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Heliodor
Fidirana, Madagaskar
Größe: 2,2 x 2,1 cm
Genehmigung: Minerals and Fossils

Beryll

Heliodor und Goldberyll



Heliodor

Der Begriff Heliodor ist abgeleitet vom griechischen Wort Helios (Sonne) und bedeutet im übertragenen Sinne "Geschenk der Sonne". Heliodor ist keine eigene Varietät von Beryll, vielmehr ein Handelssynonym für Goldberyll. Goldberyll ist eine gemmologische Bezeichnung für intensiv gelbe bis goldgelb gefärbte Steine, welche 1910 in den Pegmatiten von Rössing in Namibia gefunden wurden. Der Name Heliodor wurde ursprünglich als Handelsname für diesen Goldberyll von Rössing verwendet. Gelbe Berylle waren jedoch schon früher aus Madagaskar und Brasilien bekannt.

Heliodor ist eine gelbliche bis grünlichgelbe, teilweise auch leicht blaugrünstichige Variante von Goldberyll, Goldberyll selbst eine zitronen- bis goldgelbe Varietät des Beryll. Die gelbe Farbe entsteht durch Eisen (Fe3+) und die recht hellgrüne bis flaschengrüne Farbe durch sehr geringe Urangehalte (UO2). Manche Heliodore sind schwach radioaktiv.

Im rohen, d.h. natürlichen Zustand, können die Übergänge von Goldberyll zu Heliodor fließend sein oder erhalten ihr Farbprädikat durch die Phantasie der Händler, Juweliere und Sammler.

Goldberyll bzw. Heliodor waren Anfang des 20. Jh. beliebte Modesteine im deutschen Kaiserreich.

Farbe durch Erwärmung und Bestrahlung

Es ist bekannt, dass Eisen in zwei Wertigkeiten (Fe2+ und Fe3+) und in zwei unterschiedlichen kristallographischen Plätzen in der Beryllstruktur vorkommen. Die relative Konzentration von Fe2+ bis Fe3+ und ihre Position innerhalb der Beryllstruktur ist ausschlaggebend, ob sich grüne, blaue oder gelbe Farben entwickeln. Wird Aluminium in der okatedrischen Struktur durch Fe3+ ersetzt, ensteht eine gelbe Farbe. Ist jedoch Fe2+ gegenwärtig, ist die Farbe gewöhnlich blau. Blaugrüne Farben entstehen, wenn sowohl Fe2+ als auch Fe3+ vorhanden sind. Verbleibt Fe2+ nur in der oktaedrischen Position oder Fe3+ nur in den Kanälen, ist der Beryll farblos.

Die natürliche gelbe Farbe der Heliodore kann durch Emission von alpha-, beta- und gamma-Partikeln benachbarter radioaktiver Mineralien, z.B. Zirkon, Columbit, Uraninit, U- und Th-Mineralien entstehen oder verstärkt werden, wobei Fe2+ zu Fe3+ ionisiert wird.

Wenn Heliodor oder Goldberyll auf 250-350oC erhitzt werden, wird Fe3+ zu Fe2+ reduziert, die gelbe Farbe verschwindet und der Beryll wird farblos. Steigert man die Hitze auf 430-475oC, wird ein Elektron aufgenommen und es entsteht eine irreversible blass- bis tiefblaue Farbe. Durch Bestrahlung kann dieser Prozess umgekehrt und die gelbe Farbe wieder hergestellt werden. Auch farblose Goshenite, welche kleinere Anteile an Eisen enthalten, können durch Bestrahlung und anschließender Erwärmung auf ca. 300oC zu gelbem Beryll mutieren. (Quelle: Wise, M., 2005; Mellow yellow: Heliodor and Golden Beryl; in: Beryl and its Color Varieties; Extra Lapis Englisch. Special edit., East Hampton CT.)

Vorkommen

Australien
Harts Ranges, Northern Territoy

Brasilien
Alto do Giz Pegmatit, Rio Grande do Norte
Sapucaia, Marambaia, Medina; Minas Gerais

Frankreich
Mine Venachat, Haute-Vienne

Madagaskar
Ikalamavony Pegmatite, Matsiatra, Fianarantsoa

Namibia
Erongo-Massiv
Kleine Spitzkoppe
Rössing Mine, Arandis
Krantzberg Mine, Damaraland

Pakistan
Hunza-Tal, Karakorum
Chappu, Skardu, Baltistan

Russland
Mursinka, Ural
Alabashka Pegmatite, Ural

Simbabwe
Karoi, Urungwe, Mashonaland

Ukraine
Volodarsk-Volynsk, Zhitomir Oblast (Bis 35 x 15 cm große Kristalle)

