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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Sandcalcit

Sandcalcit


Sandcalcite und auf Calcit basierende Konkretionen

Sandcalcit
Sandcalcit

Rattlesnake Butte, South Dakota, USA. 4.5 cm x 2.5 cm.

Stephanie Martin


Kapitelübersicht



Einleitung

Sandcalcite sind Calcite, die während ihrer Bildung größere Mengen von Sand, zuweilen bis weit über 50%, "poikilitisch" im Kristall eingeschlossen haben. Sandcalcite sind somit eine Variante des Calcits. Sie zeichnen sich gegenüber anderen Mineralien dadurch aus, dass der eingeschlossene Sand das Kristallwachstum nicht wesentlich behindert. Neben Calcit sind sandhaltige Kristalle auch von den Mineralen Baryt (z.B. aus Rockenberg in Hessen), Gips (Wüsten-, bzw. Sandrosen) und Steinsalz bekannt. Sandcalcite sind unter den Calciten eine Seltenheit, auch wenn sie sich nicht gerade durch eine große Attraktivität auszeichnen. Fälschlicherweise werden sie oft als Pseudomorphosen bezeichnet, durch einen einfachen Test mit verdünnter Salzsäure (HCl) kann jedoch schnell das Gegenteil bewiesen werden. Zu den Sandcalciten zählt man auch auf Calcit basierende Konkretionen, die meist eine xenomorphe Struktur aufweisen. Die Bezeichnung Konkretion leitet sich aus den lateinischen Worten „con“ und „crescere“ ab was „zusammen“ und „wachsen“ bedeutet. Sowohl Sandcalcite als auch die angesprochenen Konkretionen sind kristallin, auch wenn man es den Konkretionen äußerlich oftmals nicht ansieht. Häufig treten beide Formen an einer Lokalität nebeneinander auf, ihre Genese ist identisch. Im 18. Jhd. wurden Konkretionen noch als Kuriositäten angesehen. So wurden sie zum Beispiel als Artefakte gedeutet oder für fossile Schildkröteneier gehalten. Die Genese von Sandcalciten und Konkretionen ist nicht grundsätzlich vergleichbar mit der Entstehung der bekannten Wüstenrosen, bzw. Sandrosen, welche auf Gips oder Baryt basieren. Voraussetzung für die Entstehung ist in beiden Fällen aber das Vorhandensein von Wasser - entweder in Form von kapillar aufsteigendem Grundwasser oder deszendentem, also herabsteigendem, Oberflächenwässer.


Genese der Sandcalcite

Zur Genese von Calciten, im Speziellen auch der Sandcalcite, wird Kohlensäure (H2CO3) benötigt. Diese kann z.B. durch die Verbindung von Wasser (H2O) mit dem in der Luft befindlichen Kohlenstoffdioxid (CO2) entstehen. Die Kohlensäure löst Calciumionen (Ca2+) aus dem vorhandenen Kalkstein (Calciumcarbonat (CaCO3)) und dissoziiert zu Hydrogencarbonat (HCO3-). Das in Lösung befindliche Calciumhydrogencarbonat bleibt solange in Lösung, bis sich an einem bestimmten Punkt in meist lockerem Sand, der Mengenanteil an Kohlensäure verändert. Das Gleichgewicht verschiebt sich zu Ungunsten der Kohlensäure und Calciumcarbonat fällt wieder aus. Der oben genannte Punkt könnte eine gewisse Höhe im Sandhorizont widerspiegeln, bedingt durch eine tonige Sperrschicht oder einen Kristallisationskeim, der z.B. auch aus organischen Substanzen bestehen kann, die ein alkalisches Umfeld erzeugen. Aber auch das Hineinkristallisieren in einen vorhandenen, mit lockerem Sand gefüllten „Hohlraum“, wie am Beispiel der „Grotte aux Cristaux“ nahe Fontainebleau bei Paris, ist möglich. Durch eventuell auftretende Grundwasserströme können die Sandcalcite oder auch die Konkretionen nach einer Anfangs kugeligen Form eine richtungsbezogene, stromlinienförmige Form bilden. Derartige Gebilde werden mancherorts auch als Zapfensand bezeichnet, wie z.B. die aus Ochsenhausen in Baden-Württemberg oder vom Mt. Signal in Kalifornien / USA. Die Bildungstemperatur für Sandcalcite entspricht dem geringsten Löslichkeitsprodukt für Karbonat im Wasser, das bei 25°C liegt, was eine rhomboedrische Kristallform der Sandcalcite zur Folge hat. Eine Ausnahme bilden dabei die bekannten Sandcalcite aus dem Indianerreservat Rattlesnake Butte im Jackson County in South Dakota, USA. Die dort auftretenden Kristalle zeigen eine steile hexagonale Pyramide mit abgerundeten Enden. Fazit ist, dass die vorhandenen Konkretionen und Sandcalcite einen Übergang im diagenetischen Prozess der Sandsteinbildung darstellen. Vom lockeren Sand hin zu kompakteren, durch Karbonat gebundene Sandbänke. Allerdings bildet der im Sandstein vorhandene Calcit meist nur einen feinkörnigen, polykristallinen Zement, der die vorhandenen Komponenten des Sandes, wie Quarzkörner, Glimmer, usw. bindet. Dies unterstreicht die Seltenheit der Sandcalcite und ihrer Konkretionen.


Von Sandcalciten und Scheinkristallen

Neben Sandcalciten sind dem Sammler weitere sandhaltige Gebilde in calcitförmiger Ausbildung bekannt, bei denen es sich allerdings nicht um echte Sandcalcite sondern höchstwahrscheinlich um Relikte dessen handelt. Der Unterschied dieser beiden Ausbildungen besteht im Gehalt des Calcits. Echte Sandcalcite führen als Bindemittel der eingeschlossenen Sandkörner kristallinen Calcit, die Scheinkristalle nicht. Hierbei liegt das Augenmerk lediglich auf dem Bindemittel der Sandkörner, die Zusammensetzung des Sandes spielt bei dieser Definition keine Rolle. Bei den Scheinkristallen ist lediglich die Kristallform des Calcits erhalten. Als Bindemittel der Sandkörner dient in diesem Fall Kieselsäure (SiO2).
Ein simpler Test verdeutlicht den Unterschied: Legt man einen Scheinkristall und einen echten Sandcalcit in ein Behältnis mit Salzsäure, so wird sich das Karbonat im Sandcalcit lösen und zurück bleibt ein Häufchen loser Sandkörner. Der durch kieselsäure gebundene und somit karbonatfreie Scheinkristall hingegen wird das Bad in der Säure unbeschadet überstehen.
Bei beiden Ausbildungsformen, sowohl den Sandcalciten als auch den Scheinkristallen, handelt es nicht um Pseudomorphosen.

Oftmals als Sandcalcit bezeichnet, aber keine echten Sandcalcite sind die Scheinkristalle aus dem mittleren Buntsandstein mit den Fundortangaben Lärchengarten, Ochsenlager, Salzlackenbusch oder auch Neckargemünd bei Heidelberg in Deutschland. Sie stehen stellvertretend für eine Reihe weiterer Lokalitäten dieser mineralogischen Besonderheit, aufgeschlossen zum Beispiel nördlich des Schwarzwaldes, in der Pfalz und den Vogesen. Alle diese Lokalitäten führen in derselben stratigrafischen Folge, dem Kugelhorizont im oberen mittleren Buntsandstein, diese Scheinkristalle. In früheren Beschreibungen wurden sie den Sandcalciten zwar zugeordnet, aber schnell rückte man von dieser Zuordnung ab und bezeichnete sie als Pseudomorphosen, was sie ebenfalls nicht sind. Im Grunde handelte es sich um Sandcalcite, deren Carbonatanteil aber irgendwann in der Vergangenheit wieder herausgelöst wurde - übrig blieb nur noch die Calcitform. Eine zusammenfassende Beschreibung erfolgte 1984 durch Dr. H.J. Ahrens (Ahrens, H.J.: „Beobachtungen zur Morphologie und Entstehung der Scheinkristalle aus dem Mittleren Buntsandstein der Heidelberger Umgebung“ Aufschluss 1984, Seiten 407-421.)


