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Die Alpen

Tektonische Gliederung (Tektonische Großeinheiten)



Tektonische Gliederung

Die Alpen werden traditionell in die tektonischen Großeinheiten Helvetikum, Penninikum, Ostalpin und Südalpin unterteilt (Abb 1-3, 1-10). Helvetikum, Penninikum und Ostalpin bauen die Alpen nördlich der Periadriatischen Linie auf. Alle drei Großeinheiten bestehen in sich wiederum aus einzelnen Decken, die in Richtung auf das europäische Vorland, also nach Norden und Westen, überschoben wurden. Das Südalpin bildet die Alpen südlich der Periadriatischen Linie (die Südalpen) und wird von südgerichteten Auf- und Überschiebungen geprägt.


Periadriatische Linie

Periadriatische Linie (Naht)
Periadriatische Linie (Naht)

Relief der Alpen und der Verlauf der Periadriatischen Naht;
Autor: Geof

Public Domain

Die Periadriatische Linie (Naht, bzw. auch Periadriatisches Lineament) ist mit einer Gesamtlänge von 700 km die bedeutendste tektonische Störungslinie der Alpen. Ihr Name rührt daher, dass sie in einem weit ausholenden Bogen ungefähr parallel zur Küstenlinie des Adriatischen Meeres verläuft. Sie trennt die Südalpen von den Ostalpen bzw. die Südlichen Kalkalpen von den Österreichischen Zentralalpen und durchzieht die gesamten Alpen S-förmig zwischen Tyrrhenischem Meer und Slowenien bzw. Südungarn.

Die Schollenverschiebungen entlang dieser Störungslinie verliefen sowohl horizontal wie auch vertikal. So sind die ostalpinen Decken gegenüber dem Südalpin an manchen Stellen um mehrere Kilometer in der Höhe verschoben worden, so dass nördlich das Kristallin an die Oberfläche kam, während südlich der Linie Sedimentite vorherrschen, die von tektonischen Ereignissen und Metamorphosen, die die Ost- und Westalpen gegen Ende des Erdmittelalters (vor ca. 100 Mio. Jahren) erfassten, weitgehend unberührt blieben. Es wird angenommen, dass sich die Südalpen gegenüber dem ursprünglichen Entstehungsraum um etwa 50 bis 100 km nach Westen verschoben haben.

Die Periadriatische Linie stellt ein altes Lineament dar, das schon lange vor der alpidischen Gebirgsbildung existierte. Dies zeigt sich u. a. an variszischen Gesteinskörpern, Sedimentkeilen der Permotrias und an emporgedrungenen Tiefengesteinen (Granit, Tonalit), die in der Geologie als Periadriatika oder periadriatische Intrusiva bezeichnet werden. In ihrem Bereich, vor allem südlich des Tauernfensters, fehlt ein merkliches altalpidisches Stück der Erdkruste.

Die Periadriatische Linie wird durch große Längstäler meist deutlich morphologisch gekennzeichnet und taucht nordwestlich von Turin als Insubrische Linie unter den jungen tertiären und quartären Ablagerungen der Poebene auf und zieht knapp nördlich der oberitalienischen Seen in das Veltlin hinein. Von Sondrio ab wird sie mit der Tonale-Linie über den Aprica-Pass und über das obere Camonica Tal zum Tonalepass hin und weiter bis Dimaro im Sulztal (Val di Sole) fortgesetzt. Bei Dimaro stößt sie im spitzen Winkel auf die Judikarien-Linie, die vom Idrosee geradlinig über Madonna di Campiglio hereinzieht. Die Hauptstörungslinie setzt sich über Malè und Proveis fort und zieht über den Hofmahdsattel und durch das Marauner Tal ins äußere Ultental Richtung Meran. Dort zieht sie durch das Naiftal ins obere Penser Tal und über das Penser Joch nach Mauls.

