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Die Alpen


Tauernfenster


Tektonisches Fenster - Tauernfenster
Tektonisches Fenster - Tauernfenster

Tauernfenster ist die geologische Bezeichnung einer Region der Zentralalpen in Österreich, in der fensterartig penninische Decken und möglicherweise auch helvetische Decken, gerahmt von Gesteinen d...

Jo Weber

Geologie des Tauernfensters

Tauernfenster ist die geologische Bezeichnung einer Region der Zentralalpen in Österreich, in der fensterartig penninische Decken und möglicherweise auch helvetische Decken, gerahmt von Gesteinen des Ostalpins, aufgeschlossen sind. Die tektonisch tiefsten Bestandteile des Tauernfensters sind die Zentralgneiskerne umgeben von Gesteinen der sogenannten Schieferhülle. Gargellenfenster in Vorarlberg und das Rechnitzer Fenster am Ostende der Alpen. Das Tauernfenster ist neben dem Engadiner Fenster weiter westlich und dem Rechnitzer Fenster weit im Osten das größte tektonische Fenster der Ostalpen, in dem penninische Einheiten unter den Ostalpinen Decken hervortreten.

Das Tauernfenster liegt in den österreichischen Bundesländern Tirol, Salzburg und Kärnten zwischen dem Brennerpass im Westen und der Linie Schladming – Mauterndorf im Osten, seine südwestlichste Ecke liegt in Südtirol und damit schon in Italien. Naturräumlich beinhaltet es den namensgebenden Nationalpark "Hohe Tauern" und besitzt Anteile an den Zillertaler Alpen. Seine Nord-Süd-Erstreckung nimmt zwischen Mittersill und Matrei in etwa 30 km und an seiner breitesten Stelle etwa 50 km ein. Seine Gesteine bauen im Wesentlichen die Zillertaler Alpen und die namengebenden Hohen Tauern auf.

Großglockner
Großglockner

Großglockner vom Fuscherkarkopf aus gesehen;
Der Großglockner ist mit einer Höhe von 3798 m der höchste Berg Österreichs und einer der bedeutendsten Gipfel der Ostalpen; er befindet sich im Mit...

magnuss

Vereinfacht dargestellt bildete der Grund des im Zeitraum Oberer Jura bis Unterkreide (130-163 Mya) existierenden ehemaligen Penninischen Ozeans die Ausgangsgesteine der heute im Tauernfenster aufgeschlossenen Gesteine. Im Zuge der Alpenbildung schloss sich der Ozean, und seine Gesteine wurden in der Kreide- und Tertiär-Zeit von den Gesteinsformationen des Ostalpins deckenartig überschoben und auf diese Weise subduziert. Nach der Versenkung erfolgte eine geologisch ebenso schnelle Wiederheraushebung der Gesteine. Gegen Ende des Oligozäns lagen zum ersten Mal Gesteine des Tauernfensters in größerem Maße frei an der Erdoberfläche, wie sich am Auftauchen charakteristischer Schwerminerale in den Sedimenten der alpinen Molassezone ablesen lässt. Die Hebung der Alpen – und damit des Tauernfensters – dauert heute noch an. Die dabei aktiven Prozesse sind Verwitterung und Abtragung, so dass das Tauernfenster sich im Laufe der Zeit in dem Maße langsam vergrößert, wie die ehemals überdeckenden Gesteine des Ostalpins abgetragen werden. Pierre-Marie Termier hatte 1903 die Theorie vorgebracht, dass die Westalpen in der Ostschweiz unter den Ostalpen verschwinden und in den Hohen Tauern in einem tektonischen Fenster wieder zu Tage träten. Diese Aussage löste eine jahrzehntelangen Geologenstreit aus. Heute ist klar, dass die Theorie von Termier der Wahrheit entspricht: die Gesteine des Ostalpins sind mindestens 150 km über den gesamten Bereich des Tauernfensters hinweggeschoben worden.


Petrologie des Tauernfensters

Das Penninikum des Tauernfensters und die südlich angrenzenden Altkristallinmassen sind fast ausschließlich aus metamorphen Gesteinen aufgebaut. Die Gesteine des Tauernfensters gliedern sich in Gesteine des Alten Daches und der Habachserie als die ältesten Gesteine. In diese intrudierten granitsche Schmelzen, die heute als Zentralgneis (Zentralgranitgneis, Mischgneise, Knappenwandgneis Schiefergneise) sowie als Muskovitschiefern und Phyllite vorliegen. Die jüngsten Gesteine sind metamorph überprägte Meeresablagerungen, die Oberen Schieferhülle.

Die Gesteine des "Alten Daches" wurden bereits vor der alpidischen Gebirgsbildung verfaltet und metamorph überprägt (Oberkarbon - Unterperm). Sie liegen heute als Zentralgneise vor. Im Gasteinertal sind keine Gesteinskomplexe mehr dieser älteren, voralpidischen Metamorphose des Alten Daches vorzufinden. Schon hingegen im hinteren Kleinelendtal (Hochalmspitz-Ankogelgruppe). Hier sind noch migmatische Gneise und Amphibolite des Alten Daches vorzufinden (Altkristallingestein innerhalb der Ankogelgruppe).

