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Galenit

Galenit
Galenit

Galenit-Hexaeder Sweetwater Mine (Milliken Mine), Viburnum Trend Reynold County, Missouri, USA

Dan Weinrich

Deutsch: Galenit (Umgangssprache Bleiglanz); Englisch: Galena; Französisch: Galène oder Galènite; Spanisch: Galena oder Galenita


Geschichte

Es ist nicht möglich, ein Kapitel über das Mineral Galenit (hier in der Folge mit seinem immer noch volkstümlichen Namen Bleiglanz bzw. Galena genannt) zu schreiben, ohne auf die Geschichte des Bleis und des Silbers einzugehen, zwei der wichtigsten Roh- und Werkstoffe der Menschheit.

Wie lange die Menschen schon Bleiglanz als wichtigstes Erz zur Herstellung von Blei verarbeiten, ist nicht bekannt. Da Blei u.a. als Beimengung zu verschiedenen Schmelzen benutzt wurde (z.B. zu Bronzen und beim Salz-Zementationsprozess zur Goldgewinnung), kann man davon ausgehen, dass die Eigenschaften dieses Minerals schon vor 3.000 v.Chr. bekannt waren. Andere Quellen sprechen von einer Geschichte des Bleis, die ca. 7.000 bis 9.000 Jahre v.Chr. zurückgeht.

Sicher ist, dass Bleiglanz bereits bei den Babyloniern verhüttet wurde, um Blei zu erzeugen. Im alten Ägypten (ca. 3.000 bis 500 Jahre v.Chr.) war Bleiglanz, neben Antimon, als Mineral ein begehrtes Ausgangsprodukt für Schminke. Davon zeugen unzählige Schminktafeln, welche als Grabbeigaben gefunden wurden. Wichtiger jedoch war Bleiglanz als Zuschlagstoff bei der Scheidung von Gold durch das Salz-Zementationsverfahren.

Tatsache ist auch, dass Bleiglanz eines der ersten Erze war, welches von Menschen bergmännisch abgebaut und verhüttet wurde. In der frühen Bronzezeit wurde Blei zusammen mit Antimon und Arsen verwendet, um Bronzen zu erzeugen. Letztlich setzte sich aber Zinn weitgehend durch. Eines der ersten Bleiglanz-Bergbaureviere lag in der Östlichen Wüste nahe dem Roten Meer in Ägypten (s.u. > Bergbau).

Die Geschichte des Bleiglanzes ist fast immer identisch mit der Geschichte des Silbers. Seit der Karolinger Zeit, bestimmt jedoch seit dem 9. Jh., wuchs der Bedarf an Münzsilber kontinuierlich. Als im späten 10. Jh. der Zustrom arabischer Silbermünzen nach Europa versiegte, sich jedoch gleichzeitig die Wirtschaft weiterentwickelte, wurde Bergbau auf Silber, d.h. auf silberhaltigen Bleiglanz unumgänglich. Das älteste urkundlich bekannte Bleierzbergbaugebiet in Deutschland liegt in Wittgenstein, um die Ortschaft Hesselbach (Südwestfalen). Hier wurde Bergbau auf Bleierze bereits seit dem Anfang des 9. Jahrhunderts betrieben (802-830). Silberbergwerke werden im Harz im Jahr 968 (Rammelsberg), in den Vogesen 984, im Schwarzwald 1028 und im sächsischen Erzgebirge im Jahr 1168 urkundlich erwähnt. Diese Entwicklung hielt bis zum 13. Jh. ungebrochen an. Seit Ende des 14. Jh. gab es eine große Krise des Bergbaus in Europa, welche darauf beruhte, dass man die drohenden Wasserprobleme im Untertage-Bergbau nicht lösen konnte, ebenso viele Lagerstätten schon erschöpft waren und dass es verheerende Pest-Epidemien gab.

Die weitere Entwicklung nach dem frühen Mittelalter wird im Abschnitt Bergbau aufgeführt.


Geschichte der Namensgebung

Wie das Mineral Bleiglanz zu seinem Namen kam, ist eine komplizierte Geschichte. Die alten Griechen nannten Blei molubdos bzw. molubdaina. Die alten Lateiner bezeichneten Blei als plumbum und Bleierz als molybdenam (?). Die griechische Bezeichnung molybdaina wurde bereits von Aristoteles, Theophrastos, später dann von Plinius dem Älteren und Dioskorides auf vielerlei bleiähnliche Stoffe (Bleiglanz, Blei als Erz und als Metall, später auch auf Graphit und Molybdänglanz) angewandt.

Zu dieser Zeit war das Element Molybdän noch nicht entdeckt. Zur Namensverwirrung dürfte wohl geführt haben, dass molybdaena mit "Herdblei" übersetzt wurde. Erst Scheele entdeckte 1778, dass man aus Molydänglanz (Molybdänit) im Gegensatz zum ähnlichen, oft damit verwechselten Graphit, mit Hilfe von Salpetersäure ein weißes Oxid (Molybdäntrioxid) abscheiden konnte. Aus diesem Oxid wurde 1781 erstmals elementares Molybdän hergestellt. Ab diesem Zeitpunkt fand auch die gedankliche Trennung von molybdaena zum alten lateinischen Wort plumbum, d.h. Blei, statt.

Der Ursprung des Wortes Blei ist indogermanisch und bedeutet soviel wie schimmernd, leuchtend oder glänzend.

Plinius der Ältere fand die Begriffe "plumbum nigrum" (schwarzes Blei) und "plumbum album" (weißes Blei). Beide konnten sowohl Blei als auch Zinn bedeuten. Lateinisch hieß das Metall molybdaena oder plumbum, abgeleitet von plumbeus "bleiern", "stumpf" oder "schwer". Dieses führte bestimmt nicht selten zu Verwirrungen.

Die alten Römer bezeichneten Blei als plumbum und das Erz als galena.

Dieser Name setzte sich hinfort über die Jahrhunderte als Begriff für Bleierz durch und lebt heute noch in den meisten westlichen Sprachen als wissenschaftliche Bezeichnung weiter. In der englischen Sprache heißt es nach wie vor Galena und nicht Galenit, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass die Römer, welche England von 44-410 n.Chr. besetzt hatten, große Mengen "Galena" im Norden des Landes abbauten. In der englischsprachigen Literatur wird an manchen Stellen angegeben, dass der Begriff "Galenit" - so wie in der deutschen Sprache verwendet - veraltet sei.

Die Bezeichnung Bleiglanz (dänisch blyglans, niederländisch loodglans aus lood = lead (engl. Blei) und Glanz) ist eine Wortzusammensetzung aus dem ursprünglich indogermanischen Wort bhlei (glänzen, leuchten) bzw. aus den altgermanischen Worten blio oder bliw für Blei und dem protogermanischen Glanon, Glana-n, glannion, glintan, glantian, glanta, glantio, was scheinen oder aussehen bedeutet (in altnorwegisch Glanz, in schwedisch Glana = Glanz, in altfriesisch "die glänzende", in althochdeutsch hell, glänzend, Glanz hervorbringen und in mittelhochdeutsch schimmern, glänzen, glänzend und Schimmer).

Bis in die heutige Zeit wird der Begriff Galena in den USA, England, Frankreich, Spanien und Italien oft übergangslos sowohl für das Mineral Galenit, als auch als Synonym für das Bleierz benutzt, auch wenn dieses Erz silberhaltig ist bzw. aus einer Mischung verschiedener Mineralien besteht. In Japan heißt Bleiglanz Kuroko, was soviel wie schwarzer Stein bedeutet.

Es ist kurios, dass das wichtigste Bleimineral in Deutsch Galenit und in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch Galena, Galène oder Galenita heißt, man sich jedoch bei anderen Bleiverbindungen zwischen den Vorsilben "galeno" und "plumbo" noch nicht auf einen gemeinsamen Nenner geeinigt hat (Galenobismutit, Plumbogummit).



Charakteristika und Ausbildungsformen

Galenit ist Bleisulfid (PbS). Meist sind in geringer Menge Silber (bis zu einigen Zehntel Prozent, manchmal bis 1 %) sowie Cu, Zn, Se, Bi, Fe, As, Sb, Mo, Cd und seltener Mn, U, Au, Pt und andere Elemente beigemengt, ohne dass eine chemische Substitution in der Galenitstruktur vorliegt. Diese Elemente sind durch mikroskopisch kleinste Einschlüsse bedingt (meist Argentit oder Tetraedrit). Galenit ist isostrukturell mit Clausthalit (PbSe) und Altait (PbTe).

Das Mineral spaltet perfekt in drei Richtungen nach {001}, hat eine Dichte von 7,58, eine Härte von 2,5 und einen meist hohen Metallglanz. Gealterte oder verwitterte Kristalle sind mattglänzend. Die Farbe und der Strich sind bleigrau.

Das Mineral kristallisiert im kubisch-holoedrischen System (hexoktaedrische Klasse 4/m 32/m) und gehört nach der Struktur der Galenitgruppe zum NaCl-Typ. Der Struktur liegt ein kubisch-flächenzentriertes Gitter zugrunde, wobei die Ionen in den Ecken des Würfels und im Zentrum jeder Fläche angeordnet sind, jedoch mit dem Unterschied, dass in der Struktur zwei Ionenarten beteiligt sind. Die Koordinationszahl für beide Ionenarten ist 6.

Der Habitus der Kristalle ist überwiegend kubisch (Hexaeder, Würfel, Quader), oktaedrisch oder kub'oktaedrisch, sehr selten auch Hexakisoktaeder (48-Flächner). Die häufigsten Formen sind Hexaeder {100}, Oktaeder {111}, Würfelstumpf {100}+ {111}, Kub'Oktaeder {100}+ {111}, auf {001} abgeflachte tafelige Kristalle, seltener Rhombendodekaeder {110} und Hex'oktaeder {321}, {421}, {531}, {621}. Zudem gibt es, wenn auch nicht in gleichem Umfang, zahlreiche Kombinationen, von denen Goldschmidt ca. 80 gezeichnet hat. Größere Kristalle sind oft aus subparallelen Segmenten aufgebaut. Häufig sind Zwillinge nach dem Spinell-Gesetz ({111}, Durchdringungs- oder Kontaktzwillinge), seltener sind {114} und {144}. Die Zwillingsebene {114} mit Lamellen ist Ursache für die diagonale Streifung auf Spaltflächen. Die größten bekannten Kristalle haben einen Durchmesser bis zu 1 m. Galenit kommt auch in groben und feinkörnigen Massen sowie eingesprengt (disseminiert) vor.

Galenit altert leicht durch Verwitterung und durch Anreicherungsprozesse zu anderen Bleimineralien wie Cerussit, Anglesit, Pyromorphit, Mimetesit und Phosgenit. Es ist bekannt, dass Galenit Pseudomorphosen nach den meisten der genannten Mineralien bildet. Umgekehrt bilden viele der angegebenen sekundären Bleimineralien auch Pseudomorphosen nach Galenit. Selten sind Pseudomorphosen nach Chalkosin (Chalcocit), Covellin und selbst Holz.


Kristallformen

Galenit
Galenit

Hexaeder mit Markasit Joplin, Missouri, USA

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Oktaeder; Bleiberg, Kärnten, Österreich

Peter Haas
Galenit
Galenit

Würfelstumpf {100} + {111} Viburnum Trend, Missouri, USA

Rob Lavinsky

BILD:1157276919

Hexaeder (Würfel, Quader) {100}

BILD:1157270920

Oktaeder {111}

BILD:1157338238

Würfelstumpf ({100} + {111}
(manche Autoren bezeichnen diese Kombination
auch bereits als Kub'Oktaeder)

Galenit Kub'Oktaeder
Galenit Kub'Oktaeder

Bou Skour, Marokko

Collector
Galenit
Galenit

Kub'Oktaeder Bou Skour, Marokko

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Kombination aus Oktaeder, Hexaeder und Rhombendodekaeder Grube Grimberg, Niederdielfen, Siegen-Wittgenstein, Deutschland Größe 3,4 cm

Rob Lavinsky

BILD:1157271055

Kub'Oktaeder {100} + {111}

BILD:1157271096

Andere Ansicht eines Kub'Oktaeders {100} + {111}

BILD:1158663345

Kombination Oktaeder {111} + Hexaeder {100} +
Rhombendodekaeder {110}
Zeichnung: berthold

Galenit
Galenit

Kombination aus Hexaeder mit Rhombendodekaeder Naica, Chihuahua, Mexiko

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Gleichzeitiges Auftreten von Hexaeder und Oktaeder; Matrix Dolomit Sweetwater, Ellington, Reynolds County Missouri, USA

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Zwillinge nach {111} Dal'negorsk, Primorskiy Kray Russland

Rob Lavinsky

BILD:1157276834

Kombination Hexaeder {100} mit
Rhombendodekaeder {110}

BILD:1157276895

Kombination Hexaeder {100} mit Oktaeder {111}
Idealisierte Darstellung

BILD:1157276869

Zwillinge nach {111}


Skelette, Epitaxie, geätzte und geschmolzene Kristalle

Galenit
Galenit

Würfelige Skelettkristalle mit bevorzugtem Kristallwachstum auf den Würfelkanten Tsumeb, Otavi-Bergland, Namibia Kantenlänge der Würfel bis 1,5 cm; Inv.Nr. 57/1761

TU-Berlin
Galenit
Galenit

Zeichnerische Darstellung eines Galenit-Skelettkristalls Zeichnung: Dr. Herting-Aghte

TU-Berlin

Galenit-Skelette (engl.: hopper), gitter-netzartige Skelettgerüste und selbst hohle Kristalle sind charakteristisch für bestimmte Lagerstätten. Die Skelette bilden sich infolge schnellen Kanten- und Eckenwachstums, wobei die Flächen nicht vollständig ausgebildet, bzw. ausgespart worden sind. Ursachen für die Skelettbildung sind Änderungen des Wachstumsmilieus: übersättigte Lösungen, starke Unterkühlung, schnelle Wachstumsgeschwindigkeit, erhöhte Kristallisationswärme, geringe Diffusion, instabile Wachstumsbedingungen (z.B. durch tektonische Vorgänge) sowie Fremdstoffe und Beimengungen. Netz- und federartige Aggregate, zweigartige Massen, welche an Kupfer erinnern, hohle, stalaktitische bis kurvig-heliktitische Aggregate und fischgrätenartige Äste wurden bereits 1895 beschrieben. Selten sind Aggregate kleiner Würfel, welche spiralartig wachsen.

