnittenen, oft nordseitig hoher Kämme gelegenen Hochtäler, steile Couloirs (Rinnen) und abgeschlossene Felskessel begünstigen die Gletscherbildung. Die Nationalparkverwaltung zählt 292 zumeist kleinere Gletscher mit einer durchschnittlichen Größe von 40 ha. An die 15 Gletschersysteme erreichen eine Größe von mehr als 200 ha. Die bekanntesten unter ihnen sind der Glacier Blanc und der schuttbedeckte Glacier Noir, zwei Talgletscher, die mit langen Zungen ins hinterste Vallouise abfließen. Die Gletscher des Écrins-Massivs bedecken insgesamt eine Fläche von rund 100 km². Das gesamte Eisvolumen wird auf 5 km³ veranschlagt. Vielen Bergsteigern gilt das Pelvoux als die »wildeste« Gebirgsgruppe der Alpen. Aufgrund seiner schroffen Gipfel, steilen Wände und zerrissenen Gletscher wird es auch als »Karakorum der Alpen« bezeichnet.

Glacier Blanc
Glacier Blanc

Glacier Blanc an der Nordseite des südwestlichsten Viertausenders der Alpen, der 4102 m hohen Barre des Écrins. Vom südlich gelegenen Glacier Noir ist er durch den Crête de l'Encoula (andere Schrei...

Günter Säggebäing

Gletscherschwund

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist nahezu weltweit ein deutlicher Rückgang der Gletscher zu beobachten. Dieser Vorgang wird Gletscherschwund oder Gletscherschmelze genannt. Gemeint ist damit ein längerfristiger Massenverlust der Gletscher und nicht die in Gebirgen und Hochlagen alljährlich im Frühling einsetzende Schneeschmelze, auch nicht grundsätzlich das Schmelzen im Zehrgebiet, das bei Gletschern, die sich im Gleichgewicht mit dem Klima befinden, im gleichen Maße wie der Massengewinn im Nährgebiet auftritt. Eine wesentliche Messgröße zur Beurteilung des Gletscherschwunds ist die von Glaziologen erhobene Massenbilanz.

Die Mehrheit aller Gletscher hat in den zurückliegenden Jahrzehnten zum Teil stark an Masse und Fläche verloren. Betroffen sind davon bis auf wenige Ausnahmen alle Regionen.

Veränderungen bei Gebirgsgletschern seit 1970
Veränderungen bei Gebirgsgletschern seit 1970

Die Karte vergleicht die Massenbilanz von 173 über die Welt verteilten und wenigstens fünf Mal vermessenen Gletschern zwischen 1970 und 2004. 83 % aller Gletscher schrumpften in diesem Zeitraum, di...

Xavac
Globale Oberflächentemperaturen (Basis 1951-80)
Globale Oberflächentemperaturen (Basis 1951-80)

Globale Jahresmitteltemperaturen seit 1880 nahe der Erdoberfläche, relativ zum Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980. Die Grafik basiert auf Messungen der oberflächennahen Lufttemperatur durch Wetters...

NASA GISS

Die Alpengletscher beispielsweise schrumpften in den vergangenen 150 Jahren etwa um ein Drittel ihrer Fläche. Direkt zu erkennen ist dies an Gemälden, Zeichnungen oder alten Fotografien. Letztere zeigen eindrucksvoll die unterschiedlichen Gletscherflächen von damals im Vergleich zu heute. Die Gletscher folgen weltweit den beobachteten Klima- und Temperaturschwankungen. Während der globale Temperaturanstieg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer Mischung verschiedener natürlicher und anthropogener Faktoren zugemessen wird (Schwankungen in der Solarvariabilität, geringe vulkanische Aktivität und erster deutlicher Anstieg der Treibhausgase), so wird allgemein der sich beschleunigende Temperaturanstieg seit 1970 dem sich deutlich verstärkenden anthropogenen Treibhauseffekt zugerechnet.

Der Temperaturanstieg führt zum Rückgang des Gletschereises; es ist dies nur eine von vielen Folgen der globalen Erwärmung. Eine indirekte Wirkung des anthropogenen Klimawandels ist eine veränderte Verteilung von Niederschlägen, die ebenfalls die Massenbilanz von Gletschern beeinflussen kann.

