'._('einklappen').'
 

Lagerstätten

Schwefelbergbau an Fumarolen
Schwefelbergbau an Fumarolen

Aktiver Abbau von Schwefel an den Fumarolen des Vulkans Owakudani, Japan

Collector

Exhalations-Lagerstätten




Exhalation - Definition

Solfateren
Solfateren

Solfataren mit starker Schwefel-Abscheidung;
Yellowstone Nationalpark, USA

USGS, R. L. Christiansen

Das Wort Exhalation (lat. halare „hauchen“) bezeichnet das Ausströmen von vulkanischen Gasen und Dämpfen. Als vulkanische Gase werden Gase bezeichnet, welche im Zuge vulkanischer Aktivität an der Erdoberfläche austreten. Der Austritt kann entweder in eng umgrenzten Bereichen (z.B. am Vulkankrater, Fumarolen, Solfataren) erfolgen, oder über eine große Fläche diffus aus den Flanken eines Vulkans erfolgen.

Fumarolen (lat.: fumus = Rauch, bzw. Dampf) sind vulkanische Exhalationen (meist kontinuierliche kleinere bis mittlere Gasausbrüche) aus Spalten mit Temperaturen zwischen 900 und 250°C. Über 400°C spricht man von sauren Fumarolen (HCl, SO2, Wasser); unter 400°C von Salmiakfumarolen. Der Wasserdampf prägt die Eigenschaften der Fumarolen. Bei niedrigem Dampfdruck entstehen Sublimate von NaCl, FeCl3 und Schwefel.

Soffionen sind Fumarolen, aus welchen borsäurehaltige Wasserdämpfe entweichen.

Solfataren sind 100 bis zu 250 °C heiße vulkanische Exhalationen von Gasen, die hauptsächlich Schwefelwasserstoff (H2S), Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf enthalten. Bei Kontakt mit Luftsauerstoff oxidiert der Schwefelwasserstoff und bildet elementaren Schwefel und Schwefeldioxid, das sich in Wasser löst und schweflige Säure (H2SO3) bildet. Diese Säure greift das Gestein und den Boden an und bewirkt zusammen mit dem heißen Wasserdampf die Zersetzung der mineralischen Bestandteile. Durch diese Zersetzung und Kondensation von Wasserdampf bilden sich häufig Schlammkessel, in denen die Gase unter Blasenbildung austreten.


Schwefel
Schwefel

Ein 37 cm langes sublimiertes Schwefel-Aggregat; vom Vulkan Kawa Ijen, Java, Indonesien

Collector

Schwefel-Lagerstätten

Elementarer Schwefel kommt in fast allen aktiven vulkanischen Regionen der Welt vor, besonders am pazifischen Feuerring an und in Abertausenden von Vulkanen. Wesentlicher Abbau dieses vulkanischen Schwefels wird in Japan, Taiwan, Indonesien, Neuseeland, Bolivien, Argentinien und in Chile betrieben. (1)

Große Mengen natürlichen Schwefels werden durch direkte und durch postvulkanische Aktivitäten freigesetzt. Vulkankrater, Schlote, Fumarolen und Solfataren können oft so schwefelträchtig sein, dass sie, sofern dies technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, abgebaut werden (s.a. > Japan, Indonesien). Sehr häufig kommt Schwefel als Bestandteil andesitischer und dacitischer Tuffe und Aschen vor. In solfatarischen Lagerstätten nahe der Oberfläche entsteht Schwefel über die Reaktion von Schwefelwasserstoff mit Sauerstoff. Einzelne Vorkommen können bis zu 50 m mächtig sein Die seltenen gas- oder dampfförmigen Exhalationen (Fumarolen, Solfataren) können in Vulkankratern oder auf Kraterflanken Exhalationslagerstätten bilden. Schwefel als Exhalationsabsatz ist in Gebieten von tätigen und erloschenen Vulkanen weitverbreitet.