Größere Kristalle haben oft angeätzte oktaedrische Flächen und sind nicht selten (homo)epitaktisch von kleineren Kristallen überwachsen. Es sind auch Epitaxien von Galenit auf Fluorit (Cornwall, Wölsendorf) und auf Pyrrhotin (El Hammam, Marokko) bekannt.

Manche Galenitkristalle zeigen eine stark orientierungsabhängige Störung der Oberfläche, welche durch Temperaturzunahme beim Kristallwachstum entsteht. Bei genügend hohen Temperaturen beginnt die Oberfläche sogar zu schmelzen, wobei diese Temperaturen meist deutlich niedriger als die Schmelztemperatur des gesamten Festkörpers sind. D.h., es schwimmt ein Oberflächenfilm auf dem (noch) festen Atomgitter, wobei die Dicke des flüssigen Oberflächenfilms logarithmisch ansteigt, sobald sich die Temperatur dem Tm nähert. Die Änderungen der Rekonstruktion und das Schmelzen nennt man Phasenübergänge. "Geschmolzene" Kristalle sind u.a. aus den "Rücken" der Mansfelder und Sangershäuser Kupferschiefer-Reviere (Dallosch, Bode, 1994), aus Madan in Bulgarien und aus Dal'negorsk in Russland bekannt.


Galenit
Galenit

(Homo)epitaktisches Aufwachsen von Galenitkristallen auf auf einem Galenit-Skelettgerüst Viburnum Trend, Missouri, USA

Rob Lavinsky
Galenit-Skelettkristall
Galenit-Skelettkristall

Ein angeätzter "korrodierter" Galenit-Kristall Dal'negorsk, Primorskiy Kray, Russland

Joe George
Galenit
Galenit

Galenit mit geschmolzener Oberfläche (disordering surface melting); Madan, Bulgarien.

Joe George

Madan in Bulgarien ist eine der bekannten Lagerstätten, in welcher natürlich entstandene skelettartige Galenite keine Seltenheit sind. Abweichend von allen bisher bekannten Skeletten sind jedoch diejenigen Galenitkristalle, welche in der Grube 19. September in einer limitierten Menge geborgen wurden und deren Skelettwachstum fast überbetont erscheint. Nach Aussage des Anbieters handelte es sich um einen einmaligen Fund. Über die genauen Bildungskonditionen dieser extremen "Hohlkörper" (in den US als "bird cage = Vogelkäfig bezeichnet) ist fast nichts bekannt. Diese Hohlraumkristalle erzielten exorbitante Preise auf den Märkten. Kurz nach Erscheinen dieser ausgefallenen Kristalle gab es in der US-Szene (da, wo die meisten dieser Kristalle gekauft wurde) erhebliche Zweifel an der Echtheit der Galenit-Skelette, bzw. die Vermutung, dass es sich bei den teuren Exoten um Fälschungen handelt, welche durch Sandstrahlen, durch Ätzen oder auf mechanischem Wege erzeugt wurden. Ein konkretes Herstellungsverfahren konnte bis heute nicht nachgewiesen werden. Für die unten abgebildeten Galenitskelette kann nicht entschieden werden, ob diese echt, bearbeitet oder gefälscht sind.

Galenit-Skelettkristalle
Galenit-Skelettkristalle

Grube 19. September, Madan, Bulgarien. Größe: 8,4 x 6 cm

Rob Lavinsky
Galenit-Skelettkristalle
Galenit-Skelettkristalle

Grube 19. September, Madan, Bulgarien; Größe: 5,4 x 3,6 cm

Rob Lavinsky
Galenit-Skelettkristalle
Galenit-Skelettkristalle

Grube 19. September, Madan, Bulgarien; Größe: 3,6 x 2,7 cm

Rob Lavinsky

Literatur

  • Dallosch,B., Bode,R.; 1994; Die Mineralien des Harzes
  • Frenken, J.W.M., van der Veen, J.F., 1985; Observation on Surface Melting; Phys. Rev. Lett.:54, 134-137
  • Pluis,B., Denier van der Gon, A.W., Frenken, J.W.M., van der Veen, J.F., 1987; Crystal-Face Dependence of Surface Melting; Phys. Rev. Lett.:59, 2678-2681
  • Strunz,H., Seeliger,E., 1964; Epitaxie von Bleiglanz auf Flußspat von Cornwall und Wölsendorf; Aufschluss:15, 91-93
  • Skelettkristalle aus Madan: http://www.mindat.org/article.php/977/Exploration+of+the+Hollowed+Galenas

Erkennung und Nachweis

Galenit ist an der Farbe, dem Glanz und den charakteristischen Spaltflächen nach dem Würfel erkennbar. Er schmilzt leicht vor dem Lötrohr (1.100 °C); mit Soda ergibt er ein Bleikorn. Das Mineral löst sich leicht in Salpetersäure und gibt dabei einen weißen Niederschlag infolge teilweiser Oxidation beim Lösen.


Verwendung

Bleiglanz als Mineral dient seit dem Altertum zur Herstellung von Schminken sowie als billige Glasur für Töpferware.

In Ägypten, in Vorderasien, in der Türkei und in Nordafrika war pulverisierter Bleiglanz (ägyptisch Khol, arabisch Khul, türkisch rastik, sürsemi oder sürme) ein wichtiges Kosmetikum in Form von Schminke, Augen-Makeup und als Lidschatten (Kajal). Mischungen aus Bleiglanz, Schwefel und Tierfett wurden als Heilmittel gegen Augenentzündungen verwendet. Selbst im heutigen modernen Marokko kann man in den Basaren nach wie vor Khol (Khul, Khool) in Form kristalliner Brocken oder als Pulver kaufen. Aus Proben von in ägyptischen Gräbern gefundenem Schminkpuder sind bei starker Vergrößerung scharf ausgebildete natürliche Bleiglanzkristalle zu erkennen. Interessant ist, dass bei Analysen dieser Proben im Synchrotron von Grenoble nicht nur Bleiglanz (Galenit), sondern auch auf der Basis von Bleioxid mittels Säuren und Salzen chemisch hergestellter Cerussit, Phosgenit und Laurionit analysiert wurde.

Metallisches Blei aus Bleiglanz war im alten Ägypten ein wichtiger Zuschlagstoff bei der Gewinnung von Gold durch das Salz-Zementationsverfahren.

In Babylon, Anatolien und Griechenland wurde Blei als Beimengung zum Herstellen von Bronzen und für Bleigefäße verwendet. Der griechische Historiker Herodot (484-425 v.Chr.) beschrieb, dass Blei beim Brückenbau zur Befestigung von Eisen- und Bronzeklammern und als Füllmittel zum Fugen von Mauerwerk verwendet wurde. Mörtel war zu dieser Zeit noch nicht bekannt.

Im römischen Reich bestanden die Wasserversorgungs- und Kanalisationssyteme aus Bleirohren, was verschiedentlich zu der Annahme geführt hat, dass das römische Reich letzthin durch Bleivergiftung zugrunde ging. Bleiplatten wurden als Dachabdeckungen benutzt. Im Bauwesen setzte man Blei zum Ausfüllen von Fugen und bei der Befestigung von Säulen sowie Bronze- und Marmorstatuen ein. Bleikugeln wurden als Schleudergeschosse verwendet. Bleischichten dienten zur Abdichtung von Fugen beim Schiffsbau und Fassreifen. Zahnlücken wurden mit Plomben (s. Name "plumbum") gefüllt.

Seit fast 5.000 Jahren ist Bleiglanz aber auch das wichtigste Erz, aus welchem Silber gewonnen wurde (s.u. > Bergbau).

Das beim Silberherstellungsverfahren als Zwischenstufe gewonnene Werkblei bildete, sobald man es etwas über seinen Schmelzpunkt erhitzte, gelbes Bleioxid, welches in Pulverform als Bleiglätte zum Glasieren von Tonwaren, zur Herstellung von Bleiglas und als Firnis (?) verwendet wurde.

Aus andauernd erhitztem Bleioxid (300 bis 400 °C) gewann man Mennige, das als Deck- und Schutzanstrich für Eisen benutzt wurde. Das Bleioxid PbO2 (früher Bleisuperoxid) diente als Oxidationsmittel bei der Herstellung von Zündhölzern. Bleiacetat oder Bleizucker, eine höchst toxische Verbindung, wurde in der Färberei, in der Textildruckerei und zur Zubereitung von Firnis für Farben benutzt. In den vergangenen Jahren wurde die Verwendung bleihaltiger Farben auf der Basis von Bleiacetat, Bleicarbonat und Bleichromat aufgrund des Risikos von Bleivergiftungen weitgehend aufgegeben.

Blei wurde zum Verglasen von Kirchenfenstern und zur Abdeckung von Gebäuden benutzt. Mit der "Neuerfindung" des Schießpulvers in Europa entwickelte sich parallel eine neue Waffentechnik - Bleikugeln waren gefragt. Nach dem 30-jährigen Krieg kam ein neuer Bleiboom auf, insbesondere für Bleiabdeckungen und Bleibekleidungen. Allein für das Schloss in Versailles wurden 100.000 m2 verwendet. Auch der Kölner Dom erhielt zu großen Teilen eine Bleibedeckung.

Als um 1450 die Buchdruckkunst auf metalltechnische Verfahren umgestellt wurde, setzte man die Druckformen aus beweglichen Bleilettern zusammen. Hinzuweisen ist hierbei auch auf die anfängliche Verwendung von "Bleistiften" zu Zeichenzwecken, die jedoch recht bald schon durch die auch heute noch gebräuchlichen Graphit-Tonminen ersetzt wurden.

In der heutigen Zeit wird Blei als Hartblei für Akkumulatoren, als Bleilagermetall für Achsenlager, als Schriftmetall für Buchdruckplatten (nur noch selten) sowie als Blei-Kupferlegierung zur Herstellung von Kabelummantelungen, Isolierungen und Rohrleitungen verwendet. Bleiplatten dienen als Strahlenschutzmaterial (u.a. Strahlenschutz-Schürzen beim Röntgen), verschiedene Bleioxide und Bleicarbonate als Pigmente. Bleiglanz-Kristalle wurden in Detektor-Empfängern (sog. Kristall-Detektoren) als Elektroden (Anoden) benutzt. Die ebenfalls bis vor gar nicht allzulanger Zeit bekannten Zusätze von Bleitetraethylen als Antiklopfmittel im Benzin werden aufgrund ihrer Toxizität nicht mehr eingesetzt.


Toxizität - Ist Bleiglanz giftig?

Das Mineral Galenit (Bleiglanz) ist nicht giftig, da seine Löslichkeit in Wasser ausgesprochen gering ist! Auch der sporadische Kontakt mit metallischem Blei ist in der Regel ungefährlich, da Blei in Metallform an der Luft bzw. durch Reaktion mit Kohlensäure im Wasser sehr schnell eine Patina aus schwerlöslichem Bleicarbonat bildet, welche eine natürliche Schutzschicht darstellt.

Bei der Bleivergiftung (lat.: Saturnismus, Saturnialismus) handelt es sich um eine Vergiftung durch die (tägliche) Aufnahme von metallischem Blei oder von Bleiverbindungen durch die Nahrung, durch Inhalation oder über die Haut. Die Symptome der Krankheit sind ein gestörtes Blutbild, Schwindel, Bauchschmerzen, Erbrechen, Sterilität, Schädigung des zentralen Nervensystems, Wahnsinn und Nierenversagen.

Die häufigsten historischen Ursachen von Bleivergiftungen waren der bleihaltige Staub, den die Bergleute beim Abbau von Bleierzen einatmeten, weshalb auch zumeist Sklaven für diese Arbeiten eingesetzt wurden. Besonders aber war der Hüttenrauch, der beim Rösten des Bleierzes entstand und über längere Zeit durch Inhalation oder über die Haut in den Organismus gelangte, der Grund für schwerwiegende Bleivergiftungen. Plinius der Ältere (1. Jh. n.Chr.) berichtet in seiner "Naturalis Historia": "Wenn das Blei geschmolzen oder geglüht wird, so darf man die aufsteigenden Dämpfe nicht einatmen, weil sie so schädlich sind, dass sie sogar den Tod herbeiführen und dass Hunde unverzüglich daran eingehen".