USA
Thomas Prospect, Alabama
Mack Mine, California
Branchville-, Slocum und Case Quarries, Connecticut
La Chance Quarry, Maine
Zahlreiche Vorkommen in Maine, New Hampshire,
Massachussets, New York, North und South Carolina
Virginia

Zambia
Ostprovinz


Heliodore von Zolotaya Vada in Tadjikistan

Es wurde verschiedentlich berichtet, dass "Heliodore" von bestimmten Fundorten in Pakistan, im Pamir von Tadjikistan und in Afghanistan minderwertige Aquamarine seien, welche durch Bestrahlung zu unechten Heliodoren wurden. Bis 2008 wurde in diesen Vorkommen nicht ein einziger authentischer Heliodor oder Goldberyll gefunden. Dessenungeachtet tauchen immer wieder tadjikische Goldberylle (russisch: Zelatoya Vada, d.h. Goldenes Wasser) mit Fundortangabe Rangkul in Tadjikistan bzw. Kirgistan auf den Börsen auf. (Quellen: mindat.org/Heliodor; Belakovskiy, Dmitry; 2005; The mysterious golden water of Tadjikistan; in: Extra Lapis Englisch: Beryl; Pers. Mttlg. J. Ralph an Mindat und Peter Lyck an Gästebuch Mineralienatlas)

Alte und berühmte Edelsteinpegmatite in Volodarsk-Volynsk in der Ukraine

Die berühmten Heliodorkristalle der ukrainischen Lagerstätte Volodars-Volynsk im Oblast Zhytomir haben oft charakteristische wie geätzt wirkende Wachstumsflächen mit Vertiefungen und hügeligen Erhebungen. Diese treten nicht unregelmäßig auf, sondern folgen einem Muster. Sie sind typisch für die Spezies und reflektieren einen Teil der inneren Struktur des Kristalls. Zu ihrer Bildung gibt es unterschiedliche Hypothesen. Eine davon geht von Ätzungen aus, die in einer späten Wachstumsphase durch die Nährlösungen erfolgte und dabei ein wenig ausheilend wirkte, um Unebenheiten auf den Oberflächen auszugleichen. Andere geben als Grund unregelmäßiges Wachstum an.

Traumhafte Heliodore aus dem Ural

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Beispiel eines normalen Tagebaus im Ural
hier Grube Orlova
Zeitgenössische Postkarte Ende 19. Jh.
Archiv Collector

Die Pegmatite von Alabashka
Das Alabashka Pegmatitfeld liegt 15 km nördlich des Dorfes Yuzhakova, nahe Ekaterinburg im Ekaterinburg Oblast. Das gesamte Lagerstättenrevier ist berühmt für feine blaue Topase, Rauchquarz und Albit von der Grube Mokrusha. Daneben gibt es eine Vielzahl von Heliodorvorkommen, welche in den Gruben Golodnaja, Tyazhitsnitza, Staraya Mylnitsa, Starzewa Jama, Mokrusha und Kazionnitsa abgebaut wurden.

Eine der schönsten Heliodorstufen wurde 1991 in der Staraya Mylnitsa-Grube gefunden. Sie besteht aus einem Aggregat parallel gewachsener Kristalle von 8,5 cm Größe auf einer Albit-Kugel. Der Kazionnitsa-Gang förderte von 1990-1993 hervorragende grüne Berylle und Heliodore, die größten erreichten Längen bis 23,5 cm. Der schönste Kristall ist lupenrein, 7 x 3 cm groß und blau-grün farbwechselnd, aufgewachsen auf flachen Rauchquarzkristallen. (zitiert: Lyckberg,P., Zagorsky, V., 2000; Min Rec.: 2)

Im Jahr 1888 fand man in Lewaschinagorka, ca. 2,5 km östlich von Alabashka, einen etwa 13 cm langen und 245 g schweren wunderschönen Goldberyllkristall, welcher über G.F. Kunz und J. Garland nach Harvard kam und heute noch zu bewundern ist. Weitere goldene Berylle kamen aus dem Distrikt Shaitanka bei Rezh.

Mursinka
Der bedeutende russische Mineraloge A. Fersman sagte einmal von Mursinka "... es ist schwierig, einen anderen Fleck auf der Welt zu finden, wo Edelsteine in größerer Menge vorkommen als beim Dorf Mursinka im Ural". Mursinka liegt 110 km nordöstlich von Sverdlovsk am Fluss Nejva, einem Nebenfluss des Irtysch. Das Bergbaugebiet erstreckt sich über 65 km südlich von Alabashka im Norden bis nach Sarapulka im Süden. Es wird umgeben von den Bergbaurevieren Reshev, Nevians und Alapaievsk.