Scheinkristalle in Buntsandstein
Scheinkristalle in Buntsandstein

Neckargemünd bei Heidelberg, Odenwald, D. Stufengröße: 7,5 x 5 cm.

skibbo

Ein Scheinkristall auf Reisen

In unserer heutigen Zeit ist es nichts ungewöhnliches, dass Mineralstufen durch die halbe Welt reisen. Zu dem links gezeigten Stück gibt es eine solche Geschichte. Ehemals in der Sammlung Carl Ditter, war dieser Scheinkristall eines von vielen, in den Jahren 2003/2004 aus dem Bestand des Senckenberg Museums in Frankfurt verkauften Stücke. Die Stufe fand einen Abnehmer in den USA und wurde im Jahr 2007 auf einer dortigen Auktionsplattform versteigert. Nachdem das Stück zweimal den Atlantik überquerte landete es über eine kurze Station in Korbach in einer Privatsammlung in Frankfurt, keine 5 km Luftlinie von seinem einstigen Aufbewahrungsort entfernt.

Scheinkristalle in Buntsandstein
Scheinkristalle in Buntsandstein

Salzlackenbusch bei Ziegelhausen, Odenwald, D. Stufengröße 8 x 5,5 cm.

skibbo


Verfasser

endeavour-minerals mit Unterstützung durch skibbo und Erik



Einordnung



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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Sandcalcit/Sandcalcite in Frankreich

Sandcalcit

Vorkommen von Sandcalciten in Frankreich

Die wohl historisch bekannteste Lokalität für Sandcalcite befindet sich in den Wäldern nahe der Stadt Fontainebleau im Department Seine-et-Marne. Der dort gewonnene harte Sandstein wurde für die verschiedenen Bauten in der näheren Umgebung verwendet. Der lockere und sehr reine Sand wiederum fand Verwendung bei der Porzellanherstellung und für Glasuren. Die Fundstelle, ein als „Grotte aux cristaux“ bezeichneter „Hohlraum“ in der Nähe der Gemarkung Belle Croix (Schönes Kreuz), ist eine Auslaugung in den dort vorkommenden „verkieselten“ Sandsteinbänken. Er wurde 1774 bei Steinbrucharbeiten entdeckt und bereits von König Louis XVI besichtigt. Romé de I´Isle beschrieb die zuerst als kristallisierten Sandstein bezeichneten Kristalle und identifizierte sie eindeutig als Calcite. Im Jahr 1781 erfolgte dann von Fabian Gautier d`Argoty eine Beschreibung zur Entstehung der dort vorkommenden Sandcalcite und 1801 folgte eine weitere Beschreibung durch René Just Haúy. Bis etwa 1850 wurde es ruhig um die Kristallgrotte, bis sie ein Arbeiter während des Steinbruchbetriebes wiederentdeckte. Diese Wiederentdeckung erregte großes Aufsehen und die Nachricht darüber gelangte zu einem vor Ort lebenden Geologen namens Elie de Beaumont, ein Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 1853 befasste sich Delesse in seinem Bericht „Ueber die Menge des dem Kalkspath von Fontainebleau beigemengten Sandes“ mit dieser Lokalität. Die Stadt Fontainebleau war sich über den Stellenwert ihrer Kristallgrotte bewusst und wollte ihr „mineralogisches Erbe“ vor weiterem Vandalismus und Plünderungen schützen. Nachdem viele große Sammlungen der damaligen Zeit Proben erhielten, wurde die Grotte durch die Forstverwaltung zugeschüttet und ihre Lage verdeckt. M. Colinet, ein Heimat- und Wanderfreund von Fontainebleau öffnete 1891 einen Teil der Kristallgrotte wieder und schützte sie durch ein Gitter. Er machte sie somit für die Öffentlichkeit zugänglich. Dieses Gitter war aber kein wahrer Schutz und es gelangten immer wieder Stücke aus dieser Grotte in mineralogische Sammlungen. Auf Initiative des Generalrates des Department Seine-et-Marne wurde das Gebiet mitsamt der Kristallgrotte als Geotop eingestuft und die Grotte mehrmals mit neuen Gittern versehen. Auch heute kann man die „Grotte aux cristaux“ noch besichtigen. Nur wird sie nicht als Touristenziel beworben, was es für Auswärtige schwer macht, sie zu besichtigen.


Die "Grotte aux cristaux"

Inschrift in der "Grotte aux Cristaux"
Inschrift in der "Grotte aux Cristaux"

Die Inschrift stammt aus dem Jahr 1891 und wurde von M. Colinet in Auftrag gegeben. Das Datum steht mit der Eröffnung der Wanderwege bei Fontainebleau. (2004); Fotoarchiv I.Löffler

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Grotte aux Cristaux
Grotte aux Cristaux

Ansicht der "Grotte aux Cristaux" bei der Gemarkung Bellecroix nahe Fontainebleau im Department Seine-et-Marne / Frankreich (2004); Fotoarchiv I.Löffler

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Sandcalcite an der Decke der "Grotte"
Sandcalcite an der Decke der "Grotte"

Sandcalcite an der Decke der "Grotte aux Cristaux" , die Kristalle gleiten den gesammten Raum aus. Zu sehen sind auch die starken Beschädigungen. (2004); Fotoarchiv I.Löffler

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Das "schöne Kreuz" als Hinweis auf diese Gemarkung
Das "schöne Kreuz" als Hinweis auf diese Gemarkung

Das Kreuz ist eine Zentrale Marke an der Straße und der Hinweis auf die Gemarkung Bellecroix nahe Fontainebleau im Department Seine-et-Marne / Frankreich (2004); Fotoarchiv I.Löffler

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Ausgelaugter Sandstein
Ausgelaugter Sandstein

Ausgelaugter Sandstein nahe der Grotte aux Cristaux bei Fontainebleau (2004); Fotoarchiv I.Löffler

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Sandcalcit
Sandcalcit

historischer und typischer Sandcalcit von der Grotte aux Cristaux bei Fontainebleau; Größe: Kleinstufe; Fotoarchiv I.Löffler

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historischer Sandcalcit
historischer Sandcalcit

typischer Sandcalcit von der "Grotte de Cristaux" bei Fontainebleau; Größe: 8 x 7 x 4 cm

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Sandcalcit
Sandcalcit

Fontainebleau, Frankreich. Historisches Stück aus dem Bestand von Dr. F. Krantz. Stufenhöhe 5,5 cm.

skibbo

Ihre Entstehung

ist einem Süßwasserkalk zu verdanken, der sich im See von Etampes im Oligozän, vor ca. 25 Millionen Jahren, abgelagert hat. Gebildet hat sich der See aus einer Lagune heraus, die zu Beginn des Oligozäns noch einen Zugang zum Atlantik hatte. Verbunden mit einer Meeresspiegelsenkung sowie tektonischen Verschiebungen des Pariser Beckens verlor die Lagune ihren Zugang zum Meer. Im Pleistozän durchdrängten dann Quellen den Kalkstein, es entstanden Bänke mit härterem „Kalksandstein“, aber es gab auch Bereiche mit lockerem Sand. Diese „verkieselten Bänke“ befinden sich zum Teil im lockeren Sand. Ausgewaschene Hohlräume in den härteren Sandpartien bzw. in den Sandsteinbänken waren zum Teil mit lockerem Sand gefüllt und dienten im Falle der „Grotte aux Cristaux“ als Kristallisationshohlraum. Diese Art der Sandcalcitbildung ist aber dort nur in der näheren Umgebung anzutreffen und unterstreicht die Einzigartigkeit der „Grotte“ nochmals. An anderen Stellen kommen die Sandcalcite und Konkretionen im leicht verfestigten hochreinen Quarzsand vor, sie sind dort aber an einen bestimmten Horizont gebunden. Als Kristallisationskeime dürften organogene Rückstände aus dem Meer gedient haben, wie z.B. Muscheln, Schnecken oder auch Pflanzenreste. So lassen sich die komplett mit Sand durchsetzten Kristallbildungen der dort vorkommenden Sandcalcite am besten erklären.


Entstehung

Lagune und später See von Etampes
Lagune und später See von Etampes

Die Skizze zeigt die Lagune mit Zugang zum Meer sowie den später vorhandenen „See von Etampes“

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Verteilung des Süßwasserkalkes bei Fontainebleau
Verteilung des Süßwasserkalkes bei Fontainebleau

Die Skizze zeigt die Verteilung des Süßwasserkalkes im Gebiet von Fontainebleau

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Bildungsvariante der Sandcalcite
Bildungsvariante der Sandcalcite

Die Skizze zeigt schematisch die mögliche Bildungsvariante der Sandcalcite und ein grobes Schichtprofil des bei Fontainebleau vorkommenden Sandes; Skizze nicht maßstabsgetreu!

