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Olivin

Viele Namen für denselben Stein - Topazion, Chrysolith, Peridot, Olivin und Forsterit

Eine wechselreiche Geschichte

Topazion

Olivin ist, was seine Namensgebung und seine Eigenschaften betrifft, ein problematisches Mineral. Wenngleich bekannt und begehrt in der Antike, dürften nicht alle transparenten grünen Edelsteine Olivin gewesen sein. Eine der wichtigsten Quellen für Olivin von Edelsteinqualität war die ägyptische Insel Zaberged im Roten Meer, die jedoch allgemein als Insel Topazos oder Topazios bekannt war. Daher ist aller Wahrscheinlichkeit nach der grüne "Topazion" des Plinius wohl eher Peridot gewesen. Auch der "smaragdus olearius" war kein Smaragd (wenngleich auch schon im alten Ägypten Smaragde abgebaut wurden und durch den Handel ins antike Europa und bis nach Indien gelangten).

Bekannt waren auch Peridote aus Spanien, welche mit dem hebräischen Namen Tharschisch bezeichnet wurden. Das südliche Spanien war das Tartessus der Griechen und Römer, mit welchem die Phönizier schon in den frühesten Zeiten handelten (zwischen 1000 und 770 v.Chr.). Wahrscheinlich brachten die Phönizier den Peridot zuerst aus Spanien nach Syrien, weshalb er Tharschisch-Stein genannt wurde.

Plinius
Plinius

Naturalis Historia; Ausgabe 1669

Public Domain

(Eine zeitgenössische, für den heutigen Sprachgebrauch aufbereitete Betrachtung, stammt aus der "Mineralogia Polyglotta" von Christian Keferstein (1849), welche im Rahmen des eBook Gutenberg-Projektes für jedermann frei zugänglich ist (http://www.gutenberg.net) und welche wir nachfolgend zitieren:

Der Topazion der Alten und der Pitdah der Hebräer

"Paz im Hebräischen wird mit topazion übersetzt (tuphasjon im Syrischen; griech.: pazon, topazius der Römer). Ueber diesen Stein haben wir durch griechische Schriftsteller verständige Nachrichten, sind nicht allein auf den kritiklosen Plinius angewiesen.

STRABO 16, 198 sagt: "Der Topazion von der Insel Ophiodes bey Aegypten ist ein goldgelber (griechisch: chrysoeidês), durchsichtiger Stein, welcher derartig glänzt (leuchtet), dass man ihn am Tage nicht sehen (unterscheiden) kann; nur während der Nacht wird er von den Einsammlern bemerkt". DIODORUS SICULUS III. 3 sagt: "der Topazion ist glasartig (griechisch: hyalô paremephrês), goldgelb (griechisch: enchryson), findet sich in Felsen; wegen des Sonnenlichtes kann man ihn am Tage nicht sehen, bey Nacht leuchtet er im Dunkeln".

AGATARCHIDES sagt dasselbe, nennt ihn einen undurchsichtigen, glasartigen, gelben Stein; Orpheus de lapidibus wiederholt das Gesagte, bemerkend: dass er zu magischen Zwecken diente.

PLINIUS 37, 32 führt aus dem Juba an: Die Insel Topazon habe ihren Namen von Topazin, oder–wie ein Manuscript liest–opazum, was in der Sprache der Trogloditen (d.i. in der ägyptischen) suchen heisse. Die Arsinoe, Gemahlin des Ptolomaeus Philadelphus habe aus diesem Steine eine Statue von 4 cubitus Höhe (5' 7" rheinländisch) erhalten, die in dem delubrum aufgestellt sey. Als Arten unterscheide man: den prasoides und chrysopteros von lauchgrüner Farbe.

In der neuern Zeit hat BRUCE (Reise nach den Quellen des Nils I. Pag. 255) die Topasinsel (die in der Landessprache Jibbel siberget oder zumrud heisst) besucht; er fand hier Stücke von einem grünen, adrigen, wolkigen, zerbrechlichen Gestein, nicht so hart als Quarz, die siberget und bilur vom Volke genannt wurden. Ob hier ein neuerer Reisender genauere Untersuchungen gemacht hat, ist mir nicht bekannt geworden.

Der (griechische) Topazion, der in grossen Massen vorkam, glasartig und weicher war, wie alle Gemmen, gelbe und grüne Farben hatte, zeichnete sich dadurch aus: dass er, von der Sonne am Tage beschienen, in der Dunkelheit leuchtete, d.i. phosphorescirte. Kein Fossil phosphorescirt so stark und so leicht als der Flussspath in gewissen Abänderungen, besonders der meist smaragdgrüne Chlorophan aus Siberien; liegt dieser im Sonnenlichte, und man bringt ihn dann ins Dunkle, so leuchtet er so stark, dass man nahe Gegenstände dabey erkennen kann.