Fumarolen sind wichtige Lagerstätten für magmatischen, exhalativ gebildeten Schwefel. Im Mittelalter waren Ablagerungen von solchen Fumarolen auf Island, etwa Námafjall, eine wichtige Quelle für die Herstellung von Schießpulver in ganz Europa. Wesentlicher Abbau dieses vulkanischen Schwefels wird in Japan, Taiwan, Indonesien, Neuseeland und in Chile betrieben. Abbau u.a. in Indonesien, in Japan) und am Vulkan San Pedro (Cerro San Pedro, Anden, Chile) In Kawa Ijen, einem Vulkankomplex im indonesischen Ost-Java, befindet sich eine Solfatare, die als größte Schwefellagerstätte Indonesiens gilt. Aus den dort etwa acht Meter dicken Schwefelbänken wird der Schwefel ausgebrochen und mit Bambuskörben aus dem Krater abtransportiert.

(1) Die weltgrößten Vorkommen elementaren Schwefels sind jedoch sedimentär und existieren in Salzdomen entlang des Golfs von Mexiko (Mexiko, Louisina, Texas) sowie in Evaporiten in Italien (Sizilien, Apenninen), Osteuropa (Polen) und Westasien (Turkmenistan). (Diese Lagerstätten werden im Kapitel "Sedimentäre Lagerstätten/Lagerstätten des Schwefelkreislaufs" beschrieben)


Kawah Ijen in Indonesien

Vulkankomplex Ijen-Merapi, Indonesien
Vulkankomplex Ijen-Merapi, Indonesien

Vulkankomplex Ijen mit dem Krater Kawah Ijen, Java, Indonesien; Publid Domain USGS Bulletin 1855

US Geological Service
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen

Solfataren

Peter van Luijk
Säuresee im Krater des Vulkans Kawah Ijen
Säuresee im Krater des Vulkans Kawah Ijen

SAlzsäurehaltiger Kratersee des Vulkans Kawah Ijen;
Java, Indonesien

Peter van Luijk
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen

Schwefeldämpfe

Collector

Der Ijen Vulkankomplex am östlichen Ende von Java wird aus einer Gruppe kleiner Stratovulkane innerhalb der 20 km breiten Ijen (Kendeng) Caldera gebildet, an deren südöstlichem Ende sich der 2.799 m hohe Stratovulkan Gunung Merapi erhebt. Westlich des Merapi liegt der Vulkan Kawah Ijen mit seinem ca. 1 km breiten türkisblauen Säuresee, an dessen Rand am Kraterinneren der täglich neu entstehende Schwefel gebrochen und durch Träger mittels Körben transportiert wird. Neben dem Kawah Ijen gibt es noch mehrere post-Caldera-Krater in der Caldera oder auf deren Rand. Außerhalb des Kawah Ijen-Vulkans, aber noch innerhalb der Caldera, wurden ausgedehnte Kaffeeplantagen angelegt. Die Caldera mit ihren Wasserfällen, heißen Quellen und dramatischen vulkanischen Szenen ist exotisch-atemberaubend. Der Calderarand ist ca. 2.368 m hoch, der Kratersee liegt auf einer Höhe von 1.248 m. Das 36 Mio. Kubikmeter ätzende Gemisch des Sees, bestehend aus Wasser, Schwefel- und Salzsäure, ist heiß und ist je nach vulkanischer Aktivität unterschiedlich stark schweflig- und salzsauer. Es passiert recht häufig, dass der See gewaltige Säurefontainen oder Gasblasen mit Schwefel- oder explosivem Chlordioxid ausstößt, was für Lebewesen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Krater befinden, tödlich ist. In der Vergangenheit starben mehrere Dutzend Bergarbeiter durch diese Säure- und Gaseruptionen.

Der fumarolisch bei ca. 220 - 300 °C gebildete Schwefel wird am Ufer des Sees gebrochen. Bedingt durch ständige Gasausbrüche und die ätzenden Dämpfe der Fumarolen ist die Arbeit grausam. Es gibt weder Sicherheitsvorkehrungen, noch haben die Arbeiter im Krater geeignete Schuhe und Kleidung. Anstelle von Gasmasken werden feuchte, zwischen die Zähne geklemmte Baumwolltücher benutzt. Bedingt durch die Dämpfe und Gase, leiden die Schwefelarbeiter an Erkrankungen der Atemwege wie chronischer Bronchitis, Lungenemphysemen und Asthma, an Augenentzündungen und an Verbrennungen.

