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Die Alpen

Geologische Skizze der Großeinheiten der Alpen
Geologische Skizze der Großeinheiten der Alpen

Geologische Skizze der Großeinheiten der Alpen: Helvetikum, Penninikum, Ostalpin, Südalpin

Woudloper


Südalpin



Beschreibung

Geologisch werden die Alpen in vier tektonische Großeinheiten strukturiert: Penninikum und Helvetikum, Ostalpin sowie Südalpin. Die großen Einheiten werden in eine Vielzahl von Untereinheiten gegliedert. Die geologischen Zuordnungen weichen mancherorts von den primär orographischen Gebirgsgruppen ab, da die großen Längstalzüge der Alpen zwar vorrangig den Gesteinsgrenzen oder den tektonischen Bruch- und Verwerfungslinien folgen, aber stellenweise diese Zonen auch durchschneiden. Die tektonische Einheit Südalpin findet sich südlich der Periadriatischen Linie; sie fällt mit den geographischen Südalpen zusammen und reicht von den Bergamasker Alpen, Dolomiten, Karnische Alpen, Julische Alpen, Karawanken bis zu den dinarischen Decken (Gebirgszüge von Centovalli (Melezzatal) – Veltlin (Addatal) – Tonalepass – Pustertal – Gailtal – Karawanken).

Im Unterschied zu den (geologisch aufgefassten) Ostalpen sind die Südalpen südvergent gerichtet, das bedeutet, die alpinen Deckenüberschiebungen und der Faltenbau sind nach Süden ausgerichtet, während jene der Ostalpen nach Norden gerichtet (nordvergent) sind. An mehreren Störungslinien sind die Südalpen über die erdgeschichtlich jungen Schichten am südlichen Alpenrand überschoben, und auch in ihrem Innern gibt es Überschiebungen, welche diese einbeziehen; doch von einem Deckenbau wie in den nördlich Baueinheiten kann man kaum sprechen. Auswirkung der südlichen Alpenrand-Tektonik sind u.a. die Friauler Erdbeben des Jahres 1976.

Im Wesentlichen sind die Südalpen tektonisch betrachtet weniger komplex aufgebaut als die Ostalpen. In den Südalpen gibt es neben den großzügigen mesozoischen Formationen bedeutende paläozoische Vorkommen (Karnische Alpen, Südkarawanken, variszische Decken). Im Untergrund des Nordrandes der Südalpen (Periadriatische Naht) vermutete man früher die verschwundene Wurzelzone der Nördlichen Kalkalpen, da sich alle Baueinheiten nördlich der Periadriatische Naht in Annäherung an diese steilstellen und im Untergrund zu verschwinden scheinen. Heute weiß man, dass der Bau der Alpen sehr viel komplizierter ist, und dass zum ersten die Steilstellung auf eine Aufwölbung des alpinen Gewölbes in späten Faltungsphasen zurückgeht, und zum zweiten die Periadriatische Naht in der heutigen Form erst nach der Überschiebung der Nördlichen Kalkalpen und der Überlagerung der Einzeldecken wirksam wurde.


Ivrea-Körper / Ivrea-Zone

Als Ivrea-Körper wird ein mächtiger geologischer Störkörper am Rand der Südalpen bezeichnet. Er wurde nach der norditalienischen Kleinstadt Ivrea in der Provinz Turin benannt.

Der Ivrea-Körper ist ein schräg aus dem oberen Erdmantel emporragender Körper von deutlich größerer Dichte als seine Umgebung. Er bewirkt massive regionale Lotabweichungen sowie eine unregelmäßige Anomalie des südalpinen Geoids. Letztere wirkt sich – bedingt durch die nach Norden abtauchende Schräglage des Körpers – vor allem im Süden der Schweiz aus.

Die Verkippung des Blocks in seine schräge Position dürfte bei der Entstehung der Alpen erfolgt sein. Als Folge der Verkippung ist im Sesiatal (Nebenfluss des Po unweit von Ivrea) eine Schichtfolge zu sehen, die den Aufbau der Erdkruste bis hin zum oberen Erdmantel aufschließt. Dies hat in der Geologie auch zur Definition der Ivrea-Zone (bzw. Ivrea-Verbano-Zone) geführt, wo die Störung der Insubrischen Linie durchzieht, die als steile Aufschiebung der Nordalpen das Bernina- und Ortlermassiv vom Adamello-Komplex trennt.

Prinzipiell unterscheiden sich die Südalpen (nicht nur diese Zone) von den nördlich angrenzenden Gebieten dadurch, dass sie keine großen Decken bilden, sondern vor allem durch Aufschiebungen charakterisiert sind. Sie werden vielfach als verkümmerter, südvergenter Flügel der sonst nordvergenten Alpen angesehen. (MURAWSKI, H., 1977) Nach anderen Quellen sind die Gesteine des Ivrea-Körpers (auch als Vogelkopf bezeichnet) über lange geologische Zeiträume an leichtflüchtigen Komponenten verarmt. (OKRUSCH, MATTHES, 2005).



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