Es existiert die Auffassung, dass der Untergang des römischen Reiches auf die anhaltende Vergiftung durch das Trinken von bleisalzhaltigem Wasser zurückzuführen sei, da das reichsweite Wasserleitungssystem aus Bleiröhren bestand. Auch der römische Kaiser Nero, der Rom in einem Wahnanfall angezündet haben soll, könnte wohl ein Opfer der Bleivergiftung gewesen sein. Tatsache ist auch, dass sehr viele männliche Aristokraten unfruchtbar waren. Das Wasser allein dürfte kaum die Ursache der Vergiftungen gewesen sein; es ist bekannt, dass die Römer bei gewissen Feierlichkeiten die Wasserleitungen mit Wein füllen ließen, wodurch Blei(II)acetat entstand und dieses die eigentliche Ursache für die Erkrankungen war. (Blei(II)acetat, ein süßlich schmeckendes Salz der Essigsäure, wurde noch bis zum 19. Jh. unter dem Namen Bleizucker als Zuckerersatz verwendt, u.a., um damit Wein zu panschen).

Eines der berühmtesten Opfer der Bleivergiftung war Ludwig van Beethoven, welcher Berichten zufolge über Jahrzehnte bleihaltiges Wasser bei seinen Kuraufenthalten in der Eifel getrunken haben soll (was kaum glaublich ist, da das kohlensäurehaltige Wasser mit in den Bleirohren ungiftiges Bleicarbonat als Schutzschicht bildete, > s.o.); wahrscheinlicher ist, dass Beethoven mit Bleizucker gesüßten Wein getrunken hat). Wieviele Fälle von Saturnismus es in der über 5.000 Jahre alten Geschichte des Bleis gab, ist kaum erforschbar.

Seit Beginn der industriellen Revolution, d.h. seitdem die chemische, die Maschinen- und Motorenindustrie große Mengen Blei verarbeiten, sind bleihaltige Farben, z.B. Mennige, das Bleitetraethylen als Kraftstoffzusatz (seit 1920), Altöl von Motoren, welche bleihaltiges Benzin verbrennen, Schmierfette, Batterien, bleihaltige Wasserleitungen, Linoleumböden, Druckerschwärze, Bleiglasuren, Industrieemissionen und die dadurch bleiverseuchten Böden, Weiden und Gewässer die häufigsten Quellen der Bleivergiftung.

Neuere Bleivergiftungsfälle aus Deutschland waren in den 1970er Jahren die Gressenicher Krankheit und die sogenannten "Bleikinder", beide aufgetreten im Raum Stolberg bei Aachen. Die Gressenicher Krankheit, benannt nach dem Stolberger Ortsteil Gressenich, ist eine Vergiftung von Kühen durch blei- und cadmiumhaltiges Weidefutter, welches durch Niederschläge der Bleihütte Binsfeldhammer belastet wurde. Mit Bleikinder bezeichnet man ein in Stolberg aufgetretendes Krankheitsbild von Kindern mit hohem Bleianteil im Körper.

Literatur

  • Lewis, J., 1985; Lead poisening - a historical perspective; EPA-Journal, May 1985; update July 2006.
  • Stöven, D., 1974; Blei als Umweltgift. Die verdeckte Bleivergiftung - ein Massenphänomen ?
  • http://www.vetpharm.unizh.ch/Clinitox; 2005; Blei und Bleiverbindungen; Allgemeine Toxikologie


Vorkommen, Paragenesen und Lagerstätten

Galenit ist das häufigste Bleimineral in der Erdkruste und eines der häufigsten Sulfidmineralien. Das Mineral tritt sowohl sedimentär als auch hydrothermal (dabei oft in großen Massen und fast immer paragenetisch mit Sphalerit, gegen welchen er jedoch gewöhnlich an Menge zurücktritt) sowie seltener in Pegmatiten auf. Die Hauptvorkommen sind in unregelmäßig geformten kontakt-metasomatischen Lagerstätten zu finden, in Lösungshohlräumen und brekziierten Zonen in Kalksteinen und/oder als Imprägnationen (sehr große Kalkstein- oder Dolomit-Verdrängungslagerstätten in Mexico), sowie in Lagerstätten vom Mississippi Valley-Typ. Für diesen Typ stehen die weltgrößten Galenit-Vorkommen im Tri-State District zwischen Oklahoma, Missouri und Kansas, im Viburnum Trend in Missouri und in Wisconsin, gelegen in den USA. Die wichtigsten Begleitmineralien in den oben genannten Lagerstätten-Typen sind Sphalerit, Markasit, Pyrit, Chalkopyrit, Fluorit, Baryt, Dolomit und Calcit.

Von großer Bedeutung sind auch hydrothermale, in der Regel gangförmige Blei-Zink-Lagerstätten, sehr häufig zusammen mit Pyrit, Chalkopyrit, Sphalerit, Tetraedrit, Silbermineralien, Quarz und Baryt. Hierzu gehören auch die sogenannten Knottenerze, d.h. 0,5-6 cm dicke Konkretionen von Quarzkörnern, die mit Galenit verkittet sind. Bekannte Lagerstätten sind die Bleierzvorkommen in der Eifel wie der Maubacher Bleiberg.

In hochtemperierten und in Verdrängungslagerstätten kommt Galenit zusammen mit Granat, Diopsid, Aktinolith, Biotit, Rhodonit und Feldspat vor. Seltener sind kontaktmetamorphe Lagerstätten.

Im Zuge der Verwitterung durch Oxidation bedeckt sich Galenit mit einer Kruste von Anglesit (PbSO4), die von der Oberfläche her in Cerussit (PbCO3) übergeht. Diese Überzüge verhindern den weiteren Zutritt oxidierender Stoffe. Solche derben, oft beulenförmigen Galenit-Massen kommen oft im Ausgehenden der Lagerstätten zusammen mit Tonanschwemmungen und sogar in Seifenlagerstätten vor.


Bergbau und Verhüttung von Bleiglanz

Galenit
Galenit

Rösten des Bleierzes Agricola,G.; De re metallica (1556)

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Galenit
Galenit

Scheiden von Silber durch Saigern Agricola,G.; De re metallica (1556)

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Galenit
Galenit

Das Blei-Silbererzrevier Rammelsberg oberhalb der Reichsstadt Goslar mit Schachtanlagen, Göpelhäusern und dem Erbstollen; Ansicht 1606 Quelle: Brueckmann,F.E., 1730; Magnalia dei locis subterannei...

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Galenit
Galenit

Abbau von Bleiglanz im Bleigang "Galena Fissure" Old Jordan Mine, Salt Lake County, Utah, 1900 Foto: Public Domain USGS, Plate 39

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Bleibergbau von der Antike bis zu den Römern

Zu den ältesten Revieren, in welchem Bleiglanz schon vor etwa 3.000 Jahren v.Chr. bergmännisch abgebaut wurde, gehört der Berg Jebel Zeit in der Östlichen Wüste, nahe dem Roten Meer in Ägypten (s.o. > Geschichte). Die alten Griechen bauten Bleiglanz und Kupfer auf den Inseln Rhodos und Zypern ab. Um etwa 1.500 v.Chr. begann der Silber-Bleibergbau in Attika, der Lavrion-Bergbau blühte um 450 v.Chr. unter Perikles. In diesem Zeitraum entstanden auch erste Berggesetze.

Eine Hochblüte des Bleierz-Bergbaus gab es zu römischer Zeit zwischen dem 5. Jahrhundert v.Chr. und dem 3. Jahrhundert n.Chr. Einerseits war die Nachfrage nach Blei enorm, wobei das Metall hauptsächlich für Wasserleitungssysteme, Dachplatten und für Munition verwendet wurde. Andererseits gab es einen hohen Bedarf für Silber, welches bereits zu römischer Zeit Währungsgrundlage war. Bestimmten Quellen zufolge war der hohe Bleibedarf ein Grund für die römische Besetzung Britanniens und Cornwalls von 44-410 n.Chr.

Große Mengen Bleiglanz wurden von den Römern im 1. und 2. Jahrhundert n.Chr. in Spanien, Gallien und Britannien gefördert.

Auch im römischen Belgica (Aachen, Stolberg) und in Germanien (Nideggen in der Nordeifel, Kall bei Mechernich, Wiesloch im Kraichgau, sowie Badenweiler und Sulzburg im Schwarzwald) bauten die Römer bis zu ihrem Rückzug nach der Varusschlacht silberhaltiges Bleierz ab. Überreste der Metallproduktion sind von zahlreichen anderen Stellen in Deutschland bekannt.

Die negative Bilanz dieser römischen Blei-Jahrhunderte ist, dass Bleivergiftungen durch Bleihüttenrauch und blei-kontaminiertes Trinkwasser nicht unerheblich am Untergang des römischen Reiches beteiligt waren. Eiskerne aus Grönland zeigen aus dem o.a. Zeitraum einen messbaren Anstieg des Bleigehaltes in der Atmosphäre.

Bleibergbau im Mittelalter (7. - 15. Jahrhundert)

Nachdem die Römer Britannien verließen, wurde noch bis zum 9. Jahrhundert in Derbyshire Bleiglanz zur Erzeugung von Blei abgebaut. Ab dem 12. Jahrhundert, unter der Herrschaft der Engländer und Normannen und der beginnenden Bedeutung von Silber als Münzmetall, begann eine zweite Phase: der Bergbau auf silberhaltigen Bleiglanz in Cumbria (Alston Moor) und in Yorkshire. Im 13. Jahrhundert waren die Silbergruben erschöpft und Bleiglanz wurde nur noch in Alston Moor abgebaut.

Die aufblühende Wirtschaft Europas verlangte nach großen Mengen Silber und Blei. Dieses beruhte einerseits auf der Einführung eines einheitlichen Währungssytems auf Basis silberhaltiger Denare oder Pfennige, andererseits auf die Verwendung von Blei für Kirchendächer, Fensterverglasungen, Wasserleitungen und Salzsiedepfannen. Silberhaltiger Bleiglanz wurde zu Zeiten des damaligen Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation im Harz, dem Vogtland, im Erzgebirge, im Siegerland, in Wittgenstein, der Eifel, im Kraichgau und im Schwarzwald, den Vogesen, in Salzburg, Kärnten, der Steiermark, in Slowenien und in der Toskana abgebaut. Es war die hochmittelalterliche Blüte des deutschen Bergbaus. Aber auch die benachbarten Königreiche Polen, Ungarn, Slowakei und Serbien förderten beachtliche Mengen Bleierz. Im Jahr 1540 machte die deutsche Silbergewinnung mit 50.000 kg pro Jahr mehr als 80% der europäischen Produktion aus. Zu den damals berühmtesten Bergrevieren gehörte der Rammelsberg bei Goslar. Dort bestand der Bergbau schon seit dem 10. Jahrhundert, die Gründung der Stadt Goslar ist auf das Jahr 922 datiert. Agricola schrieb 1556, dass die Bleiwerke in Goslar "schon an die 600 Jahre unerschöpft Erz förderten".

Interessant ist, dass Blei auch im mittelaterlichen Indien und China nicht unbekannt war. Es wurde zum "Silberreinigen" und als Heilmittel verwendet. Aus China sind Münzen aus gegossenem Blei bekannt.

Bleibergbau seit der Zeit des Absolutismus bis zur Moderne

Mit dem überwältigenden Interesse an Naturwissenschaften und dem folgenden Beginn der industriellen Revolution im 18. Jahrhundert, sowie der Entwicklung technisch-chemischer Produkte, stieg der Bedarf an metallischem Blei. In der Bergschule Freiberg lehrte man zukunftsorientiert Bleibergbau und Verhüttung. Die Bleiindustrie im frühen bis ausgehenden 19. Jahrhundert wuchs mit der Entwicklung der chemischen, der Motoren- und Maschinenindustrie, welche die größten Abnehmer waren. In dieser Zeit gehörte Deutschland zu einem der größten bleiproduzierenden Länder der Erde.

Der Bleibergbau wurde weltweit intensiviert. Um 1859 erfand der Franzose Gaston Planté Bleizellen zur Speicherung elektrischer Energie. Der Siegeszug von Batterien und Akkumulatoren begann.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die USA der weltweit größte Produzent von Bleiglanz, welcher schon seit dem 17. Jahrhundert in den Blei-Zinkerz-Lagerstätten in Wisconsin gefördert wurde (Upper Mississippi Lead-Zinc District).

Die aktuell größten Produzenten von Blei sind die USA, China, Australien und Peru. Im Jahr 2003 wurden weltweit fast 3 Millionen Tonnen Blei erzeugt.

Verhüttung von Bleiglanz

Bleiglanz war und ist das wichtigste Bleierz zur Gewinnung von Blei als Metall, dass im Altertum zur Scheidung von Gold durch das Salz-Zementationsverfahren benötigt wurde und vom Mittelalter bis zur Renaissance auch als Blei-Silber-Legierung zum Abscheiden von Silber aus Kupfererzen verwendet wurde. Dazu ein Zitat aus Liebig, Poggendorf, Wöhler, 1842-1864: "Silberhaltiges Kupfer wurde mit Blei zusammengeschmolzen, um durch Absaigern das Silber mit dem Blei abfließen zu machen".