Meist ausgemergelte, jedoch sehnige Schwefelträger mit durchschnittlich nur etwa 1,60 m Größe und max. 55 kg Körpergewicht tragen je nach Konstitution zwischen 50 bis 100 kg des frisch gebrochenen Minerals in zwei Bambuskörben, welche an einem Joch befestigt sind. Die Männer treten um ein Uhr nachts ihren langen täglichen Arbeitsweg an, bis sie vier Stunden später den Kraterrand erreicht haben und anschließend noch einen ca. 1 km langen steilen und unwegsamen Trampelpfad bis an den Rand des Sees im Kraterinneren bewältigen müssen. Dort, wo der Vulkan täglich bis zu 10 t Schwefel aus seinen Fumarolen ausstößt, wird das frisch gebildete Mineral in bis zu einem halben Meter großen Brocken abgehackt und in Körbe gepackt. Vollbeladen kehren die Schwefelträger den langen Weg zurück. Zunächst müssen sie wieder etwa dreihundert Meter über ein unwegsames Labyrinth aus Geröll und Gesteinsbrocken an der inneren Kraterwand hochklettern um dann auf der äußeren Kraterseite etwa 5 km bis zur Sammelstelle in der Siedlung Licin abzusteigen. Mit dem Schwefel angekommen, wird dieser gewogen und der Träger nach abgeliefertem Gewicht bezahlt (ca. 3 Cent pro kg). Da nicht wenige der Träger diese Sklaventour zweimal am Tag machen, können sie so auf einen Tagesverdienst von etwa 5 Euro kommen.

Trotz der menschenfeindlichen Bedingungen ist die Arbeit als Schwefelträger begehrt. Um als Träger einen zeitlich limitierten Arbeitsvertrag zu bekommen, muss der Anfänger eine Prüfung bestehen, indem er dreimal eine Last von 40 kg aus dem Krater schleppt. Will er fest arbeiten, muss er seine Leistung auf 60 kg steigern.

Der rohe Schwefel wird in einer kleinen Raffinerie von mechanischen Fremdteilen gereinigt, d.h., eingeschmolzen, gefiltert und über eine wasserüberspülte Betonfläche gegosen, wo er zu einer mehrere Zentimeter dicken Schicht erstarrt. Dieser raffinierte Schwefel wird zu grobem Pulver verstoßen und für den Verkauf in Säcke verpackt. Der größte Teil des Kawah Ijen-Schwefels wird zum Bleichen von Rohrzucker verwendet, aber auch die Gummi-, Pharma- und chemische Industrie sind Abnehmer.

(Anmerkung des Autors Peter Seroka: Unser letzter Besuch des Kawah Ijen im Januar 2006 fand an einem der seit 20 Jahren stärksten tropischen Regentage statt, sodass an Fotografieren nicht gedacht werden konnte. Die Sicht beim frühen Aufstieg auf den Krater war noch zufriedenstellend, beim Abstieg in den Krater und bei dem anschließenden Rückweg durch Urwaldpisten sind wir jedoch mehr geschwommen als gelaufen. Selbst die Schwefelträger haben ihre Körbe abgestellt und unter einem Blätterdach Schutz gesucht. Deshalb großen Dank an Peter van Luijk, der an einem schöneren Tag fotografierte und seine Bilder für dieses Portrait zur Verfügung stellte.)


Schwefel - Vulkan Kawah Ijen
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen

Mineralienportrait - Bild5

Peter van Luijk
Kawah Ijen, Schwefelträger im Kraterinneren
Kawah Ijen, Schwefelträger im Kraterinneren

Kawah Ijen, Java, Indonesien

Peter van Luijk
Kawah Ijen, Indonesien8
Kawah Ijen, Indonesien8

Kawah Ijen, Java; Schwefelträger

Peter van Luijk
Kawah Ijen-Schwefelträger
Kawah Ijen-Schwefelträger

Schwefelträger im Krater Kawah Ijen, Java, Indonesien

Peter van Luijk
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen

Mineralienportrait - Bild6

Peter van Luijk
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen
Schwefel - Vulkan Kawah Ijen

Mineralienportrait - Bild8

Peter van Luijk

Schwefel in Japan

Heiße Quelle
Heiße Quelle

Beppu, Kyushu, Japan

Collector
Schwefel-Kratersee aus schwefliger Säure
Schwefel-Kratersee aus schwefliger Säure

