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Aragonit

Eisenblüten-Schatzkammer im Erzberg
Eisenblüten-Schatzkammer im Erzberg

Erzherzog Johann und seine Braut Anna Plochl besichtigen die Schatzkammer im Armenseelenstollen am Erzberg (1823);
Gemälde von Matthäus Loder(1781-1828); Aus: Kirnbauer, Franz; 1975; Schatzkamm...

Archiv: Franz Kirnbauer

Eisenblüten vom Erzberg in der Steiermark


"Zu den weißen Eisenerzarten gehört ferner ein weisser drusicht gewachsener, knotichter und gleichsam candirter Stein, welcher Eisendruse, Minera ferri drusica, genannt wird. Imgleichen ein anderes ebenfalls weißes, aber in Aesten und Zweigen gewachsenes Gestein, welches den Namen weiße Eisenblüthe, Minera ferri alba germinans, Flos ferri, führet. Man sollte, dem äußerlichen Ansehen nach, in beyden kein Eisen vermuthen, und dennoch ist es in Menge, von 30 bis 90 Pfund, darinn. Man muß aber diese Eisenblüthe von einem ähnlichen Tropfsteingewächse unterscheiden, welches leicht dafür angesehen werden kann, aber gar kein Eisen hält. Endlich gehören hieher auch die sogenannten Eisengranaten, Minera ferri alba granatica, welche den Goldgranaten ziemlich gleich sehen, nur daß sie weiß oder gelb sind."

CAR OEHMB obs. de flore ferri Stiriaco, st. in den Misc. Nat. Cur. Dec. II. A. VI. Obs. 143 (Miscellanea curiosa sive ephemeridum medico-physicarum Germanicarum Academiae Caesareo-Leopoldinae Naturae Curiosorum ... annus / Sacri Romani Imperii Academia Caesareo-Leopoldina Naturae Curiosorum. - 1.Decuria 1.1670 - 10.1679; 2.Decuria 1.1682 - 10.1691; 3.Decuria 1.1694 - 10.1706)

Welsch, Georg Hieronymus: Georgii Hieronymige, 1675; HIER. VELSCHII obs. de floribus ferri reticulatis & odontoibus, st. ( Velschii Hecatosteae I. Observationum Physico-Medicarum Ad Illustrem Societatem Naturae Curiosorum In Germania. - Augustae Vindelicorum : Typis Johannis Schönigkii) in Dessen Hecatostea I. obs. phys. medicar. Obs. 37



Geschichte des Erzbergs

Landesausstellung 1984 - Österreich
Landesausstellung 1984 - Österreich

Erz und Eisen in der Grünen Mark; Briefmarke mit Eisenblütenmotiv

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Der Erzberg ist ein Berg in Eisenerz in der Steiermark im Gebirgsstock der Eisenerzer Alpen. Wann der Eisenabbau auf dem Erzberg begann, ist bislang ungeklärt. Einige Quellen zufolge wurde das Erz bereits in der Römerzeit abgebaut. Dafür fehlen aber wissenschaftliche Beweise.

Auch dass der Erzabbau auf dem steirischen Erzberg im Jahre 712 begonnen hätte, dafür gibt es keinerlei urkundliche Beweise. In Hinblick auf die Situation des Eisenerzer Gebietes im 8. Jh. ist es sehr unwahrscheinlich, dass es irgendeine Urkunde über den Erzabbau aus dieser Zeit des frühen Mittelalters geben könnte. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Erzberg 1171.

Bis zur Einführung der Pulversprengung im Jahre 1720 erfolgte der Erzabbau in Stollen, die mit Schlägel und Eisen im Berg vorgetrieben wurden. Im 19. Jh. erlebte die Eisengewinnung unter Erzherzog Johann einen großen Aufschwung, von dem die ganze Region profitierte. Der Tagebau wurde vom Wiener Professor Franz Xaver Riepl angeregt. 1986 wurde der Untertageabbau eingestellt, zwei Jahre später wurde in den Stollen ein Schaubergwerk eingerichtet. Zumindest seit dem 11. Jahrhundert wird am Erzberg Eisenerz abgebaut, hauptsächlich Spateisenstein (Siderit). Der auch „Steirischer Brotlaib“ genannte Berg stellt damit auch heute noch die wichtigste wirtschaftliche Grundlage in einer relativ strukturschwachen Region dar. Dem Erzberg verdanken wichtige österreichische Institutionen wie die Voestalpine mit ihren Stahlwerken in Linz und Leoben-Donawitz oder die Montanuniversität Leoben ihre Existenz.


