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Verwitterung und Erosion

Die schönsten Monumente der Verwitterung


Monument Valley

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The West Mitten Butte
Monument Valley
Foto: Jon Sullivan

Das Monument Valley liegt an der Grenze zwischen Arizona und Utah, westlich der Staatsgrenzen zu Colorado und New Mexico in einer Höhe von fast 1.900 m. In der Zeit zwischen der Oberen Kreide und Unterem Paläozän (90 - 110 Mya) bestand das Gebiet des heutigen Monument Valley ursprünglich aus einem riesigen Tieflandbecken, in welchem kontinuierlich Sedimentschichten der frühen Rocky Mountains abgelagert und zu Kalkstein und Sandstein verfestigt wurden. Die ältesten in der Region aufgeschlossenen Gesteine sind etwa 300 Mya alt. Die charakteristischen Tafelberge bestehen aus etwa 275 Mio. Jahre altem Sandstein.

Vor etwa 70 Mio. Jahren wurde die Oberfläche angehoben, wobei das einstige Becken zu einem 2.100 m hohen Felsplateau wurde. In den letzten 50 Mio. Jahren begann die physikalische Verwitterung durch Wind, Regen und Insolation sowie die Erosion durch Abtragung der abwechselnd harten und weichen Gesteinsschichten, wodurch die eindrucksvollen Tafelberge entstanden.

Manche dieser Tafelberge (Mesas) sind bis zu 300 m hoch. Die spitzen Kuppen werden im Amerikanischen als Butte (Kuppe) bezeichnet. Die bekanntesten Buttes sind The Three Sisters, Camel, Elephant, The Totem Pole, Mitten und Merrick's Butte.


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Spearhead Mesa
Monument Valley
Foto: Jon Sullivan

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The Totem Pole
Monument Valley
Foto: Jon Sullivan

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Charakteristische Buttes
Monument Valley
Foto: Jon Sullivan


Frost- und Tauzyklen im Hochgebirge

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Durch Insolation, Frost, Eis und Wind
verwittertes Gebirgsmassiv
Cerro Marmolero (6.108 m)
Hochanden, Chile
Foto: Collector

Unter dem Frost-Tau-Zyklus (auch Frostwechelszyklus) versteht man Schwankungen der Lufttemperatur durch den Nullpunkt. Gefrorenes Wasser, d.h. Eis, hat ein 9 - 10 % größeres Volumen als Wasser in flüssigem Zustand. Deshalb kann Wasser, wenn es in Bruchstellen oder Spalten einsickert, sogar härteste Gesteine innerhalb der Zyklen von Frost und Tau brechen.

Gesteine, die auf diese Art gesprengt oder zerkleinert wurden, zeigen klare und gerade Brüche. Diese Art der physikalischen Gesteinsverwitterung ist in Gebirgsregionen üblich, in welcher die Temperatur regelmäßig um den Nullpunkt schwankt.

Beginnt im Winter der Boden sowohl von der Oberfläche als auch vom Permafrostspiegel aus zu gefrieren, so kommt es durch das vergrößerte Volumen zu Spannungen. Sedimente und Gesteine werden in alle Richtungen durcheinander geschoben, um den Druck auszugleichen.

Der Rückzug hoch gelegener Permafrostböden und die vermehrten Frost-Tau-Zyklen lösen Gestein und Schutt, sodass sich Steinschläge und Murengänge häufen und intensiver ausfallen können. Das Auftauen von Permafrostböden sowie das Schmelzen von Gletschern in Hochgebirgsregionen sind eine der Hauptursachen für Berg- bzw. Felsstürze, wobei die Stabilität des Gesteins am schwächsten ist, wenn die Temperatur ganz knapp unter Null Grad liegt. Im Inneren ist das Gestein noch gefroren, an der Oberfläche jedoch ist das Eis, das den Permafrostboden normalerweise versiegelt, schon getaut. Wasser dringt in Spalten ein, kann nicht entweichen und baut Druck auf. Die Felswand verliert ihre Stabilität und bricht ab.

Durchmischungsprozesse, wobei Bodenschichten durch ständigem Wechsel von Auftauen und Frieren verformt werden und charakteristische Oberflächenformen Gestalt annehmen, nennt man Kryoturbation. Als Frosthub oder Frosthebung bezeichnet man die Anhebung des Untergrundes senkrecht zur Erdoberfläche durch Volumenzunahme gefrierenden Wassers.


