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Beryll

Beryll
Beryll

Eine klassische Beryllgarbe; Mursinka, Ural, Russland; Größe: 10 x 7,4 cm

Rob Lavinsky

Englisch: Beryl; Französisch: Béryl; Spanisch: Berilo


Kapitelübersicht





Geschichte und Namensherkunft

Der Name Beryll ist abgeleitet vom lateinischen Wort beryllus und geht über griechisch beryllos bis auf das Sanskrit-Wort vaidurya zurück. Vaidur oder Vailur war der dravidische Name einer Stadt in Südindien (heute Belur). Anderen Etymologen zufolge kann der Begriff Beryll auch aus dem akkadischen burallu, bzw. dem aramäischen billurin abgeleitet sein. Sowohl im antiken Griechenland als auch im mittelalterlichen Europa war Beryllus ein allgemeiner Begriff für alle klaren Kristalle. Daraus leitet sich auch das Wort Brille ab, da die ersten Linsen im 14. Jh. aus transparenten Kristallen geschliffen wurden. Dieses besagt nicht, dass die Brillen aus Beryll selbst gefertigt wurden. Naheliegend ist die Verwendung von Bergkristall. Im Mittelalter bedeutete Bericle im Französischen und Bericlus im Lateinischen einen jeden Kristall. In einem Gedicht auf Karls des Großen Feldzug nach Spanien wird das Wort Berille für Perle benutzt (Adelung).

Beryll in seiner Varietät Smaragd wurde schon ca. 1.300 v.Chr. abgebaut und als Edelstein verwendet. Einer der zwölf Steine, welcher die Brustplatte des Pentateuch schmückt und die zwölf Stämme Israels symbolisiert, ist ein Smaragd und wird hebräisch als Bareketh (griechisch smaragdos) bezeichnet. Andererseits gehört auch der nicht näher definierte Stein Shoham zu dem Ornament, dessen Übersetzung ins Griechische beryllion lautete.

Ebenfalls war Smaragd ein begehrter Edelstein in den Ländern des präkolumbianischen Südamerika.

Das Element Beryllium und dessen Geschichte

Beryllium
Beryllium

als synthetische Kugel

scheidewasser

Ende des 18. Jh. waren verschiedene Chemiker daran interessiert, die chemische Zusammensetzung von Smaragd und Beryll herauszufinden. Zu diesen gehörten Nicolas Louis Vauquelin, Martin Heinrich Klaproth, Johann Jacob Bindheim sowie René-Just Haüy. 1798 fand Vauquelin heraus, dass Smaragd und Beryll bis auf einen geringen Chromgehalt im Smaragd identisch sind. Das bestimmende Element nannte Vauquelin Glucina (oder Glucinium) nach den von ihm hergestellten süßlich schmeckenden Salzen. Im Jahr 1808 experimentierte Sir Humphrey Davy mit Alumin, Zirkon, Silex und Beryll, um die Metalle (Elemente) zu isolieren, was ihm jedoch nur bei den drei erstgenannten, jedoch nicht bei Beryll gelang. Die in den drei ersten Substanzen neu entdeckten Elemente nannte er Silizium, Aluminium und Zirkon. Bei dem im Beryll enthaltenen, jedoch noch nicht isolierten Metall behielt er den von Vauquelin nach der Süße der Salze benutzten Namen Glucinium bei. Da bekannt war, dass Yttrium-Salze ebenfalls süß schmecken, benannte Klaproth das neue Metall Beryllia nach dem Mineral Beryll. Es dauerte aber bis etwa 1882, bis es, unabhängig voneinander, sowohl Friedrich Wöhler als auch Antoine-Alexandre Brutus-Bussy gelang, erstmalig Beryllium elementar darzustellen. Bis Mitte des 20. Jh. wurden sowohl die Bezeichnungen Glucinium als auch Beryllium gleichwertig benutzt. Erst im Jahr 1949 entschied die IUPAC Kommission zur Nomenklatur der Anorganischen Chemie zugunsten des Namens Beryllium.