Das älteste Verfahren zur Bleigewinnung war die Röstung des Bleiglanzes im Flammofen, um es möglichst vollständig in Bleioxid zu überführen. Das geröstete Erz wird mit geeigneten Zuschlägen geschmolzen und zu Metall reduziert. Das aus den Erzen gewonnene rohe Blei, das Werkblei, enthält etwas Silber und wird von diesem getrennt, indem man das Werkblei auf einem Treibherd unter beständigem Luftzutritt verbrannte, (Zitat) "bis das metallische Silber unter dem abfließenden Bleioxid als Silberblick hervorleuchtete". Dieses auch als Abtreiben, Treibarbeit oder Kupellation bezeichnete Verfahren war der bekannteste Prozess, um Gold und Silber aus Legierungen mit unedlen Metallen abzutrennen. Der Silbergehalt von Bleierzen wurde durch das Probierwesen bestimmt, wobei man das zu prüfende verunreinigte Metall mit etwa der doppelten Masse an Blei im sogenannten Probierofen bis zu einer Oxidschmelze schmolz (Bleioxid), diese von der Kupelle, einem tiegelartigen Gefäß aus porösem Material aufgesaugt wurde und das Silber als kleine Perle, dem Blicksilber, Güldischsilber oder Regulus zurückblieb.

Auch bei modernen Verfahren wird metallisches Blei durch das Röstreduktionsverfahren gewonnen, wobei klein gemahlenes Bleierz mittels Luftzufuhr geröstet und oxidiert wird. Das dabei entstehende Bleioxid wird in einem Schachtofen mit Koks (bzw. Kohlenmonoxid) unter Hinzugabe von Kalk als Flussmittel reduziert. Das erhaltene Blei sammelt sich im unteren Teil des Ofens, darüber schwimmt eine leichtere Schlacke. Beim Röstreaktionsverfahren wird nur ein Teil des Bleierzes geröstet; ein Teil des entstehenden Bleioxids dient zur anschließenden Reduktion des Bleisulfids. (tw. zitiert (htpp://www.seilnacht.com/Lexikon/82Blei.htm))

Weitere Verfahren zur Bleigewinnung sind der Huntington-Heberlein-Prozess (Schwimmsinkverfahren mit Schaumflotation) und der Lyster-Prozess, bei welchem Galenit und Sphalerit bei niedriger Temperatur mittels Eukalyptusöl oder einem Schaumbildner getrennt wird.

Literatur

  • Agricola, G., 1556; De re metallica libri XII
  • Cameron, A., Mitchell,M., (Hrsg.), 1988; Lakeland's Mining Heritage
  • Healy,J., 1978; Mining and metallurgy in the Greek and Roman world
  • Liebig, J., Poggendorf, A., Wöhler,G., 1842-1846; Handwörterbuch der reinen und angewandten Chemie
  • Narahari; 1235-1250; Raganighatu (König der Wörterbücher mit einem umnfangreichen Kapitel über die Eigenschaften der Mineralien)
  • Plinius d.Ä., 77-84 n. Chr.; Naturalis Historia; Buch 32 (Kupfer, Eisen und Blei)
  • Postlethwaite,J., Moss, W.H., 1913; Mines & Mining in the Lake District
  • Radenbach, T.: Der Bergbau im ,,Hesselbacher Revier", in: Wittgenstein. Blätter des Wittgensteiner Heimatvereins e. V., Bd. 75 H. 3, Jahrg. 99, Bad Laasphe 2011, S. 93-107
  • Rebrik,B.M., 1987; Geologie und Bergbau in der Antike
  • Steuer,H., Zimmermann,U. (Hrsg), 1993; Alter Bergbau in Deutschland
  • Suhling,L., 1983; Aufschließen, Gewinnen und Fördern: Geschichte des Bergbaus
  • Weir, H.E., 1989; Mining in Cumbria: A bibliography


Synonyme, Varietäten, Verwechslungen

  • Acerilla
  • Allquifoux
  • Black Jack(engl., auch als falscher Galenit bezeichnet; alter eng. Bergmannsausdruck für Sphalerit)
  • Blaubleierz (Pseudomorphose von Galenit nach Pyromorphit/Plumbein)
  • Bleiglanz (veralteter, jedoch noch immer häufig verwendeter Name für das Mineral Galenit)
  • Bleiglätte (Bleioxid, welches beim Rösten von Galenit entsteht)
  • Bleigummi (Bleiphosphat mit Silikat; Bretagne, Rhone, Frankreich)
  • Bleihornerz (Hornblei, Kerasin) (Phosgenit)
  • Bleilasur (Linarit)
  • Bleischweif (kryptokristalline Galenit-Massen; oft durch den Gebirgsdruck dünnplattig ausgewalzter Galenit, häufig auch ein sehr feinkörniges bis dichtes Aggregat, welches aus Rekristallisation hervorgegangen ist)
  • Blue Lead Ore (engl., Kein Blaubleierz (s.o.), sondern ein bläulich aussehender Galenit)
  • Carne de Vaca
  • Harrisit (Chalkosin pseudomorph nach Galenit)
  • Johnstonit (Gemisch von Galenit, Anglesit und/oder Schwefel)
  • Kobellit (Galenit, verwachsen mit Bismuthinit oder Stibnit)
  • Knottenerz (mit Blei und Cerussit durchdrungener Sandstein; Eifel)
  • Parakobellit
  • Plumbein (Pseudomorphose von Galenit nach Pyromorphit/Blaubleierz)
  • Pot Ore (oder Potter's Ore) (engl., blättriger Galenit)
  • Richmondit (ein Gemenge aus silberhaltigem Tetraedrit, Galenit, Sphalerit, Chalkopyrit, Pyrit und wahrscheinlich Stromeyerit)
  • Sanderz (syn. mit > Knottenerz)
  • Selen-Galenit (Selen-haltiger Galenit; Pb(S,Se))
  • Silber-Galenit (Gemisch aus Galenit und Silber)
  • Steinmannit (von Pribram; mit ZnS und PbAs gemengter Galenit)
  • Uran-Galenit (Galenit, welcher Pb206 enthält, welches beim radioaktiven Zerfall von U238 entsteht)

Galenit - eines der ältesten Sammlermineralien

Galenit
Galenit

Eine der ältesten Darstellungen einer Galenit-Stufe von Pompéan, Rennes, Bretagne, Frankreich aus der Sammlung des Abtes P.C. Nolin (1717-?) aus Gauthier d'Agoty "Histoire Naturelle Règne Mineral...

Archiv: Peter Seroka (Collector)
Galenit
Galenit

Eine historische Galenit-Stufe, gefunden etwa um 1850 aus der berühmten Sammlung Carl Bosch (1874-1940), danach Smithsonian Institute (Washington,D.C.) Neudorf, Harz; Größe 9 cm

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Sammlungsetikett Seiner Königlichen Hoheit des Erzherzogs Stephan von Habsburg-Lothringen (1817-1867) einem der berühmtesten Mineraliensammler seiner Zeit, nach welchem das Mineral Stephanit benan...

Mineralogical Record Label Archive
Galenit
Galenit

Etikett der Königlich-Sächsischen akademischen Mineralienniederlage Freiberg (um 1835-1845) Pseudomorphose von Galenit nach Pyromorphit von Kautenbach (rep. Traben-Trarbach, Mosel)

Rob Lavinsky

Es ist bedauerlich, dass außer sehr wenigen Exemplaren, darunter Silber aus dem berühmten Schneeberger Fund von 1477, fast keine Mineralien aus der Hochblütezeit des spätmittelalterlichen Bergbaus überlebten. Das Sammeln von Mineralien begann erst im 16. Jahrhundert. Die wohl umfangreichsten Kollektionen waren die von Agricola, Mathesius, Palissy, Gesner und Kentmann.

Es ist davon auszugehen, dass Galenit, da er oft in schönen Kristallen vorkommt, eines der beliebtesten Sammlermineralien war. Mit dem Erwachen und dem regen Interesse an Naturwissenschaften im ausgehenden 18. Jahrhundert bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts (dem "heroischen Zeitalter der Mineralogie") gehörten Galenitstufen aus Deutschland, England, Frankreich, sowie aus Ungarn und Transsylvanien (Rumänien) in jede der damalig 57 berühmtesten Sammlungen. Dazu zählten die von John Stuart mit mehr als 100.000 Stufen, Gibbs, Haüy, Werner, Richter, Goethe, Wad, Bournon, Gigot d'Orcy, Jean Romé de l'Isle, Born, Sowerby, Rashleigh, Crichton, Smithson, sowie zahlreiche schillernde Gestalten aus dem Hochadel, dem Militär und dem Klerus. Belegt wird dies durch die Kataloge, bzw. Sammlungsverzeichnisse der jeweiligen Sammler und die ersten Zeichnungen und Kupferstiche von Galenitstufen (u.a. sehr schöner Galenit von Derbyshire aus der Sammlung von Sowerby).

Leider sind auch von diesen Stufen nur wenige erhalten geblieben, was zum großen Teil den politischen Wirren während der französischen Revolution und deren Auswirkungen auf das übrige Europa und den Zerstörungen von Museen und privaten Sammlungen in den großen Kriegen des 19. und 20. Jahrhunderts zuzurechnen ist.

Aus Sicht der Mineralien-Historiker kamen die weltweit berühmtesten Galenit-Kristalle aus Neudorf im Harz, wo sie in hochglänzenden, modellhaften dreidimensionalen Formen wie aus dem Lehrbuch auftraten. Eine dieser berühmten Stufen aus der prächtigen Sammlung von Carl Bosch (1874-1940) ist nebenstehend abgebildet. Neudorf bildet den Galenit-Qualitätsstandard seit 300 Jahren, wenngleich seitdem und lange, nachdem dieses Vorkommen aufgelassen war, viele perfekte Kristalle und spektakuläre Stufen aus den USA, Peru, Polen, Rumänien und Bulgarien für den Sammler verfügbar wurden.



Bekannteste Fundorte für sehr gut ausgebildete Galenitkristalle

Australien
Broken Hill

Brasilien
Bahia (San Antonio)
Sao Paulo (Pedreira Brancal)

Bulgarien
Madan, Rhodopen

Deutschland
Emser Gangzug, Bad Ems, Rhein-Lahn-Kreis
Erzgebirge: Freiberger Revier, Zschopau
Harz: Neudorf, St. Andreasberg, Zellerfeld
Sauerland: Ramsbeck, Meggen, Becke-Oese
Siegerland: Grube Grimberg, Niederdielfen
Eifel : Grube Wohlfahrt, Rescheid

England
Cornwall: Herodsfoot Mine, Lanreath, Menheniot, Liskeard; Truro
Cumbria: Alston Moore, Caldbeck Fells, Smallcleugh Mine
Derbyshire (Cromford, Matlock, Bonsall, Elton)
Durham (Weardale)
Isle of Man
Northumberland
Scotland

Frankreich
Bretagne
Rhone

Grönland
Black Angel Mine, nahe Maarmorilik, 500 km N vom N-Polarkreis

Irland
Mogul Mines, Tipperary

Italien
Sardinien (Iglesias Bergbaurevier)
Toskana

Kanada
British Columbia (Revelstoke district)
Northwestern Territories (Polaris Mine, Cornwallis Island)
Ontario (Silver Islet, O'Brien Mine)

Kosovo
Trepca (Stari Trg)

Marokko
Aouamme
Aouli-Sidi Ayad / Sidi Said Bergbaurevier Haute Moulaya
Touissit-Bou Beker Bergbaurevier

Mexiko
Chihuahua: Naica

Namibia
Tsumeb

Österreich
Kärnten: Hochobir (Bleibergbau seit Jahrtausenden)
Tirol

Peru
Huaron: Mina Animon

Polen
Gruben Boleslaw, Olkusz und Pomorzany, Bytom (Beuthen), Slaskie (Schlesien)

Rumänien
Cavnik, Maramures
Herja, Maramures
Turt, Satu Mare

Russland
Altai
Primorskiye Kraj: Grube Nikolaevskii, Dal'negorsk
Ural

Spanien
Alpujarras

Tschechien
Pribram

Ungarn
Rudabanya

Türkei Akdagmadeni, Zentralanatolien (gute Kristalle in Skarnen)

Ukraine
Beregovo (silberhaltiger Bleiglanz als Haupterz, skelettartige und blockige Kristalle)

USA
Arizona (Flux- und Iron Gap MInes)
Colorado (Leadville district; Bachelor-, Commodore-, Bird-, Wellington- und Joe Wheeler Mines)
Connecticut (Thomaston Dam, Litchfiled County)
Illinois (Hardin County Fluorit-Provinz)
Missouri (Viburnum Trend; Sweetwater (Milliken) Mine)
New Mexico (Caballo Mountains, Grant- und Santa Fe Counties)
New York (Rossie)
Tennessee (Elmwood, Carthage County - Zink-Lagerstätten)
Tri-State District (Missouri, Kansas, Oklahoma) (Joplin, Reynolds, Picher)
Wisconsin (Grant-, Iowa- und Lafayette Counties; Galenit ist das "Nationalmineral" von Wisconsin)


Deutschland

Galenit
Galenit

Emser Gangzug

Michael Berghäuser (michael berghäuser)
Galenit
Galenit

Becke-Oese, Sauerland

kraukl
Galenit
Galenit

Galenit-Oktaeder und Würfel auf Dolomit; Grube Willibald, Ramsbeck, Sauerland, Deutschland; Kristalle bis 1 cm; gefunden 1937; ehemalige Sammlung Kraft

Peter Haas
Galenit
Galenit

Meggen, Sauerland

Marcus Lueg

Über den Abbau der schier unzähligen Lagerstätten und die Verhüttung von Bleierz in Deutschland zu schreiben, käme einem Buch zur Erzgewinnung gleich. Blei-Silber-Zinkerz-Bergbau fand schon zur Zeit der römischen Besetzung Germaniens statt. U.a. sind der Abbau der Galenit-Vererzungen des Muschelkalks bei Wiesloch im Kraichgau (ca. 64 - 244 n.Chr.), bei Badenweiler und Sulzburg im Schwarzwald und bei Nideggen, Kall und Mechernich in der Eifel zu nennen.