Von dort folgt sie als Pustertal-Linie dem markanten Längstal, durch welches sie die Kalkgesteine der Dolomiten von den nördlich angrenzenden tertiären Tonaliten der Ostalpen und dem Tauernfenster trennt. Sie bildet den nördlichen Außenrand des Brixner Granits und verläuft über die Ortschaft Vals zum Stollbergsattel nach Terenten und Kiens, wo der Brixner Granit etwa 2 km östlich von Kiens untertaucht. Über Bruneck zieht die Störung an der Nordseite des Haupttales bis ins Drautal bei Sillian. Dort wird sie von der Gailtal-Linie abgelöst, die sich anschließend als Karawanken-Linie - die den Gebirgszug in Nord- und Südkarawanken teilt - bis zum Ostalpenrand bzw. Bachergebirge weiter verfolgen lässt. Östlich davon taucht sie schließlich unter dem tertiären und quartären Ablagerungen des Pannonischen Beckens und verschwindet. Zuvor zweigt unweit des Dreiländerecks Österreich-Italien-Slowenien die Save-Linie nach Südosten und Süden ab.

Übersicht:

  • Drau-Linie (Slowenisches Drautal - Jauntal - Rosental)
  • Gail-Pustertallinie (Gailtal - Pustertal - Bruneck)
  • Meran
  • Tonale-Linie (Val di Sole - Tonalepass - Valcamonica)
  • Veltlin - Biella - Golf von Genua

s.a. > Südalpin/Ivrea-Körper


Helvetikum

Die helvetischen Decken treten nur am äußersten Nordrand der Ostalpen zu Tage (in den Westalpen wesentlich weiträumiger) und repräsentieren den europäischen Schelf. Sie wurden über relativ geringe Distanzen transportiert.


Penninikum

Die penninischen Decken repräsentieren ein ehemaliges, relativ schmales Ozeanbecken südlich des europäischen Schelfs, mitsamt einigen Kontinentalschnipseln. Sie sind auf das Helvetikum überschoben. In den Ostalpen treten sie fast nur in tektonischen Fenstern zutage, zum Beispiel im Unterengadiner Fenster im Westen Tirols und in Graubünden, im Tauernfenster im Osten Tirols und in Salzburg sowie im Fenster von Rechnitz (Günser Berge). Die penninischen Decken beinhalten unter anderem die Flyschzone (Sandsteinzone) und verschiedene kristalline Gesteine.


Ostalpin

Das Ostalpin (auch Austroalpin) repräsentiert den nördlichen Schelf der mit Europa kollidierten Kontinenalscholle(n). Es wurde vermutlich über weite Distanzen transportiert, überdeckt in nahezu den gesamten Ostalpen das Penninikum und dominiert somit die dortige Geologie. So baut es die Nördliche Kalkzone (Nördliche Kalkalpen), die Schiefer- und Grauwackenzone, die kristalline Zone (Zentralzone, Zentrale Ostalpen), inmitten derer die penninischen Einheiten in den tektonischen Fenstern zutage treten, sowie die Gailtaler Alpen und den nördlichen Zug der Karawanken auf. In den Westalpen kommen ostalpine Einheiten überhaupt nicht vor. Dies und die flächenmäßige Dominanz des Ostalpins im östlichen Teil des Alpenbogens sind die Hauptgründe für die geologische Unterscheidung in Ost- und Westalpen.

Südlich der Störungslinie Gailtal–Eisenkappl (alpin-dinarische Narbe) treten die dinarischen Decken zutage, die, im Gegensatz zu Helvetikum, Penninikum und Ostalpin, nach Süden überschoben wurden. Die Transportdistanzen waren hierbei relativ gering. Tektonisch zählen alle Einheiten südlich dieser Narbe, also fast die gesamten Südalpen, gemeinsam mit den Dinariden des Balkans zu einem eigenen System. Dies bedeutet, zusammengenommen mit den oben angeführten Punkten zum Deckenbau, dass weder der geographische Begriff ‚Alpen‘ noch der geographische Begriff ‚Ostalpen‘ einen in sich geschlossenen geologischen Komplex bezeichnet.


Südalpin

Südlich der Störungslinie Gailtal–Eisenkappl (alpin-dinarische Narbe) treten die dinarischen Decken zutage, welche im Gegensatz zu Helvetikum, Penninikum und Ostalpin, nach Süden überschoben wurden. Die Transportdistanzen waren hierbei relativ gering. Tektonisch zählen alle Einheiten südlich dieser Narbe, also fast die gesamten Südalpen, gemeinsam mit den Dinariden des Balkans zu einem eigenen System. Dies bedeutet, zusammengenommen mit den oben angeführten Punkten zum Deckenbau, dass weder der geographische Begriff ‚Alpen‘ noch der geographische Begriff ‚Ostalpen‘ einen in sich geschlossenen geologischen Komplex bezeichnet.



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