Charakteristika und Ausbildungsformen

Beryll gehört zur Klasse der Ringsilikate (Cyclosilikate) mit 6-fach Ringen. Seine chemische Formel lautet: Be3Al2Si6O18 (ein Beryllium-Aluminium-Silikat). Alkali-Berylle sind Beryll-Varietäten (s.u. Ausbildungsformen und Varietäten) und enthalten relativ hohe Anteile an Li2O (bis 2%), Na2O (bis 4%), K2O (bis 2%), Rb2O (bis 1,3%) und Cs2O (bis 4,6%).

Das Mineral kristallisiert im hexagonalen System, die Kristallklasse ist dihexagonal-dipyramidal. In der Regel sind das Pinakoid {0001} und das Prisma {1010} entwickelt. Wesentlich seltener sind die Flächen der Doppelpyramiden {1121}, {1011} und des Prismas {1120}. Die Prismenflächen sind häufig vertikal gestreift. Zwillinge auf {hkil}-Formen sind sehr selten. Beryll tritt in der Regel in Form relativ langer, sechsseitiger Prismen mit matten Flächen auf, oft mit Endflächen und immer, wie beim Smaragd, mit einer einzigen Fläche, der sogenannten Basalfläche, mit rechten Winkeln zu den Prismenflächen. Nicht selten sind die Kanten des hexagonalen Prismas durch die Fläche eines zweiten hexagonalen Prismas gestutzt, und diese wiederum durch ein zwölfseitiges Prisma. Die daraus resultierende Form, obwohl eigentlich ein Prisma mit vielen kleinen Flächen, sieht aus wie ein längsgestreifter Zylinder. Aus diesem Grund sind die Prismenflächen des Beryll gewöhnlich in Längsrichtung gestreift. In vielen Fällen haben die Kristalle nicht nur Basalflächen als Enden, sondern sechsseitige und zwölfseitige Pyramiden in Kombination mit dem Prisma.

Seine Spaltbarkeit ist wenig deutlich nach der Basis 001. Sein Bruch ist muschelig und die Tenazität spröde. Die Mohshärte variiert zwischen 7,5 und 8, wobei z.B. kolumbianischer Smaragd weicher als sibirischer Aquamarin ist. Die Dichte liegt zwischen 2,63 und 2,92 g/cm3. Beryllkristalle sind transparent bis durchscheinend. Das Mineral besitzt Glas- bis Harzglanz, der Strich ist weiß. Beryll ist nach dem Prisma {1010} und nach dem Pinakoid {0001} deutlich spaltbar.

Erkennungsmerkmale und Verhalten gegenüber Säuren

Beryll ist relativ leicht an seinen hexagonalen Kristallen und an seiner großen Härte zu erkennen. Vor dem Lötrohr unschmelzbar, nur die Ränder von Splittern werden rundgeschmolzen. Durchsichtige Kristalle werden bei hoher Temperatur trübe. Mit Borax bekommt man ein durchsichtiges, farbloses Glas. Nur Smaragd gibt eine blassgrüne Perle. Die meisten Säuren, Tageslicht und Wasser können Beryll nichts anhaben, während Fluss- und Oxalsäure ihn schädigen können.

Licht-, Wärme- und Druckempfindlichkeit

Alle Berylle sind wärme- und lichtempfindlich und vertragen weder Druck noch Schläge. Punktbeleuchtung oder Sonnenbestrahlung in Schaufenstern oder Sammlervitrinen kann zu Farbverlusten führen. Bei Reinigungsarbeiten mit Ultraschall ist Vorsicht geboten. Aquamarine verlieren ihre Farbe bereits ab 100oC.

Die Farbe der Berylle

Beryll - polychrom
Beryll - polychrom

Polychromer, rosafarben-himmelblauer Beryll mit fließenden Farbübergängen auf bläulicher Albit-Matrix; Darrah, Pech, Kunar, Afghanistan; Größe: 10,5 x 3,6 cm

Kevin Ward


Beryll lavendelfarbig
Beryll lavendelfarbig

Ein im Tageslicht farbloser Beryll-Doppelender mit 3 cm Länge, dessen Farbe unter Halogenlicht zartviolett bis lavendelfarbig wird. 3 cm großer Beryll-Doppelender. Shigar Valley, Skardu, Pakistan

Rob Lavinsky


Beryll
Beryll

Ein grünlichblauer Beryll, welcher weder Smaragd noch Aquamarin ist noch die Kriterien des Edelsteinhandels erfüllt. Käme er vom Habachtal, würde er mit Sicherheit als Smaragd eingestuft; Ankara, K...