Vulkan Aso, Kyushu, Japan

Collector
Schwefelbergbau an Fumarolen
Schwefelbergbau an Fumarolen

Aktiver Abbau von Schwefel an den Fumarolen des Vulkans Owakudani, Japan

Collector
Insel Ioto (Iwo-Jima)-Japan
Insel Ioto (Iwo-Jima)-Japan

Schwefel-Insel Ioto, Ogasawara-Kette Izu-Marianen-Bogen, Pazifik, Japan mit dem Vulkan Suribachi; Io ist das jap. Wort für Schwefel Name zwischen 1935 und 2007 war Iwo-Jima

US Navy

Im Vulkanland Japan und auf seinen Inseln im Pazifik ist Schwefel nicht unbekannt, wenngleich es - bis auf Ausnahmen - nur wenig bergbauliche Aktivitäten gab. Bekannte historische Gruben lagen im Nordteil von Honshu (Tohoku), darunter Kosaka im Iwate-Ken und der Berg Yatsukoda im Aomori-Ken.

In Japan gibt es mehrere Inseln mit dem Namen "Schwefel-Insel" (Io in japanisch heißt Schwefel, Jima ist Insel). Berühmt ist die wegen einer mörderischen amerikanisch-japanischen Schlacht im 2. Weltkrieg Insel Iwo-Jima, welche so fälschlich transskribiert wurde, seit 1977 aber wieder wie früher Ioto heißt. Diese Insel mit dem dominierenden Vulkan Suribachi ist Teil der südöstlich von Tokyo liegenden Ogasawara-Kette im Izu-Marianen-Bogen und befindet sich zentral in einer 9 km breiten unterseeischen Caldera. Ioto ist vulkanisch aktiv und wächst seit 700 Jahren in die Höhe. Schwefel entsteht solfatarisch in den Trachyandesiten und stark alkalischen trachytischen Gesteinen.

Eine zweite Insel, ebenfalls mit dem Namen Iojima (Io-Jima) ist Teil der Osumi-Inselkette (Typlokalität des Minerals Osumilit) im nördlichen Teil der Satsunan-Inseln in der Präfektur Kagoshima, auch bekannt als Satsuma Io-Jima (der historische Name war Kikai; die Insel war berüchtigt als Verbannungsort). Io-Jima ist vulkanisch aktiv. Die höchste Erhebung ist der Berg Iojimagake (oder Iwodake) mit 703 m. Ständige Eruptionen emittieren große Mengen an Schwefeldioxid. Wegen des Schwefels ist das Meer um die Insel herum gelb gefärbt. Fumarolischer Schwefel am Berg Iwodake wurde seit etwa 1592 abgebaut, als die Portugiesen Feuerwaffen nach Kagoshima brachten und Fürst Shimazu ebendiesen Schwefel zur Herstellung von Schießpulver benötigte. Der Abbau hielt bis etwa 1950 an. Monatlich wurden mehrere hundert bis einige tausend Tonnen gefördert und per Seillift vom Krater an die Küste transportiert.


Schwefellagerstätte Vulkan Iwodake
Schwefellagerstätte Vulkan Iwodake

Iwodake, Io-Jima, Japan

Collector
Fumarolen
Fumarolen

Starke fumarolische Aktivität im Krater des Owakudani-Vulkans, Teil des Fuji-Vulkanmassivs, Honshu, Japan

Collector
Schwefel
Schwefel

Natürlicher monokliner Schwefel Vulkan Aso, Kyushu, Japan

Collector

Südamerikanische Vulkane

Die Schwefellagerstätten sind an die gewaltigen jungen Vulkanbauten in der Hochkordillere gebunden, welche in der Grenzregion zwischen Chile, Argentinien und Bolivien liegen. Nicht wenige Vulkane liegen in zwei Ländern. In den Kraterbereichen und manchmal am Fuß einzelner Kegel tritt der Schwefel flözartig parallel zur Neigung der Vulkanoberfläche auf. Die einzelnen Schwefellager sind zwischen 0,8 bis 3 m mächtig, selten auch bis 7 m. Nur wenige Lagerstätten haben Reserven über 1,0 Mio. t. Voraussetzung für einen wirtschaftlich sinnvolen Abbau sind Kapazitäten von mehr als 400.000 t.

