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Azurit

Azurit
Azurit

Eine historische Azurit-Stufe, gefunden um 1890 in der Copper Queen Mine, Bisbee, Arizona (USA), einem der weltbesten Azuritvorkommen Botryoidale Aggregate; Größe ca. 11 cm

Rob Lavinsky

Englisch: Azurite; Französisch: Azurite; Spanisch: Azurita; Italienisch: Azzurrite


Geschichte

Azurit ist seit mehr als 3.000 Jahren bekannt. Schon die alten Ägypter seit der 4. Dynastie, Perser und die Römer verwendeten das pulverisierte Mineral als Augenschminke. Im China der Sung- und Ming-Dynastien, in der Ukiyo-e-Schule Japans, im präkolumbianischen Südwesten der heutigen USA sowie während des europäischen Mittelalters und der Renaissance wurde Azurit als wertvolles blaues Pigment in der Malerei und für Handschriften bzw. Miniaturen benutzt. Die blaue Farbe war im Okzident lange Zeit das bevorzugte Pigment, den Kleidern der Jungfrau Maria ihre blaue Farbe zu geben, bzw. Skulpturen zu bemalen. Da der exotische Lapis Lazuli als Pigment Ultramarin weitaus begehrter, aber auch dementsprechend teurer war, wurde Azurit gewöhnlich als Grundfarbe benutzt und Ultramarin nur hauchdünn darüber aufgetragen.

Azurit wurde zwar als Farbe benutzt, hatte jedoch nicht den hohen Stellenwert des Lapis Lazuli (Ultramarin), da das Pigment aus Azurit im Laufe der Zeit altert und sich in grünen Malachit umwandelt.

Dieser geschichtliche Rückblick ist allerdings nicht ganz korrekt. Azurit in reiner Form wurde von der Antike bis zum 4./6. Jahrhundert in Nordafrika eher selten verwendet. Vielmehr benutzte man das weitaus billigere und in größerer Menge verfügbare synthetische "ägyptische Blau" (ein künstlich hergestelltes Calcium-Kupfersilikat, von Plinius als putolaneum bezeichnet), dessen Technik zur Herstellung leider zu Zeiten der Völkerwanderung verloren ging.

Im Altertum waren das damalige Armenien, Zypern und Spanien (Andalusien) Hauptlieferanten für Azurit. Bis zur Mitte des 17. Jh. war Ungarn die wichtigste Azurit-Quelle in Europa, bis das Land von den Türken überrollt und die Versorgungswege abgeschnitten wurden. Spätere Lieferquellen, bis etwa zum Ende des 19. Jh., waren Chessy bei Lyon und die Gruben bei Alghero in Sardinien. Mit der Erfindung von "Preussisch Blau" am Anfang des 18. Jh. verlor das Mineral in Europa seine Bedeutung als Pigment.

Da Azurit und Lapis Lazuli als Rohmaterial ähnlich aussehen, kam es im Mittelalter nicht selten, vielleicht sogar absichtlich, zu Verwechslungen. Um eine sichere Bestimmung des wertvollen Lapis Lazuli und des minderwertigeren Azurits vorzunehmen, wurden die Rohsteine auf Rotglut erhitzt, wobei der Azurit sich schwarz verfärbte und Lapis Lazuli keine Veränderung zeigte.

Namensgebung

Azurit und Lapis Lazuli haben den gleichen ethymologischen Ursprung. Es wird angenommen, dass der Name Azurit auf die altpersischen Worte Lazhward, Lazaxard oder Lajoard zurückführbar ist, was lediglich "blau" bedeutet. Die alten Römer borgten sich dieses Wort aus dem Persischen und verwandelten es in lazurium (lazulus), später in azurium, was letztlich zum Begriff azur führte. Der persische Begriff stand wahrscheinlich für das Mineral Lapis Lazuli und wurde dann im Lauf der Zeit Synonym für die Farbe blau.

Plinius der Ältere (23 - 79 n. Chr.) und andere seiner Zeit beschrieben das Mineral Azurit irrtümlich als Sapphirus, bzw. "Sapphirus aureis punctis collucet", d.h. im übertragenen Sinne "Saphir mit goldenen Flecken", was eindeutig auf den typisch mit Pyrit gesprenkelten Lapis Lazuli aus Persien hinweist. Da Plinius sich wahrscheinlich seiner Sache nicht sicher war, (er)fand er zahlreiche weitere Bezeichnungen Caeruleum scythicum (Blau der Skythen), Lapis armenius (Stein aus Armenien), Azurium citramarinum (Blau von diesseits des Meeres, im Gegensatz zu azurium ultramarinum, welches Lapis Lazuli war) und Coeruleum cyprium (Blau aus Zypern). Gleichzeitig waren auch die Begriffe Cyanos (blau), Cuprum lazureum (blaues Kupfer) und Careuleum montanum (Bergblau) in Mode.

Nicht weniger verwirrend waren die Bezeichnungen für Azurit im europäischen Mittelalter. Die Begriffe Az(z)ur(ro) dell'Allemagne (meist verballhornt zu az(z)ur(ro) della magna und az(z)ur(ro) citramarinum) wurde in Italien seit dem Beginn des 14. Jh. benutzt. Dagegen stand jedoch widersprüchlich die Aussage von Antonio Filarete (1464), welcher von einem "feinen Blau aus einem Stein, der von der anderen Seite des Meeres stammt und Ultramarin genannt wird" spricht - was jedoch Lapis Lazuli war. In Frankreich verwendete man die Begriffe cendre bleu (blaue Asche), bleu de montagne (Bergblau), cuivre azurée (Azurkupfer), in Deutschland Kupferlasur, Azurblau, Berglasur oder Bergblau. Agricola erwähnt in seinem 5. Buch einen Lasurstein als Indiz für Goldvorkommen. Die englischen Begriffe waren blue malachite, Chessy copper, azure copper, blue verditer, bice, mountain blue und blue carbonate of copper.

Es dauerte bis zum Jahr 1824, bis das Mineral durch den französischen Mineralogen Francois Beudant seinen noch heute gültigen Namen Azurit erhielt. Dessen ungeachtet wurden noch viele Jahre später die Begriffe Lasur (Haidinger,W., Handbuch der bestimmenden Mineralogie, 1845), Chessylith (Brooke, H. J., Miller, W. H., 1852; Introduction to Mineralogy) und Lasurit (Kobell, F., 1853; Tafeln, 32) verwendet.

Literatur

  • Beudant, F., 1824; Traité élementaire de Mineraogie
  • Dana, J. D., 1854; A system of mineralogy
  • Plesters, J., 1966; Ultramarine Blue, natural and artificial; Studies in conservation : 11 ,2, 62 - 91
  • Plinius d. Ä.; Histoire Naturelle, Livre XXXVII, Kapitel 8 (in französisch)
  • Thompson, D. V. jr., 1935; Medieval color making: Tractatus qualiter quilibet artificialis color fieri possit.(Qumodo fiat lazurium citramarinum etc.) B.N.MS.Latein; 6749b; (15. Jh.)