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Im Department Seine-et-Marne

gibt es weitere Lokalitäten für Sandcalcite und Konkretionen die geologisch derselben Entstehung entspringen wie die von Fontainebleau. Die meisten befinden sich in Sandgruben, die zum Teil heute noch in Betrieb stehen. Der dort abgebaute, sehr reine Quarzsand findet größtenteils Verwendung in der Glasindustrie. Einer der größten europäischen Flachglashersteller profitiert von diesem dort vorkommenden "Schatz". Das Glas der Pyramide des Louvre, aber auch das Glas welches in Versailles verbaut wurde, ist aus dem selben Quarzsand wie er heute noch in der Region gewonnen wird. Dadurch können auch immer noch hin und wieder schöne Funde von Sandcalciten gemacht werden. Unter anderem westlich von Nemours bei Puiselet, in der Sandgrube nahe Larchant bei Nemours, sowie in Sandsteinbrüchen zwischen Nemours und Poligny. Der Ortsname "Bellecroix" bei Fontainebleau sorgt gerade bei nicht einheimischen Sammlern immer wieder für Verwirrung, steht aber letztendlich nur für eine Gemarkung, die öfters in der Region auftaucht. Aber auch im Süden Frankreichs im Department Lot bei Cabrerets, nahe der "Grotte de Pech Merle", sowie in Quercy bei Montauban in den Midi–Pyrénées gab es Sandcalcite in rhomboedrischen Kristallen. Der dort eingeschlossene Quarzsand ist gröber als der Sand von Fontainebleau und zeigt eine typische sandgelbe Farbe. Ähnliche, wie die bei Heidelberg im Buntsandstein vorkommenden Scheinkristalle soll es im Gebiet der Vogesen, dem ehemaligen Elsaß-Lothringen gegeben haben. Beschrieben wurde dieses Vorkommen von L. van Werveke „Über Pseudomorphosen von Bundsandstein nach Kalkspath in den Vogesen“ in der Mitteilung der Kommission der Geologischen Landesuntersuchung Elsaß-Lothringen, 1, 1, S. 104-107 von 1888.


weitere Fundstellen

Sandgrube bei Nemours
Sandgrube bei Nemours

alte Sandgrube bei Nemours (2003); Fotoarchiv I.Löffler

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verhärtete Sandsteinbänke
verhärtete Sandsteinbänke

verhärtete und ausgelaugte Sandsteinbänke im lockeren Sand in einer aufgelassenen Sandgrube bei Nemours (2003); Fotoarchiv I.Löffler

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Sandcalcite im Sand
Sandcalcite im Sand

Die Schicht mit den Sandcalciten im lockerem Sand, in einem Sandsteinbruch bei Nemours (2003); Fotoarchiv I.Löffler

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Sandgrube bei Lachant
Sandgrube bei Lachant

Eine noch in betrieb befindliche Sandgrube nahe Lachant. In ihr wird sehr reiner Quarzsand abgebaut, der später Verwendung in der Glasherstellung findet.(2006); Fotoarchiv I.Löffler

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Fund von Sandcalcit
Fund von Sandcalcit

Ein Fund von Sandcalcit in einem Sandsteinbruch bei Nemours. Zu sehen sind schön die typischen Rhomboeder. (2003); Fotoarchiv I.Löffler

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Sandcalcit von Lachant
Sandcalcit von Lachant

Typischer Sandcalcit aus der Sandgrube bei Lachant. (2006); Fotoarchiv I.Löffler

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Die Glaspyramide des Louvre
Die Glaspyramide des Louvre

Ein Bestandteil des Glases der bekannten Glaspyramide des Louvre ist der hochreine Quarzsand der Region gewesen.

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Spiegelsaal in Versailles
Spiegelsaal in Versailles

Das Glas welches in Versailles verarbeitet wurde, stammt von einem noch heute sehr bekannten Flachglasherstelle, der mit zu den ältesten Unternehmen Frankreichs zählt. Dieser hat für seine Glaszuta...

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Sandcalcit-Kugel
Sandcalcit-Kugel

"Fontainebleau", Pariser Becken, Frankreich. Durchmesser ca. 4 cm.

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Sandcalcit aus Cabrerets
Sandcalcit aus Cabrerets

Sandcalcit aus der "Grotte de Pech Merle" bei Cabrerets. Typisch für diese Lokalität im Süden Frankreichs sind die groben Sandanteile im Calcit; Größe: 11 x 8 x 7 cm

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Sandkonkretion von Puiselet
Sandkonkretion von Puiselet

sogenannte "Gogotte" ein Eigenname für die Sandkonkretionen von Puiselet; Größe: 12 x 3 x 3 cm

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Sandcalcit von Quercy
Sandcalcit von Quercy

Typischer Sandcalcit von Quercy bei Montauban in den Midi-Pyrénées im Süden Frankreichs. Sie unterscheiden sich nur in der Kristallform von den Sandcalciten von Cabrerets; Größe: 4 x 3 x 3 cm

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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Sandcalcit/Sandcalcite in Deutschland

Sandcalcit

Vorkommen von Sandcalciten und Konkretionen in Deutschland

Neben den berühmten französischen Sandcalciten gibt es eine Reihe weiterer Lokalitäten für Sandcalcite und Konkretionen, welche in den folgenden Abschnitten vorgestellt werden. Es werden einige interessante, leider meist auch klassische Fundstellen in Deutschland und Österreich erwähnt, die den Vergleich zu französischen Sandcalciten allerdings nicht zu scheuen brauchen. Meist sind es reine Fundortangaben nebst deren Literaturangaben. Mit Sicherheit gibt es jedoch eine Menge weiterer Lokalitäten, die aber meist aufgrund der Unattraktivität dieser Calcitvarietät für die meisten Liebhaber schöner „Steine“ eher uninteressant sind und auch deshalb wenig Eingang in die Literatur fanden.

Sandgrube „Motsch“ in Blickweiler bei Blieskastel im Saarland: Die Sandgrube ist in den Sedimenten einer alten Flußterrasse der Blies angelegt, welche die oberen Zwischenschichten des Oberen Buntsandsteins (so1) diskordant überlagern. Im Profil bestehen diese Ablagerungen aus mehrfachen Wechsellagerungen von schräggeschichteten Sanden mit Terrassenschottern und -lehmen. Die Terrassenschotter enthalten vor allem Kalke, Dolomite und Mergel des Oberen Muschelkalks. Die Gerölle selbst sind teilweise durch Kalkausscheidungen miteinander verbacken, die interessanten Calcitkonkretionen kommen in schräggeschichteten Sanden vor und sind wohl durch kalkhaltige Sickerwässer aus den Muschelkalkschottern entstanden.


Sandgrube Motsch
Sandgrube Motsch

Blickweiler bei Blieskastel im Saarland, D.

rtbstone
Sandgrube Motsch
Sandgrube Motsch

Blickweiler bei Blieskastel im Saarland, D.

rtbstone
Sandkonkretion von Blieskastel
Sandkonkretion von Blieskastel

Sandkonkretion von Blickweiler bei Blieskastel Im Saarland; Größe:12 x 10 x 7cm

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Sandcalcit
Sandcalcit

Lange Riecke, Brilon, Sauerland, D. Bildbreite 7 cm.

skibbo

Zu den ungewöhnlichsten deutschen Vorkommen für Sandcalcite und Konkretionen kann man das Vorkommen in den ehemaligen Sandgräbereien der „Langen Riecke“ bei Brilon in Nordrhein-Westfahlen zählen. Die Sandcalcite kommen dort in kreidezeitlichen Sanden vor, den sogenannten Rüthener Grünsanden. Diese Sande haben sich in den Dolinen des devonischen Massenkalkes abgelagert. Die Sandcalcite konnte man hin und wieder in mit Sand gefüllten Gesteinsspalten in den dort vorkommenden Dolinen finden. Eine aktuelle Beschreibung dieses Aufschlusses erfolgte durch I. Löffler „Wiederentdeckt: „Sandcalcite“ aus Dolinen bei Brilon“ Lapis Jg. 36 Nr. 7/8 – Juli/August 2011, S. 72-74. Eine ausführliche Beschreibung dieser Fundstelle findet sich auf der nächsten Seite dieses Portraits.