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Physikalische Verwitterung durch
Frost-Tau-Zyklen mit Talus (Schuttkegel)
am Fuß der Felswände
Vajolet-Türme (Torri di Vaiolet)
Trentino, Dolomiten, Italien
Foto: Vincenzo Gianferrari Pini

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Verwitterung durch Frost-Tau-Zyklen im
andinischen Hochgebirge
Deutliche Denudation
Los Colorados, Sierras de Calalastre
Argentinien
Foto: Sebastian Vàzquez Zarzoso

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Felssturz, verursacht durch Frost-Tau-Zyklen
an der Ostseite des Eigers
auf den unteren Grindelwaldgletscher
Berner Oberland, Scheizer Alpen

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Felssturz durch Frost-Tau-Zyklus
Weber Sandstone, Moffat County
Colorado, USA
USGS

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Bergsturz durch Frost-Tau-Zyklus
Nordwesthang der Maladeta
Pyrenäen, Spanien
Foto: Collector

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Frostklüfte im Gebirge, verursacht
durch Frost-Tau-Zyklen
Black Canyon, Gunnison National Park
Colorado, USA
USGS


Natürliche Bögen

Natürliche Brücken oder Bögen sind Gesteinsformationen oder Landformen, welche durch physikalische Verwitterung, insbesondere Windschliff in Sand- oder Kalksteinen, aber auch als Erosionsprozess durch die Küstenbrandung (marine Erosion), bzw. durch Fließgewässer entstehen und welche eine darunter liegende natürliche Passage überspannen. Windschliff (Korrasion) vertieft und erweitert bereits bestehende Hohlräume in Felswänden, ähnlich einem Sandstrahlgebläse. In wechselnd widerständigen Gesteinsschichten entstehen auf diese Weise sogar bizarre Steinskulpturen wie die steinernen Torbögen im Westen der USA. Die ausgeblasenen Gesteinspartikel werden durch den Wind abtransportiert (aeloischer Transport).

Ob nun der Begriff Brücke oder Bogen angewandt wird, bleibt dem Betrachter überlassen, wenngleich die amerikanische Natürliche Bogen- und Brückengesellschaft eine Brücke als einen Untertyp eines Bogens definiert, welcher in erster Linie durch die abtragende Wirkung des Wassers entstand.

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Schematische Darstellung der
Entstehung natürlicher Bögen
durch Windschliff
Fewd. Government Work, USA
Archiv: Collector

Die nebenstehende Grafik erläutert die einzelnen Phasen der Verwitterung

  1. In den Gesteinsschichten entstehen tiefe Risse
  2. Durch Korrasion werden offen liegende Gesteinsschichten abgeschmirgelt und ausgeblasen, dadurch die Risse vergrößert. Es entstehen dünne Sandsteinwände und Klippen
  3. Sowohl Frost als auch Tau tragen dazu bei, dass das poröse Gestein körnig und flockig wird und durch die dünnen Wände schneidet
  4. Dadurch entstehen im Lauf der Zeit Löcher mit immer dünner werdenden Decken, welche sich wiederum durch herab fallendes Gestein und fortschreitende Verwitterung vergrößern und irgendwann Bögen bilden

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Batatakin Navajo National
Monument, Arizona
Foto: Jon Sullivan

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Natürlicher Felsbogen
Bryce Canyon Nationalpark
Utah, USA
Foto: Mark A. Wilson

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Natürlicher Felsbogen
Bryce Canyon Nationalpark
Utah, USA
Foto: Stefan

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Die Rainbow Bridge im
Arches National Park,
Navajo State, Utah, USA
Foto: IUGS

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Bogen im Arches National Park
Navajo State, Utah, USA
Foto: Jon Sullivan

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Natürlicher Sandsteinbogen
Wolfberg Arch, Cederberge
Cape, Südafrika
Foto: Marcel Muschalla

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Falaise d'Aval
Étretat, Alabasterküste
Normandie, Frankreich
Foto: bardenoki

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Natürlicher Bogen im Kalkstein
Mittelmeerküste bei L'Escala
Girona, Spanien
Foto: Collector

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Arch Timna Park
Negev-Wüste, Israel
Foto: Mark A. Wilson