Wohl ohne Zweifel war hiernach der Topazion unser Flussspath, besonders unser Chlorophan oder stark phosphorescirender Flussspath; dieser hiess Topazion, wenn er gelb war, chrysoprasius bey gelbgrüner Farbe (aus dem man auch Gefässe und grössere Gegenstände verfertigte), und bey grüner Farbe pazion, prasion, prasoides.

Diese Namen sind allmählig auf ganz verschiedene Gesteine übertragen worden; der topazion auf unsern Topas; der Chrysopras auf unsern Chrysopras, einen politurfähigen grünen Quarz, und der prasion auf unsern Prasem, einen grünen gröberen Quarz.

Sonderbarer Weise stehen Flussspath und Topas in einer gewissen innern Relation, sie enthalten beide, wenn auch in verschiedenen Quantitäten, Flusssäure und nach den Beobachtungen von Freisleben (geognostische Arbeiten V. Pag. 232) gehen beide in einander über.

Pitdah im Hebräischen war einer der 12 Edelsteine im Schmucke des Hohenpriesters bey den Juden, der im Griechischen mit Topazion übersetzt wird, im Syrischen mit sorjo, im Chaldäischen mit jarkan, jarukta (d.i. grünlich), im Arabischen mit asphax. Braun (de vestitu sacerd.) sucht zu zeigen: wie durch eine leichte, in den semitischen Sprachen häufige Verwechselung der Buchstaben aus topaza, topza, topda, pitdah wird, welche Etymologie ich ganz dahin gestellt seyn lasse. War der Topazion der Griechen unser Flussspath, so kann er nicht wohl der Pitdah der Hebräer gewesen seyn, denn ein Stück Flussspath würde sich neben den andern kostbaren Edelsteinen im Schmucke des Hohenpriesters nicht gut ausgenommen haben.

Ich sollte meinen: es möchte ein Zusammenhang Statt finden zwischen Pitdah im Hebräischen, mit "pita" im Sanscrit und den indischen Sprachen, womit man die gelben indischen Edelsteine bezeichnet, den gelben Korund, Spinell u.s.w. (der Topas der Juweliere, nicht der Mineralogen), dafür spricht auch: dass im Persischen der pitdah durch laal übersetzt wird, der unser Spinell oder Zirkon war."


Chrysolith

Hingegen war der den Griechen bekannte "Chrysolithos", was goldener Stein bedeutet, wahrscheinlich unser heutiger Topas (ungeachtet dieses Wissens wird bis heute in den USA noch edler Olivin als Chrysolite bezeichnet). Nicht wenige Chrysolithe wurden durch die Kreuzritter zwischen 1100 und 1290 nach Europa gebracht, sei es als "Topazio" (s.a. Plinius), oder im Irrglauben, dass es sich um Smaragde handelte. Dies ist insofern nicht verwunderlich, als es neben den Vorkommen der Insel Zeberged im ägyptischen Roten Meer ebenfalls ägyptische Smaragde gab, auf welche die Kreuzritter Zugriff gehabt haben mögen, wobei es jedoch ohne Zweifel zu gewollten oder unbeabsichtigten Verwechslungen zwischen Peridot und Smaragd bzw. anderen grünen Edelsteinen kam.
Diese Konfusion zwischen Smaragden und Peridoten in vielen Kirchenschätzen, besonders des Marienschatzes des Kölner Doms, wurde eingehend von dem bekannten Gemmologen George Frederick Kunz diskutiert.

Der erste nachweisbare Bergbau auf Smaragde fand im 13. Jh. v.Chr. in Ägypten statt. Die Zubara-Gruben (Sabara), die Smaragdminen der Kleopatra im Wadi Sikait (Plinius erwähnt diese Gruben als in der Nähe von Croptos) belieferten das damalige antike Europa, Persien, das Osmanische Reich und die indischen Mogule mehr als tausend Jahre mit dem wertvollen Edelstein. Der arabische Geschichtsschreiber Mohammed Ben Mansur beschreibt im 13. Jh. die ägyptischen Gruben an der Grenze zum Land der Neger, welches jedoch zu Ägypten gehörte, wo die Smaragde aus Talk und roter Erde ausgegraben wurden. Es wird angenommen (De Laet), dass die Zubara-Gruben Smaragde bis ins 17. Jh. lieferten. Einer der zwölf Steine der Hoshen (Brustplatte) des israelischen Hohepriesters Aaron, welche die Stämme Israels symbolisieren, war ein Smaragd (und ein anderer war Peridot).


