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Definition

Kristalle sind einheitlich zusammengesetzte feste Körper, die idealerweise von regelmäßig angeordneten ebenen Flächen begrenzt sind. Viele Mineralien bilden aufgrund ihrer inneren Struktur solche Formen aus. Die Kristallform der Kristalle ist von Ihrer chemischen Zusammensetzung und der Gitterstruktur abhängig.

Ein Kristall lässt sich somit durch einige Merkmale von anderen Stoffen abgrenzen:

  • Er ist aus homogenen Bausteinen, also Atomen, Ionen oder Atomgruppen, aufgebaut
  • Ein Kristall hat anisotrope Eigenschaften, die seiner Symmetrie unterliegen. So kann z.B. die Wärmeleitfähigkeit, die Brechzahl, die Spaltbarkeit stark richtungsabhängig sein. Aber die Größe, z.B. Wärmeleitfähigkeit, muss in einer Richtung mit der gleichen Kristallsymmetrie wieder den gleichen Wert haben.

Kristalle sind somit der sichtbare Ausdruck einer inneren Welt aus räumlichen Symmetrien. Man kann an ihnen von außen feststellen, nach welchen Prinzipien sie innen gebaut sind. Sie werden dadurch zu Fenstern in die Gitterwelt der Atome und Moleküle. Alle Eigenschaften der Kristalle spiegeln diese Ordnung wieder! Diese Ordnung offenbart ein neues Merkmal der Kristalle, die Möglichkeit der Gittertranslation. In einem Kristall kann man entlang der Gitterrichtungen um ein Vielfaches der Gitterabstände laufen und kommt immer wieder an einen Punkt (z.B. Atom) mit der gleichen Umgebung und von der gleichen Art.

Gesteine, die aus Kristallen oder Kristallfragmenten bestehen, wie zum Beispiel metamorphe Gesteine, die unter hohen Temperaturen oder hohem Druck rekristallisieren, oder vulkanisches Gestein, das beim Abkühlen aus der Schmelze entstand, werden als kristallin bezeichnet.

Die Kristallform, die Symmetrie und die sich darin widerspiegelnden Eigenschaften des Kristalls sind wichtige Bestimmungsmerkmale für Mineralien.


Auszug aus: "Mineralogie" von Prof. Dr. R. Brauns 1929

I. Die Form der Mineralien (Seite 10 u. 11)

Scharf ausgebildete, von ebenen, glänzenden Flächen umschlossene Formen lernte man schon im Altertum an Mineralien kennen, die aus dem Eis starrenden Alpengebirge gebracht wurden. Sie waren klar wie Eis und doch härter und dauerhafter als Glas, es konnte - so glaubte man - nur Eis sein, dass durch lang dauernde, starke Kälte so hart geworden war, dass es nun nicht mehr schmelzen sann, und mit dem Namen für Eis, „krystallos“ belegte man diese Gebilde. Diese Bezeichnung wurde beibehalten, auch nachdem man wusste, dass der Kristall aus den Bergen, der Bergkristall, nicht aus dem Eis der Berge entstehen kann, und wurde später der allgemeine Ausdruck für die natürliche, von ebenen Flächen umschlossene Form der Mineralien, die man also ihre Kristallform nennt. Sie ist für jeden Beschauer einer Mineraliensammlung die am meisten in die Augen fallende wunderbarste Eigenschaft der Mineralien. Ein Kristall ist die natürliche Form eines Minerals. Eine künstliche, von Menschen gearbeitete Form ist niemals ein Kristall. Ein Stück Glas, dem man durch Schleifen die Form eines Kristalls, etwa eines Oktaeders, gegeben hat, ist daher kein Kristall. Denn seine Form ist keine natürliche, es hat sie nicht von selbst angenommen. Ein Oktaeder von Kali-Alaun dagegen ist ein Kristall, denn diese Form ist eine natürliche. Sie bildet sich immer von selbst, wenn Kali-Alaun aus seiner Lösung in Wasser sich ausscheidet.

Da wir zum Zerbrechen eines Kristalls eine gewisse Kraft nötig haben, nehmen wir an, dass auch bei seiner Entstehung eine solche wirksam war und sagen daher: Ein Kristall ist ein von ebenen Flächen regelmäßig begrenzter Körper, der seine Form seinem Stoff oder den diesen innewohnenden Kräften verdankt. Welcher Art diese Kräfte sind, wissen wir nicht, jedenfalls wirken sie richtend auf die meisten Teilchen, welche den Kristall aufbauen und beruhen wahrscheinlich in elektrischen Eigenschaften dieser selbst.

Die Eigenschaft, Kristallform anzunehmen ist nicht auf Mineralien beschränkt, sondern kommt allen Elementen und chemischen Verbindungen zu, die aus ihrer Lösung oder Dampf in den festen Zustand übergehen. Es ist eine allg. Eigenschaft der anorganischen Welt, wie es eine solche der organischen Welt ist, ihren Körper aus Zellen aufzubauen.

Die Lehrmeinung von 1929 ist durch neue wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse streckenweise überholt bzw. zu ergänzen.