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Granat

Blauer Granat
Blauer Granat

Blauer, nicht farbwechselnder Granat;
5 km E von Nandagala District, Ruangwa Mtwara, 100 km von der Küste; Tansania. Gewicht ca. 0,66 ct

Prof. Henry Hänni

Farbwechselnde und blaue Granate



Ursachen des Farbwechsels bei Edelsteinen

Verschiedene Mineralen (Kristalle) können - je nach Beleuchtung - z.B. von Blau, Blaugrün, Grün oder Violett (im Tageslicht) zu Rot, Rötlichviolett oder Violett (bei Kunstlicht/Glühlampen, Kerzen etc.) ihre Farbe wechseln. Diesen Effekt nennt man Alexandrit-Effekt oder Changieren.
Der Begriff wurde erstmals bei Alexandrit, einer im Tageslicht grünen und im Kunstlicht rötlich-violetten Cr-haltigen Varietät des Chrysoberylls beobachtet; ist aber auch eine charakteristische Eigenschaft mancher Fluorite, Turmaline, Granate, Korund, Disthen, Monazit, Diaspor und Spinell. Ursache des Alexandrit-Effekt sind im Mineral eingelagerte Metalle (beim Alexandrit häufig Chrom), die unter verschiedenen Lichtwellenfrequenzen farbwechselnd aufleuchten bzw. dass die o.a. Mineralien definierte Teile des sichtbaren Lichts absorbieren und gemeinsame Charakteristika in den Absorptionspektren besitzen. Diese Spektren zeigen die unterschiedlichen Wellenlängen des sichtbaren Lichts bzw. welche Anteile vom Mineral/Kristall absorbiert werden und welche Lichtanteile das Mineral/Kristall (fast) unlimitiert durchdringen können. Das Auge erfasst alle nicht-absorbierten Lichtanteile, wodurch der visuelle Gesamtfarbeneindruck entsteht. So ist zum Beispiel mit Leuchtstoffröhren kein Farbwechsel von grün auf rot zu erzeugen, da die ausgesandten Lichtwellen zu sehr dem Tageslicht gleichen. Kerzenlicht hingegen ist hervorragend geeignet, diesen herbeizuführen, es enthält einen hohen Anteil sichtbaren gelben Lichts. Ein ähnlicher Farbwechsel kann durch Tageslicht-Fluoreszenz (z.B. bei Fluorit) bedingt sein, dieser hat nichts mit dem Alexandrit-Effekt zu tun.

Farbwechselnde Granate

Bis etwa Ende der 1990er Jahre waren farbwechselnde Granate in der Mineralienwelt unbekannt, als die ersten bläulich-grauen Rohsteine in Ambahatany, ca. 20 km von Ampahita nördlich von Bekily im Süden von Madagaskar gefunden wurden.

Im Jahr 2002 kaufte ein deutscher Händler zwei Pakete Roh-Granate in Madagaskar und war nach späterer Durchsicht erstaunt, in diesen Lots mehrere perfekt ausgebildete, transparente farbwechselnde Granatkristalle zu entdecken. Diese Kristalle kommen in zwei Farbvarianten vor:
Einmal graugrün bis mehr gelblichgrün bei Tageslicht und rötlich im Kunstlicht, andererseits blaugrün im Tageslicht und purpurrot im Kunstlicht.
Diese Granate wechseln ihre Farbe je nach der Lichtquelle, unter welcher sie betrachtet werden. Die blaue Farbe ist sowohl stark in UV-Licht, als auch in direktem Sonnenlicht. Bei Kunstlicht erscheinen die Granate purpurfarben. Die Ursache dieses Farbwechsels sind kleinste Anteile an Chrom und Vanadium. Die farbwechselnden Granate von Bekily sind eigentlich eine hybride Art, da sie sowohl Charakteristika von Spessartin, als auch von Pyrop bzw. ein Gemisch aus Spessartin- und Pyropmolekülen, wobei Spessartin dominierend sein kann, besitzen.

Die Kristalle haben recht ungewöhnliche Formen, was darauf zurückgeführt wird, dass sie sich in schmalen Spalten eines ziemlich stark gealterten, krümeligen Gesteins gebildet haben, wobei die Lösungen die Gesteinsmatrix erodierten und demzufolge auch die meisten der Granatkristalle teilweise verwittert oder frakturiert sind.

Es gibt auch Berichte über Funde von farbwechselnden Granaten in alluvialen Lagerstätten, in welche sie von ihrem ursprünglichen Entstehungsort transportiert wurden. Kristalle dieser alluvialen Vorkommen zeigen eigenartige, konkave Kristallisationsflächen (siehe Bild). Bedingt durch die Umgebung, in welcher die Kristalle entstanden, ist es schwierig, die genaue Kristallform zu bestimmen; sie zeigen das Trapezoeder (211) als dominante Kristallform sowie untergeordnet das Dodekaeder (110).