Charakteristika und Ausbildungsformen

Azurit ist ein Sekundärmineral und gehört zu den wasserfreien Carbonaten. Die chemische Zusammensetzung ist Cu3(CO3)2(OH)2. Die Farbe ist azur- bis dunkelblau, erdige oder massive Aggregate sind meist von einem helleren Blau. Die Kristalle haben Glasglanz und sind kantendurchscheinend bis opak. Kleinere gut ausgebildete Kristalle können transparent sein. Die Spaltbarkeit ist perfekt nach {011}, gut nach {100} und schlecht nach {110}. Der Bruch ist muschelig, die Tenazität ist spröde, der Strich blassblau. Azurit hat eine Härte von 3,5 - 4 und eine Dichte von 3,77.

Das Kristallsystem ist monoklin, die Symmetrieklasse 2/m (holoedrisch monoklin). Die Kristalle sind typisch komplex. Es sind 45 Kristallformen bekannt; über 100 Kristallformen wurden beschrieben. Kristalle können bis zu 30 cm groß sein. Die nicht selten schönen und flächenreichen Kristalle haben die Form kurzer kleiner oder langer Säulen oder Prismen nach [001] mit {110} oder {100}, bzw. entlang [010] und keilförmigen Endungen, bzw. dicke Tafeln nach {001}, {102} oder {102}. Azurit kommt in rhomboidalen, linsenförmigen, teilweise subparallelen sowie botryoidalen (kugeligen, nierigen, blasenförmigen) oder sphärisch- bis radialstrahligen Aggregaten vor, welche oft Rosetten bilden. Stalaktitische Aggregate bestehen aus radialstrahlig-konzentrisch gewachsenen Kristallen. Häufig tritt das Mineral auch faserig, drusig, konkretionär, körnig, disseminiert, erdig und massiv auf. Zwillinge sind selten, die Zwillingsflächen sind {101}, {102} und {001}.

Paragenese mit Malachit, Alterung und Pseudomorphosen

Azurit kommt fast immer in Paragenese mit botryoidalem Malachit vor, wobei er oft nach diesem in gebänderten, ineinander übergehenden Lagen abgesetzt wird. Gut ausgebildete Kristalle kommen frei als Schwimmer sowie auf Malachit oder anderen Sekundärmineralien vor. Die Kristalle sind oft zu Malachit-Pseudomorphosen gealtert, wobei der Azurit von Malachit verdrängt wird. Das heißt, bei der meist auf Wasserverlust beruhenden Alterung von Azurit erfolgt eine Umwandlung in Malachit, wobei die ursprüngliche Kristallform des Azurit erhalten bleibt. Wenn nur Teile des Azurit altern und der Rest Azurit bleibt, sind die Kristalle meist an einem Ende grün und am anderen Ende blau gefärbt. Es ist charakteristisch, dass der aus Alterung resultierende Malachit keinen radialstrahligen Aufbau besitzt, sondern aus einer dichten kryptokristallinen Masse besteht. Seltener sind Pseudomorphosen von Atacamit, Chrysokoll, Kupfer und Chalcostibit nach Azurit sowie von Azurit nach Libethenit und Pseudomalachit.

Eilat-Steine

Der Eilat-Stein ist ein grünblaues, nicht homogenes Gemisch mehrerer sekundärer Kupfermineralien, darunter Malachit, Azurit, Türkis, Pseudomalachit, Chrysokoll u.a. Er ist der Nationalstein von Israel und auch als König Salomon-Stein (Caveat emptor) bekannt. Eilat-Steine stammen aus dem Timna-Tal bei Eilat, in welchem schon seit dem 18. Jh. v. Chr. Kupfererz abgebaut wurde und das wichtigste Kupfererz-Revier der alten Ägypter war. Die heute an Touristen verkauften Eilat-Steine stammen, wenn dies beweisbar ist, aus der König Salomon-Grube. Die meisten Exemplare werden jedoch von ausländischen Kupfererz-Lagerstätten importiert. Stört dieses die Touristen auch nicht weiter, so ist es doch für den ernsthaften Mineraliensammler betrüblich.

Kristallformen

Azurit
Azurit

Dicktafeliger Kristall; Tsumeb Mine, Namibia

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Langprismatische Kristalle; Fundort: Tsumeb Mine, Namibia

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Blick entlang der b-Achse auf einen nach der b-Achse verlängerten Kristall; Touissit, Marokko

Fabre Minerals
Azurit
Azurit

Kurzprismatisch nach {110}, wahrscheinlich mit Endflachen {001} und {102} oder {102}; Größe: 2.8 x 2.5 x 2.2 cm; Fundort: Kerrouchen, Marokko

Fabre Minerals
Azurit
Azurit

Rhomboidales Aggregat (kein Rhomboeder). Einfache Kombination aus Prisma und Pinakoid; Hanover Mine, Grant Co., New Mexico, USA

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Scheinbar bipyramidale Kristalle; Oumjerane, Alnif, Marokko

Fabre Minerals



Aggregate

Azurit
Azurit

Botryoidal; Morenci, Arizona, USA

Kiyoshi Kiikuni
Azurit
Azurit

Rosetten aus radialstrahligen Kristallen; Hanover Mine, Grant County, New Mexico, USA

Dan Weinrich
Azurit
Azurit

Subparallel; Kerrouchen, Marokko

Fabre Minerals
Azurit
Azurit

Säulig mit charakteristischer Streifung; Tsumeb, Namibia

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Flache Scheibe aus radialstrahligen Kristallen Aeronga, Northern Territories, Australien

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Konzentrisch-gebändertes Aggregat angeschnitten und poliert von Bud Stanley Copper Queen Mine, Bisbee, Arizona, USA

Rob Lavinsky



Pseudomorphosen

Azurit
Azurit

Malachit pseudomorph nach Azurit; Tsumeb, Namibia

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Kupfer pseudomorph nach Azurit; Georgetown, Grant County, New Mexico, USA

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Azurit pseudomorph nach Fluorit; Fundort lt. Händlerangabe: Chizhou, Anhui (wahrscheinlich Liu Feng Shan)

der Sauerländer




Synonyme und Varietäten

  • Armenit (Synonym für Azurit von Delametherie)
  • Azur Copper Ore (Synonym)
  • Azurium citramarinum (Azur von der anderen Seite des Meeres, antik)
  • Bergblau (Synonym)
  • Berglasur (Synonym, Agricola)
  • Blauer Malachit (Synoym, antik)
  • Bleu de montagne (französisch, historisch, Synonym)
  • Blue Verditer (Handelsname)
  • Caeruleum montanum (Bergblau, Synonym nach Wallerius, 1747)
  • Cendre bleu (blaue Asche, französisch, historisches Synonym)
  • Chessy coipper (Synonym, englisch, historisch)
  • Chessylith (Synonym)
  • Cuprum azureum (Synonym nach Wallerius, 1747)
  • Koppar-Lasur (Synonym)
  • Kupferblau (erdiger, unreiner Azurit, bzw. eine Azurit-Varietät)
  • Kupferlasur (Synonym, historisch, Wallerius 1747)
  • Lapis armenius (antik)
  • Lasur (Synonym, Agricola, Haidinger)
  • Lasurit (ursprünglich Benennung durch Kobell, 1853, später für Lapis Lazuli)
  • Lasurstein (> Lasur)
  • Mountain blue (Synonym)




Erkennung und Nachweis

Azurit ist leicht an seiner blauen Farbe und der Paragenese mit Malachit zu erkennen. Vor dem Lötrohr bildet sich in der Reduktionsflamme ein Kupferkorn, die Flammenspitze ist grün. Mit Borax Grünfärbung. In Säuren unter Aufschäumen und in Ammoniak unter Blaufärbung löslich.