Bleiglanz wurde, mit wenigen Ausnahmen, bis zum ausgehenden Mittelalter zur Gewinnung von Silber und Gold verwendet, d.h., das Blei, welches bei der Bleiverhüttung im reduzierenden Schmelzen anfällt, wurde im Treib- oder Kupellationsverfahren (s.u. > Verhüttung von Bleiglanz) als Reich- oder Werkblei zur Scheidung von Silber benutzt. Dabei macht man sich die Eigenschaft von flüssigem Blei zunutze, Edelmetalle wie Silber, Gold und Platin scheiden zu können. Im Saigerprozess gewann man Silber aus Kupfererzen, indem man silberhaltiges Rohkupfer mit Blei in einem Gebläseschachtofen verschmolz, zu Saigerstücken goss und diese auf offenes Holzfeuer legte, bis das Blei mit dem darin gelösten Silber schmolz. Das erhaltene Blei wurde wiederum als Werkblei in den Treibprozess (s.o.) zurückgeführt.

Der Silberbergbau, d.h. im Wesentlichen auch der Abbau von silberhaltigem Bleiglanz, begann in Mitteleuropa im 8. Jahrhundert. Im 10. Jahrhundert begann der Silberbergbau am Rammelsberg und in den Vogesen, im 11. bis 12. Jh. im sächsischen Erzgebirge (seit 1168) sowie im Schwarzwald (seit 1028). Es war die Hochblüte des hochmittelalterlichen Bergbaus in Deutschland. Im 14. Jh. fand ein Niedergang des Bergbaus statt, wesentlich bedingt durch nicht lösbare Wasserprobleme in den Gruben und durch die Pest-Epidemien um 1350. Der Bergbau blühte jedoch im 15. Jh. bis 16. Jh., besonders am Rammelsberg, wieder auf. Auf die Zeit um 1200 geht auch der bedeutende Cu-, Ag- und Pb-Bergbau im Oberharz zurück. Im 13. Jh. erlangten die überregionalen Bergbaureviere in Böhmen (Kutna Hora), Oberschlesien (die Bleierz-Reviere Beuthen und Troppau) sowie Villach in Kärnten, was zu Bamberg gehörte, große Bedeutung. Vom 15. bis 17. Jh. entstand eine zweite Montankonjunktur, die im 16. Jh. zur Gründung der Bergstädte St. Andreasberg, Clausthal, Zellerfeld, Lautenthal, Wildemann, Schneeberg, Marienberg und Zschopau, welches zum ehemaligen Bergamt Marienberg gehörte (erstmalig erwähnt 1407), führte. Ebenso ist der Kupferschieferbergbau bei Mansfeld zu nennen.

Seit Mitte des 17. Jh. bis Anfang des 20. Jh. veränderte sich das Montanwesen drastisch. Die wohl revolutionärsten Innovationen war die seit 1627 eingesetzte Bohr- und Sprengarbeit, welche die Jahrtausende alte Schlägel- und Eisenarbeit ersetzte, sowie neue Förder- und Wasserhebetechniken. Den größten Wandel erfuhr jedoch der ehemals auf Deutschland und seine Randgebiete Böhmen, Oberitalien und die Vogesen begrenzte Bergbau. Im Zuge des Merkantilismus dehnte er sich auf Spanien, Frankreich, Ungarn, den Balkan, Schweden und ganz besonders England aus. Diesem folgte ein Bergbau-Boom in den neuen Vereinigten Staaten. Einher ging dieser Prozess mit der stürmischen Entwicklung der Naturwissenschaften, neuer Technologien und Verfahren, mit der Entwicklung von Chemie, Maschinen- und Apparatebau und den dafür benötigten Metallen. Blei war dabei eines der wichtigsten. In diese Zeit, d.h. seit der ausgehenden Renaissance bis etwa Ende des 19. Jh., fällt auch das immense Interesse am Sammeln von Mineralien.

Die wohl besten und schönsten Galenit-Kristalle Deutschlands stammen aus der Silber-Bleierzlagerstätte Neudorf im Harz, südlich von Harzgerode, welche Kantenlängen bis 12 cm erreichen und als Würfel, Oktaeder, Rhombendodekaeder und Kub'Oktaeder vorkamen. U.a. wurden perfekte Kub´Oktader bis 8 cm Größe auf Siderit und Quarz gefunden. Die Qualität des Neudorfer Galenits hat den Weltstandard für Galenitkristalle seit dem frühen 18. Jh. geprägt. Der Bergbau in Neudorf wurde in dem 1950er Jahren eingestellt, da die Erzkörper erschöpft waren. Sehr gute Kristalle stammen auch aus Freiberg, Bad Grund und St. Andreasberg (meist würfelig). Kristalle mit "geflossener" (geschmolzener) Oberfläche und schöne Oktaeder wurden im Mansfelder und Sangerhäuser Kupferschiefer gefunden. Im Rammelsberg war Galenit Hauptmineral, kam jedoch kaum in guten Kristallen vor.

Ganz ausgezeichnete Galenitkristalle stammen von Ramsbeck, Meggen und aus dem Steinbruch Becke-Oese im Sauerland. Im Sauerland wurde Blei bereits von den Römern abgebaut. Bleibarren aus dem Sauerland und der Eifel wurden in Schiffswracks im Mittelmeer gefunden. Seit dem 11. Jahrhundert wurden Blei, Silber, Zink und Kupfer gefördert. In der Hellweg-Region war man bei der Salzgewinnung auf Blei aus dem Sauerland angewiesen, da dieses Metall bei Berührung mit Salz nicht korrodiert. Zu den klassischen (Zink)-Bleierz-Lagerstätten gehörten Ramsbeck und Meggen. Das Sauerland war, lange bevor es das Ruhrgebiet gab, schon eine bedeutende Montanregion.

Bleibergbau gab es auch zu Zeiten der Kelten und Römer in Mechernich, Kommern und am Tanzberg bei Kall/Keldenich und ab 1584 bei Bleialf (Grube Gute Hoffnung) in der Eifel. Der Bleibergbau in Mechernich wurde bis Anfang des 17. Jahrhunderts durch Eigenlöhner betrieben. Der lohnende Abbau am Bleiberg begann 1629 mit der Phase der Konzessionierung und wurde vom 18. bis in die Mitte des 19. Jh. forciert, sodass zeitweise bis zu 4.000 Menschen in der Grube und Hütte arbeiteten. Mechernich gilt als die wichtigste Bleierzlagerstätte Deutschlands. Sie wurde 1957 stillgelegt.

Bleierz wurde ebenfalls in Lüderich (Lüdericher Gangzug) und am Maubacher Bleiberg (bei Horm, Hürtgenwald, Düren; seit 1948, stillgelegt 1968), sowie aus der Grube Diepenlinchen in Stolberg (Aachen) gefördert. Wenig bekannt, aber besonders hervorzuheben ist der Bleierzbergbau auf dem Wohlfahrt - Schwalenberger Revier bei Rescheid in der Westeifel, wo reine Bleiglanzgänge mit grobkristallinem Bleiglanz bi zu 2 m Mächtigkeit ("Glasurerz") auftraten und bis zum zweiten Weltkrieg in Abbau standen.

Die Eifeler (Mechernicher und Maubacher) Bleierze sind sogenanntes Knottenerz in Buntsandstein. Die Oberflächen dieser Knottenerze sind häufig durch Zersetzung zu mehligem Cerussit verwittert. Der Bleiglanz kann pro Tonne zwischen 1-6 Gramm Silber als Beimengung enthalten. Wenngleich es (besonders in Mechernich) stellenweise große Bleiglanznester gab, die die Hohlräume zwischen den Geröllen ausfüllten, sind aus den Knottenerz-Lagerstätten nur wenige sammlungswürdige Galenitkristalle bekannt.

In Zschopau in Sachsen wurde seit 1407 silberhaltiger Bleiglanz aus weißem Baryt abgebaut. Diese Silberbergwerke wurden bereits 1546 von Agricola erwähnt. Der silberarme Bleiglanz fand seine Abnehmer bei den Töpfern der Umgebung, welche ihn als "Glätte" benutzten. Die Silbererzförderung hat seit den letzten Bergbauperioden des 18. Jh. an Bedeutung abgenommen, wenngleich von 1766 bis 1781 zeitweise größere Bleiglanzmengen produziert wurden.

Aus der von 1807 bis 1911 tätigen Grube Grimberg in Niederdielfen (Siegen-Wittgenstein), einer seit über 2500 Jahre abgebauten Eisenerzlagerstätte, stammen ausgezeichnte Galenitkristalle (s.o. > Kristalle)

Der Bleibergbau in Deutschland hatte im Jahr 1957 seine höchste Förderung nach dem 2. Weltkrieg erreicht. Doch bereits 1953 zeichnete sich ein Preisverfall ab, welcher bis 1960 anhielt. Aus diesem Grunde kam es bis 1963 zur Stilllegung von 14 der ehemals 21 Gruben in Deutschland. Weitere Schließungen folgten: Maubacher Bleiberg (1968), Ramsbeck (1974), Lüderich (1978), Rammelsberg (1989), Meggen (1992) und Bad Grund (1992). Es gibt heute in Deutschland keine fördernde Bleigrube mehr.


Galenit
Galenit

Neudorf, Harz Größe: 4x5 cm

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Neudorf, Harz Gefunden um 1800. Größe 6,5 x 5 cm

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Freiberg Ehem. Sammlung Scalisi; Größe 7 cm

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Davidschacht, Freiberg, Sachsen Größe: 10x6x5 cm

loparit
Galenit
Galenit

Meggen, Sauerland Größe: 12x9x6 cm

loparit
Galenit
Galenit

Grube Bergmannstrost, Bad Ems Größe: 10x8x6 cm

loparit

Literatur

  • Agricola,G., 1556; De re metallica; Libri XII
  • Dallosch,B., Bode,R., 1994; Die Mineralien des Harzes
  • Haege,T., 1887 (Neuauflage 1980); Die Mineralien des Siegerlandes und der angrenzenden Bezirke
  • Imle,F., 1909; Der Bleibergbau von Mechernich in der Voreifel
  • Klaus,D., 1989; Mineralien und Bergbaugeschichte von Neudorf, Harz. Emser Hefte:10,4,2-43
  • Köhne,R., 2006; Bergbau im Sauerland. Westfälischer Bergbau in der Römerzeit und im Frühmittelalter
  • Kulturhandbuch Siegen-Wittgenstein im Internet: http://www.siwikultur.de/khb/8/4/1985.htm
  • Kutschke,D., Arnolöd,C., Leissring,B., Ullrich,B., 1990; Die Heilige Dreifaltigkeit Fundgrube bei Zschopau; Fundgrube:4
  • Liessmann,W., 1997; Historischer Bergbau im Harz; 2. Aufl.
  • Pawlowski,D., 1991; Mineralfundstellen im Sauerland
  • Schüttler,A., 1939; Kulturgeographie der mitteldevonischen Eifelkalkgebiete. Beitr. z. Landesk. d. Rheinlande:III. Reihe,H.1
  • Vollstädt,H., 1979; Einheimische Minerale; Dresden
  • Vollstädt,H., Weiss,S., 1991; Mineralfundstellen Sächsisches Erzgebirge
  • Zimmermann,U., 2004; Mittelalterlicher Bergbau auf Eisen, Blei und Silber; Instit. f. Ur- und Frühgeschichte, Univ. Freiburg
  • http://ww.wilnsdorf-niederdielfen.de/niederdielfen.htm


England und Irland

Galenit
Galenit

Galenit auf Ankerit Cumbria (4x6 cm)

Kevin Ward
Galenit
Galenit

Alston Moore Bergbaurevier, Cumbria Größe: 5x6 cm

Fabre Minerals

England, resp. Britannien war eines der bedeutendsten Blei-Förderländer des römischen Reiches, wenngleich die Hochblüte des Bleierz-Bergbaus im 17. Jahrhundert lag. In dieser Epoche war Blei das zweitwichtigste Wirtschaftsgut des Landes. Die wichtigsten, wohl in tausenden von Gruben ausgebeuteten Lagerstätten liegen in Derbyshire und im heutigen Gebiet von Cumbria. Das Haupterz war Galenit, welcher in Kalksteinschichten vorkommt.

Englands berühmteste Galenitkristalle dürften zweifelsohne aus dem alten Bergbaurevier Alston Moor in den nördlichen Penninen in Cumbria stammen. Cumbria war vor 1974 Teil des County Cumberland und wurde nach 1974 in das neue Verwaltungsgebiet Cumbria, ehem. Cumberland, Westmoreland und einem Teil von Lancashire, eingegliedert.