Dan Weinrich

Das Problem der Farbdefinition
Das Problem der Farbdefinition

Dieser grünlichgelbe Berylll erfüllt zwar wegen seiner Transparenz die Voraussetzungen für einen schleifwürdigen Edelstein, ist jedoch; weder ein Heliodor, noch (wegen fehlendem Chrom) ein Smaragd,...

Rob Lavinsky


Beryll
Beryll

Dieser Beryll wird als grüner Heliodor bezeichnet. Da Heliodore i.d.R. gelb sind und grüne Berylle je nach Cr-, V- oder Fe-Gehalt (uneinheitlich) definiert werden tw. sogar als grüne Aquamarine), i...

Kevin Ward

Die Farben des Beryll reichen von farblos über gelb, blau, grün bis hin zu tiefem himbeerrot. Siehe dazu auch das Kapitel Synonyme und Edelsteinbezeichnungen. Kristalle mit farblosen Kristallzonierungen in dünnen Schichten sind bekannt. Beryll ist schwach bis gerade erkennbar pleochroitisch (hellblau, gelbgrün), die Varietät Riesling-Beryll stark dichroitisch. Mattfarbige gelbgrüne, blaugrüne, grüne, graue, weiße und nichttransparente farblose Kristalle sind einfach Beryll. Viele farblose Kristalle werden nicht selten im Schmuck- und Mineralienhandel als Goshenite bezeichnet, wenngleich es sich dabei um ganz gewöhnliche farblose Berylle handelt. Farblose Berylle mit Spuren einer leichten Blaufärbung sind gemmologisch keine Aquamarine, werden jedoch in teils unterschiedlicher Auffassung von Gemmologen auch als Goshenite bezeichnet.

Es ist bekannt, dass Eisen in zwei Wertigkeiten (Fe2+ und Fe3+) und in zwei unterschiedlichen kristallographischen Plätzen in der Beryllstruktur vorkommen. Die relative Konzentration von Fe2+ bis Fe3+ und ihre Position innerhalb der Beryllstruktur ist ausschlaggebend, ob sich grüne, blaue oder gelbe Farben entwickeln. Wird Aluminium in der okatedrischen Struktur durch Fe3+ ersetzt, entsteht eine gelbe Farbe. Ist jedoch Fe2+ gegenwärtig, ist die Farbe gewöhnlich blau. Blaugrüne Farben entstehen, wenn sowohl Fe2+ als auch Fe3+ vorhanden sind. Verbleibt Fe2+ nur in der oktaedrischen Position oder Fe3+ nur in den Kanälen, ist der Beryll farblos.

Der Ursprung der Farbgebung der rosafarbenen bis bräunlichen Beryllvarietät Morganit, sowie deren Cs-haltige Varianten Rosterit oder Voroboieffit, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Sowohl Mangan als auch Lithium, Eisen und bestimmte Spurenelemente sollen für die Farbe verantwortlich sein. Jedoch kann die Farbe des Morganit ebenfalls durch Sonnenlicht und durch Wärme verändert werden. Dr. Liddicoat behauptet, dass viele der auf dem Markt befindlichen rosa Morganite ehemals rötlichgelbes Material aus Brasilien waren, welches hitzebehandelt wurde. Es ist jedoch erwiesen, dass die rosa Farbe nicht von Cäsium stammt.