Die Edelsteinpegmatite nordwestlich des Dorfes Mursinka liegen in Serpentiniten und enthalten Miarolen mit Turmalin. Die Pegmatite westlich und südwestlich der Ortschaft führen grüne und gelbe Berylle und verschiedenfarbige Topase. Sie wurden seit 1700 in über 100 Einzelvorkommen abgebaut. Die Gruben sind oft einfache Löcher und Schächte im Pegmatit, mit Teufen von 10 bis 40 m. Die durchschnittliche Teufe liegt bei ca. 25 m. Neben den unglaublich großen Mengen an Topas tritt stets gemeinsam Beryll auf. Die Berylle von Mursinka gehören zu den Besten ihrer Art. Sie kommen gewöhnlich in hexagonalen Prismen vor, die dominierenden Varietäten sind Goldberyll, Heliodor, Aquamarin und grüner Beryll - aber kein Smaragd.


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Grünlich-gelber Heliodorkristall
Minas Gerais, Brasilien
Gefunden etwa in den 1940er bis
1950er Jahren. War Teil berühmter
Sammlungen, darunter Dr. Bank (D),
Bill Larson (USA) und Mathhew Webb
(Australien)
Größe: 23,5 x 2 x 2 cm
Foto: Rob Lavinsky

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Ein Heliodorkristall von Edelsteinqualität
Volodarsk-Volinskii, Zitomir Oblast, Ukraine
Größe: 4,4 cm
Foto: Rob Lavinsky

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Heliodor in der Farbnuance Goldberyll
Ikalamavony Pegmatit-Feld, Matsiatra,
Provinz Fianarantsoa, Madagaskar
Größe: 5 cm
Foto: Fabre Minerals

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Heliodor mit gut ausgebildeten Kopfflächen
Aus dem altbekannten Vorkommen von Marimbaia
Padre Paraiso, Minas Gerais, Brasilien
Größe: 3 x 1,4 cm
Foto: Rob Lavinsky

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Heliodor mit Cleavelandit und Lepidolith
Lavra Limoeiro, Virgem da Lapa
Minas Gerais, Brasilien
Foto: Kevin Ward

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Heliodor
Fundort: Jenipapo Mine, Araçuai, Minas Gerais
Größe: 6,5 x 1,7 x 1,5 cm
Foto: Fabre Minerals

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Kristallisierter transparenter sehr hellgrüner
Beryll, welcher aufgrund seiner gemmologischen
Qualität als Heliodor gehandhabt wird
Volodarsk-Volinskii, Zitomir Oblast, Ukraine
Foto: Mineralsandfossils

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Heliodor mit Muskovit und einem
pfirsichfarbenen Apatit
Hunza-Tal, Karakorum, Pakistan
Größe: 16 x 21 cm
Foto: Kevin Ward
Die Echtheit der Farbe wird angezweifelt,
evtl. ein bestrahlter Aquamarin
Lyckberg,P., pers. Mttlg.)

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Goldberyll
Karoi (Urungwe), Masonaland
Simbabwe
Größe: 3,7 x 4 cm
Foto: Rob Lavinsky

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Fast brauner Heliodor (selten)
Partiell als Skelettkristalle
Erongo-Massiv, Namibia
Größe: 3,9 x 3 cm
Foto: Rob Lavinsky


Literatur

  • Bancroft.P., 1984; Gems & Crystal Treasures
  • Kaiser,E., 1912; Goldberyll von Rössing; Centr. Min., 385
  • Koschkarov,N. von, 1853; Materialien zur Mineralogie Russlands
  • Koshil, I.M. et al., 1991; Die berühmten Berylle und Topase von Wolodarsk in der Ukraine. Lapis: 10, 28-40
  • Lyckberg,P., Zagorsky, V., 2000; Gem pegmatites of the Ural Mountains, Russia. MinRec.: Mar./Apr.
  • Pavlishin, V.I., Dovgyi, S.A., 2007; Volodarsk-Volynski. Min. Alman.: 12, 12
  • Popova, V.I., Popov, V.A., Kanonerov, A.A., 2002; Murzinka. Min. Alman.: 5
  • Purington, C.W., 1916; Precious Stones in the Urals. Mining Mag.: 15, 24-25

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