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Kleiner Ratgeber für den Besuch einer Fundstelle

Inhaltsverzeichnis

Ziel dieser Seite ist es, unerfahrenen Mineralien- und Fossiliensammlern eine Hilfestellung zu geben, worauf man im Gelände, bei der Begehung von Steinbrüchen, Höhlen oder gar Bergwerken achten sollte. Dafür sind weitere Erfahrungen von Sammlern sowie jegliche Anregungen zu diesem Thema jederzeit willkommen, um diese Seite zu verbessern.

1.) Die Vorbereitung

Bevor es ins Gelände geht, ist es nötig sich Gedanken über das Equipment zu machen. An erster Stelle stehen dabei Utensilien, die zur eigenen Sicherheit beitragen. Zur Grundausrüstung eines Sammlers sollte zählen:

  • Ein Helm (z.B. Hartschalenkletterhelme mit einer Kinnschlaufe),
  • Handschuhe (je nach Art der Tätigkeit leichtere oder gefütterte Modelle),
  • eine Schutzbrille sowie geeignete Kleidung (umherfliegende Gesteinssplitter sind nicht zu unterschätzen. So können schon kleinste Splitter tiefe Fleischwunden verursachen),
  • festes Schuhwerk, hier haben sich Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe bewährt (noch besser solche mit durchtrittsicherer Sohle z.B. der Klasse S3),
  • optional sind Knieschützer (z.B. bei langem Knien auf Halden) oder Schienbeinschoner aus Hartplastik (haben sich z.B. beim Bearbeiten von Basalt mit dem Vorschlaghammer als Splitterschutz als sehr sinnvoll erwiesen).
  • Nicht vergessen: Ausreichend Wasser sowie eine Kleinigkeit zu Essen sind nie verkehrt.

Werkzeug:

Je nach Art des Aufschlusses und der Geologie ist unterschiedliches Werkzeug nötig. So ist es wenig sinnvoll einen 5 kg Vorschlaghammer in eine Sandgrube mitzunehmen und auch einen Klappspaten wird man in einem aktiven Hartsteinwerk eher seltener einsetzen. Es ist also ratsam sich vor einer Exkursion mit den Gegebenheiten vor Ort auseinanderzusetzen. Im Zweifel besser etwas mehr als zu wenig Ausrüstung ins Auto packen.
Auf den Einsatz von schwererem Werkzeug, wie Akku-Bohrhammer, benzinbetriebener Motorsäge oder gar Sprengstoffen soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden.

  • Verschiedene Hammertypen: Leichter Kratzhammer/Geologenhammer (mit einer Spitze oder einem abgeflachten Ende, eignet sich um mit Lockermaterial verschmutzte Bereiche freizukratzen, in kleinstückigeren Halden kleinere Löcher zu graben und kleinere Steine zu zerteilen), Fäustel (in der Regel reicht ein Fäustel um auch an größeren Gesteinsbrocken zu arbeiten, vielmehr spielen die Schlagtechnik und das geübte Auge auf Risse und Schwachstellen im Gestein eine große Rolle beim Zerteilen), Vorschlaghammer (einige Gesteine können extrem zäh bei der Bearbeitung sein, manche sind selbst mit einem schweren Vorschlaghammer nicht zu zerkleinern).
  • Flach- und Spitzmeißel, je nach Gestein und Mineralgröße kann man verschiedene Modelle (Größe, Breite der Meißelspitze) einsetzen. In einigen Fällen ist ein Keil hilfreich um größere Gesteinsbrocken zu lösen oder zu zerteilen.
  • Eine Brechstange/Kuhfuß zum Drehen größerer Steine auf einer Halde oder zum Lösen aus dem anstehenden Gestein.
  • Vor allem auf Halden oder in Sandgruben ist ein Grabwerkzeug unverzichtbar (Klappspaten, Pickel).

Weitere nützliche Accessoires sind zum Beispiel ein Handfeger um verschmutzte Bereiche zu Reinigen oder Kluftbesteck um lose Stücke in tieferen Spalten zu erreichen. Auch freut man sich zu Hause über Fotos von seinen Fundstücken, als sie noch im Berg hingen, eine Kamera o.ä. gehört damit ebenfalls in diese Kategorie.

Verpackungsmaterialien für Funde

Je nach Fundmöglichkeiten sind diverse Verpackungsmaterialien nötig. Generell sollte über eine Transportmöglichkeit nachgedacht werden. Ob hierfür ein Rucksack, eine stabile Kiste mit Tragegriffen (Obststeige aus Pappe, Plastikkiste, Eimer) oder gar ein Hackenporsche herhält, bleibt Entscheidung des Sammlers und sollte den Gegebenheiten der Fundstelle angepasst sein.