Die bolivianischen und chilenischen Gruben liegen 200 bis 300 km von den nächsten Häfen entfernt (Bolivien und Chile verschiffen über Arica). Die argentinischen Vorkommen in der Provinz Salta konnten bis zu ihrer Schließung durch die 1924 erbaute Eisenbahn auf der Nebenstrecke C-14 von Salta nach Socompa erreicht werden. Die meisten Gruben liegen auf Höhen über 5.000 m, die höchst gelegene Grube der Welt ist die Schwefelmine Aucanquilcha in ca. 6.100 m Höhe, was selbst bei den einheimischen Bergleuten zu Gesundheitsschäden führt.

Der Schwefel der andinischen Lagerstätten ist gewöhnlich erdig bis massiv, bzw. kommt als Imprägnation in porösem Tuff oder in pyroklastischem Gestein vor. Der Schwefelgehalt der Gesteine beträgt zwischen 40 bis 75 %. Meist befinden sich die Adern und Imprägnationen des Schwefels in andesitischen und dacitischen vulkanischen Aschen und Tuffen, welche stark gebleicht sind und meist etwas Gips, Quarz oder Karbonate enthalten. Neue Schwefellager enststehen durch starke solfatarisache Aktivitäten. Die Bildung des Schwefels ist zumeist postvulkanisch in Fumarolen und Solfataren. Die Lagerstätten sind vorwiegend im Holozän bis Pleistozän entstanden.

Wenngleich es Hunderte von Lagerstätten gibt, sind gut ausgebildete Kristalle - bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. im Aufschluss El Desierto in Bolivien - eher selten.


1 Coropuna
2 Sabancaya
3 Chachani
4 El Misti
5 Ubinas
6 Tutupaca
7 Yucumane
8 Nevados Casiri
9 Tacora
10 Parinacota und Pomerape (Payachata-Komplex)
11 Guallatiri
12 Arintica
13 Tata Sabaya
14 Isluga
15 Irruputuncu (San Pablo de Napa)
16 Olca und Paruma
17 Aucanquilcha
18 Ollagüe
19 Azufre
20 San Pedro
21 Putana
22 Escalante und Sairecabur


23 Licancabur
24 Guayaques
25 Colachi und Acamarachi
26 Aguas Calientes
27 Lascar
28 Chiliques
29 Cordons Punta Negra und Chalviri
30 Puntas Negras
31 Tuzgle
32 Pular und Pajonales
33 Socompa
34 Llullaillaco
35 Escorial
36 Lastarria
37 Cordon del Azufre
38 Bayo
39 Sierra Nevada
40 El Condor
41 Peinado
42 Falso Azufre
43 Nevadas Ojo del Salado
44 Tipas

Vulkane mit Schwefelvorkommen in den Anden
Vulkane mit Schwefelvorkommen in den Anden

Übersicht der wichtigsten Vulkane mit Schwefelvorkommen
in den südamerikanischen Anden (Cordillera)
Mineralienportrait/Schwefel

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Bolivien

Laguna Verde, Bolivien
Laguna Verde, Bolivien

Blick auf die Laguna Verde, vom Paraglider aus gesehen; Hochanden, Bolivien

Gerd Breitenbach
Vulkan Irrutupuncu-Bolivien
Vulkan Irrutupuncu-Bolivien

Blick auf den Stratovulkan
Irruputuncu (5.163 m)
in dessen Einzugsbereich der Cerro Picoloro
mit den Schwefellagerstätten San Pablo de Napa und El Desierto liegen

Sebastian Vázquez Zarzoso

In Bolivien sind ca. 60 Schwefelvorkommen bekannt, welche allesamt an der Vulkankette der westandinischen Kordillere liegen und deren Bildung vulkanisch ist. Nicht wenige dieser Lagerstätten liegen genau an der Grenze zu Chile, sodass in der Folge dieses Kapitels ggf. Überschneidungen auftreten können (z.B. die Vulkane Parinacota (10), Guallatiri (11), Arintica (12), Isluga (14), Ollagüe (18), Putana (21), Komplex Escalante, Curiquinca, Cerro Colorado, Licancabur (23) und Sairecabur (22). Fast alle Vorkommen befinden sich in den Departements Oruro (Capitan, Curumaya, Parinacota (10), Poquentica, Tunapa und Nevado Quimsa) sowie in Potosi (Mina Cahuana, Vulkane Chela, Cono, Irruputuncu (15, s.u.), Michina, Nelly, Panizo, Sairecabur (22), Soniquera, Tinte, Tomasamil, Zapaleri, Mina Corina, Laguna Chiar, Laguna Mama Khumu, Polques, Sajo, Serrania Huayllara und den Minen Luz Marina, Maria Eugenia, Milluri, Susana, Victoria, Volcan Olga und auf der bolivianischen Seite des ebenfalls in Chile abgebauten Vulkans Ollagüe.