Polychrome Berylle

Nicht allzu selten treten Berylle mit deutlichen Farbübergängen, meist von farblos zu blau oder grün, nicht so häufig beige und gelblich, bzw. quasi-farbzonierten Bereichen auf. Seltener sind Farbübergänge von rosa zu blau oder grün, bzw. umgekehrt. Auch diese leicht oder in Spuren gefärbten Berylle sind weder Heliodore, noch Aquamarine, noch Smaragde, auch wenn sie nicht selten als Mineral unter diesen Edelsteinnamen angeboten werden. Charakteristische Beispiele dafür sind die lokal als "Greenkop-Beryll" bezeichneten, von farblos in schwachgrünlich übergehende Kristalle vom Erongo in Namibia. Außergewöhnliche polychrome Berylle wurden in der Grube Vodorazdelniy im Menza-Distrikt, südwestlich der Malkhan-Berge in Transbaikalien (Russland) gefunden. Die Farbe der Kristalle reicht von sehr hellgrün bis zu orange-rosa, ist jedoch meist lachsrot.

Edelberylle - Beryll als Edelstein

Beryll kommt opak sowie in unterschiedlicher Transparenz vor. Ab einer bestimmten Farbintensität, jedoch nur bei transparenten bis semitransparenten, d.h. auch in der regel glänzenden Beryllen spricht man gemmologisch von Edelsteinen. Diese sind Aquamarin (blau), Smaragd (grün - jedoch nur grüne Steine, deren Farbgebung auf Chrom(1) beruht), Heliodor und Goldberyll (grünlichgelb bis goldgelb) und Morganit (rosa). Transparenter farbloser Beryll, soweit er die Kriterien der Gemmologen erfüllt, wird als Goshenit bezeichnet. Roter Beryll, veraltet auch als Bixbit bezeichnet, ist extrem selten und kommt nur in sehr kleinen Mengen vor, so dass eine kontinuierliche Versorgung des Edelsteinmarktes ausgeschlossen ist. Aus diesem Grunde wird er, trotz der begehrten roten Farbe, nicht als Edelstein verwendet.

(1)Dies ist eine umstrittene Definition. Nach Meinung unterschiedlicher Edelsteinorganisationen gibt es einerseits die Auffassung, dass Smaragd nur dann Smaragd ist, wenn er als farbgebendes Element Chrom enthält. Andererseits ist ein Smaragd auch Smaragd, wenn dieser kein Chrom, sondern Vanadium enthält. Zu weiteren Informationen siehe das spezielle Kapitel zu Smaragd.

Grüne Edelberylle, welche keine Smaragde sind

Im Jahr 1982 wurden bei Straßenbauarbeiten nahe Luumäki in Finnland die besten grünen Edelberylle in Hohlräumen eines Quarzkörpers entdeckt und bis 2004 mehr als 100 kg schleifwürdige, meist abgerundete und natürlich geätzte Kristalle gefördert. Manche dieser Kristalle wogen über 1 kg. Die Farbe der transparenten bis semitransparenten Berylle, die so gut wie keine Einschlüsse haben, ist flaschengrün bis leicht gelbgrün. Trotz ihrer Farbe und Transparenz sind diese Berylle keine Smaragde, sondern gemmologisch als Edelberylle akzeptierte gewöhnliche Berylle.

Weiterführende Informationen sind in den Einzelkapitel unter den jeweiligen Varietäten zu finden.



Polychromer Beryll
Polychromer Beryll

Farblose Kristalle mit leichter Grünfärbung
Adun Chilon Gebirge, Nertschinks, Burjatien, Russland
Größe: 7,5 x 5 cm

Christian Rewitzer

Polychromer Beryll
Polychromer Beryll

Übergangsform Aquamarin-Morganit Buspar Peak, Braidu Valley Baltistan, Pakistan
Größe: 8,2 x 5,2 cm

Kevin Ward

Polychromer Beryll
Polychromer Beryll

Übergangsform von Farblos zu Hellgrün Sogenannter "Greenkop-Beryll"; Erongo-Gebirge, Namibia; Größe: 4,5 cm

Jürgen Tron


Ursachen der Farbgebung


Farbe

Beispiel

Ursache

Transparent Farblos

Goshenit

Keine Spurenelemente

Transparent Hell- bis Tiefblau

Aquamarin

Fe2+, Ti4+

Transparent Smaragdgrün

Smaragd

Umstrittene Definitionen
a) nur, wenn Cr3+ vorhanden ist
b) wenn kein Cr3+ aber V3+ farbgebend ist