Farbwechselnde Granate kommmen nicht nur bei Bekily in Madagaskar vor, sondern werden auch 5 km E von Nandagala im Ruangwa Mtwara-District in der Region Lindi, in alluvialem Kies im Distrikt Tunduru in der Region Ruvuma und im Umba-Tal in der Region Tanga in Tansania gefunden. Auch hier sind die farbwechselnden Granate Pyrop-Spessartin-Gemische; mit Anteilen von Calcium und Titan. (Quelle: Color Encyclopedia of Gemstones).
Auch aus Sri Lanka sind farbwechselnde Granate bekannt, welche im Tageslicht blau, grün und grau und im Kunstlicht rötlich-purpurfarben sind.

Farbwechselnder Granat von Madagaskar
Farbwechselnder Granat von Madagaskar

Farbe bei Tageslicht

Jasun McAvoy
Farbwechselnder Granat von Madagaskar
Farbwechselnder Granat von Madagaskar

Rot im Kunstlicht

Jasun McAvoy

Quellen:

  • Arem, J., 1987; Color Encyclopedia of Gemstones" ,2nd Edition.
  • Schmetzer,K., Bernhardt, H.J., 1999; Garnets from Madagascar with a color change of blue-green to purple ; Winter 1999 Gems & Gemology, 196-201.

Blaue Granate

In den Lehrbüchern und selbst in einschlägigen Mineralienfachzeitschriften (nicht gemmologische Fachzeitschriften) und in nicht wenigen Publikationen von Edelsteinhändlern und Schmuckprofis wird die Farbe von Granaten noch oft und meist mit rot assoziiert; in einigen dieser Veröffentlichungen weiß man aber, dass es auch gelbe, orangefarbene, grüne, braune und selbst farblose bis weiße Granate gibt. Das heißt, die meisten der Schreiber und Herausgeber der o.a. Publikationen sind sich einig, dass Granat in allen Farben vorkommt - außer in blau. Um nur einige Beispiele zu zitieren:

.....das leuchtende Glutrot ist die Urfarbe des Granats, auch wenn man schon lange weiß, daß es Granate in praktisch allen erdenklichen Farben gibt - außer in reinem Blau.....(Extra Lapis No. 9 „Granat“)

.....Granate kommen in allen Farben außer Blau vor.....(Edelsteinlexikon, Wiener Edelsteinzentrum)

.....Die Farbe rot kommt am häufigsten vor, doch es gibt den Granat ebenso in zartem bis intensiven gelb, in verschiedenen Grüntönen, feurigem Orange und feinem erdfarbenen Nuancen. Nur die Farbe blau kann er nicht bieten..... (The Natural Gems Shop)

.....Denn es gibt eigentlich keinen blauen Granat! Schlechtere Qualitäten gehen höchstens von grau nach rot bzw. von grün nach grau..... (crown-jewels.de)


Analyse des blauen Granats von Nandagala, Tansania
Analyse des blauen Granats von Nandagala, Tansania

Zusammensetzung des oben rechts abgebildeten echte, nicht farnwechselnden blauen Granats aus Tansania. SSFF (Schweizer Gemmologisches Institut)

Prof. Henry Hänni

Nicht auf Farbwechsel beruhende, das heißt authentische blaue Granate sind jedoch weder neu noch unbekannt. Rechts oben ist solch ein echter blauer Granat von Nandagala in Tansania aus der Sammlung von Prof. Henry Hänni von der SSEF(1) abgebildet. Der Granat besteht aus Pyrop (34 %), Spessartin (40 %), Almandin (2 %), Uwarowit (1,10 %), Goldmanit (7 %) und Grossular (15 %).

Die blauen Granate sind in einer Suite von farbwechselnden Granaten, welche Vanadiumgehalte unter 1.5 Gew% V2O3 haben. Granate mit V2O3 über 2.3 Vol% wechseln nicht mehr und bleiben auf der blauen Seite. Eine Rolle spielt auch Chrom, das für einen blauen Granat niedrig (< 0.5 Gew% Cr2O3) sein sollte. Im Handel heißen die farbwechselnden Pyrop-Spessartine mit Vanadium nun "Chameleon Garnets", da sie mit der wissenschaftlichen Charakterisierung nicht zu verkaufen wären. (Hänni, H., 2011; pers. Mttlg.)

Echte blaue Granate sind extrem selten und kommen meist in abgerundeten bzw. unregelmäßig geformten Fragmenten ohne Kristallflächen vor. Diese Granate, sofern sie schleifwürdig und von guter Farbe sind, kosten bis zu 1.500 Euro pro Karat. Die Chancen jedoch, einen blauen Granat in der Lagerstätte Bekily zu finden, sind 1.000 : 1, d.h., auf je 1.000 „normale“ Granate kommt ein einziger blauer. Noch seltener sind Fragmente, welche Kristallflächen zeigen; dies jedoch auch deswegen, weil sie wie alle anderen Steine verschliffen werden.


(1)SSFF = Schweizerische Gemmologische Gesellschaft



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