Verwendung

Azurit kann, wenn das Mineral in abbauwürdigen Mengen vorkommt, als Kupfererz dienen. Das Mineral hat jedoch keine große wirtschaftliche Bedeutung. Des Weiteren wird Azurit als Farbpigment, der historisch wichtigsten Anwendung, sowie als Schmuckstein verwendet. Zur Schmuckverarbeitung wird das Mineral aufgrund seiner Porosität und Weichheit mit Kunstharz stabilisiert, was u.a., ähnlich wie Türkis, zu einer Verstärkung des Glanzes führt. Es sind auch Rekonstruktionen (Imitationen) aus Azurit- und Malachitpulver bekannt, welche die Verwachsung Malachit-Azurit nachahmen.




Vorkommen, Paragenesen und Lagerstätten

Azurit kommt als Reaktionsprodukt von carbonathaltigen Wässern und Kupfermineralien, bzw. von Kupfersulfatlösungen und Kalkstein in den oberen Oxidationszonen von Kupfererz-Lagerstätten vor. Im Wesentlichen handelt es sich um die chemische Verwitterung von Chalkopyrit und anderen Kupfersulfiden. Weitere Vorkommen, meist imprägniert (bzw. disseminiert), in Buntsandstein sowie in porphyrischen Kupfererzen.

Azurit ist fast immer mit Malachit vergesellschaftet. Die wichtigsten paragenetischen Mineralien sind Chrysokoll, Brochantit, Antlerit, Cuprit (u.a. Kupferoxide), Cerussit, Smithsonit, Chalkosin, Limonit, Calcit und Dolomit.


Bekannteste Fundorte für gut ausgebildete Azurit-Kristalle

Für das Mineral Azurit wurden bis Anfang 2007 in mindat.org 2.899 Fundorte beschrieben. Von 262 dieser Vorkommen, die sich auf 32 Länder verteilen, stammen gut ausgebildete Kristalle. Hier eine Auswahl der bekanntesten Fundstellen:

Algerien
Gouraya

Australien
Aryonga Mission Area, Northern Territories (große flache Scheiben)
Burra Burra Mine, Burra, North Mt. Lofty Range, South Australia
Burra Copper Mine (New Burra Mine, Mt. Boppy Copper Mine), Geweero,
Canbelego, Flinders County, New South Wales
Girilambone Mine, N von Nyngan, New South Wales (Kristalle bis 2,5 cm)
Girofla Mine, Mungana, Queensland (Kristalle bis 5 cm)
Mineral Hill Mine, Condobolin, New South Wales (Kristalle bis 2,5 cm)
Proprietary Mine, Broken Hill, New South Wales (Kristalle bis 7,5 cm)
Sir Dominick Mine, Wallaroo, South Australia (Pseudmorphosen bis 4,5 cm)

Brasilien
Seabra, Bahia (botryoidale Aggregate mit Malachit)

Chile
Coquimbo (Aggregate samtiger Kristalle)
Copiapo

China
Liu Feng Shan, Chizhou (Guichi), Anhui (Sammlerstufen-Abbau)
Shilu Mine, Yangchun (Yang Chun oder Yang Chweng Mine), Yangjiang, Guangdong

Deutschland
Altenmittlau, nahe Freigericht, Hessen (Deutschlands Azurit-Klassiker)
Grube Clara, Oberwolfach, Schwarzwald (Kristalle bis 2 cm)
Kamsdorf, Thüringen
Neubulach, Schwarzwald (Abbau von Azurit als Pigment im Mittelalter)
Thalitter bei Korbach, Hessen

England
Alston Moor District, North Pennines, Cumbria
Ecton Mines, Stafford
Leadhills-Wanlockhead District, Dumfries-Galloway-Lanarkshire, Schottland
Liskeard und Gwennap, Cornwall
Wheal Buller, Redruth, Cornwall (historische Stufen)

Frankreich
Cap Garonne, nahe Pradet, Departement Var, Provence
Chessy-les-Mines, Departement Rhone, nahe Lyon (Klassikvorkommen)

Griechenland
Lavrion-Gruben

Irland
Tynagh Mine, Killimor, County Galway (Weltklasse-Azurite)

Italien
Mina Boccheggiano, Toskana
Mina Calabona, Alghero, Sassari, Sardinien

Kasachstan
Dzhezkazgan

Marokko
Alnif (Jebel Ougnat zwischen Alnif und Mecissi, Anti-Atlas)
Aouli, Moulaya, Mittlerer Atlas (Gruben Sidi Said, Sidi Ayad)
Kerrouchen, Khenifra (Abbau von Sammlermineralien)
Touissit, nahe Oujda (Weltklasse-Kristalle)

Mexico
Cananea, Nacozari und Yecora, Sonora (Rosetten bis 8 cm)
La Luz, Guanajuato
Mezcala, Zumpango del rio, Guerrero (Sphärische Aggregate bis 8 cm)
Mina El Cobre, Concepción del Oro, Zacatecas (Azurit ähnlich Tsumeb)
Mina San Carlos, Mazapil, Zacatecas (Kristalle bis 3 cm)
Pinos, Zacatecas (Kristalle bis 2 cm)
Sierra Rica, Manuel Benavides, Chihuahua
Taxco, Guerrero (Azurit mit Silber und Ag-Sulfosalzen)

Namibia
Tsumeb, Otavi-Bergland (weltbeste Azurite)

Neukaledonien
Mount Pilou

Neuseeland
Tui Mine

Rumänien
Moldova Noua, Caras-Severin

Russland
Nishnii Tagilsk, Ural
Solotuschinskii und Zolotuskinskii, Altai-Gebirge
Tur'ginsk (Turjinsk), Tur'insk, Turya-Fluss, Krasnotur'insk (Bogolovsk), Sverdlovskaya Oblast, Ural
Zmeinogorsk, zwischen den Flüsen Zmeevka, Korbalikha und Alei Gorno-Altayska AO, Altai-Gebirge