Dr. Gustav Adolph Kenngott erwähnt ein Vorkommen von Sandcalciten in den Keupersanden der Feuerbacher Heide, einer Parkanlage im heutigen Stadtteil Feuerbach in Stuttgart / Baden Württemberg. Dieses Vorkommen dürfte heutzutage als historisch angesehen werden, da es überbaut ist. (Rudolf Delkeskamp „Über die Krystallisationsfähigkeit von Kalkspat, Schwerspat und Gyps bei ungewöhnlich grosser Menge eingeschlossenen Quarzsandes“ Seiten 185 bis 196 in Zeitschrift für Naturwissenschaften 1902)

Sandkonkretion von Freden
Sandkonkretion von Freden

Sandkonkretion von einer Sandgrube bei Freden nahe Hannover in Niedersachsen; Größe:17 x 5 x 4cm

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Ein weiteres, bisher kaum beschriebenes Vorkommen von Konkretionen ist aus einer Sandgrube bei Freden (Leine) nahe Hannover in Niedersachsen bekannt. Es handelt sich um Pleistozäne Lockersedimente - vorwiegend Schmelzwassersande mit Kies- und Schluffbänken - welche durch mehrere kleinere Gruben und Abbaubereiche aufgeschlossen sind. Elbracht beschäftigt sich in seiner Dissertation aus dem Jahre 2002 mit der Genese von Calcitkonkretionen, unter anderem aus den Aufschlüssen in Freden. Er beschreibt neben kugelförmigen Konkretionen diskusförmige Bildungen, welche zum Teil an junge Klüfte gebunden sind, horizontbeständige liegende und auch "hängende" (sog. Endostalaktiten) oder umgebogene Zapfen, die bis mehrere Meter Länge erreichen können und stratiforme Zementationskörper.


Sandcalcite von Bad Dürkheim
Sandcalcite von Bad Dürkheim

Sandcalcit von Bad Dürkheim aus der Sammlung H.J.Heidtke der mir die Bilder seiner Sandcalcite freundlicher Weise zur Verfügung stellte.

H.J.Heidtke

Nördlich von Bad Dürkheim, am sogenannten Annaberg, der den südlichen Zipfel des rheinhessischen Kalkplateaus bildet, wurden in oligozänen Sanden (hellgraue Sandlagen in den Cerithienschichten) noch in den 70er Jahren des vergangenem Jahrhunderts (u.a. durch Ulrich H. J. Heidtke) Funde von rhomboedrisch gebildeten Sandcalciten gemacht. Daneben sind auch zapfenartige und stalaktitische Formen beschrieben. Nach schriftlicher Mitteilung durch H. J. Heidtke wurde das Fundgebiet im Rahmen von Flurbereinigungen um 1975 herum mit einer Böschung versehen und mit einer ca. 3 m dicken Erdschicht abgedeckt. Weiterhin wird in alter Literatur von Sandlagen an Hängen bei Grünstadt berichtet, wo erbsengroße, teilweise zusammenhängende Konkretionen vorkommen. Über die Sandcalcite in der Historie hat H.Laubmann („Dürkheim mit seiner Umgebung“ im XXV – XXVII Jahresbericht der Pollichia eines naturwissenschaftlichen Vereins der Rheinpfalz 1868 auf den Seiten 85 und 87) berichtet. Weitere Beschreibungen dieser Lokalität finden sich bei H. Arndt, O.M. Reis & A. Schwager (1920): Übersicht der Mineralien und Gesteine der Rheinpfalz, sowie in der Beschreibung des Minerals Calcit auf der Seite 173 des „Geognostische Jahreshefte“ von 1918/1919, München.


Bei Ochsenhausen in Baden Württemberg wurden Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts bei Bauarbeiten zur Erweiterung des Industriegebietes an der B 312, ein Aufschluss in der oberen Süßwassermolasse geschaffen. Es standen verschiedene Schichten losen Quarzsandes, Tonmergel sowie Sandstein an. Entstanden sind die Sande durch das herausheben der Ostalpen, deren Schuttmassen sich über ein verzweigtes Flusssystem im oberschwäbischen Raum ablagerten. In den Sandsteinschichten und dem losen Sand befanden sich Sandcalcite in Form zapfenartiger sowie blumenkohlartiger Gebilde. Des Weiteren konnten auch Sandcalcite in rhomboedrischen Kristallen gefunden werden. Die oberflächlich glatten “ Zapfensande“ erreichten Größen von bis zu 70 cm, andere Formen waren kleiner. Der Name Zapfensand rührt von dem Erscheinungsbild her, welches diese Konkretionen haben. Verursacht wurde diese stromlinienartige Form durch die Fließrichtung des Grundwassers bei der Bildung der Konkretionen. In der Regel waren diese Konkretionen nach Südwesten und Südosten ausgerichtet. Beschrieben wurde der Fund von Dr. Joachim Heider, Alois Wegele und Prof. Dr. G. C. Amstutz in „Beobachtungen über Sandrosen und Zapfensande aus der Süßwassermolasse Südwürttembergs“ Aufschluß September 1976.


Sandkonkretion von Ochsenhausen
Sandkonkretion von Ochsenhausen

Als Zapfensand bezeichnete Sandkonkretion in Form einer Schildkröte aus der ehemalige Baugrube des Liebherrwerkes bei Ochsenhausen; Größe:13 x 5 x 5cm

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Sandkonkretion von Ochsenhausen 2
Sandkonkretion von Ochsenhausen 2

Typischer "Zapfensand" aus der ehemalige Baugrube des Liebherrwerkes bei Ochsenhausen; Größe:17 x 9 x 5cm

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Sandcalcit von Ochsenhausen
Sandcalcit von Ochsenhausen

Sandcalcit wie sie nicht so oft dort vorkamen. Die Kristalle haben die Form von Skalenoedern in Kombination mit Rhomboedern; Fundort ist die ehemalige Baugrube des Liebherrwerkes bei Ochsenhausen; ...

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Sandkonkretionen von Groß-Zimmern
Sandkonkretionen von Groß-Zimmern

3 Sandkonkretionen aus der 1992 stillgelegten Sand und Tongrube der "alten Ziegelei" bei Groß-Zimmern nahe Dieburg in Hessen

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Ein weiteres Vorkommen für auf Calcit basierende Sandkonkretionen war die 1992 stillgelegte Ton und Sandgrube der "alten Ziegelei" bei Groß-Zimmern an der Darmstädter Straße im Kreis Darmstadt - Dieburg in Hessen. Dieses Vorkommen wurde aber nie bearbeitet und hatte nur lokale Bedeutung. Der dort vorkommende Sand hat eine orange Färbung und ist teilweise recht grobkörnig.



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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Sandcalcit/Sandcalcite in Deutschland/Sandcalcite von der "Langen Riecke"

Sandcalcit

Sandcalcite in den Dolinen des Devonischen Massenkalkes der „Langen Riecke“ bei Brilon


Geografische Lage

Brilon liegt im östlichen Teil des Sauerlandes und gehört zum Hochsauerlandkreis. Die über tausendjährige Stadt ist eingebettet in eine hügelige Landschaft und liegt etwa 450 m über NN. Brilon hat mit den dazugehörigen Gemeinden eine Größe von ca. 229 km². Die „Lange Riecke“ ist eine Gemarkung östlich der Stadt Brilon und war eine Bezeichnung für die Briloner Stadtlandwehr.


Geologie

Geologisch gesehen liegt Brilon auf einer ehemaligen Riffzone aus dem Devon. Die Oberfläche der dortigen devonischen Massenkalke ist stark verkarstet, Dolinen sind daher weit verbreitet. Begrenzt wird das Riff im südöstlichen Teil durch Diabaszüge. Der nördliche Teil des Gebietes war zur Zeit des Cenoman (vor etwa 99 Millionen Jahren) ein küstennahes Flachwassergebiet, welches mit entsprechenden Sedimenten bedeckt war. Später wurden diese kreidezeitlichen Sande, bis auf wenige in den Dolinen verbliebene Reste, wieder abgetragen. Diese hellen und feinkörnigen Sande gehören faziell zu den Rüthener Grünsanden. Im Bereich der „Lange Riecke“ ist in Lösung gegangener Calcit unter Einbindung hoher Anteile dieser Sande auskristallisiert. Daher haben die rhomboedrischen Calcite vom Typ „Rüdersdorf“ das Aussehen von kristallisiertem Sand. Nach R. Delkeskamp (1903) enthalten die Briloner Sandcalcite 55,52 % Sand (SiO2), 44,31 % Calcit (CaCO3), 0,88 % Fe2O3 und 0,36 % MgCO3.