Blockverwitterung und Wollsäcke

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Der berühmte wollsackartig verwitterte
Goldene Felsen bei Kyaikto, Myanmar
Foto: Ralf André Lettau

Bulls Party

Im namibischen Erongo-Gebirge, etwas nördlich von Karibib, Usakos befindet sich die Ameib Ranch, auf deren Gebiet surrealistische Felsformationen und massive, aufeinander getürmte Blöcke wie Riesenmurmeln liegen. Nicht wenige dieser gewaltigen Granitblöcke sind durch Kernsprengung zerborsten, an einigen kann man die Desquamation der Rinden deutlich studieren. An heißen Tagen können die Felsblöcke so stark erhitzt werden, dass man sie nicht berühren kann. Plötzliche Regenfälle kühlen die Oberflächen stark ab und lösen damit Kontraktionen aus, welche die Blöcke sprengen oder abschuppen.

Karlu Karlu

Karlu Karlu sind große, durch Wollsackverwitterung und durch Erosion entstandene gerundete Gesteinsblöcke. Der Name Karlu Karlu oder Karlwekarle kommt aus der Sprache der australischen Aborigines und bedeutet rundes Objekt. Karlu Karlu sind heilige Stätten der Aborigines. Weit mehr als 1000 dieser Granitkugeln kommen in der Davenport Range ca. 100 km südlich von Tennat Creek im Northern Territory in der australischen Wüste vor. Die lokale australische Bezeichnung für diese Granitwollsäcke ist Devil's Marbles (Teufelsmurmeln).

Weiter spektakuläre Wollsackformationen befinden sich in der Dades-Schlucht im südlichen Hohen Atlas in Marokko, in bestimmten alten Granitgebirgen der Sahara im Tschad, in Algerien und in Mali sowie in den Rocky Mountains.


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Ein riesiger "Bulle" auf der Ameib Ranch
Erongo, Namibia
Foto: Roger Lang

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Verwitterter Granitblock
Ameib-Ranch, Erongo, Namibia
Foto: Thomas Krassmann

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Bulls Party
Ameib Ranch, Eromgo, Namibia
Foto: Roger Lang

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Bulls Party
Ameib Ranch, Erongo
Foto: Archiv Collector

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Durch Kernsprengung zerteilter Wollsack
Ameib Ranch, Erongo, Namibia
Foto: Roger Land

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Karlu Karlu - Wollsackverwitterung
Nahe Tennant Creek
Northern Territory, Australien
Foto: Roll-Stone

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Kugeliger Granitblock
Mahabalipuram, Tamil Nadu, Indien
Archiv: Collector

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Wollsackverwitterung im
Boulder Arches National Park, Utah
Foto: Jon Sullivan

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Wollsackverwitterung in der Schlucht
Quebrada Cerillos, Atacama-Wüste, Chile
Foto: Karl Segerstrom, USGS


Karst

Torcal in Spanien

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Ein lösungsverwittertes Gebirge
Torcal-Massiv, Provinz Malaga, Spanien
Foto: Collector

El Torcal ist ein 1.171 ha großes Naturschutzgebiet im spanischen Andalusien, ca. 14 km entfernt von der Provinzstadt Antequera (Provinz Málaga). Mit seinen außergewöhnlichen Karstformationen gehört der Park Paraje Natural Torcal de Antequera zu den beeindruckendsten Landschaften Spaniens.

Zwischen dem Ende des Mesozoikums und dem Beginn des Tertiär war das heutige Spanien gänzlich vom Thethys-Meer bedeckt, von welchem lediglich das Mittelmeer übrig geblieben ist. Durch die Ablagerung mariner Sedimente bildeten sich Schichten aus Kalkstein und Dolomit. Durch die Kollision der afrikanischen und eurasischen Platte im frühen Paläogen (66 Mya) kam es zur alpidischen Orogenese, wobei im Prozess der Gebirgsbildungen auch Dehnungsklüfte entstanden, welche durch das Eindringen von Wasser erweitert wurden. Durch die für Karstgebiete charakteristische Kohlensäureverwitterung entstand die heutige bizarre Karstlandschaft.

Die Ursachen für die heute sichtbaren horizontalen Gesteinsplatten sind die Korrosion in Abhängigkeit von CO2-Partialdruck und die unterschiedliche Permeabilität der ursprünglich horizontal geschichteten marinen Sedimente, durch welche die Gesteinsschichten unterschiedlich korrodiert wurden.