Die Gruben im Nent Valley, darunter die bekanntesten Nentsberry Haggs, Brownley Hill und Smallcleugh, wurden nicht nur für weltbesten Barytocalcit, Alstonit, Baryt, Calcit und Brianyoungit, sondern auch für hervorragende Galenite berühmt. Die Bleierz-Lagerstätten von Alston Moor wurden seit dem Jahr 1130 abgebaut. Der Galenit fand sich häufig in Hohlräumen. Die Kristalle sind gewöhnlich (gestörte) Würfel und Oktaeder. Die besten Stufen wurden im 19. Jahrhundert gefunden. Am spektakulärsten waren Kub'Oktader bis 10 cm Größe, zusammen mit Ankerit, Quarz und Sphalerit, von Brownley Hill. Exzellente Galenitstufen stammen auch aus der Florence Mine im Gebiet von Egremont (südwestlich von Carlisle im Lake District), aus welchem auch die weltbesten Calcite und Baryte kamen. Das Caldbeck Fells Bergbaurevier mit den berühmten historischen Gruben Carrock Fell und Carrock Mine, Dry Gill, Roughton Gill, Mexico Mine, Brae Fell und Red Gill Mine, liegt im Nordosten des englischen Lake Districts. Galenit war das häufigste Mineral der mineralreichen Lagerstätten, kam jedoch meist massiv vor. Es sind daher nur wenige sammlungswürdige Stufen mit Kristallen bekannt.

Nicht unerwähnt sollten auch die schönen Paragenesen von Galenit mit Fluorit bleiben, welche in tausenden Exemplaren in den Flussspat-Gruben von Durham (Weardale) gesammelt wurden. Aus neuerer Zeit stammen u.a. attraktive Stufen aus der Rogerley Mine, welche durch ihre fantastisch fluoreszierenden grünlichblauen Fluorit-Zwillinge weltberühmt wurde.

Das Zentrum des Bergbaureviers von Derbyshire lag in Wirksworth. Die bekanntesten Lagerstätten sind Cromford, Matlock, Elton, Middleton-by-Youlgrave, Bonsall, Hopton und Carsington. Galenit kam fast immer massiv vor, wenngleich im 18. und 19. Jahrhundert Stufen mit hervorragenden Kristallen geborgen wurden. Stufen mit bis zu 2,5 cm großen, scharfen Oktaedern sind in P. Rashleighs "Specimen of British Minerals" (1797) abgebildet.

Berühmte (silberhaltige) Galenitstufen mit tafeligen, verzwillingten Kristallen stammen aus der Herodsfoot Mine bei Lanreath in Cornwall. Aus der Grube Wheal Hope bei Perranzabuloe kamen Ende des 19. Jahrhunderts seltene Blaubleierz-Stufen (Pseudomorphosen von Galenit nach Pyromorphit).

Auch in Wales gibt es zahlreiche Galenit-Lagerstätten. Auch hier wurde das Mineral bereits als Erz von den Römern abgebaut. In Central Wales District wurde Galenit in 130 Gruben, in den Counties Gwynedd (Llanrwst), Clwyd (zwischen Minera, Halkyn und Abergele) zwischen 1845 bis 1938 in 245 Bleigruben abgebaut. Größere, sammlungswürdige Galenitkristalle sind jedoch aus Wales wenig bekannt.

Gute Galenite kommen auch aus der Glencrieff Mine bei Wanlockhead in Schottland.

Außergewöhnlich gut ausgebildete, spiegelglänzende Galenitkristalle bis 5 cm (auf Dolomit) wurden aus der "Großen Geode" der Mogul Mine im Silvermines District, Tipperary, Irland geborgen. Die "Große Geode" ist ein ca. 3x2x1 m großer, mit Galenit, Sphalerit, Pyrit, Quarz und seltenen Sulfosalzen ausgekleideter Hohlraum, aus welchem der in der Zwischenzeit verstorbene cornische Mineraliensammler Richard Barstow 1978 hunderte von perfekten Stufen barg. Die Grube wurde 1982 aufgelassen und geflutet.


Galenit
Galenit

New Glencrieff Mine, Wanlockhead, Schottland Größe: 5,2x3,8 cm

John Veevaert
Galenit
Galenit

Galenit-Zwillinge auf Pyrit Silvermines, Tipperary, Irland (3,2x2,2 cm)

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Galenit-Zwillinge Mogul Mines, Tipperary, Irland Größe: 2,3 x 2,4 cm

Rob Lavinsky

Literatur

  • Bulman,S., 2001; Caldbeck; Images of Cumbria
  • Cooper,M., 2000; Mogul Mine; Min.Record:31 (Leserbrief)
  • Embrey,P.G., Symes, R.F., 1987; Minerals of Cornwall and Devon
  • Green,D., Mc Callum,D., Wood,M., Famous mineral localities: The Brownley Hill Mine: Alston Moor district, Cumbria, England; 2001; Min.Record:31
  • Greg,R.P., Lettsom,W.G., 1858; Manual of Mineralogy of Great Britain and Ireland; Neuauflage 1977
  • Moreton,S., 1999; The Silvermines District, County Tipperary, Ireland; Min. Record:30,2, 99-106

Ost- und Südosteuropa

Galenit
Galenit

Stari Trg, Trepca, Kosovo

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Madan, Rhodopen; Größe 7x8 cm

Collector
Galenit
Galenit

Galenit-Skelette Grube Krushev Dol, Madan, Rhodopen

Mark Wrigley
Galenit
Galenit

Galenit-Zwillinge und Würfel Madan, Rhodopen; Größe 8x11 cm

Collector

Bulgariens Mineralien in den südlichen Rhodopen sind europäischen Sammlern und Museen seit Jahren bekannt. Der Bergbau ist dort seit Jahrhunderten aktiv. Allerdings war im Westen nur wenig über die Vorkommen bekannt, da der größte Teil der Produktion in die damalige UdSSR ging. Bedingt durch hohe Weltmarktpreise für Buntmetalle hat der Bergbau einen neuen Aufschwung genommen und selbst ältere Gruben, welche im Stand-By-Zustand waren, werden wieder betrieben.

Die nahe der griechischen Grenze liegenden Lagerstätten Madan (Gruben Kruchev Dol, Angel Ianakiev, Mogila im Deveti Septemvri-Komplex), Zlatograd (Gruben Androvo bei Erma Reka und Stefan Stefona) und Laki produzieren eine Vielzahl an Erzen und nebenbei hochqualitative Mineralstufen, darunter Galenite aus der Grube Kruchev Dol, welche zu den weltbesten gehören, sowie Manganocalcite, Sphalerite, Chalkopyrite, Quarze und Calcite. Die Madan-Galenite sind meist silbrig-hochglänzend und oft verzwillingt. Zu den häufigsten Formen gehören Kub'Oktaeder, Oktaeder und Würfel. Weitere, bisher wegen ihrer Mineralien wenig bekannte Galenitvorkommen befinden sich nahe Plovdiv, in den Ossogovo-Bergen in West-Bulgarien und nahe des Flusses Thundza.

Schöne Galenite aus Rumänien stammen aus den Süd- und Ostkarpaten und den Apuseni-Bergen. Zu den wichtigsten Blei-Zink-Pyrit-Lagerstätten zählen Boita-Hateg, Borsa-Viseu, Buloia-Gura Baii und Dealul Bucatii sowie die Pb-Zn-Cu-Au-Ag-Erzkörper in Maramures (Gutii-Berge, Muntii Tiblesului), darunter Baia Mare (ehem. Nagybánya, Neustadt, Frauenstadt) mit dem bekannten Einzelvorkommen Herja, Baia Sprie (ehem. Felsobánya, Mittelstadt), Cavnik (ehem. Kapnikbánya, mit den Hauptstollen Boldut, Roata, Gottlieb und Varvara), Ilba-Baita und Baiut-Varatec-Botiza mit umfangreichen Sulfid-Paragenesen. In Herja, nahe des Dorfes Chiuzbaya (ehem. Kisbánya), kam sogenannter "Schmelzbleiglanz" vor, d.h., Galenit mit abgerundeten Ecken. Gut ausgebildete Galenitkristalle bis 10 cm Größe, teilweise mit Baryt und Sphalerit, kommen seit kurzem auch aus der Grube Turt im Bezirk Satu Mare. Weitere bedeutende rumänische Galenit-Lagerstätten sind Toroiaga-Birgau-Tibles, Baia de Aries und Brad-Sacarimb im Südwesten des Landes.

Aus den Blei-Zinkerz-Lagerstätten in Schlesien (Malopolska, Polen) sind ausgezeichnete Galenitkristalle von den Gruben Boleslaw, Olkusz und Pomorzany bekannt. In diesem Bergbaurevier wurde Bleierz und Silber schon vor dem 16. Jh. abgebaut, die Gruben lagen dann jedoch bis Anfang des 19. Jh. brach. Die Förderung der ältesten Grube Boleslaw, welche seit Beginn des 19. Jh. abbaute, wurde Ende 1996 eingestellt. Die Grube Olkusz existierte von 1957 bis 1999. Seit 1975 produziert die neueste und größte Grube Pomorzany.

In der weltberühmten polymetallischen böhmischen Lagerstätte Pribram in Tschechien, in welcher seit dem 14. Jh. auf Silbererz abgebaut wurde, war Galenit das wichtigste Blei- und Silbererz. Das Mineral bildete grobkristalline Gangfüllungen mit Siderit und Sphalerit, der Vojtech/Adalbert-Gang führte bis 70 cm mächtige Galenitbänder. Aus älteren Galenit-Generationen stammen bis zu 6,5 cm große Würfel, aus jüngeren bis zu 1 cm große Oktaeder. Aus dem Michaeli-Gang der Grube Anna wurden 1860 bis 5 cm große, flache Zwillinge nach dem Spinellgesetz gefunden. In Brezové Hory kam Galenit kugelig, tropfsteinartig und dendritisch vor. In Bohutin wurden Aggregate aus stengeligem bis nadeligem, tektonisch verformtem Galenit gefunden. In Hajé wurden extrem säulig gestreckte Kub'Oktaeder und tafelige Kristalle beobachtet, welche dicht von Arsen ummantelt waren. Weitere bekannte Galenitvorkommen im Erzgebirge (Krusne Hory) waren Medenec (Kupferberg), wo man silberhaltigen Galenit seit 1446 grub, Moldava und Vrancice bei Milin. Weniger bekannt ist das Galenit-Vorkommen von Arovo bei Plesivec in der Slowakei, welches seit 1680 auf Galenit abgebaut wurde.

Aus der weltberühmten Zink-Bleierz-Lagerstätte Trepca im Kosovo (bekannteste Grube Stari Trg), in welcher mehr als 70 meist sehr gut ausgebildete Mineralarten vorkommen, wurden bis über 10 cm große, oft mit Calcit vergesellschaftete Galenit-Kub'Oktaeder, sowie Würfel und Oktaeder gefunden. Das Vorkommen war bereits den Römern bekannt. Die erste schriftliche Erwähnung stammt von aus dem Jahre 1303.

In Ungarn kamen Galenitkristalle von der Lagerstätte Rudabánya, welche im Mittelalter auf Blei und Silber und seit Mitte der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf Eisenerz abgebaut wurde.

Am Ägäischen Meer in Griechenland gibt es mehr als 150 Blei-Zink- und Kupferlagerstätten unterschiedlicher Größe in Form von Gängen, Erzlinsen und als massive Verdrängung in Marmor. Die Bleierz-Vorkommen von Lavrion, ca. 50 km südöstlich von Athen, wurden bereits 1.000 v.Chr. abgebaut. Die eigentliche Hochblüte des Bergbaus war jedoch in der Mitte des 5. Jahrhunderts v.Chr. zur Zeit des Staates Athen. Der wichtigste Grund für die Bleierzförderung war, dass aus diesem Erz Silber für die Münzherstellung gewonnen werden konnte. Die Lagerstätten Lavrions bestehen wesentlich aus Galenit, Sphalerit und Pyrit sowie Pb-Zn-Fe-Oxiden und Carbonaten. Weitere bedeutende Galenitvorkommen in Griechenland sind Olympias Chalkidiki in Mazedonien und Kirki Alexandropoulis in Thracien. Diese Lagerstätte gehört bereits zur metallogenetischen Provinz der Rhodopen und erstreckt sich bis nach Madan in Bulgarien.

Bedeutende Bleilagerstätten gibt es auch in der benachbarten Türkei, so im Umkreis von Akdagmadeni in Zentralanatolien, wo gute Bleiglanzkristalle in Skarn-Mineralisationen auftreten.