Ursachen

Entscheidend für das Fortbestehen eines Gletschers ist seine Massenbilanz, die Differenz von Akkumulation (wie Schneefall, Ablagerung von Triebschnee und Lawinen, Kondensation von atmosphärischem Wasserdampf und Anfrieren von Regenwasser) und Ablation (Schmelze, Sublimation sowie Abbruch von Lawinen). Jeder Gletscher besteht dabei aus einem Nähr- und einem Zehrgebiet. Im Nährgebiet (Akkumulationsgebiet) bleibt zumindest ein Teil des Schnees auch während des Sommers erhalten und formt sich dann zu Gletschereis um. Im Zehrgebiet (Ablationsgebiet) dagegen überwiegt die Ablation gegenüber dem Nachschub durch Schnee. Getrennt sind diese beiden Gebiete durch die Gleichgewichtslinie. Entlang dieser Linie entspricht die Ablation im Sommer der Akkumulation im Winter.

Auf eine Abkühlung oder eine Verstärkung des Schneefalls, die eine positive Massenbilanz hervorrufen, reagiert ein Gletscher mit Wachstum. Dadurch nimmt die Gletscherfläche im Zehrgebiet, dort ist die Ablation am höchsten, zu. Somit erlangt der Gletscher ein neues Gleichgewicht. Derzeit gibt es ein paar Gletscher, die wachsen. Die geringe Wachstumsgeschwindigkeit deutet allerdings darauf hin, dass sie sich nicht weit vom Gleichgewicht befinden. Auf eine Klimaerwärmung wie die globale Erwärmung oder eine Abnahme des Schneefalls, die zu einer negativen Massenbilanz führen, reagiert der Gletscher mit einem Rückgang. Dadurch verliert der Gletscher Teile seines meistens tiefer gelegenen Ablationsgebiets, sodass Akkumulation und Ablation wieder ausgeglichen sind. Wenn sich ein Gletscher jedoch nicht zu einem neuen Gleichgewichtspunkt zurückziehen kann, befindet er sich im andauernden Ungleichgewicht und wird, sofern dieses Klima bestehen bleibt, komplett abschmelzen.

Bei einem Klimawandel können sich sowohl Lufttemperaturen als auch der Niederschlag in Form von Schnee verändern und damit die Massenbilanz verschieben. In den meisten Regionen der Welt steigen die Temperaturen hauptsächlich infolge des menschlichen Ausstoßes von Treibhausgasen an. Nach dem 2007 erschienenen Vierten Sachstandsbericht der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe über Klimaänderungen (IPCC) stieg die weltweite durchschnittliche Lufttemperatur in Bodennähe zwischen 1906 und 2005 um 0,74 °C (± 0,18 °C) an. Die Erwärmung ist mit zunehmender Nähe zu den Polen und mit steigender Höhe in Gebirgen stärker ausgeprägt.

Es hat im Rahmen der Klimageschichte aus unterschiedlichen Gründen immer wieder natürliche Klimaveränderungen mit Vorstößen und Rückzügen von Gletschern gegeben. Zum Ende der so genannten Kleinen Eiszeit gegen 1850 war die globale Durchschnittstemperatur leicht angestiegen, was einen Teil des weltweiten Gletscherrückgangs in den folgenden Jahrzehnten erklären kann. Ab 1940 blieben die Durchschnittstemperaturen relativ stabil oder sanken leicht, worauf die meisten Gletscher mit relativem Stillstand oder Wachstum reagierten. Der dann ab den späten 1970er-Jahren infolge der rasch ansteigenden Lufttemperaturen in den meisten Regionen wieder einsetzende und sich in den letzten Jahren zunehmend beschleunigende Gletscherschwund wird hauptsächlich anthropogenen Einflüssen zugeschrieben und kann nicht als Teil eines natürlichen Klimawandels betrachtet werden. Als initialer Auslöser für den Gletscherrückgang ab 1850 kann, zumindest in den Alpen, eine Senkung der Albedo der Gletscher durch im Zuge der Industrialisierung freigesetzte Rußpartikel angenommen werden

In den 1970er-Jahren gab es in den Alpen etwa 5.150 Gletscher, die eine Fläche von 2.903 km² bedeckten (davon 1342 km² in der Schweiz, 602 km² in Italien, 542 km² in Österreich und 417 km² in Frankreich). Eine Studie über die Entwicklung dieser Gletscher seit 1850 kommt zu dem Ergebnis, dass bis 1970 bereits 35 % der ursprünglich vorhandenen Gletscherfläche verschwunden war und dass sich dieser Schwund bis 2000 auf annähernd 50 % vergrößert hat. Das bedeutet, dass bereits die Hälfte der ehemals von Gletschern bedeckten Fläche durch den Rückgang des Eises freigelegt worden ist.

