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Kobaltnickelkies

Geschichte

Sowohl Kobalt, als auch Nickel sind als Begriffe seit dem mittelalterlichen Bergbau bekannt, wenngleich die beiden Elemente noch nicht entdeckt waren. Auch die Begriffe Kies, Glanz, Blende sind uralt.
Kobalt- und Nickelerze (beide Worte stammen von den Berggeistern Kobold und Nickel, welche die auf Silber abbauenden Bergleute genarrt hatten, da sie aufgrund ihres silbrigen Aussehens und Glanzes Silber vorgetäuscht haben) sind seit Jahrhunderten bekannt.

Wann der Begriff Kobaltnickelkies, Kobaltglanz und Kobaltkies erstmals auftauchte, dürfte kaum nachzuvollziehen sein.

Die Verwendung von Kobaltverbindungen, ohne dass das Element Co entdeckt war (wesentlich als Pigmente Kobaltblau, -grün und -gelb), ist schon seit fast 2000 Jahren in China und seit dem frühen Mittelalter in Europa bekannt.

Die Elemente Kobalt wurden 1735 und Nickel 1751 entdeckt und beschrieben.

Linneit wurde 1845 entdeckt/beschrieben (Typlokalität Bastnäs, Schweden); Siegenit wurde 1850 entdeckt/beschrieben (Typlokalität Grube Stahlberg, Müsen, Siegerland).

Linneit wurde bergmännisch als Kobaltkies oder Schwefelkobalt bezeichnet; wenn Linneit viel Nickel enthielt, wurde er auch Kobaltnickelkies genannt! (ab hier beginnt die Verwirrung!). Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Kobalt "stets zugleich mit Nickel" vorkommt. (Quelle; Meyers Handlexikon, Originalausgabe 1888; S. 714)

Siegenit wurde synonym auch als Müsenit - aber nicht als Kobaltnickelkies bezeichnet.


Mehr als 150 Jahre später...

mindat.org - in der Regel, aber nicht immer eine verlässliche Quelle, listet als Synonyme von Linneit auf: "Cobalt glance, Kobaltglanz, Cobalt Pyrites, Kobaltkies, Koboldine und Kobaltnickelkies!" Unter Kobaltnickelkies findet sich in mindat.org das Synonym: Linneit!

Eine Internetquelle setzt Kobaltnickelkies mit (Co,Ni)3S4) gleich, was wiederum Siegenit entspricht. Eine weiteres Wörterbuch besagt "Kobaltnickelkies = Cobalt pyrite" (Kobaltpyrit).

Diese Liste ließe sich sicher noch verlängern...

Hier haben wohl seit über 150 Jahren die Autoren falsch voneinander abgeschrieben.

Betechtin, A.G.; Lehrbuch der speziellen Mineralogie, spricht (vorsichtig) von Mineralien der Linneit-Gruppe, Linneit (Kobaltkies), Siegenit (ohne Synonym) und Carrollit (Varietät von Linneit).


Fazit

Alles recht verwirrend, aber...

...da zwar seit uralten Zeiten die kobalt- und nickelhaltigen Erze auf jeden Fall bekannt waren, aber deren Hauptmineralien Linneit und Siegenit erst Mitte des 19. Jh.s "entdeckt" wurden, vermute ich, dass Kobaltnickelkies ein rein bergmännischer Ausdruck für kobalt-nickelhaltige Erze war - ohne dass man was von Linneit und Siegenit wusste.

Carrollit kam viel später dazu (Dana 1944); da es jedoch auch im Siegerland gleichzeitige Vorkommen von Linneit-Siegenit und Carrollit (Analyse von Carrollit aus dem Siegerland (Quelle: Anthony, Bideaux, Bald, Nichols; 1990; Handbook of Mineralogy) gab, ist nicht auszuschließen, dass auch Carrollit ursprünglich unter dem Bergbaubegriff Kobaltnickelkies geführt wurde.

Kobaltpyrit (Cobalt pyrites) sind Pyrite mit einem (relativ hohen) Anteil an Co - aber kein Kobaltnickelkies.
Die bekanntesten Co-Pyrite wurden von der Lagerstätte Gladhammer/Schweden untersucht, wo der Co-Anteil des Pyrit fast 14% beträgt; allerdings enthalten diese Co-Pyrite kein Ni und werden auch nicht als Kobaltnickelkies bezeichnet.

Um zur Verwirrung beizutragen: Im Standard English-German Technical and Engineering Dictionary (1972; McGraw Hill) steht: Cobalt pyrites = Kobaltkies. Aber das ist ja wieder Linneit, und der enthält ja nun mal kein Eisen).

Jetzt liegt's an Euch, die Wahrheit zu finden.


Quellangaben


Einordnung