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Torcal-Massiv, Provinz Malaga, Spanien, Fotos: Collector


Burren in Irland

Burren (Irisch An Bhoireann, steiniger Ort) ist eine einzigartige Karstlandschaft im Nordwesten des County Clare in Irland nahe Ballyvaughan. Das Karstgebiet ist ungefähr 250 km2 groß und findet über die Aran Islands die geologische Fortsetzung des Burren in der Bucht von Galway.

Die Oberfläche des Burren-Kalksteins wurde durch Wasser gebildet, das sich nach stärkeren Regenfällen in sogenannten Turloughs sammelt. Charakteristisch sind knietiefe Karren, welche in rechteckige Felder gegliedert sind. Horizontal sind die die Platten durch Klüftung (Clints) voneinander getrennt. Die losen Kalksteinplatten haben Stärken zwischen 15 und 25 cm und wurden beim Bau der vielfach anzutreffenden Dolmen verwendet. Die Einzigartigkeit der Karstkarren besteht darin, dass hier Verkarstung auf einer natürlich denudierten Oberfläche in kühlgemäßigt-humidem Klima stattfindet. Ursächlich geht dies auf Vergletscherung während des Pleistozäns zurück, die das anstehende Kalkgestein aus dem Karbon großflächig freigelegt hat. Im Holozän konnte sich aufgrund des Klimas nur an wenigen Stellen eine Bodenbedeckung entwickeln. Außerdem wird diskutiert, ob in einem gewissen Ausmaß frühgeschichtliche Überweidung und nicht angepasster Ackerbau ebenfalls für die Erosion der nachpleistozänen Bodendecke, soweit sie sich an einigen geschützten Stellen entwickelt hat, verantwortlich waren. Das humide ozeanische Klima in Verbindung mit der fehlenden Wasserspeicherung wegen nicht vorhandener Böden fördert die rasche Vergrößerung der Karststrukturen, weshalb sie im Burren besonders großmaßstäblich ausgebildet sind. Begünstigt wird dies noch durch ein Kluftsystem mit variszischem Streichen, das das Grundmuster des Karrenverlaufs vorgibt. Der Eroberer Oliver Cromwell charakterisierte den Burren treffend: "Kein Baum, an dem man einen Mann aufhängen, kein Tümpel, worin man ihn ersäufen, keine Erde, in der man ihn verscharren könnte."

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The Burren, Irland
Foto: Jon Sullivan

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Charakteristische Karren im
Poulnabrone Kalkstein
The Burren, Irland
Foto: Vincent Roux

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Flache Clints
The Burren, Irland
Foto: Ben Roudiak-Gould


Tropischer Kegelkarst in Phang Nga, Ha Long und Guilin in Südostasien

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Felsinsel Kho Tapu
Bucht von Phang Nga, Thailand
Foto: Brownie

Karstlandschaften gibt es in vielen Ländern der Erde. Spezifische Formen wie der Kegelkarst hingegen, bei dem kegel- oder turmartige Einzelberge in Ebenen aufragen, sind auf tropische Gebiete beschränkt.

Dieser tropische Kegelkarst stellt eine Sonderform der Verkarstung dar, da er ein in den immerfeuchten und wechselfeuchten Tropen klimaspezifisches Ergebnis ist und nicht auf andere Klimazonen übertragen werden kann, wobei der chemische Prozess der Lösungsverwitterung in den Tropen anders, bzw. energischer und intensiver als in gemäßigten Breiten verläuft. Der tropische Kegelkarst bildet sich besonders dort aus, wo massige Kalkschichten von ziemlich reiner Konsistenz vorliegen.

Vor allem im südostasiatischen Raum, in Mittelamerika, Puerto Rico und Kuba ist der tropische Kegelkarst verbreitet. Am bekanntesten dürften wohl die Karsttürme in Guangxi in Südchina, die Bucht von Phang Nga in Thailand sowie die bizarren Kegel in der Ha Long Bucht in Nordviertnam sein. Bemerkenswert ist auch die Karstlandschaft bei Pinar del Rio im westlichen Kuba mit ihren zahlreichen Höhlen.


