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Siegerland & Westerwald. Bergbaugeschichte, Mineralienschätze, Fundorte. 2013

Siegerland Buch
Siegerland Buch

Golze, Henrich, Hucko und Stötzel

Doc Diether
  • Autor: Rolf Golze, Markus Henrich, Stefan Hucko und Norbert Stötzel
  • Verlag: Ed. Krüger Stiftung, Bode Verlag
  • 800 Seiten, 2000 Farbfotos, zahlreiche Karten und Risse, historische Schwarz-Weiß-Bilder.
  • Preis: 78,- Euro
  • ISBN:9783942588034

Inhaltsbeschreibung

Hält man das Buch zuerst in der Hand, fällt einem als erstes die enorme Dicke und Schwere desselben mit ca. 4kg auf. Der gewichtige Inhalt soll hier besprochen werden:

Gleich zu Anfang wird man daran erinnert, dass es sich beim Siegerländer Revier eigentlich (fast) nur um ein Mineral drehte: den Siderit bzw. Spateisenstein. Und der war im Wesentlichen die Basis des Eisenerzes und des daraus gewonnenen Eisens. Der Spateisenstein musste zuerst geröstet werden und ergab Eisenoxid. Dieses wurde dann in den Hochöfen des Siegerlandes und Ruhrgebiets zu Eisen reduziert. Aber schon sehr früh entdeckte man, dass in den bis zu mehreren Metern mächtigen Eisenspat-Gängen noch andere bedeutende Erze vorkommen: vor allem silberhaltiger Bleiglanz und Kupferkies. Später entdeckte man noch andere interessante Erze des Mangan, Kobalt, Nickel, Zink, Antimon und Quecksilber. Deren Abbau war immer durch schwankende Metallpreise beeinflusst.

Man erfährt am Anfang einiges zur Geschichte dieser uralten , großen und bedeutenden Bergreviere, wo man schon seit keltischen Zeiten Bergbau betrieb. Dieser geschichtliche Faden durchzieht auch den Hauptteil des Buches, die einzelnen Gruben. Die Geschichte wird zur Nostalgie, wenn man die vielen schwarz-weißen Bilder aus alten aktiven Zeiten dazu nimmt. Das Siegerland kann wohl als die Wiege der deutschen Eisen- und Stahlindustrie bezeichnet werden, wobei auch heute noch durch viele auf die Stahlverarbeitung spezialisierten Betriebe eine Kontinuität besteht.

Auf die Geschichte der Siegerländer und Westerwälder Erzreviere kommt folgerichtig die Geologie und Lagerstättenbildung des Gesamt- bzw. Teilgebiets.

Dann kommen im Hauptteil Revierweise die Mineralfundstellen bzw. Bergwerke. Zuerst das Müsener Revier. Jede einzelne Grube, wenn möglich Abbau-Punkt, ist hinsichtlich seiner Geschichte, Erze, Mineralien, Geologie, Förderung, Aufbereitung etc. außerordentlich umfangreich beschrieben und bebildert worden. Auch interessante Etiketten werden abgebildet. Ebenfalls werden neben den bedeutenden Gruben viele kleine, wenig bekannte Gruben hier gewürdigt. Selbstverständlich, dass zu allen Gruben umfangreiche Literatur- und Mineralienverzeichnisse aufgenommen wurden. Und auch bei den Mineralien der einzelnen Fundpunkte musste ich bei den von mir erstellten Listen des Mineralienatlas teilweise erhebliche Ergänzungen vornehmen.

Den Raritäten und Klassikern des Mineralreiches werden großzügig viele Seiten gewidmet:

  • Da gibt es die Bournonite und Boulangerite der Silberwiese bei Oberlahr,
  • Antimonit und Violarit von der Lammerichskaule,
  • Pattersonit, Karminit, brauner Glaskopf (mit irisierender Oberfläche), Pyrolusit, Rhodochrosit, Beudantit/ Corkit, kugelförmiger Lepidokrokit von der Grube Louise bei Güllesheim (Westerwald),
  • perfekte Bournonit-Kristalle, Galenit, Siderit, Kupferkies, Tetraedrit, Linneit, Sphalerit, seltene Sulfosalze: Cosalit und Kobellit von der Grube Georg bei Horhausen,
  • Malachit, Anglesit, Pyromorphit (hellbraun), Millerit, Hauchecornit, Kupferkies, Siderit, Linarit von der Grube Friedrich bei Wissen,
  • Pyrit, Kupferkies und Siderit von der Grube Vereinigung bei Katzwinkel,
  • Rhodochrosit (!!!), Goethit u.A. als Glaskopf, ged. Kupfer mit Malachit-Überzug, Cuprit, Philipsbornit und Malachit von der berühmten Grube Wolf bei Herdorf,
  • Galenit (Gondersbacher Platten), Anglesit, Cerussit, Lepidikrokit, Coronadit, Pyrolusit, Millerit von der Ameise bei Siegen.

Letztere Grube lieferte recht viele Mineralstufen, weil sich der Bergbau erst spät im 20. Jhd. in größerem Stil etablierte. Erstaunlich frühe Buntaufnahmen von Untertage konnten von der Grube Georg aus dem Jahr 1956 präsentiert werden.

In einem kleinen Anhang stellt Eberhard Klein die Mineralien der vulkanischen Gesteine im Siegerland-Wied-Erzbezirk vor, z.B. vom Steinbruch Mahlscheid, Hohenseelbachskopf....


Beurteilung

Ebenso wird in einem Anhang auf die Geschichte des Sammelns von Siegerländer Mineralien, Vorstellung bekannter und weniger bekannter Sammler und Mineralienhändler eingegangen (natürlich mit Etiketten). Dieses Kapitel ist mit 98 Seiten überaus ausführlich geworden und ein Extra-Buch, auf das der Normal-Leser gerne verzichten kann, um dieses Kompendium (800 Seiten) überhaupt mit Nutzen verwenden zu können.

Ein wieder passendes Kapitel mit 6 Seiten sind die bergbaulichen und mineralogischen Sehenswürdigkeiten, die im Gegensatz zu der XXL-Bilder-Dominanz der vorangegangenen Seiten durch Informationen glänzen. Ein umfassendes Mineralienverzeichnis vom Stand Dezember 2012 zeigt 327 Mineralien.

Ich kenne die Bilder des historischen Bergbaus und viele schöne Siegerländer Mineralien. Aber, was ich bei diesem Werk feststelle, ist eine nicht mehr zu überbietende Krönung in jeglicher Hinsicht. Ich habe tagelang die schönen Bilder bewundert. Die alten schwarz-weißen Bilder sind überwiegend ungeschönt und in der Patina der alten Zeiten wiedergegeben. Und was die Mineralien angeht, die den Fotos zugrunde lagen, standen wohl die schönsten Siegerländer Stufen zur Verfügung. Alles in allem ein Werk, dass durch viele Recherchen, Details sowie Überblick, Kompetenz und viele schöne und informative Bilder nicht nur zur Freude und Unterhaltung beitragen kann, sondern ein Muss-Nachschlagewerk für den Siegerland-Sammler ist.

Ganz zum Schluss muss der Rezensent doch seiner Verwunderung Ausdruck geben, dass ein solches Mega-Buch zu einem ausgesprochen günstigen Preis von 78 Euro angeboten werden kann.


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