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Die Alpen

Geologische Skizze der Großeinheiten der Alpen
Geologische Skizze der Großeinheiten der Alpen

Geologische Skizze der Großeinheiten der Alpen: Helvetikum, Penninikum, Ostalpin, Südalpin

Woudloper


Ostalpin



Das Ostalpin (Ostalpines System, Austroalpin) (in der obigen Karte graublau: Mesozoikum; tintenblau: Kristallin) bildet, wie der Name verrät, den überwiegenden Teil des östlichen Alpenbogens. Es repräsentiert den nördlichen Schelf der mit Europa kollidierten Kontinenalscholle(n). Es wurde vermutlich über weite Distanzen transportiert, überdeckt in nahezu den gesamten Ostalpen das Penninikum und dominiert somit die dortige Geologie.


Gliederung

Das Ostalpin gliedert sich in das nur an einigen Stellen zutage tretende Unterostalpin mit u. a. Teilen der Zentralalpen und das flächenanteilig dominierende Oberostalpin mit u. a. den Nördlichen Kalkalpen, der Schiefer- und Grauwackenzone sowie die Gailtaler Alpen und den nördlichen Zug der Karawanken. Das Kristallin des Zentralalpins, ebenfalls dem Oberostalpin zugerechnet, wird durch die Grauwackenzone von den Nördlichen Kalkalpen und durch die periadriatischen Naht, eine Hauptstörung der Alpen, vom überwiegenden Teil der „Südlichen Kalkalpen“ getrennt.

Im Gegensatz zu den Westalpen enthalten die Ostalpen keine autochthonen Kristallinmassive – das Kristallin des Ostalpins ist durchweg ortsfremd. Dies und die flächenmäßige Dominanz des Ostalpins im östlichen Teil des Alpenbogens sind die Hauptgründe für die geologische Unterscheidung in Ost- und Westalpen.

In den Westalpen sind an verschiedenen Stellen nur eng begrenzte Reste von ostalpinen Gesteinen aufgeschlossen (Vareser Alpen und als Deckenreste in der Umgebung des Matterhorns).


Petrologie des Ostalpins


Ötztal-Stubaier Kristallin - Beispiel Pflerschtal

Das ostalpine Grundgebirge besteht aus variszisch und teils vorvariszisch überprägten Metamorphiten und Tiefengesteinen mit entsprechenden mehrphasigen Faltengefügen. Besonders hervorzuheben ist die Schlingentektonik des Ötztal-Kristallins, die durch vertikal stehende Faltenachsen gekennzeichnet ist. Die Anwesenheit verschiedener geologischen Einheiten auf kleinstem Raum macht das Pflerschtal naturwissenschaftlich interessant. Das Tal liegt westlich der Brennerfurche unweit östlich des Tauernfensters. Es schließt Gesteine der alpinen Baueinheit des Oberostalpins auf. Der Talgrund und weite Bereiche der Talhänge bestehen aus oft intensiv gefalteten und polymetamorphen Gesteinen des Ötztal-Stubaier Kristallins, also Gneise, Glimmerschiefer, Quarzite und Amphibolite, in denen einige Granit- oder Granodioritvorkommen liegen.

Bei einigen Bergmassiven und Gipfeln beidseits des Tals, vor allem aber bei denen auf seiner Nordseite, lagern auf dem Ötztal-Stubaier Kristallin Gesteine des sogenannten Brenner-Mesozoikums, die in der Trias abgelagert wurden. Diese überwiegend flach liegenden Sedimentgesteine sind deutlich weniger metamorph überprägt als das unterlagernde Ötztal-Stubaier Kristallin. Die Gesteine in der Umgebung der Tribulaun-Gruppe zeigen im Gegensatz zu den Gesteinen der Kalkkögel, die ebenfalls zum Brenner-Mesozoikum gezählt werden, jedoch stellenweise eine deutliche Metamorphose.3 An einigen Stellen, beispielsweise an der Weißwandspitze oder im Gebiet um die Tribulaune, ist die Überlagerung der Gneise und Glimmerschiefer des Ötztal-Stubaier Kristallins durch die Gesteine des Brenner-Mesozoikums gut erkennbar. In diesem folgen über etwa 60 m mächtigen Quarziten, Sandsteinen, Kalksteinen, Mergeln und Tonsteinen mächtige Dolomite, die wegen ihrer Massigkeit und Härte die Hauptgipfel wie die Tribulaune und die Rotspitze bilden. An ihrer Basis ist ein Band von auffälligen phyllitischen Tonsteinen in die Dolomite eingeschaltet, die Raibler Schichten. Auf der Südseite der Tribulaune sind die Raibler Schichten etwas westlich des Normalweges zum Pflerscher Tribulaun auf einer Höhe von 2620 m aufgeschlossen. Die hier etwa vier bis fünf Meter mächtigen Schichten setzen sich aus sandig-tonigen Phylliten zusammen, in denen blaugrauer, sandiger Dolomit eine lang gestreckte Linse von etwa 30 Zentimetern Dicke bildet.

Im Nordosten des Tals liegen im Bereich des Rotjochs Gesteine der Steinacher Decke auf dem Brenner-Mesozoikum, hauptsächlich Quarz-Phyllite, die von Konglomeraten und Sandsteinen mit Kohleflözen aus dem Karbon überlagert werden.

Die geschilderten Einheiten sind nicht in ihrer ursprünglicher Lage erhalten, sondern wurden im Zuge der alpidischen Gebirgsbildung von ihrem Untergrund abgeschert, viele Kilometer in nördliche Richtung überschoben und übereinander gestapelt. Der Pflerscher Bach durchschneidet so einen Stapel aus tektonischen Decken. Die unterste aufgeschlossene Decke umfasst Gesteine des Ötztal-Stubai-Kristallins. Sie wird überlagert von der Decke des Brenner-Mesozoikums, dem als oberste Decke die Steinacher Decke aufliegt. Im tieferen Untergrund werden Gesteine des Penninikums vermutet, die im Tauernfenster nach Westen hin unter die Gesteine des Oberostalpins abtauchen und weiter westlich im Engadiner Fenster wieder an die Oberfläche kommen.


Sedimentäre Abfolge

Die sedimentäre Abfolge ist durch mächtige Seichtwassercarbonate der mittleren und oberen Trias charakterisiert, wobei die Kalke der mittleren Trias vorzugsweise von Kalkalgen aufgebaut werden. Da Kalkalgen für die Photosynthese Licht benötigen, bezeugen die bis 1000 m mächtigen Algenkalke die langanhaltende Absenkungstendenz dieses Meeresraumes.

Mit Beginn des Juras nahm die Wassertiefe allmählich zu und es kam zur Ausbildung von Ammoniten-Kalken und -Mergeln, Radiolariten und Kieselkalken. In der Kreide sind es syntektonische Ablagerungen, die diesen Raum kennzeichnen, wobei vor allem die Gosau-Ablagerungen der oberen Kreide besonders hervorzuheben sind. Das Ostalpin wird in einen nördlichen unterostalpinen und einen südlichen oberostalpinen Raum untergliedert. Die ostalpinen Decken finden ihre weiteste Verbreitung östlich der Bernina und des Rhein-Quertals. Die nördlichen Kalkalpen, welche den gesamten Nordrand der Ostalpen säumen, werden aus Deckenstapeln des ostalpinen Sedimentmantels aufgebaut. Die Dent-Blanche-Decke der Westalpen wird ebenfalls dem Ostalpin zugeordnet. (GeoDZ)



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