Wie oben, stammt eine der historisch umfassendsten Beschreibungen von Chrysolith ebenfalls aus der "Mineralogia Polyglotta" von Christian Keferstein (1849), nachfolgend zitiert:

Unsere Gattung Chrysolith oder Peridot und Olivin.

Der eigentliche, edle Chrysolith oder Peridot der französischen Mineralogen, zeichnet sich durch seine schön pistazien-oder olivengrüne Farbe aus, die bey keinem andern Steine so rein vorkommt, ist durchsichtig, nicht sehr hart, findet sich meist in Geschieben, selten in Krystallen, in Indien, Syrien und Aegypten, aber nicht sehr häufig, dient als Schmuckstein, bekommt gewöhnlich eine Goldfolie, die einen angenehmen grünen Goldglanz ertheilt.

Eine unedle körnige Abänderung ist der Olivin, der in gelbgrünen, körnigen Massen häufig in unserm Basalte erscheint, aber nicht technisch benutzt werden kann, nur ein mineralogisches Interesse hat.

Wie vorher bemerkt ist, wird unser Chrysolith der Zeberjed der Orientalen seyn, der Zabergad im Hindu, Zeberjed im Arabischen;—Seberdsched im Persischen und Türkischen.

Dieser Name ist nicht in das Griechische und Lateinische übergegangen; aber der smaragdus olearius, d.i. der öhlgrüne, mag unser Chrysolith gewesen seyn, der sich eben durch diese Farbe auszeichnet.

Als die neuere Mineralogie sich wissenschaftlich begründete, begriff man unter Chrysolithus verschiedene grüne Steine, Werner beschränkte (1790) diesen Namen auf unsern Chrysolith, den er Krisolith nannte; die französischen Mineralogen nannten ihn aber Peridot, welcher Name hergenommen ist von peridot, peradota, pelidor, wie in den Schriften des Mittelalters ein grüner kostbarer Edelstein genannt wird, von dem wir aber nichts weiter wissen, den wir nicht zu deuten vermögen.

Der Tharschisch der Hebräer und der Chrysolithos

Wir wissen von diesem Schmucksteine nichts, als dass er mit χρυσολιθος übersetzt ist, was entweder Goldstein bedeutet, oder die Gattung χρυσολιθος.

Kerosotholos im Syrischen, auch Krosotholos, wird mit Chrysolithus übersetzt;—kerosotolobi, kerelosotobe im Aethiopischen wird mit Chrysolithos übersetzt, der auch zobhera warek (von warek das Gold) heisst;—χρυσολιθος kommt, so viel ich weiss, bey den griechischen Autoren nicht vor; χρυσος ist Gold;—chrysolithos der Römer, kann mit kerosotholos, auch mit χρυσος zusammenhängen; Plinius 37. 42 spricht ausführlich über ihn, aber so confus, dass gar nichts Bestimmtes aus seiner Nachricht zu entnehmen ist; er redet von indischen, äthiopischen (aureo fulgore translucens), pontischen, arabischen, die alle als Ringsteine dienten, theils hart, theils weich und röthlich wären, in Spanien habe man sie bis zu 12 pondus Schwere gefunden; zum Theil hiessen sie auch Chryselectri, Leucochrysi, Melichrysi, Xanthi oder Xystion;—χρυσολιθος im Mittelalter, wohin auch gerechnet wird ετησιος, αιτησιος, etesius lapis.

Ueber den Tarschisch herrschen sehr verschiedene Meinungen; Luther hat ihn mit Türkis übersetzt, dem ich nicht beypflichten möchte; Bellermann (Urim und Thumim), mit Chrysolith; Bredow (historische Untersuchungen II. 295) mit Bernstein; soll eine Conjectur gemacht werden, möchte ich diesem beypflichten.


Peridot


Der Ursprung des Wortes Peridot bleibt unbekannt. Es ist jedoch sicher, dass dieser Begriff nicht bis vor dem 1. Jh. existierte, dem Jahrhundert von Pliny, welcher als eindeutige Referenz für den Stein „Topazio(n)“ oder „Topazos“ von der Insel Zeberged gilt. Dieser Begriff war bis zum Ende des römischen Reiches in Gebrauch. Aber: Während römischer Zeit war es nicht ungewöhnlich, dass Edelsteine mehr als einen Namen erhielten (ein modernes Beispiel dafür ist der Name Olivin für Peridot). Einer der nachweisbaren Begriffe war „Paederos“ (griech. Für "Schöne Jugend") oder die spätere Version „Pederote“, welche Pliny für Amethyst und Opal benutzte. Das weniger auf korrekte Definitionen bedachte römische Volk jedoch benutzte das Wort „Pederot“ ganz allgemein, um die meisten schönen Edelsteine zu bezeichnen. Eine weitere Herkunftsmöglichkeit des Wortes „Pederote“ könne der arabische Begriff البتراء, Al-Batra für Stein gewesen sein.