Erzberg - Steiermark
Erzberg - Steiermark

Erzberg - Steiermark, vom Pfaffenstein aus gesehen. 2007;
Bild: Gerard Senarclens de Grancy

CC-BY-SA Creative Commons V.2.5 generisch

Geologie und Bergbau

Die Geologie des Erzbachtales und der umliegenden Gebirge wird durch zwei Deckensysteme geprägt: Die nördliche Grauwackenzone besteht vorwiegend aus Quarzkeratophyren, erzführenden Kalken und Schiefern. Darüber liegt das Mesozoikum, dem die Werfener Schiefer, Basisbreccien, Gutensteiner Dolomite sowie Wetterstein-Riffkalke angehören. Der Erzberg gehört zur Grauwackenzone. Er gilt als weltweit größte metasomatische Sideritlagerstätte. Neben Siderit besteht das abgebaute Material aus Ankerit und eisenreichem Dolomit.

Im steirischen Erzberg hat das Oberflächenwasser in Hohlräumen das primäre Eisenerz weggelöst, wodurch der Aragonit als Neubildung entstand. Der überwiegende Teil der Eisenblüten des Steirischen Erzberges ist von Natur aus von weißer oder bräunlicher Farbe. Die schneeweiße Farbe der berühmten Sammlerstufen wird meist durch Säubern mit Salzsäure erreicht. Viel seltener und begehrter dagegen sind blaue oder blaugrüne Eisenblüten, deren Farbe durch Kupfer hervorgerufen wird.

Derzeit wird von der VOEST-ALPINE Erzberg Ges.m.b.H. auf zirka 25 Etagen mit einer Höhe von je 24 m im Tagebau abgebaut. Der Lagerstätteninhalt beträgt 2000 rund 125 Mio. t Siderit. Das Erzfördergut, rund 1,3 Mio. t pro Jahr mit durchschnittlich 33,6 % Eisengehalt, wird per Eisenbahn nach Linz (1,5 Mio. t) und Leoben-Donawitz (750.000 t) transportiert. Bei dieser Förderquote werden die Vorkommen etwa im Jahr 2020 erschöpft sein.


Erzberg - Steiermark
Erzberg - Steiermark

Die Herzjesustollner Schatzkammer; Erzberg, Steiermark, Österreich;
Gemälde von Johann Tendler um 1820

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Erzberg - Steiermark
Erzberg - Steiermark

Eine Schatzkammer im Erzberg, Steiermark, Österreich;
Gemälde von Johann Max Tendler um 1840

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Eisenblüten vom Erzberg

Die ersten Erwähnungen von Eisenblüten stammt von dem deutschen Arzt Georg Hieronymus WELSCH aus dem Jahre 1675 (s.o.), unter der Bezeichnung "weiße Eisenblüte" oder "Flos Ferri". Unter dem gleichen Namen wurden Eisenblüten auch in den Ephemeriden (Listen) der kaiserlich-leopoldinischen Akademie zwischen 1670 - 1706 erfasst. Carl von LINÈE beschrieb Eisenblüten 1735 in seiem Werk "Systema Naturae"; J.G. WALLERIUS 1778 in der "Sytema Mineralogicum (2. Aufl.).

In der größten deutschen Enzyklopädie des J.H. KRÜNITZ, wenige Jahre, nachdem der Name des bis 1790 von A.G. WERNER als "arragonischer Aragonit" bezeichneten Minerals und den vorausgegangenen Analysen von KLAPROTH, welche die Identität bestätigten, nun verbindlich "Aragonit" festgelegt wurde, wurden auch Eisenblüten erstmalig als Aragonit benannt und ihre Bildung nach dem Wissen der damaligen Zeit erklärt:

"Eisenblüten sind kein blühendes Eisen, sie sind Aragonite, kohlensaure Kalke. Doch sie sind nicht einfache Tropfsteine, sondern sie bilden sich nur in warmen Höhlen. Der aragonithaltige Dunst schlägt sich an der Decke nieder, und daraus entstehen drahtige Gebilde, mitunter zehn Zentimeter lang und manchmal noch länger. Wenn sie dicht beieinander stehen, dann ist das wie die Haare eines Struwelpeters. Und kommt Kupfer zu dem Calciumcarbonat, dann werden die Sinter und Blüten blau"

(Quelle: Krünitz,J.H., 1773-1858, Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus – und Landwirtschaft)

Aus Meyers Konversationslexikon (1888) entnehmen wir Hinweise zu den mit Eisenblüten gefüllten Schatzkammern:

"Die Eisenbergwerke, früher im Besitz des Ärars, jetzt der Österr. alpinen Montangesellschaft gehörig, befinden sich an dem südöstlich gelegenen Erzberg, der auch von der entgegengesetzten Seite, von Vordernberg aus, bearbeitet wird. Die Hüttenwerke sind teils in E. selbst, teils in Hieflau. Der Erzberg ist unerschöpflich reich an Eisen (er lieferte 1884 über 5½ Mill. metr. Ztr. Spateisenstein mit einem Gehalt von 40 Proz.); er enthält im Innern die sogen. Schatzkammern, von der Natur gewölbte, mit Eisenblüte überzogene Hohlräume."

Eine montangeologische Studie von K. REDLICH aus dem Jahr 1916 dokumentiert die berühmten Schatzkammern, deutet aber auch schon zaghaft an, dass diese Wunder der Natur nicht von Dauer sind.

"Außer den eben beschriebenen Kristallen erfüllt der Aragonit von faseriger Struktur junge Gänge; dort, wo Hohlräume zur freien Auskristallisation vorhanden waren, entstehen nadelförmige Individuen, welche in ihren extremen Formen jene eigentümlichen wurmartigen Gebilde darstellen, die unter dem Namen Eisenblüten allgemein bekannt sind. 1814 beschreibt bereits PANTZ und ATZL solche „Schatzkammern“, deren Wände mit den herrlichsten Eisenblüten bedeckt sind. Nach einem Stich von Tandler, der bei den vorerwähnten Autoren sich als Titelblatt findet, ferner nach einem Aquarell desselben Malers im Museum zu Eisenerz müssen diese Spalten reichlich 2 m breit gewesen sein, da Fahrten eingebaut erscheinen, auf denen zwei Bergknappen Platz finden. Derartige Ausfüllungsräume werden, je weiter der Bergbau gegen die Teufe fortschreitet, immer seltener, so daß heute nur noch Aragonitgänge und Blüten geringeren Umfangs gefunden werden. Die Farbe dieser Eisenblüten ist meistens schneeweiß, nur selten durch Kupferbeimischung himmelblau gefärbt. Oft werden einige Erzbrocken durch Aragonit zu einer Brekzie verkittet und bilden dann das sogenannte Kletzenbrot."

(Redlich, K.A., 1916; Der steirische Erzberg; Mitteilungen der Geologischen Gesellshaft in Wien, 9. Jargang, Heft 1 und 2)


Schöne Eisenblüten vom Erzberg

Eisenblüte
Eisenblüte

Ästhetisch-bizarre Eisenblütenstufe vom Erzberg. 12 x 8 cm

grauerstar
Eisenblüte
Eisenblüte

Wunderschöne Eisenblüte (Flos Ferri), gefunden Ende 1890-Anfang 1900, gehandelt von W. Maucher (Etikett) 1909-1917;
Größe: 13x12x6 cm;
Sammlung: Peter Seroka

Aragonit
Aragonit

Aragonit als "Eisenblüte", Größe: 7x2 cm, Fundort: Erzberg, Eisenerz, Eisenerzer Alpen, Leoben, Steiermark, Österreich.

Katschcalcit
Eisenblüte
Eisenblüte

Erzberg, Steiermark. 9 x 12 cm

Michael Promberger
Eisenblüte (Aragonit)
Eisenblüte (Aragonit)

Fundort: Erzberg, Eisenerzer Alpen, Leoben, Steiermark, Österreich; Größe: 13,5 x 7 cm

Mineralroli
Eisenblüte - Erzberg
Eisenblüte - Erzberg

Erzberg, Steiermark. 10 x 8 cm

Peter Haas
Aragonit
Aragonit

Steirischer Erzberg, Eisenerz, Steiermark, Österreich; 12 x 9 x 7 cm.

Rudolf H.
Eisenblüte mit Quarz
Eisenblüte mit Quarz

Seltene Paragenese vom Erzberg, Steiermark

loismin
Eisenblüte - Erzberg
Eisenblüte - Erzberg

Historische Stufe vom Erzberg. 11 x 8 cm

Rob Lavinsky
Eisenblüte - Erzberg
Eisenblüte - Erzberg

Wachstum ohne Grenzen - in alle Richtungen. 8 x 7 cm

grauerstar
Eisenblüte - Erzberg
Eisenblüte - Erzberg

Skurille Aggregate auf Gestein. 8,5 x 6 cm

grauerstar

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