In der Regel reicht es Zeitungspapier dabei zu haben und die Fundstücke in dem, am besten zuvor zerknitterten, Papier einzupacken. Bei fragileren Stücken kann eine Rolle Toilettenpapier helfen, persönlich hat mir sogar schon feinkörniger Sand aus dem Aufschluss als Schutz für die Fundstücke gedient.
Hilfreich ist auch, verschieden große Plastikdosen mit Deckel für besondere Funde dabei zu haben. Manch Sammler schwört auf Eierkartons.
Weitere Anregungen hierzu auf der Seite: Fundstücke sicher transportieren

Wo gehe ich sammeln?

Nun haben wir alles zusammen für einen erfolgreichen Tag im Gelände, die passende Bekleidung, das Werkzeug, Verpackungsmaterial für Fundstücke, es kann also los gehen?

Fast! Es gibt noch einen ernstzunehmenden Punkt, der einhergeht mit einer allgegenwärtigen Bitte unter Sammlern: Nehmt vor dem Besuch einer Fundstelle Kontakt zum Besitzer/Betreiber der jeweiligen Fundstelle auf und fragt um Erlaubnis zum Sammeln. Dies hilft nicht nur um dort mit einem entspannten Gefühl Arbeiten zu können und die jeweiligen Besitzer nicht zu verärgern, sondern gibt auch anderen Sammlern die Chance diese Fundstellen in den folgenden Jahren noch aufsuchen zu dürfen. Respektiert ein „Nein“ der Eigentümer, illegale Grabungen helfen keinem und führen nur zu weiteren Verboten bis hin zu Anzeigen.

2.) Verhalten im Gelände

Steinbruch

Wie einleitend bereits geschrieben, sollte vor dem Betreten eines aktiven Steinbruchs eine Genehmigung eingeholt werden. Der Umgang mit Sammlern ist von Betrieb zu Betrieb verschieden. Es gibt solche, die auf Anfrage (schriftliche) Genehmigungen erteilen, andere, die gegen eine Gebühr Sammler an bestimmten Tagen auf ihr Gelände lassen und solche, die grundsätzlich keine Genehmigung zum Betreten ihres Werksgeländes geben. Dies ist zu respektieren.
Bei inaktiven Steinbrüchen ist darauf zu achten ob es sich um ein geschütztes Geo- oder Biotop handelt, bei dem empfindliche Strafen anfallen können.

In aktiven Steinbrüchen stehen häufig allerhand Gerätschaften: Bohrgerät, Radlader, Bagger etc., selbstverständlich hat ein Sammler dort nichts verloren. Dank heutiger Technik sind einige der Maschinen durch Bewegungssensoren oder Kameras gesichert, was schnell einen Wachschutz auf den Plan rufen kann.

Zur eigenen Sicherheit sollte man frisch geschossene Steinbruchwände und Halden immer kritisch betrachten. Auch Tage nach einer Sprengung können Steinbruchwände kollabieren, lockere Halden können sich setzen oder in Bewegung geraten. Vor allem an Halden, die teils abgebaggert sind können übersteile Kanten entstehen, die spontan oder durch Sammlertätigkeiten ins Rutschen geraten können. Nach dem kompletten Wegbaggern einer Halde kann eine Steinbruchwand kollabieren, da ihr die stützende Wirkung selbiger fehlt. Vor allem an regnerischen Tagen oder bei Tauwetter kann es zu unvorhersehbaren (klein- oder großflächigen) Felsstürzen kommen. Allgemein können auch völlig ungefährlich wirkende Steinbruchwände im Untergrund durch Bankungen, Scherflächen oder Klüfte begrenzt sein, die spontane Ein- oder Felsstürze hervorrufen können. Auch das Lockern oder Entfernen einzelner Steine durch den Sammler kann zur unkontrollierbaren Destabilisierung größerer Bereiche führen, dessen sollte man sich immer bewusst sein.

Neben der eigenen Sicherheit sollte beim Arbeiten in einem aktiven Abbau auch darauf geachtet werden, dass weder Werkzeug oder Müll auf dem Gelände, noch größere Gesteinsbrocken auf den Fahrwegen liegen bleiben. Diese können zu einer Verzögerung des Abbaus führen und dazu, dass Sammler in Zukunft keinen Zutritt mehr bekommen.