Gewöhnliches Grün in allen Tönen

Gewöhnlicher grüner Beryll

Eisen und Uran, jedoch kein Cr3+ und kein V3+

Gewöhnliches Weiß sowie beigefarbene, gelbe, orangefarbene bis mattbraune Töne

Gewöhnlicher Beryll

Fe3+

Transparentes Gelb bis Goldgelb

Heliodor bis Goldberyll

Fe3+

Transparent Flaschen- bis Gelblichgrün

Heliodor

UO2

Transparent Rosa

Morganit und Vorobieffit

Mn2+, Mn3+

Matt und transparent Himbeer- bis Tiefrot

Roter Beryll (Bixbit)

Mn3+


Eine Darstellung der bekanntesten Berylle in ihrer Farbenvielfalt vom Beginn des 20. Jh.


Beryll Tafel 44 aus Brauns
Beryll Tafel 44 aus Brauns

Brauns "Das Mineralreich" Tafel 44
1903

Prof. Dr. R. Brauns

Beschreibung der nebenstehenden Abbildungen historischer Stufen und Kristalle (Quelle: Tafel 44 aus Brauns,R., 1903; Das Mineralreich)

  1. Smaragd in Glimmerschiefer (Habachtal, Salzburg)
  2. Smaragd mit natürlichen Endflächen (Muzo, Kolumbien)
  3. Smaragd in Glimmerschiefer (Tokowaja, Ural)
  4. Smaragd in Kalkspat (Muzo, Kolumbien)
  5. Beryll, farbloser, durchsichtiger Kristall (Shaitanka, Ural)
  6. Goldberyll (Mursinka, Ural)
  7. Beryll, hellgelb, in der Mitte eingeschnürt (Mursinka, Ural)
  8. Aquamarin, glattes Prisma, Ende wie angefressen (Nertschinsk, Transbaikal)
  9. Aquamarin, Prisma erster mit Pyramide zweiter Stellung und Basalfläche (Adun-Chilon, Nertschinks, Transbaikal)
  10. Beryll, blau (Mourbe Mountains, Slieve Corra, Down, Irland)
  11. Beryll blau, walzenförmig (Adun-Chilon, Nertschinsk, Transbaikal)
  12. Beryll, gelblichgrün, Kante zwischen Prisma und Basis wie angefressen (Borschtschowotschnoi, Transbaikal)
  13. Aquamarin, geschliffen
  14. Aquamarin, mattes Prisma, glänzende Basis (Adun-Chilon, Nertschinks, Transbaikal)



Kristallformen

Gewöhnliche Kristallformen

Beryll - Schweden
Beryll - Schweden

Beryll in Quarz
Aus dem Quarz-Feldspat-Steinbruch
Lillberget, Holing, Strömsund
Angermanland, Schweden
Höhe: 5 cm

Martins da Pedra

Be10
Be10

neu

Joe George

Beryll
Beryll

Erongo, Namibia

Kevin Ward

Beryll mit Cassiterit
Beryll mit Cassiterit

Mt. Xuebaoding, Pingwu, Szechuan, China; Größe: 8,3 x 7,3 cm

Dan Weinrich

Beryll
Beryll

Gewöhnlicher farbloser Beryll auf Lepidolith; Governador Valadares, Brasilien

Rob Lavinsky


Ungewöhnliche Ausbildungsformen

Aquamarin
Aquamarin

Nadelig-stengeliger Kristall, der in einer Pyramide endet; Mina Mimoso do Sul, Distrikt Mimoso do Sul, Espirito Santo, Brasilien; eines der klassischen brasilianischen Beryll-Vorkommen; Größe: ...

Rob Lavinsky

Beryll
Beryll

Beryll-Skelett-(gerüst) (Hopper) mit nicht vollständig ausgebildeten Kanten und Ecken durch geänderte Nährlösungen, bzw. mit einhergehender Ätzung; Minas Gerais, Brasilien

Rob Lavinsky
Beryll - Geätzter Schwimmer
Beryll - Geätzter Schwimmer

Stark geätzter, hochtransparenter
rosafarbener Schwimmer
Mina Urucum, Córrego do Urucum Pegmatit
Galilea-Tal, Minas gerais, Brasilien
Größe: 5 x 2,6 cm

