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Locken

Unter Locken versteht man verformte Kristalle in Form spiralförmiger, lockiger, gedrehter, verdrehter oder korkenzieherartiger Aggregate. Typische "Lockenkristalle" bilden Halit, Sylvin, Gips, Malachit, Schwefel, Selen, Salmiak, Silber und Gold.

Zur Entstehung von Locken gibt es die unterschiedlichsten Hypothesen .

Lockenbildung aus der Schmelze

Geschmolzene Mineralien werden bei bestimmten Temperaturen sowie Druck- und Scherbelastungen durch Poren und Löcher im Gestein gepresst und bilden nach Abkühlung lockenförmige Gebilde. Es wird ferner angenommen, dass die Schmelze nach Durchtritt durch die Pore noch plastisch ist, wobei sich einzelne Fäden durch Verschmelzen zu Bündeln bilden und letztlich bis cm-dicke Locken entstehen. Bei veränderter Konsistenz der Mineralschmelze können beliebige Richtungsänderungen im durchgepressten Mineralstrang auftreten und zu sehr verschlungenen Aggregaten führen. (Dietrich, Behnke, Thönelt, 2006).

Lockenbildung durch Sublimation

Bei der Sublimation von Schwefel, Selen und Salmiak, wie beispielsweise bei Abscheidungen aus Fumarolen, bilden sich bei relativ hohen Temperaturen und entsprechendem Dampfdruck im direkten Übergang von der Gasphase in den kristallinen Zustand kristalline Locken. Silberlocken enstehen ebenfalls durch Sublimation bei Temperaturen oberhalb von 180-220oC.

Lockenbildung aus wässrigen Lösungen (Locken aus Faserbündeln)

Weiß, 2004 beschreibt unter Hinweis auf die Lockensilber-Züchtungsversuche von Opificius, 1888 .... dass die schönsten Fäden immer dem zuströmenden Gase entgegenwuchsen ... und zitiert: "Gibt es nämlich eine Vorzugsrichtung, in der ein Faserbündel angeströmt wird, so wird die angeströmte Partie bevorzugt Keime anlagern und damit hier den Wachstumsdruck verstärken - und dies bewirkt die Krümmung, scheinbar schwerelos und ohne jeden mechanischen Widerstand. Dazu braucht es auch keine heißen Thermalwässer, sondern ganz gewöhnliche Höhlentemperaturen von 5-15oC..."

Gelehrtenuneinigkeit über Malachitlocken

Zur Bildung von Malachitlocken entwickelte Weiß ein Szenario, wobei er zirkulierende Thermalwässer als Kristallisationslösung annimmt, das Nebengestein durch tektonische Vorgänge zerklüftet wird und die hydrothermale Lösung verschwindet. Durch nachfolgende Kohlensäure, feuchte Luft und Sickerwässer (kupferhaltige Lösungen) entsteht Azurit, anschließend ein Excentrique-Sinter-Wachstum von Malachit unter Bildung von Locken. Fallen die Locken durch Eigengewicht oder durch Erschütterungen zu Boden, können sie durch Benetzung mit jungen Carbonatwässern wieder am Boden festwachsen, quasi einer Sekundärmatrix.

Dieses Szenario wurde weitestgehend von Lieber, 2004 und Müller, 2004 widerlegt, besonders die Gasstrom-Hypothese und die Annahme, dass es sich bei den Locken um Excentriques handelt. Echte Excentriques wie z.Bsp. Malachit-, Rhodochrosit- oder Aragonitstalaktiten besitzen Kapillarkanäle, über welche die für das Wachstum erforderliche Stoffzufuhr erfolgt. Echte Malachitlocken enthalten jedoch keine Kanäle; die Locken bestehen vielmehr aus faserigen Kristallen, welche von einem Kristallisationszentrum her stammen. Beide letztgenannten Autoren liefern neben den verständlichen Unterschieden zwischen Excentriques und Locken jedoch auch keine Erklärung für die Ursachen der Krümmung.