Halden

Neben der Frage nach dem Besitzverhältnis des Geländes und der damit verbundenen Sammelgenehmigung ist beim Besuch von Halden vor allem darauf zu achten, dass die gegrabenen Löcher nach der Grabung wieder verfüllt werden. Weiter sollten keine Wurzelteller, bzw. ganze Bäume unterhöhlt werden. Häufig handelt es sich bei länger liegenden Halden ebenfalls um Biotope (z.B. für Feuersalamander) oder renaturierte Areale.
Auch hier gilt: Den eigenen Müll wieder mitnehmen, denn es gibt nichts Frustrierenderes als den Müll anderer auszugraben.

Unter Tage (Höhlen und Stollen)

Das von den Medien den Fokus der Öffentlichkeit gerückte Beispiel des verunglückten Höhlenforschers in der Riesending-Höhle hat einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig eine gute Vorbereitung bei der Begehung von Höhlen und Bergwerken ist. Dass solche Ereignisse jedoch keinerlei Wirkung zu haben scheinen, konnte bei diversen Begehungen unter Tage in öffentlich zugänglichen Höhlen (keine touristischen Schauhöhlen mit Beleuchtung und begradigten Wegen) gemacht werden. Als Beispiel sei hier ein junges, neugieriges Paar genannt, das in Halbschuhen, kurzer Hose und T-Shirt mit einer einzigen Taschenlampe und ohne Verpflegung, Hand in Hand, durch ein verzweigtes Höhlensystem irrte.
Wichtig: Nie! alleine unter Tage gehen, am besten mindestens zu dritt, wie uns das Beispiel des Unfalls in der Riesending-Höhle gezeigt hat. Zuverlässige Lampen mit geladenen Akkus (am besten noch min. eine zusätzliche pro Person für alle Fälle). Unverzichtbar auch der Helm (schnell ist der Kopf irgendwo gestoßen) und die Information einer daheimgebliebenen Person, die weiß in welcher Grube/Höhle man sich aufhält und wo exakt sich deren Zugang befindet. Ausreichend Wasser und Nahrungsmittel einpacken. Nicht zu vernachlässigen ist die konstante Temperatur unter Tage (im Schnitt etwa 8°C), bei längeren Aufenthalten kann man Auskühlen. Eine gute Orientierung ist überlebenswichtig. Viele Höhlen sind verzweigt und erstrecken sich über mehrere Ebenen. Selbiges gilt für Gruben, dort können die angelegten Stollen, Schächte und Abbaue sehr verwirrend sein. Mit einem Bindfaden als Markierung wird man nicht tief unter Tage vordringen, hilfreicher sind dabei schon Markierungen per Sprühdose (womit man sich bei anderen Befahrern allerdings nicht sehr beliebt macht) oder z.B. selbstleuchtende Pfeile aus Plastik zum Auslegen, die Richtung Ausgang zeigen. Eine besondere Rolle spielt das Wetter (die Luft) unter Tage, hierzu am besten unter dem Schlagwort „Bewetterung“ im Internet suchen und sich etwas über diese unsichtbare Gefahr informieren. Bei dem Begehen von teils wasserführenden Stollen ist darauf zu achten, dass der auf dem Hinweg häufig klar einsehbare Untergrund auf dem Rückweg durch die Verwirbelungen schlecht oder nicht mehr sichtbar ist und man durch eine trübe Brühe läuft, in der Hindernisse (wie Steine oder auch abgesoffene Schächte) nicht mehr erkennbar sind. Und so banal dieser Satz auch klingt, es gibt unter Tage weder das aus Film und Fernsehen bekannte Restlicht, welches die Protagonisten durch die Stollen begleitet, noch gibt es Empfang für einen Notruf per Mobiltelefon.

Alpines Strahlen

Beim Besuch alpiner Fundstellen sollte man sich im Vorfeld über die gesetzliche Lage des jeweiligen Landes und auch der Region informieren. Für bestimmte Teile der Alpen gilt absolutes Sammelverbot, da sie unter besonderem Schutz stehen. Ferner gibt es Nationalparks und auch abgelegene Privatgrundstücke, für die Genehmigungen eingeholt werden müssen. In einigen Kantonen der Schweiz ist es nötig sich im voraus Strahlerpatente einzuholen. Weiterhin gibt es einen sogenannten "Ehrenkodex" unter Strahlern, der z.B. hier nachgelesen werden kann: http://www.mfbe.ch/dt/kodex.htm


Einordnung