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Eine der charakteristischen
Kegelkarst-Insellandschaften in Südostasien
Bucht von Phang Nga, Thailand
Foto: Collector

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Kegelkarstberg Khao Ok Thalu
Provinz Phattalung, Thailand
Foto: Archiv: Collector

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Fortschreitende Verwittertung an einem
Kegelkarstfelsen
Bucht von Phang Nga, Thailand

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Eine traumhafte, aus hunderten Felsen
bestehende Karstlandschaft
Ha Long Bucht, Nordvietnam
Foto: Thierry Borie

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Verwitterte Kegelkarstfelsen in
der Ha Long Bucht, Vietnam
Foto: Nguyen Thanh Quang
Archiv: Collector

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Kegelkarstfelsen in der
Ha Long Bucht, Vietnam
Foto: Christophe Meneboeuf
Archiv: Collector

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Eine der schönsten Karstlandschaften der Erde
Der Fluss Li Jiang
Guilin, Guangxi, China
Foto: Miguel Monjas, 2005
Archiv: Collector

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Kegelkarst am Fluss Li-Jiang
Guilin, Guangxi, China
Foto: W.H. Monroe, 1983, USGS

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Karstlandschaft am Fluss Li-Jiang
Guilin, Guanggxi, China
Foto: Katie Crutchley


Die Chocolate Hills von Bohol - Karsttopologie im Pazifik

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Chocolate Hills, Bohol
Visaya, Philippinen
Foto: Ramir Borja

Bohol ist eine Inselprovinz der Philippinen mit der Hauptstadt Tagbilaran. Sie ist die zehntgrößte Insel des Archipels und befindet sich im Zentrum der Visayas. Die wohl größte Sehenswürdigkeit der Insel sind die 1268 kegelförmigen Chocolate Hills (Schokoladenhügel), d.h. Karsthügel, welche zwischen 40 und 120 m hoch sind. Der Name bezieht sich auf den Bewuchs dieser Hügel mit Alang-Alang-Gras, welches in der Trockenzeit verdörrt und dadurch die Hügel braun werden lässt.

Die Art der Entstehung dieser Kalksteinformationen ist nicht eindeutig bewiesen, die Meinungen der Geologen klaffen auseinander, wenngleich es eine allgemeine Übereinstimmung gibt, dass es sich bei den Hügeln um verwitterte Korallenriffe aus Kalkstein handelt, die auf einer undurchlässigen Schicht aus Ton lagern und welche über Tausende von Jahren durch Erosion durch sowohl Wasser als auch Wind geformt wurden. Die sich über einige Quadratkilometer erstreckenden Hügel befinden sich auf einem Gebiet, welches sich vor einigen Millionen Jahren in einem Flachwasserbereich befand, in welchem Korallen entstanden.

Nach Absinken des Meeresspiegels, diversen Hebungen und Senkungen des Bodens, bedingt durch Subduktion und sekundäre vulkanische Ereignisse gelangte das Material an die Oberfläche, der Kalkstein verwitterte chemisch und auf diese Weise entstanden die charakteristischen Hügel. Allgemein wird angenommen, dass es bei den Chocolate Hills um tropischen Kegelkarst handelt.

Die Karsttheorie spricht allgemein davon, dass durch "Veränderungen der Meeresspiegel angehoben wurde und sich zusammen mit terrestrischer Erosion unter Einwirkung der Luft aus einem biogenen Riffgebiet hügelige Landschaftsformationen gebildet werden, die oftmals mit Senkgruben und kleinen Höhlen durchsetzt sind." Die Chocolate Hills wären demnach ein schlagkräftiges Beispiel für eine derartige Karsttopologie.

Nach einer anderen Theorie lag Bohol vor Millionen von Jahren unterhalb der Meeresoberfläche. Durch austretendes Material kleiner unterseeischer vulkanischer Eruptionen entstanden Unebenheiten auf dem Meeresboden. Die erstarrten Formationen wurden geologisch gehoben, dann nach und nach durch die Strömungen des Wassers abgerundet und zu den heutigen Hügeln geformt. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass ein vor Urzeiten aktiver Vulkan bei seinem Ausbruch riesige Steinblöcke ausspie, die dann mit Kalkstein überdeckt wurden und sich später aus dem Ozeanbett erhoben haben.