Lage der Sandgräbereien um 1853
Lage der Sandgräbereien um 1853

Ausschnitt aus der Situationskarte des Briloner Feldes von 1853

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Blick in die Formsandgrube
Blick in die Formsandgrube

Situation im Sommer 2010: Blick in die völlig verwachsene Formsandgrube in der Langen Riecke bei Brilon

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Briloner Ofenplatte
Briloner Ofenplatte

Der Sand aus der langen Riecke war die Grundlage für den Guss der bekannten Briloner Ofenplatten. Zu sehen ist eine der sogenannten Briloner Ofenplatten in der Dauerausstellung im Heimatmuseum Haus...

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Analyse

Eine in Frankreich durchgeführte Analyse der Briloner Sandcalcite und Konkretionen mittels backscattered electron image, erbrachte folgende Ergebnisse: So bestehen die Sandcalcite, wie zu erwarten, aus 3 Hauptbestandteilen. Zum einen aus einem sehr reinen Calcit (CaCO3) sowie als Bestandteil der Sandkörner hauptsächlich Siliziumoxid (SiO2) und einem geringeren Anteil Kalium (Feldspat). Da die „Sandkörner“ nur wenig gerundet sind und Feldspat als Bestandteil des Sandes vorkommt, wird dieser nicht sehr weit transportiert worden sein.


Calcit im Sandcalcit
Calcit im Sandcalcit

Fragmente von Calcit die im Sandcalcit eingeschlossen sind. Der Calcit diente dabei als möglicher Kristallisationskeim.

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Diagramm 2
Diagramm 2

Diagramm (2) zu der Analyse der Sandcalcite von der langen Riecke bei Brilon

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Linescan einer Sandcalcit Probe aus Brilon
Linescan einer Sandcalcit Probe aus Brilon

Der Linescan zeigt eine Traverse wo die Linie ist. Es zeigt ein K-feldspar Korn und dann schoen die gegenseitige Exclusivitaet von Ca und Si.

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Historisches

Der in der „Langen Riecke“ vorkommende Sand bildete die besten Voraussetzungen für den Sandguss der damaligen Zeit. In ihm wurden die bekannten Briloner Ofenplatten gegossen. Er wurde in mehreren sogenannten Formsandgruben abgebaut und fand Absatz in den Erzhütten der Region wie z.B. Bredelar, Warstein und Ramsbeck. Aber auch bei der regionalen Glasherstellung und in den Töpfereien der Gegend wurde der Sand verwendet. Ernst Heinrich Karl von Dechen (1800-1889) beschrieb als erster im Verhandl. D. Niederrheinische Gesellschaft für Natur und Heilkunde zu Bonn vom 2. Nov. 1854 die sogenannten Sandcalcite aus den Sandgräbereien der „Langen Riecke“ bei Brilon. Im Jahr 1856 erfolgte nochmals eine Veröffentlichung von Dechen im Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, bei der er folgendes schrieb:
„Dem sogenannten krystallisirten Sandstein von Fontainebleau ähnliche Erscheinungen. In der Nähe von Brilon ist in Klüften und Vertiefungen des devonischen (oder Stringocephalenb-) Kalksteins hell-gelblicher und röthlich-gelber Sand abgelagert, welcher als ein guter Form-Sand für die benachbarte Eisen-Giessereien zu Bredlar, Warstein und Ramsbeck gegraben wird. In einer dieser Sand-Gräbereien, an der langen Riecke, SO. von Brilon, finden sich feste Sandstein-Massen, die senkrecht stehen und größere und kleinere zylindrische Räume einschließen, welche mit demselben Sande ausgefüllt sind, der die ganze Ablagerung zusammensetzt. Das untere Ende dieser Sandstein-Massen ist nicht erforscht, da die Gräbereien nicht so tief niedergehen. Die Oberfläche derselben ist unregelmäßig, mit Vertiefungen erfüllt und von größeren und kleineren Sandstein-Kugeln bedeckt. In der Nähe derselben finden sich auch einzelne Sandstein-Massen von kugeliger Gestalt oder aus Gruppen miteinander verwachsener Kugeln bestehend, die mit ganz kleinen Kugeln bedeckt sind. Viele dieser Kugeln zeigen einen Übergang in die Form des ersten spitzen Kalkspath-Rhomboeders, welche an anderen Stellen ganz ausgebildet und mehr oder weniger hervortretend an der Oberfläche des Sandsteines erscheinen. Dieselben sind dem sogenannten kristallisierten Sandsteines von Fontainebleau ganz ähnlich. Die Massen derselben bestehen aus Kalkspath, der sehr reichlich mit Quarzsand erfüllt ist. Ebenso sind die Kugeln und die größeren Stein-Massen zusammengesetzt. Der Bruch derselben hat das Aussehen aller Sandsteine, deren Bindemittel Kalkspath ist, wie z.B. die Kugeln, welche sich in dem bunten Sandsteine am Bleiberge bei Comnern finden. Die Kugeln selbst haben auffallende Ähnlichkeit mit denjenigen, welche in dem Magnesia-Kalksteine bei Sunderland vorkommen. Von besonderem Interesse ist bei diesem Vorkommen von Brilon der Übergang der Kugel-Bildung in Krystall-Gestalten, bei denen die Krystallisations-Kraft des Bindemittels eine Menge von fremdartigen Theilen überwältigt. Die ganze Form der Sandstein-Massen erinnert gewissermaßen an die „geologischen Orgeln", wie sie unter anderem NÖGGERATH von Burtteheid (bei Aachen) beschrieben hat. Hier hat man sich die Bildung offenbar so vorzustellen, dass Kalk-haltige Wasser die Sand-Massen durchzogen, dabei Kanäle gebildet und an den Wandungen derselben, kohlensauren Kalk krystallinisch oder in Krystall-Gestalten abgesetzt haben“.

Vier Jahre später beschrieb R. Stein in seinem Werk „Geognostische Beschreibung der Umgegend von Brilon“ ebenfalls die Sandcalcite. Er stützte seine Beschreibung auf die von Dechen und fügte noch ein paar eigene Beobachtungen hinzu: „Ausser den beschriebenen sedimentären Formationen sind noch die der Kreide zu erwähnen, weil von Tourtia, welche die Gegend von Brilon einst bedeckt hat und später abgeschwemmt worden ist,noch einige Spuren zurückgeblieben sind. Die Tourtia oder der Grünsand von Essen, welcher zum untersten Gliede der oberen Kreide dem Cenoman gehört, ist gewöhnlich ein Sandstein, welcher aus gerundeten, gelblich durchscheinenden und stark glänzenden Quarzkörneren mit oft sehr geringem thonigen Bindemittel besteht und in verschiedener Menge Körner von Glauconit und Brauneisenstein aufnimmt; derselbe geht aber auch einerseits in hellgelben bis weissen Hornstein mit Krystallen von gelbem Eisenkiesel und anderseits in Conglomerate über. Anstehend kommt dieser Grünsand nur in einer Spalte des Kalkes an dem Berge Lange Rieke östlich von Brilon, und in einer Vertiefung bei Oberalme, nordwestlich von Nehden vor. An dem ersteren Punkte ist er noch dadurch ausgezeichnet, dass die durchsickernden, kohlensauren Kalk aufgelöst enthaltenden Wasser die Sandkörner zu traubigen und nierenförmigen Gestalten zusammengekittet haben, und es sollen selbst Krystalle vorkommen, die den Rhomboedern des Kalkspaths entsprechen, und dann warscheinlich den bekannten Krystallen von Fontainebleau gleichen würden, die immer das erste spitzere Rhomboeder darstellen. Lose Stücke des Sandsteins finden sich auch häufig auf den Feldern und sind die Räume, in denen sie vorkommen, auf der von Dechen`schen Karte durch Linien umzogen, auf der anliegenden aber nicht weiter berücksichtigt.“

Eine zunächst letzte Beschreibung der Sandcalcite erfolgte dann durch Bergrath F.H. Lottner in den Jahren 1863 und 64, wonach er die Kristallgröße mit einen ¼ Zoll angab. Die Veröffentlichung erfolgte ebenfalls im „Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie“ sowie in der Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Erst wieder im Jahre 1890 wurde die Fundstelle in der Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe sowie der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont mit ein paar Sätzen erwähnt. Aber auch diese Angaben folgten der Beschreibung von Dechens aus dem Jahre 1856. Vierzehn Jahre später fand dann diese Lokalität Eingang in Dr. Carl Hintzes „Handbuch der Mineralogie“ Bd1 Abt.1 (Carbonate)von 1904. Die letzte Erwähnung erfolgte noch durch W. Paeckelmann in der „Erläuterung zu Blatt Brilon“ von 1936. Wobei man davon ausgehen kann, dass nach Lottner keiner mehr diese Lokalität besucht und gesammelt hat. Danach geriet dieser Aufschluss gänzlich in Vergessenheit. Eine genaue Aussage, ab wann bis wann dort der Abbau von Sand stattfand, kann zum heutigen Stand nicht gesagt werden. Weitere Recherchen sind dafür von Nöten.