Der World Glacier Monitoring Service (WGMS) berichtet alle fünf Jahre über Veränderungen des Endpunkts von Gletschern überall auf der Erde. Nach seinem aktuellen Bericht (1995–2000) gingen in den Alpen in diesem 5-Jahres-Zeitraum 103 von 110 untersuchten Gletschern in der Schweiz, 95 von 99 Gletschern in Österreich, alle 69 Gletscher in Italien und alle 6 Gletscher in Frankreich zurück. Der Glaziologe Gernot Patzelt berichtete über 100 vom Österreichischen Alpenverein beobachtete Gletscher, dass durch deren Rückgang derzeit Land freigelegt werde, das seit wenigstens 1300 Jahren ständig vergletschert war.

Die französischen Gletscher gingen in den Jahren 1942 bis 1953 stark zurück, dann dehnten sie sich bis 1980 wieder etwas aus, und seit 1982 schrumpfen sie erneut. Seit 1870 zogen sich beispielsweise der Argentière-Gletscher und der Mont-Blanc-Gletscher um 1.150 m beziehungsweise um 1.400 m zurück. Der größte Gletscher in Frankreich, das Mer de Glace, das heute 11 km lang und 400 m dick ist, hat in den letzten 130 Jahren 8,3 % seiner Länge (1 km) verloren. Außerdem wurde er im Mittelteil seit 1907 um 27 % (˜ 150 m) dünner. Der Bossons-Gletscher in Chamonix hat sich seit Anfang des Jahrhunderts um 1.200 m zurückgezogen.

Eine Studie aus dem Jahr 2005, die 91 Schweizer Gletscher untersuchte, ergab, dass 84 Gletscher sich gegenüber 2004 zurückgezogen hatten und die restlichen 7 keine Veränderung zeigten. Keiner der untersuchten Gletscher dehnte sich aus. Das im November 2014 veröffentlichte Schweizer Gletscherinventar beschreibt für den Zeitraum zwischen 1973 und 2010 einen Rückgang der Schweizer Gletscher um 28 Prozent, was einem Verlust von 22,5 Kubikkilometern Firn und Eis entspricht. Während um 1850 noch 1.735 und 1973 noch 1.307 Quadratkilometer vergletschert waren, gab es Ende 2010 noch 1.420 Einzelgletscher, welche eine Fläche von nur noch 944 Quadratkilometern einnahmen.

Gletscherschwund
Gletscherschwund

Mer de Glace 1781

Carl Ludwig Hackert
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Mer de Glace 1823

Samuel Birman
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Mer de Glace 1909 (Ballonbild)

Swiss National Library
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Mer de Glace - Montenvers;
Deutliche Ausdünnung 2004

Jean-Pol Grandmont

Dokumentation eines schwindenden Gletschers - Die Pasterze

Die Pasterze ist mit etwas mehr als 8 km Länge der größte Gletscher Österreichs und der längste der Ostalpen. Sie befindet sich am Fuße des Großglockners im obersten Talboden des Mölltales (Pasterzenboden), und ist das Quellgebiet der Möll. Seit 1856 hat ihre Fläche von damals über 30 km² um beinahe die Hälfte abgenommen.

Gletscherschwund
Gletscherschwund

Am Fuße der Pasterze, 1799;
monogrammiert und datiert JN 1799

Public Domain
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Pasterze um 1846

Gebr. Hermann und Adolf von Schlagintweit
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Pasterze mit Großglockner 1900

Saperau
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Pasterze 1982

Werckmeister
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Pasterze von Südosten, von der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, in Bildmitte der Johannisberg - Jahr 2006

TCole
Gletscherschwund
Gletscherschwund

Pasterze August 2012 Manuel Wutte

Manuel Wutte

Die Gletscher in den Alpen ziehen sich heute zudem schneller zurück als noch vor einigen Dekaden. So verlor der Triftgletscher in nur vier Jahren, von 2002 bis 2005, 500 m oder 10 % seiner vorherigen Länge. Der Große Aletschgletscher, der mit einer Länge von 22,9 km der längste Gletscher der Alpen ist, hat sich seit 1870 um knapp 2.800 m zurückgezogen. Seine Rückzugsgeschwindigkeit hat sich ebenfalls erhöht. Seit 1980 sind 965 m geschmolzen.32 Allein 2006 büßte er fast 115 m an Länge ein (2007 waren es etwa 32 m). Heute hat der Aletschgletscher in etwa die gleiche Ausdehnung wie während des Klimaoptimums der Römerzeit (200 v. Chr. bis 50 n. Chr.

Auch der Morteratschgletscher schwindet. Seit dem Anfang der jährlichen Längemessungen 1878 verlor er bis 1995 etwa 2 km seiner Länge. Im Durchschnitt zog sich der Gletscher also um etwa 17 m pro Jahr zurück. In der jüngsten Vergangenheit erhöhte sich die durchschnittliche Abschmelzgeschwindigkeit: Zwischen 1999 und 2005 betrug sie 30 m pro Jahr. Ähnlich wie die Gletscher der Schweizer Alpen zogen sich 1980 in den italienischen Alpen (1989 waren dort ca. 500 km² vergletschert) nur etwa ein Drittel der Gletscher zurück. 1999 waren es 89 %. Und von 2004 bis 2005 haben sich sogar alle Gletscher der italienischen Alpen zurückgezogen.