"Zentralgneis" ist ein Sammelbegriff für im Oberkarbon-Unterperm entstandenen Gesteine des Alten Daches. Es sind Schmelzen, die aus der Tiefe eingedrungen und zu Plutonen erstarrt sind. Diese wurden im Zuge der Gebirgsbildung verschiefert und metamorph überprägt. Die Zentralgneise treten in den Hohen Tauern als "Kerne" auf, wobei im Gasteinertal der Sonnblickkern im Westen und der Badgastein-Hochalmspitz-Kern im Osten. Die Zentralgneiskerne wurden im Zuge der Gebirgsbildung teilweise als Decken auf die Gesteine der Schieferhülle aufgeschoben, blieben also nicht ortsfest. Im Kontaktbereich Schmelze - Altes Dach wurden die Gesteine des Alten Daches teilweise aufgeschmolzen, was zu Mischgesteinen (Migmatite) führte. Schollen des nicht vollständig aufgeschmolzenen Alten Daches schwimmen in granitischen Gesteinen (Schollenmigmatite, Migmatite mit gangförmiger Granitintrusion). Diese sind im Maltatal noch anzutreffen. Die metamorph überprägten, granitischen Intrusionskörper liegen heute als Granitgneis, Tonalitgneis etc. vor. Teilweise wurde sie aber nicht verschiefert (Metatonalite, Metagranite etc.); teilweise ausgewalzt und ausgedünnt zu schmalen Lamellen.

Die "Obere Schieferhülle" besteht aus metamorph überprägten klastischen und karbonatischen Sedimenten und Vulkaniten, die sich im Perm (bis Kreide) im Ozean abgelagert haben. Abgelagerte Quarzkonglomerate und Quarzsandsteine liegen heute als Quarzite (metamorpher, quarzreicher Sandstein), feldspatreiche Sandsteine (Arkosen) als Arkosesandsteine vor. Im Gasteinertal sind Arkosequarzitschiefer auf der Gasteiner Höhe zu finden. Diese klastischen Sedimente wurden in Senken und Becken abgelagert, die durch Bruchtektonik im Anschluss an die variszische Orogenese und Intrusion der Zentralgneise einsetzte. Zu Beginn der Trias wurde dieser Ablagerungsraum von einem flachen Schelfmeer (Tethys) überflutet. So gelangten evaporitische Sedimente (heute Rauwacke), Bänderkalke (ehemals Flachwasserkalke), Dolomite u.v.m. zur Ablagerung. Gegen Ende der Trias wurden dann verstärkt feinklastische Sedimente eingeschwemmt, die heute als Chloritoidschiefer und Chloritoidphyllite (ehemalige siltig-tonige Sedimente), Quarzschiefer und glimmerreiche dolomitische Schiefer vorliegen.

Quellen

  • Lafenthaler, A.E., 2006; Geologie der Zentralalpen/Gasteinertal /Tauernfenster (http://gastein-im-bild.info/g_tour1.html), darin enthalten dessen Anmerkung: Die Textstellen wurden überwiegend dem Buch - " Nationalpark Hohe Tauern, GEOLOGIE " - Univ.-Prof. Dr. Karl Krainer entnommen. S.a. > Krainer, K., 2005; Nationalpark Hohe Tauern GEOLOGIE – Wissenschaftliche Schriften. 2. Auflage. Universitätsverlag Carinthia, Klagenfurt , ISBN 3-85378-585-9, S. 23–75.

Petrologie des Großglocknermassivs

Der Großglockner befindet sich im Mittelteil des Tauernfensters, einer west-östlich ausgedehnten Zone die durch tektonische Hebung (Exhumierung) im Zusammenspiel mit Erosion entstanden ist. Dort treten heute Gesteine zutage, die aus einer Tiefe von mehr als 10 km in den obersten Bereich der Erdkruste gelangt sind und nachfolgend, aufgrund anhaltender Abtragung des Gebirges, schließlich den ostalpinen Deckenstapel durchbrochen haben.

Der Großglockner besteht aus magmatischem Gestein und Sedimenten, die unter dem hohen Druck der Tiefe zu den heutigen besonders harten kristallinen Schiefern umgewandelt wurden. Seine Höhe ist hauptsächlich auf die Verwitterungsbeständigkeit des grünlich gefärbten Gesteins Prasinit (früher Grünstein genannt) zurückzuführen, das, eingebettet in Chloritschiefer, den Gipfel aufbaut. Bei diesem Prasinit handelt es sich um Basalte, die als ehemalige Ozeanböden des Penninischen Ozeans später metamorph überprägt worden sind. Neben Prasinit sind auch Serpentinite, Breccien, Quarzite und Phyllite am Aufbau der Großglockner-Basis beteiligt. Das Großglocknergebiet ist umgeben von mächtigen Schichten des Bündnerschiefers, die an der Nordflanke des Glockners, an der Glocknerwand, am Glocknerkamp und Hohenwartkopf zu Tage treten und aus Kalkglimmerschiefer bestehen. Im Lauf der alpidischen Gebirgsbildung entstand die Obere Glocknerscharte, die den Groß- vom Kleinglockner trennt, durch eine nordöstlich-südwestlich streichende geologische Störung. Diese Gefügestörung zieht sich von der Pallavicinirinne hinauf zur Scharte und verläuft durch die Pillwaxrinne parallel zum Stüdlgrat hinunter ins Ködnitzkees.