Pancakes von Punakaiki in Neuseeland

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Pancake Rocks im Paparoa-Nationalpark
Foto: Alan Liefting

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Pancake Rocks; Rundweg im Nationalpark
Foto: Ingolfsson

Die Pancake Rocks sind eine Karst-Kalksteinformation im Paparoa-Nationalpark auf der Südinsel Neuseelands etwa 40 Kilometer nördlich von Greymouth. Die Felsen sehen aus wie übereinander geschichtete Pfannkuchen, wodurch sie zu ihrem Namen kamen.

Diese Karstformationen entstanden zwischen Miozän und Paläozän (vor ca. 30 Mya) als übereinander geschichtete Ablagerungen von Kalksedimenten und Tonmineralien, welche unterschiedlich rasch verwitterten, seit sie durch eine Landhebung an die Oberfläche gehoben wurden und Wellen, Wind und Niederschlägen ausgesetzt waren. Das eingehende Wasser der Brandung presst sich in Vertiefungen und Ausspülungen. Zurückfließendes Wasser und die durchströmende Luft werden durch enge Löcher und Röhren (Blowholes) im Felsen gedrückt und explodieren unter starkem Zischen.


Die Tsingy von Madagaskar

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Vereinzelte Pflanzen in den Tsingy de Bemaraha
Naturpark Tsingy de Bemaraha, Madagaskar
Foto: Andrzej Urbaniec

Eine der geologischen Besonderheiten der Insel Madagaskar bilden die sogenannten Tsingy: bizarre, auf den ersten Blick lebensfeindliche Karstlandschaften, die aber aufgrund der Unzugänglichkeit auch ein Rückzugsgebiet für manche angepasste Spezies sind. Der Name Tsingy bedeutet im Madagassischen soviel wie auf den Zehenspitzen gehen oder wo man nicht barfuß laufen kann, eine treffende Bezeichnung für die zum Teil messerscharfen Gesteinsformationen, die nach oben hin bleistiftdünn und bis zu 20 Meter hoch sein können.

Die Tsingy sind zumeist vegetationslos. Nur in kleinen Vegetationstaschen wachsen bizarre, kleinwüchsige Euphorbien und Sukkulenten, die grauen Steinen täuschend ähnlich sind. Unter den Tsingy existieren von Wasser ausgewaschene kirchgroße Höhlen und kilometerlange Gänge, unterirdische Seen und Flussläufe, die oft von blinden Fischen bewohnt werden. Neben Karstgebieten findet man die typischen scharfkantigen Strukturen auch in der bis zu 20 m mächtigen Madagaskar bedeckenden lateritischen Erdschicht. In Millionen von Jahren hat ein kombinierter Prozess aus Verwitterung und Erosion diese bizarren Formationen gebildet.

Am bekanntesten und beeindruckendsten sind die Tsingy de Bemaraha im Westen der Insel und die Tsingy von Ankarana im Norden, beides ausgedehnte Karstgebiete. Ebenfalls im Norden, etwas 10 km südlich der Stadt Antsiranana, trifft man auf die Roten Tsingy, die aus der laterischen Erdschicht ausgewaschen wurden.


Tsingy de Bemaraha, der steinerne Wald von Madagaskar

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Tsingy de Bemaraha
Naturpark Tsingy de Bemaraha, Madagaskar
Foto: Andrzej Urbaniec

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Tsingy de Bemaraha
Naturpark Tsingy de Bemaraha, Madagaskar
Foto: Andrzej Urbaniec

Die Tsingy von Bemaraha im Westen von Madagaskar, 150 km nördlich der Stadt Morondava vornehmlich am Nordufer des Flusses Manambolo gelegen, sind ein großes, bizarres Karstgebiet mit einer Ausdehnung von ca. 1500 km2. Sie liegen im Naturpark Réserve naturelle intégrale Tsingy de Bemaraha in der Provinz Mahajanga und gehören seit 1990 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Die Tsingy bestehen aus flachem, hügelartigem Karst an der Oberfläche eines etwa 300 - 500 m dicken und vor rund 200 Mio. Jahren im Jura gebildeten Kalksteins.

Bei den Tsingy de Bemaraha unterscheidet man zwischen den Kleinen Tsingy, die sich in der direkten Nachbarschaft des Flusses Manambolo befinden und den Großen Tsingy, die etwa 8 km weiter nördlich gelegen sind. Die Klüfte (grikes) der Kleinen Tsingy besitzen bei einer Breite von gewöhnlich 1-3 m eine Tiefe von 5-20 m. Vereinzelt kann die Breite auch bis zu 5 oder sogar 8 m betragen. Bei den Großen Tsingy findet man Tiefen von 80-120 m, die Breite reicht von wenigen Metern bis in den zweistelligen Bereich.