3 historische Sandcalcite
3 historische Sandcalcite

3 historische Sandcalcite von der langen Riecke bei Brilon. Fund von 1860

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altes Etikett
altes Etikett

Eines der wenigen Zeugnisse über den Sandabbau in der langen Riecke. So stellen die zum Etikett gehörenden Sandcalcite die einzigen Zeugnisse vergangener Abbautätikeit dar.

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altes Werkzeug aus dem Sandabbau
altes Werkzeug aus dem Sandabbau

Bei den Grabungsarbeiten wurde auch altes Werkzeug angetroffen; Das Werkzeug befindet sich heute im Heimatmuseum Haus Hövener in Brilon.

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Aktuelle Situation

In den vergangenen Jahren begann ich mich, so wie es die Zeit zulies, auf die Suche nach dieser Lokalität zu machen. Nach etlichen Ortsbegehungen konnte ich die Fundstelle im Gelände lokalisieren. Aber es fehlte mir noch der richtige Ansatz, der Sand, zum Nachweis der beschriebenen Sandcalcite. Erst im Herbst 2010 nach einer weiteren Begehung fand ich eher durch Zufall ein stark von Moos bewachsenes Objekt von 60 cm Größe, welches sich von den umherliegenden Gesteinstrümmern stark unterschied. Nach der Reinigung stellte es sich als Sandcalcit heraus, aber größer als in der historischen Beschreibung. Beflügelt von diesem Fund begann ich eine aufwendige Grabung und konnte in den darauffolgenden Wochen noch einige schöne Sandcalcite in verschiedenen Größen bergen. Somit kann ich auch die Angaben von Lottner über die Formen bestätigen: Es traten Calcite in Form von Rhomboedern auf sowie Übergänge derselben in eine kugelige Gestalt und gerundete Kugelaggregate auf. Mit der Grabung versuchte ich auch Erkenntnisse die zur Bildung dieser Sandcalcite geführt haben zu erhalten. So grub ich mich immer weiter in einen „höffigen“ Teil der ehemaligen Formsandgrube hinein und konnte folgende Beobachtungen machen: Entgegen meiner früheren Annahme, sind die Sandcalcite an im Gestein vorhandenen Calcit gebunden, Fragmente von derbem Calcit an ein paar wenigen Sandcalciten zeigte dies deutlich. Der Calcit diente als Kristallisationskeim, wobei auch nicht auszuschließen ist, dass pflanzliche Rückstände als Kristallisationskeim gedient haben, nur konnte ich davon nichts nachweisen. Es machte den Anschein, dass die Sandcalcite eher horizontal, also in einer gewissen Schichthöhe gebildet wurden. Neuere Beobachtungen zeigen aber dass zwar eine bestimmte Höhe für die Bildung eine Rolle spielte, aber man schlussendlich sagen kann, dass sie vertikal gebildet wurden. Das horizontal abgelagerte Material stammt noch aus der Zeit des aktiven Sandabbaus, der zum Teil auch untertägig stattfand. Im nachhinein stellte sich heraus, dass diese Formsandgruben einen wichtigen Lückenschluss der montanhistorischen Geschichte Brilons bildeten.


Am Anfang stand jede Menge Arbeit
Am Anfang stand jede Menge Arbeit

Blick auf die Situation im Herbst 2010. Der Aufwand zur "Untersuchung" des Sandcalcit Vorkommens wird enorm.

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Zugang zu einem untertägigen Sandabbau
Zugang zu einem untertägigen Sandabbau

Während der Untersuchungsarbeiten Aufgeschlossen, ein alter Sandabbau unter Tage; Situation Herbst 2012

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Sandcalcit im Sand
Sandcalcit im Sand

Bei den Untersuchungsarbeiten Aufgeschlossen, ein Fund von Sandcalciten im Sand. Die Situation wurde so gut wie möglich dokumentiert; Herbst 2011

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Sand aus dem Abbau
Sand aus dem Abbau

Feiner Sand aus dem untertägigen Sandabbau der übrig gelassen wurde. Sandcalcite wurden in dieser Tiefe nicht angetroffen. Tiefe zur Erdoberfläche ca. 7 bis 8m; Situation Herbst 2012

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Sandcalcit Fundfrisch aus der langen Riecke
Sandcalcit Fundfrisch aus der langen Riecke

Gerade gefunden und noch sehr dreckig, Sandcalcit in vielen kleine Rhomboedrischen Kristallen; Fund Herbst 2010

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Fund eines größeren Sandcalcites
Fund eines größeren Sandcalcites

Fund eines größeren Sandcalcites im Frühjahr 2011

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typische Sandkonkretion
typische Sandkonkretion

Eine typische Sandkonkretion, die auch oft mit kristallinen Sandcalciten in Form von Rhomboedern vergesellschaftet sind.

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Sandcalcit
Sandcalcit

Sandcalcit von der langen Riecke bei Brilon. Einzelne Rhomboeder von bis 5mm größe, mit Sandkonkretionen auf der Rückseite dieser Stufe. Fund Winter 2010 / 2011; Größe: 14 x 9 x 9

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Sandcalcit 2
Sandcalcit 2

Sandcalcit von der langen Riecke bei Brilon. Aus vielen Subindividien aufgebaute Sandcalcit Kristalle. Fund Herbst 2011; Größe: 7 x 5 x 6

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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Sandcalcit/Sandcalcite in Österreich

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Vorkommen von Sandcalciten und Konkretionen in Österreich

A. Brezina berichtet 1869 über ein Vorkommen von Sandcalciten im heutigen Wiener Stadtteil Sievering, der sich am Berge hinter der heutigen Pfarrkirche in der Fröschelgasse 18 befindet. Dieses Vorkommen wurde vom Kustos des damaligen kaiserlichen Hofmineralienkabinetts Theodor Fuchs während einer geologischen Wanderung entdeckt und vom Pfarrer von Sievering Leo Kwieta von Kwieatkofsky für das damalige Hofmineralienkabinett ausgebeutet. Die Sandgrube in welcher die Sandcalcite auftraten gehört der marinen Stufe des Paläogen im Wiener Becken an. Während sich in einer weiteren, am Fuß des Berges gelegenen Sandgrube immer wieder Fossilien fanden, war erstgenannte Sandgrube mit den Sandcalciten fossilfrei. Im Hangenden der Sandgrube mit der Sandcalcit führenden Schicht befinden sich gröbere Konglomerate des Wiener Sandsteins mit Schichten von sandigem Nulliporenkalk, die sehr wahrscheinlich die Quelle für das notwendige CaCO3 der Sandcalcite gewesen sein dürfte. Die Kristalle selbst traten in Form von Rhomboedern auf und erreichten Größen von teilweise über 2,6 cm Länge. Meist waren sie laut Überlieferung zu Gruppen von mehreren Kristallen zusammengewachsen. Im Sommer 2012 besuchte ich die Lokalität um mir ein Bild dieses historischen Vorkommens zu machen. So musste ich feststellen, dass der Hang im Fußbereich völlig verbaut ist. Ein wenig begangener Weg führte mich aber hinter die verbauten Grundstücke in etwa der mittleren Hanglage. Dort konnte man die alten Abbaue nur noch schemenhaft im Gelände ausmachen, des Weiteren sind die Flächen am Hang völlig überwachsen und überkippt von Gesteinen, die den oberhalb gelegenen Weinbergen zuzuschreiben sind. Anstehende Gesteinsaufschlüsse sind nicht mehr vorhanden, wohl lassen sich aber noch ab und zu Konkretionen sowie die oben erwähnten Konglomerate als lose Brocken im Gesteinsschutt finden.