Serbien
Majdanpek

Spanien
Linares, Jaen

Südafrika
Messina, Transvaal

Tschechien
Cerna Novina (nach 1945 zerstört)

Ungarn
Rudabanya

USA
Arizona: Copper Queen und andere Gruben im Warren District,
Bisbee, Cochise County
Arizona: Morenci (menue="thumb"lee County),
Arizona: Mammoth-St. Anthony (Pinal County)
Arizona: New Cornelia Mine (Ajo), Pima County)
Maryland: Mineral Hill, Carroll County
New Mexico: Kelly und Graphic mines (Magdalena, Socorro County)
New Mexico: Rose Mine (Grant County)
North Carolina: Clegg and Snipes Mines, Chtham County
Pennsylvania: Nicholson's Gap, Blue Ridge Summir, Adams County (historisch)
Tennesse: Ducktown
Utah: Apex Mine (St. George, Washington County)
Utah: Big Indian Mine (nahe La Sal, San Juan County)
Virginia: Pontiac Mine, Halifax County

Zambia
Chingola Mine, Nchanga (Kristalle bis 5 cm, Rosetten bis 20 cm)


Chessy-les-Mines, Frankreich

Azurit
Azurit

Chessy, Lyon; historische Stufe, gefunden vor 1900; ehem. Harvard Collection; Größe 3,7x3,9 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Chessy, Lyon, Frankreich; Rhomboeder, pseudomorph Malachit; Größe 5,5x4,5 cm

Peter Haas

Chessy-les-Mines liegt im Vallée de l'Azergues, ca. 30 km westlich von Lyon, im Departement Rhone. Die Ende des 19. Jh. aufgelassene Kupfererz-Lagerstätte wurde bereits seit ca. 50 v. Chr., während der römischen Besetzung Frankreichs, abgebaut. Danach wurde sie einige Jahrhunderte aufgegeben, jedoch 1413 durch einen Erlass von Charles VI. wieder aufgeschlossen. Der Hauptabbau fand auf mehreren Gängen statt (darunter die Mine Noir und die Mine Jaune), aus welchen unterschiedliche Kupfererze gefördert wurden. Das berühmteste Mineral war Azurit aus der Mine Bleue, welcher unter dem bis heute bekannten Namen Chessylith hervorragende, meist tiefblaue Kristalle bildete und wovon sich sehr attraktive Stufen in den Museen der Welt finden. Der Gang Mine Bleue wurde 1811 (in anderen Quellen 1809) durch den sächsischen Bergwerksingenieur C. F. Wöllner entdeckt. Er war eine Fortsetzung der Mine Jaune (mit Chalkopyrit und Pyrit), welche neben der Mine Noire, die reich an natürlichem Kupfer war, lag. Aus diesem Gang identifizierte Wöllner den Chessylith, welcher meist von Malachit, Smithsonit und Cuprit begleitet wurde oder in Form von Pseudomorphosen auftrat. Die Aggregate des Minerals waren gewöhnlich botryoidal, seltener aus gut ausgebildeten, oft blockigen Kristallen gebildet. Es wurde über einen gewaltigen Hohlraum berichtet, welcher mit Azurit-Kristallen bedeckt war und von dessen Decke Azurit-Stalaktiten hingen, unter welchen die Besucher der Azurithöhle stehen konnten. Die Mine Bleue wurde Anfang des 19. Jh. wegen Erschöpfung des Erzes aufgelassen, die Grube Chessy-les-Mines, welche nur noch Pyrit förderte, wurde 1877 geschlossen. Im Museum von Lyon (28, rue des Belges, F-69006 Lyon) gibt es die weltbekannteste Sammlung von Chessylith, welche 1873 von M. Brouzet-Rigottier gestiftet und im Jahr 2000 durch die Sammlung einiger hundert spektakulärer Stufen aus dem Besitz der Familie Guyonneau ergänzt wurde.



Azurit
Azurit

Chessy, Lyon; Größe: 6,5 cm

Stuart Wilensky
Azurit
Azurit

Chessy, Lyon; Größe: 7,4x7,3 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Chessy, Lyon; Größe: 8,0x3,3 cm

Rob Lavinsky



Literatur zur Fundstelle




Tsumeb, Otavi-Bergland, Namibia

Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Größe: 6 cm

Rob Lavinsky


Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Größe: 2,7x2 cm

Rob Lavinsky


Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Größe: 4,2 cm

Rob Lavinsky


Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Azurit auf grünem Calcit; Größe 6,5x3 cm

Rob Lavinsky


Die Blei-, Zink-, Kupfer-, Germanium-Lagerstätte Tsumeb im Otavi-Bergland ist weltberühmt und wird von Sammlern als das weltbeste und vielfältigste Vorkommen hervorragender Mineralien bezeichnet. Tsumeb war für Wissenschaftler und Museumskuratoren ein einmaliges Vorkommen mineralogischer Wunder, ungewöhnlicher Kristallformen und einmaliger Paragenesen. Nach 91 Jahren ununterbrochenem Abbau wurde die Grube 1996 nach Erreichen der 48. Sohle in 1.650 m Teufe wegen Erschöpfung des Erzes geschlossen.

Die Grube Tsumeb dürfte das weltweit berühmteste Vorkommen prächtiger und großer Azurit-Kristalle gewesen sein. Wenngleich das Mineral in guten bis außergewöhnlich schönen Kristallen seit Anbeginn der Förderung bekannt war, haben drei Entdeckungen die Grube zur Legende werden lassen. Die erste war 1929 durch Samuel Gordon, welcher die Ausbeute mit dem damaligen Bergwerksdirektor Kegel teilte. Die zweite war eine Linse auf der 31 m-Sohle voller Azuritkristalle, darunter eine 26 kg schwere Stufe von faszinierender Schönheit. Dies war das erste Mal auf der Welt, dass hochqualitative Azurite in dieser Teufe abgebaut wurden. Die dritte Entdeckung war die sogenannte "Easter Sunday Pocket" im Jahr 1994.

Tsumeb-Azurite zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Formen- und Größenvielfalt und teilweise seltene Paragenesen aus. Die Farbe der Azurite ist meist ein tiefes tinten- bis königsblau und die Kristalle erreichen Kantenlängen bis 10 cm. Die Kanten sind zum Teil rasiermesserscharf und haben spiegelartige Flächen. Eine der spektakulärsten Stufen trägt Kristalle von 16 cm Länge und befindet sich heute im Smithsonian Institute in Washington, D. C. Eine der atemberaubendsten Stufen hat eine Größe von 30 x 30 cm mit Kristallen bis 15 cm (American Museum of Natural History, New York).

Fantastische Pseudomorphosen und gealterter, durch samtigen Malachit ersetzter tafeliger Azurit gehören zu den farbenprächtigsten Spezies ihrer Art. Sehr ästhetisch sind Stufen aus Vergesellschaftungen von scharfen Azuritkristallen mit grünem Calcit oder grünem Smithsonit. Besonders begehrt sind Paragenesen von Azurit mit seltenen Mineralien wie zum Beispiel Arsentsumebit.