Zorz, 2004, nimmt an, dass die Malachitsubstanz durch osmotischen Druck vorangetrieben wird. Diese Substanz erreicht die Mündung einer Pore oder eines Risses in den Hohlraum (ähnlich wie bei der o.a. Lockenbildung aus der Schmelze) und beginnt zu kristallisieren. Dabei ist die Form des wachsenden Kristalls direkt abhängig von der Geometrie der Pore und der Symmetrie des wachsenden Kristalls. Ein aus einer solchen Pore wachsender Kristall besitzt jedoch keine Symmetrieelemente, wächst demzufolge asymmetrisch und bilder gekrümmte Flächen aus. Durch den osmotischen Druck wird der Kristall aus der Pore gepresst, wobei die Kante der Pore dem herausgedrückten Kristall das fasereähnliche Aussehen verleiht. Je höher der osmotische Druck, desto mehr krümmt sich der herauswachsende Kristall, ähnlich einer aus einer Tube gedrückter Zahnpasta.


Mineral-Locken

Fluorit

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Fluorit in Locken
Grube Clara, Schwarzwald
Sammlg. und Foto: geni

Gips

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Korkenzieherartige Gipslocken
Bou Beker, Touissit, Marokko
Größe: 5 x 7 cm
Sammlg. und Foto: Collector

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Gipslocke auf Matrix
Bou Beker, Touissit, Marokko
Größe: 14 cm
Sammlg. und Foto: Collector

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Gipslocke
Sehr seltenes Vorkommen von
Dachang, Qinglong, Guizhou, China
Foto: Berthold Ottens

Halit

Halit tritt in Form bis armdicker Locken (Lockensalz) bis 55 cm Länge in einer Basaltkluft in der Grube Hattorf-Wintershall bei Philippsthal in Hessen auf.

Kalinit

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Kalinit-Widderhorn
Silver Peak, Nevada
Größe: 5,1 x 3,1 cm
Foto: Rob Lavinsky

Malachit

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Malachitlocke aus dem Mankenstadlelstollen
Revier Brixlegg, Tirol, Österreich
Bildbreite 4 mm
Sammlg. und Foto: Stefan

BILD:12ß4035195

Eine ca. 2 mm größe Malachitspirale
Silberberg, Revier Brixlegg, Tirol, Österreich
Sammlg. und Foto: Heinz Dieter Müller

BILD:1130835315

Malachitlocken als Aggregatsform
Almeria, Spanien
Größe: 4,5 x 5 cm
Foto: Carlos Pareja

Millerit

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Millerit-Locken in Quarz
BB: 3 mm
Straßenbau der US-27, HAlls Gap
Lincoln County, Kentucky, USA
Sammlg. und Foto: Alan Goldstein

Silber und Gold

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Eine der berühmten Silberlocken aus
Kongsberg, Buskerud, Norwegen
Größe: 11 x 5,8 cm
Foto: Rob Lavinsky

BILD:1216898045

Eine hervorragend ausgebildete Silberlocke
von Kongsberg, Buskerud, Norwegen
Größe: 1,4 x 1 cm
Foto: Rob Lavinsy

BILD:1217070827

Ein sehr seltenes lockenförmiges Gold-Aggregat
Gebiet des Flusses Lena, Sibirien, Russland
Größe: 2,5 x 1,2 cm
Foto: Rob Lavinsky


Quellangaben

Links


Literatur

  • Bideaux, R.A., Mineral rings and cylinders; 1970; Min.Rec.:1, 105-112
  • Dietrich,A., Behnke,G., Thönelt,T., 2006; Armdicke Salzlocken vom Basaltkontakt; Lapis:31,9,13-21
  • Lieber,W., 2004; Locken, Ringe und Spiralen - kuriose Wchstumsformen von Kristallen: Aufschluss: 55, 3-16
  • Müller, H.D., 2004; Die schönsten Malachit-Spiralen der Welt - ein nach wie vor ungelöstes Rätsel. Lapis :29,2, 13-17
  • Opificius, M., 1888; Chem. Ztg.: 12, 649
  • Shlichta, P.J., 1968; Growth, deformation, and defect structure of salt crystals. Geol. Soc. America Paper : 88, 597-617
  • Weiß, S., 2004; Warum ist die Banane krumm ? (Redaktioneller Kommentar zu Malachitlocken von Brixlegg); Lapis :29, 4
  • Zorz;M., 2004; The Symmetry System

Einordnung