Fundstelle der Sandcalcite in Sievering / Wien
Fundstelle der Sandcalcite in Sievering / Wien

Blick auf die zugewachsene Fundstelle für Sandcalcite im Wiener Stadtteil Sievering (2012); Archiv:Ingo Löffler

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Konkretion von der Fundstelle Sievering
Konkretion von der Fundstelle Sievering

Fund von einer Konkretion an der Fundstelle für die Sandcalcite von Sievering in Wien (2012); Bildarchiv: Ingo Löffler

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historischer Sandcalcite von Sievering
historischer Sandcalcite von Sievering

Ein klassisches Stück Sandcalcit von Sievering ein Stadtteil von Wien in Österreich; Größe: 20 x 15 x 11cm

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Herr von Morlot erwähnte Sandcalcite aus dem paläogenen Sandstein der Mühlsteinbrüche von Wallsee und Berg, dem heutigen Ort Wallsee-Sindelburg an der Donau in Niederösterreich, bei denen es sich aber sehr wahrscheinlich um Sandkonkretionen handelt. Zu lesen in den von Bergrath Wilhelm Haidinger herausgegebenen Berichte über die Mitteilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien von 1847 Seite 107.

In dem heute völlig bebauten Stadtteil Gersthof in Wien fanden sich im Jahre 1886 in dort befindlichen Sandgruben größere Mengen von Sandcalciten in typischer rhomboedrischer Kristallform, wie auch in Form von runden zusammenhängenden Konkretionen. Eine ausführliche Beschreibung wurde von Dr. Fritz Berwerth verfasst und in den Annalen des K.K. naturhistorischen Hofmuseums Band 1 , S. 31 bis 34 von 1886 veröffentlicht. Die dortigen Sandgruben gehörten nach seiner Beschreibung der sarmatischen Stufe des Wiener Beckens an. Die in den Sandgruben vorkommenden Sedimente hatten fast Gesteinscharakter. Unter einer geröllartig mergeligen Schicht, die zum Wiener Sandstein gehört, befindet sich eine Lage von weißem Sand aus unvollkommen abgerollten Quarzkörnern, in der sich die Sandcalcite vermutlich gebildet haben. Die Sandcalcite kamen immer in Bänken von 3 bis 8 cm Stärke in der erwähnten Sandschicht vor, wobei diese Sandschicht durch eine Schicht von Mergel ins Liegende abgedichtet war. Dies wird der Grund für ihre Bildung gewesen sein.

Vom Wiener Stadtteil Döbling im Nordwesten von Wien kamen Sandkonkretionen ähnlich der „Zapfensande“ von Ochsenhausen. Nähere Informationen zu diesen Vorkommen liegen mir nicht vor. Eine entsprechende Probe ist im NHM in Wien zu besichtigen.

Bei Raab im Innviertel in Oberösterreich befindet sich ein bisher nicht näher beschriebenes Vorkommen von Sandkonkretionen in tertiären Quarzsanden, dort auch als „Sandkindl“ bezeichnet. Die dort vorkommenden Sandkonkretionen können teilweise Größen von bis über einen Meter erreichen. Sie treten in Lagen im nicht diagnetisch verfestigten Sand auf, wobei dabei keine Regelmäßigkeit festzustellen ist.


Freipräparierte Sandkonkretion
Freipräparierte Sandkonkretion

Freipräparierte Sandkonkretion. Das Bild zeigt auch die Lage der Konkretionen in den tertiären Sanden.

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Freipräparierte Sandkonkretionen im Sand
Freipräparierte Sandkonkretionen im Sand

Freipräparierte Sandkonkretionen im tertiären Sand, der mit grobem Abtragungsschutt zum Teil überlagert ist.

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Sandkonkretionen im Sand
Sandkonkretionen im Sand

Sandkonkretionen im tertiären Sand

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Ein weiteres, nicht näher beschriebenes Vorkommen für Sandkonkretionen, welches heute nur noch als historisch zu bezeichnen ist liegt bei Stanz im Mürztal in der Steiermark. Die Konkretionen kamen dort in einer Sandgrube vor, die heute als Badesee dient. Der dort vorkommende Sand war sehr fein, die Konkretionen haben typische kugelartige Gebilde geformt, wobei auch mehrere Kugeln zusammengewachsen sein konnten.


Sandkonkretion von Stanz in der Steiermark
Sandkonkretion von Stanz in der Steiermark

Sandkonkretion von einer mittlerweile zugelaufenen Sandgrube bei Stanz im Mürztal in der Steiermark / Österreich; Größe:5 x 5 x 3cm

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Sandkonkretion von Stanz in der Steiermark 2
Sandkonkretion von Stanz in der Steiermark 2

Sandkonkretion von einer mittlerweile zugelaufenen Sandgrube bei Stanz im Mürztal in der Steiermark / Österreich; Größe:6 x 4 x 3cm

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Sandkonkretion von Stanz in der Steiermark 3
Sandkonkretion von Stanz in der Steiermark 3

Sandkonkretion von einer mittlerweile zugelaufenen Sandgrube bei Stanz im Mürztal in der Steiermark / Österreich, in Form von 3 Spiegeleiern; Größe:7 x 5 x 3cm

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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Sandcalcit/Weitere Vorkommen in Europa und der Welt

Sandcalcit

Vorkommen von Sandcalciten in anderen Teilen Europas und der Welt


Tschechien

Aus den Sanden um Ostrava, früher Mährisch-Ostrau, im Osten Tschechiens, beschreibt J. Niedzwiedzki in den Verhandlungen der Kaiserlich-Königlichen Geologischen Reichsanstalt von 1871 auf Seite 304, die dort in Form von Rhomboedern vorkommenden Sandcalcite.


Polen

In einer mit paläogenen Sanden gefüllten Kluft im Muschelkalk, auf dem Gelände der Friedrich Bleierzgrube bei Tarnowitz, dem heutigen Tarnowskie Góry in Polen, wurde von Bergrath F.H.Lottner in der Zeitschrift der Geologischen Gesellschaft 1865 auf Seite 441 über einen Fund von Sandcalciten berichtet, welche ebenfalls eine rhomboedrische Kristallform aufweisen. Die beschriebenen Proben befinden sich am Mineralogischen Museum der Humboldt-Universität zu Berlin.


Ungarn

Sandcalcit
Sandcalcit

Borsod-Abaúj-Zemplén Co., Hungary (near Malyi). Größte Stufe 6.0 cm x 3.5cm

Stephanie Martin

Bei Mályi Miskolc im Bükk Gebirge in Ungarn befindet sich ein bisher nicht näher beschriebenes Vorkommen von kugeligen, aneinander gewachsenen Sandcalciten. Die Aggregate können teilweise, wie auf dem Bild zu sehen, recht groß werden. Nach Angaben eines mir bekannten Sammlers handelt es sich um linsenförmige Vorkommen von wenigen Metern im Umfang. Der vorkommende Sand wurde dort in der Kreidezeit abgelagert. In der Tiefe befindet sich dann eine Tonschicht mit Septarien und fossilen Organismenresten, die als Sperrschicht für Grundwässer gewirkt hat.


Sandkonkretion von Ungarn
Sandkonkretion von Ungarn

Sandkonkretion von einem mittlerweile schon historischen Fundort Mályi Miskolc im Bükk Gebirge / Ungarn; Größe:12 x 6 x 4cm

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Sandkonkretion von Ungarn 2
Sandkonkretion von Ungarn 2

Sandkonkretion von einem mittlerweile schon historischen Fundort Mályi Miskolc im Bükk Gebirge / Ungarn; Größe:9 x 7 x 8cm

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Sandcalcit
Sandcalcit

Mályi Miskolc im Bükk Gebirge, Ungarn. Stufengröße 10 x 8 cm.