Wenngleich die Grube für den Erzbergbau aufgegeben wurde, wurde Anfang 2000 auf der mineralträchtigen Hauptabbausohle Nr. 5 mit dem Abbau von Stufen für den Sammlermarkt begonnen (specimen mining operation). Im Rahmen dieses "specimen mining" wurden interessante botryoidale sowie kristalline rosettenartige, fächerförmige Azurit-Aggregate blättriger Kristalle geborgen. Die größten nierenförmigen bis kugeligen Aggregate wiegen ca. 5 kg und haben einen Durchmesser von 15 cm. Überwiegend treten diese Azurite in radial-faserigen Massen mit einem besonderen Seidenglanz auf. Andere enthalten Malachitkerne, welche bis zu 30 Prozent der Aggregate ausmachen. Attraktiv sind botryoidale Aggregate bis 10 cm Durchmesser, wobei auf einigen gut ausgebildete flache Kristalle aufwachsen, sowie individuelle mittel- bis tiefblaue, oft gestreifte Kristalle bis 8 cm, welche manchmal skelettförmige Endungen haben. Die meisten dieser Azurite sind jedoch teilweise bis komplett durch Malachit ersetzt. In benachbarten Zonen stieß man auf Hohlräume mit Cerussit auf Dolomit, Mottramit und kristallinen Malachit in massivem Chalkosin.

Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Größe: 8x5 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Größe: 3x5,2 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; blockig; Größe 3 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; prismatische Kristalle; Größe 9,5x9 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Azurit mit Arsentsumebit und Cerussit; Größe: 3x2 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Größe: 3,6 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; gealtert zu Malachit; Größe 6,5 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; gealtert zu Malachit; Größe 4,3 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Tsumeb Mine; Größe: 4,3 cm

Rob Lavinsky

Literatur

  • Bancroft, P., 1984; Gem and Crystal Treasures
  • Cook, R. B., Nicolson, B. E., Bruce, I. R., 2002; Tsumeb-2001. Rocks & Minerals : 1
  • Gebhard, G., 1991; Tsumeb - ein deutsch-afrikanische Geschichte
  • Gebhard, G., 1999; Tsumeb II. A unique mineral locality
  • Palache, C., Lewis, L. W., 1927; Crystallography of azurite from Tsumeb, Southwest Africa, and the axial ratio of azurite.
  • Söhnge, G., 1967; Tsumeb-a historical sketch. Comm. of the SWA Scientific Soc.: 92
  • Strunz, H, 1959; Tsumeb, seine Erze und Sekundärminerale, insbesondere der neu aufgeschlossenen zweiten Oxidations-Zone. Fortschr. Mineral.: 37, 87 - 90
  • Wilson, W. E., 1977; Tsumeb. Min.Record : 8, 3




Marokko

Azurit
Azurit

Touissit; Größe: 8 cm

Fabre Minerals


Azurit
Azurit

Touissit; Größe: 6 cm

Carlos Pareja


Azurit
Azurit

Alnif (Oumjrane); Größe: 3x2,3 cm

Fabre Minerals


Azurit
Azurit

Kerrouchen, Khenifra; Größe: 4,2 cm

Carlos Pareja
Azurit
Azurit

Touissit; Größe: 2,6x1,9 cm

Rob Lavinsky


Azurit
Azurit

Touissit; Größe: 4x6 cm

Fabre Minerals


Azurit
Azurit

Sidi Ayad, Aoul, Marokkoi; Größe: 11x16 cm

Collector


Azurit
Azurit

Alnif-Oumjrane; Größe 5,4 x 4,4 cm

Fabre Minerals


Azurit
Azurit

Kerrouchen, Khenifra; Schwimmerkristall; Größe: 4 cm

Fabre Minerals

Touissit - Bou Beker

Wäre Tsumeb nicht schon einmalig genug auf der Welt, so barg der afrikanische Kontinent ein zweites Vorkommen außergewöhnlicher Azuritkristalle in der Blei-Zinkerz-Lagerstätte Toussit-Bou Beker südöstlich von Oujda, nahe der algerischen Grenze. Tausende sehr guter bis außergewöhnlicher Azuritstufen wurden 1979 in einer 4,5 x 4,5 m großen Linse entdeckt. Die meisten Kristalle waren wegen ihrer Perfektion, Ausbildung und ihrem Glanz fast identisch mit den besten Funden in Tsumeb. Anfang der 1990er Jahre kamen aus dem Schacht IX in Touissit verwachsene, teilweise wirr angeordnete Azuritkristalle bis 1 cm auf den Markt. Ein Superfund tiefblauer und hochglänzender Kristalle bis 5 cm, welche auf Malachit und Dolomit aufgewachsen sind, gelang im Jahr 1996. Die in jüngerer Zeit erhältlichen Azurite in Kristallen bis 5 cm Größe (meist gruppierte Aggregate) stammen aus einem Fund von 2002.

Die idiomorph ausgebildeten Azuritkristalle aus Touissit sind flächenarm, langprismatisch, teilweise parallel verwachsen, flach- bis dicktafelig, manchmal mit konvexen Flächen. Sie sind oft zu Subindividuen verwachsen, bilden kugelige oder rosettenartige Aggregate und Skelette.

Aus der ca. 5 km von Touissit entfernten Bleierz-Lagerstätte Bou Beker stammen gute Azuritkristalle, welche seit 1982 im "specimen mining" geborgen wurden. Die Bou Beker Azurite sind meist gealtert, haben oft eine hellblaue Farbe und sitzen auf korrodiertem Malachit. Typisch von Bou Beker sind auch in tonigen Sedimenten eingebettete Schwimmeraggregate bis zu 10 cm Größe, welche aus bis zu 3 cm großen Kristallen bestehen.

Alnif - Oum-Jrane (Oumjrane)

Seit etwa 1999 werden auf dem internationalen Mineralienmarkt außergewöhnlich gut ausgebildete rhomboedrische bipyramidale Azuritkristalle angeboten, welche mit Malachit und teilweise mit Manganoxiden überzogenen langgestreckten Quarzkristallen vergesellschaftet sind und aufgrund ihrer tiefblauen Farbe, ihres hohen Glanzes und der respektablen Größen mittlerweile neben Touissit zu den Marokko-Klassikern gehören. Als Fundortangabe wird sowohl Alnif, als auch Oumjrane, bzw. Alnif-Oumjrane angegeben. Die exakte Fundstelle dieser spektakulären Stufen sollte als Region definiert werden.