Riesigen Klüfte, die aus dem Einsturz von unterirdischen Höhlen entlang Rissen resultieren bilden die Hauptformationen der Tsingy de Bemaraha. Verschiedene Karrenstrukturen bedecken die Oberflächen des verbliebenen Gesteins. Die Höhlen bildeten sich durch Lösung des Kalkgesteins durch Grundwasser, wobei der Fluss Manambolo die Basis des Karstes war und aktuell noch ist. Dabei ist davon auszugehen, dass während der Entwicklungsgeschichte der Tsingy der Grundwasserspiegel weit höher lag als dies heute der Fall ist. In dieser Region auftretender heftiger Monsunregen führte zur Bildung der markanten Oberflächenstrukturen, wie auch zur Vergrößerung bzw. Erweiterung der durch den Einsturz der darunter liegenden Höhlen entstandenen Einsturztrichter. Bemerkenswert ist die Ausrichtung der Klüfte an den beiden senkrecht zueinander stehenden Achsen NNE-SSW und WNW-ESE.


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Tsingy de Bemaraha, Naturpark Tsingy de Bemaraha, Madagaskar, Foto: Andrzej Urbaniec

Die Tsingy de Ankarana

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Tsingy
National Park Ankarana, Madagaskar
Foto: Dylan Lossie

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Tsingy von Ankarana
National Park Ankarana, Madagaskar
Foto: Dylan Lossie

Im Nordwesten der Insel Madagaskar, etwa 70 km südlich der Stadt Antsiranana (Diego Suarez), verteilen sich auf einem Gesamtgebiet von ca. 200 km2 die Tsingy de Ankarana in kleineren und größeren Formationen. Im Gegensatz zu den Tsingy de Bemaraha basiert die Entstehung der Tsingy de Ankarana nicht auf dem Zusammenbruch durch Grundwasser geschaffener unterirdischer Höhlen, sondern alleine auf der Wirkung des Oberflächenwassers. Während der Monsunzeit werden Niederschläge von 105 mm in der Stunde und 350 mm täglich beobachtet. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt im Gebiet der Tsingy de Ankarana bei 2000 mm, im Bereich der Tsingy de Bemaraha sind es zwischen 1000 und 1500 mm.

Die Tsingy de Ankarana bestehen aus mächtigen Klüften (grikes), die sich entlang von Rissen entwickelt haben und kleineren Karrenformen auf den Oberflächen zwischen den Klüften. Die Klüfte entstanden durch die Erweiterung der Risse durch eindringendes Regenwasser. Die Karrenformen durch die direkte Einwirkung des heftigen Monsunregens. Lagen die Risse senkrecht zueinander, so entwickelten sich Felstürme, die mit Karren überzogen sind.

Auch bei den Tsingy de Ankarana unterscheidet man die Kleinen und die Großen Tsingy. Diese beiden Erscheinungsformen treten ca. 20 km voneinander entfernt auf. Die Kleinen Tsingy liegen auf den Hängen und dem Rücken von Hügelketten, die sich zwischen einem Tal und der Doline Bat Cave befinden. Kleine Flecken von wenigen Metern Größe sind dort zu finden, wo die oberste Bodenschicht nicht vorhanden ist. Sie reichen bis in 295 m ü. NN, die Großen Tsingy bis auf 318 m.


Die Roten Tsingy von Irodo

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Rote Tsingy von Irodo
Südlich von Antsiranana (Diego Suarez), Madagaskar
Foto: Dylan Lossie

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Rote Tsingy von Irodo
Südlich von Antsiranana (Diego Suarez), Madagaskar
Foto: Udo Wildemann

Nicht weit vom Naturpark Reserve of Analamera entfernt, befinden sich etwa 10 km südlich von Antsiranana (Diego Suarez) die Roten Tsingy. Diese sind nicht wie die Tsingy von Bemaraha oder Ankarana Karstformationen, sondern als Ergebnis der Erosion durch Monsunregen und starkem Wind, der wie ein "Sandstrahlgebläse" wirkt, aus der rötlichen lateritischen Erdschicht geschaffen worden.




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