Galenit
Galenit

Turt, Satu Mare

Fabre Minerals
Galenit
Galenit

Olkusz, Bytom (Beuthen), Slaskie (Schlesien)

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Herja, Baia Mare

Dan Weinrich
Galenit auf Schalenblende
Galenit auf Schalenblende (SNr: 0526)

Größe: 13 x 9 cm; Fundort: Olkusz, Polen (Fundort unsicher)

slugslayer
Galenit
Galenit

Galenit-Kub'Oktaeder; Größe: 11 x 8 x 7 cm, Turt, Satu Mare

loparit
Galenit
Galenit

Galenit-Oktaeder, Größe: 11 x 6 x 6 cm,; Turt, Satu Mare

loparit

Literatur

  • Adamczyk,Z., Motyka, J., Witkowski, A.J., 2001; Impact of Zn-Pb ore mining on groundwater quality in the Olkusz region
  • Dunning,F.W., Mykura,W., Slater,D., (Hrsg), 1982; Mineral deposits of Europe; Vol.2, Southeast Europe; Min.Soc.Instit. of Mining and Metallurgy
  • Huber,P., Muresan,I.,1996; MIneralienübersicht der wichtigsten Bergbaue des Bezirkes Maramures, Rumänien; Lapis:21,7,60
  • Koch,S., 1985; The minerals of Hungary; 2. Aufl.
  • Kostov,I., Breskovska,V., Mincheva-Stefanova,J., Kirov, G.N., 1964; Mineralite y Bulgarya
  • Lillie,R., 1998; Bulgarian Minerals, 1-18
  • Miclea,I. et.al., 1977; Cristalele Romaniei
  • Mining Journal Yearbook, 2003
  • Sass-Gustkiewicz,M., 1974; Collapse breccias in the ore-bearing dolomite of the Olkusz mine (Cracow-Silesian Ore district); Ann. Soc. Geol. Pol.: 44, 2-3: 217-226
  • Szakall,S., 2002; Minerals of the Carpathians
  • USGS Yearbook 2001, 2000, 1999

Russland, Kaukasus und Mittelasien

Galenit
Galenit

Flachtafelige Galenitkristalle und Sphalerit Dal'negorsk, Primorskiy Kraj, Russland

Kevin Ward
Galenit
Galenit

Galenit mit Sphalerit und Chalkopyrit Nikolaevskiy Grube, Dal'negorsk, Primorskye Kraj, Russland

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Galenit-Kub'Oktaeder mit Quarz Größe: 15x22 cm Dal'negorsk, Primoskiy Kraj, Russland

Collector
Galenit
Galenit

Galenit-Zwillinge Dal'negorsk Größe: 6,5x5 cm

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Dal'negorsk Größe 6x8 cm

Paul Bongaerts
Galenit
Galenit

Grube Nikolaevskiy, Dal'negorsk Größe 9,7x7,3 cm

Dan Weinrich

Russland und die asiatischen Länder der GUS verfügen über zahlreiche Zink-Blei-Lagerstätten, über die in der westlichen Literatur nur wenig bekannt ist. Die bedeutendsten sind die Ganglagerstätten von Sadon (nördlicher Kaukasus), die Lagerstätten Kvaisi und Madneuli südwestlich von Tblisi in Georgien, Turlan (Acisaj, nordöstlich von Turkmenistan in den Kalksteinen der Kara-Tau-Berge), die Baryt-Galenit-Lagerstätte Karagayly südwestlich von Karakalinsk in Kasachstan, polymetallische Erzlagerstätten im Altai-Gebirge, zahlreiche Lagerstätten bei Kansay in den Karamazarer Bergen in Tadjikistan und die Lagerstätten bei Nercinsk im ehemaligen Transbaikalien sowie die Irtysch- und die Leninogorsk-Zonen in Ost-Kasachstan, welche seit dem frühen 19. Jh. abgebaut wurden. Aus den Blei-Zinkerzlagerstätten in Kurgashinkan und Altyn-Topkan in Usbekistan, welche Ende der 1940er Jahre erschlossen wurden, sind interessante Paragenesen von Galenit, Sphalerit und Fluorit bekannt. Die Grube Gyumushlug in Nakhishevan, benachbart zu Aserbeidshan, wurde schon im 6. und 9. Jh.von Arabern auf Silber abgebaut und ist heute ein wichtiger Zink-Bleierz-Komplex.

In den polymetallischen Lagerstätten von Dal'negorsk und Kavalerovo im Primorskiy Kraj (Ost-Sibirien) wurde seit dem 2. Weltkrieg Zinn-, Zink-, und Bleierz abgebaut. Diese Lagerstätten sind im Westen durch ihre hervorragenden Mineralien bekannt geworden. Die größten Galenitkristalle erreichen bis über 25 cm Kantenlänge und kommen als einfache Würfel, als Hexaeder, welche durch Oktaeder modifiziert sind und in bis zu 15 cm großen flachen Zwillingen nach dem Spinell-Gesetz (flach auf [111]) vor. Die besten Stufen mit meist hochglänzenden, sehr scharf ausgebildeten Kristallen stammen aus der Nikolaevskiy und der 2. Sovietskiy Grube. Nicht wenige Kristalloberflächen sehen wie geschmolzen, bzw. teilweise resorbiert aus. Aus dem Bor-Schacht kamen Kristalle bis 3 cm, aus der Grube Sadoviy bis zu 6 cm. Die paragenetisch häufigsten Mineralien sind Pyrrhotin, Chalkopyrit und Quarz.

Die besten (historischen) russischen Galenitstufen sind im Fersman-Museum in Moskau sowie im Bergbau-Institut in St. Petersburg aufbewahrt.

Literatur

  • Betechtin,A.G., 1968; Lehrbuch der speziellen Mineralogie (Hrsg. Rösler, H.J.)
  • Grant,R., Wilson,W.E.; 2001; Famous Mineral Localities: Dal'negorsk, Primorskiy Kraj, Russia; Min.Record:32,1,3-30
  • Hamet,M., Stedra,V., 1992; Die Blei-Zink- und Borlagerstätte Dalnegorsk in Ostsibirien; Min.Welt:6, 46-53
  • Shabad,T., 1969; Basic Industrial Resources of the USSR


Afrika

Galenit
Galenit

Kub'Oktaeder und Würfelstümpfe Bou Skour, Anti-Atlas, Marokko Größe: 6x6 cm

Collector
Galenit
Galenit

Tsumeb

Jasun McAvoy
Galenit
Galenit

Tsumeb

Kevin Ward

Afrikas wichtigste Bleierz-Lagerstätten befinden sich in Marokko (Haute Moulaya und Touissit-Bou Beker), Tsumeb (Namibia), Tunesien-Agreine (Ressas-Ost, Jebel Slata, Jebel Hallouf Kef Oum) sowie Broken Hill (Zambia) und Black Mountain, Namaqualand (Süafrika).

Eines der wirtschaftlich bedeutendsten afrikanischen Galenit-Vorkommen Marokkos waren die Bleierz-Lagerstätten Touissit-Bou Beker im Gebiet Oujda. Hier trat der Galenit mit Sphalerit und Chalkopyrit in rekristallisiertem Dolomit auf. Galenit war eines der Haupterze in Touissit. Es kam in der Regel massiv vor, doch sind Hexaeder, Oktaeder und Kub'Oktaeder bis mehrere cm Länge sowie sphärolithischer, meist matter Galenit bekannt.

Das zweitwichtigste Bleierz-Vorkommen sind die Lagerstätten des Haute Moulaya (Einzellagerstätten Aouli, Sidi Ayad, Sidi Said, Bou Adil, Mibladen u.a). Aouli ist berühmt für Galenitkristalle bis über 10 cm Größe, besonders aber für gut ausgebildete Zwillinge nach dem Spinellgesetz. Galenit von Sidi Ayam trat in Kub'Oktaedern auf und ist mit Fluorit vergesellschaftet. Die Galenite von Mibladen und von Sidi Ayad treten in Baryt auf und sind teilweise zu Cerussit gealtert. Die Kristalle werden im Schnitt bis zu 1,5 cm groß, es wurden jedoch auch größere Exemplare gefunden.

Aus anderen marokkanischen Bleierz-Lagerstätten (Jebel Aouam, Foum Jerrah, Bou Skour, Dait, Erdouzi, Assif el Mal, Sidi Bou Athmane, Ksar-es-Souk, Ouled Hassine) sind mit Ausnahme von Jebel Aouam kaum Galenitstufen als Sammlermineralien bekannt. Für den Sammler seltener Formen sind die epitaktisch auf Pyrrhotit aufgewachsenen Galenitkristalle interessant, welche sich aus Würfeln, Oktaedern, Kub'Oktaedern, Trisoktaedern und Hexakisoktaedern zusammensetzen. Jedoch liegt die Größe dieser Kristalle im Millimeterbereich.

Aus der Lagerstätte Tsumeb in Namibia, wo das Mineral zusammen mit Zink- und Kupfermineralien auftrat, wurde disseminierter Galenit in wirtschaftlich größeren Mengen gefördert. Aus diesem Vorkommen kamen während der Hauptabbauphasen gut ausgebildete Kristalle zutage. Kleinere namibische Galenit-Vorkommen gab es bei Lüderitzbucht, Swakopmund, Pomona, bei Narib und Klein-Fontein im Namaland, Hohewarte nahe Windhoek, bei Kowis, Aus, Kakaus und Kuibis im Damaraland sowie im Damara-Bergland, welche jedoch weniger für sammelwürdige Stufen bekannt wurden.

Grob- bis feinkörniger und oft disseminierter, d.h. fein verteilter Galenit ist aus vielen anderen afrikanische Lagerstätten bekannt, darunter Ägypten (Um Gheigh), wo das Mineral zu Cerussit, Smithsonit und Wulfenit gealtert ist. In diesem Gebiet nahe des Roten Meeres dürften auch die Bleiglanz-Gruben der alten Ägypter gewesen sein), Nigeria (Galenit mit Siderit und Fluorit), Kongo (Kipushi), Tansania, Zambia, Mozambique und selbst in Madagaskar. Aus dem langgestreckten "Bleigürtel" des Marico-Distriktes in Transvaal, Südafrika, sind zahlreiche Galenitkörper beschrieben. Weitere bedeutende Bleierzlagerstätten - tlw. mit gut ausgebildeten Granatkristallen - stammen aus dem Namaqualand.

Literatur

  • Agard,J., (Autorenkollektiv), 1952; Geologie des Gites Mineraux Marocains; Notes et Mem.:87, 179-216
  • Bouadon,J., 1948; Quelques aspects du plomb de substitution au Maroc; Notes Serv. Geol. Maroc:1, 123-133
  • Clavel,M., Tixeront.M., 1971; Un gite de cuivre filonien, hydrothermale intraplutonique; Bou Skour, Anti-Atlas, Maroc. Notes Serv.Geol.Maroc:31,237
  • De Kun, , : Mineral resources of Africa
  • Gebhard,G., 1999; Tsumeb - a unique mineral locality
  • Schneiderhöhn,H.,1931; Mineralische Bodenschätze im Südlichen Afrika


Lateinamerika

Galenit
Galenit

Galenit-Skelette mit Sphalerit und Quarz; Mina Animon, Huaron; Ehem. Smmlg. Peter Bancroft

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Galenitkristalle mit sehr leicht "geflossenen" Oberflächen Naica, Chihuahua

Kevin Ward

Galenit ist eines der am häufigsten vorkommenden Mineralien in den wichtigsten Bergbauländern Lateinamerikas (Mexiko, Peru, Bolivien), wo er meist massiv in sedimentären, metamorphen und magmatischen Gesteinen, oft in hydrothermalen Gängen oder in Mantos auftritt.

Aus den über 80 Erzrevieren in Mexiko, in welchen Galenit meist massiv, oft zusammen mit Sphalerit, Pyrit, Calcit und sekundären Bleimineralien auftritt, sind nur wenige Fundorte bekannt, welche sammlungswürdige Kristalle hervorbrachten. An erster Stelle ist dabei Naica (Municipio de Saucillo, Chihuahua) zu nennen, von wo bis zu 6 cm große einfache Würfel sowie modifizierte Hexaeder und Dodekaeder stammen, gefolgt von den Gruben Francisco Portillo, Potosi und San Antonio el Grande (alle im Municipio Agulas serdán, Chihuahua). Aus der Grube El Potosi sind scharfe Kristalle mit Rhodochrosit bekannt. Die Grube Alamos im Municipio de Alamos, Sonora, lieferte Galenitkristalle mit Silber. Bis zu 4 cm große Galenite kamen von der Grube Los Balcones (Zimapán, Hidalgo), assoziiert mit Jamesonit und Fluorit.

Galenit ist ein häufiges Mineral der Kupfer-Zink-Silberlagerstätten in Peru. Das Land ist seit Jahrzehnten eine der weltweit besten Quellen für gute Galenitstufen. Bekannteste Vorkommen sind Quiruvilca (La Libertad), wo er teilweise Gratonit ersetzt und oft in angeätzten Kristallen auftritt, Pachapaqui (Ancash) mit silbergrauen Würfeln bis 2,5 cm, teilweise überdeckt mit Tetraedrit, Huanzalá (Huanuco), in Hexaeder, Oktaedern und Dodekaedern, oft mit "geschmolzenen" Oberflächen, seltener Zwillinge nach dem Spinell-Gesetz, sowie von Casapalca (Lima), oft als Kub'Oktaeder, welche jedoch meist korrodiert sind und eine irisierende "geschmolzene" Oberfläche haben. Die Casapalca-Galenite kommen häufig zusammen mit Bournonit vor.

Weitere Vorkommen von Galenitkristallen sind die Gruben Herminia, Tentadora, Lucrecia und Mimosa im Julcani-Distrikt (Huancavelica), sowie Madona, Caudalosa, Lira und Carmen im Distrikt Castrovirreyna (Huancavelica). Ausgezeichnete Galenite stammen aus der Chungar (Animon)-Grube, einer untertage abgebauten Zink-Kupfer-Lagerstätte im Erzrevier Huaron, Departamento Pasco. Die bis zu 2,5 cm großen Kristalle sind ungewöhnlich bläulich und nicht selten zu Skeletten korrodiert.