Mineralisation des Tauernfensters

Wie auch anderswo führen die Gneise und Schiefer des Tauernfensters eine vielfältige Mineralisation. Das Tauernfenster ist deshalb mineralogisch sehr attraktiv; weltbekannt Fundstellen sind (u.a.) die Sulzbachtäler mit der Knappenwand und dem Hopffeldboden, das Habachtal mit dem weltberühmtem Smaragdvorkommen, das Goldlager am Sonnblick, das Gasteinertal mit dem Ankogel und viele andere. Die Faltung der Hohen Tauern, und damit auch die des Tauernfensters verlaufen von WSW nach NNO. Da die Mineralabscheidungen entlang des Verlaufes der Schichten bzw. zwischen den Schichten erfolgt sind, liegen auch viele Mineralfundstellen entlang dieser Linien. So liegen z.B. auf der nördlichen Linie die Epidotfundstellen Knappenwand, Seebachkar und Söllnalm. Interessant ist, das sich unter den Epidotlagern häufig Kupfervorkommen auftreten. So liegt unterhalb der Knappenwand-Epidote die alte Kupfergrube Hochfeld. Auch am Seebachkar sind auffällig oft grüne Kupferminerale zu entdecken.

Sulzbachtäler - Hohe Tauern
Sulzbachtäler - Hohe Tauern

Übersicht der Sulzbachtäler

Uwe Ludwig
Sonnblick (3106 m) in den Hohen Tauern
Sonnblick (3106 m) in den Hohen Tauern

Sonnblick, Rauris, Hohe Tauern, Salzburg, Österreich

Mineralroli

Auf der mittleren Linie finden sich Fundstellen mit Wismutmineralisation wie Aschamalm (Beryller) und Foiskar. Südlich davon liegen auf einer Linie die Smaragdvorkommen am Nasenkopf (Sedl) sowie die in der Kesselklamm. Das Beryllvorkommen am Beryller dürfte ein Seitentrum dieser Abfolge sein. Diese Mineralhorizonte werden durch von Gletschern ausgefräste Trogtäler durchschnitten. Dies hat zur Folge, dass an den Wänden der Täler mineralführende Gänge angeschnitten wurden und so zutage treten.

Das zum Pongau gehörende Gasteinertal ist eines der mineralreichsten Vorkommen in den Tauern; hervorzuheben Böckstein, der Ankogel, Naßfeld und Radhausberg. Im Bereich des Sonnblick (Hoher Sonnblick (auch Rauriser Sonnblick, ein Berg des Alpenhauptkamms in der Goldberggruppe gibt es historische Goldminen, wovon auch der Knappenweg am Fuße des Berges in Richtung Hüttwinkltal zeugt; mineralreich sind das Blockfeld und die Alpinen Klüfte Gipfel wie Goldbergspitze (3073 m) und Goldzechkopf (3042 m) erinnern an längst vergangene Zeiten des Goldabbaus in den Hohen Tauern. Daneben wurde auch Silber – wie der Silberpfennig (2600 m) verrät – und andere Edelmetalle abgebaut, sowie Edelsteine (Aquamarin, Granat und andere) gefunden.

Habachtal
Habachtal

Habachtal, Bramberg am Wildkogel, Zell am See, Bezirk (Pinzgau), Salzburger Land, Österreich;
Blick von der Sölln-Alm

Andnem
Oberes Sulzbachtal
Oberes Sulzbachtal

Oberes Sulzbachtal, Hohe Tauern, TAuernfenster, Salzburg, Österreich

Gerdsch
Naßfeld mit Halde Imhofstollen und Knappenhäuser
Naßfeld mit Halde Imhofstollen und Knappenhäuser

Gastein, Pongau, Salzburg, Österreich. 9/2007.

Doc Diether
Zemmgrund im Zillertal, Tirol
Zemmgrund im Zillertal, Tirol

Blick von der Grawand-Hütte zurück ins Tal;
Der Zemmgrund ist ein Tal in den Zillertaler Alpen und gehört zum Tauernfenster . Er reicht vom Zillertaler Hauptkamm, gleichzeitig Grenze nach Südti...

Daniel Goldschmidt
Untersulzbachtal
Untersulzbachtal

Aschalm Alm, Untersulzbachtal, Hohe Tauern

Jacquesverlaeken
Lizumer Reckner in den Tuxer Alpen
Lizumer Reckner in den Tuxer Alpen

Die Südseite des Lizumer Reckners (2886m) vom Durrachjöchl aus betrachtet. Der Reckner gehört zum Südteil des Tauernfensters. Er ist der höchste Berg der Tuxer Alpen in Tirol, etwa 20 Kilometer süd...

Mabol


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