Alnif ist ein Städtchen ca. 135 km südwestlich von Erfoud am Ende der Straße 3545 von Erfoud über Mecissi kommend. Nördlich dieser Straße liegen die Ausläufer des Jebel Ougnat-Massivs und des Jebel Rheriss mit zahlreichen kleineren Kupfererz-Lagerstätten, in welchen neben Fahlerz (wesentlich Tetraedrit) Malachit und Azurit vorkommt. Die Fundortangabe Oumjerane bezieht sich auf eine Ansiedlung in der Chorea-Wüste südlich von Alnif, welche über ca. 90 km Piste erreichbar ist. Auch hier, im Nordwesten von Oumjerane, treten Kupfererze mit Malachit und Azurit auf. Aufgrund der für marokkanische "Strahler" typischen Geheimniskrämerei, bzw. der Angewohnheit, als Fundort die nächstliegende größere Ansiedlung zu nennen, ist bis heute eine genaue Fundortangabe für die prachtvollen Azuritstufen kaum möglich.

Die Umgebung von Alnif ist seit längerem auch bei Fossiliensammlern wegen der dort vorkommenden Trilobiten bekannt. Im Jebel Ougnat-Gebiet bei Toufassemane-Timerzif, ca. 35 km nördlich von Alnif, kommen ebenso gut ausgebildete größere Bergkristalle sowie Epidote vor.

Aouli

Aouli liegt ca. 20 km nordöstlich von Midelt und ist Teil des ehemaligen Bleierz-Bergbaureviers Haute Moulaya, mit Aktivitäten von 1926 bis 1975. Die Lagerstätte ist gangförmig, die wichtigsten der ca. 60 - 80 erzführenden Gänge waren Sidi Ayad, Sidi Said und Aouli. Azurit kam in sehr schönen, azurblauen, bis über 25 cm großen, botryoidalen (nierig, schalig, kugelig) Aggregaten vor. Oft sind diese vergesellschaftet mit Malachit, seltener mit gelben Fluorithexaedern und/oder Baryt oder Quarz. Attraktiv sind Stufen aus idiomorphen, tiefblauen Kristallen bis 2 cm, welche in den 1960er Jahren gefunden wurden, sowie hochglänzende, nierige glaskopfartige Aggregate und weingelbe Fluoritkristalle, die mit feinkristallinem Azurit überzogen sind.

Kerrouchen

Kerrouchen ist die Fundortbezeichnung für einen kleinen bewaldeten Höhenzug im Mittleren Atlas, ca. 18 km westlich von Zeida (Kreuzung Mèknes-Khenifra). Das Vorkommen ist bereits seit den späten 1960er Jahren als Fundstelle für Azurit und Malachit in und auf rosarotem Dolomit bekannt. Sammlerstufen aus dieser Zeit sind kaum auf den Markt gelangt. Es dauerte weit mehr als zehn Jahre, bis die Fundstelle wieder ins Gespräch kam, am einfachsten wiedergegeben durch die eigenen Worte des Verfassers (Peter Seroka) dieses Portraits:

"Im Sommer 1974 rief mich mein Mineralienfreund Richard Barstow, einer der bekanntesten Mineralienhändler aus Cornwall an und erzählte mir von einer seiner jüngst zurückliegenden Sammelreisen nach Marokko, während der er unter anderem ein "neues" Azuritvorkommen im Mittleren Atlas entdeckt hatte. Es dauerte jedoch bis 1979 (und ein zweites Mal 1981), dass ich selbst die Fundstelle besuchte, wobei ich am Ende eines Dolomithügels ein ca. 2 m hohes, 3 m tiefes und 6 m breites Mannloch vorfand, welches vom Boden bis zur Decke mit Azurit-Malachit führenden Hohlräumen ausgekleidet war. Da gerade der große Azurit-Boom in Touissit (s.o.) herrschte (der Markt war gesättigt mit Azurit-Spitzenstufen), hatte sich kaum jemand für Kerrouchen interessiert. Die wenigen Stufen, die man von den ortsansässigen Berbern erwerben konnte, wurden gewöhnlich mit Karbid aus dem Gestein gesprengt, dementsprechend waren unter 100 Stufen nur eine oder zwei unbeschädigt."

In den 1980er bis 1990er Jahren kam immer wieder einmal Material auf den Markt, es dauerte jedoch bis etwa 2000, als überraschend hunderte teilweise sehr schöne Stufen mit gut ausgebildeten Kristallen auf der Börse in Sainte-Marie aux Mines angeboten wurden. Mittlerweile ist die Fundstelle recht deutlich bearbeitet, jedoch längst nicht erschöpft.

Kerrouchen-Azurite sind zum überwiegenden Teil Pseudomorphoysen von Malachit nach Azurit. Nicht pseudomophisierte Azuritkristalle sind kurz- oder langprismatisch, meist tintenblau und erreichen Größen bis 6 cm. Häufig sind Kristalle, deren untere Seite bereits zu Malachit gealtert ist und deren Spitzen aus noch frischem Azurit bestehen, sowie Parallelverwachsungen von Azurit mit Malachit. Oft sind die Kristalle in wirrstrahligen Aggregaten angeordnet. Außergewöhnlich sind Stufen, auf welchen neben Azuritkristallen Brachiopoden sitzen oder die letzteren von Azurit überkrustet sind.



Azurit
Azurit

Kerrouchen, Khenifra; Größe: 4,3 cm

Carlos Pareja
Azurit
Azurit

Kerrouchen, Khenifra; Größe 3,8x3 cm

Fabre Minerals
Azurit
Azurit

Kerrouchen, Khenifra; Doppelender; Größe 5 cm

Fabre Minerals



Literatur zur Fundstelle

  • Hochleitner,R., 1990; Azurit von Sidi Bou Beker, Marokko. Lapis: 15, 6, 40
  • Jahn, S., Bode, R., Lyckberg, P., Medenbach, O., Lierl, H. J., 2003; Marokko-Land der schönen Mineralien und Fossilien
  • Permingeat, F., 1991; Introduction a la minéralogie du Maroc; Vol. 2, Notes Mem. Serv.Geol.Maroc: 336, 1 - 312
  • Peyrus, J. C., 1975; Le Maroc. Mineraux et Fossiles : 9, 17 - 25
  • Wadjinny, A., 1998; Le plomb au Maroc: cas des districts de Touissit et de Jebel Aouam; Chron.Rech.Minière: 531/532, 9 - 28




USA

Azurit
Azurit

Rosettenförmiges Aggregat, 6,5x5,5 cm; Morenci, Shannon Mts., Greenlee County, Arizona

Rob Lavinsky


Azurit
Azurit

Botryoidaler Azurit mit Chrysokoll; 5,5x2,5 cm; Morenci, Shannon Mts., Greenlee County, Arizona

Kiyoshi Kiikuni
Azurit
Azurit

Morenci, Shannon Mts., Greenlee County, Arizona

Rob Lavinsky


Azurit
Azurit

Azurit mit Malachit; 8,2x5,4 cm Gefunden vor 1900 Bisbee, Cochise County, Arizona