Aletschgletscher - Gletscherschwund
Aletschgletscher - Gletscherschwund

Der Große Aletschgletscher, links im Jahre 1979, in der Mitte im Jahre 1991, rechts 2002

Sarapaud

Szenarien für das 21. Jahrhundert zeigen an, dass bei einer durchschnittlichen Erwärmung um 3°C bis ins Jahr 2100 die Gletscher der Alpen etwa 80 % der im Zeitraum zwischen 1971 und 1990 noch vorhandenen Fläche verloren haben könnten. Das entspräche nur noch einem Zehntel der Ausdehnung von 1850. Eine Erwärmung um 5 °C könnte praktisch jeden alpinen Gletscher verschwinden lassen.

Die Folgen des Gletscherrückgangs in den Alpen wurden im Sommer 2006 durch Felsabstürze am schweizerischen Eiger besonders deutlich: Mehr als 500.000 m³ Felsen stürzten am 13. Juli auf den Unteren Grindelwaldgletscher. Insgesamt gelten bis zu 2 Millionen m³ Gestein mit einem Gewicht von fünf Millionen Tonnen als absturzgefährdet. Ursache für die Abbrüche ist unter anderem der Rückgang von Gletschern, die überhängende Bergteile stützten, und das Schmelzen von ständig gefrorenen Bereichen (Permafrost), in denen zerklüftetes Gestein vom Eis wie von einem Klebstoff zusammengehalten worden war.

Auch die Permafrostböden in den Alpen schmelzen. In der Schweiz, deren Fläche zu ca. 6,6 % aus Permafrostböden gebildet wird, ist die Untergrenze des Permafrosts im Verlauf der letzten 100 Jahre um schätzungsweise 150 - 250 m angestiegen. Eine Temperaturerhöhung von 1 bis 2 °C bis Mitte des 21. Jahrhunderts hätte ein Ansteigen der Untergrenze von 200 bis 750 m zur Folge. Dies hat vielfältige Folgen. So werden gleichzeitig mit dem Gletscherschwund große Gebiete aus stark frakturiertem Material wie Moränen, Gerölle und Felsen freigelegt, die vorher permanent gefroren waren. Bei starken Niederschlägen kann dieses Material in Form von Murgängen wieder mobilisiert werden. Dadurch steigt die Gefahr von Murgängen. Außerdem nimmt die Bodeninstabilität zu, wodurch Installationen in großen Höhen (wie Seilbahnen, Masten etc.) destabilisiert werden. Solche Installationen müssen in Zukunft zusätzlich gesichert werden. Die Konstruktionskosten werden deshalb steigen.

Im Zuge der globalen Erwärmung im 20. Jahrhundert kam es in den letzten Jahrzehnten auch am Großglockner zu einer massiven Gletscherschmelze und dem Auftauen der alpinen Permafrostböden. Dies wirkt sich auch deutlich auf den Alpinismus aus. Die Eisanstiege des Großglockners wie die Pallavicinirinne weisen meist nur noch im Frühling und Frühsommer eine ausreichende Firnbedeckung auf, später im Jahr erschwert Blankeis die Begehung. Darüber hinaus hat die rasche Ausaperung eine erhöhte Steinschlaggefahr zur Folge. In manchen Jahren können diese früher den ganzen Sommer über möglichen Routen bereits im Juni nicht mehr begangen werden. Aber auch der jahrzehntelang als einer der beliebtesten Wege geltende Anstieg über die stark zurückweichende Pasterze und das Hoffmannskees ist betroffen und teilweise wegen erhöhter Spaltenbildung, Blankeis und Steinschlag kaum mehr begehbar. Auch das Glocknerleitl oberhalb der Erzherzog-Johann-Hütte weist im Hochsommer zunehmend Blankeis auf. Als Alternative wurde der lange Zeit eher unpopuläre Weg der Erstersteiger von der Salmhütte über die inzwischen nahezu apere Hohenwartscharte Ende des 20. Jahrhunderts wieder hergerichtet und stellt heute den wichtigsten Anstieg von der Kärntner Seite dar, kann jedoch nicht mit dem Weg von Kals aus konkurrieren. Auch die Erzherzog-Johann-Hütte ist durch das Auseinanderbrechen ihres aus auftauendem Permafrostboden bestehenden Untergrundes beeinträchtigt.

(Quelle des vorstehenden Artikels: Wikipedia: Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar)



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