Fabre Minerals

Beryll
Beryll

Beryll-Quader, eine extreme Seltenheit; Pack Rat Mine, San Diego County, Kalifornien, USA

Rob Lavinsky
Beryll
Beryll

Unechte Szepter, deren äußere Schicht unterhalb einer übriggebliebenen Kappe abgelöst (abgeätzt) worden ist; Kristallspitzen zwischen 0,6 bis 1,5 cm; Erongo-Massiv, Namibia

Rob Lavinsky



Beryll
Beryll

Eine kristallographische Seltenheit. Der Kristall wird fast ausschließlich durch die Flächen von drei Pyramiden gebildet, während das Prisma kaum existiert. Die Unterseite ist die Kontaktseite zu ...

Fabre Minerals

Beryll
Beryll

Eine kristallographische Seltenheit. Der Kristall wird fast ausschließlich durch die Flächen von drei Pyramiden gebildet, während das Prisma kaum existiert. Die Unterseite ist die Kontaktseite zu ...

Fabre Minerals

Eine kristallographische Seltenheit:

Die nebenstehenden Bilder zeigen einen Kristall, der fast ausschließlich durch die Flächen von drei Pyramiden gebildet wird, während das Prisma kaum existiert. Die Unterseite ist die Kontaktseite zur Innenwand des Hohlraumes, in welchem der Kristall gewachsen ist. Eine Seite ist mit Muskovit bedeckt, was einen interessanten Kontrast mit dem tiefen Blaugrün des Beryll ergibt.



Die größten Kristalle

Beryll - Riesenkristalle
Beryll - Riesenkristalle

Ein 23,5 x 4 cm großer
Aquamarin von der Mina Medina
Minas Gerais, Brasilien

Rob Lavinsky

Mina Assuncao - Portugal
Mina Assuncao - Portugal

Mina Assuncao

Martins da Pedra
Mina Assunção
Mina Assunção

Mina Assuncao, Aldeia Nova, Ferreira de Aves
Satao, Viseu, Portugal

Martins da Pedra
Beryll
Beryll

Beryll mit einem Durchmesser von etwa 100 cm; Mina Assuncao, Aldeia Nova, Ferreira de Aves, Satao, Viseu, Portugal

Martins da Pedra

Beryll kann Kristalle von riesigen Ausmaßen bilden. Die bisher größten Berylle mit 18 m Länge, ca. 3,5 m Durchmesser, einem geschätzten Volumen von 143 m3 und einem Gewicht von 380 t wurden in Malakialina, Madagaskar gefunden. Der größte in Jackalswater in Südafrika gefundene Beryll ist 8,5 m lang und wiegt 16 t.

Im Beryllsteinbruch Bumpus (bei Albany, Oxford County, Maine, USA) wurde 1949 der bis dato größte bekannte Beryllkristall mit einer Länge von 8,20 m und Enddurchmessern von 1,37 m x 2,74 m geborgen. Wenig später entdeckte man bei Keystone in South Dakota, USA, einen 9 m langen Beryllkristall mit einem Durchmesser vom 1,15 m und einem Gewicht von 61 t´. Aus dem gleichen Revier, aus der Bob Ingersoll Mine, wird über Berylle mit einem Durchmesser von 115 cm berichtet. Von Brenchville (Connecticut, USA) kamen Kristalle bis 6 m lang mit Durchmessern bis 1,5 m und einer Masse von bis zu 16 t vor. Beryllkristalle bis zu 177 t wurden auch in Navimo in der Provinz Alto Ligonha in Mozambik gefunden.

Ähnlich große, bis 3 m Länge erreichende Berylle stammen von den madegassischen Lagerstätten Ankazobe und Tasantanana.