Zu den größten abgebauten Lagerstätten Boliviens gehören San Pablo de Napa und Concepción. Die Schwefellagerstätten liegen in der Provinz Daniel Campos im Departement Potosi, nicht weit von der Grenze zu Chile, an den Flanken des Cerro Cayte, im Einzugsbereich des Vulkans Irruputuncu (15) und fast bis zum Ufer des Salar Empexa (westlich vom Salar Uyuni) reichend (nur wenig südlicher liegt die chilenische Lagerstätte > Ollagüe). Die Schwefelförderung begann Mitte der 1930er Jahre. 1940 wurde eine Aufbereitungsanlage installiert. Die gesamte Förderung wurde von der Firma Hochschild in Chile aufgekauft. Eine weitere Grube war die Mina Beatriz zwischen El Desierto und dem Salar de Empexa.

Die im gleichen Grubenbezirk liegende Mina El Desierto wurde um 1944 in Betrieb genommen. In ihr arbeiteten zeitweise bis 360 Menschen, wobei die Wochenproduktion in den besten Zeiten bei 360 t Schwefel lag. Der Schwefel wurde nach Brasilien und Argentinien exportiert, um daraus Schwefelsäure herzustellen. Ein weiterer wichtiger Abnehmer war die bolivianische Zuckerindustrie. Der Schwefel wurde in Autoklaven mittels bis zu 300 °C heißem Dampf unter Druck gereinigt. Dabei sammelte sich der Schwefel, welcher dichter als Wasser ist, am Boden des Autoklaven, von wo er abgestochen werden konnte. Die notwendige Temperatur zur Dampferzeugung wurde durch Heizen mit Yareta erreicht. Diese harzige und sehr langsam wachsende moosartige Pflanze ist heute jedoch bis zu einem Umkreis von 10 km um die Grube ausgerottet. Ende der 1990er Jahre produzierte El Desierto ca. 2.000 t gereinigten Schwefel.

Anfang der 2000er Jahre gelangten spektakuläre Stufen mit zentimetergroßen, scharf ausgebildeten und hochglänzenden Kristallen von El Desierto auf den internationalen Sammlermarkt. Dieser Schwefel stammt aus einem Aufschluss, in welchem 5-7 Arbeiter nur Sammlerstufen abbauen (Specimen Mining). Dieses Projekt des Abbaus von Sammlerstufen wird von der deutschen GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) unterstützt.


Chile

Schwefel-Zwischenlager San Pedro de Atacama
Schwefel-Zwischenlager San Pedro de Atacama

Zwischenlagerung des vereisten Schwefel-Erzes
bei San Pedro de Atacama, Chile

Collector
Ollagüe in Chile
Ollagüe in Chile

Schwefellagerstätte Vulkan Ollagüe
Provinz El Loa, Chile (5.870 m)
Foto: Gerardo Andres Rosales Cepeda
www.ollague.wordpress.com

Gerardo Rosales
Vulkane Tacora (Chile) und Chupiquina (Peru)
Vulkane Tacora (Chile) und Chupiquina (Peru)

Stratovulkane Tacora (5.980 m)(vorne) und Chupiquina (5 km rechts dahinter);
Grenze Chile-Peru, 50 km N von Putre, Tarapacá, I. Region, Chile;
Im Sattel zwischen beiden Vulkanen Schwefelgru...

Smithsonian Institution Public Domain
Schwefelhalden in Nordchile
Schwefelhalden in Nordchile

Halden aufgeschütteten Schwefels
bei San Pedro de Atacama
Der Schwefel ist tw. noch mit Eis
verbacken
Im Hintergrund der Vulkan Licancabur

Collector
Vulkan Guallatiri - Chile
Vulkan Guallatiri - Chile

Stratovulkan Guallatiri (6.071 m)
Grenze Chile-Bolivien, I. Region, Chile
Zentraler Lavakomplex
Illustr. Catalog of the world
Smithsonian Institution
Permission/Genehmigung...