Rob Lavinsky


Von den 262 weltbekannten Vorkommen sehr gut ausgebildeter Azurit-Kristalle befinden sich allein mehr als 50 im Westen der Vereinigten Staaten. Die meisten Vorkommen liegen in Arizona, dort wiederum im Gebiet von Bisbee (Cochise County). Bisbee-Azurite traten zahlreich in vielfachen Formen und Aggregaten auf, am häufigsten in nierigen, drusigen, zum Teil samtartigen Massen, kugeligen Aggregaten auf Malachit, rosettenartigen und kugeligen Schwimmern. Ebenso bekannt sind mit Malachit gebänderte Stalaktiten bis 10 cm, sowie tafelige und blättrige Kristalle bis 7,5 cm Durchmesser und 12 cm Länge. Viele dieser Kristalle sind zu Malachit gealtert und oft mit Azurit einer späteren Generation überdeckt. Attraktive Stufen stammen aus den Gruben bzw. Schächten Atlanta, Czar, Campbell, Cole, Holbrook,, Irish Mag, Junction, Sacramento und Shattuck. Die wohl schönsten Aggregate kommen aus den Schächten Lavender Pit und der Copper Queen Mine.

Die Lagerstätte Bisbee, welche Ende 1870 entdeckt wurde, war 95 Jahre lang eines der weltgrößten Kupfer-, Silber, Gold-, Blei- und Zinkvorkommen der Welt. Mit 20.000 Einwohnern (und 40 Saloons) war Bisbee im Jahre 1908 die größte Stadt Arizonas. Die Gruben wurden um 1970 wegen Erschöpfung des Erzes geschlossen.

Andere bekannte Vorkommen in Arizona sind die Gruben Morenci (Kristalle bis 2 cm und botryoidale Aggregate mit Chrysokoll) und Metcalf (menue="thumb"lee County), der New Cornelia Pit (Ajo, Pima County), die Gruben Banner, Mammoth und Copper Mountain Prospect (Pinal County), die Grand View Mine (Coconino County), die Yeager und die Bagdad Mine (Yavapai County), die Grand Reef Mine (Graham County), die Silver Bill Mine (Cochise County), die Tonopah-Belmont Mine (Maricopa County) und die Blue Bird, Live Oak, Inspiration und Ball Mines (Gila County). Die Morenci Mine, welche 1881 erschlossen wurde, ist die größte Kupfererz-Grube der USA und seit 1937 einer der weltgrößten offenen Tagebaue (davor untertage), in welchem Chalkopyrit, Chalkosin, Malachit, Azurit und Chrysokoll abgebaut werden. Die bis auf eine Teufe von 335 m erschlossene New Cornelia (OpenPit) Mine produzierte von 1854 bis 1985.

Ausgezeichnete Azurite kamen auch aus New Mexico. Die bekanntesten Fundstellen waren die Kelly, Graphic und Juanita Mines nahe Magdalena (Socorro County), ebenso die Gebiete Hanover-Fiero und Mimbres (Grant County) mit den Gruben Anson S. und Emma (Rosetten), Hanover No. 2 (rhomboedrische hochglänzende Kristalle bis 2,5 cm) und Copper Rose Mine (Pseudomorphosen von Kupfer nach Azurit). In Utah wurden Paramorphosen von Azurit nach Gips in der Apex Mine (St. George, Washington County) und kugelige bis rosettenartige Aggregate bis 8 cm im Blue Grotto Prospect und in den Gruben La Sal, OK nahe Milford, Blue Jay und Nevada Lode (San Juan County) gefunden. Aus Kalifornien stammen schöne Azurit-Stufen mit Malachit aus der Hughes Mine (Calaveras County), Kristalle aus den Defiance und Zinc Hill Mines (Inyo County) und Azurit-Drusen aus der Ord Mountain Mine (San Bernardino County). Weniger bekannte, jedoch ausgezeichnete Kristalle bis 2,5 cm kamen aus der Loon Lake Kupfergrube (Stevens County) und glänzend blaue krustige Massen mit Malachit aus der Alder Mine (Twisp, Okanogan County) in Washington.

Wenngleich sich auch im Osten der USA sehr große Kupfererz-Lagerstätten (u.a. Ducktown, Tennessee und Great Gossan Lead, Virginia) befinden, kam Azurit dort meist nur in winzigen Kristallen vor. Interessante Stufen stammen aus den Gruben French Creek und Phoenixville (Pennsylvania), Pontiac (Halifax, Virginia) und den Clegg und Snipes Mines (North Carolina).



Azurit
Azurit

Prismatische, oberflächlich leicht zu Malachit gealterte Kristalle; New Cornelia Mine, Ajo District, Pima County, Arizona; Größe 3,2 cm

Jasun McAvoy
Azurit
Azurit

Rosettenförmiges Aggregat, sogenannte Bisbee-Rose Czar Shaft, Bisbee, Cochise County, Arizona Historische Stufe. Größe 4x5 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Aggregat aus prismatischen Kristallen; Bluebird Mine, Miami, Gila County, Arizona; Größe: 2,7x2,2 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Ein Azurit-Klassiker; Bisbee, Arizona; Größe: 16 x 11 cm

Kevin Ward
Azurit
Azurit

Scharfe prismatische Kristalle; Größe 2x2,2 cm; Ajo District, Pima County, Arizona

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Aggregat aus subparallen flachtafeligen Kristallen; Mammoth Mine, Tiger, Pinal County, Arizona; Größe: 6 cm

Fabre Minerals



Literatur

  • Bideaux, R. A.; 1973; The Collector (of azurite>. MinRec.: 4, 4-5, 34
  • DeMark, R. S., 1991; New Mexico Azurite (abstract); MinRec.: 22, 68 - 69
  • Graeme,R., 1981; Famous Mineral Localities: Bisbee,AZ. MinRec.: 12, 256 - 319
  • Phelps-Dodge Corp., 2006; Morenci, Arizona; Firmenprospekt
  • Webb-Farnsworth, J., 2004; Bisbee's Copper Queen Mine; http://www.desertusa.com/mag01/jan/stories/bbee.html
  • Wenrich, K. (chairman), 1991; Abstracts of the FM-TGMS-MSA Symposium on Azurite and other copper carbonates; MinRec.: 22, 65 - 69




Andere Fundorte für gut ausgebildete Azuritkristalle

Deutschland

Azurit zur Kupfergewinnung und Farbherstellung wurde bereits im 2. und 3. Jh. n. Chr. im römischen Kupferstollen Emilianus bei Wallerfangen im Saarland abgebaut.

Der 1998/1999 aufgelassene Zechstein-Dolomit-Steinbruch Altenmittlau im Spessart, ca. 10 km östlich von Gelnhausen (Hessen), war die Fundstelle für Deutschlands beste und schönste Azurit-Kristalle, welche in Drusen des Dolomit vorkamen. Der Steinbruch wurde nach der Schließung verfüllt, um bis 2012 die ursprüngliche Form des Hügels wiederherzustellen.