Große Berylle bis ca. 3 m Länge sind aus dem Landsverk 1-Pegmatit bei Evje-Iveland in Südnorwegen bekannt. Die größten europäischen Beryllkristalle jedoch stammen aus dem Nossa Senhora-Pegmatit des Feldspatsteinbruchs Assunção bei Aldeia Nova (Ferreira de Aves, Sátão, Distrikt Viseu) in Portugal. Wenngleich gewöhnlicher opaker Beryll, sind die riesigen, teilweise bis mehrere Meter langen Kristalle oft amazonitgrün bis bläulichgrün gefärbt. 1994 wurde ein 1,20 m langer Kristall geborgen, welcher heute in der Geowissenschaftlichen Sammlung der Bergakademie Freiberg zuhause ist. Andere größere Kristalle sind zumeist in privaten portugiesischen Sammlungen zu finden. Im Steinbruch Assunção kommen 33 Mineralien vor, darunter auch sehr große Milchquarze sowie hervorragende Feldspäte, Autunit und Libethenit.

Zu den "kleineren" großen Beryllen gehören die Kristalle von der Queen Anne Mine in Zimbabwe (2 m), dem Alger Quarry in New Hampshire, USA (1,3 m), Lemnäs in Finnland (1 m) sowie blaugrüne meterlange Exemplare von Ohigashi in Japan und dem Dronning Maud Land in Antarctica.

Es sind jedoch nicht nur gewöhnliche, sondern auch Edelsteinberylle wie Aquamarine bekannt, deren Maße im Mineralreich ungewöhnlich sind. Der größte Aquamarin, der jemals gefunden wurde, kam 1910 in der Mina Papamel (auch Mina aka Batadal) am Ufer des Flusses Marambaia bei Carai, Minas Gerais in Brasilien, ans Licht der Welt. Er wog ca. 110 kg und aus ihm wurden 552.500 Karat verschliffen. Andere brasilianische Fundstellen wie die Mina Jatoba, Santa Maria de Itabira, Minas Gerais, lieferten Aquamarine bis 3 m Länge. Auch aus Tigerek im kaschischen Teil des Altaigebirges (Rudnyy Altay) sind Aquamarine bis 1,5 m Länge bekannt.



Beryll - Mina Assuncao
Beryll - Mina Assuncao

Beryll über 30 cm Länge
Mina Assuncao, Aldeia Nova, Ferreira de Aves
Satao, Viseu, Portugal

Martins da Pedra

Beryll - Assuncao
Beryll - Assuncao

Beryll über 80 cm
Mina Assuncao, Aldeia Nova, Ferreira de Aves
Satao, Viseu, Portugal

Martins da Pedra

Beryll Riesenkristalle
Beryll Riesenkristalle

Ein über 2 m langer Beryll-Kristall im
Pegmatit der Grube
Mina Assuncao, Aldeia Nova, Ferreira de Aves
Satao, Viseu, Portugal

Martins da Pedra

Vorkommen und Paragenese

Beryll kommt hauptsächlich in Pegmatitgängen saurer Intrusivgesteine, in der Umgebung pegmatitisch-metasomatischer Bildungen, aber auch in Klüften von pneumatolytisch zersetzten Graniten (Greisen) und anderen Gesteinen vor. Auf Klüften und in Drusen gewachsene Exemplare zeigen teilweise sehr flächenreiche Kristalltrachten. Die wichtigsten Begleitmineralien in den Pegmatiten sind Quarz, Feldspäte, Muskovit, Glimmer, Lepidolith, Spodumen, Amblygonit, Turmalin, Topas, Spodumen, Cassiterit, Lithiophyllit, Columbit und Tantalit.

Beryll, ein chemisch beständiges Mineral, geht bei der Verwitterung und bei der Abtragung primärer Lagerstätten in Seifen über, wo er in Form abgerundeter Körner und als Kiesel auftritt.

Die berühmten kolumbianischen Smaragde aus der Umgebung von Muzo kommen in kohligen und bituminösen Kalksteinen und Schiefern vor, welche mit Pegmatitgängen im Zusammenhang stehen. Paragenetisch treten Quarz, Calcit, Pyrit, Parisit und eine Anzahl anderer Mineralien auf.

Weltweite Lagerstätten von gemeinem Beryll

Gemeiner Beryll, d.h. kein Edelberyll, gehört zu den häufig vorkommenden Mineralien und kommt in fast allen Ländern der Welt vor. Bei mindat.org sind ca. 2.420 Vorkommen gelistet. Aus diesem Grund würde eine Detailbeschreibung - auch nur der wichtigsten Lagerstätten - den Rahmen dieses Portraits sprengen. Auch eine Abgrenzung ist kaum möglich, da die meisten der bekannten Berylle aufgrund des dafür erforderlichen, jedoch unwirtschaftlichen Aufwandes nicht als Erz abgebaut werden sondern mit den primär abgebauten Pegmatiten, d.h. in der Regel Granit, assoziiert vorkommen.