Aus den zahlreichen berühmten polymetallischen Erzlagerstätten in Bolivien, von denen viele seit fast 500 Jahren abgebaut werden, stammen nur wenig bekannte, meist sehr kleine Galenitkristalle aus den Gruben Siglo XX, Llallagua, Animas, Huanchaca und Descubridora in Potosi, sowie aus vielen, jedoch weniger bekannten Gruben in den Provinzen Cochabamba, La Paz und Oruro (Gruben Carangas, Maaria Luisa, Ichucollo und Vicunita).


Literatur

  • Ahlfeld,F., 1967; Mineralogia Boliviana
  • Crowley,J.A., Currier,R.H., Szenics, T., 1997; Mines and Minerals of Peru; Min.Record:28, 4, 7-98
  • Panczner,W., 11987; Minerals of Mexico
  • Seroka,P., 1980; Peru: Mineralfundstellen in den Anden; Lapis:9

USA

Galenit
Galenit

Sweetwater (Milliken) Mine, Viburnum Trend, Missouri

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Sweetwater (Milliken) Mine, Viburnum Trend, Missouri

Kevin Ward
Galenit
Galenit

Sweetwater (Milliken) Mine, Viburnum Trend, Missouri

Joe George
Galenit
Galenit

Galenit mit Pyrit Jasper, Joplin, Missouri (Tri-State Districts)

Fabre Minerals

Aus den Vereinigten Staaten sind seit mehr als hundert Jahren Galenitstufen aus zahlreichen Vorkommen bekannt. In den westlichen Staaten, besonders aus den gangförmigen Lagerstätten in Colorado, stammen außergewöhnlich gut ausgebildete Kristalle. Die bekanntesten Fundorte waren die Gruben Bachelor und Commodore im Mineral County, die Camp Bird Mine im Ouray County, die Eagle Mine im Eagle County und Gruben im Leadville District, Lake County. Prächtige Stufen oktaedrischer Galenite stammen von der Joe Wheeler Mine im Saguache District. Bis zu 8 cm große Kristalle wurden in den Caballo Mountains in New Mexico und ungewöhnlich entwickelte Kub'Oktaeder mit grünem Sphalerit in der Iron Gap Mine im Graham County in Arizona gefunden.

Aus dem Nordosten der USA kamen bis zu 3 cm große Galenite vom Thomaston Dam, Litchfield County, Connecticut. Schon in der Mitte des 19. Jh. waren relativ große Galenitwürfel aus den Bleierzgruben von Rossie, Lawrence County, New York bekannt.

Im oberen Mississippi-Tal liegt der Upper Mississippi Valley Zink-Blei Distrikt, in welchem Sphalerit und Galenit seit dem 17. Jahrhundert gefördert wurde. Im Bundesstaat Wisconsin wurden einige Bleierzgruben bereits von den indianischen Erstbewohnern der USA angelegt, der eigentliche Bergbau fand zwischen den 1800er Jahren bis in die späten 1970er Jahre statt. Es gibt hunderte von aufgelassenen Gruben in diesem Bundesstaat. Galenit ist das Staatsmineral von Wisconsin. Der Distrikt erstreckt sich bis ins benachbarte Iowa und nach Illinois.

Galenit trat in der Regel in körnigen Massen in Gängen bis zu 1 m Mächtigkeit und bis zu 10 m Länge auf. Sehr gut ausgebildete würfelige, oktaedrische und kub´oktaedrische Kristalle waren nicht selten. Ende des 19. Jh. wurden in den Yellowstone Diggings östlich von Mineral Point Würfel von bis 30 x 10 cm Größe gefunden. Die größten Galenitkristalle kamen von der New Hoskins Mine (bis 60 cm Durchmesser) und von der New Cottingham Mine (30 cm Durchmesser). Aus der East Blackstone Mine wurden botryoidale Sphalerite mit Galenit-Kub'Oktaedern geborgen. Bekannt sind auch gitterförmige Skelette, federartige Aggregate, hohle Stalaktiten sowie "Fischgräten-Kristalle". Erwähnenswert sind auch die Vorkommen von Galenit in den Pegmatiten und Daciten im Wausau Pluton sowie in Calcit-Adern in Serpentin in Nord-Wisconsin.

Ausgezeichnete Galenitkristalle kamen akzessorisch aus den Zinkerz-Lagerstätten bei Gordonsville-Elmwood-Cumberland in Tennessee (schöne Stufen mit Sphalerit und/oder Calcit), sowie schöne Galenit-Fluorit-Paragenesen aus Illinois. Beide genannten Lagerstätten wurden nicht auf Bleierz abgebaut.

Die meisten, schönsten und größten sammlungswürdigen Galenitkristalle der USA stammen jedoch zweifelsohne aus dem alten Tri-State Bleigürtel und dem neuen Viburnum Trend Bleigürtel.

Der Tri-State District erstreckt sich von Joplin und Reynolds (Missouri) im Osten, Galena und Baxter Springs (Kansas) im Westen, Picher und Commerce (Oklahoma) im Süden und Webb City (Missouri) im Norden. Der neue Bleigürtel liegt nahe Viburnum (Viburnum Trend) im Südosten von Missouri. Die Lagerstätten sind von Mississippi-Valley-Typ mit schichtförmigen dolomitisierten Kalksteinen und einer einfachen Mineralogie innerhalb stratigraphischer Einheiten.

Der Bleibergbau im alten Bleigürtel begann 1720 durch den Franzosen Philip Francois Renault (Old Mines und Mine La Motte). Das Erz wurde vom Flusshafen Sainte Genevieve aus verschifft. Nicht viel später startete die Bleierzförderung bei Potosi, eine erste Schmelze wurde in Herculaneum errichtet. Im etwas später Tri-State benannten Gebiet wurde mehr als 50 Jahre Zink abgebaut. Im Jahr 1849 wurde in Joplin und anderen Gebieten Bleierz entdeckt, der Bleierzbergbau begann 1853 bei Granby. Bereits im Jahr 1861 wurden bis zu 12 Mio. t Blei pro Jahr hergestellt. Die Bleigruben waren Lieferanten des wichtigsten Kriegsgutes - Bleikugeln. Sie wurden während des amerikanischen Bürgerkrieges hart umkämpft, der Besitz wechselte mehrfach zwischen Konföderierten und der Union. Nach Ende des Bürgerkrieges, im Jahr 1865, begann die "ernste Phase" der bis 1957 Zeit anhaltenden Bleierzförderung. 1914 wurde die riesige Lagerstätte bei Picher in Oklahoma entdeckt. Bis 1918 waren die meisten der bei Joplin liegenden Vorkommen erschöpft und der Bergbau in Folge nach Oklahoma und Kansas verlagert. 1957 wurden sämtliche Gruben in Missouri, resp. im Tri-State District geschlossen. Der Tri-State District war bis zu seiner Schließung im Jahr 1957 eine der größten Zink-Bleierzlagerstätten der Welt.

Aus den Missouri-Gruben im Tri-State stammen Galenite von Museumsqualität und einige der größten Kristalle, bis zu 25 cm große Würfel, oft auf sattelförmigem creme- bis rosafarbenen Dolomit. Nicht selten waren auch Skelett-Galenite mit einer zweiten Generation von Kristallen. Es ist nicht möglich, einem der beiden etwa 320 km auseinander liegenden Bleierzreviere Joplin oder Reynolds den Vorzug zu geben. Joplin hat die meisten Galenitstufen (in Mengen) und Reynolds die qualitativ besten Kristalle hervorgebracht. Aber nicht jede Stufe, deren Fundort mit Joplin angegeben ist, muss von dort stammen.

Aus der Oronogo Mutual Mine bei Oronogo kamen hochglänzende geätzte Krstalle. Im Granby-Distrikt wurden Galenitstufen bis zu mehreren Hundert Kilogramm und teilweise zu Cerussit gealterter Galenit sowie Anglesit und Pyromorphit geborgen.

Die Lagerstätten des Tri-State Districts sind aufgelassen und neue Funde sind nicht mehr zu erwarten. Hochwertige Stufen aus diesen mittlerweile klassischen Vorkommen erzielen Höchstpreise. Das Tri-State Mineralienmuseum in Joplin beherbergt eine anschauliche Sammlung historischer Stufen und Informationen zur Bergbaugeschichte.

Der Viburnum Trend in Südwest-Missouri, mit den bekanntesten Gruben Sweetwater (ehemals Milliken), Brushy Creek, Magmont und Buick, wurde um 1953 entdeckt und seine Erzkörper bis 1963 erschlossen. Mit mehr als einer Milliarde Tonnen identifizierter Reserven war Viburnum Trend im Jahr 1972 der weltgrößte Bleiproduzent. Zeitweise war die Buick Mine die größte aller bekannten Bleigruben. Im Jahr 1986 ging dieser Rang an die Magmont Mine.

1963 wurden im Viburnum Trend die ersten bis zu 12 cm großen Galenitwürfel gefunden. Der größte Galenitkristall wurde 1970 geborgen. Er wiegt 54,3 kg und hat einen Umfang von 81 cm. Im März 1996 kam ein 19x19 cm großer Kristall ans Tageslicht. Die Kristalle sind überwiegend als Würfel, jedoch auch als Oktaeder oder Würfelstümpfe ausgebildet.

Das Vorkommen von Milliken, ausgebeutet durch die heutige Sweetwater Mine, an der westlichen Grenze zum Reynolds County in Missouri wurde 1962 entdeckt und von der Ozark Lead Company abgebaut. Die im Firstenbau abgebauten Räume sind bis zu 10 m breit und bis zu 18 m hoch. Die Grube hat eine Gesamtteufe von mehr als 380 m und es exisieren über 16 km unterirdische Straßen, Lagerräume, Geschäfte und Büros. Die Galenite der Sweetwater Mine sitzen auf Kalkstein oder typisch auf Chalkopyrit. Es wurden Würfel bis 30 cm Kantenlänge gefunden. Der größte im Jahr 1970 gefundene Kristall wiegt knapp 1.000 kg, konnte jedoch wegen seiner Größe nicht geborgen werden und wurde daher als Erz verarbeitet. Besonders attraktiv sind Paragenesen von Galenit mit Calcit aus der Sweetwater Mine. Im Jahr 1971 entdeckte man hervorragende Siegenit-Kristalle.

Die Galenite aus den Fletcher und Sweetwater-Gruben sind sehr oft korrodiert (geätzt), bzw. Pseudomorphosen von Chalkopyrit und Markasit nach Galenit. Seltener sind fächerförmige Galenitblätter zwischen oktaedrischen Kristallen sowie dendritische, mit Sphalerit, Chalkopyrit und Siegenit verwachsene Aggregate. Weitere Vorkommen guter Galenitkristalle sind die Brushy Creek Mine (16 km nördlich von Reynolds), die Gruben Cominco und Viburnum 27 sowie die Indian Creek Mine im Washington County.

Hervorragende Stufen aus den Viburnum Trend-Vorkommen finden sich in jeder Museumssammlung und in vielen privaten Sammlungen. Noch gibt es größere Mengen der erwähnten, sehr gut kristallisierten Galenite, Sphalerite und Calcite. Allerdings ist absehbar, dass auch die Erzkörper des Viburnum Trend irgendwann erschöpft sein werden und Stufen aus diesen Lagerstätten Seltenheitswert bekommen, ähnlich wie am Beispiel der Fluorite aus Illinois und Tennessee.


Galenit
Galenit

Ein ca. 11 cm großer Galenit-Schwimmer (Hexaeder) mit aufgewachsenen Oktaedern Sweetwater (Milliken) Mine, Viburnum Trend, Missouri

Kevin Ward
Galenit
Galenit

Elmwood, Carthage, Smith County, Tennessee

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Elmwood, Carthage, Smith County, Tennessee

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Galenit mit Calcit, Sphalerit und Fluorit Elmwood, Carthage, Smith County, Tennessee 9x14x6 cm

Kevin Ward
Galenit
Galenit

Ein 5,5 x 5 cm großer Galenitkristall mit Calcit Sweetwater (Milliken) Mine, Viburnum Trend, Missouri

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Ineinandergewachsene modifizierte Oktaeder und Kub'Oktaeder Klassikstufe 9,7 x 8,2 cm; gefunden vor 1960. Baxter Springs, Picher Field, Tri-State District Cherokee County, Kansas

Rob Lavinsky
Galenit
Galenit

Sweetwater (Milliken) Mine, Viburnum Trend, Missouri

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Galenit mit Calcit Joplin, Missouri, (Tri-State District) Größe : 50 x 47 mm

JHM
Galenit
Galenit

Galenit mit Fluorit Elmwood, Carthage, Smith County, Tenessee

Collector
Galenit
Galenit

Sweetwater Mine (Milliken) Mine, Viburnum Trend, Missouri Größe: 4,3x5,8 cm

Mark Wrigley
Galenit
Galenit

Baxter Springs, Picher Field, Tri-State Cherokee County, Kansas (7x7,7 cm)

Dan Weinrich
Galenit
Galenit

Galenit-Kub'Oktaeder auf Fluorit Annabel Lee Mine, Harris Creek, Illinois Kantenlänge des Galenit 1,6 cm

Dan Weinrich

Literatur

  • Bancroft.P., 1984; Gems and Mineral Treasures
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