Weitere bekannte Azurit-Fundorte in Deutschland sind die Grube Clara bei Oberwolfach (Kristalle bis 2 cm) und Neubulach im Schwarzwald, Kamsdorf in Thüringen und Thalitter bei Korbach in Hessen.

Literatur

  • Bleuel, M., 1991; Fundstelle Steinbruch Schmitt, Altenmittlau. Begleitheft zur VFMG-Sommertagung 1991; Kinziger Mineralienclub

Brasilien

Aus dem Gebiet des zentral in Bahia gelegenen Ortes Seabra (Region Chapada Diamantina) kamen Mitte der 1990er Jahre ausgezeichnete Stufen von botryoidalem Azurit und Malachit, respektive zu Malachit gealtertem Azurit. Die kugeligen Azurit-Aggregate erreichen Größen bis über 1 cm. Der genaue Fundort ist nicht bekannt, dürfte jedoch eine der zahlreichen Blei-Zinkerz-Lagerstätten vom Mississippi-Valley-Typ (schichtförmige Lagerstätten in karbonatischen Gesteinen) im Umkreis von Seabra sein. Azurit aus Brasilien ist ein relativ seltenes Mineral.

Literatur

  • Dardenne, M. A.; 1979; Le mineralisations de plomb, zinc, fluor du proterozoique superieur dasn le Bresil Central., Dissertation Universität Paris
  • Misi, A., 1976; As sequencias Bambui no Estado da Bahia e as mineralizacoes de chumbo-zinco associadas, Dissertation Universität Salvador

Mexiko

Azurit kommt in Mexiko als ein recht gewöhnliches Sekundärmineral der Oxidationszonen von Kupfererz-Lagerstätten vor. Die bisher schönsten Kristalle, welche einem römischen Schwert ähneln, wurden in den 1950er und 1960er Jahren in El Cobre, Municipio Concepción del Oro, Zacatecas gefunden. Andere Kristalle aus diesem Fund haben etwas kürzere, jedoch sehr scharf entwickelte Kanten und erinnnern an die besten Funde in Tsumeb. Es wurde über handflächengroße Pseudomorphosen von Malachit nach Azurit berichtet. Aus der Mina San Carlos kamen in den 1950er und frühen 1960er Jahren tausende von Azurit-Stufen guter bis bester Qualität.

Azurit wurde zeitweise in Francisco Portillo (Municipio de Aquiles Serdán, Chihuahua) als Erz abgebaut. Sehr schöne Kristalle bis 2 cm kamen aus Sierra Rica (Municipio de Manuel Benavides, Chihuahua), Mapimi (Municipio de Mapimi, Chihuahua, Kristalle bis 3 cm), La Luz (Kristalle bis 1 cm mit Pyragyrit, Municipio Guanajato, Guanajato), aus den Gruben bei Taxco de Alcarón (assoz. mit Silber, Pyrargyrit, Akanthit und Polybasit). Kugelige Aggregate bis 8 cm kommen in Zumpango del Rio, Las Fraguas und Mezcala (Guerrero), Kristalle bis 1 cm in La Luz (Guanajuato), drusige Massen bei Cananea und Nacozari (Kristalle bis zu mehreren Zentimetern) sowie Yécora (Rosetten bis 8 cm) in Sonora vor. Hervorragend ausgebildete und hochglänzende Azurite wurden in Zacatecas in den Gruben Aranzazú und Bonanza (Concepcion del Oro), San Pedro, La Luz, Pedernal, Animas, Cajón, Jesus Maria, Nieva und San Carlos (alle Municipio Mazapil) gefunden.

Literatur

  • Panczner, W. D., 1987; Minerals of Mexico

China

Angesichts der Mineralvielfalt Chinas ist es kaum verwunderlich, dass auch das Mineral Azurit relativ häufig vorkommt. Fast alle bekannten Vorkommen sind Kupfererz-Lagerstätten. Die bekanntesten sind Shitouzui, Tonglushan und Tongshankou in Hunei (paragenetisch mit Malachit, Chalkopyrit, Kupfer, Cuprit). Ebenso Tongguangshan (Azurit, Chalkopyrit, Malachit, Granat und Wollastonit), Tongshan und Liufengshan (auch Liuhoungshan) in Anhui, Wushan und Chengmenshan in Jianxi sowie die Grube Shilu bei Yangchun (Yangchweng) in Guangdong, von welcher Rosetten bis 13 cm kamen.

Literatur

  • Liu, G., 2003; Collection minerals and their localities in China

Australien

Es wäre ein umfangreiches Vorhaben, alle Fundorte Australiens aufzuzählen, in welchen sehr gut ausgebildete Kristalle gefunden wurden. Gute bis hervorragende Azurite sind bereits historische Klassiker. Zu den berühmtesten Vorkommen gehören die Proprietary Mine, Broken Hill (Gruppen individueller Kristalle bis 7,5 cm, teilweise assoziiert mit gitterförmigem Cerussit), Condobolin, Burra Copper Mine, Girilambone und Cobar in News South Wales (Kristalle bis 2,5 cm), die Sir Dominick Mine in Arkaroola (Malachit-Azurit Pseudomorphosen bis 4,5 cm), die Gruben bei Moonta, Tanuda und Wallaroo sowie die Burra Burra Mine in Süd-Australien. Dazu die Boomerang-, Mount Glorious-, Mount Oxide-Gruben, sowie die Red Dome Mine bei Chillagoe (Kristalle bis 4 cm) und die Girofla Mine (beste Stufen mit Kristallen bis 5 cm) in Mungana, alle in Queensland gelegen. Aus dem Aryonga Mission-Gebiet in den Northern Territories stammen große flache Azurit-Rosetten. Weitere bekannte australische Fundstellen sind Ravensthorpe und Whim Creek in West-Australien.

Literatur

  • Mason, B., 1976; Famous mineral localities: Broken Hill, Australia; MinRec.: 7, 25 - 33
  • Pohwat, P. W., 1991; A selected list of worldwide azurite localities. Rocks & Minerals : 66, 1, 24 - 28
Azurit
Azurit

Steinbruch Altenmittlau, 2,5 km NW von Freigericht, Hessen (Ehemaliger Dolomit-Steinbruch); Sehr gut ausgebildete rosettenförmige Aggregate auf Dolomit

Peter Haas
Azurit
Azurit

Brasilien; Seabra, Bundestaat Bahia; Stufe: 8 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Brasilien; Seabra, Chapada Diamantina, Bahia; Stufe: 5,5 cm

Lourenco B. Santos
Azurit
Azurit

Zacatecas; Stufe: 2,6x3,2 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Liu Feng Shan, Anhui; Stufe 5 cm

Rob Lavinsky
Azurit
Azurit

Mineral Hill Mine, Condobolin, New South Wales Flachtafelige Kristalle; Stufe 5x6 cm

Fabre Minerals




Quellenangaben


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