Etwa 80% des weltweit verwendeten Berylliums wird in den USA erzeugt. Dementsprechend ist die Bedeutung der amerikanischen Lagerstätten groß. Zu den bekanntesten nordamerikanischen Vorkommen gehören die Beryllsteinbrüche in Maine (Albany, Oxford Co.), Connecticut (Brenchville), in welchen bis zur Entdeckung der madagassischen Pegmatite die weltgrößten Kristalle gefunden wurden. Pegmatitreich sind auch die Black Hills in South Dakota. In der auf Glimmer abgebauten Peerless Mine kamen ungewöhnliche Kristalle bis ca. 8 cm Länge vor, welche ursprünglich Beryll waren, dann komplett durch Quarz ersetzt wurden und auf ihrer Oberfläche winzige Albikristalle tragen. In der lepidolithreichen Ingersoll Mine bei Keystone wurde einer der größten Beryllkristalle mit ca. 9 m Länge und 1,15 m Durchmesser gefunden. Andere beryllreiche Pegmatite waren die Beryl Mica Lode, Climax, Everly, Wood Tin, New York, Crown, White Star, Pioneer Mountain und Scott Rose Quartz.

Andere Beryllvorkommen liegen in Russland und in Südafrika. Mineralogisch interessante Vorkommen mit teilweise sehr großen Kristallen gibt es in Südnorwegen, Spanien (Galizien und Madrid), Portugal, Südafrika, Madagaskar und in China (Sichuan).

Die bekanntesten Edelberyllvorkommen sind in den jeweiligen Varietätskapiteln aufgeführt.

Synonyme und Edelsteinbezeichnungen


  • Alkali-Beryll (> s.u., Beryllvarietät mit Li, Cs, Na, Rb, K)
  • Alumoberyll (Chrysoberyll)
  • Aquamarin-Chrysolit (gelblich-grün)
  • Bixbit (alter Name für >roten Beryll)
  • Cäsiumberyll (> s.u. Vorobieffit)
  • Chrysoberyll (eigenständiges Mineral BeAl2O4)
  • Edelberyll (allgem. Bezeichnung für alle schleifwürdigen Berylle)
  • Goldberyll (goldgelb, > Heliodor)
  • Raspberyl (Syn. f. Pezzottait)
  • Riesling-Beryll (lauchgrüner Beryll)
  • Rose Beryl (engl., > Morganit)
  • Rosterit (Cs-haltiger > Morganit)
  • Roter Beryll (> s.u. Beryllvarietät)
  • Sächsischer Beryll (Apatit)
  • Soda-Beryll (Syn. f. Alkali-Beryll)
  • Vorobieffit (Cs-haltiger > Morganit)

Verwendung von Beryll

Beryll ist eines der Erzmineralien, welches zur Gewinnung von Beryllium dient. Beryllium ist nach Lithium das zweit leichteste aller Metalle. Beryllium hat es eine 1,5-mal geringere Dichte als Aluminium. Beryllium bildet mit Magnesium und Aluminium leichte und sehr stabile Legierungen, welche bevorzugt dort eingesetzt werden, wo Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Stabilität gefragt ist. Aus diesem Grunde findet Beryllium gerade beim Flugzeugbau und in der Raumfahrttechnik Verwendung.

Künstliche Berylle und Fälschungen von Beryll

Sowohl Aquamarine und Morganite sind sehr oft durch Hitzebehandlung farbverbessert. Ähnliche Farbintensivierungen und Vertuschungen von Rissen werden bei Smaragden durch Ölen nach dem ersten Grobschliff vorgenommen. Synthetische Aquamarine sind zurzeit nicht im Schmuckhandel, da es ein Überangebot an natürlichem Rohmaterial gibt. Demgegenüber werden synthetische Smaragde sind seit 1935 verwendet.


Literatur

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