Lee Siebert 2004, Smithsonian Institution

Vom äußersten Norden Chiles (XV. Region Arica-Parinacota) bis zum Vulkan Copiapó in der Provinz Atacama exisitieren zahlreiche, teilweise riesige Schwefelvorkommen, welche an die jungen Vulkanbauten gebunden sind. Schwerpunkte der Schwefellagerstätten sind die Bezirke Tacora-Parinacota-Pomerape-Chupisquina, Olca-Ocana-Ollagüe-Aucanquilcha und der Cordon del Azufre mit den Vulkanen El Muerto, Incahuasi, Falso Azufre, Peña Blanca, Barrancas Blancas, El Ermitaño, Vicuñas, Copiapó (6.052 m) bis zum Ojos del Salado, dem zweithöchsten Berg der westlichen Hemisphäre mit 6.962 m auf der Grenze Atacama/Chile-Catamarca/Argentinien. Weniger mächtige, jedoch erschließbare Vorkommen liegen an den Vulkanen San Pedro, Paniri, Licancabur (23), Olca-Paruma (16).

Anfang der 1920er Jahre gab es eine enorme Nachfrage nach Schwefelsäure, welche man zur Gewinnung von Kupfer brauchte. Die bedeutendsten Abnehmer waren Chuquicamata und anschließend Mantos Blancos, welche zu den größten Kupferminen der Welt gehören. Gewaltige Mengen Schwefel wurden an den Vulkanen Aucanquilcha, Ollagüe, Santa Rosa und in Buenaventura de Borlando (Schließung der letzten Grube wegen Erschöpfung bis 1976) abgebaut. Weniger voluminöse, doch kontinuierliche Förderung fand in Oacana de Petrinoviv und in den bolivianischen Minen San Pablo de Napa, Beatriz, Caite und am Cerro Polan statt. Die auf einer Höhe zwischen 5.580 m und 6.100 m liegende Schwefellagerstätte Aucanquilcha am gleichnamigen Vulkan (17) ist die höchstgelegenste Schwefelmine und das höchstgelegenste Bergwerk der Welt, welches von 1913 bis 1983 aktiv war. Der Schwefel wurde in den Anfangsjahren mit Lamas als Packtieren befördert. 1935 baute man ein Fährseil von 22 km Länge, mit welchem man den Schwefel in Eimern bis nach Amincha brachte und anschließend in die Aufbereitung mit Lastwagen nach Ollagüe beförderte. Erst viel später wurde eine Straße bis zur Mine gebaut, auf welcher Lastwagen mit einem Gewicht bis zu 20 t fahren konnten. Diese Straße ist heute nicht mehr passierbar. Die Bergarbeitersiedlung befand sich auf 5.500 m Höhe. Zeitweise arbeiteten in der Mine 700 Menschen, durchschnittlich ca. 200. Die letzte große chilenische Aufbereitung Amincha wurde 1992 geschlossen.

Gegenüber von Aucanquilcha liegt der Vulkan Ollagüe (5.870 m, 18), auf welchem in 5.500 m Höhe in den Gruben Santa Cecilia und Santa Rosa Schwefel abgebaut und nach Amincha verbracht wurde. Am Ollagüe gibt es gibt zwei aktive Fumarolen von ca. 100 m Höhe, in welchen man den kontinuierlichen Austritt von gelbem Schwefelgas beobachten kann. Eine liegt etwa 700 m östlich des Kraters, die andere nahe des Vulkangipfels im Inneren der Grube Santa Cecilia. Auch auf der bolivianischen Seite des Ollagüe gab es Schwefelabbau.


Argentinien

Schwefelmine in der Provinz Salta, Argentinien
Schwefelmine in der Provinz Salta, Argentinien

Schwefelmine in der Provinz
Salta, Argentinien auf
ca. 4.400 m Höhe

Sebastian Vázquez Zarzoso
Vulkan Llullaillaco  (Argentinien-Chile)
Vulkan Llullaillaco (Argentinien-Chile)

Stratovulkan Llullaillaco (6.739 m); zweithöchster aktiver Vulkan der Welt und Schwefellagerstätte Mina I-Ii-Iii auf der argentinischen Seite;