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USA

Der White River-Sandstein im Indianerreservat Rattlesnake Butte im Jackson County in South Dakota liefert schon über einen sehr langen Zeitraum sehr schöne Sandcalcite. Ihre Durchschnittszusammensetzung liegt bei 40 % CaCO3 und 60 % eingeschlossenem SiO2. Vgl. Link: http://www.minsocam.org/msa/collectors_corner/arc/sdsandcalcites.htm

E.H.Barbour berichtet im Bull. of the geol. Soc. of Am. Vol. 12, von 1901, auf den Seiten 165-172, über Sandcalcite aus den miozänen Sanden der Great Plains Region von Nebraska und Süddakota (Devil Hill), deren Form denen von Rattlesnake Butte ähnlich ist.

Weiter berichtet E.H.Barbour Anfang des 20. Jahrhunderts über neuentdeckte Sandcalcite in rhomboedrischer Form westlich von Nebraska und östlich von Wyoming.

Eine weitere Lokalität für Sandcalcite befindet sich bei Parkfield nahe Monterey in Kalifornien. Dort finden sich ebenfalls Sandcalcite in rhomboedrischer Form. Diese Lokalität wurde beschrieben von Rogers, Austin Flint & Ralph Daniel Reed (1926), Sand-calcite crystals from Monterey County, California: American Mineralogist: 11. 23-28.; Murdoch, Joseph & Robert W. Webb (1966), Minerals of California, Centennial Volume (1866-1966): California Division Mines & Geology Bulletin 189: 118.; Pemberton, H. Earl (1983), Minerals of California; Van Nostrand Reinholt Press: 211.

Am Mount Signal im Imperial County in Kalifornien, kamen ähnliche Konkretionen in Form von Zapfensanden, wie die von Ochsenhausen in Baden-Württemberg vor. Beschrieben wurden sie von K. B. Garner „Concretion near Mount Signal, Lower California, American Journal Sci. 31 page 301- 311 , 1937. Vgl. Link: http://homepage.mac.com/studioarchives/amcimages/nichols.html/

Typische Konkretionen kommen auch hin und wieder in einer Kiesgrube bei Sharon in Vermont vor. Eine Beschreibung dieses Vorkommens erfolgte aber bisher nicht.


Sandcalcit Rattlesnake Butte
Sandcalcit Rattlesnake Butte

Typischer Sandcalcit von Rattlesnake Butte, sie zählen mittlerweile auch zu den amerikanischen Klassikern; Größe:18 x 14 x 8cm

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Sandcalcit
Sandcalcit

Rattlesnake Butte, Jackson County, South Dakota, USA. Stufenhöhe 11 cm.

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Sandcalcit
Sandcalcit

Sharon, Vermont, USA. Stufenbreite 29,3 cm. Eric Greene, TreasureMountainMining.com photo

Eric Greene

Indonesien

Br. Doss erwähnt im „Correspondenzblatt des Naturforschenden Vereins zu Riga“ 1897 Seite 105-108, eine von einem Kapitän aus Sumatra mitgebrachte faustgroße Probe von kristallisiertem Sandstein, einen Sandcalcit.


Namibia / Südafrika

Pearsall erwähnt im Report of the 23. Meeting of the Brit. Assoc. For the advanc. Of sc. Hed at Hull 1853, Noticies and abstracts, 45 einen teilweise kilometerlang mit bis zu 10 cm großen rhomboedrischen Kristallen übersäten Strand zwischen der Insel Ichaboe, welche zu Namibia gehört und der Saldanha Bay, heute zu Südafrika zählend. Leider lässt sich die Lokalität auf dem ca. 800 km langen Strandstück nicht genauer eingrenzen, da nähere Angaben fehlen.


Ägypten

In Ägypten werden mehrere Vorkommen von sogenannten „Knottensteinen“ erwähnt, die in ihrer verschiedenen Form von M. Blanckenhorn, in der Zeitschrift der deutschen Geologischen Gesellschaft von 1901 Seite 307, beschrieben werden. Hierbei handelt es sich ebenfalls um Sandcalcite bzw. Konkretionen. In seinen Beschreibungen nennt er Vorkommen im Cenomansandstein des Westjordanlandes, dem Obereozän, Unteroligozän, Miozän und Pliozän der Libyschen Wüste, den alluvialen Sandsteinen des Niltales, sowie der Oberoligozän-Unterdiluvialen Melanopsisstufe des Niltales. Es werden ebenfalls Sandcalcite von morgenstern- oder blumenkohlartigem Aussehen beschrieben, die östlich des Dorfes Iskar auf der östlichen Seite des Nilufers oberhalb der Ortschaft Heluan auftreten.


Marokko

Sandcalcit
Sandcalcit

Belegstück aus "Taouz", Sahara, Marokko. Stufenbreite 4 cm.

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In einer bekannten englischsprachigen Datenbank für Mineralien und ihrer Fundstellen taucht auch ein Vorkommen für Sandcalcite bei Taouz in der Provinz Er-Rachidia der Meknés-Tafilalet Region auf. Dort werden die Sandcalcite fälschlicherweise als Baryt pseudomorph nach Calcit angegeben, was sie aber sicher nicht sind. Da es aber keine detaillierten Veröffentlichungen über diese Funde gibt und die Angaben recht widersprüchlich sind, kann das Vorkommen nur unter Vorbehalt genannt werden. Zudem ist das Gebiet zu weitläufig um das Vorkommen näher einzugrenzen zu können. Link: http://www.mindat.org/loc-2395.html



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Eingefügter Text von Mineralienportrait/Sandcalcit/Literatur und Links

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Literaturangaben

  • H.J. Ahrens (1984): Beobachtungen zur Morphologie und Entstehung der Scheinkristalle aus dem Mittleren Buntsandstein der Heidelberger Umgebung. Aufschluss 1984, S. 407-421
  • F. Berwerth (1886): Annalen des K.K. naturhistorischen Hofmuseums Band 1; S. 31-34
  • E. H. K. von Dechen (1854): Verhandl. D. Niederrheinische Gesellschaft für Natur und Heilkunde. Bonn
  • E. H. K. von Dechen (1856): Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläonotogie; S. 344-345
  • Delesse (1863): Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft; S. 600-602
  • R. Delkeskamp (1902): Über die Krystallisationsfähigkeit von Kalkspat, Schwerspat und Gyps bei ungewöhnlich grosser Menge eingeschlossenen Quarzsandes. Zeitschrift für Naturwissenschaften; S. 185-196
  • J. Elbracht (2002): Karbonatische Zementation pleistozäner Lockersedimente NW-Deutschlands. Dissertation, Universität Hannover. http://d-nb.info/968545580/34
  • W. Fuhrmann (1968). Sandkristalle und Kugelsandsteine - Ihre Rolle bei der Diagnese von Sanden. Aufschluss 19,5; S. 105-111
  • J. Heider, A. Wegele und G. C. Amstutz (1976): Beobachtungen über Sandrosen und Zapfensande aus der Süßwassermolasse Südwürttembergs. Aufschluss 27, 9.
  • C. Hintze (1904): Handbuch der Mineralogie, Bd.1 Abt.1
  • H. Laubmann (1868): Dürkheim mit seiner Umgebung. Separatabdruck aus dem 25. Jahresbericht der Pollichia; S.85 und 87
  • I. Löffler (2011): Wiederentdeckt: „Sandcalcite“ aus Dolinen bei Brilon. Lapis 36 Nr. 7/8; S. 72-74
  • F.H. Lottner (1863): Zeitschrift der geologischen Gesellschaft
  • F.H. Lottner (1864): Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
  • F.H. Lottner (1865): Zeitschrift der Geologischen Gesellschaft; S. 441
  • von Morlot (1847): Berichte über die Mitteilungen von Freunden der Naturwissenschaften in Wien; S.107
  • Oberbergamt Bonn (1890): Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe sowie der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont. Bonn
  • W. Paeckelmann (1936): Erläuterungen zu Blatt Brilon
  • H. Schneider (1991): Sammlung geologischer Führer, Band 84: Saarland. Bornträger. Berlin, Stuttgart.
  • R. Stein (1860): Geognostische Beschreibung der Umgegend von Brilon. Berlin
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Calciumhydrogencarbonat
  • http://www.saga-geol.asso.fr/Documents/Saga_228_Mineralogie_Bellecroix.pdf
  • http://www.mindat.org/loc-2395.html

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