Im Jahre 476 kam es zum Untergang des Weströmischen Reiches. Das hellenistisch geprägte oströmische Reich, nach seiner Hauptstadt Byzanz auch Byzantinisches Reich genannt, konnte sich hingegen noch ein weiteres Jahrtausend bis zur Eroberung seiner Hauptstadt 1453 halten. Die römische Kultur, römische und von den Griechen entlehnte griechische Worte und die Sprache gingen als Vermächtnis in das byzantinische Imperium ein.

Zwischen dem 10. und dem 12. Jh. prägten die Kreuzzüge das Bild Europas und des Nahen Ostens. Hierbei tat sich besonders der französische Orden der Templer hervor, welcher durch die Kreuzzüge und deren lukrative Nebenerscheinungen gewaltige Reichtümer anhäuften und große Mengen von Edelmetallen, Juwelen und Edelsteinen nach Europa brachten. Darunter auch den Stein, den wir heute als Peridot bezeichnen. Während der Kreuzzüge tauchte das alte römische Wort „Pederote“ wieder auf; es erschien in dem französischen Buch „Les Lapidaires Francais“, geschrieben zwischen 1100 und 1250. Das Buch, geschrieben für die normannische Aristokratie, behandelte 60 Steinarten, deren medizinischen Nutzen und magischen Eigenschaften. Einer der beschriebenen Steine war der „Pedoretes“. Es gab jedoch davor, im 10. Jh., schon eine Schrift des französischen Aristokraten Solidus, welcher von „Perodote“ sprach.

Vergleicht man den früheren „Perodote“ mit dem etwas späteren „Pedoretes“, so erkennt man, dass die zweite und die dritte Silbe verdreht wurden. Linguistiker nennen dies eine Metathese, ein Phänomen, wobei Silben innerhalb eines gleichen Wortes im Laufe der Zeit verdreht werden. Der nebenstehende Auszug stammt aus dem späteren französischen Buch „Lapidaire des Pierres Gravées“, welches die Etymologie des Begriffs Peridot in Frankreich seit dem 13. Jh. beschreibt. Hier heißt unser Stein im 13. Jh. schon „Peridol“ und wird dann irgendwann im 14. Jh. zu „Peridot“.

Der Ursprung des Namens "Peridot" bleibt jedoch unbekannt. Das Oxford English Dictionary vermutet, dass es sich wohl eher um eine veraltete Form des anglo-normannischen Wortes "Pedoretes" (bzw. des französischen "péridot" des frühen 13. Jh., bzw. des klassischen lateinischen "pæderot"), eine Art von Opal, als um das arabische Wort "Faridat", d.h. Edelstein handelt. Eine weitere Herkunftsmöglichkeit des Wortes „Pederote“ könne der arabische Begriff البتراء, Al-Batra für Stein gewesen sein.

Schiffe der Kreuzfahrer
Schiffe der Kreuzfahrer

Zeitgenössische Darstellung;
Die Kreuzzüge der christlichen Völker des Abendlands waren strategisch, religiös und Wirtschaftlich motivierte Kriege zwischen 1095/99 und dem 13. Jh..
Durch rü...

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Templer
Templer

Siegel

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Peridot
Peridot

Buchauszug 13. Jh.

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Olivin

In Europa nannte man das Mineral Olivin (nach dessen lateinischer Farbbezeichnung oliva), dieser Olivin jedoch stand bisher sowohl für die Edelsteinqualität Peridot, als auch für den gemeinen Olivin. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, gab es auch Olivine, welche als Demantoid-Granat bezeichnet wurden. Mineralogia Polyglotta


Forsterit

In mancher einschlägigen deutschsprachigen Literatur ist zu lesen, dass das Mineral Forsterit nach dem (deutschen) Naturforscher Forster benannt ist. Dies ist falsch.

Das Mineral von der Typlokalität Monte Somma (Vesuv) wurde 1824 vom berühmten französischen Mineralogen Armand Lévy zu Ehren von Adolarius Jacob Forster (1739-1806), einem zu seiner Zeit bekannten englischen Mineraliensammler und Händler, benannt. Forster sammelte und verkaufte ästhetische Schaustufen in seinen Läden in London, Paris und St. Petersburg. Er begann sein Geschäft im Alter von 27 Jahren und führte es 40 Jahre lang. Der englische Laden befand sich in Londons Covent Garden und wurde 1789 eröffnet; das Geschäft in Paris wurde von A.J. Forsters Bruder Ingham Henry Forster geführt.

Die Familie der Deutschen Johann Georg Adam Forster (1754-1794) und Johann Reinhold Forster (1729-1798) kam ursprünglich aus Yorkshire und ließ sich in Preußen nieder.


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