Jaime E. Jimenez 2006

Die Schwefellagerstätten in den Anden Argentiniens liegen liegen fast alle an der Grenze zu Chile, sind aber nicht im gleichen Umfang erschlossen worden wie im Nachbarland Chile, da keine Nachfrage nach Schwefel durch riesige Kupferförderer wie in Chile existierte, sondern eher vom Binnenmarkt, bzw. Export bestimmt wurde. Wesentlicher Abbau findet in den Provinzen Juyjuy (Minen Cerro Negro, La Betty und Lovelia), Mendoza (Minen La Chola, Santa Barbara, Marina und früher auch am Cerro Serrata), Salta (Minen Cerro Rosado, Coyllur, Gral. San Martin, La Silla, Llullaillaco-I-Ii-Iii, Olga und La Casualidad) sowie in der weiter südlich gelegenen Provinz Neuquen (Minen Diana, Dos de Mayo, El Colorado, Emperatriz, Lilia, Palau Mahuida und Silvia) statt. Explorationen wichtiger Lagerstätten am Vulkan Tuzgle und in der Corrida Volcanica "Los Coyaguaimas" in der Provinz Juyjuy. Ein weiterer schwefelträchtiger Vulkankomplex im chilenisch-argentinischen Grenzgebiet (auf der argentinischen Seite) ist der Cordón del Azufre in der Provinz Catamarca (hier u.a. Schwefel von der Mina Agua Rica).


Borsäure-Lagerstätten

Sassolin ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Borate und ist die natürlich auftretende Form der Orthoborsäure. Mit Wasserdämpfen ist Borsäure flüchtig. Sie findet sich daher auch in den "Soffionen" und "Fumarolen" der italienischen Vulkangebiete mit ihren heissen Quellwässern von Larderello bei Sasso in der Toskana. Sassolin bildet sich durch Kristallisation aus kondensiertem, borsäurehaltigem Wasserdampf und findet sich gewöhnlich an Fumarolen in vulkanisch aktiven Gebieten. Bei entsprechend hohen Borsäuregehalten können in diesen Gebieten lokale Bor-Lagerstätten entstehen. Begleitende Minerale (Paragenesen) von Sassolin sind häufig gediegen Schwefel, Realgar und verschiedene Eisenoxide.


Larderello in Italien

Der Name Sassolin leitet sich von dem Fundort und der heutigen Typlokalität Sasso nahe Larderello (Toskana, Italien) ab, die im so genannten Tal des Teufels (ital. valle del diavolo) liegt. Diese geothermisch sehr aktive Region zeichnet sich durch zahlreiche schwefel- und borhaltige Fumarolen aus, den so genannten Soffionen. Die Erstbeschreibung des Minerals datiert auf den Beginn der 19. Jahrhunderts.

Bereits die Etrusker gewannen römischen Quellen zufolge Bor aus den heißen Tümpeln (lagoni) der Toskana, das sie als Medizin sowie zur Glasur ihrer Keramiken benutzten. Die Borgewinnung verlor im Spätmittelalter an Bedeutung, bis sich der Habsburger Großherzog der Toskana, Leopold II. (HRR), im 19. Jahrhundert wieder dafür zu interessieren begann und das Gelände erneut beschrieb.

Borsäurehaltiger  Dampfgeysir
Borsäurehaltiger Dampfgeysir

Vulkangebiet Larderello, Toskana, Italien

US Agency for International Development
Sassolin
Sassolin

Insel Volcano, Liparische Inseln, Italien

Aram Dulyan

François Jacques de Larderel, ein Industrieller französischen Ursprungs, entwickelte, gestützt auf Vorstudien von Uberto Francesco Hoefer, des Schirmherrn der toskanischen Apotheken und insoweit Beraters am Hofe des Großherzogs, ein Verfahren zur Förderung von Borsäure. Er gründete einen nach ihm benannten Ort, Larderello.

Wenige Hundert Meter unterirdisch bringt vulkanisches Magma das Grundwasser zum Kochen und stößt es unter gewaltigem Druck an die Erdoberfläche, wo es in rhythmischen bor- und schwefelhaltigen Dampffontänen herausschießt (soffioni). An anderen Stellen tritt kochendes Wasser brodelnd aus und bildet große Schlammpfützen (lagoni).



Durchblättern

Geologisches Portrait/Lagerstätten [ Vorherige: Black Smokers | Nächste: SHMS (SEDEX)- Lagerstätten ]